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20, Dezember
1928
Das Steuerte
— Reichspräsident von Hindenburg wird die Vermittlung zwischen der Reichsregierung und dem Staatsgerichtshof wegen der Ernennung der Verwaltungsmitglieder für die Reichsbahn übernehmen. Reichsgerichlspräsident Dr. Simon soll sein Rücktrittsgesuch eingereicht haben.
— In einem von der gesamten deutschen Presse Ostoberschlesiens veröffentlichten Offenen Brief des Deutschen Volksbundes an Zaleski wird auf dessen Anschuldigungen im Völkerbundrat erwidert. Auf Anordnung der Wojwodschastspolizei sind sämtliche gestern erschienenen deutschen Zeitungen beschlagnahmt worden.
— Am 18. Dezember ist der Gesandte in Hel- singfors, Hauschild, im Aller von 48 Jahren gestorben.
— Rach heute vorliegenden Meldungen hat sich die Lage in Afghanistan verschärft. Die Aufständischen haben zwei Forts vor Kabul beseht.
ânwf ums Recht
Ein offener Brief des Deutschen Volksbundes an Zaleski.
Kattowih, 19. Dez. Ji einem von der gesamten deutschen Presse Ostoberschlesiens veröffentlichten offenen Brief des Deutschen Volksbundes an Zaleski wird auf dessen Anschuldigungen im Völkerbundsrat erwidert:
. „Das Beschwerderecht des Deutschen Volksbundes wurde in der Stellungnahme des Präsidenten der gemischten Kommission vom 26. November 1923 Behandlung der Beschwerden des Volksbundes
am ........... prflarurt^! ____________ __________________ ______________ Behandlung der Beschwerden des Völkerbundes durch die Landesbehorden und die damit verbundene Gefährdung lebenswichtiger Interessen der deutschen Bevölkerung zwang den Volksbund, zur Unmittelbaren Anrufung des Völkerbundsrates. Mit dem früheren Wojwoden wurden die meisten Beschwerden durch unmittelbare Verständigung ohne Anrufung des Minderheitenamtes erledigt. Dieses bewährte Verfahren hörte mit Amtsantritt des derzeitigen Wojwoden auf. Zu Zaleskis Ausführungen über die Stärke der deutschen Minderheit wird erklärt, daß sämtliche Unterlagen hierüber mangels einer Volkszählung fehlten. Es wird jedoch festgestellt, daß für die deutsche Minderheit nicht 90, sondern am 1. Dezember nur 77 öffentliche deutsche Volksschulen bestehen mit einer Schülerzahl von kund 17 500. Zur Anschuldigung, daß der Deutsche Volksbund die Ursache des Nationalitätenkampfes pnd der politischen Unruhe fei, und ungesetzlicher Handlungen und sogar der Vorbereitung eines Umsturzes beschuldigt wird, erklärt der Volksbund, in seinem Urteil sei er als Urheber der behaupteten Schädigungen bezeichnet worden. Der von Zaleski |nr>ähnte Abgeordnete Ulitz sei überhaupt noch nicht zu der gegen ihn erhobenden Beschuldigung gehört worden. Hauptzweck des Deutschen Volksbunkes ist neben kulturellen Aufgaben der Rechtsschutz feiner Mitglieder. Der Kampf um unsere Rechte als nationale Minderheit richtet sich nicht gegen den gtaat, sondern gegen diejenigen Behörden, die die Rechte der deutschen Minderheit mißachten. Die Verletzung der der deutschen Minderheit verfassungs^ müßig und vertragsmäßig verbürgten Rechte durch die Behörden werde u. a. auch vom Präsidenten der gemischten Kommission anerkannt. Der Brief schließt:
I Vorwürfe der staatsfeindlichen Gesinnung und Betätigung weisen wir im Ramen der im Deutschen Volksbund ohne Unterschied der Parteien. des Bekenntnisses und der sozialen Stellung vereinten Deutschen mit dem ganzen Ernste der von der Rich- Rgkcit ihrer Ueberzeugung und ihrer Handlungsweise durchdrungenen Blenschen auf das Entschiedenste zurück.
Deutsche Zettunsen in Oti- MersMeWen beichrasnabmt
Auf Anordnung der oskoberschlesischen Wojwod- zchastspolizei sind sämtliche heute in Kattowih und Königshütte erscheinenden deutschen Blätter beschlagnahmt worden. Die Beschlagnahme erfolgte wegen der Veröffentlichung des Offenen Briefes des Deutschen Volksbundes an Zaleski, in dem die 3tr- lümer des polnischen Außenministers richtiggeslellt und die von ihm gegen den Deutschen Volksbund in Lugano vorgebrachten Vorwürfe zurückgewiesen werden. Die Polizei hat auch Befehl erhallen, auf polnischem Boden alle reichsdeulschen Blätter zu beschlagnahmen, die Berichte über den Offenen Brief oder Auszüge aus demselben veröffentlichen. Der Dojmode Dr. Graszinski soll laut „Berliner Tageblatt" in den nächsten Tagen der Warschauer Re- gi 'rung einen eingehenden Bericht über die Tälig- leil des Deutschen Volksbundes erstatten, vor allem über die Zahlung von Gehalkszuschüssen durch den Deutschen Volksbund an die an den Rlinderheiten- fchulen beschäftigten deutschen Lehrer.
Einigung über die Sachverständigen
Berlin, 19. Dez. Morgen wird gleichzeitig in Berlin und in Paris ein zwischen den beteiligten Mächten vereinbartes Communiquè veröffentlicht werden, das die G r u n d- sähe milteilt, nach denen die Ernennung Daweskomitee einberufen werden soll.
Ueber den Inhalt der Vereinbarungen erfahren wir:
1. Es werden unabhängige und gleichberechtigte Sachverständige ernannt, die in Finanz- und Wirtschaftsfragen besondere Kenntnisse und Erfahrungen besitzen.
2. Jede der beteiligten Regierungen ernennt Zwei Sachverständige, denen beratende Experten beigegeben werden können.
3. Die deutsche Regierung ernennt ihre Sachverständigen direkt. Den Reparationsmächten bleibt es überlassen, ob sie ihre Sachverständigen direkt oder durch die Neparationskommission ernennen. Der Reparationskommission wird auf jeden Fall schriftliche Anzeige von der Ernennung gemacht.
Alle Mächte werden sich gemeinsam an die
MeihnaOts-erien mit
vag sessrr das Preusten-
SaNnett, der am 28. Dezember beivroGert werden wO
Berlin, 19. Dez. In der heutigen Sitzung des I Härten auszugleichen. Bedauerlich fei. daß man Preußischen Landtages unternahmen die Kommu- nicht gemeinsam mit der Regierung die notwendigen nisten einen überraschenden Vorstoß. Sie ließen Arbeiten tun könne.
ein mit den Konkordatsverhandlungen begründetes Mißtrauensvotum gegen das Staatsministerium vortragen. Ihr Wunsch, bereits morgen über dieses Mißtrauensvotum zu beraten, wurde zwar abgelehnt, doch mußte der Aeltestenrat, der sich sofort mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen hatte, entsprechend den Verfassungsvorschriften beschließen, daß der Landtag seine Weihnachtsferien am Freitag, den 28. Dezember, zu unterbrechen hat, damit der Mißtrauensantrag fristgemäß — innerhalb von 14 Tagen nach der Einbringung — zur Beratung gestellt werden kann.
Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte Präsident Bartels, während sich die Abgeordneten von ihren Plätzen erhoben hatten, der schweren Vrandkatastrophe in Berlin-Neukölln. Er sprach den Betroffenen die herzliche Teilnahme des Landtages aus und richtete an die Staatsregierung den Appell, diesen schweren Unglücksfall zum Anlaß zu nehmen, um nachzuprüfen, inwieweit die Schutzvorschriften für feuergefährliche Betriebe einer Ergänzung bedürfen.
Auf der Tagesordnung steht dann der S t e l l e n- p la n für 1 928. Der Ausschuß hat ihm zugestimmt und einige Entschließungsanträge angenommen, die das Staatsministerium ersuchen, bei der beabsichtigten Verwaltungsreform aus die Schaffung von Kreisamtsmeisterstellen Bedacht zu nehmen.
Abg. Borck (Dntl.) erklärt, aus den ganzen Verhandlungen im Unterausschuß sei klar geworden, daß nichts dabei herauskommen würde. Trotzdem hatten die Regierungsparteien weiter verhandelt, aus Angst um die sogenannte Koalition.
Abg Baumhoff (Ztr.) stellt fest. daß seine Partei bereit sei, dem vorgelegten Stellenplan zuzustimmen, weil man auf die Anspannung der Finanzlage in Preußen Rücksicht nehmen müsse.
Abg. Größte (Wirtsch.-P.) bedauert, daß die Parteien ihre sparsame Haltung gegenüber dem Stellenplan schon dadurch wieder durchbrochen hätten, daß in Entschließungen neue Beamtenstellcn gefordert werden.
Abg. B a r t e l d-Hannover (Dem.) meint, man müsse dem preußischen Finanzminister zugeben, daß er, soweit es ihm eben möglich war, für die Beamtenschaft eingetreten ist. Zu wünschen sei, daß nicht infolge der Beamtenneubesoldung die Gemeinden zu Steuererhöhungen schritten.
Abg. Beuermann (D. Vp.) betont, es sei notwendig, in diesem Stellenplan Unebenheiten und
4, Satzung des Jentvums- vartewovstandes
Der neugewählte Reichsparteivorstand der Zentrumspartei hält am Sonntag, 20. Januar 1929, in Berlin seine erste Sitzung ab. Auf dieser Tagung wird der geschäftsführetüte Vorstand der Deutschen
der Sachverständigen erfolgen und das zweite
Vereinigten. Staaten mit dem Ersuchen wenden, ebenfalls zwei Delegierte zu entsenden.
5. Die Mitglieder des zweiten Daweskomitees werden an Weisungen ihrer Regierungen nicht gebunden. Die Sachverständigen werden ersucht werden, Vorschläge für die endgültige Regelung des Reparationsproblems zu machen. Dafür ist die Prüfung der deutschen Leistungsfähigkeit eine zwar nicht ausgesprochene, aber selbstverständliche Voraussetzung.
6. Keine der beteiligten Regierungen wird allein die Rolle der einladenden Macht spielen. Es bleibt den Mitgliedern des Daweskomitees überlassen, den Zeitpunkt und den Ort der Tagung zu bestimmen. Anzunehmen ist, daß als Tagungsort zunächst Paris gewählt wird und daß die Beratungen dann in Berlin fortgesetzt werden. Die Ernennung der Delegierten wird unmittelbar nach der Veröffentlichung des Kommuniques erfolgen.
Der Stellenplan wird mit den Stimmen der Regierungsparteien angenommen, während die Ausschußantrüge mit größerer Mehrheit verabschiedet werden.
Auf Antrag des Abg. Jürgensen (Soz.) beschließt das Haus dann die debattelose Ueberwei-
sung eines sozialdemokratischen Antrags zu großen
Brandkalastrophe in der Schönleinskraße Fi Berlin-Neukölln an den Handelrausschuß. Antrag erwähnt, daß die Arbeiter ein Recht
erheblich stärkeren Schutz hätten und daß infolgedessen zur Ermöglichung einer gründlichen Kon- trolle die Zahl der Gewerbekontrolleure erhöht werden müf|e.
Das Hau. stimmte dann einem Anträge des Berkehrsausschusses zu, der sich gegen die Werk- stättenstillegunflspraxis der Reichsbahn namentlich im Osten wendet und das Staatsministerium ersucht, mit allem Nachdruck gegenüber der Reichs- regierung und der Reichsbahn für unbedingte Aufrechterhaltung der Reichsbahnausbesserungswerke an preußischen Osten, namentlich in Frankfurt a. d. Oder, Glogau, Breslau, Oppeln. Gleiwitz und Schneidemühl einzutreten.
Vizepräsident Dr. Wiemer schlägt vor, die nächste Sitzung am 22. Januar abzuhalten.
Abg. Dr. Ausländer (Komm.) beantragt, am Donnerstag weiterzutagen und einen inzwischen eingegangenen
kommunistischen Wißtrauensantraa gegen das Staat-ministerium zu beraten. Er begründete den Antrag damit, daß der Landtag in der Konkordatsfrage vor vollendete Tatsache-, gestellt werden solle. Der Antrag wird abgelehnt.
Der Präsident schließt die Sitzung mit den besten Wünschen für die Weihnachtsserien.
*
Der Aeltestenrat des Preußischen Landtages beschäftigte sich nach Schluß der Plenarsitzung mit der Frage der Beratung des kommunistischen Miß- trauensântrages gegen das Staatsministerium. Die preußische Verfassung schreibt vor, daß Mißtrauensanträge innerhalb von 14 Tagen rach ihrer Einbringung zur Erledigung kommen müssen. Der Aeltestenrat beschloß, den Landtag auf den 28. Dezember zu einer Sitzung zusammenzuberufen, in der die Besprechu rg des kommunistischen Mißtrauen-antrages erfolgen soll. Für die Abstimmung ist eine weitere Sitzung am 2. Januar in Aussicht genommen.
Zentrumspartci gewählt werden, besten Einsetzung vom Kölner Parteitag beschlossen worden ist. Auch wird in dieser Sitzung die Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden der Zentrumspartei erfolgen. Der Vorstand wird sich in dieser Sitzung weiter mit den Anträge» und Entschließungen besassen, die ihm vom Reichsparteitag zur Erledigung überwiesen worden sind.
der
Der auf
Die Schwlevlskelten des neuen Relchseiais
Während im Dezember des vorigen Jahres der Voranschlag des Reichshaushaltes für 1928 bereits vorlag, ist in dem letzten Monat des gegenwärtigen Jahres von einem Abschluß des neuen Haushaltsplanes noch nicht die Rede. Reichsfinanzminister Dr. Hilferding hat in der Nachtsitzung des Reichstages, der letzten vor der Weihnachts- und Neujahrs- paufe, auf die großen Schwierigkeiten hinge- wiefen die diesmal der Aufstellung des Haushaltplanes entgegenstehen. Gleichzeitig hat er die Hoffnung ausgesprochen, daß der Voranschlag für 1929 doch noch rechtzeitig, d. h. bis zum 1. April des nächsten Jahres, unter Dach und Fach gebracht werden kann. Schwierig ist die Lage schon deshalb, weil die Regierung nicht imstande ist, die einzelnen Posten des Etats und damit den Gefamtabschluß auf eine feste Koalition abzustimmen. Sie weiß z. B. nicht genau, ob sie die zweite Baurate für den Panzerkreuzer A einsetzen kann, ohne dadurch den Widerstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zu wecken. Sie weiß auch nicht, ob sie für ihre Pläne zur Deckung des bestimmt vorhandenen Defizits eine parlamentarische Mehrheit finden wird, deshalb ist es begreiflich, daß die Regierung mit der Aufstellung des Haushaltsplanes diesmal im Rückstände ist und es ist gerade von diesem Gesichtspunkt aus erwünscht, daß die Bemühungen um die Bildung einer festen Regierungskoalition im neuen Jahre endlich zu einem Erfolge führen. Denn ohne diesen festen Uni^rariinö ^rechtzeitige -âßGMsâM^
dung des neuen Reichshaushaltsplanes sicher auf zahlreiche Hindernisse und Schwierigkeiten stoßen.
Auch auf der Grundlage einer festen Koalition wird die Herstellung des Gleichgewichtes in dem Voranschlag für das Jahr 1929 eine außerordentlich schwierige Aufgabe sein. In dem Voranschlag für das laufende Jahr hatte der damalige Reichsfinanzminister Dr. Köhler zur Herstellung des Gleichgewichtes zwischen Einnahmen und Ausgaben bereits alle Reserven herangezogen, die nur irgendwie zur Verfügung standen Die Grundsätze einer gesunden Finanzwirtschaft wurden dabei einfach beiseite geschoben. Sie Ausgaben des ordentlichen Haushaltes sollten angeblich aus den laufenden Einnahmen gedeckt werden, wie es mit Recht verlangt werden kann Abgesehen von den laufenden Einnahmen wurden aber auch einmalige Einnahmen zur Deckung der Ausgaben eingestellt, wie z. B. ein Ueberschuß von 160 Millionen und ein Münzgewinn im Betrage von 175 Millionen. Ob der Reichsfinanzminister diesmal mit einem Ueberschuß aufwarten kann, wird man noch abwarten müssen. Ein Münzgewinn ist jedenfalls nicht mehr vorhanden, da Silbermünzen in ausreichender Zahl geprägt worden sind. Es ist also ganz sicher damit zu rechnen, daß Reichsfinanzminister Dr. Hilferding einen Betrag zwischen 200 und 300 Millionen Mark, den sein Vorgänger noch zur Ausfüllung von Lücken verwenden konnte, nicht mehr zur Verfügung hat. Auf der Ausgabenseite aber bleibt nicht nur alles beim alten, sondern es kommen noch recht erhebliche neue Ausgabeposten hinzu. Im Voranschlag für 1928 mußte auf der Ausgabenseite mehr als eine Milliarde Mark neu eingestellt werden, so daß die Abschlußziffer des ordentlichen Haushaltes auf rund 9.356 Millionen anschwoll. Für diese Mehrausgaben gegenüber den Vorjahren muß auch im neuen Erat Deckung gesucht werden.. Außerdem aber tritt eine neue Belastung mit etwa 400 Millionen Mark in die Erscheinung, )a zum ersten Male im Laufe eines vollen Etatsjahres der nunmehr normale Betrag von 215 Milliarden Mark an Entschädigungszahlungen nach dem Dawesplan aufgebracht werden muß
Es ist noch vollkommen unerfindlich, wie iieses gewaltige Defizit gedeckt werden soll. )azu kommt, daß es sicher verfehlt wäre, sich inbezug auf die Steuereingänge im Jahre 1929 irgendeinem Optimismus hinzugeben. Das Jahr 1928 war für die Reichskasse noch insofern günstig, als im Jahre 1927 die Kon-
Die beutise Stummer umfaß 12 Seite«
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