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Beilage zum Bonifatiusboten

Wiedeegefunden,

Eine Geschichte aus den Kriegsjahren.

Magda hieß sie und war ein braves Mädchen. öe» boren im Dorffchulhaus im österreichischen Land«, wuchs sie in der Landslur auf, wo die Sonndasglocken noch einen himmlischen Klang haben und die Menschenherzen zum schlichten Kirchlein streben, um in Wahrheit sich zu erbauen und auszurichten.

Als sie die Pflichtschule verlassen hatte, machte sie in der nahen Kaisersticht denHandelskurs". Magdâ ab­solvierte denselben mit Vorzug und trat alsbald als Kontorfräulein" in ein großes Wiener Geschäft ein. Mit einem Monaissold von sechzig Kronen begann sie ihre Laufbahn. Ihren bescheidenen Ansprüchen genügte diese Kleinigkett, so daß sie der Eltern Hilfe nur selten in Anspruch nehmen mußte. So gering die Entlohnung war, umsomehr überbürdet war sie mit Arbe t. Sie fügte sich ohne Murren, als etwas Selbstverständliches. Das mochte sie beliebt, und ihr Gehalt wuchs mit der Zeit wie ihre Tüchtigkeit im Können und Wollen.

Mehrmals wechselte sie ihren Posten, um sich in den verschiedenen Geschäftszweigen auszubilden. Zuletzt ward sie deutsche Korrespondentin bei einer tschechischen Fabrik­firma im Adlergebirge, wo sie ganz selbständig arbeiten mußte. Dort bezog sie schon ansehnlichen Gehalt und genoß ehrenvolle Behandlung. Man wußte ihre Arbeit zu würdigen. So konnte sich das brave Mädchen schon Ersparnisse beiseite legen, wie sie auch ab und zu ihren Eltern belfnrd unter die Arine griff.

Einsam stand Maada als deutsches Mädä)en unter den andersredenden Menschen, bei denen sie keinen An­schluß sand. Die Wochentage vergingen ihr in redlicher Arbeit, an Sonntagen fuhr sie hinaus zu deutschen Brü­dern und Schwestern in Weckeldorfs Felsenwelt, ins nahe Bad Kudowa. So lebte sie im blumenfdfönen Tal der Mettau ein Jahr einsam unter fremden Leuten.

Da trat ein junger Wiener als Volontär in die Fabrik ein, ein braver Jüngling, der aus einem wohlhabenden Kaufmannshaufe stammte und nun hier, da fein Vater in enger Geschäftsverbindung mit der Fabrik stand,, die tschechische Sprache erlernen sollte.

Groß war seine Freude, als ihm bei der Vorstellung im Kontor der deutsche Begrüßungslaut Magdas ans Ohr klang. Er und Magda wurden gute Kanirraden. die gemeinschaftlich im Kontor arbeiteten und gemeinschaft­lich ihre Sonniagnachmittage draußen bei den deutschen

Nachbam verlebten. Dabei lernten sie lich kennen und verstehen, bis sich das um ihre reinen Herzen schlang. Hugo Mädchens würdig; denn auch er, der

einander gründ- Band der Liebe war des braven Mutterlose, der

kaum vier Jahre älter war als Magda, hatte sich im Wirbel der Weltstadt dank des ernsten Geistes in seinem Vaterhause seine Reinheit bewahrt und konnte klaren Auges zu der Unschuld Magdas ausblicken. Und darum wurde auch diese Liebe so fest, so unbezwinglich.

Ein volles Jahr verging den jungen Leuten wie ein Traum. Dann aber kam für sie die Zeit der Prüfung. Langst schon verdroß den Fabrikanten, einen entfernten

Sonntag den 8. )un!

Verwandten von Hugos Baier, bessern Umgang mit bertger Ordnungssinn. So gab er endlich auf einem Ausflug armen Kontoristin". Er schrieb dem Wiener Geschäfts- auf den Kahlenberg feine Einwilligung zum Herzensbund

armen Kontoristin". Er schrieb dem Wiener Geschäfts- freund einen Brief, in dem er offen aussprach, daß eine Arme" nicht für den Deichen Kaufmannssohn passe. Hugo erhielt daraufhin eine strenge Verwarnung von seinem Vater.Du wirst nur ein reiches Mädchen hei- raten," hieß es in dem Schreiben, »darum lasse diese Tändelei und sammle Erfahrungen im Geschäfte!"

Hugos rechtschaffener Ch-sakter blieb aufrecht. Wie es sich für den Sohn geziemt, ehrerbietig und ausrichtig schenkt« er dem Vater reinen Wein ein und erklärte, von Magda, deren inneren Wert er erkannt, nie mehr zu lassen. Daraufhin erfolgte feine Abberufung nach Wien.

*

Hrrumsn

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Blumen, holde Paradieseskinder,

Ssy'n fo frisch, so rein, so froh uns an; ö ? Kann fürwahr es nimmer doch verstehen, L I Wie man Blumen auch nicht lieben kann. v ) Blumen sind für uns am hellen Tage, U i Was der Nacht der S-wne Silberscheiu: P

[ Ja, ein gitmmel lacht aus ihrem welche, i^ i Ihrer Blätterhülle zart und fein. ö

! Seh' am Abend ich die Rosenknosve g

) Einge chlossen noch im bunten Grün, j Und am Morgen mir zum ersten Gruße K ) Frisch und duftig dann ein Röslein blühn: U { Schwingt das Herz sich froh im Dankgefühlr, ö

> Zu dem Gott, bet alle Freuden gibH

1 Und ich frage leise dann mich selber: u

) Ob dies Herz der Blumen Schöpfer liebt. (.

I J. K. K

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Bei der Trennung gab Hugo Magda das Wort stand­hafter Treue. Bald darauf bewirkte er es, daß Magoa einen Posten bei einer Wiener Hofbuchhandlung erhielt, so daß sie nun wieder beisammen waren und beisammen blieben, trotz des hartnäckige» Widerandes des nur im Gelde des Lebens Heil erblickenden Kaufmannes.

Aber Standhaftigkeit führt zum Ziele. Hugos Vater fand Gelegenheit, Magda selbst kennen zu lernen. Zuerst ließ er sie heimlich beobachten, dann ließ er sie durch die Verwandte, welche ihm das Haus führte, einmal einladen und machte später mit den beiden einmal ein. Landpartie in den Wienerwald und nach Baden. Je gründlicher er Magdas Charakter studierte, desto begreif- kicher wurde ihm des Sohnes Wahl, desto mehr gewann das Mädchen fein Herz. Namentlich gefielen ihin ihre natürlich Frömmigkeit, ihr stilles Sössen und ihr stren-

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des jungen Paares. Das geschah im September, un- nÄtelbar nach dem Ausbruch des Krieges. Im nächsten Sommer, wo jedermann schon wieder da, Kriegsende gekommen wähnte, sollte Hochzeit gefeiert werden.

Es kam anders. Der Krieg nahm nicht ab, sondern schwoll an, wie ein Gebirgsbach im Borlenz. Immer mehr Opfer an Blut und Geld verschlang er, immer mehr wuchs die Zahl der mächtigen Feinde des deutschen Volkes.

Es begannen die Musterungen und Nachmusterungen. Auch Hugo wurde einberufen. Knapp vor seiner Einbe­rufung zum Deutschmeisterregiment fand die »Kriegs- trauung* statt In schlichter Weise erfolgte die Kopu­lation in den ersten Märztagen. Nach der heiligen Hand­lung vereinigte ein einfaches Mahl die Hochzeitsgesell­schaft im Hause des Bräutigams, und als der Vater mit der Schwregertockner anstieß, billigte er laut des Sohnes Wahl.

Nach fünf Tagen schon mußte Hugo einrücken. Er hatte das Glück, feine miliaris d)e Ausbildung in feiner Vaterstadt zu erhalten ünd feine Mahlzeiten zu Hause einnehmen zu dürfen, wie er auch seine freie Zeit seinen Angehörigen widmen konnte. So waren ihm immer noch sechs bis acht Wochen gegönnt, sich seines Glückes zu freuen, und Magda ließ es an nichts fehlen, ihm den schweren, ungewohnten Dienst so erträglich als möglich zu machen.

Endlich erfolgte der Abgang ins Feld. Es war Ende April, an einem blütenstrotzenden Morgen. Der Abschied war schwer. So sehr Hugos Herz auch bei der Sachs des Vaterlandes war, so sehr fühlte er sich bedrückt bei dem Gedanken, sein junges Weib hilflos zurücklaffen zu müssen, wenn er vielleicht das Opfer einer feindlichen Kugel oder einer Krankheit werden sollte, was ja in die­sem blutigsten Kriege so nahe lag. Wohl hatte er vor­her ein Testament gemacht, das Magda sein elterliches Erbe zusicherte. Aber diese Vorsicht konnte den Schmerz des Scheidens nicht mildern, und auch das stille, aus des Herzens innersten Tiefen quellende Bittgebet, das b<ibe in der gottdurchschauerten Stille der Stephanstirchs i er­richteten, blieb nur schwacher Balsam auf das sorg in- durchsähte Gemüt.

Noch einen letzten Blick aus dem Fenster der Eisen­bahn warf der junge Krieger auf sein Weib, einen Bl ck, in dem sein ganzes Herz lag dann rollte der lange Zug langsam aus der Halle und entführte die Streiter

fürs Vaterland dorthin, wo die Russen Herren dünkten, nach Ostgalizien.

Nun kamen für Magda bange Tage, dieselben bei ihren Eltern im friedlichen

sich schon als

Sie verlebte Dorfschulhause.

Von ihrem Mann erhielt sie fast täglich die heißersehnte 'Feldpostkarts. Immer wußte er Gutes, Tröstendes zu melden. Auch daß er krank geworden, verschwieg er ihr niche. Das machte nun der jungen Frau doppelte Sorge. Sie hielt es nicht mehr länger aus im Dorfe. Beschäftigung sollte sie von ihren trüben Gedanken, ihre»

Ein Bonifatius - ZMiSum in Thüringen

53on Rrof. Dr. Hundertmark in Friedrichroda i. Th.

D:e Katholiken Thüringens rüsten sich zu einem Boni- fattusiubtlaum. Gerade 1200 Jahre sind es her, daß Sr.. Bonc.alms von Heften her in die dunklen Wälder Thüringens furchtlos eindrang. Er kam, wie es scheint, Hssuptrucken, den alten Grenzweg Rennsteig be- nutzend, gründete hoch oben über dem heutigen Fried- S b£ °", hoher Bergeshalde ein Kirchlein' und stieg das «u«^t 'n d" ^E' Da, wo sie beginnt, wo Flükcden ßiC1 Ouellbachen vom Gebirge herabsilend« Halt Der Mllü'^" ruhigeren Lauf nimmt, machte er ftätte aeeiane/ M^'^1 ,m -ur eins christliche Gebets. © Hun 1?»^ sand er dort eine kleine fcurd/X SraumÄ ^m Vorhaben bald berichtet sah er im TrwV\ ^"ph Will- Mikael, der ihn zu eUÄbu^

I d) war hier und da vor dem ©ebirae t^^ A ftentum verkündigt; doch da es an nnAM^ liukunq fehlte, war der kärglich aufgegangene Bamham anumjchem oder gar heidnischem Unkraut du- wuchert, sodaß von neuem begonnen werden mußte. So

gründete dann der heilige Bonifatius hier an den Ufern der Ohra, die heute lustig über dreißig Mühlen treibt, eine Kirche und, um das Ganze zu sichern, ein Kloster zu Ehren des Heiligen Michael. Damit war ein Mittel­punkt des christlichen Glaubens für das südliche Thörin- gen geschaffen. Die neue Stiftung übergab der uner­müdliche Apostel feinem Schüler Wigbert und zog weiter dahin, wo die Gewässer der Gera eine uralte Siedelunz umflossen, aus der das kräftig sich entwickelnde Erfurt mit

seinem herrlichen Dome entstanden ist. Das Michaels­kloster an der Ohra gedieh prächtig. Allmählich fanden sich Ansiedler, rind so entstand das Ohrdorf, mit Um. stcllung der Buchstaben längst Ohrdruf genannt. Die deutschen Herrscher schenkten aus dem zumeist brach

liegenden Königsqute manche Hufe, die durch den em-^ wurde.

sigen Fleiß der Klosterleute der Kultur zugeführt wurde. SUs St. Bonifatius in Friesland seinen heiligen Eifer

7" ^. ~i^»- ... u-- - !'->= yru'Hcu üiiec wnenen imange nucy «imgu vriicij, ------ -.. ., für die Bekehrung der Herden mit dem Märtyrertode laffenen Räume zogen dann viel später Kar iw r besiegelt hatte. übernahm sein Schüler Lullus die Für- Es kamen gute, aber auch viele trübe Tage uoer s q»

sorge für Thüringen. Inzwischen war das erste Kloster in Ohrdruf dem Ansturm der Feinde ob es Sachsen oder Hunnen waren, ist nicht mehr zu entscheiden zum Opfer gefallen. Da griff Lullus fürsorglich ein und gründete auf dem rechten Ufer der Ohra eine

neue, größere Kirche, dem beigen Petrus zu Ehren.1 tun wollten.

Ihr wurde ein Stift angegliedert, dar fünfzehn Chor­herren zählte. Die alte Bonifatiuskirche war allerdings erhalten geblieben, doch verfiel sie mehr und mehr und wurde dann zur Pfarrkirche ausgebaut. Das neue Kloster übernahm die geistige Erbschaft des zerstörten und ver­waltete zugleich den bedeutenden Besitz. den das Kloster Hersfeld dort gewonnen hatte. Zahlreiche kostbare Re­liquien waren von Hersfeld in die neue Kirche übertra. gen. Sie wurden leider ein Raub der Flammen, als ein großer Brand zwei Jah: hunderte später ausbrach. Nur ein Gefäß mit den heiligen Hostien blieb wunderbarer Weise erhalten. Abermals erhoben sich Kirche und Stift

aus den Trümmern. Da kam die Zeit, in der Thüringen von so vielen kleinen und großen Fehden zerfleischt Die Unsicherheit stieg so, daß das Stift 1344 von der Witwe des Landgrafen Friedrich mit bet ge­bissenen Wange nach Gotha verlegt wurde, In tue »er.

Es kamen gute, auer aum ome x .. " mshrfadien und Stadt. Furchtbar litt der Ott â Feuersbrünsten. Dann kamder fchwame Tod jcn arauenoolle Pest, die auch hier so viele Dp er forcet«. jlm den göttlichen Herrn zu beschwichtign, traten bte sog. Flagellanten ruf, die durch öffentliche Geißelungen Buße Sie kamen auch nach Ohrdruf in langem