General Anzeiger Gr
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1. Dezember
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1928
Zum Hanauer Lichtfest
Licht ist Leben!
Eine Welle von Licht soll heute abend über Hanau gehen. Die Stadt soll strahlen zu einem Fest des Lichtes. Es wird eine Feier werden für das Helle, Glänzende. Die Türme und Rathäuser werden leuchten als sende der Stein eigenes Licht aus, und in den Läden, auf den Straßen und Plätzen wird überall Helle fein. „Hanau im Licht“, so lautet die Parole für die nächsten Tage.
Hanau ist nicht die erste Stadt, die ein Lichtfest veranstaltet, aber wenn man es hier aufzieht, so geschieht es nicht um nachzuahmen, um eine Tages-Mode mitzumachen, sondern es geschieht um zu zeigen, daß die Stadt am Main und Kinzig eine Stadt des Fortschritts, des Aufstiegs ist, die hinauf will und die hinaufkommen wird. Das Licht ist immer das Symbol des aufstrebenden Lebens gewesen. Schon vor der Sagengestalt des Prometheus verkörpert sich ja die Kraft des ringenden Menschen, der sich die Naturkräfte untertan macht. Das Lichtfest in Hanau soll auch ein Symbol fein für unsere aufstrebende Stadt, für
Wirtschaftslage, in der sich Reich, Lander und Gemeinden befinden, überheblich klingen, aber man soll auch nicht vergessen, daß jeder Weg zur Höhe steinig ist, und daß Hindernisse und Gefahren ja dazu da sind, überwunden zu werden. Lassen wir uns also das Lichtfest nicht von Flaumachern verkleinern. Es soll uns ein Zeichen des Wiederaufstiegs fein.
Hanau im Licht!
Die wirtschaftliche Seite des Unternehmens ist aber nicht weniger wichtig. Hanau, die Stadt vor den Toren der Großstadt, steht im Schatten dieser großen Schwester, so glauben wenigstens viele. Da gilt es einmal zu zeigen, daß Hanau durchaus ebenbürtig ist, daß es etwas leisten kann. Nicht Trabantin der Großstadt, sondern Mittelstadt mit eigenem Leben soll es fein, mit eigenem Gesicht, mit eigenem Wollen und Können. Hanau im Ge- fchäftsleben führend. Modern sind die Auslagen und leistungsfähig die Geschäfte, und kommt nun noch das werbende Licht dazu, dann wird sich zeigen, daß trotz Wirtschaftsnot und Sorgen Hanau im Wettbewerb mit der Großstadt, wenn auch nicht als Siegerin, so doch am rechten Platz das Rennen machen wird.
In den Lichttagen wird es nur einen Gedanken geben in Hanau: Licht! Aber das Licht wird nicht wahllos verschwendet werden, sondern mit weiser Ökonomie wird man die richtigen Stellen beleuchten und so für unsere Vaterstadt werben. Nicht blenden, sondern leuchten soll die Stadt. Auch darin soll uns das Lichtfest ein Symbol fein. Man hat in Hanau ein Schlagwort geprägt: „Die Stadt des edlen Schmuckes“. Die Bedeutung des Wortes ist ganz eindeutig, aber in den Lichttagen wird noch ein anderer Schmuck der Stadt offen zutage treten, nicht der Schmuck der Juwelen, des Goldes und Silbers, sondern der Schmuck unserer Bauten. Vielleicht merkt mancher Einheimische dann zum
erstenmal, wie schön eigentlich seine Vaterstadt ist, vielleicht trägt das Lichtfest dazu bei, der Stadt ,Das schöne
einen neuen Beinamen einzutragen: Hanau“.
Licht lockt Leute!
Doch nicht nur für die Hanauer ist
das Lichtfest
gedacht. Die Stadt bereitet sich vor auf den großen Zustrom von auswärts. Vom Dache der Johannes
Licht und Leben in Hanau !
Verkehr bringt Verkehr! Leben erzeugt wieder Leben! Und Licht? —
Was wären heute beide ohne dieFülle des Lichts, an die heute schon unsere Kinder gewöhnt sind? Wer denkt heute noch, wie wenig Zahre uns trennen von der Wirklichkeit der Spitzwegschen Nachtwächterbilder, von den nächtlichen Dämme- rungen und der Abendstille, die aus Richterschen Zeichnungen atmet! Und wie haben wir uns ge- wohnt daran, daß die Verkehrsstraßen unsern Stadt, die Räume unserer Stadthalle, die Schaufenster, unsere Wohnräume bis in die kleinsten Gelaffe und Keller hinein mit einer kleinen Fingerbewegung strahlend hell beleuchtet sind, auch da, wo kein Licht der Sonne Hin- kommen kann und wo keine Verbrennungsgase abziehen können. So sehr ist das Licht in seiner höchsten Vervollkommnung als elektrische Glüh- lampe heute ein Bestandteil nicht nur unserer Technik und unterer Kultur, sandern unseres Lebens, unseres Empfindens geworden.
â einer Elektro-AusiteNung zeigen Stadt und Wirtschaft in Hanau m der neuen Stadthalle die Verwendung von Licht- und Kraststrom im Haushalt und im Kleingewerbe, belehren Vorführungen und Vorträge mit Film und Apparat über faltche und richtige Verwendung, über Entstehung und Verteilung der Elektrizität und alles, was damit zusammenhängt.Zn ernemS ch a u sen- sterwettbewerb wollen Hanaus Geschäftsleute zeigen, wie man, gerade unter Verwendung des elektrischen Lichtes, gute Ware wirkungsvoll aus- stellen kann. Ein Licht fest, an dem sich die ganze Bevölkerung beteiligen wird, wird die dem Hanauer so vertrauten auch die in den letzten Zahren neu- oder wiedererstandenen - baulichen Schönheiten unserer Stadt bei einer bisher noch nichl dagewesenen Beleuchtung zeigen. Da werden einmal die charakteristischen Silhouetten alter Bauten, wie der Niederländisch-wallonischen Kirche und des Altstädter Rathauses, wie die der neuen am Hafenplatz, sich vor dem dunklen Nachthimmel ganz anders abheben, als in der Sonne des Tages!
Mögen die Veranstaltungen das Ziel, das ihre Urheber erhoffen, in vollem Maße erreichen: zu werben für Besuch und Kauf in Hanau, in seinem Umland und in Hanau selbst und zu werben für die segenspendende Fülle des elektrischen Lichts in den Häusern unserer Mitbürger und möge damit die Arbeit all derer, die sich in den Dienst der Sache bereitwillig und gemeinnützig gestellt haben, nicht nur belohnt weiden, sondern auch in Zukunst manches Dunkel noch durch Licht erhellt, manche Freudlosigkeit durch seine Strahlen noch belebt werden. Mögen die Adventskränze aut dem Rathausmarkt mit ihrem Lichte Künder einer technisch fortschrittlichen und geschmackvoller Lebensfreude huldigender Bürgerschaft sein.
Dr. Blaum
Oberbürgermeister
kirche hat der Scheinwerfer in den letzten Tagen allabendlich fein Licht hinaus gesendet ins Land, um den Leuten, die um Hanau wohnen, zuzurufen: „Kommt zum Lichtfest“, und wo der Ruf nicht vernommen werden konnte, weil die Strahlen des Scheinwerfers nicht so weit vordrangen, da hat die Zeitung, da haben Rundfunk und Plakate die Fremden nach Hanau gerufen. Der Ruf
großer Gastfreundlichkeit, den unsere Stadt genießt, er soll sich neu als wahr erweisen. Hanau wird den Fremden vieles bieten, auch außer dem Schauspiel des Lichtfestes. Die Geschäftswelt durch ihre Auslagen, das Elektrizitätswerk durch feine Elektro- Ausstellung, das Theater durch ein gediegenes Programm und die Kino-Theater durch Spitzenfilme der Weltindustrie. Die Stadthalle, das neueste Kleinod von Hanau, lädt ein zu Vorträgen und zum Bunten Abend. Vom Verkehrsverein der Stadt ist für gute Hin- und Rückverbindung Sorge getragen, und wo die Eisenbahn keine Sonderzüge einlegen konnte, wird durch Kraftomnibus für Perfonen-Beförderung gesorgt werden. Alles erdenkliche für die Fremden wurde getan. Wer nach Hanau kommt, soll sich wohlfühlen. Das Lichtfest will nicht nur zum einmaligen Besuch die Fremden anziehen, sondern wer kommt, soll ständiger Gast sein, deshalb geht die Bitte an alle Hanauer, macht den Auswärtigen das Leben so angenehm wie mög- ich. Hanau ist leistungsfähig, wir brauchen bloß den Willen zu haben es zu Tein.
Wenn heute abend die Lichter eingeschaltet: werden, dann wird sich zeigen
Hanau im besten Licht!
Rü.
Im Flutlicht des Lichtfestes
Hanau besitzt zahlreiche architektonisch schöne Gebäude, die es verdienen, einmal des Nachts — wie der neue Fachausdruck heißt — angestrahlt zu werden. Leider ist es nicht möglich, all diese Schönheiten in das „rechte Licht“ zu fetzen. Jede Anlage kostet eine Menge Geld und da letzteres ziemlich knapp ist, so müssen wir uns bei unserem ersten Lichtfest mit einigen Rosinen begnügen, die aus dem Kuchen Hanau herausgeholt worden sind, die aber von guter Qualität fein werden. Man hat für die Anstrahlung einige besonders markante Gebäude gewählt, und wir glauben, daß mit dieser Auswahl ein guter Griff getan worden ist. Gewiß wird manches kritisiert werden, doch man muß bedenken, daß ein großer Kostenaufwand nicht möglich war und daß es sich um einen ersten Versuch handelt, daß die lichttechnische Behand- ung der Anstrahlung nicht so einfach ist, und daß man, wie bei allen Sachen, nur aus den Erfahrungen lernen kann.
Aufgabe dieser Zeilen soll es sein, in aller Kürze etwas über die zur Anstrahlung kommenden Gebäude zu sagen. Die Hanauer sehen diese Gebäude zwar jeden Tag, doch im Flutlicht sehen sie doch ganz anders aus — man wird hier und da etwas f hauen, was man bisher, trotzdem man täglich an diesen Gebäuden vorbeigeht, noch nicht wahrgenommen hat.
Wie oft haben wir schon das Frankfurter Tor, jenen in Sandsteinquadern errichteten Bau mit feiner gewölbten Passage gesehen. Der große Maler Licht wird besonders das in Sandstein gehauene große Doppelwappen Johann Reinhards und feiner Gemahlin Dorothea Friederike hervorheben und ebenso das schöne schieferbedeckte Barockdach und das zierliche Türmchen mit dem Schwan. Das Frankfurter Tor hat, so wie es jetzt noch steht, 1722 Johann Reinhard III. errichten lassen; es ist von den Toren, die Hanau einst befaß, das einzige noch erhaltene Tor. Alle anderen mußten bekanntlich auf Befehl Napoleons I. niedergelegt werden.
Schöner wird man noch nie den Bau des A1t- städter Rathauses, eines der schönsten Rat-