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Ke. 220

SamStas de«

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplatzvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammeisir.4 / Fernspr. 3956, 3957,3958

2H. Gevtember

1928

Das neueste

Die gestrige Fahrt desGraf Zeppeltn" hock 6bet München bis Salzburg geführt. Die wetter- f loge verhinderte die Welterfahrt nach Dien. Um I 120 nachmittags ist das Luftschiff wieder in Fried­richshafen glatt gelandet.

Dr. Stresemann wird am 1. November seinen , Dienst wieder anlreten. Die Aerzte haben sich da­mit einverstanden erklärt.

Die deutsche Delegation für Genf ist Frei­tag nachmittag in Berlin eingetroffen.

s Die Rechtsparteien Mecklenburg-Schwerins brachten gegen den sozialistischen Staatsmlaister Dr. Freiherrn v. Reibnih ein Mißtrauensvotum [ ein.

Amerikas Note zum Flottenkompromiß ist ! Freitag mittag gleichzeitig in London und Paris : überreicht worden.

Amerikas Mose an die MefLmachte

Glatte Ableb«««s des SlottenabkommeuS - wettere SevhandlunssmSsttchSetten

w a s h r o g t o n. 28. Sept. Die beiden in der Angelegenheit des englisch-französischen Flottenabkommens an Paris und London gerichteten Noten find heute durch die ameri­kanischen Botschafter in Paris und London überreicht worden. Inhaltlich stimmen beide Noten im wesentlichen überein.

Graf SevveUuS" Vavevnsahvt

- Friedrichshafen, 28. Sept. Das LuftschiffGraf Zeppelin"setzte nach seinem Rundflug über München seine Fahrt zunächst in südlicher Richtung fort. Um 945 Uhr wurde, nachdem vorher Holzkirchen üher- flogen worden war, Miesbach erreicht. Eine iertelstunde später überflog das Luftschiff bereits je Stadt Rosenheim, offenbar in Richtung nach urg begriffen.

feiner Welterfahrt überflog das Lufffchiff 'rte i wei Kilometer Ent-

m

e über» g und wendete "sich dann wieder kehrtmachend in rdlicher Richtung nach Wasserburg am Inn. In alzburg machteGraf Zeppelin" kehrt, flog ent-

Stadt Mühldorf und

von

den sollte. Für den Austausch mit dem Luftschiff hatte diè Ravag auf dem

den, der vom Wiener Großsender" ausgegeben wer- Funksprüchen

Die amerikanische Note stellt fest, daß das «englische- französische Marineabkommen für Amerika unannehmbar sei.. Eine Be- schränkung der Seerüstungen müßte sich auf alle Schiffstypen erstrecken, das genannte Abkommen laste jedoch den unbeschränkten Bau von Kreuzern mit sechszölligen Geschützen, von Zerstörern und von Unterseebooten bis zu 600 Tonnen Raumgehalt zu. Es stehe fest, daß diese Schiffstypen sehr wirksame Kampfschlffe seien und einen erheblichen Offensivwerl besäßen, besonders für eine Macht, die über gukverteilke Flottenstützpunkte in verschiedenen Teilen der Welt verfüge. Moderne Kreuzer mit sechszölligen Geschützen bildeten ja gegenwärtig den größten Teil der in der well vorhandenen Samps- schiffe. Demgegenüber bedeute die im Abkommen vorgesehene Beschränkung des Baues von 10 000 Tonnen-Kreuzern mit Geschützen von mehr als sechs Zoll Durchmesser eine Beschränkung gerade der Schlffstypen, die den Bedürfnissen Amerikas ent­sprächen. Außerdem würde ble Beschränkung dieses Kreuzerkyps die Offensivstärke des Staates enorm

gerüstet wie die größeren Tauchboote und könnte« mit fünfzölligen Geschützen bestückt werden. Amerika wäre gerne bereit, Tauchboote überhaupt abzuschaffen, wenn sie jedoch beibehalten werden sollen, so sollte der Bau in vernünftigen Grenzen bleiben. Die Vereinigten Staaten würden sich glück­lich schätzen, ihre Bemühungen zur Beschränkung der Flottenrüstungen fortzufetzen, aber sie könnten sich nicht dazu verstehen, Vorschlägen zuzustimmen, die Tür und Tor für einen uneingeschränkten Bau ge­wisser Schlffstypen von hohem Gefechtswert offen­ließen und lediglich solche Typen einer Beschrän­kung unterwürfen, die den besonderen amerikani­schen Bedürfnissen entsprächen. Die amerikanische

ng bey bayerisch-österreichischen Grenze, passierte nach Ueberfliegung von Neuötting punkt 11 Uhr die ....... ' ' flog in nordwestlicher Richtung gegen Neumarkt an der Rott weiter. Somit war

der Plan Wien zu überfliegen aufgegeben worden.

Die Umkehr desGrafen- Zeppelin" hat in Wien sehr enttäuscht. Es waren bereits alle Vorberei­tungen für einen festlichen Empfang getroffen. Der - Ravag war bereits Ler Wortlaut eines Grußes der Bundesregierung an das Luftschiff übermittelt wor-

Stefansturm eine Empfangsstation errichtet. Aus den öffentlichen Plätzen sah man große Menschen- B ansammlungen. Erst nach 12 Uhr wurde die Ab- É sage allgemein bekannt.

: Um 13.40 Uhr wurde der Luftriese über Augs-

- bürg gesichtet und flog in südwestlicher Richtung $ nach Friedrichshafen weiter. Dort erschien er um I 15.50 Uhr, von Süden kommend, in niedriger I Fahrt. Er überquerte den Landeplatz und entfernte sich in Richtung Konstanz nach dem See zu. Es war I beinahe windstill geworden, der Regen hatte fast ; ganz aufgehört und es begann, sich rasch aufzu- Hellen.

s Punkt 16.20 Uhr setzte Graf Zeppelin von Norden I über den Landungsplatz fliegend, zur Landung an. Quer vor der Südwestseite der Werft liegend, ; stand er einige Minuten unbeweglich, zwei Minuten E später fielen die Haltetaue, nachdem das Schiff rasch gesunken war. Um 16.25 Uhr war die Lan- dug glatt vollzogen. Das Schiff verwandte bei der : heutigen Fahrt erstmalig Blaugas, und zwar 1200 Kubikmeter.

; v. Miller und Reichslagspräsidenl Löbe über ihre Eindrücke.

sechs; Geschützen eingerichtet werden könne.

1927 habe England auf der Drelmächkekonferenz in Genf zwei Kreuzerklassen vorgeschlagen und zwar eine mit achtzölligen und eine mit sechszölll- gen Geschützen. Die Kreuzer der ersten Klaffe soll­ten in sehr beschränkter Zahl, die der zweiten Klaffe in großer Zahl zugelassen werden. Amerika mußte dies ablehne«, da es darin so gut wie keine Be­schränkung der letzteren Klaffe erblickte. Jetzt werde bietet Vorschlag in neuer noch unannehmbarerer Form wiederholt. Dieser Vorschlag benachteiligte Amerika und hebe den Grundsatz der Einschränkung des Baues von wichtigen Sampffchiffen vollkommen auf. Dasselbe gelte von der vorgeschlagenen Unter­scheidung zwischen 600-Tonnen-Tauchbooten unb Tauchbooten mit größerem Raumgehall. Untersee­boote von 600 Tonnen seien sehr wirksame Kampf- schiffe. Sie seien mit den gleichen Torpedos aus-

schränkte Tonnage und so viele Schiffstypen zulas­sen, den eigentlichen Zweck einer Abrüstungskonfe­renz vereitelten, und sie glaube daher, daß keinem nützlichen Zweck gedient fet, wenn sie den englisch- französischen Vorschlag als BdRs für eine Bespre­chung annehme. Sie habe nichts gegen irgendwelche zwischen iSroßdriiannien und Frank- " wie sie glaube, im Interesse ______ ________________ , kung liege, aber sie könne sich nicht damit einverstanden erklären, daß eine derartige Vereinbarung die Vereinigten Staaten binde. Amerika habe erustllch and konsequent für eine wirkliche Einschränkung der SerSstungen ge­arbeitet. Es fei auch immer noch bereit, an der Lö­sung dieser Frage weiter mitzuarbeiten. und ins­besondere auf die speziellen Wünsche Frankreichs, Italiens oder anderer Mächte insofern Rücksicht zu nehmen, als es etwa jedem Staat überlasten bleibe, innerhalb einer festzusetzenden Gesamttonnage bis zu einem gewissen Prozentsatz mehr von dieser als von jener Klaffe von Kriegsschiffen zu bauen. Amerika erwarte jedoch die gliche Rücksichtnahme für sich und bedauere, in dem vorliegenden engfifch- französif-chen Marineabkommen eine Nichtbeachtung vitaler amerikanischer Jntereffen und eine Rückkehr zum Wettrüsten erblicken zu müssen.

Die tvowe

Wenn man von dem ergebnislosen Aus­gang der Genfer Verhandlungen absieht, so ist das wichtigste außenpolitische Ereignis diese Woche Amerikas scharfer Protest gegenüber dem englisch-französischen Flottenabkommen. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat sich die Mühe genommen, ihre Stellungnahme zu den genannten Flottenabmachungen in zwei verschiedenen Noten niederzulegen, von denen die eine an die englische, die andere an die französische Regierung gerichtet worden ist, und die in London und Paris am Donnerstag überreicht wurden. Die Note an England hat für die Ablehnung des Versuches, das englisch- französische Kompromiß als Grundlage für neue Flottenrüstungsverhandlungen anzu- preisen, andere Gründe als die an die Adreste Frankreichs. In ihren Schlußfolgerungen aber sind die beiden Noten gleich, chre Stellung­nahme sowohl zu den Vereinbarungen selbst wie zu den mit ihren angeblich verfolgten Zwecken ist durchaus negativ, ja die Note ist schärfer ausgefallen, als man es in Parts und London erwarten tonnte. Präsident Coolidge kann sich rühmen, die größte diplomatische Tat der letzten Jahre vollbracht zu haben. Die Ver­einigten Staaten weigern sich rundwèg, auf der Basts des englisch-französischen Flotten­abkommens über die verhandeln. Sie nehmen für

Anspruch, ihre ei e Flottenaufrüstung mit größtem R . zu betreiben. Sie erklären das Flottenabkommen der europäischen West- mächte für abwegig, weil sie sich dadurch ifo« liert W en. Und

versichert, daß diese Prüfungen allen Er­wartungen entsprachen und sie teilweise ertraffen haben. Im ganzen hat

sogar . ,. , -

Graf Zeppelin" heute etwa 950 Klm. zurückgelegt. Die größte Höhe betrug 1450 Meter. Die Durch- schnittsgeschwinüigkeit entsprach der der.bisherigen Fahrten und war eher noch etwas besser.

Friedrichshafen, 28. Sept. Die heutig Fahrt desGraf Zeppelin" hat zwei wichtige Ergebnisse gezeitigt. Zum ersten Male hat das Schiff beweisen können, daß es kein S ch ön w e t t er s ch i f s ist.

gezeitigt. ______ können,, daß es . . . . .....

Es hatte mit starken Winden und Regen zu kämp­fen und hat sich dabei auch so glänzend bewährt, daß die Gäste kaum etwas von dem Unwetter merk­ten.Es war eine herrliche Fahrt, es war die schönste meines Lebens", sagte der greife Oskar v. Miller, und Reichstaxftipräsident Löbe schilderte die Fahrt dem Sonderberichterstatter des WTD. ebenso begeistert. Die Fahrt sei zuerst durch schönes Wetter, dann durch Regen und dann über dem Wolkenmeere vor sich gegangen. Der schönste Ein­druck aber war das Gefühl der absoluten Sicherheit, «'s noch größer sei als bei der Benutzung eines Fahrzeuges auf der Erde» weil man eben in diesem ttuftschlff überhaupt nichts von Erschütterungen °°er sonstigen störenden Bewegungen merkte.

Als zweites besonders wichtiges Ergebnis be­lachtet die Führung das ausgezeichnete Funktionieren des Blaugases, das heute Mm ersten Male ausprobiert worden ist. Diese Husung ist sehr gründlich vorgenommen worden.

Luftschiff ist etwa 2 bis 3 Stunden nur mit -o.augas gefahren, und zwar in allen fünf Maschi- dazu in den meisten Kombinattonen, die bei en verschiedenen Fahrgeschwindigkeiten und Mo- wvern vorkomme«. Don kübrender Sekte wird

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Me GÄhevhett auf der ZterGsbah«

Der Bericht des Untersuchungsausschusses.

Das Bert Tageblatt veröffentlicht einen Aus­zug aus dem Bericht des Unfetftichungs- ausfchuffes für die Reichsbahn. Die Zahl der (Entgleisungen ist danach von 356 in dem Jahre 1913 auf durchschnittlich 443 in den letzten Jahren gestiegen. Die Zahl der Zusammen- stoße hat sich von 308 auf 222 verringert. Dagegen sind die Unfälle infolge Ueber fah­re ns von Fuhrwerken von 183 auf 255 im Jahre gestiegen. Die Ursache aller Ent- gleisungen und Zusammenstöße zusam- mengenommen lagen im Jahre 1913 zu 4,5 Pro- zen inMängeln des Oberbaues", im Durchschnitt der Jahre 1925 bis 1928 zu 12,8 Prozent. Ebenso warenMängel an Fahrzeugen" für Entgleisungen und Zusammenstöße im Jahre 1913 in 11,4 pro. zent, im Durchschnitt der Jahre 1925 bis 1928 16 Prozent aller Unfälle die Ursache. Die falsche Handhabung des Dienstes hat in den letzten Jahren prozentual weniger Unglückssälle als vor dem Kriege herbeigesührk. Der Untersuchungsaus­schuß verlangt zunächst, daß die Personalbeanspru- Öl stets unter der Grenze bleibt, bei der der ch infolge Ermüdung feine Arbeit nicht mehr mit der nötigen Zuverlässigkeit und Sorgfalt ver­richten kann. 21/usbrücflich stellt der Ausschuß wei­terhin fest, daß das Personal im allgemeinen bis an die Grenze seiner Arbeitsfähigkeit beschäftigt ist. Bei mehreren Dienststellen sei allerdings die Bean­spruchung derart gewesen,daß teilweise eine Ent- laslung des Personals im Interesse der Betriebs­sicherheit geboten erscheint". Der Ausschuß verlangt daher eine Revision der Dienstdouervorschriftcn. Der Ausschuß stellt «fest, daß nach dein Kriege die Reichsbahnverwaltung bemüht war. den Oberbau ' wieder in guten Zustand zu bringen. Im Interesse der Betriebssicherheit fordert der Ausschuß eine a U-1

gemeine Aufnahme der neuzeitlichen G l e i s p f l e g e. Der Ausschuß ist der Meinung, daß die bisherigen Umbauquoten für den Ersatz überalteter Strecken nicht überall ausreichen. Es bestehe aber âch die Annahme, daß die auf rein mechanische Prüfung eingestellten Lieferungsbedin­gungen nicht mehr ausreichen, sondern durch eine bereits in Aussicht genommene metallurgische Prü­fung des Schienenstosses ergänzt werben müssen. Eine abschließende Regelung dieser Frage ist dring­lich." Der Ausschuß empfiehlt eine gründliche Prü­fung, ob die konstruktive Entwicklung von Lokomotiven und Wagen in einem richtigen Verhältnis zum Oberbau und zu der Gleiskonstruktion stehen. Für den in manchen Direktionsbezirken (Süddeutschlandj noch verhält­nismäßig großen Bestand an überalterten Wagen fei eine beschleunigte Aus - mufterung zu verlangen.. An den Sig­nalen wird ebenfalls k r it i k geübt Es wird eine Vereinheitlichung der Signalbilder gefordert. Der Ausschuß bringtmit allem Nachdruck zum Ausdruck", daß die Herstellung eines A b st e l l - b a h n h o f e s mit den dazu gehörigen Einrich­tungen in Münchenunter allen Umständen mit größter Beschleunigung gefordert werden muß". Die zahlreiä-en Kraflwagenunfälle auf den Wegübergängen haben den Aus­schuß zu der Feststellung veranlaßt, daß an vielen Uebergängen die unbedingt zu fordernde Uebersichtlichkeit zu wünschen übrig läßt, oder gar nicht vorhanden ist. Hier müsse in verstärk­tem Maße Abhilfe geschaffen werden. Der Aus- chfuß richtet an den Reichsverkehrsminister als oberstes Aussichtsorgan schließlich den Apell,die Umgestaltung und Vereinheitlichung der Fahr- dienskvorschriftcn entsprechend der neuen Bau- und Betriebsordnung im Benehmen mit der Rcichs- bahngefellschafk baldigst in die Hand zu nehmen und einheitliche Vorschriften anzustreben."

Aedevevdot

gesen sKttZerr anfsshsdsn

Berlin, 28. Sept. Das Redeverbot gegen Hitler ist, wie in der Sitzung des Hauptausschusses des Preußischen Landtages mitgeteilt wurde, soeben aufgehoben worden. Infolgedessen erübrigt sich die für Samstag in Aussicht genommsne Beratung der Interpellation der dtatiortalinamlüten.

ei ihrem

Sinn der mit der größten Reserve verfaßten Note Washingtons. Es ist eine nicht einmal sorgfältig verschleierte Kampfansage an Paris und London. Diese Kampfansage Amerikas erfolgt gerade in dem Augenblick, wo die Ner­vosität in England und Frankreich den höch­sten Grad erreicht hat. Selten herrschte eine ähnliche Unsicherheit im Lager der Entente wie jetzt. Es ist vor allen Dingen die englische öffentliche Meinung, die bis weit in die Kreise der Konservativen hinein, bereits vor dem Eintreffen der amerikaruschen Note, von den Abmachungen der englischen Regierung abge- rückt ist. Die sensationellen Erklärungen des stellvertretenden englischen Staatssekretärs des Auswärtigen, Lord Cufhandun, der ankün­digte, daß England im Falle eines amerikani­schen Protestes das Flottenabkommen fallen lassen werde, waren nichts anderes als ein Symptom für die Ratlosigkeit, die sich der eng« tischen Regierungskrise bemächtigt hatte. Und da der Druck auf die englische Regierung in den letzten Tagen noch größer rourbe, so hat die Krisensttmmung in London noch mehr zu­genommen.

Frankreich verfolgte mit Besorgnis dieses Abflauen des englischen Freundschaftswillens und es fehlte französifcherfeits nicht an Ver­suchen, Englandfestzulegen" und an das ge­schlossene Abkommen zu binden. Schließlich aber sah man in Paris doch ein, daß es nicht ratsam und zweckrnähig sei, einen Druck oder auch nur eine fühlbare Abkühlung Amerika- aufkommen zu lassen.England und Frank­reich sind die S-chuldner Amerikas, und Schuldner sind die Sklaven ihrer Gläubiger", klagt bitter die PariserLibertè". Aber es ist nun einmal so, und man muß sich so oder an­ders damit abfinden. Immer deutlicher und deutlicher zeigte sich in Paris die Resignation. Der von Poincarè inspirierteMatin" gab am Vortage des Eintreffens der amerikanischen Note zu verstehen, daß das französische Außen­ministerium sich bereits mit dem Gedanken abgefunden habe, das englisch-französische Flottenabkommen fallen zu lassen, falls es auf den Widerstand Amerikas stoßen sollte. Selbst­verständlich fehlt es nicht in Paris an Aus- drücken des Unmuts. Die bereits zitierteLl- bertè" schreibt darüber:Es ist in den Anna- len der Diplomatie neu, daß souveräne Staa­ten ein von ihnen geplantes Abkommen auf« geben sollen, weil es den Auffaffungen eines dritten Staates nicht entspricht. Warum mischen sich die Vereinigten Staaten in die Angelegenheiten Europas, denen fernzubleiben sonst ihr Prinzip ist?" DieLiberte" ist ein Rechtsblatt, das in der Opposition zu der fran« zösischen Regierung steht. Sicherlich wird die Meinung derLibertè" in den offiziellen

Die heutâse Kummer umfaßt 26 Sette«