Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
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m. 18.
Kessel, den 4. Mai \^
ZeuLruM.
a§ Zentrum der Erde, des Juppiter, Mars, Saturn und sämtlicher Planeten ist die Sonne, um welche sich alle diese Himmelskörper drehen und bewegen. Das Zentrum des Herzens aber, das Zentrum unseres Denkens, Wollens, der Mittelpunkt unserer
Nutzen- und Innenwelt ist Gott, nach dem sich all unser Tun und Lassen richten muß. Wenn wir diese Bahn verlaffen, wenn wir aus eigene Faust auf verbotenen Wegen herumtreiben, ist es unser Unglück. Wenn wir aber auf den Wegen Gottes wandeln und seinen Willen zur Richtschnur nehmen, so ist es unser zeitliches und ewiges Glück. Der große Augustin hat diesen Gedanken in die unsterblichen Worte gekleidet: „Für dich, 0 Gott, hast du uns erschaffen, und unruhig ist unser Herz, bis daß es ruht in dir*. Der russische Dichter Tolstoi aber sagt: „Wie das Vöglein, das aus dem Neste gefallen, so schreit unsere Seele nach Gott".
So war das Herz des Psalmisten beschaffen. Sein ganzes Sinnen und Trachten in allen Lagen des Lebens hat sich um Gott gedreht. Beweis dafür ist der Psalm 61, von dem ein Teil das Offertorium des heutigen Sonntags bildet.
Psalm 61: Treue Anhänglichkeit an Sott.
1. O Gott, mein Gott, zu dir erwach' ich. Es dürstet nach dir Leib und Seele.
2. In öder, wasserloser Wüste Zum Heiligtum mein Herz ich wende.
8. Um zu betrachten deine Werke, Zu schauen deine Macht und Ehre.
4. Mehr gilt mir deine Huld als Leben, Dich mögen loben meine Lippen.
v. Mein Leben lang will ich dich preisen, Zu"drr die Hände stets erheben.
b- Mit Trost erfüllt ist meine Seele, und Jubel strömt von meinen Lippen.
7. In stiller Nacht ich dein gedenke, Beim Morgengrauen ich dich grüße.
8- Ast bist mein Hort und mein Beschützer, Mich decken deiner Allmacht Flügel.
9- A" dk höngt meine ganze Seele, Mich halt umschlungen deine Rechte.
10. Vereitelt wird der Feinde Wüten, Hinab sie fahren zu der Hölle.
11. Ans Messer werden sie geliefert, Zum Fratz den Füchsen vorgeworfen.
12, Ich aber freu' mich meines Gottes: Die auf ihn hoffen, freun sich alle.
13. Verstummen mutz der Mund der Bösen, $ Triumphe feiern Gottes Freunde.
( Wie die Sonnenblume zur Sonne sich kehrt, so war das Herz des königlichen Sängers allzeit auf sott gerichtet. Plagten ihn schlaflose Nächte. schnellte
UathoNK und Wahlpflicht
seine Seele zu Gott empor, dem ewigen Lichte. Erwachte er von süßem Schlummer, flog seine Seele gleich einer Lerche zn Gott. Mitten in den Regie- rungsgeschäfien, mitten in den Arbeiten, Annehmlichkeiten und Widerwärtigkeiten blieb seine Seele bei Gott. Im stillen Heiligtum streckte er die Hände zu Gott, und in schauerlicher Wüste fand er seinen himmlischen Freund. Den Abend beschloß ein Aufblick zu Gott. Von Feinden umdrängt wandte er
sich an den allmächtigen Verbündeten. Wie der Zweig am Baume, so hing seine Seele an Gott.
Auch unsere Seele soll Gott anhäugen. Er muß das Zentrum unserer Arbeit, unserer Liebe sein. So wenig ein Haus in der Luft stehen kann, so wenig kann das Menschenherz neutral sein. „Wer nicht für mich ist", sagt der Heiland, „der ist gegen mich". Das Menschenherz kann nicht herrenlos und nicht selbständig sein: es muß immer einen Herrn und Führer haben. Wenn wir Gott nicht dienen, werden wir den Menschen, den Lüsten, den Ehren, dem
Mammon, dem Teufel dienen. Betrachte das Schicksal des verlorenen Sohnes. Er glaubte, es aushalten zu Ikönnen ohne Zentrum. Vom Vater hat er sich los- gerissen. Das Joch des Gehorsams hat er abgc- worfen. Ist er nun wahrhaft frei und unabhängig geworden? Im Gegenteil: die Abhängigkeit wurde großer als zuvor. Er besam neue Herren, die aber nicht so gut waren wie sein Pater. Der erste Herr SnnJ^a ™r'$eäü(ie(te ^idenschaft, die ihn an den hing, um nicht zu verhungern. Doch dieser gab ihm nicht einmal genug zu essen; draußen auf schmutziger Weide mußte der ehemals so stolze Sohn die Schweine hüten und hätte gern seinen Hunger mit dem Futter gestillt, von dem die Schweine fraßen. Endlich hat er sich an die Stirne gefaßt und gesagt: du hast doch eine Kapitaldummheit begangen, das leichte Joch abzuwerfen und dafür ein schweres unzutaufthen: ich will mich aufmachen und zum Later gehen! .
Ja, em Zentrum muffen rott haben tm ganzen Beben, ein Zentrum auch in der Politik. Saget nicht, sie Religion hat mit der Politik nichts zu tun. Im Gegenteil, lehr viel. Denke dir den Fall, es wur- )en kirchenfeindliche, ungläubige Elemente die Politik uachen, die Gesetze beschließen, nach denen wir regiert werden. Wie lange.meinst du, daß wir noch önfessionelle Schulen hätten? Wie lange meinst du, »aß die katholischen Geistlichen noch einen Schritt n die Schule setzen dürften? Wie lange meinst du, ’n öen S^nläitnmern noch ein Kreuz zu sehen oa.re? Wie lange meinst diff daß die Katholiken noch rel ihr Vermögen verwalten, ihre Kirchen bauen i^ WS ÄÄ S sfentliche Aufzüge veranstalten dürfen? Mit all lesen Dingen, die uns heilig sind, die uns unan- »stbar sind, wäre bald aufgeräumt. Drum mußt du ei der Wahl die Augen aufmachen. Lies die folgen- en Grundsätze, die nicht aus meiner Feder stammen, mdern die höchste Auktorität hinter sich habe", die uftoritat eines Papstes: „Man muß bei den Zahlen Männer von anerkannter Rechischassenhett nterstützen, von denen man voranssetzen kann, daß , sich um die Sache des Christentums verdient achen, und es läßt sich kein Grund denken, wes- ilb man solchen, welche gegen die Rellgion femdüch Ä”wsÄ “
„ Wahlen und ht der Boliuk vie Resinion malt.