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MTW

Kassel, den 29. Juni 1924-

Nr. 26.

Religiöses Wochenblatt

für die katholischen Gemeinden Kassels.

Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35®o!bpfenuig B 40 Goldpfenuig (sceibl.) Redaktions, schluß Montag Anzeigsn-Preis«: Tolonelzelle im Anzeigenteil 9,15 Goldmark, Colonelzeile im Reklametei 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rrdatt. Auskunft und Off-Grb. 0,10 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.

I Druck und Verlag der Fuldue McfienbrulereL

Wochenkalender.

Sonntag, 29. Juni. Dritter Sonntag nach Pfingsten. Fest der Apostelfürsten Petrus u. Paulus mit Oktav. Mitfeier des Sonntags. Kollekte für den hl. Vater (Peterspfennig).

Montag, 30. Juni. Gedächtnis des hl. Apostels Paulus. Mitfeier der Oktav.

Dienstag, 1. Juli. Fest des kostbarsten Blutes. Mrtfeier des Oktavtages von Joh. d. T. Theobald, Einsiedler, f 1066 in der Champagne.

Mittwoch, 2. Juli. Mariä Heimsuchung.

Donnerstag, 3. Juli. Prozeffus u. Martinianus, röm. Märtyrer. Gedächtnis des hl. Leo, P. (sonst 28.J uni) u. Mitfeier der Oktav von Peter u. Paul.

8reitag, 4. Juli. Von der Oktav von Peter u. Paul. Ulrich, Bischof von Augsburg, f 973. Berta, Abtissin von Blangy, f um 725.

Samstag, 5. Juli. Anton Maria Zaccaria, Ordensstifter, früher Arzt, f 1529 zu Cremona. Mitfeier der Oktav von Peter u. Paul.

Dritter Sonntag nach Pfingsten.

(Evangel. Luk. 15, 110.)

In jener Zeit naheten Jesus Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Da murrten die Pharisäer und Schriftgelehrten und sprachen: Dieser nimmt sich der Sünder an und itzt mit ihnen. Er sagte zu ihnen dieses Gleichnis und sprach: Wer von euch, der hundert Schafe hat und eines davon verliert, läßt nicht die neunundneunzig in der Wüste und geht dem Verlorenen nach, bis er es findet? Und hat er es gefunden, so legt er es mit Freuden auf seine Schultern und wenn er nach Hause kommt, so ruft er seine Freunde und Nach, barn zusammen und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel Freude sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, welche der Butze nicht bedürfen. Oder welches Weib, die zehn Drachmen hat, wenn sie eme Drachme verliert, zündet nicht ein Licht das Haus aus und sucht genau nach, bis sie dieselbe findet? Und wenn sie dieselbe gefunden hat,.

Freundinnen und Nachbarinnen zusammen

Freuet euch mit mir: denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatre. Ebenso, sage ich euch, wird Freude bei den Engeln Gottes fein über einen einzigen Sünder, welcher Buße tut

Verriegelte Tore.

em gläubigen Israeliten des alten Bundes war die Stadt Jerusalem wchr als der Augapfel. Und kein Wunder: Gott selbst hatte darin , A^^°h"ung aufgeschlagen; der wart: dort tbrmiL ° l^?r der Ort seiner Gegen- 6im über der Bunde^ad^ ^" dem goldenen Cderu- des Tempels Jnnenranm saunen unb ÄX^ Po- Während des ^r opfernden Menge.

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die Israeliten zurückgekehr^ haben sie Stadt und Tempel neu aufgebaut. Dreses neuerrichtete Jeru- salem mit seinenverriegelten Toren", mit dem Frieden und Glück seiner Bewohner bildet den Gegenstand des Psalmes 147.

Psalm 147: vom netten Jerusalem.

1. Jerusalem, dem Herrn lobsinge, Frohlocke, Sion, deinem Gotte.

2. verriegelt hat er deine Tore, Gesegnet hat er deine Kinder.

3. Er spendet Frieden deine« Grenzen Und labt dich mit dem Mark des Weizens.

4. Er schickt sein Wort zur Erde nieder, Schnell ist vollstreckt fern mäßiger Wille.

6. Er sendet Schnee wie weiße Wolle, Streut Nebel gleich der grauen Asche.

6. Er macht zu starrem Eis das Wasser; Wer kann ertragen seine Kälte?

7. Der Herr gebeut, das Eis zerschmilzt; Läßt wehn den Wind, die Wasser fliehen.

8. Er macht sich kund den Auserwählten, Gibt seiner Kirche Gnad' und Wahrheit.

9, Nicht jedes Volk steht so in Gnaden, Nicht jedem zeigt er seine Wege.

10. Sei dankbar, Sion, deinem Gotte, Sein Lob sei deine ewge Losung.

11. Dem Vater, Sohn und Heilgen Geiste Sei Herrlichkeit und Ruhm und Ehre;

12. Wie anfangs, so auch jetzt und immer Und bis in ewge Zeiten. Amen.

Was verstehen wir nun unter den Toren und Riegeln der Stadt Jerusalem? Nichts anderes als ihre Festigkeit und Sicherheit. Wir müssen dabei die alten Zeiten vor Augen haben. In un­serer Zeit kann man sich von Mauern, Toren und Riegeln für eine Stadt nicht viel versprechen. Ein Volltreffer aus einer Kanone oder einem Luft­schiff knickt solche Herrlichkeit nieder wie Stroh­halme. Im Zeitalter der Psalmen bildeten dicke Mauern, solide Tore und kräftige Riegel die Zu­versicht einer Festung. Wir dürfen annehmen, daß Fürst Nehemias beim Neuaufbau der Stadt gerade auf die Gediegenheit der Tore und Riegel große Sorgfalt verwandt hat. Sollten nun diese Tore den Schutz der Stadt ausniachen? Nein. Dennwenn der Herr die Stadt nicht baut, so arbeiten die Bauleute umsonst, und wenn der Herr die Stadt nicht bewacht, so wachen die Wächter um­sonst". Die Israeliten taten zur Befestigung der Stadt, was immer in ihren Kräften stand; den Reste überließen sie getrost dem Herrn. Seine All- macht, Güte und Treue sollten ihre Mauer und ihr Riegel sein. Er wird die Feinde von den Toren abhalten, den Bürgern Friede, Wohlfahrt und Proviant in Fülle verleihen.

Der Psalmist schildert dann den Gott Israels als Herrn der Rakur, welcher Schnee, Hagel und Eis vom Himmel niederlendet, sie aber auch wie­

der vergehen und schmelzen läßt. Er bricht dis Tyrannei des Winters und zaubert mit allmäch­tigem Finger den Frühling hervor. Dieser Gott der Natur ist auch der Gott des Volkes, der Heim­suchungen und Drangsale sendet, sie aber wieder ablöst mit neuem Glanz und neuem Aufstieg.

Was soll nun dieser Psalm am heutigen Fest der Apostelfürstea Petrus und Paulus? Es er­innert uns an ein anderes, besseres Jerusalem, dem der hl. Paulus sagt:Ihr Christen seid hin­getreten zum Berge Sionup-h zur Stadt des le­bendigen (Sottes^NlRmuim^ Jerusalem, jus Kirche der Erstgeborenen, deren Namen in den Himmel geschrieben sind". Auch ihr hat der Herr feste Tore und eiserne Riegel gegeben. Ich ver­stehe darunter die unvergängliche, ewige Dauer der Kirche, die Christus aus den Felsen gebaut hat: Die Pforten der Hölle werden sie nicht über­wältigen". Die Cäsaren, die Häresiarchen, die Freimaurer, die Philosophen, die Atheisten sind schon in allen Jahrhunderten Sturm gelaufen ge­gen die Kirche und suchten eine Bresche zu legen in ihre Mauer, und die Türe einzubrechen, die Rie- gel aufzureißen: umsonst. Christus wacht, Christus schützt, Christus regiert seine Kirche.

Wohl tobet um die Mauern Der Sturm in wilder Wut: Das Haus wirds überdauern, Auf festen Grund es ruht. Ob auch der Feind ihm dräue, Anstürmt der Hölle Macht: Des Heilands Lieb und Treue Auf feinen Zinnen wacht.

Diese Verfolgungen sind für die Kirche ein Wiw ter, den aber die Allmacht Gottes in einen Früh­ling verwandelt; ein Schnee, der rasch sich auflöst und wie Wolle sich ansühlt; ein Rebel, der zur Asche der Buße wird; ein Eisberg, der in Wasser zerfließt. Diese Verfolgungen sind Stürme, welche die Luft reinigen, sind Feuer, die das Eisen gum Stahl schmieden. Der Herr hat seiner Kirche nicht bloß Festigkeit, sondern auch gute Verpflegung garantiert. Da ist die Gnade und Wahrheit, da ist Unterricht und Spendung der hl. Sakramente, da ist das hl. Meßopfer und die hl. Kommunion. Ge­rade diese göttliche Speise ist für die Kirche und die Seelen ein wahrer Jungbrunnen, ein Krastbrot. Denn, so sagt der hl. Märtyrerbischof Cyprianus: wenn wir täglich das Blut des Herrn empfangen, dann werden wir auch dahin gelangen, daß wir mit Leichtigkeit unser Blut vergießen für Christus.

Wohl kann kein Feind in die Kirche eindringen. Den Freunden aber und den Suchenden stehen ihre Tore offen. Darum beten wir für die Irren­den und geben ihnen ein gutes Beispiel. Unter­stützen wir auch die Kirche in ihrer Aufgabe. Müs­sen nicht die Bürger des Staates auch aufkommen für ihre Beamten und Soldaten? So müssen auch die Katholiken beitragen zum Unterha-t des Papstes, der Bischöfe und Priester durch Peters«