264. Sabesans
Samstas den
Iß. November
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Nr. 266
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Das KeueKe
— Die deutsche Regierung Hal in Paris und London nochmals die deutsche Forderung nach unabhängigen Sachverständigen übermitteln lassen.
— Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, wird sich auf der Rückreise von Warschau am 28. November in Berlin aushallen, um Reichsminister Dr. Stresemann seinen Besuch obzuslalten.
— Poincarè ist gestern mit der Kabinettsbildung beauftragt worden. Er Hal den Auftrag angenommen.
— Titulescu hat den Auftrag zur Regierungsbildung in Rumänien zurückgegeben. Wan erwartet fehl die Beauftragung Manius, die inzwischen erfolgt ist.
— Die Tätigkeit des Aetna hat wieder zuge- «ommen. Die Lavamassen sind nur wenige Meter von Mascali entfernt.
_ Deutschlands Stand»«»« tu dev ReNavationSseas«
Berlin, 9. Nov. Die Londoner „Times" meldet, daß am Montag nach der Besprechung des Schatz- . kanzlers Churchill mit den Botschaftern Italiens, Belgiens und Japans auch der deutsche Geschäftsträger D i e ck h o f s im Schatzamt erschienen sei, um ° den deutschen Standpunkt dahin zu präzisieren, daß die Sachverständigenkommission die deutsche Lei- ^' stungsfähiakeit vorbehaltlos prüfen muffe. „ „Sie M deutsche Regierung", behauptet die '„Times , „ist augenscheinlich bemüht, sich nicht im Voraus aus ' die Anna hme einer b e st i m m t e n R e p a- rationsfumme zu binden." Sie vertrete die * Ansicht, daß diese Aufgabe des zweiten Daweskomi-
Forderung auf Ersatz der Schulden an Amerika plus Entschädigung für den Wiederaufbau der zer- störten Gebiete als bindende Marschrouten ausgegeben würden.
Von Berliner amtlicher Seite wird jetzt bestätigt, daß Botschaftsrat Dr. Dieckhoff den englischen Schahkanzler darauf hingewiesen hat, daß die deutsche Regierung nicht in eine Stellung gedrängt werden möchte, die sie verpslichlet, im voraus eine Winimalschuldsumme für die Gesamtverbind- lichkeiten anzunehmen. Die deutsche Regierung — tritt die Ansicht, daß die Ausgabe des zw Dawes-Komitees außerordentlich erschwert würde, wenn von vornherein die Balfour-Rote und die
>e auf Ersatz der Schulden an Amerika einer Enlschâdigng für den Wiederaufbau - " - lls bindende Voraussetzung
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der zerstörten Gebiete als bindende Voraussetzung Busgegeben würde. Zur Begründung dessen dürfte zweifellos auch darauf hingewiesen worden sein, daß es ja gerade die Ausgabe der Sachverständigen sei, eine Grundlage für die deutschen Zahlungen zu finden. Die Versteifung auf die Valfournote aber würde von vornherein die Lage präjudi zieren. Die ursprüngliche deutsche Anregung lief auf die Entsendung unabhängiger Sachverständigen hinaus. Diese Unabhängigkeit würde jedoch gefährdet sein, wenn die Sachverständigen schon vor dem Zusam- menlrelen der Kommission fest umrlffene Richtlinien von ihren Regierungen erhalten würden. Ralur- gemäß bleibt es jedem Delegierten unbenommen, im Lause der Sitzungen entsprechende wünsche vor-
zubringen.
Botschafter v. H »esch hat im gleichen Sinne bei Poincarè vor dessen Demission vorgesprochen. Durch den Rücktritt des französischen Kabinetts sind die diplomatischen Verhandlungen zur Zeit naturgemäß unterbrochen worden. Die Bemühungen der deutschen Regierung um die Anerkennung ihres Standpunktes werden nach Neubildung des französischen Kabinetts sofort wieder ausgenommen werden.
«.GverMs-Nost* ruv AütS- Lehv Dv. Gtve-ematttts
Rewyork, 9. Nov. „Evening Post" begrüßt in einem Leitartikel die Rükkchr Dr. Stresemanns zu den Amtsgeschäften als ein günstiges Zeichen für die weitere Entwicklung der europäischen Zusammenarbeit, die gerade jetzt durch die bevorstehenden Beratungen über die endgültige Lösung der Reparationsfrage große Bedeutung erlange, denn kein deutscher Staatsmann genieße so großes Vertrauen wie Stresemann. Die Zeit werde kommen, wo es Europa klar werden werde, welchen Dank es Stresemann, Briand und Chamberlain für ihre Wiederaufbauarbeit schulde. Besonders die Tätigkeit Dr. Stresemanns habe Europa insgesamt nicht weniger genützt, als dem Deutschen Reich. Er habe den Weitblick und die Erkenntnis, daß die Befriedigung Europas auch seines Vaterlandes Interessen fördere.
Ein Boot sinkt mitten im Ril. — 28 lote.
Kairo, 9. Nov. Ein Boot, auf dem sich zahlreich? junge Mädchen befanden, die nach dem anderen Niluser fahren wollten, um dort Blumen zu älücken, sank wegen zu starker Belastung in der litte des Stromes. 28 Mädchen ertranken.
OoLKeavâ wieder» deaufieâgt
Voiueavö übernimmt die «abinetLSSlidung - Sv will ein »«ab »ett dev vevnbrikanikchen Siniva-Ht" bilden
Paris, 9. Nov. Um 2.30 Uhr Hal sich P o! n c a r e auf Aufforderung des Präsidenten der Republik Doumergue nach dem Elyseè begeben, wo ihm der Präsident die Bildung der Regierung angeboten hat. Poincars Hal den Antrag angenommen. Bei feiner Unterredung mit dem Präsidenten Doumergue unterstrich er die Schwierigkeiten, die einer Neubildung eines Kabinetts der Nationalen Union entgegenstehen. Er verwies besonders auf die seit gestern eingekretene Verschärfung der Gegensätze zwischen der Republikanisch-Demokratischen Union und den Radikalen. Er werde versuchen, ein Kabinett der Republikanischen Einigung zust andezubringen. — Nach der Rückkehr ins Finanzministerium berief Poincarè seine sämtlichen früheren Minister zusammen.
Vsweavès eefte Beivvetbung
Paris, 9. Nov. Nach Verlassen des Elysees hat Poincarè mit den Mitgliedern seines bisherigen Ministeriums, mit Ausnahme der vier r a d i- ' ist er und des Ministers der Republikanischen Vereinigung,
kalen M i n Marin von
eine Beratung abgehalten.
Nach beinahe einstündiger Beratung wurde auch der frühere radikale Minister getraut und der frühere Minister Marin (Demokr.-Republ. Vereinigung) zu der Besprechung hinzugezogen, die Poincarè mit den früheren Ministern abhält. Nach zehn Minuten hat Minister Sarraut die Sitzung wieder verlassen und erklärt, Poincarè habe ihn nur um seine Ansicht befragt. Kurz bevor Sarraut das Finanzministerium verließ, ist Marschall Foch angekommen. Man nimmt an, daß ihn Poincarè über die Frage der militärischen Kredite, über die es zu einem Konflikt zwischen Poincarè und der Finanzkommission gekommen ist hat hören wollen.
erreicht. _.. . ......
nur kurze Zeit im Finanzministerium geblieben.
Poincarè wird morgen seine Besprechungen fortsetzen. Er hat auf 10Uhr vormittags eine neue Beratung einberufen.
Paris, 10. Nov Die Art der Verhandlungen, die Poincarè gestern abend geführt hat, ergibt, daß
Die Lage im MßsMeNAiA
Die Reichsreslevu«« Wteb sich beute, dev «sichstas am Montag mit dem «Me«ko«w« beftbSfiieen
Berlin, 10. Nov. Die Reichsregierung wird sich Heuke mit den Anträgen und Interpellationen über den Eijenkonflikt beschäftigen, die auf der Tagesordnung der ersten Reichstagsfitzllng nach den Sommerferien stehen. Für die Regierung wird am kommenden Montag Reichsarbeitsminifier Wiffell als Leiter des zuständigen Ressorts sprechen. Bisher liegen Anträge vor vom Zentrum, von den Sozialdemokraten und von den Kommunisten. Wahrscheinlich werden alle diese Anträge, die von den beteiligten Fraktionen ohne vorherige Verständigung eingebracht worden sind, dem sozialpolitischen Ausschuß überwiesen werden, weil nur hier der Versuch gemacht werden kann, eine einheitliche Linie zu finden, sei es für die finanzielle Unterstützung der von der Aussperrung betroffenen Gemeinden, sei es für Reformen des Schlichtungsrechls.
Die «las« dev drei
AZetaUarbsitevvevbândo
teilen
Essen, 9. Nov. Die drei Metallarbeiterverbände haben beim Arbeitsgericht Duisburg eine Klage gegen Noodmost eingereicht. In der Klage wird beantragt, das Gericht wolle den Beklagten verur-
In Erfüllung der tariflichen Erfüllungspflicht a) diè Aussperrungsanweisung zurück» zuziehen, b) es zu unterlassen, die im Kampfe befindlichen Werke in direkten oder indirekten Maßnahmen finanzieller, ideeller und sonstiger Art zu unterstützen, c) die herausgegeben« namentliche Liste iber ausgesperrten Arbeitnehmer zurückzuziehen und die Weitergabe dieser ober neuer Listen zu unterlassen, d) die Mitglieder mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln anzuhalten, die getroffenen Kampfmaßnahmen rückgängig zu machen und neue zu unterlassen, 2. an die Kläger Schadenersatz zu
zahlen.
Dèe AommtmMen an dev Ävdett
Esten, 9. Nov. Heute nachmittag fand hier, wie das kommunistische „Ruhrecho" mitteilt, eine Konf«, renz von 50 Delegierten, die insgesamt 65 000 Metallarbeiter vertraten und größtenteils Betriebsräte und Vertreter der in den einzelnen Werken gebildeten Kampsleitungen waren, statt. Aus den Vertretern wurde eine „Zentrale Kampfleitung" gewählt, bestehend aus zehn Vertretern der wichtigsten Großbetriebe. Diese zentrale Kampfleitung hat einen Aufruf vorgelegt, der.einstimmig gutgeheißen wurde und in dem ein Appell an die gesamte Arbeiterschaft des Ruhrbezirks gerichtet wird, in allen Betrieben und Belegschaften Kampfleitungen zu wählen und diese der zentralen Kampfleitung anzu-
er die Absicht hat das neue Kabinett auf breitester Grundlage aufzubauen. Er will wiederum ein Ka- binett der nationalen Einigung bilden. Die Durchführung stößt allerdings auf ernste Schwierigkeiten und zwar wegen der Umstände, die den Rücktritt des Kabinetts veranlaßt haben, als auch wegen verschiedener Kundgebungen in den Kammerfraktionen. Die Schwierigkeiten liegen bei den Radikalen und bei der Partei Marin. Wie die Havasagen- tur berichtet, dürfte die Entscheidung heute vormittag fallen und Poincarè sich heute mittag ins. Elysee begeben. Die Verhandlungen dürften dann soweit gediehen sein, daß Poincarè mitteilen kann, ob er glaubt, sie zu einem guten Ende führen
zu
können.
Nie VskvvsÄunss» dev ft«m. MuSsvaetete»
Paris, 9. Non. Die interfraktionellen Bespre- chungen der Vertreter der Linksparteien, die heute nachmittag fortgesetzt wurden, führten zu einer grundsätzlichen Einigung auf ein Mindestprogramm
ds «yr Enos angenommen. Die Vertreter der radikalen Linken Marin sind (Gruppe Loucheur) behielten sich die Entscheidung
ihrer Fraktion vor. Sie wiesen bei dieser Gelegenheit darauf hin, daß die Fraktion ein Linksprogramm nur annehmen könnte, wenn die Sozialisten sich an der Regierung beteiligen würden.
Morgen nachmittag wird eine neue Zusammen.
kunft der Linksparteien stattfinden.
gliedern. Hierauf wurde Stellung genommen zur Durchführung einer breiten Unterstützungsaktion, die gemeinsam mit der Internationalen Arbeiterhilfe durchgeführt werden soll. Auch aus dem Bergbau und den Verkehrsbetrieben waren Vertreter anwesend.
Gegen Lwiftandsavdeiten dev AnsefteMen
Düsseldorf, 9. Nov. Wie wir erfahren, hat der Gewerkschaftsbund der Ange st eilten beim Düsseldorfer Arbeitsgericht Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung eingereicht, wonach der Arbeitgeberverband der ‘ Nordwestgruppe des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller gehalten sein soll, seine Mitgliederfirmen zu veran- lassen, daß die Angestellten nicht mit Arbeiten, die sonst von Arbeitern ausgeführt werden, befaßt wer- den. Die Verhandlung über diesen Antrag wird voraussichtlich am Dienstag der kommden Woche stattfinden.
KoUaud und dev StebeiiS- eonfliet
Rotterdam, 9. Nov. Der Arbeitskonflikt in der nordwestdeutschen Eisenindustrie beginnt sich bereits im Rotterdamer Hafen deutlich fühlbar zu machen. Die deutschen Hüttenwerke haben Auftrag gegeben, daß die in Rotterdam für sie eintreffenden Werfteinfuhren nicht nach Deutschland durchgesandt, sondern in Rottedam ausgestapelt werden. Die Vereinigten Stahlwerk« legen ihre Erzvorräte in Vlaar, ingen auf Lager. Die von Narvik ausgehende Versendung schwedischer Erze wird vorläufig fortgesetzt werden. Dagegen sollen die aus anderen Plätzen zu erwartenden Verschiffungen so weit wie möglich eingeschränkt werden.
Die Woche
Der preußische Landtag ist am Montag zu einer kurzen Sitzungsperiode zusammengetreten und der Reichstag wird am kommenden Montag seine Arbeit wieder aufnehmen. Der Tagungsabschnitt des Landtages wird, wie gesagt, kurz sein, da der Arbeitsplan nichts besonderes aufweist. Außer der Besprechung verschiedener Interpellationen, die sich auf die Aussperrung in der westlichen Eisenindustrie bezogen, ferner eine kurze Schuldebatte, hat sich nichts wesentliches ereignet. Die parlamentarische Aussprache über den Eisenkonflikt hat keinen greifbaren Gewinn gebracht. Sämtliche Parteien haben ihren Standpunkt geäußert und dann sind die Interpellationen einem Ausschuß überwiesen worden. Andere Beschlüsse waren im gegenwärtigen Augenblick auch nicht zu erwarten, doch es steht zu hoffen, daß der furchtbare Lohnkonflikt bald beendet wird. Die eigentliche Arbeit des Landtages wird erst im Dezember beginnen; für diesen Zeitpunkt sind die Etatsberatungen vorgesehen. Anders liegen die Dinge beim Reichstag. Dieser, wegen des Lohnkonfliktes in der Eisenindustrie einen Tag früher einberufen, als ursprünglich vorgesehen, findet bei seinem Zusammentritt ein reiches Arbeitsprogramm vor und nach den getroffenen Dispositionen ist anzunehmen, daß es sofort lebhaft zugehen wird. Die Aufgaben, die der Lösung harren, sind sehr schwer und es kann heute schon gesagt werden, daß Schwierigkeiten auftauchen werden, deren Ueberwindung man sich nicht gut denken kann. In außenpoltUscher Hinsicht braucht man solche Schwierigkeiten nicht zu befürchten, da die Regierungsparteien die Politik der Regierung auch nach den Genfer Ereignissen vollkommen unterstützen. Dagegen ist der von den Sozialdemokraten angekündigte Antrag auf Einstellung des Panzerkreuzerbaues geeignet, ernste Konflikte zu schaffen und zwar nicht nur im Reichstag, sondern auch innerhalb der Regierung. Wird der Antrag abgelehnt, dann wird die sozialdemokratische Partei von ihren Ministern den Austritt aus der Regierung verlangen. Wird der Antrag angenommen, dann dürfte die Deutsche Volkspartei, die die Forderung vertritt, daß der Bau des Schiffes fortgesetzt und zu Ende geführt werden muß, aller Wahrscheinlichkeit nach die Konsequenzen ziehen, ebenso wäre für den Reichswehrminister die Kabinettsfrage gegeben. Also Schwierigkeiten so oder so, Schwierigkeiten, die fast zwangsläufig in eine Krise hineinführen müssen.
Daß bei solchen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Regierungsparteien und dem unsicheren Ausgang der Panzerkreuzerdebatte die Verhandlungen über die Festigung der Großen Koalition im Reiche auch in der letzten Woche keine Fortschritte gemacht haben, ist begreiflich. Die in Frage kommenden Parteien sind zwar grundsätzlich zur Bildung der großen Koalition bereit, alle haben ihre Bereitwilligkeit betont, doch alle verhalten sich abwartend. Ebenso liegen die Dinge in Preußen. Auch hier steht die Koalitionsfrage noch immer da, wo sie schon vor Monaten stand; auch hier verhalten sich alle Parteien abwartend, keine will die Initiative ergreifen. Im Reiche will man abwarten bis der Streit um den Panzerkreuzer erledigt ist — und das halten wir, angesichts der kritischen Lage für richt — und in Preußen sind es die Konkordatswünsche des Zentrums die eine Fort setzung der Koalitionsverhandlungen schwierig gestalten. Von volksparteilicher Seite wurde gestern folgende Meldung verbreitet: „Die Fraktion der Deutschen Volkspartei im preußischen Landtag beschäftigt sich seit einigen Tagen in ausgiebigen Frakionssitzungen mit dem Konkordat. Ihre Beratugnen sind noch nicht zum Abschluß gekommen. Es scheint aber, daß die Bedenken gegen den Inhalt des Konkordates, soweit er bisher schon bekannt geworden ist, bei weitem überwiegen, weil der Einfluß des Staats bei der Besetzung der Bistümer und der Ausbildung und Einsetzung der Geistlichen über das tragbare Maß zurückgedrängt wird, so daß — ganz abgesehen von den Bedenken einer ausge-
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