Sette '
$tdtag den 5. Oktober 1928
Nr. 235
Sie matt die Svemden in Pavis das Teufeln lebet
Viele Leyte sollen, wie jener Bursche im Mär- ' chen, das Bedürfnis haben, das Gruseln zu lernen. ! Auch für sie ist in Paris gesorgt. Man ist sogar längst auf den Gedanken gekommen, das Grauen geschäftsmäßig auszubeuten, den fremden Mützig-- gängern, die „alles" in Paris sehen wollen, die bekannte Gänsehaut nur gegen gutes Entgelt über den Rücken zu jagen. Eine ganze Reihe von Nacht- ! lokalen und Kabaretts sind ausschließlich zu diesem ■ Zwecke hergerichtet worden. Die Gäste werden in schwarz verhängte Kellerräume geführt. Düster brennende Laternen lassen die Ecken des Raumes in tiefer Finsternis erscheinen, in der die undeutlichen Umrisse eines Totengerippes zu erkennen sind. Alte Sanduhren, Beinknochen, ausgestopfte Eulen und was dergleichen schauerliche Symbole und Attribute ; des Sensenmannes noch mehr sind, vervollständigen ’ das Inventar dieser unheimlichen Kellerlöcher, Die Getränke werden von schwarzvermummten Kellnern in totentopfähnlichen Krügen serviert. Sargförmige ; Kisten dienen als Tische. Und hinter einem Vor- : hang fidelt irgend ein Geiger die schauerlichen * Dissonanzen des Totentanzes von Saint-Saëns - herunter, bis die neugierigen Engländerinnen in I Todesangst ihre Gatten am Arm« fassen und sie mit ; wankenden Knieen von dieser unheimlichen Stätte ° wegziehen. Auch den Besuchern der unterirdischen ; Katakomben wird in Erwartung einer Extraentschädigung oft ein unheimlicher Spuk vorgeführt. ; „An dieser Stelle," so beginnt etwa mit geheimnis- i voller Stimme der trinkgeldlüsterne Führer, „macht ’ sich von Zeit zu Zeit ein Geist bemerkbar, der in I seinem Höhlengbabe noch immer nicht zur Ruhe > gekommen ist". In diesem Augenblick ertönen aus i der Finsternis tappende Schritte und das dumpfe Murmeln einer Geisterstimme. „Chut!" ruft der Führer, freudig überrascht, „ich glaube, wir haben s heute Glück". Das Murmeln des unsichtbaren Geistes schwillt zu einer hohlen Grabesstimme an, die sich in Drohungen und Verwünschungen über die Frechen ergeht, die es wagten, die Ruhe der Toten in diesen unterirdischen Gängen zu stören. Und während sich bie erschreckt enFrauen mit der bewußten Gänsehaut im Rücken enger an ihre Begleiter schmiegen, tritt der „Katakombengeist", ein grau- bärtiger Alter, mitten unter sie und erklärt mit ■ freundlichem Lächeln, di« „kleine Ueberraschung" sei - nicht im Eintrittspreis inbegriffen.
Gegenüber der Notre-Dame-Kirche, in den unter dem ehemaligen Hofe der Kirche Saint-Julienle Pauvre gelegenen Kellergebrölben, haben die Fremden ebenfalls Gelegenheit, sich den Genuß eines kalten Schauers zu verschaffen. Diese alten Gewölbe, die in mehreren Stockwerken übereinander liegen, stammen noch aus dem 12. Jahrhundert. Einige von ihnen wurden sogar schon im 3. und 4. Jahrhundert gebaut. Teilweise gehörten sie zu der Festung des Petit-Chatelet, die als Gefängnis
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Ein Bild der bunten, flimmernden, heiteren und tragischen arbeitsreichen und sensationellen Welt, . . , ein Bild der Menschen, der Menschen, die jeden Abend mit dem Tode spielen, die heut in Paria, nächsten Monat in Madrid und in vier Wochen in Südamerika arbeiten .
ein Bild der „Manege“.
Vorher:
Kellner werden iss nidif sdiwer Groteske In 2 Akten
Tatarenfreuden (Lehrfilm) Ufa-Wochenschau
Ueber all blendend sauber das ist Vorbedingung bei der Herstellung einer guten Margarine. Hellgekachelt sind die weiten Fabrikhallen der Blauband-Werke, appetitlich sauber die weissen Milchbehälter, spiegelblank die riesigen Maschinen, die selbsttätig jetzt auch die neue Marke „Alma" herstellen. Weissgekleidet sind die Männer und Frauen, welche die sauberen Maschinen bedienen; äusserst rein die feinen Speiseöle und Fette, sorgfältig sterilisiert die grossen Mengen Milch, die zur Verbutterung benötigt werden. Selbst das Wiegen, Formen und Umhüllen der fertigen Ware geschieht maschinell. Diese geradezu vollendete Reinheit bei der Herstellung stempeln „Alma" zu einem gesunden, bekömmlichen Nahrungsmittel, das, auf Brot gestrichen, mit Genuss verzehrt werden kann und für Back- und Bratzwecke unübertrefflich ist. Sparsame Hausfrauen wählen „Alma, die Mas garine für Alle".
Das ganze Pfund für 85 Pfennig!
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Paul Krussig "urgeroHanr, 2f8 NbOetn
diente und 1782 abgerissen wurde. Hier fanden im Mittelalter die schauerlichsten Folterungen und Hinrichtungen statt. Die grausamen Befehle des berüchtigten Profos Karls V. Aubriot und des hartherzigen Richters Isaac de Lgffemas wurden in diesen unterirdischen Gewölben vollzogen. Auch die Schreckensmänner der französischen Revolution vollbrachten zahlreiche Schandtaten in den tiefgelegenen Verließen,aus denen kein Schrei der mit raffinierter Grausamkeit gemarterten Opfer nach außen drang. Die Leichen der Hingerichtet enwurden in einen Brunnenschacht geworfen, der direkt mit der Seine in Verbindung stand. In einigen benachbarten, früher mit dem Petit-Châtelet zusammenhängenden Kellergewölben, bei deren Freilegung man auf verschiedene Skelette, alte Waffen und Bruchstücke von Folterinstrumenten stieß, sind heute primitive Kabaretts eingerichtet. Auf schmalen, dunklen Wendeltreppen steigt man in die Tiefe, bis man unversehens auf eine heimtückische Wippe tritt, diean Stelle einer früheren Falltüre angebracht wurde, und zum Gaudium der Eingeweihten in den düstern, mit roh gezimmerten Tischen und Bänken angefllten Keller stolpert. Studenten, als mittelalterliche Scholaren verkleidet, bringen Erfrischungen. Auf einer-kleinen Bühne tritt ein Bänkelsänger in Landsknechttracht auf, der zur Gitarre altfranzösische Leider und entsetzliche Moritaten zum Vortrag bringt. -
Am meisten besucht werden die Verließe unter dem alten Hotel de Trois Maillets, das dem Portal der Kirche Saint-Iulien-le Pauvre gegenüber liegt. Hier wurde 1380 die Verschwörung der Maillotins, die sich gegen die dem Volke auferleg- ten drückenden Steuern erhoben, blutig unterdrückt. Die Bezeichnung „Maillotins" sowie der Name des Gebäudes sind auf die keulenartige Waffe, maillet, zurückzuführen, mit der die Verschörer ausgerüstet waren. Heut; befindet sich in diesen Kellergewölben eine Sammlung der entsetzlichsten Folterinstrumente, die menschliche Grausamkeit ersinnen konnte.. Da ist der mit eisernen Stacheln besetzte Stuhl zu sehen, auf dem die Gefangenen festgebunden wurden, während ein Henkersknecht unter dem Sitz in einer eisernen Pfanne ein Feuer anfachte. Daneben stehen ein Paar mächtige eiserne Stiefel, die dem Unglücklichen angezogen und mit kochendem Oel oder heißem Pech gefüllt wurden. An den Wänden hängen zahlreiche Folterzangen, die zum Gebrauch in Feuer glühend gemacht wurden. Ein anderes Verließ birgt einige mit eisernen Dornen besetzte Folterräder, den Foltertisch, der dazu diente, die der Inquisition verfallenen Unglücklichen auszurecken, einige Spindelpressen, unter denen die Opfer zer- queffcht wurden. Eine Reihe alter Bilder und Stiche zeigen, wie dies« teuflischen Marterwerkzeuge angewendet wurden. Alle diese in den düsteren Kellerräumen zur Schau gestellten Foltergeräte sind jedoch nicht echt, sondern nur auf Grund von alten Dokumenten verfertigte Kopien, die zum Teil für eine Jeanne dArc-Feier hergestellt wurden. Die am Eingang sichtbare Bezeichnung „Museum" erscheint
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daher etwas gewagt. Aber wenn einer das Gruseln lernen will, mag er es immerhin dort einmal versuchen.
Flugverkehr und Seuchengefahr,
„Durch nichts verbreitet sich eine Epidemie schneller als durch den Verkehr". wurde auf dem Hamburger Naturforschertag festgestellt. Trotzdem ist bisher fast garnichts oder nur sehr wenig geschehen, um zu verhüten, daß die verschiedenen Seuchen durch den Luftverkehr von einem Kontinent auf den anderen verschlepot werden. Nun soll dies anders werden. Das Madrider Gesundheitsamt hat sine Aktion in die Wege geleite1, um dieser Gefahr zu begegnen. Man will eine internationale Konferenz einberufen und die Maßregeln besprechen, die in der Zukunft zu ergreifen wä en. Es wird darauf hingewiesen, daß in nicht allzufcr^ ner Zeit zwischen den einzelnen Kontinenten ein regelmäßiger Flugverkehr stattfinden werde. Heute sei es bespielsweise fast unmöglich, daß die Cholera oder die Pest auf dem Wasserweg nach Europa gelangten. Der Luftweg stehe ihnen jedoch bisher offen. Da aber die Verhängung einer Quarantäne, wie sie bei den Schiffen üblich, im Luftverkehr unmöglich sei, will man eine internationale Vereinbarung treffen, nach welcher alle Apparate vor ihrem Abflug gründlich desinziert werden sollen.
Der Mörder heiratet die Tochter seines Opfers.
Aus Budapest wird geschrieben: In einem Orte bei Miskolcz trat dieser Tage ein merkwürdiges Paar zum Traualtar. Die 19jährige Bauerntochter Irma Ujj heiratete den Mörder ihres Vaters, Josef Drotos, der nach Verbüßung einer fünfzehnjährigen Kerkerstrafe das Zuchthaus vor kurzem verlassen hatte. Vor fünfzehn Jahren hatte Drotos mit der Mutter des Mädchens ein Liebesverhältnis unterhalten. Die Frau wollte ihren Mann aus dem Wege schaffen und überredete ihren Liebhaber dazu, ihn zu töten. Im Oktober 1913 lauerte er Ludwig Ujj in einem Walde auf und schoß ihn meuchlings nieder. Die Bluttat wurde bald entdeckt, die Frau, der Mörder und die im Einverständnis mit den beiden gestandene Hebamme Barbara Markesz wurden zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Voh einiger Zeit wurde Drotos, der sich im Zuchthaus musterhaft geführt hatte, auf freien Fuß gesetzt, während die beiden Frauen noch weiter im Gefängnis verblieben. Drotos begab sich in sein Heimatsdorf, besuchte das Grab seines Opfers und lernte bei dieser Gelegenheit die 19jährige Irma Ujj kennen. Nach kurzer Bekanntschaft drang das Mädchen in Drotos, er möge sie heiraten, sie werde ihm eine treue Gattin fein. Sie erklärte, sie wolle sich an der Mutter rächen und verhindern, daß Drotos, wenn die Mutter aus dem Zuchthaus zurückkehre, mit dieser eine Ehe eingehe. In der Miskolczer reformierten Kirche wurde nun die Ehe zwischen der neunzehnjährigen Braut und dem
49jährigen entlassenen Zuchthaussträfling «in- gesegnet.
Schadenersatz, weil keine Blumen im Zimmer standen.
Künftig werden die Pensionsbesitzer, die in englischen Badeorten ihr Gewerbe betreiben, zur Vermeidung von Schadenersatzklagen dafür Sorge tragen müssen, daß in den einzelnen Zimmern stets frische Blumen stehen. So hat wenigstens ein Londoner Gericht entschieden. Lillian Varker, eine junge Schauspielerin, hatte in einer kleinen Pension nahe bei London Wohnung genommen, war aber nur eine Woche geblieben. Eines Tages zog sie aus und verklagt« den Wirt auf Schadenenatz, veil sie, wie sie in ihrer Klage ausführte, während der ganzen Zeit nicht ordentlich habe speisen können, da keine Blumen im Zimmer gestanden hätten. Als sie das Zimmer gemietet habe, sei ihr das unbekannt gewesen. Sie fühle sich also betrogen und verlange Schadenersatz. Das Gericht machte diese merkwürdige Logik zu der seinigen und verurteilte den Pensionsinhaber zu vier Pfund Sterling. In der Urteilsbegründung heißt es: „Jeder anständige Pensionsinhaber muß auf dem Tisch Blumen stehen haben."
Der Hellseher als Geheimpolizist der Zukunft.
Sir A. Conan Doyle, der Vater des größten Detektivs im Reiche der Phantasie, hielt kürzlich vor Antritt seiner Propagamdarsise nach Südafrika einen Vortrag, in dem er das Erscheinen des hellseherischen Sherlock Holmes ankündigte und das lockende Zukunftsbild einer vom Verbrechen erlösten Welt entrollt«. „Wir werden in Zukunft", so führt er aus, „auf jeder Polizeistation einen Hellseher haben, der dafür sorgen- wird, daß fettes Verbrechen erschwert, wenn nicht überhaupt unmöglich gemacht wird. Hellseher sind oft imstande, anzugeben, wo ein Verbrechen geschieht. Gibt man ihnen ein winziges Stück der Kleidung einer ermordeten Person, so werden sie häufig dadurch befähigt, sich in die Zeit des Mordes zurückzuver- setzen und sich so in die Rolle des Mörders hinein- zuleben, daß sie den Mord mit allen Begleitumständen zu rekonstruieren vermögen. Auch heute schon bedient sich die Polizei an vielen Orten in aller Stille der Mitwirkung hellseherischer Kräfte zu dem Zweck, einen Mord aufzuklären. Der Spiritismus ist im Begriff, die Welt auf jede mögliche Art zu revolutionieren. Er wird eine Umwälzung unserer religiösen Begriffe herbeizufühven, indem er uns wieder mit den Ursprüngen aller Religionen in Fühlung bringt, die nach meiner festen Ueberzeugung einmal bestanden, aber vollständig verloren gegangen sind. Er wird ferner der Medizin, wie der Krimonologie ganz neue Wege weisen. Die ganze Frage der Geisteskrankheiten, der Manien und der Besessenheiten, über die sich heute noch vollständiges Dunkel breitet, wird durch ihn aufgerollt und aufgehellt werden."
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