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Beilage zum Bonisafiusbo lern H
Nr. 18.
Sonntag, den 4. Mai
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Die Verfügung ohne Gott."
Ein Beispiel moderner Legendenbildung.
In der Reihe der Schlagworte» die unter den christlich gesinnten Gegnern des Zentrums am meisten verbreitet sind und im jetzigen Wahlkampse «msgenutzt werden, spielt „die Verfassung ohne Gott" eine besondere Rolle. In der gehässigen Schrift von P. Siebertz: Deutschland zur Zeit seiner grüßten Schmach, München 1923, heißt es: „Eine der unbegreiflichsten Früchte verwerflicher Kom- promißpolitik, die Volkswohl und Reich cm die Nutznießer der neuen Konstellation verschacherte, war die Eliminierung Gottes aus der Verfassung. Auf diese Heldentat bilden sich deutsche Sozialdemokraten sogar heute noch etwas ein, während das Zentrum sich naturgemäß höchst ungern an diese Schande erinnert sieht." (S. 25.)
Unbegreiflich in dieser Sache ist nur die Oberflächlichkeit, mit der so schwerwiegende Vorwürfe gegen das Zentrum erhoben und weitergegeben werden. Zunächst: Von Eliminierung Gottes aus der Verfassung kann doch nur die Rede sein, wenn der Name Gottes in der bisherigen Verfassung wirklich enthalten war. Allein, dies ist nicht der Fall; die frühere Reichsoerfassung hat Gott nicht erwähnt, ebensowenig der Regierungsentwurf zur neuen Verfassung. Selbst die Frankfurter Reichsverfassung von 1848, die 1919 in manchen Punkten als Vorbild diente, nannte Gott an keiner Stelle; und doch waren im Frankfurter Parlament bekanntlich die ersten Geister Deutschlands, unter ihnen Bischöfe, Theologen und Rechtsgelehrte ersten Ranges!
Das heute von den „nationalen" Parteien so muL gefeierte Bismarcksche Verfassungswerk gibt Anlaß zu einer anderen Erinnerung. Im Jahre 1870 beantragten der Führer des neu gegründeten Zentrums, Peter Reichenssperger, und in einem eigenen Brief an den Kanzler auch Bischof von Ketèeler, wichtige Grundrechte zum Schutze der Religion in die Verfassung aufzunehmen; sie hegten mit Recht die Besorgnis, daß die damalige kirchenfeindliche Strömung, die nicht eine sozialistische, sondern eine nationalistische war, die Rechte der Katholiken im neuen Reich antasten werde. Dieser Antrag ist aus Betreiben Bismarcks im Reichstage schroff abgelehnk worden. Hier also liegt ein Fall vor, bei dem von einer „Eliminierung" bzw. einer bewußten Femhaltung der Religion aus der Ver- faffung gesprochen werden kann.
Wie verhält es sich nun mit der Verfassung von Weimar bezüglich ihres sachlich-rechtlichen Inhalts? Sieben Artikel, ein ganzer Abschnitt der „Grundrechte und Grundpflichten der Deutschen" (3. Abschnitt, Artikel 135 bis 141), handeln von „Religion
und Reügionsgesellschaston". 3hm hecht aber „Religion", wie jeder Quarten« weiß, nichts anderes als Gottesfurcht, Gottesvevchrung, Gottesdienst. Nur verzweifelte Silbmcstecherei kann daher leugnen, daß die Reichsverfafsrmg nachdrücklich von Gott redet. Sie nimmt es tatsächlich sehr ernst mit der „ungestörten Religionsausübung", d. h. mit der Freiheit, Gott zu verehren, mit der „Selbständigkeit" der Religionsgossüfchaften, di« sie in ihrer öffentlich-rechtlichen Stellung beläßt und schützt, mit dem zu „Kultuszwecken", d. h. zum Gottesdienst bestimmten Eigentum der Kirche; mit dem Sonntag und den christlichen Feiertagen, also mit dem ,,-vag des Herrn" und den Gedenktagen des Erlösers! Ist diese Anerkennung der Religion, die nicht im bloßen
Im Maien
Im Maien, da weihen die Blumen der Au Allstündlich sich kindlich der himmlischen Frau; Sie blühen und glühen und sprühen — es weht So süß in die Lüfte der Düfte Gebet.
Im Maien, da weihen sich Vöglein zum Chor: Da singt es, da klingt es und dringt es empor So fröhlich, so selig aus glücklicher Brust, In kindlichem Triebe, voll Liebe, voll Lust.
Im Maien, da weihen, da reihen zum Kranz Wir blühende Rosen mit glühendem Glanz; Maria, dir singen wrr, bringen wir Grüß', Wir beten so innig, so minnig und sütz.
Worte, sondern auch in der Tat und Rechtssiche- rung besteht, für „Volkswohl und Reich" nicht weit wichtiger als die Frage, ob irgendwo der Nance Gottes buchstäblich genannt ist? Auf andere Dinge, wie die religiösen Orden und den Religionsunter- richt als Pflichtlehrfach an den Schulen will ich nicht eigens eingehen. Ich frage, welche andere neuzeitliche Verfassung in der ganzen Welt hat eine so ausführliche Garantie religiöser Rechte in ihre Bestimmungen ausgenommen! Soviel ich sehe, keine einzige. Und dabei stand das Zentrum in Weimar tatsächlich einer weit überlegenen Macht der Linken gegenüber! Sozialdemokraten und Demokraten hatten die absolute Mehrheit in der Nationalversammlung. Welche bodenlose Unwissenheit oder Ungerechtigkeit liegt mithin in der Behauptung der erwähnten Schrift, das Zentrum habe in Weimar Schacherpolitik getrieben und „der Geringschätzung des Göttlichen" zum Siege verhalfen.
Aus den erwähnten Mehrheitsvechältnissen der Weimarer Zeit ersieht man aber, mit welcher Energie und Zielbewußtheit das Zentrum damals gekämpft hat, um trotz der Revolulionsstimmung wesentliche Garantien für Religion unb christliche Gesittung durchzusetzen. Daß diese politische Arbeit noch 1923 von verblendeten Katholiken als „Ber- schacherung des Volkswohles" und als „Schmach und Schande" bezeichnet worden ist, zeigt den bedauerlichen Grad der politischen Verhetzung, dis in manchen Kreisen stattgefunden hat. Das Zentrum hat gerade durch die unbeirrte Sachlichkeit ferner Politik, durch sein gerechtes und selbstloses Gir treten für das Gesamtwohl einerseits wichtige Güter der christlichen Kultur in schwerer Zeit gerettet, anderseits aber die Sozialdemokratie innerlich geschwächt und geteilt, indem es einen Teil derselben vom marxistischen Programm abzog. Die Ereignisse der letzten Monate in Bayern haben es wohl auch Gegnern wie Siebertz beschämend zum Bewußtsein "gebracht, daß umgekehrt eine kurzsichtige Gefühls- und Schlagwortpolitik die schlimmste Gefahr eines neuen Kulturkampfes von feiten des Nationalismus heraufbeschwört; daß aber in gleichem Verhältnis mit ihr auch die Kampflust und Macht des Sozialismus von neuem geweckt und gesteigert wird. —
Er kann Zücht anders.
Ludendorff hetzt weiter gegen die Katholiken.
Als der General Ludendorff gleich zu Beginn des Hitlerprozeffes feine unmotivierten und un- wahrhaftigen Angriffe gegen den „U lir a m o n - tanismu s", gegen den Vatikan und den ardinal Faulhäber richtete, erhob sich überall, bei uns sowohl wie draußen in der Welt ein Sturm ehrlicher Entrüstung. Man hätte annehmen können, daß das Echo, welches dieser „politisierende General" fand, daß die energischen Proteste auch den engstirnigsten Fanatiker auf andere Gedanken gebracht hätte. Ludendorff aber ist unbelehrbar. Er hat jetzt dem norwegischen Korrespondenten der „Chicago Daily News" gegenüber folgendes erklärt:
Während Deutschlands Kampf um Freiheit und Existenz ist der Vatikan nicht neutral geblie- b e n. Wenn man die strenge Disziplin der katholischen Kirche in Betracht zieht, ist es schmerzlich zu sehen, wie der Heilige Vater vorigen Sommer die Sabotage im Rheinland und im Ruhrgebiet mißbilligte und dadurch Deutschland eine tatkräftige Waffe gegen Frankreich aus der Hand nahm. Nicht weniger schmerzlich war für uns di« Tätigkeit des Kardinals Faul, ha b e r, als er im vorigen Jahre in Amerika war. Der Kardinal äußerte sich über deutsche Interessen in einer Weise, die die Mehrzahl des deutschen Volkes nicht als wahrhaftig betrachten würde. Es ist erstaunlich, zu bemerken, wie er die Juden gerate vor dem 8. November
Ave Maria!
Der wonnige Mai weckt in Flur und Wald ein blu- menreiches Leben, erneuert die Stimmen der gefiederten Sänger. In den Herzen der katholischen Christen weckt er die alte Liebe zur „geheimnisvollen Rose", erneuert den nie endenden Lobpreis der gorreichen Himmelskönigin. Ave Maria! so tönt es im Maienmonat tausend.
in der ganzen katholischen Welt. Die Malerei, die Dildhmierkunst, die Musik, die Dichtkunst, die Natur mit ihrem Grün und ihren Blüten ruft der Katholik zur Marienverehrung und läßt sie einftimmen in das Ave Auch jeder gläubige katholische Lehrer und jede fromme sprechen ihr Ave Maria im Maienmonat. Wir wilden Einfluß der Verehrung der «?? °bnnâgen Jungfrau Maria auf die Erziehung 1 ^'^ Gedanken darlegen.
Christ ist unser Kind. Cs ist ein ^ zu gleicher Zeit in ihm Leben ter E^de ^r ^atur und der Gnade, das »nb ber ffmin^ das Leben der Zeit
schieden in „Arsch-eden in ihrem Ursprung, ver- sind sie verschieden in ihrem Endziel,
s:^ .w ihrer Entwicklung und entfalten
&» iS9 r °A die mannigfaltigste Weise in dem von dem^Ä- fa' „daß die wahre, christliche Erziehung --"> höheren Leben der Gnade ihren Anfang nimmt.
Ja, die Religion muß das Fundament sein, auf welchem sich das hohe, weite Gebäude der Erziehung aufbaut; ihr Hauch muß stark und mild das Ganze durchwehen und beeinflussen.
Gott lieben, das ist also das erste, was das Kind in der Schule lernen soll, die es auf dem Schoße feiner Mutter durchwacht.
Wie kann aber die erste Lehrerin des Kindes, die Müter, iljt Ziel erreichen? Soll das Kind Gott lieben, fo^mub es zuerst Gott kennen. Denn der Liebe muß die Erkenntnis vorausgehen; was man nicht kennt, das liebt man nicht. Der Begriff „Gott" aber ist für das Kind zu enfernt liegend. Es muß eine Brücke geschlagen werden. Diese Brücke ist Maria mit ihrem Kinde auf den Amren, deren Mittelpunkt das Marienaltürchen bildet. Vor diesem wird der erste Anschauungsunterricht gehalten, welcher den Begriff „Gott" dem Kinde klar macht. In dem beschränkten Gedankenkreis des Kindes spielt die Mutter und es selbst die Hauptrolle. Der Begriff „Vater" liegt ihm schon ferner, wenigstens ist er ihm nicht so klar, so geläufig wie die Begriffe Mutter und Kind. Mit Leichtigkeit wird es also die erhabenen Vorbilder von Mutter und Kind, die jungfräuliche Gottesmutter und ihr göttliches Kind auf- fassen und verstehen. Wie es die eigene Mutter liebt, so wird es auch diese himmlische Mutter bald lieben lernen. Es wird bald von seiner Himmelsmutter wie von seiner eigenen Mutter sprechen. Von dieser, Liebe zur
Muster wird es leicht zu dem göttlichen Kinde auf ihren Armen geführt; denn da befindet es üd) ja in einem ganz bekannten Gedankenkreise. Von diesem göttl.Kinde erzählt ihm nun die erste Lehrerin mit ihrer einfachen, warmen Sprache, wie sein Vater im Himmel da oben wohnt, den wir nicht sehen, der uns aber so gut ist, so viele Wohltaten spendet; sie erzählt ihm, wie sein Sohn auf die Erde kam, wie er heramvachs und endlich am Kreuze für uns starb. So bildet Maria die Brücke, auf welcher der Mutter Hand das Kind leicht hinüberführt zur Erkenntnis und Liebe des himmlischen Vaters und zur Liebe feines gekreuzigten Sohnes. So (ernt der Verstand des Kindes vor dem Bilde der Gottesmutter- die ersten Schläge der Gottesliebe.
2. Aber auch auf einen anderen Hauptpunkt der christlichen Erziehung hat die Marienverehrung einen großen Einfluß, auf den Gehorsam nämlich, der zur weiteren Erziehung des Kindes unbedingt notwendig ist. Und wie einfach, wie schön und rührend wird dem Kinds auf oen Armen der Mutter der Gehorsam b--gebracht! Um m« Auktorität zu behaupten, stützt sich A Mutter rf ria. Von der Auktorität der h-mml,scheu Mutter über
vünkilichen und freudigen Gehorsam weil das Äsukmd icdem Worte, jedem Winke seiner Mutter so freudig gebuchte Und in der Tat, ist einmal die erste Grundlage,