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Religiöses Wochenblatt
für die katholischen Gemeinden Kassels.
Erscheint jeden Sonntag und kostet monatlich Ausgabe A35 Noldpfenniz B 40 Äoldpsennig (freibt.) Redaktions- schlug Montag Anzeigen.Pceise: Colonelzeile im Anzeigenteil 0,15 Goldmark, Colonslzeile im Rekiamsteil 0,60 Goldmark. Bei Wiederholung Rabatt. Auskunft und Ojf.-Arb. 0,13 Goldmark. Porto extra. Anzeigen müssen spätestens bis Montag morgens im Besitz der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda sein.
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Das Brot des Lebens".
in Meisterwerk der Poesie, das alle der Griechen und Römer ’n den Schatten stellt, ist der Psalm 103, das Hohelied der götüichen Allmacht, Weisheit und Liebe. Gerade jetzt, wo der junge Frühling mit seinen Sonnenaugen durch die Lande schreitet, wo der Schmetterling über die bunten Wiesen flattert, wo die Biene den süßen Rektor aus den Blüten schlürft, wo der Kuckuck aus dem frischbelaubten Walde ruft, wo Korn und Weizen dem künftigen Brot entgegenwachsen und wo am heutigen Tage die glückstrahlenden Kinder zum Gottsshause wallen, um „das Brot des Lebens" zu empfangen, ist nicht gerade das der günstigste Zeitpunkt, diesen erhabe- nen Hymnus auf Gottes Größe und auf die Herrlichkeiten der Natur zu verkosten und an seinen rauschenden Klängen sich zu erfreuen? —
1. Dem Herrn lobsinge, meine Seele: Mein Herr und Gott, bist hocherhaben!
2. Mit Herrlichkeit bist du umkleidet. Umhüllt vom Prachtgewand der Sonne.
3. Du baust wie ein Gezelt den Himmel Und türmest Wasser in die Lüfte.
4. Zu deinem Thron
Und fährst dahin Zu Boten machst Die Feuersglut zu Die Erde hast du In Ewigkeit wird
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machst du die Wolken auf Windesflügeln.
du deine Engel. deinem Diener. fest gegründet: sie nicht wanken.
Mit Wasser wgr sie einst umgeben: Es hüllte ein die höchsten Berge.
Bor deinem Schelten floh das Wasser, Cs fürchtet sich vor deinem Donner.
Aufsteigen Berge, Täler sinken Zum Orte, den du hast bereitet.
Den Wassern ziehst du eine Grenze, Daß nimmer sie die Erde decken.
Die Quelle gleitest du zu Tale, Durch Bergesmitte ziehen Ströme.
Aus ihnen trinken alle Tiere, Das Wild sich labt in seinem Durste.
13. Dort bauen Bögel ihre Nester, Es schallt ihr L^d aus dem Gezweige.
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Es rauscht der Regen auf die Berge, Bon seinem Segen zehrt die Erde.
Es sprossen Gräser für die Tiere. Getreid und Früchte für den Menschen.
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nix ™b? trägt ihm Brot zur Stärkung . wein, die Herzen zu erfreuen.
Den mim^beüert er sein Antlitz, 1« rc ben Leib erquickt die Nahrung.
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21. Du Sie
22. Bei Um
23. Der Als
hast gebildet Mond und Sonne, kennen Niedergang und Aufgang.
Nacht erheben sich die Tiere, ihre Nahrung zu erjagen. Löwe brüllt nach seiner Beut«, wollt' er Gott um Speise büten.
24. Aufgeht die Sonn', und sie verschwinden Und ducken sich in ihre Höhlen. ;.;
25. Der Mensch begibt sich an sein Tagwerk Und regt die Hände bis zum Abend.
Indem ich den Schluß dieses großen Psalmes für die nächste Lesung aufspare und alle übrigen frommen Gedanken dem frommen Sinn des Lesers überlasse, wollen wir nur auf eine Stelle des Psalmes
näher eingehen: die »mermetzliche Kornkammer und das unerschöpfliche Brolmagojin für die Menschen aller Zeiten und Zonen ist die Erde. Unü “'"'' bloß Brot spendet sie zur Nahrung, sondern
nicht
Wein zur Freude.
Die Erde trägt ihm Brot zur Nahrung Und Wein, die Herzen zu erfreuen.
auch
Und wenn auch der Mensch mit Ackern, Säen, Pflanzen, Düngen sich abschindet, ist Loch alles umsonst ohne Sonnenschein und Regen und Keimkraft und Fruchtbarkeit; und das alles gibt Gott.
Schafft er aber Brot nur für den Leib? Nein; er schafft auch Brot für die Seele. Denn auch sie besitzt Leben und braucht Nahrung. Welches ist aber die Nahrung der Seele? Als katholischer Christ weißt du es, und die Weißensonntagskinder rufen es dir zu, und der Heiland selber erklärt es mit den Worten: „Ich bin das Vrol des Lebens; jdas Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch sür 'das Leben der Welt. Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise und mein Blut ist wahrhaftig ein Trank. Wer mein Fleisch ißt und 'mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn auserwecken am jüngsten Tage". (Joh. 6.)
Warum wollte der Heiland unter den Gestalten des Brotes und Weines sich uns hingeben? Um anzudeuten, daß er die Nahrung unserer Seele sein will. In diesem Geheimnis will er eins mit uns werden, wie die Speise sich vereinigt mit dem der sie genießt. „Ich bin die Speise der Starken", läßt St. Augustin den Helland sprechen, „und nicht sollst du mich umwandeln in dich, sondern ich will dich umwandeln in mich". Kein Wunder, haben gläubige Christen so viel Kraft und Trost gezogen" aus diesem Engelsbrot. Als der König Ludwig IX. auf seinem unglücklichen Kreuzzug in die Hände der Türken gefallen war, empfing er während seiner Gefangenschaft fast täglich 'das heiligste Sakrament und voll Entzücken rief er aus: „Das ist mein täg- liches Brot, die Kraft und Stärke meiner Seele inmitten des Gefängnisses bei all meinen Leiden und Trübsalen". Siehst du nun, katholischer Christ, daß du auf dem rechten Wege bist, wenn du oft den Kindern nachgehst zum Tische des Herrn, wenn du oft und täglich die hl. Kommunion empfängst und
trinkest aus dein Ozean der Gnaden? Bist du aber lau und träge im Empfang des Leden sbrotes, so gebe ich dir das Wort des hl. Ambrosius zu bedenken: „Ist es das tägliche Brot, warum empfängst du es erst nach einem Jahr? Empfange täglich, was täglich dir nützt und lebe so, daß du täglich es zu empfangen würdig bist".
Der Burgpfarrer.
Ein Vèitzer Sonntag.
Alljährlich, wenn am Weißen Sonntag die Glocken vom Turme der Kirchen und Kapellen in «die vom langen Winterschlafs zu neu verjüngtem Leber» erwachte Frühlingsnatur schallen; wenn sie verkünden, daß wiederum der hohe Ehrentag für so viele tausend reine Kinderherzen gekommen ist, da der göttliche Bräutigam Einkehr hält in die unschuldigen Seelen, dann fällt mir immer wieder eine Begebenheit ein aus den Tagen der eigenen Jugend.
Katharina war das einzige Kind des Schreinermeisters Hubert Weber, der einst bessere Tage gesehen hatte, in den letzten Jahren aber in seinem Wohlstände sehr zurückgekommen war. Durch glaubens- und gewissenlose Freunde veranlaßt, war Weber aus einem frommen Christen und treuen Anhänger der heiligen Kirche ein leidenschaftlicher Gegner des Kreuzes und seiner Lehren geworden. Dazu kam, daß er, um sich über die verdienten, ernsten Vorwürfe seiner guten Gattin und der entrüsteten Verwandten zu trösten und hinweg,zutäu- schen, sich noch einem zweiten bösen Geist in die Hände geliefert und dadurch Beruf und Familie vernachlässigt hatte: Der sonst so nüchterne, arbeitsame Schreinermeister hatte sich dem Trunke ergeben, und vergeudete nur zu oft die besten Stunden des Tages damit, in Gesellschaft seiner Verführer fein einst blühendes Geschäft zu untergraben und dem Alkohol und seinen sündhaften Freu
den zu huldigen.
Wie manche bittere Träne hatte Agatha, sein tugendhaftes, braves Weib, schon in der ängstlichen Sorge um das irdische und das ewige Wohl ihres Mannes und um ihre und ihres Kindes Zukunft vergossen! Wie manches heiße Gebet hatte sie, wenn jener fern dem Hause den unerlaubten, schädigenden Freuden nachging, allein oder in Gemeinschaft mit ihrem Töchterch" i zu Gott dem Herrn emporgesandt, um ihrem verblendeten Gatten des Himmels Gnade zur Einsicht und Umkehr zu er« lehen! Wollte der Himmel sie nicht erhören?
Zwei Jahre waren so schon feit der Störung des häuslichen Glückes und Friedens vergangen. Des Vaters Gleichgültigkeit, ja Feindseligkeit gegen alles Religiöse und sein Hang zu ausschweifenden« Leben nahmen erschreckend zu.
Die kleine Katharina, deren Fromm-gkett und Tugend trotz der väterlichen Nachlafsigkett Mutter treu behütet und gepflegt wurden, hatte inzwischen das Alter erreicht, da ,hr zum erinn