Mochenkalender.
Sonntag, 25. Mai. Fünfter Sonntag nach Ostern. Gregor VII., Papst, f 1085 in Salerno. Urban, Papst u. M., f 230.
Montag, 26. Mai. Philipp Neri, Bek., f 1595 in Rom.
Eleutherius, Papst u. M., f um 189.
Dienstag, 27. Mai. Beda der Ehrwürdige, Bek. u. Kirchenlehrer, f ,35 in England. Johannes I., Papst u. M., t 526 in Ravenna.
Mittwoch, 28. Mai. Augustinus, Bischof u. Bek., f um 604 in England. Vigil von Christi Himmelfahrt.
Donnerstag, 29. Mai. Christi Himmelfahrt. Maria Magdalena v. Pazzis, f 1607 in Florenz.
Lreiiag^ 39. Mai, Von der Oktav von Christi Himmelfahrt. Felix I., Papst u. M., f 274.
Samstag, 31. Mai. Angela Merici, Stifterin der Ursulinen, Jgkr, f 1540 zu Brescia. Petronilla, Ix,fr., f um 90.
Der fünfte Sonntag nach Ostern.
(Eoangel. Joh. 16, 23—31.)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern' Wahrlich, wahrlich, sag' ich euch, wenn ihr den Vater in meinem Namen um etwas bitten werdet, so wird er es euch geben. Bisher habt ihr um nichts in meinem Namen gebeten. Bittet, so werdet ihr empfangen, auf daß eure Freude vollkommen werde. Dieses habe ich in Gleichnissen zu euch geredet: es kommt aber die Stunde, da ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch rede, sondern offen vom Vater euch verkünden werde. An jenem Tage werdet ihr in meinem Namen bitten: und ich sage euch nicht, daß ich den Vater für euch bitten werde.- denn der Vater selbst liebt euch, weil ihr mich genebt und geglaubt habet, daß ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen: ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. Da sprachen seine Jünger zu ihm: Siehe, nun redest du offen und sprichst kein Gleichnis mehr. Jetzt wissen wir, daß du alles weißt und nicht notig hast, daß dich jemand frage: darum glauben wir, daß du von Gott ausgegangen bist.
Der Schrei aus den Tiefen.
ir sind im vollen Marsch nach dem Oelberg, um dort an der Himmelfahrt des Herrn im Geiste teilzunehmen. Mit einem Ge- dankenruck wird unser Herz wieder nach dem Himmel einge-
. stellt. Der Schlüssel zur Seligkeit ist aber das Wort des Herrn: »Bittet, und ihr werdet empfangen.“ Damit mir dieses Vermächtnis des Heilandes, dieses unfehlbare Gnadenmittel des Gebetes im Trubel des Alltags nicht vergessen, dazu hat die Kirche in -ihrer übernatürlichen Weisheit den heutigen Bitt- fonntag mit den nachfolgenden Bitt-Prozessionen eingesetzt. Manche haben nun für ihre Nachlässigkeit seit im Gebet eine faule Entschuldigung: es nützt doch nichts, ich werde doch nicht erhärt! Gegen diesen Einwand hat der hl. Apostel Jakobus eins
kräftige Abfuhr: „Ihr bittet und erhaltet nichts, weil . . . Nun, weshalb? Weil ihr schlecht bittet. "
Es ist deshalb für uns eine Schulung, einmal ein Mustergebet zu betrachten, um daran die Bedingungen eines guten Gebetes zu studieren. Als solches dürfen wir den Psalm 129 ansprechen.
Psalm 129: ein Schrei aus den liefen.
1. Ich schrei empor aus allen Tiefen:
O Herr, erhöre meine Stimme.
2. Aufmerken mögen deine Ohren Auf meine demutvolle Bitte.
3. Wenn du genau die Sünden rechnest:
4. Doch ist bei dir, o Herr, Erbarmen, Ich hoffe, Herr, auf deine Güte.
5. Dein Wort, o Herr, ist meine Hoffnung. Auf dich, o Herr, baut meine Seele.
6. Vom Morgenstern zur Abendstunde Soll Israel auf Gott vertrauen.
7. Denn bei dem Herrn ist das Erbarmen Und reichliche Erlösungsgnade.
8. Er wird sein Volk von aller Sünde, Von seiner Missetat befreien.
Der Psalmist betet also: Er schüttet fein aus vor Gott. Er gesteht seine Sünden und
Herz Be
irrungen; er fleht um Gnade und Erbarmung. Aber wie betet er? Im Anfang des Psalmes verrät er sein Geheimnis.
„Ich schrei empor aus allen Tiefen."
Der Psalmist deutet also an, daß es mehrere Tiefen gibt. Die erste Tiefe ist die Tiefe des Sün- denelendes. Durch die Sünde sind wir ja von Gott weggeschleudert, hinab in den finstern Abgrund. Die schwere Sünde ist ein fürchterlicher Abgrund; sie ist eine Auflehnung gegen Gottes Oberhoheit, ein Faustschlag in fein Antlitz, ein schwarzer Undank nach so vielen Wohltaten, eine fluchwürdige Treulosigkeit nach so vielen Versprechungen. Das Wesen der Sünde kann niemand restlos ergründen; wie Gott ein Geheimnis ist, so ist auch die Sünde ein Geheimnis: das Geheimnis der Bosheit, das Geheimnis der Hölle. Darum sollte uns die Sünde ein Gegenstand des Schreckens sein: „Entsetzet euch, ihr Himmel", spricht der Herr, „und ihr Pforten des Himmels trauert heftig: denn zwei Uebel hat mein Volk getan: mich, die Quelle des lebendigen Wassers, haben sie verlassen und sich Cisternen gegraben, die kein Wasser halten können".
Und nicht bloß die Bosheit, auch die Menge der Sünden sind ein Abgrund, den man nicht ermessen kann. Da ist die Erbsünde, die wir von den Stammeltern übernommen haben, da sind die persönlichen Sünden, die mir aus eigenem Willen begangen haben; da sind die bewußten, Sünden, die sich unauslöschlich in unser Gedächtnis eingegraben haben; da sind die unbewußten Sünden, die wir wieder vergessen oder wegen der Stumpfheit des Gewissens gar nicht beachtet haben. Da
sind die fremden Sünden, die andere durch unser böses Beispiel oder durch direkte Verführung begangen haben. Da sind die Sünden der Kindheit, der Jugend, der Entwicklung, des Vollalters und des Greisenalters: Sünden in Gedanken und Begierden, Worten und Werken, Unterlassung und Duldung. Hat der Psalmist nicht recht, wenn ei im Bewußtsein der Sündenmenge ausruft:
„Wenn du genau die Sünden rechnest:
Wer könnte, Herr, vor dir bestehen?" Dieses Sündenbewußtsein gibt nun die richtig- Stimmung für das gute Gebet: wahre, ungeheu- s chelte Demut, die bei Gott einfach unwiderstehlich ist.
Kommen wir zur zweiten Tiefe; das ist die Tiefe der Andacht. Nur ein solches Gebet ist Gott wohlgefällig, nur ein solches Gebet dringt zu feinem Thron. Ein Gebet, das von Zerstreuungen angefreffen ist, das nur von der Oberfläche des Mundes, nicht aber aus Herzenstiefen auffteigt, widersteht dem Herrn und reizt ihn zum Zorn. Deshalb der Vorwurf des Herrn an die Juden: „Dieses Volk ehrt mich nur mit den Lippen, ihr Herz aber ist weit von mir." Meinst du nicht, daß dieser Vorwurf auch oft genug uns Christen angeht? Leeres Stroh dreschen, Wasser in ein Sieb schöpfen, das sind die richtigen Vergleiche für ein unandächtiges, zerfahrenes Gebet. Und nicht bloß bringt es keinen Nutzen, es bringt sogar Schaden. Denn so spricht der Herr: „Verflucht sei, wer das Werk Gottes nachlässig tut."
Beten mir nie bloß von der Oberfläche: beten wir aus den Tiefen, und zwar aus „allen Tiefen", aus der Tiefe des Sündenelendes und aus der Tiefe der Andacht, die sich dann ganz von selber einstellt. Der hl. Philippus Neri, dessen Andenken uns morgen erfreut, stieg oft hinab in die düsteren Abgründe der Katakomben im ewigen Rom. Ganze Nächte hat er dort zugebracht. Das war buchstäblich ein Gebet aus den Tiefen. Wir können aber alle „aus der Tiefe" beten, wenn wir auch nicht körperlich hinabsteigen. Es genügt ein geistiger Abstieg, eine geistige' Tiefe: es genügt das Bewußtsein der Sündhaftigkeit, es genügt tiefempfundene Demut und kernige Andacht. Siehe, das ist die Marke, die du nie vergessen darfft, wenn du dem lieben Gott einen Brief schicken willst hinauf in Himmelshöhen. Der Burgpfarrer.
öiilgönge.
Von Heinrich Heimanns.
| „ Es ist etwas wunderbar Schönes um die Bill- gange, welche die heilige Kirche am Mackustag und besonders in der Biltwoche vor Christi Himmelmbrt ungeordnet hat. Ich weih nicht, was ich mebr bewundern soll: die Sorge der Kirche mir das Heil ihrer Kinder, welche wie sie den Weg zum Hunmel wandeln? oder ihr tiefsinniges Verständnis für deren irdisches Hoffen und Wohlergehen.