35. Zahrg
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Religiöses Wochenblatt für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jede« Sonntag und lallet monatlich Ausgabe â 35 Nsldsfenmg 8 43 Aoldpfenmg (freist) Redaktions- schlutz Montag Anzeigen-Preise: Colonelzeile im A»;eizem»il 0,15 Goldmark, Tolsnelzeile im Rrk!-metsik 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. AMk»nst und Off.-Z-b. 0,1g Goldmark. Porto extra. Anzeige« müZen jpAeKens bis Montag morgens tm Zeßtz der Fuldaer Actleudruckerei in Fulda sein.
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WscheMalender.
Ssnnksg. 4. Januar. Fest des hl. Namens Jesu. Ged. des OttavtagS der Unschuld. Kinder.
Montag, 5. Januar. Bigil des Festes Epiphanie. TeleS- phorus.
Dienstag, G. Januar, Fest der Erscheinung deS Herrn. Kollekte für die afrikanischen Missionen.
Mittwoch, 7. Januar. L Tag in der Oktav von Epiphanie.
Donnerstag, 8. Januar. 3. Tag in der Oktav von Epiphanie.
Sreitag, 9. Januar, 4, Tag der Oktav von Epiphanie, amâg, 10. Januar. 5. Tag in der Oktav von Epi-
Das Fest Epiphanie.
(Ev. Matth. 2, 1-12.)
Als Jesus geboren war zu Bethlehem (im Stamme) Juda zur Zeit des Königs Herodes, stehe, da kamen Weise aus dem Morgenlande nach Jerusalem und sprachen: Wo ist der neugeborne König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Morgenlande gesehen und sind gekommen, ihn anzudeten. Al» der König tzerodes dies hörte, erschrak er, und ganz Jerusalem mit ihm. Und er versammelte alle Hohenpriester und Schristgelehrten des Volkes, und erforschte von ihnen, , Ivo Christus geboren werden sollte. Sie aber sprachen zu ihm: Zu Bethlehem (im Stamme) Juda; denn also stehet geschrieben durch den Propheten: Und du, Bethlehem im Lande (des Stammes) Inda, bist keineswegs die geringste unter den Fürsten-Siädten Juda's; denn ans dir wird hervorgehen der Fürst, der mein Volk Israel regieren soll. Da berief HerodeS die Weise» heimlich, und erforschte genau von ihnen die : Zeit, da der Stern ihnen erschienen war. Dann sandte er sie nach Bethlehem, und sprach: Gehet hin und forschet genau nach dem Kinde: und wenn ihr es ge- funden habet, so zeiget mir'S an, damit auch ich komme, eS anzubeten. Als diese den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen her, biè dem Orte, wo daS Kind war, ankam, und |U^ ftonl». Da sie aber den Stern sahen, hatten sie eine ^überaus grohe Freude. Und sie gingen in das K^f' ^^" das Kind mit Maria, seiner Mutter, â^E" "^Ser und beteten es an, Sie taten auch ihre Schätze auf und brachten ihm Geschenke ' Gold Werb- rauch und Myrrhen. Und als sie ,m Schlafe durch sm- Offenbarung gewarnt wurden, bag sie nicht mehr su H^de« zurücklehren sollten, zogen sie aüf einen andern Wege wieder in ihr Land zurück f "
Sine GoldArube. ^w°s°^?^ Est die Freude. Denn wenn k$eutet °»ll Gold, wenn das Herz leer ist nn» K ÄÄScgig
u âlancholie seine Stirne umdüsteâe?
Und was schadete Armut, Not und Bedrängnis einem Franziskus, der so reich war an Freude, daß die freudehungrigen Menschen noch heute von seinem Ueberfluß zehren?
Freude hatte sich in die Herzen der Dreikönige ergossen wie ein Bergstrom. Die sonst so einsilbige Bibel nimmt den Mund voll, um uns einen Begriff von der Größe dieser Freude zu geben. Es hätte genügt zu sagen, daß die Könige sich gefreut haben. Mit einer gewissen Ausführlichkeit und Behaglichkeit schreibt aber Sankt Matthäus: „Es freuten sich die Könige mit einer überaus großen Freude".
Und der Strahl dieser Freude ging aus vom Stern. In der Heimat war er ihnen zuerst aufgegangen: auf der Reise aber war er wieder verschwunden. Jerusalem fanden sie in einem Nebel von Unwissenheit und Gleichgültigkeit. Wenn die eigenen Landsleute und Mitbürger nicht» wußten von dem neugeborenen Messias, wie sollten dann die Fremdlinge aus dem fernen Osten ihn finden? Dazu kam das Verschwinden des Steriles. War vielleicht doch die Sache mit dem neugeborenen König ein bloßer Traum, eine kühne Suggestion? Und nun plötzlich vor den Toren der Stadt Bethlehem das große Licht, der helle Stern. Verschwunden war da alle Traurigkeit, zerrissen jeglicher Zweifel: froh blitzten wieder ihre Augen; Jauchzer und Jodler rissen sich von ihren Lippen, baß die Triften und Fluren davon widerhallten. Und welche Freude erst, als sie ihren Schatz gefunden, als sie ihren Gott und Heiland in der Krippe erkannten, als ihre Augen sich weideten an dem Bilde seiner jugendlichen Schönheit. In der Begeisterung taten sie ihre Truhen und Kasten auf und holten die Gaben des Morgenlandes hervor, Gold, Weihrauch und Myrrhen, ließen sich anbetend auf die Kniee nieder und brachten dem Gotteskinde ihre fürstlichen Gaben.
Auch wir sollen und können Goldgräber sein. Die Freude ist eine Leidenschaft, die Befried'"ung verlangt. Schade, daß die Menschen so vielsacy zu den Zisternen laufen, um Freude zu nippen. Wenn sie nicht lärmen und lachen, trinken und ludern, so meinen sie, es sei keine Freude gewesen. Toren, die ihr die Quelle der wahren Freude vergesset und euch Zisternen grabet, wo Molche und Würmer kriechen. Die Goldgrube der wahren Freude ist die Religion, ist die Uebung der Religion in den For- men unserer katholischen Liturgie. Wenn du heute dem Gottesdienst beiwohnst, wenn vor deinen Augen die Krippe sich erhebt, wenn dort neben den Hirten die Könige knieen, wenn sie dort ihre Gaben opfern, wenn ihre Kamele, Dromedare, ihre Esel und Pferde neugierig in den Stall blicken, wenn das Jesuskind zwischen Maria und Joseph die Huldigung der Könige annimmt, wenn am Hochaltar der Priester steht in seinen prachtvollen Gewändern, wenn Gloria, Epistel, Evangelium, Credo, Präfation, Pater noster, Jte missa est und andere,
Meßgesänge aus dem Mund des Priesters und des Kirchenchores erschallen, wenn Weihrauchwolken emporsteigen, wenn das schneeweiße Lamm bei der Wandlung erhoben wird, wenn die Geburt Christi und die Anbetung der Weisen dir zum Ereignis und zum Erlebnis wird, wenn du dich fühlst als Kind Gottes, als Bruder Christi, als Glied der großen Gottesfamilie, der katholischen Weltkirche, deren Erstlinge an Epiphanie das Heil der Welt begrüßt haben, dann wirst du getragen von den Wogen hehrer Freude und reinen Glückes.
Betrachte z. B. die Epistel der Dreikönigeu- messe. Da hören wir eine ergreifende Freudenbotschaft, die zuerst der Prophet Jsaias den Bürgern des alten Jerusalem verkündigt hat und die heute der Priester den Bürgern des neuen Jerusalem den Kindern der Kirche, verkündet:
„Wohlan, erstrahle in Freude, Jerusalem! Denn gekommen ist dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir. Denn sieh, Elend taget t über der Erde und Dunkel über den Völkern: über dir aber strahlt der Herr und man erschaut in dir seine Herrlichkeit. Und es kommen die Völker zu deinem Licht und Könige zu dem Glanz, der in dir aufgegangen. Erhebe deine Augen; schau dich um und sieh: alle diese sind zusammengskommsn und haben sich bei dir eingefunden; als deine Söhne sind sie von ferne gekommen und als deins Töchter treten sie auf von allen Seiten. Nun kannst du dich freuen und kannst von Freude überfließen, uns es kann staunen und wohl werden dein Herz, da die Menge der Meeresbewohner sich zu dir wendet und die Masse der Heiden zu dir fom^t. Eine Schar von Kamelen, die der Raum nicht faßt, füllt deine Straßen, Dromedare von Madian und Epha. Alle bis von Saba kommen sie, bringen Gold und Weihrauch und verkünden die Ruhmeswerke des Herrn."
Wahrhaftig Worte, die das Herz des Katholiken höher schlagen lassen von Freude. Jeder Katholik feiert an Epiphanie Geburtstag. Denn in den Königen ist die Heidenweli berufen worden und mit ihnen auch unsere Väter und wir. Auch der König David schaute diese Berufung und hat ihr schwungvollen Ausdruck verliehen in den Worten des Psalmes 97, die das Graduale der dritten Weihnachtsmeffe bilden:
Die fernsten Länder werden schauen De» Welterlöser, unfern Heiland.
.Frohlockt in Gott. ihr Erdbewohner, Und frohe Psalmen latzt erschallen.
DeS MecreS Fluten sollen rausche», Es freue sich die ganze Erde.
Ihr Ströme, klatschet in die Hände, Ihr Berge, hüpfet hoch vor Freude.
^ia Freude soll die Signatur des Christen, zu^ mal des Katholiken bilden In osr ^â-geMchtS der hl. Johanna v. Chantal wird erzählt, daß diese komme Dame unter der Anleitung eines unklugen