Nr. 280
TNikkwoch. 28. November 1928
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Nie Tragödie der „@myeeß of Lveland"
Der furchtbarste Feind der Schiffahrt. — Eine
Erinnerung zum Untergang des „Lestris".
Die Katastrophe, der soeben der englische 11 000 Tonnen-Dampfer „Bestris" zum Opfer gefallen ist, weckt die Erinnerung an das furchtbare Unglück Ler „Empreß of Ireland" am 29. Mai 1914, bei ibem "1030 Menschen ums Leben kamen. Eugen Szatmari entwirft in seinem neuen, bei Piper u. Co. in München erschienenen Buch: „ Die großen Katastrophen" ein erschütterndes Bild dieses Er- eianisses. Am 28. Mai 1914, um vier Uhr nachmittags, verließ ein stolzer Dampfer den Hafen von Quebec, die „Empreß of Ireland", 15 000 lon= nen fassend, Eigentum der Canadian Pacific. Das Schiff steuerte den breiten St. Lorenzstrom herab, dem offenen Meere zu. Um acht Uhr läuteten die Schiffsglocken zum Abendessen. Um zehn Uhr senkte sich ein Nebelvorhang herab, der sich sehr rasch verdichtete. Um Mitternacht war der Nebel bereits so dicht geworden, daß man kaum einige hundert Meter weit sehen konnte, und Kapitän Kendall ließ die Maschinen nur noch mit halber Kraft laufen. Es war ein Uhr vorbei, als der Nebel undurchdringlich wurde. Der Kapitän ließ den ersten Offizier und den ersten Steuermann holen, und die drei Männer hielten gemeinsam die Wacht. Unten im Salon und in den Gefellschaftsräumen war das Leben verstummt — die meisten Paf- agiere hatten ihre Kabinen ausgesucht. Der Kapitän versuchte festzustellen, wo er sich befand — es war ungefähr dieselbe Stelle, wo er vor einem Jahr den langgesuchten Massenmörder Crippen, den er auf seinem Schiff entdeckt hatte, den funken- telegraphisch benachrichtigten Behörden übergab. Vielleicht dachte er gerade an den Mörder Crippen, als es ihm schien, wie wenn er durch den Nebel die Lichter eines Dampfers sähe. Er ließ die Nebelhörner ertönen und stoppte die Fahrt des Dampfers ab. Der Mafchinentelegraph klingelte, die Maschinen lagen still, die Nebelhörner heulten in die feuchte, neblige Nacht hinein. Ein fremdes Nebelhorn anwortete, das Signal eines anderen Dampfers, der irgendwo gleichfalls gegen den Nebel kämpfte. Aber wo? Wo konnte er sich befinden? War er weit entfernt oder ganz in der Nähe? Immer wieder heulten die Nebelhörner der „Em-
; preß of Ireland", da — ganz plötzlich sah der » Kapitän steuerbord eine Toplaterne auftauchen, als x ob sie aus dem Nichts gekommen wäre, und im
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' nächsten Augenblick tauchten aus dem Nebel die . Umrisse eines Schiffes auf, eines großen Dampfers, - der sich mit unheimlicher Geschwindigkeit näherte. ' Es konnten nicht mehr sein als fünfhundert 'Meter, , vielleicht nur dreihundert . . . nur zwei . . ., der $ Kapitän stürzte sich auf den Maschinentelegraphen, die Kolben liefen an, der Steuermann riß die I Steuer ganz nach Backbord . . . aber im selben Augenblick noch tauchte der scharfe Bug des fremden Dampfers vor den drei entsetzten Männern auf — ein fürchterliches Krachen und Knirschen . . . die „Empreß of Ireland erzitterte in allen Fugen und Grundfesten, und der 15 000 Tonnen-Dampfer, in dessen Kabinen 900 Menschen ahnungslos schlie- ß fen, legte sich plötzlich nach Steuerbord. Der ^wden, hatte den Passagierdampfer gerammt und verschwand gleich nach dem Zusammenstoß wie ein I Gespensterschiff im Nebel.
F Zwei Minuten später — es war um 2 Uhr • 37 Minuten — hörte der Marconitelegraphist, der s auf der kanadischen Regierungsstation von Ri- : mouski den Nachtdienst versah, dreimal hintereinan- . Ler ein SOS-Zeichen. Zwei Regierungsdampfer, die im Hafen von Rimouski unter Dampf lagen, die „Ecreka" und „Evellyn", lichteten sofort die Anker. Kaum zwanzig Minuten später trafen sie auf der unfallstelle ein, doch sie fanden nur noch ein paar Boote vor und Hunderte von Menschen, die mit Rettungsgürteln, auf Balken oder Holztrümmern auf dem Wasser trieben — vom Dampfer selbst war nichts mehr zu sehen. Die Tragödie der „Em- v preß of Ireland" hatte nur zehn Minuten lang M gedauert. In zehn Minuten sank das zu Tode ge- «offene Schiff u. riß mehr als 1000 Menschen in die I 2üefe mit Der schwer beladene Kohlendampfer, der weiang tief ging, hatte die „Empreß" mittschiffs/ an I ?en Maschinen, getroffen, und sein scharfer Bug riß Backbordseite bis zu den Schrauben auf. I Stahlplatten des Passagierdampfers waren * ö^chriitten worden, als ob sie aus Zinn gewesen »waren. Mit unheimlicher Gewalt drang das Wasser U ein, überflutete die unteren Räume die Bunker- 8 kümmern und die Maschinenräums erreichte in ^/mgen Minuten den Kesselraum und eine Ex- Plosion der Dampfkessel die unmittelbar darauf er- I folgte gab dem Dampfer den Gnadenstoß. Der Dampfer war mit allen modernen Errungenschaften oer Sicherheitstechnik ausgerüstet gewesen. Er vcr- itter fugte über wasserdichte Kammern, drahtlose Tele- * 2}raPl,te und Unterwassersignalapparate. Die Etungsboote faßten 1860 Mann, viel mehr, als im litt) an Bord befanden — man hatte aus der -rüanic-Katastrophe gelernt —, das Wetter war 5"9 das Meer vollkommen g'att, die Küste war in , Bahe, so daß Hilfe schnellstens zur Stelle sein konnte nichts half.
Es fehlte an Zeit! Es war keine Zeit, die ^apagiere zu wecken, keine Zeit, die Rettungsgürtel zu verteilen, keine Zeitz die Boote herunterzulassen. ,.e weiften Passagiere, fast alle, schliefen bereits, c , "s"m-"""^-ck- »-^f^fp unh sonnen ihre
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l Kabinen gar nicht verlaßen, da die Korridore «;•; »«unteren Decks sofort voll Wasser liefen. Die ie ■ uon ihnen merkten überhaupt nur einen Stofe und wurden erst geweckt, als das Wasser schon . tnen drong. Sie ertranken wie die Mäuse, «tu* M Ä unheimlichen Schnelligkeit spielte sich - I diese berspiettose Tragödie ab. Sofort nach dem r d'è Zu^mmenstoß erlosch das elektrische Licht, da die waren' und die ums .kämpfenden Menschen befanden sich in tief» 4er ■ Ier J^Ln^rn,5‘ ®!r Kapitän blieb auf der Kom- b?' 1 einem Sprachrohr ermahnte er
cid)t »V ^""?^E und die Passagiere ruhig zu blei- den-»Keine Minute ist zu verlieren!" rief er .Falls
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dw Türen verschlossen sind, brecht sie auf' Veraeß» nicht — Frauen und Kinder zuerst!" Die Stimme war aber kaum zu hören - Geschrei und Gewim- »ner von Hunderten übertönte sie. Die wenigen die sich aufs Deck retten konnten, krochen auf allen Bieren auf dem finsteren Deck herum, suchten verzweifelt nach den Rettungsgürteln, die Mannschaf, ten suchten die Boote klarzumachen, das Schiff legte sich aber immer stärker auf die Seite, und in roeni»
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Ein gestrandetes britisches Schiff
liegt vor der belgischen Küste; es mußte, von._ :[ei^^^^ kämpfenden .Mannschaft im heftigsten Orkan verlassen werden, als jeder Versuch, das Schiff zu retten, gescheitert war.
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Das Schulschiff „Pommern"
trieb nachdem seine Besatzung, darunter 80 junge deutsche Seekadetten, von dem Hamburger Dampfer „Heros" übernommen wurde, mit gebrochenen Masten auf der Höhe von Cüernesey umher, bis es von dem Londoner Schleppdampfer „Foam Queen" ins Schlepptau genommen wurde.
gen Minuten war die Schlagseite bereits so stark, daß man nicht mehr auf Deck stehen konnte. Dann wurde alles ins Wasser gespült — die Hälfte der Unglücklichen, die im Wasser ums Leben kämpften, riß der Strudel des finkenden Schiffes mit sich in die Tiefe hinab. Das Schiff hatte 1367 Personen an Bord, darunter 413 Mannschaften und 954 Passagiere. 337 wurden gerettet, 1030 ertranken. Von den Passagieren der ersten Klasse konnten nur zwei gerettet werden.
Die Geretteten wurden nach Rimouski gebracht, wo sich bei der Landung herzzerreißende Szenen abspielten. Fast alle waren ganz nackt, wie sie aus ihren Betten herausgestürzt waren. Männer und Frauen irrten, nur mit einem Hemd bekleidet, bei Fackelschein herum und suchten ihre Angehörigen. Viele standen laut schluchzend und weinend um die toten Körper ihrer Freunde oder Nächsten, denn die Schiffe brachten nicht nur Lebende ans- Land, sondern sie bargen auch Hunderte von Leichen. Weder ein Arzt war da, noch konnten die erforderlichen Medikamente aufgetrieben werden, denn der Hilfszug, der aus Quebec sofort abgelassen wurde, entgleiste kurz vor der Station Rimouski. Erst m den Morgenstunden traf dann Hilfe für die Geretteten ein, die sich bis dahin in fürchterlichem Zustande befanden. Da traf auch, mit zerquetschtem Bug, schwer havariert, der Kohlendampfer ein, der die „Empreß" gerammt hatte. Er war nach dem Zusammenstoß weitergefahren, weil sein Kapitän annahm, daß der große Dampfer, mit dem er zu- sammengestoßen war, noch weniger beschädigt worden sei als sein eigenes Schiff. Er hatte feine Ahnung, welche Tragödie sich wenige Kilometer von ihm abgespielt hatte. Die Untersuchung ergab seine Schuldlosigkeit. Niemand hatte Schuld an dem entsetzlichen Unglück, nur der Nebel, der furchtbarste Feind der Schiffahrt, gegen den noch kein Schutz gefunden werden konnte — bis heute nicht.
Das Äb§ttLerr§V e'nss GchMMrmgen
Ueber die eigenartige Rettung eines deutschen Schisfsjungeen Alfred Spitz, der 15 Stunden schwimmend im Golfe von Aden zugebracht hat, sind in englischen Zeitungen ausführliche Nachrichten erschienen.
Gegen zwei Uhr morgens erhielt der 19jährige Schiffsjunge Spitz den Auftrag, ein Tau, das am Bug feines Schiffes, der „Rheinfels", ins Wasser hing, zu entfernen; er verlor bei dieser Arbeit'das Gleichgewicht und stürzte ins Meer. Niemand hatte etwas von dem Vorfall bemerkt.
Als Alfred Spitz wieder aus dem Wasser auftauchte, war das Schiff schon so weit entfernt, daß er es nicht mehr erreichen konnte. Da er ein sehr guter Schwimmer war, verlor er den Mut nicht, sondern er machte sich daran, nach der Richtung hinzufch-wimmen, wo nach seiner Annahme die Küste lag. Einige Schiffe fuhren an ihm vorüber, aber übersahen ihn und hörten auch nichts von seinen Hilferufen. Gegen Morgengrauen erkannte
Spitz, daß die Strömung ihn nicht nach der Küste zu, sondern ins offene Meer getrieben hatte. Die Sonne tauchte über dem Indischen Ozean auf und je höher sie am Horizonte stieg, umso schrecklicher wurde» die Qualen für den unglücklichen Schiffsjungen. Der Kopf brannte ihm wie Feuer, ein unstillbarer Durst folterte seinen Gaumen. Er versuchte, sich das Hemd über den Kopf zu ziehen, um sich vor den sengenden Strahlen der Sonne zu schützen, aber es glückte ihm nicht. Die Haut schälte sich ihm vom Körper. Seine Kehle trocknete aus und schwoll an, daß sie so hart wurde, wie ein Stück Holz.
Jetzt bemerkte Alfred Spitz auch noch zu seinem Schrecken, daß er nicht allein war: eine Reihe riesiger Haifische umschwammen ihn von allen Seiten. Es dürfte wohl bekannt sein, daß die Haifische nicht alle Menschen angreifen. Die einen werden von den Untieren verschont, während sie die anderen sofort mit ihren unheimlichen Gebissen überfallen und in Stücke reißen. Alfred Spitz hat später gesagt: „Die Haifische griffen mich nur an, wenn ich vom Schwimmen ausruhte.. Sobald sich eins von den Ungeheuern mir näherte, schwamm ich aus Leibeskräften weiter und es ließ mich unbehelligt."
Aber wenn er auch so durch einen glücklichen Zufall der schlimmsten Gefahr entgangen war, vermehrten sich seine Qualen noch auf andere Weise. Hungrige Wasservögel setzten sich aus seine Schultern und pickten ihn gierig in Kopf und Arme. Spitz war so erschöpft, daß es ihm kaum gelang, die Tiere fernzuhalten. „Nur eine Möve", hat er später erzählt, „zeichnete sich von der Rotte der übrigen vorteilhaft aus. Sie tat mir nichts zu leide. Blieb immer in meiner Nähe und setzte sich manchmal auf meine Schulter. Sie hielt gute Kameradschaft mit mir."
Endlich kam ein italienisches Schiff, die „Lianna", in Sicht, und der Schiffsjunge winkte verzweifelt mit den Annen. Zuerst erschien es ihm so, als ob auch die Bemannung dieses Schiffes ihn nicht bemerkt hatte. Dann aber setzte ihm fast das Herz aus vor freudigem Schreck. Er sah, wie man eine Schaluppe losmachte. „Was dann passiert ist, weiß jch nicht mehr", äußerte er einem Pressevertreter gegenüber. Ich kam erst wieder in dem Bett eines italienischen Schiffes zu mir . . ."
Der Kapitän Mazzella, der Kommandant der „Lianna", hat in einer Kalkuttaer Zeitung über die Rettung des Schiffsjungen folgendermaßen berichtet:
„Es war gegen 17.30 Uhr urd wir befanden uns 30 Meilen von Perim entfernt, als mir der erste Offizier, der sich auf der Kommandobrücke befand, mitteilte, daß er einen im Meer schwimmenden Gegenstand bemerkt hätte. Als ich die Stelle aufmerksam mit dem Glase nachprüfte, stellte es sich zu meiner Ueberraschuna heraus, daß es sich um einen Menschen handmelte. Gerade in diesem Augenblick erhob der Schiffbrüchige den Arm Ich ließ die Maschinen stoppen, wir warfen einige Rettungsringe u rd eine Tonne ins Wasser und machten eine Schaluppe los.
Beinahe hätten mir die Tonne aus den Augen verloren. Endlich aber entdeckten mir sie wieder. Der Schiffsjunge hatte sich darangeklammert, und er wurde von uns ins Boot gezogen, gerade in dem
Augenblick, als er das Bewußtsein verlor. Zwei Tage lang kam er nicht wieder zu sich und lag in hohem Fieber. Sein Gesicht war vollständig verbrannt. Kaum war er wieder zu sich gekommen, verlangte er nach Wasser. Aber wir gaben es ihm nur in kleinen Schlucken".
Als wenige Tage nach der „Lianna" die „Rhein- fels" im Hafen von Kalkutta eintraf, wurde Spitz wieder an Bord seines Schiffes gebracht, wo er von der ganzen Bemannung verhätschelt und mit bester Verpflegung versehen, seine baldige Genesung erwartet.
Die Rache eZnev erfeviüchtLgen Lavanevr« Die Rache einer eifersüchtigen Javanerin. Java ist das Land der Gistmordtragödien, denn die Eingeborenen haben eine unheimliche Kenntnis der furchtbarsten Gifte, die sie dem Feind oder Nebenbuhler auf jede Art einzuflößen verstehen. Eine englische Zeitung berichtet über eine entsetzliche Rache einer Javanerin, die auf die Braut ihres englischen Herrn eifersüchtig war. Ein Kaufmann namens Jon Marc hatte sich seit mehreren Jahren in Java niedergelassen. Nachdem er nun hier festen Fuß gefaßt hatte, ließ er seine Braut aus London nachkommen, um sich ein Heim zu gründen. Seine javanische Dienerin war aber damit nicht einverstanden und kurze Zeit, nachdem die Hochzeit stattgefunden hatte, erkrankte die junge Frau unter gefährlichen Erscheinungen. Sie war offenbar vergiftet worden. Der europäische Arzt, der hinzugerufen wurde, wußte keinen Rat, denn es handelte sich offenbar um das sogenannte Gift Ketjuba, gegen das die Wissenschaft Gegengifte nicht kennt. Dieses Gift wirkt zwar langsam, aber unbedingt tödlich. Wer nur eine geringe Menge dieses Giftes zu sich genommen hat, ist unrettbar dem Tode verfallen, wenn er nicht das Vertrauen der eingeborenen Giftkenner genießt. Dies ist aber besonders schwer, da nur die Priester oder Medizinmänner genaue Kenntnisse der einheimischen Gegengifte haben und deshalb allein Gegengifte einzugeben verstehen, auf denen ihre ungeheure Machtstellung beim Volke beruht. Diese „Gurrus" haben auf diesem Gebiete geradezu erstaunliche Erfolge aufzuweisen, die ans Wunderbare grenzen. Es ist schon vorgekommen, daß sie Menschen, die tatsächlich in den letzten Zügen lagen, wieder ins Leben zurückgerufen haben, indem sie ihnen eine kleine, unscheinbare Flüssigkeit in den Mund träufeln. Jeder Eingeborene macht den „Gurrus" darum Geschenke und erweist ihnen Freundlichkeiten, um im Falle der Gefahr tatsächlich auch die Möglichkeit der Rettung zu haben. Der englische Arzt, der zufällig mit einem solchen Medizinmann befreundet war, machte ihn auf diesen Krankheitsfall aufmerksam und erreichte, daß er sich der Kranken annahm. Noch im letzten Augen- ; blick, als die junge Frau bereits dem Tode ver- s fallen schien, erklärte sich der Eingeborene bereit, i Hilfe zu leisten, obwohl er auch nicht wissen konnte, ■ welches Gift verwendet worden war. Aber aus kleinsten Einzelheiten erkannte er es, gab der Kranken einige Tropfen einer Flüssigkeit und wandte sich zum Gehen. Der engilische Kaufmann, der ihn zurückhalten wollte und noch besorgt war, erhielt üie Antwort: „Kannst ruhig sein, alles ist gut". Tatsächlich erholte sich die junge Frau nach wenigen Tagen vollkommen und konnte gesund und kräftig das Bett verlassen. Allerdings hat sie sofort dem Lande den Rücken gekehrt, wo so geheimnisvolle und verbrecherische Mächte wirksam sein können.
Die verderbliche Wirkung des Rlondlichles.
Zu dem Artikel in der Samstagsnummer (Seite 7) wird uns von einem Leser folgendes geschrieben: „Allerdings soll schon im 121. Psalm auf die Schädlichkeit des Mondlichtes hingewieien werden, wenn cs im Vers 6 heißt: „Daß dich des Tages die Sonne nicht steche, noch der Mond des Nachts." Dieser Vers ist von einigen Auslegern so verstanden worden, als ob wie die Sonne am Tage durch ihre Hitze schädlich wirke, so der Mond des Nachts durch feine Kälte. Aber in Wirklichkeit weist diese Stelle auf die schädliche Wirkung des Mondes in Orient hin, wo der Psalm 121 entstanden ist. Dort übt das Mondlicht auf die Augen und das Angesicht der Menschen überaus schädliche Wirkungen aus, noch schlimmer als die Sonne. Darum verhüllen auch die Eingeborenen, die viel im Freien schlafen, sorgfältig Kopf und Angesicht. Der Mond hat dort schon vorübergehende Blindheit heworgerufen oder sogar krampfhafte Verzerrung der Gesichtszüge. Man pflegt deshalb Leute, die im Mondlichte in Schlaf gefallen sind, aufzuwecken, um sie vor Schaden zu bewahren."
F. R.
Eine Ehe, die nur eine Stunde dauerte.
Von einem sogar für russische Eheverhältnisse recht ungewöhnlichen Fall berichtet die Moskauer „Rote Zeitung". Kürzlich erschienen auf dem Moskauer Standesamt ein junger Arbeiter und eine Studentin, um sich in das Ehebuch als Gatten einzutragen. Wie bekannt, ist die Zeremonie der Eheschließung in Rußland auf die denkbar einfachste Form gebracht. Als die Neuvermählten das Bu- rcau des Standesbeamten verließen, entstand zwischen ihnen ein Streit, der sich in der Straßenbahn fortsetzte, und der schließlich solche Dimensionen annahm, daß sich die beiden entschlossen, sich sofort scheiden zu lassen. Sie kehrten auf das Standesamt zurück und erklärten ihm, daß sie wegen Charakler- verschiedenheiten" die Ehe nicht sortsegen wollten. Der Beamte nahm das Scheidungsbuch und vermerkte dort die vollzogene Scheidung des eine halbe Stunde vorher getrauten Ehepaars.
Derjüngungskur an einem Rennpferd.
Dr. Woronow hat kürzlich an dem berühmten französischen Hengst „Rabelais" eine Operation ausgeführt, bei der er dem heute nur noch zur Zucht verwendeten Tier die Drüsen eines jungen englischen Vollbluthengstes einimpfte. „Rabelais" hat auf den französischen Rennplätzen mehr Siege davongetragen als irgendein anderes Pferd. Unter seiner Nachkommenschaft befinden sich ,Durbar IL", der Sieger im Epsomderby und verschiedene andere Pferde, die sich auf europäischen und amel«konischen Rennplätzen einen Namen gemacht haben. „Rabeais", der heute 28 Jahre zählt, soll jetzt wieder so risch sein, wie in seinen jungen Jahren.