Nr. 268
Dienslag den 13. November 1928
Seite 3
Lokales.
Hanau, 13. November.
Lusend und Gtvatzenvevkebv
Daß unsere heutige Jugend für die Gefahren es Straßenverkehrs schon einen schärferen Blick etommen hat, ist eine Folge der systematischen Schulung in dieser Richtung. Schul- und Verkehrs- ropne haben die Mittel zur Aufklärung angesandt. um hier für das Leben zu erziehen. Sehr se entlich find die Beratungen durch den Film, essen unterhaltender Charakter wesentlich zur Er- eichung des Zieles beiträgt.
Neuerdings will man die Kinder in Verbindung ait der Denktätigkeit zum eigenen Schaffen er-
iehen, indem man sie Zeichnungen fertigen läßt, ie das Thema zum Gegenstand haben. Eine solche lbbildung ist hier festgehalten.
Ohne Zweifel hat die nachdenkende und produ- ierende Tätigkeit den Vorteil, daß sich alles viel achhaltiger einprägt und die Sinne geschärft wer- en. Als ergänzendes Erziehungsmittel darf man is vorerwähnte als ganz vortrefflich bezeichnen. Außerdem ist es geeignet, graphische und andere alente aufzuspüren. Der originelle Versuch, auf ièsem Wege Straßenunfälle zu verhüten, ist in Herlin, einer allerersten Verkehrsstadt, gemacht gerben. -
Ise Ddsivevweviunss-G mb ^ die Kreise Hanau, Gelnhausen. Schlüchtern und Fulda.
im Freitag nachm. fand unter dem Vorsitz von Wirtschaftsrat Gielen eine Zusammenkunft Vertreter des Obstbaues, der Kreisbauernschaf- und der ländlichen Hausfrauenvereine der se Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern und 6 im Hotel „Deutsches Haus" zu G e l n h a u- statt; es handelte sich darum, Beschlüsse zu "assen, wie die Obstverwertung unter Ausnutzung M vom Herrn Ernährungsminister gegebenen Richtlinien für die Verteilung der Beihilfen an ibsatzorganisationen in den vier Kreisen (Süd- zu gestalten sei. Nach eingehender Aus- che wurde beschlossen, eine Gesellschaft nt beschränkter Haftung, mit dem Sitze 4 Hanau zu bilden. Diese Gesellschaft soll ein a-âlal von 20 000 RM haben, an deren Aufbrin-
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Roman von Artur Brausewetter.
^ Copyright 1915 by Georg Westermann. Braunschweig.
Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Sein Unmut war verflogen, so schnell' als er ge- ^mmen war, ein tiefes Mitleid war an feine Stelle Iretei. „Du mußt es so ernst nicht nehmen," te er begütigend, „es ist dir alles ungewohnt, wird sich finden." Und als sie feine Silbe zu- iifgflb: „Du darfst nur den Mut nicht verlieren." ei' „Woher soll ich ihn nehmen, wenn mir keiner “^TOilft und alles mich nur zurückstößt?!" jjEr empfand den Vorwurf, der in ihren Worten setzte sich zu ihr und nahm ihre Hand. „Du Msst dich über alles nicht so wundern. Sigrid, jt kannst den Verhältnissen nicht gewachsen sein, Md^e du so plötzlich und unvermittelt gekommen ist gar nicht möglich, denn sieh, so gut es it lne Mutter auch mit dir gemeint hat, zur rechten, Mmeine zur praktischen Arbeit hat sie dich eigent- ^jh nie erzogen. Es lag in der Natur der Sache: ,^ ^ Psiegtet zu Hause einen künstlerischen Sinn." ^Mr hatte es gut gemeint, nichts hatte Hm ferner { -legen als ihr weh zu tun. Sie aber sah in seinen Sorten einen Angriff auf ihre Mutter, den sie zu- 'ckwcisen mußte.
r â-Meine Mutter hat es wahrhaftig schwer genug ini habt. Sie hat mit dem Leben kämpfen müssen ;as" kaum eine zweite Frau."
so mehr hätte sie dich zum Kampf und zur isirbeit erziehen müssen. Das gerade ist die Ver- ;en umnis, die ich ihr zum Vorwurf mache," ermi» girrte er immer noch ruhig.
jli "Es ist sehr edel von dir, mir den einzigen ""schen zu verleiden, der noch an mir hängt, und n ich lieb habe"
„ Er hatte sich bisher zu einer Geduld gezwungen, - e ihm im Verkehr mit anderen Menschen nicht ft "ht wurde, setzt aber war es mit ihr Ende, rijiiik^ürlicf),“ gab er gereizt zurück, „ich weiß es > ! wenn man das Geringste gegen deine Mutter gt. dann ist es vorbei. Doch ich bleibe dabei: ihr !ide seid über das Leben und seine ernsten Er- rdernisse eigentlich nur so dahingetändelt. Ein
Besinnt die Schule zu -eich?
Gibt es mebv Movsen- wie Abeudschülev 7
Der Schulbeginn liegt in den mittel- und westeuropäischen Ländern einer Tradition zufolge im allgemeinen in den ersten Morgenstunden^ und zwar in Deutschland um 8 Uhr. Man hat vom pädagogischen Gesichtspunkte aus mehrfach den Versuch gemacht, diesen frühen Schulbeginn im Interesse der Kinder um eine halbe oder um eine Stunde hinauszuschieben. Die Hauptfrage ist dabei eigentlich eine rein medizinische, denn es kommt vor allen Dingen darauf an, festzustellen, ob etwa durch den frühen Schulbeginn der Schlaf der Kinder und damit ihr Gesundheitszustand nachteilig beeinflußt wird. Die medizinische Literatur hat sich denn auch mit dem Problem, wie groß der Schlafbedarf eines Schulkindes ist, ziemlich ausführlich befaßt. Man hat genaue Schlafkurven der Kinder festgestellt, indem man Beobachtungen über die Schlaftiefe während der einzelnen Stunden der Nacht anstellte. Dabei hat sich gezeigt, daß in der Zeit zwischen ein und drei Uhr nachts bei dem Kinde der Schlaf seine größte Tiefe erreicht. Dann kommt ein langsames Abflauen der Schlaftiefe bis in die frühen Morgenstunden zwischen sechs und sieben Uhr und von da an steigt die Schlaftiefe wieder und erreicht in den späteren Mergenstun- den etwa zwischen 8 und 9 Uhr ihre Höhepunkt. Diese zweite Schlaftiefe ist nun nach Auffassung mancher Aerzte von besonderer und ausschlaggebender Bedeutung für die Beurteilung der Frage des Schulbeginns.
Neben dieser Gruppe der sogenanten Morgenschläfer gibt es allerdings noch eine Gruppe der Abendschläfer, bei denen die hauptsächliche Schlaf- tiefe allein in den Mitternachtsstunden eintritt, während morgens nur eine ganz geringe Steigerung der Schlaftiefe zu verzeichnen ist. Die medizinischen Beobachtungen haben nun ergeben, daß kleine Kinder zunächst den Typus des Abendschläfers besitzen, d. h. ihre Schlaftiefe etwa um Mitternacht erreichen, während sie in den frühen Morgenstunden bereits sich in einem Schlafzustand befinden, der leicht durch äußere Reize gestört werden kann. Aber schon nach wenigen Jahren wandelt
gung das Kornhaus Hanau maßgebend beteiligt fein soll. Die Geschäftsleitung des Kornhauses soll auch die neue G. m. b. H. mitleiten; an ihr beteiligt sein fallen die Kreisbauernschaften, Obstbauvereine und ländlichen Hausfrauenvereine. Die Organisation in den Kreisen ist so gedacht, daß dort nur Sammelstellen errichtet werden, vielleicht auch nach Bedürfnis, Packstellen. Sonst aber er- Kbie Leitung von Hanau aus. Die Hauptper-
rt in den einzelnen Kreisen sollen nicht hauptamtlich tätig fein; vielmehr soll in jedem Orte ein Vertrauensmann das Obst aufkaufen und an die Zentrale weiterleiten. Um die Angelegenheit in ihren Gebieten in Gang zu bringen, haben die Kreise Hanau, Schlüchtern und Fulda schon Beihilfen zugesagt, der Kreis Gelnhausen steht noch aus, dürfte sich aber auch alsbald beteiligen. Von. der Landwirlschaftskammer sind, wie vom Ernäh- rungsminifter, ebenfalls Beihilfen angefordert Für die Einrichtung in den Kreisen werden trotz größter Sparsamkeit beträchtliche Mittel benöigt. Die hier gegründee G. m. b. H. schließt sich der Frankfurter Zentrale für Obstverwertung an, an welcher interessiert sind die Stadt Frankfurt a. M., die Landwirtschaftskammern Kassel, Wiesbaden, Darmstadt, sowie die Frankfurter Gärtnereigenossenschaft. Besonders die Stadt Frankfurt a. M. hat am Zustandekommen dieses Projektes großes Interesse gezeigt und weiterhin zugesagt, daß sie hinsichtlich der Gestellung der Räume in den Markthallen und bei Auktionen sehr entgegenkommen will. Die G. m. b. H. wird weiteres Geld noch für eigene Rechnung aufnehmen; die Obst- anlieferung kann von jedermann erfolgen.
bißchen Gesang und ein bißchen Zeichnen, das war die Welt, in der ihr lebtet. Aber die harte Wirklichkeit des Lebens stellt andre Anforderungen. Von mir willst du dir nicht helfen lassen, nun sieh du selber zu!"
Er erhob sich und ließ sie allein.
Aber er begab sich nicht mehr in die Wirtschaft, er warf die Flinte über die Schulter und ging einem Bocke nach, den er gestern an der Grenze gesichtigt. Er sah den Bock wohl, er hätte ihn auch strecken können, allein er kam nicht zum Schuß.
Langsam schritt er über die Felder dahin, der scheidenden Sonne entgegen, die an einem wolkenverhangenen Himmel müde verglomm.
„Ich hätte nicht heiraten sollen!" sagte er zu sich selber. Sigrid ist ein gutes, weiches Geschöpf, sie wäre in einer anderen Sphäre und mit einem anderen Manne glücklich geworden. Sie hätte auch ihrerseits beglückt, sie hat alles dazu, sie ist hübsch und anlehnungsbedürftig und sicher auch bildsam. Warum mußte sie gerade an mich kommen, an einen so schwierigen Menschen, der für die Frau nun einmal nicht geschaffen ist? — Weil ich heiraten wollte, weil ich den törichten Wahn hatte, ich könnte meinem einsamen Leben durch eine Ehe neue Kräfte und Reize geben. Rolf hat ganz recht: ich trage alles Mögliche in den Menschen hinein, ich habe auch in diese Frau hineingetragen, was im Grunde gar nicht in dir ist; nun habe ich das arglose Kind in mein Verhängnis verstrickt und eine schwere Schuld auf mich geladen — ich muß sie sühnen! Aber wie?
Indem ich sie sreigebe, indem ich jedes Opfer bringe, ihr und ihrer Mutter Leben auf gesicherter Lage neu aufzubauen.
Aber sie wird nicht wollen! Dann habe ich kein Recht, ihr das Leben mit mir noch schwerer zu machen, als es an sich schon für sie ist. Ich muß gütiger und geduldiger werden, ich muß mich mehr zusammennehmen!
Doch daran ist ihr nicht gelegen, sie will mich! Meine ganze ungeteilte Liebe will fiel Wie gern gäbe ich sie ihr — aber ich kann nicht. Meine Achtung, mein Mitleid — aber meine Liebe, so wie sie sie fordert?! Das ist eigentlich das furchtbare an diesem Leben, daß der Mensch nicht kann, was er so redlich will!
sich dieser Zustand, die Kinder zeigen im allgemeinen den Morgentypus, und zwar weist heute die moderne Medizin darauf hin, daß dieser Typus der Morgenschläfer nicht etwa als eine Folge schlechter Gewöhnung und Erziehung zu deuten ist, denn man hat sehr häufig beobachtet, daß beide Typen in einer Familie vorkamen. Dieser Schlaftypus ist übrigens auch für die Erwachsenen außergewöhnlich interessant. Er ist, wie einige medizinische Forscher festgestellt haben, eine für das Individuum weitgehende konstante Eigenschaft. Abendschläfer, der also morgens ein Minimum an Schlaftiefe besitzt, erhebt sich leicht und frisch, um morgens an seine Arbeit zu gehen. Der andere Typus des Morgenschläfers könnte zwar gegen 4 und 5 Uhr früh, in der Zeit, in der sein Minimum an Schlaftiefe liegt, sich leicht erheben, bis dann allerdings im Laufe des Tages sich eine gewisse Müdigkeit als Folge des fehlenden Schlafes einstellen würde. Da er sich jedoch häufig in seiner Schlaftiefe in den ersten Morgenstunden erheben muß, so fällt ihm die Unterbrechung des Schlafes sehr viel schwerer als dem Abendschläfer. Ueber die Frage, wie groß nun die Gruppe der Morgenschläfer bei den Kindern ist, hat man in der deutschen Universitäts-Kinderklinik in Prag eingehende Untersuchungen angestellt, als deren Ergebnis man feststellen mußte, daß mehr als die Hälfte der Schulkinder dieser Gruppe angehören. Man hat auch dort festgestellt an Hand eingehender Unter» fuchungen, daß es infolge der Schlafkurve der beiden Schlaftypen nicht dasselbe ist,, ob man von 9 bis 5 Uhr oder von 11 bis 7 Uhr schläft.. Auf Grund dieser Erwägungen und Forschungen kam man schließlich zu dem Ergebnis, daß der Unterrichtsbeginn um 8 Uhr früh im mitteleuropäischen Klima zu früh sei. Im Interesse derjenigen Kinder, die dem Typus der Morgenschläfer angehören, verlangt man eine Verschiebung des Schulbeginns von 8 auf 9 Uhr, zumal gerade die Jahre vor und in der Pubertät am empfindlichsten durch eine Schlafkürzung getroffen werden.
Nev Mustvieeie Rundfunk
Ab 20. November Bildsendungen in Deutschland.
Nachdem schon vor einigen Wochen in Wien die Funksendung von Bildern nach dem Fulto- graph-System ausgenommen wurde, sollen im Einvernehmen mit den zuständigen Behörden und Verwaltungen in Deutschland die Bildsendungen über Königswusterhausen endgültig am 20. November ausgenommen werden.
Wie bereits mitg^teilt, handelt es sich vorerst lediglich um Versuchssendungen, zu dem Zweck, das System praktisch auszuprobieren. Die Sendungen können jederzeit vom Reichspostministcrium wieder unterbrochen werden, so daß, wer sich einen Empfangsapparat kauft, die Anschaffung auf eigne Gefahr vornimmt, da noch immer die Möglichkeit besteht, daß ein anderes System eingeführt wird. Die erste Sendung wird am Dienstag, den 20. November, um 10.45 nachts beginnen und bis 11.30 dauern. Freitag sollen die Bilder um dieselbe Zeit gegeben werden, während bis auf weiteres die Bildsendungen Sonntag, Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 1.30 bis 2.30 Uhr nachmittags erfolgen werden. Da es sich lediglich um einen Probebetrieb handelt, dem allgemeine Bedeutung nicht zukommt, werden zunächst Bilder verschiedenster Art gegeben.
Der Empfang erfolgt mit elektrolytisch arbeiten« ten Aufnahmegeräten auf nichtphotographischem Wege, so daß der Aufnahmevorgang verhältnismäßig einfach ist. Die grob gerasterten Bilder haben einen braunen, warmen Ton und können groben Photographien und Zeichnungen als gleichwertig bezeichnet werden. Ob die auf dem Funkwege übermittelten Bilder, die bekanntlich durch
Während Werner sich so mit Selbstanklagen peinigte und Vorsätze und Entschlüsse faßte, um deren Durchführung ihm jetzt schon bange war, saß Sigrid an derselben Stelle in ihrem Zimmer, an der er sie verlassen hatte, und dachte über alles nach, was er eben zu ihr gesprochen hatte.
„Vielleicht hat er darin nicht unrecht," sagte sie sich, „ich bin nicht zur rechten Arbeit erzogen worden, ich bin untüchtig für das Leben geblieben und habe bisher in einem Traum dahingelebt. Ich muß es anders machen —" Sie schloß den angefangenen Brief ein und begab sich zur Mamsell.
Von dieser Stunde an folgte sie dieser wie ein Schatten. Sie fragte nichts mehr, sie sprach über- Haupt kein Wort, sie suchte ihr alles, was sie tat, von den Händen abzusehen und sich zu merken.
Und eines Tages erlebte sie die größte Freude, die ihr bisher in Alt-Stürckau geworden war: sie hatte, da die Mamsell draußen zu tun hatte, die Arbeit in der Küche mit einem wenig erfahrenen Mädchen selbst gemacht, ja, das Essen sowohl für den herrschaftlichen Tisch wie für die Leute ziem- lich allein bereitet, und die Mainfell hatte ihr warmes Lob gespendet.
Nur der eine, von dem eine anerkennende Silbe ihr höchstes Glück gewesen, bemerkte nichts von alledem.
„Rolf Uckermann meldete seinen Besuch an," sagte eines Morgens Werner zu seiner Frau. „Richte das große Gartenzimmer für ihn ein, auf dem er ungestört arbeiten kann."
Auch darin hatte Rolf mit seinem Freunde Aehnlichkeit: Tage, ja Wochen vorübergehenden Nichtstuns wurden durch eine umso "heftigere Tätigkeit wettgemacht.
Ein hohes Schaffensideal stand jetzt vor seiner Seele, lange genug hatte er es mit sich allein herumgetragen, nun sprach er sich Werner gegen- über aus.
„Es gibt drei Tragödien des Menschen," sagte er. „Shakespeare hat im Hamlet das Leben bis in seine dunkelsten Tiefen erschöpft, Goethe im Faust die Tragödie der Erkenntnis, Schiller in feinem Wallenstein die des Genies geschrieben. Aber eine Tragödie ist geblieben, die noch keinen Mei- ster gefunden hat und doch nach ihm schreit."
Er versank in Nachdenken und fuhr dHNN fort:
luftelektrische Störungen usw. beeinträchtigt werden können, von derselben Qualität jein werden, bleibt abzuwarten.
U-vembev-Stevnfchnuppe«
In wundervoller Weise hat einmal Alexander von Humboldt einen regenortigen Sternschnuppenfall beschrieben, den er in einer Novembernacht des Jahres 1799 in Venezuela zu beobachten Gelegenheit hatte. Alle die Taufende von Sternenfunken und Feuerkugeln gehörten zu dem Leonit- schwarm, der zwar nur etwa alle 3354 Jahre wiederkehrt, aber doch fast jedes Jahr im November zahlreiche Sternschnuppen in die Atmosphäre der Erde entsendet. Für die astronomische Wissenschaft sind die Sternschnuppen heutzutage kein Rätsel mehr. Noch vor 50 Jahren glaubte man, in ihnen meteorologische Erscheinungen unserer Erd- atmospäre erblicken zu müssen, obwohl schon ältere Physiker, namentlich Cbladny, einen kosmischen Ursprung annahmen. Jetzt wissen wir, daß die Sternschnuppen Auflösungsprodukte von Kometen sind, die sich zu ungezählten Milliarden im Weltenraum befinden und in Kegelschnitten um die Sonne bewegen. Ihre Schnelligkeit beträgt 20 bis 80 Kilometer in der Sekunde, sobald sie die Erdatmosphäre erreichen. In einer Höhe von 100 bis 190 Kilometer entzünden sie sich und verbrennen vollständig, wenn sie klein sind, oder fallen als Meteore zur Erde herab. Dergleichen Meteore, soweit man sie gefunden hat, wiegen 1 bis 10 Kilo und noch mehr. Der größte Meteorit, die sog. Pallusmasse, im Gewicht von 140 Zentner, fiel in Sibirien nieder. Wenn dies geschehen ist, läßt sich freilich nicht feststellen Außer den Einzelmeteoren gibt es aber auch ganze Meteorschwärm«, die kometenartig gemeinsam ihre geregelte Bahn ziehen. Kreuzt die Erde auf ihrem Laufe eine solche Bahn von Meteowolken, so findet ein besonders starker Sternschnuppenfall statt. Derartige Fälle kennt man im Jahreslaufe acht. Die Sternschnuppen vom 12. bis 14. November kommen au« dem Sternwild des Löwen, die gegen Ende November aus dem Sternbild der Andromeda.
* Daten für Mittwoch, 14. November. Sonnen- aufgang 7.16, Sonnenuntergang 16.13, Mondausgang 9.23, Monduntergang 17.10 (Erlerne). 354: Der Kirchenlehrer Aurelius Auaustmus in Taaasta geb.; 1716: Der Philosoph Gottfr. Wilhelm v. Leibniz in Hannover gest.; 1825: Der Schriftsteller Jean Paul (Friedrich Richter) in Bayreuth gest; 1840: Der Bildhauer Augusto Rodin in Paris geb.
* An übertragbaren Krankheiten wurden in der Woche vom 4. bis 10. November gemeldet: Diphtherie 1 Fall in Hanau und Scharlach 1 Fall in Großauheim, sowie je 2 Fälle in Hanau und Niederrodenbach.
* Eine Ausstellung niederdeutscher handweku- reien findet Dienstag und Mittwoch im Städt. Lyzeum statt. Wie uns mitgieteilt wird, überraschen die dargebotenen Gegenstände durch Feinheit der aarben und durch außergewöhnliche Qualität des iaterials. Es handelt sich bei diesen Erzeugnissen um eine durchaus bodenständige Kunst, die in Niederdeutschland, seitdem man ihr Förderung an» gedeihen läßt, einen neuen Aufschwung zu nehmen beginnt. Sie beruht auf einer Jahrhundete langen Ueberlieferung alter Handwerkstechnik und steht, aus Landschaft und Menschen herausgewachsen, im Gegensatz zum Expressionismus des großstädtischen Sunftgewerbes. Man darf wohl annehmen, daß diese Ausstellung über den Gewerbefleiß und Kunstsinn niederdeutscher Webkunst dem Interesse begegnen wird, das sie wegen ihrer Eigenart und Bodenständigkeit verdient.
Die Frau merkt’s nicht, daß Du viel geraucht hast. wenn Deine Stimme klar bleibt. Dies erreichst Du durch Gebrauch von Fay's echten Sodener Mineral-Pastillen.
„Die Tragödie des Mannes, der aus Enttäuschung durch das Weib und zugleich aus Sehnsucht nach dem idealen Weib sein Verächter und Anbeter wird — ich meine die Tragödie des Don Juan. Mozart hat sie in unsterblichen Tönen geschaffen, aber ihr Dichter, der mit zwingender Gewalt ihre allen verständliche Sprache spricht, ist noch nicht gekommen."
„Und du wolltest dieser Dichter werden?"
„Wie kann ich mich unterfangen, das zu wollen? Wie mich an diesen Stoff von urwüchsiger Elementargewalt mit meiner schwachen Kraft, meiner müden Reflexion hecanwagen? Wie maßloser Hochmut erscheint es mir. Aber leugnen lann ich es nicht, dieser Stoff brennt in mir' ich habe keine Ruhe vor ihm, und je energischer ich ihn von mir weise, um so lockender kommt er wieder."
Er hatte nicht zuviel gesagt: Tag und Nacht beunruhigte ihn dieser dichterische Gedanke. Er floh vor ihm in die Arbeit und in das Leben, aber er begleitete ihn, wohin er ging. Oft trieb es ihn mit unwiderstehlichem Drange, das, was er tastend suchte, in irgendeine Gestaltung zu zwingen, allein die Ehrfurcht vor dem unerschöpflichen Stoffe hielt ihn zurück.
So blieb er ihm der große Künstlertraum, wie ihn jeder Schöpfer träumt, heiß ersehnt und doch unerreichbar. Silles andre erschien ihm dagegen arm, er faßte einen Plan und ließ ihn fallen,' er liebäugelte mit einem Motiv, ergriff es mit der Kraft blühender Phantasie und gab es bald völlig wieder auf.
Die Tage, die Rolf bei ihm verlebte, waren Feiertage für Werner; er tat dann nur die not» wendigste Arbeit und widmete jede freie Stunde dem Zusammensein mit dem Freunde. Rolf war nach wie vor der einzige Mensch, der ihm näber- ftanb, der ihn befruchtete, und dem er seinerseits sein Herz erschloß. Seit seinem Hochzeitstage herrschte zwischen ihnen das brüderliche Du.
Aber nicht weniger als ihr Mann hatte sich Sigrid auf Rolfs Besuch gefreut. Endlich kam ein Mensch in die Einöde ihres Lebens, den sie von frühester Jugend kannte, der ihr in Liebe zugetan war, von dem sie einige Teilnahme auch für ihre Sorgen und Leiden erwarten konnte.
(Fortsetzung folgt.)