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Mill man ernstlich jetzt die Staatsautorität schützen, Auch gegenüber den Rechtsradikalen, und mit dem Erbe des unglücklichen 9. November 1923 gründlich aufräumen. Gegenüber dem Reich will man die verderbliche Politik der Konflikte aufgeben, und man Mill die bayerische Politiknicht auf ein Fortissimo im Ton, sondern auf ein kluges, zähes und vor allein kontinuierliches (zusammenhängendes) Arbei­ten und Einflußgewinnen in der Stille abstimmen.

In der Provinz Hannover

fand am letzten Sonntag die Vorabstimmung in der Frage der Wiederloslösung Hannovers von Preußen statt. Bei dieser Vorabstimmung mußte festgestellt werden, ob der Antrag auf Selbständig- machung Hannovers als eines besonderen deutschen Landes (Bundesstaates) genügende Unterstützung finden werde. Obwohl die Zahl der für Loslösung abgegebenen Stimmen wesentlich höher war, als man erwartet hatte (448 961 Stimmen), war sie doch nicht ausreichend, um die Hauptabstimmung möglich zu machen. Hannover bleibt also preußische Provinz.

Bekanntlich ist Hannover 1866 (gleichzeitig mit Kurhessen) gegen den Willen der Bevölkerung zu Preußen geschlagen worden, weil es im preußisch- f österreichischen Krieg nicht zu Preußen hielt. Und i wie sich bei uns die Hessische Rechtspartei bildete, iso entstand in Hannover die Partei der Deutsch- -Hannoveraner oder der Welfen, die sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat und es auch bei der diesjährigen Reichstagswahl auf 319 779 Stim­men und auf 5 Abgeordnete wieder gebracht hat. Lin Teil der welfischen Abgeordneten schloß sich gewöhnlich als Hospitanten der Zentrumspartei an, eine Folge der persönlichen Stellung früherer Wel­fen zu Windthorst, der hannoverscher Minister ge­wesen war. Im letzten Reichstag waren von fünf .Welsen drei Hospitanten der Zentrumsfraktion.

Die preußische hauzzmOeuer.

Eine Ermäßigung der preuß. Hauszinssteuer hat dann bei bebauten Grundstücken einzutreten, wenn sie am 1. Juli 1914 nicht mit Hypotheken, Grundschulden usw. belastet waren. In den Aus- führungsanweisungen des Finanzministers ist vor­geschrieben, daß dem Antrag auf Ermäßigung eine Bescheinigung des Grundbuchamls über die Pfand- freiheit beizufügen ist. Für diese Bescheinigung Mird eine Gebühr erhoben, die von den Grund- chuchämtern nicht einheitlich berechnet wird. Manche erheben eine Pauschgebühr von 2 Ji, andere be­rechnen die Gebühr nach dem Wert des bebauten Grundstücks, wodurch die Kostenrechnung sich recht hoch stellt. Bei Beratung des Notetatgesetzes An­hang dieser Woche im Hauptausschuß wies der Ab­geordnete Amtsgerichtsrat Rhiel-Fulda auf diese unterschiedliche Behandlung der Bescheinigungen hin und ersuchte, die Ausführungsanweisung dahin stbzuändern, daß die kaiastcrämier den Antrag auf Ermäßigung dem Grundbuchamt zuleiten und dieses um Auskunft über die Pfandfveiheit ersuchen, ein Verfahren, das gebührenfrei sei und das un­bedingt im Interesse des an sich schon mehr als erträglich mit Abgaben belasteten Grundbesitzes einzuführen sei. Der Finanzminister erklärte sich bereit, der Anregung näher zu treten und sich mit dem Justizminister in Verbindung zu setzen. Diese Ermäßigung findet auf die Grundsteuer keine Anwendung, wie bereits in der Fuldaer Zeitung hervorgehoben ist.

Da die endgültige Entscheidung wohl nicht lange auf sich warten lassen wird, dürfte es sich in Fällen, wo die erwähnten Gebühren angefordsrt sind, empfehlen, die Regelung noch aufzuschieben.

Kleine politische Nachrichten

Der preußische Landlag hat seine Tätigkeit am 20. Mai wieder ausgenommen. Der Präsident teilte mit, daß das Wahlprüfungsgericht die Wahl des kommunistischen Land­tagsabgeordneten Schulz-Neukölln für ungültig erklärt hat und daß an seine Stelle der nächste Kandidat der sozialistischen Liste tritt.

In Köln wurde dieerste Kölner Messe" feierlich im Gürzenich-Saale eröffnet. Reichspräsident Ebert, Reichskanzler Marx, Reichsaußenminister Stresemann nahmen an dem bedeutungsvollen Akte teil und gaben somit zu erkennen, von welcher Bedeutung die Kölner- Messe für den internationalen Handel und den Wieder- aufschwung der deutschen Wirtschaft ist.

In Halle fand einDeutscher Tag" statt bei Gelegen­heit der Einweihung des neuen Moltkedenkmals (das alte .war durch Sie Kommunisten in den Revolutionswirren

zerstört worden). Anstatt wahrer vaterländischer Er­hebung zu dienen, war die Veranstaltung ganz im natio­nalistischenschwarz-weiß-roten" Fahrwasser. Die Folge waren kommunistische Gegendemonstrattonen. Und das Ergebnis: 11 Tote.

11 cd cd Mhlichicr. cd cd

Der Reichsindex der Lebenshaltungskosten stieg von 1,15 auf 1,16 Billionen. Also abermals eine kleine Steigerung der Teuerung um 0,9 Prozent.

m Die Finanzgebarung des Reiches weist für die erste Maidskade (1.10. Mai) einen Ueberschuß von 4,47 Mil­lionen Goldmark auf. Einzahlungen: 121,93 Millionen Auszahlungen: 117,46 Millionen.

Das Reichsbahnnolqeld, soweit es auf Papiergeld lautet, ist aufgerufen. Die Einlösungsfrist läuft bis zum 16. Juni. Alle Bahnkassen wechseln es um. Das auf Dollar lautende wertbeständige Notgeld der Eisenbahn behält noch weiter seine Geltung und bleibt im Verkehr.

co Ausland, cd

Italien.

Die Franziskus-Basilika mit Kloster in Assisi, die vom italienischen Staat als Nationalmonument beschlagnahmt ist, soll demnächst wieder von der Regierung in das Eigentum des Apostol. Stuhles übergeben werden. Die Verwaltung hätten dann wieder ausschließlich die Franziskaner (Konven- tualen).

Frankreich.

Das Ergebnis der Wahlen ist sehr unübersicht­lich bei der ungeheuren Parteiverwirrung in Frank­reich. In runden Ziffern ist es etwa folgendes:

Rechtsopposition (Königstreue) 20, Rechtspar­teien (auf die sich Poincare stützte) 250, Linkspar­teien (die jetzt zur Regierung gelangen) 285, Links­opposition (Kommunisten) 25.

Der bisherige Führer der Opposition, Bürger­meister Herriot von Lyon, ist unbestrittener Sieger und scheint Nachfolger Poincares werden zu sollen. Die Stimmung in der zum Sieg gelangten Oppo­sition kommt zum Ausdruck in den Worten von Viktor Basch in dem französischen Blatt Ere nou- velle:Das französische Volk hat einen unstillbaren Durst nach Frieden. Es will in voller Freiheit leben, aber auch die anderen Völker in voller Frei­heit leben lassen, ohne sie beherrschen oder bevor­munden zu wollen. Das französische Volk verlangt von Deutschland die Zahlung gerechter Repa­rationen. . Geschieht dies, dann ist es auch be­reit, ihm die Hand hinzustrecken und ihm seine politische und wirtschaftliche Unab­hängigkeit wieder zu geben, dann ist es ebenso bereit', ihm die Türen zum Völkerbund zu

öffnen.

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Für den Katholizismus in Frankreich hat sich schon jetzt gezeigt, wie verhängnisvoll das Hinneigen katholischer Kreise zum Nationalismus und Chau­vinismus werden muß: Der übertriebene Natio­nalismus, der zur Haß- und Unterdrückungspolitik gegen Deutschland führte und bei dem die noch kirchlich fühlenden Kreise Frankreichs zu einem gro­ßen Teile mitbeteiligt waren, hat zur Folge gehabt, daß die äußerste Linke jetzt im Pariser Parlament die Mehrheit hat, und diese Linke ist voll Haß ge­gen die Kirche und hetzte schon gegen das geringe Entgegenkommen, das zuletzt in Frankreich die Kirche gefunden hatte. Mitschuld an -diesem Sieg der Kirchenfeinde sind jene nationalistisch gesinnten Katholiken.

^ Kleine kirchliche Machrichien

Rom. Am 12. Mai, dem Feste der Märtyrer Achilles, Nereus, Domittilla und Pankratius, feierte der hl. Vater Pius XI. (Geburtsname: Achilles Ratti) unter großer Anteilnahme römischer und auswärtiger Würdenträger sein Namensfest.

Die Glockengießersinna $. Otto in Hemelingen bei Bremen beging am 14. Mai den 50. Jahrestag ihres Bestehens. Die Haupttriebfedèr zur Gründung des Ge­schäftes wie auch der eigentliche Leiter desselben im 1.^Jahrzehnt war der kath. Missionspfarrer Karl Otto.

Die Aachener Heiligtumsfahri, die alle sieben Jahre stattfindet und Tausende von Menschen aus aller Welt nach Aachen führt, soll unter dem Zwang der Verhält­nisse dieses Jahr ausfallen und auf 1925 verschoben werden. Die letzte Heiligtumsfahrt war 1909.

Für die kath. Universität zu Freiburg i. Schweiz ar« bettet ein Hochschulverein, der 1200 Mitglieder in allen Ländern umfaßt und eifrig Geld sammelt zur Vervoll­ständigung der Bibliothek (dieses Jahr Zuschuß 3500

Franken) und W Ausbau der medizinischen Fakultät. An der Spitze des Aktionskomitees steht Professor Dr. Gallus Manser, Freiburg (Schweiz).

Das Fest des hl. Korbinian. Die Erzdiözese Munchen-Freising wird in der Zeit vom 6. bis 13. Juni ote 1200 jährige Erinnerungsfeier an die Missionstätigkeit des hl. Korbinian,r der als Glaubens- bote von Rom aus nach Freising kam, festlich begehen.

Halberstadt. Die beiden Pfarrkirchen, die heute noch im Besitz der Katholiken sind, stammen beide aus der vorreformatorischen Zeit. Eine derselben, die alte Domini­kanerkirche St. Katharina, konnte in diesen Tagen ihr 700jähriges Jubiläum feiern. Das Dominikanerkloster war nach der Reformation trotz wiederholter Störung erhalten geblieben und ist erst der Säkularisation im Anfang des 19. Jahrhunderts zum Opfer gefallen.

Der Iesuikenpater Iulius Beßmer, bekannt durch wertvolle philosophische Werke besonders aus dem^e- biste der Psychologie, ist im Alter von 60 JaMtz in Valkenburg (Holland) gestorben.

Nsuorgamsalègn der ZentrnMZNarte'i * in Nurhesim und Waldes

Gemäß den Satzungen der Zentrumspartei im Bezirk Kassel sollen nach jeder Reichstagswahl die Parteiinstanzen von unten auf neugewählt und damit die ganze Parteiorganisation neu geschaffen werden.

Es ergeht darum an alle Vorsitzenden der Orts­gruppen die Aufforderung, die Neuwahl der Ochs Vorstände und der Obmänner (Vertrauensmänner) veranlassen zu wollen. Jeder Ortsgruppenvor- stand soll aus einem Vorsitzenden und mindestens 4 Beisitzern bestehen. Auf je 100 abgegebene Zen­trumsstimmen bei der letzten Reichstagswahl ist ein Obmann (Vertrauensmann, Delegierter) zu wählen; Bruchteile unter 50 Stimmen werden nicht j gerechnet.

Sämtliche in einem Kreise gewählten Obmänner bilden den Kreisausschuß der Partei. Letzterer ist durch den seitherigen Kreisvorsitzenden der Partei einzuberufen und wählt neu den Kreisvorstand (einen Vorsitzenden und mindestens vier Beisitzer). Ferner wählt der Kreisausschuß auf je 10 seiner Mitglieder 1 Delegierten und 1 Stellvertreter für den Landesausschuß der Zentrumspartei im Bezirk Kastel. Jeder Kreis soll durch mMd ci 11 'N i t glieb im Landesausschuß vertreten sein, auch wenn die Stimmenzahl unter 1000 bleibt.

Die Mitglieder des Landesausschusses stellen die Kandidaten für den Reichstag und den Landtag auf, die Mitglieder der Kreisausschüsse benennen die Kandidaten für den Kreistag und den Kommu­nallandtag. Es ist darum wesentlich, daß satzungs-F gemäß alle diese Mitglieder jetzt gewählt werden, und zwar baldigst. Die Namen aller gewählten Ortsgruppenvorsitzenden, aller Obmänner für den - Kreisausschuß, der Kreisvorsitzenden und der De- gierten für den Landesausschuß möge man alsbald melden an den unterzeichneten

Arbeitsausschuß der Kurhess. Ienkrumsparlei in Fulda (Harmonie).

Der wahikreiS hesien-NMau brachte bei den Wahlen seit der Revolution für die Zentrumspartei folgende Stimmenzahlen auf:

Nationalwahlen 1919: 209 477

Preuß. Landeswahl 1919: 199 7525^'

Reichstagswahl 1920: 192 791

Landtagswahl 1921: 190 063

Reichstagswahl 1924: 202 966.

Wahlkreis Chür'mgen-Lichrsew.

Dom Eichsfeld wird über die Wahlen zum Reichs­tag geschrieben: Reichspostminister Dr. Hösle ist im Wahlkreise Eichsfsld-Thüringen (zu dem Geisa gehört), der wie früher mit Magdeburg und Merseburg eine Listenverbindung eingegangen war, gewählt. X« einzige Zentrumsmandat für das Eichsfeld und die thü­ringische Diaspora ist damit gerettet. Fieberhaft hat sie Deutschnationale Volkspartei mit dem Landbunde gear­beitet, um die Eichsfelder Bauern dem Zentrum abwen­dig zu machen. Es ist nur in beschränktem Umfange ge- langen, obschon der Steuerdruck eine unleugbare -Er­bitterung hervorgerusen hat. Die Wahlbeteiligung war so stark, daß der Ausfall gedeckt ist. Im Kreise fleW stabt haben sich die Zentrumsstimmen au °« Lande überhaupt nicht vermindert, ist in einzelnen Orten sogar ein erheblicher buw aw zu verzeichnen. Wie im Kreise Heiligenstadt, so ist das Verbältnis in Worbis und den zum Eicksiela hörigen Dörfern des Mühlhäuser Landkreis Abgegeben wurden im Kreise Heiligenstadt 16 034 un Kreise Worbis 13 742 Stimmen für das Zentrum. "