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Konti, den 1$. Zu» 1921

Religiöses Wochenblatt

für die kakholischen Gemeinden Kassels.

Erschein .«»h Sonntag und kostet monatlich Ausgabe ^Z5Äo!dpfennig 3 40 Goldpfennig (freibt.) Redaktions. schlug Montag Anzelzen-Prelse: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmrrk, Colonelzeile im Reklametels 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Off.-Arb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.

» ' Druck und Verlag der Fulda« AcUeadruckere!. »».

Psalm 91: Steube ht Sott.

Wochenkalender.

Sonntag, 13. Juli. 6. Sonntag nach Pfingsten. Anaklet, P. u. M.. 2. Nachfolger des hl. Petrus. Eugen, Bischof von Karthago, f 605.

Montag, 14. Juli. Bonaventura, Kardinalbischof und Kirchenlehrer, f 1274 zu Lyon.

Dienstag, 15. Juli. Heinrich, Kaiser, f 1024.

Mittwoch, 16. Juli. Skapulierfest.

Donnerstag, 17. Juli, Alexius, Bek., f 417 zu Rom

Freitag, 18. Juli. Kamillus von Lellis, Ordensstifter, t 1614 zu Rom. Symphorasa, Mart. unter Kaiser Hadrian. Friedrich, Bischof von Utrecht, f 838.

Samstag, 19. Juli. Vincenz von Paul, Stifter der Barmherzigen Schwestern, f 1660 in Paris. |

Zünsler Sonntag nach Pfingsten.

(Evangel. Matth. 5, 2024 )

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn eure Gerechtigkeit nicht vollkommener fein wird, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich erngehen. Ihr habt ge­hört, daß zu den Alten gesagt worden ist: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, der soll des Gerichtes schuldig sein. Ich aber sage euch, daß ein jeder, der über seinen Bruder zürnet, des Gerichtes schuldig sein wird. Wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka! wird des Rates schuldig sein; und wer sagt: Du Narrl wird des höllischen Feuers schuldig sein. Wenn du daher deine Gabe zu dem Altare bringest und dich da­selbst erinnerst, daß dein Bruder etwas wider dich habe, io Iah deine Gabe allda vor dem Altare und geh zuvor hin und versöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und opfere deine Gabe.

Ein hochragender Palmbaum.

M

ie Augen des kath. Deutschland sind in diesen Tagen nach Bamberg ge« richtet. Gleich einer hochragenden Palme blühte dort der heilige Kaiser Heinrich II., dessen 900jäh- , rigen Todestag wir am 15. dieses Monats begehen. Durch die Hand des Papstes Bene­dikt VIII. mit der Kaiserkrone geschmückt und mit dem goldenen Apfel beschenkt, brachte er das römische Reich deutscher Nation zu Ruhm und Größe. Dank­bar öffnete Bamb.-rg seine Tore, um den Papst in seine Mauern aufzunehmen und als Gast zu be­herbergen. Doch nicht die Kaiserkrone brachte Heinrich das wahre Glück und den echten Ruhm, sondern der Heiligenschein, den er sich erwarb durch ein Leben des Glaubens, ein Leben der Wohltätigkeit, der Frömmigkeit, der Gerechtigkeit, der Weltverachtung, des Eifers für Gott und seine Kirche.

In seinem Leben spiegelt sich der Psalm 91, den die Kirche in das Meßformular der heiligen Be­kenner ausgenommen hat. Dieser Psalm wird auch am Feste des heiligen Kaisers Heinrich gebetet und gesungen. Neige dein Ohr seinen Klängen.

1. Ein Glück ist eS, den Herrn zu preisen. Zu singen deinem Namen, Höchster.

2. Zu künden dein Erbarmen morgens Und abends deine ewze Treue.

3. Zum Klang der Laute und der Harfe, Mit voller Stimm und hellem Jubel.

4. Erfreut bin ich ob deiner Schöpfung, Entzückt von deinen schönen Werken.

5. Wie wundervoll find deine Werke, Und tiefdurchdacht sind deine Pläne.

6. Nur Unverstand wagt sie zu schelten, Nur Torheit kannte nicht begreifen.

7. Frevler gleich dem Grase sprossen. Der Sonne sleich die Sünder prangen:

8. Der £>öHe taumeln sie entgegen; Doch du, o Herr, bestehest ewig.

9. Ja, deine Feinde gehn zugrunde, Hinweggefegt wird jeder Sünder.

10. Des Frommen Glück steht unerschüttert, Und selbst sein Alter ist gesegnet.

11. Mein Auge schaut der Feinde Unglück, Mein Ohr vernimmt von ihrer Schande.

12. Der Palme gleich erblüht der Sromme, Ragt himmelhoch wie eine Ceder.

13. 3m haur der Herrn ist seine Wurzel, Und seine Kraft im Gotteszelte.

14. Er trägt noch Frucht im Greisenalter, Beglückt im Dienste seines Gottes.

15. Gerecht ist Gott in seinem Walten, Erhaben über jeden Tadel.

16. Dem Vater, Sohn und Heilgen Geiste Sei Herrlichkeit und Ruhm und Ehre;

17. Wie anfangs, so auch jetzt und immer Und bis in ewge Zeiten. Amen.

Der Inhalt des Psalmes ist zugleich der Inhalt des Lebens unseres heiligen Kaisers. Von Jugend an war seine Freude i« Gott. Zu ihm zu beten, ihm Loblieder zu singen, war seine Lust. Ueber seine Offenbarung und seine Werke nachzusinnen, gewährte ihm das reinste Vergnügen. Trotz mancher Anfein­dungen von feiten der Neider und Hasser, war sein Leben und Wirken gesegnet, während so mancher stolzer Sünder, der in seinen Tagen prangte, ver­welkt ist wie Gras. Unerschüttert, immergrün stand Heinrich da im" Garten der Kirche, gleich einer Palme.

Verweile aber noch einen Augenblick bei der Wurzel dieses hochragenden Palmbaums. Sieh, unser Psalmfänger hat sich tief versenkt in das Ge­heimnis der Frommen und Auserwählten. Und welche Entdeckung hat er da gemacht? Daß sie alle aus dem Hause des Herrn", aus der Verbindung mit der Liturgie und dem Gottesdienst ihre Kraft und Fruchtbarkeit gezogen haben.

Im Haus des Herrn ist ihre Wurzel, Und ihre Kraft im GottesLeItL

Die bedeutendsten Ereignisse seines Lebens spielten sich in den geweihten Hallen des Gottes­hauses ab. In der Kirche des hl. Wolfgang in Bamberg hörte er einst eine Stimme:Bek.achte die Schrift, welche an der Wand neb.n dem Grabe steht". Heinrich schaute hin und gewahrte die beiden Wortenach sechs". Bei Heinrich war es nun aus­gemacht, daß er nach 6 Tagen sterben werde. Durch Gebet und Almosen bereitete er sich auf sein letztes Stündchen vor. Als er nach sechs Tagen noch ge« und war wie der Fisch in der Revwitz, je^te er gleichwohl seinen gottesfürchtigen Wandel fort; er dachte, seine Lebensfrist würde verlängert aus 6 ' Wochen. Und siehe, nach 6 Wochen war er so ge- ^unö wie zuvor. Nun dehnte er die Vorbereitung auf den Tod auf 6 Monate aus, und endlich auf 6 Jahr. Und was geschah? Nach 6 Jahren wurde er zum Kaiser gewühlt. Der Gedanke an den Tod blieb ihm aber auch auf dem Throne geläufig. Ost erfüllte ihn wahrer Ekel an aller irdischen Herr­lichkeit, und er war fest entschlossen, die Krone : niederzulegen. Nur durch energische Vorstellun- igen des Bischofs Werner unterblieb die Ausfüh- I rung.

In den Kirchen war fein liebster Aufenthalt. Wenn keine Unmöglichkeit vorlag, wohnte er trotz aller Geschäfte täglich der hl. Meene bei. Dabei er­schien er immer welch eine Gewiffenserforschung eine halbe Stunde vor deren Beginn und be- reitete sich knieend vor einem Kruzifix auf die Heil. Handlung vor. Oft brachte er mehrere Stunden der Nacht vor dem Allerheiligsten zu. Auch ließ er ; Ms nicht nehmen, wenn er in eine Stadt einge* 'zogen war, zu allererst dem Heiland im Tabernakel i leine Aufwartung zu machen. Als er sich in der i Kirche S. Maria Maggiore in Rom befand, schaute er den Heiland, wie er in bischöflichen Gewändern das hl. Meßopfer darbrachte. Besonders gut ge­fiel es dem Heiligen im Dom zu Straßburg, weit dort der Gottesdienst mit musterhafter Würde, Ehrfurcht und Feierlichkeit gehalten wurde. Er stiftete an das Münster ein Kanonikat mit der Be­stimmung, daß ein Geistlicher in des Kaisers Na­men den Tageszeiten und dem Opfer beizuwohneu habe. Ist das nicht die Gesinnung und die Hand­lung eines Heiligen?

Mein Christ, vielleicht kannst du keine so hoch­ragende Palme sein wie der Kaiser Heinrich. Aber was steht entgegen, daß auch du festgewurzelt seiest im Hause des Herrn? Daß du mehr wie seither dem hl. Meßopfer beiwohnest und die hl. Eucharistie empfängst? Daß du mehr wie seither aus dem Hause Gottes die Lust und Kraft ziehst zum Kamps gegen Sünde und Leidenschaft, zur Uebung bet Demut, der Armut, der Zufriedenheit, der (Enthalt- sainkeit, der Barmherzigkeit? Sann wirst auch du mit Heinrich in ben Fimmel bineinwacysen unb dort den Heiland ewig lieben unb loben.

Ser Burgpfarrer.