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M. 228
Dolmerstas den
27, September
^auau Stadt und Land
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Das netteste
— „Graf Zeppelin" machte gestern eine fast vierstündige Werkslällenfahrl über dem Bodensee, die sehr befriedigend verlief.
— 3m Völkerbuadsral wurde die Angelegen.
Heil der Schließung von deutschen Wiaderheiks- schnlen in Ostoberschlesien vertagt. Die neunte Tagung des Völkerbundes wurde gestern geschloffen.
— Zn einem Fort von Melitta (Spanisch-
I Marokko, flog ein Munitionslager in die Cuff. Bis letzt werden 57 Tote gezählt.
— Das schwedische Kabinett hat seine Demission eingereicht. Es soll ein Ministerium auf breiter
; bürgerlicher Grundlage gebildet werden.
— Der italienische Minist errat hat beschlossen,
> die Junggesellen steuer zu verdoppeln.
Montas -Kablnsttsptzuns
Nachdem gestern nachmittag die Genser völker- ' bvndsiaoung geschlossen worden ist und die Abreise der deutschen Delegation für Freitag bevorsteht, I wird der Anfang der nächsten Woche die bereits 1 «»gekündigten ersten Erörterungen über die Fort- 2 setzung der in Genf eingeleiteten Politik zur Deiter- K Behandlung der Reparations- und der Räumung s- I frage bringen. Für Montag ist laut „Lokal-Anz." I eine Sabinettssihung in Aussicht genommen, der am Dienstag die Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder und am Mittwoch die Sitzung des
Ml der Frage befassen, wie di e weiteren diplomatischen Schritte durchgeführt werden sollen. Nach der in Regierung-kreisen herrschen- K deuAuffaffung erscheine es wichtig, daß in dieser k Angelegenheit mit alter erforderlichen ■ Vorsicht und Zurückhaltung vorge- i sangen wird. Dies erklärt sich vor allem aus I der von allen Seifen anerkannten Notwendicsteit, btt Stellung der Bereinigten Staaten von Nord- I amerita zum Reparationsproblem von Anfang an in die politische Rechnung einzustellen.
volSsparttel und Stahlhelm
Die Nationalliberale Sorrefpon- een5 schreibt zu der Fürsienwalder Botschaft des Stahlhelm u. a.: Die von dem brandenburgischen Stahlhelm in Fürstenwalde verkündete Botschaft I des Hasses hat, wie in den weitesten Kreisen I des deutschen Volkes, auch innerhalb der Deutschen [ Bolt spatfei nicht nur lebhaftes Befremden, sondern gerade dort schärfsten Widerspruch aus- I gelost, wo man sich dem Stahlhelm aus anderen ■ Gründen besonders nahe sühlte. Diese Stimmung I aus Parteikreisen des Landes ist selbstverständlich auch der Parteileitung zur Kenntnis gebracht wor- I den. IL a. haben Vorstand und Vertreterversamm- I lang der Deutschen Volkspartei im Wahlkreise Frank- I fürs Oder-Grenzmark und Poseu-Westpreutzen sich I auf Antrag einer großen Zahl von Ortsgruppen I mit der neueren politischen Entwicklung des Stahl-
I Helms beschäftigt und nach eingehender Erörterung I eine Entschließung angenommen, in der die einüber eine „Botschaft"
mutige Entrüstung des Hafies zum Ausdruck kc
Nachdem nun auch noch die Stahlhelmlage in I Norderney, Stolp und Prenzlau sich die Fürsten- è walder Haßboischast mehr oder weniger zu eigen l gemacht haben, nachdem der Bundesvorstand des i Stahlhelms es unterlassen hat, irgendwie von dieser I Botschaft des Hasses abzurücken, nachdem im Gegenteil erneut am Montag abend auf einer gemeinsamen Tagung des Stahlhelms und der Deutsch- I nationalen Volpspartei unterstrichen worden ist, hat I die Entwicklung innerhalb des Stahlhelms eine ; Lichtung genommen, die die Deutsche Bottspartei I zu einer Wetterprüfung ihres verh âlt-
i nisfes zum Stahlhelm zwingt. Diese Prü- f>Mg wird auf Antrag aus verschiedenen Teilen des Reiches bereits auf der nächsten Tagung des Zen- tralvorfiandes der Deutschen Volkspartei erfolgen. Dreiten. So ist auch aus diesem Grunde die Neue-
SiHttttS des #c6ti& StaatsvateS
Bertin, 26. Sept. Der Preußische Staatsrat, der am Mittwoch zu einem neuen Tagungsabschnitt p zusammentrat, nahm u. a. eine allgemeine Der- l Tagung des Julirzminist-rs über die Zuständigkeit für die Aenderung von Familiennamen zur Kennt- I "'s. Danach entscheidet der LandgerichtsprSsident, I Ms es sich um die Verdeutschung ausländischer I -mmen oder um die Ermächtigung unehelicher W ^'nder zur Führung des Familiennamens des Er- ars oder des verstorbenen Ehemannes der er ober des Pflegevaters oder der Pflege- I ^H^r handelt. Ueber Beschwerden gegen die Ab-
MunttionsespSofLon in SpanUch-MavoWo
Bisher SS Tote, 200 verletzte
Melilla, 26. Sept Ein in dem Fort Cabrerizas uniergebrachles Munitionslager flog in die Luft. hierbei wurden etwa 40 Personen getötet und 200 verwundet.
Das Fort Labrerizas Dajas lag bei der allen Grenze des Melilla-Gebietes und war jetzt von zahlreichen bescheidenen Häusern umgeben. 20 000 Kilogramm schwarzes Pulver waren in dem Fort gelagert. Das neue viertel ist fast ganz zerstört worden. Man vermutet, daß weitere Todesopfer noch unter den Trümmern liegen.
Ssvwüfötttts
Melitta, 26. Sept. Ueber die Explosion im Fort von Melilla werden folgende Einzelheiten gemeldet: Die Explosion ereignete sich um Mitternacht, als die aus den Theatern kommende Menge die Straßen füllte. Einem starken Feuerschein am Himmel folgte eine furchtbare Detonation, worauf ein Hagel von Trümmern, Glasscherben, umstürzenden Schornsteinen und ein Regen von Sand auf die entsetzten Menschen niederging, die, in der Mei nung, daß sich ein Erdbeben ereigne, aus allen Richtungen auseinanderftoben. Auf die Nachricht, daß im Fort Cabrerizas eine Pülverexplosion stattgesunden habe, begaben sich die Militär- und Aivil- behörden sowie eine immer grösser werdende Menschenmenge dorthin. Ihren Augen bot sich ein des schreckens. Schreie ertönten aus den ein- gestürzken und unter den Trümmern des Forts halb begrabenen Baracken. Von dem Fort war nur noch ein riesiger Trichter übrig, dessen obere mit Steinblöcken und Schutt bedeckte Ränder den Platz des ehemaligen Forts bezeichneten. Bei Fackel- und Laternenbeleuchtung machte man sich an die Bergung der Verletzten und Toten. Trotz der sehr 'chweren Rettungsarbeiten waren sämtliche Opfer nach einigen Stunden aus den Trümmern geborgen
Die letzte Sitzung des Dötteedundseats
Uebee die GchUeßttttg dev detttirhe« Mkudedbettsichure« in pole« soll Lalondev entsrheioerr
Genf, 26. Seps. Der Bölferbunbraf trat heute nachmittag zu der letzten Sitzung zusammen. Der Rat billigte eine Reihe von Berichten über die von der Bölkerbundverfamm- lullg angenommenen Lntfchlietzuageu. Die ein zige politische Frage, die auf der Tagesordnung stand, war eine Beschwerde des Deutschen Dolksbundes über die Schließung von sechs Mivderheitsfchllleo in Osioberfchlefien.
Der an Stelle des aus dem Rat ausgeschisdensn Vertreters Kolumbiens zum Berichterstatter über Minderhsitsfragen neu bestimmte Japaner Ada'chi erklärte, es sei "ihm nicht möglich gewesen, sich über den sachverhalr, welcher der Bsschwerde ^»gründe liege, in der Kürze der Zeit zu unterrichten, und beantragte die Angelegenheit bis zur nächsten Tagung im Dezember zu verschieben. Dagegen erhob Herr v. Schubert Einspruch. Er bat den Rar zu entscheiden, daß die in Frage kommenden Schulen vorläufig aufrecht erhallen und erst dann geschloffen würden, wenn der Rat nach Prüfung des Sachverhalts zu der Auffassung gekommen sei, daß die Schließung zu Recht erfolge. Herr v. Schubert legte auseinander, daß in dem deutschen Teil Oberschlesiens eine stattliche Anzahl von Schulen, die er mit Namen nannte, gegenwävtig noch erhalten werde, obwohl die Schülerzahl unter der im Genfer Abkommen vorgesehenen Minüestzahl liege.
Der polnische Vertreter Sokal bezeichnete die Klagen des Deutschen Volksbundes für Oberfchlosien als eine schlecht« Angewohnheit, welcher der Rat nicht Vorschub leisten dürfe.
Aschadi wiederholte seinen Vorschlag und erklärte, er habe auch an die Schulnöte der Kinder gedacht, aber es fei ihm aus Erwägungen juristi- sther Aufrichtigkeit nicht möglich, jetzt schon eine Entscheidung zu treffen.
Der Vorsitzende Procops (Finnland) schickte sich bereits an, den Dertagungsantrag, der nur eine Mehrheit des Rats erfordert, zur Abstimmung zu stellen, als der Kanadier Danburanb um das Wort bat.
Dandurand sprach sein Erstaunen darüber aus, daß Minderheitenfchuien bereits geschlossen werden könnten, wenn weniger als 40 Schüler zum Unterricht angemeldet seien. In Kanada, wo er selber zur französischen Minderheit gehöre, bestimme die Verfassung, daß schon für zehn Kinder Minder- heüenidiuUn «rrichtet werden müssen. Er bitte, doch
3 4 Leichen wurden in die Leichenhalle gebracht und etwa 200 Verletzte in die Hospitäler übergeführt. Die Zahl der der Katastrophe Entkommenen ist noch unbekannt, denn von Schrecken ergriffen hatten diese sich nach allen Richtungen zerstreut. Einige begannen gegen_ niet Uhr früh an den Ort der Katastrophe zurückzukehren, wobei sich herzzerreißende Szenen abspielten. Ganze FamilieMsind ums Leben gekommen, von anderen ist nur ein einziges Mitglied übrig geblieben. Nicht wett von dem Explosionstrichter "wurden die Leichen einer Frau und ihrer beiden kleinen Kinder gefunden.
Madrid, 27. Sept. Nach amtlichen Meldungen über die Explosionskatastrophe in Melilla befinden sich noch unter den Verletzten 8 Soldaten, und zwar 7 Europäer und ein Eingeborener, die verhältnismäßig leicht verletzt sind. Die neue Katastrophe hat in Melilla, das noch von Trauer über btn Theaterbrand erfüllt ist, einen niederschmetternden Ein- durch gemacht. Der Oberkommissar von Melilla, San Iurje, erklärt zur Katastrophe, das Unglück ist sicherlich auf Unvorsichtigkeit zurück- zuführen, denn schwarzes Pulver explodiert nicht von selbst sondern nur durch äußere Einwirkung.
Madrid, 27. Sepf. In den Hospitälern von Madrid befinden sich 245 bei der Explosion verletzte in Behandlung. Die Zahl der Toten beträgt 57. Verschiedene Gebäude sind beschädigt worden. — General San Zurso ist nach Melitta abgereist. Ein großer Teil der Opfer ist durch die riesigen Stein- blöcke getötet worden .Es wird noch gemeldet, daß nicht nur Schwarzpulver. sondern auch rauchloses Pulver an der Unfall- stelle gelagert hat.
einmal zu prüfen, ob sich nicht ein Mittel finden lasse, den Kindern zu ihrem Recht zu helfen.
Das Eingreifen des Kanadiers, das in bie Atmosphäre des Rats gewissermaßen die Stimme dre Menschlichkeit hinein trug, wirkte so überraschend und peiniich, daß der Vorsitzende sich nicht anders zu helfen wußte, als die Sitzung zu unterbrechen. Die Pause wurde dazu benutzt, um ein Kompromiß zustande zu bringen.
Der Vorsitzende und besonders Adaschi schlugen dem Rat nor, daß die Angelegenheit unter Hinzuziehung von zwei oder drei Juristen geprüft wer
den des
solle, zugleich aber jetzt schon der Vorsitzende Gemischten Ausschusses für Öberschlssisn, Calon-
det, ausgesordert werden solle, in der Angelegenheit eine Entscheidung zu treffen.
Sokal erklärte sich mit diesem Vorschlag, wie vorher Dereinbart, einverstanden.
Herr o. Schubert bemerkte, daß er persönlich bedauere, für den ursprünglichen Vorschlag, der auf eine vorläufige Entscheidung hinauslief, bei dem polnischen Vertreter keine Zustimmung gefunden zu haben. Er unterstrich die große menschliche und politische Bedeutung der Lage der Minderheiten, für die sicherlich auch die polnische Regierung Verständnis habe, und erklärte schließlich, auch er werde dem Vorschlag des Vorsitzenden und des Japaners z u st i m m e n.
Diese kurze Bemerkung veranlaßte Sokal zu antworten, daß es völlig unnütz, ja unerwünscht sei, wenn der Vertreter Deutschlands sich erlaube, sich um das Schicksal polnischer Staatsbürger Sorge zu machen. Die polnische Regierung sei gewohnt, Verträge zu halten, und sie habe niemand nötig, der sie darüber belehre, wie sie sich zu ihren Staatsbürgern, ob polnischer oder irgendeiner andern Sprachzuge- Hörigkeit, zu verhalten habe.
, - (Fortsetzung auf Seite 24
Genfer Bilan;
Die diesjährige Vollversammlung des Döl« kerbundes in Genf ist zu Ende. Sie hat über drei Wochen in Anspruch genommen. Ueber 50 Nationen, in Kommissionen und Untertom* Missionen verteilt, haben über 30 Fragen zu erledigen gehabt, von' denen aber nur wenige erwähnenswert sind. Will man die Ergebnisse der Tagung kurz zusammenfassen, so tan» man im allgemeinen folgendes sagen: Der; Völkerbund stand diesmal im Zeichen des rapt* den Sinkens seines Ansehens und seiner Auto« rität. Und wenn manche Debatte bedeutn ngsz voll und erregend waren, wie etwa die Red« Briands oder die letzte Rede Bernstorffs und Apponyis. fo liegt über sämllichen Beschlüssen des Völkerbundes Herbststimmung, die Stil» mung des Untergangs und Verfalls.
Ein entscheidender Zug charakterisiert dies diesjährige 9. Vollversammlung: das hemmungslose Zugeständnis, daß überall in den Well die Geheimdiplomatie nach wie vor ent^ scheidend ist Eine der Hauptaufgaben dess Völkerbundes sollte doch gewesen sein, eing neue diplomatische Epoche ernzuleiten. Der ganze Sinn der Völkerbundsinstitution in Gent besteht doch gerade darin, daß man ein- für allemal mit den allen Mähoden breche» wollte, die zu dem Weltkrieg geführt Habens Es zeigt sich heute mit restloser Deutlichkeit daß die Nachkriegsdiplomatie dieselbe Lim« fortführt, auf die sie vor dem Kriege eingestelq war. Diese Tatsache ist entscheidend für das Schicksal des Völkerbundes. Daraus erklärt sich auch, warum der Völkerbund zum Spielzeug in den Hände« einiger machtvoller Regierungen werden mußte und weshalb ferne allgemeinen Aufgaben durch die egoistischen Tendenzen gewisser Großmächte völlig in den Hintergrund getrieben wurden. Diese Feststellung ist im Grunde nichts Neues: man wußte bereits seit Jahren, daß in Genf nichts geschehen kann, das dem französischen oder englischen Vertreter unlieb wäre. Neues liegt nur darin« daß diese Tatsache selbst von den interessierten Herren offen zugegeben wird und das bedeutet eine Faust- und Machtpolitik, die mit der Gleichberechtigung der Völker nichts, aber auch garnichts zu tun hat. Und das ist die letzte Ursache der tiefgreifenden, ja vielleicht heil- losen Krankheit, an der der Völkerbund Heull leidet.
Diese Krankheit hat sich schon bei dem ersten großen Problem gezeigt, mit der sich die diesjährige Vollversammlung zu befassen hatte: mit den Ratswahlen. Der Völkbrbundsrat besteht bekannllich aus ständigen u. nichtständigen Mitgliedern. Die nichtständigen Mllglieder müssen alljährlich ihren Platz im Rat anderen Völkerbundsmitgliedern räumen. An Anwärtern fehlt es dabei selbstverständlich nicht. Aber es hat sich herausgestellt, daß manche von diesen Anwärtern mehr Chancen haben und, was viel schlimmer ist, mehr Recht für sich beanspruchen im Rate zu sitzen als die anderen. Entscheidend dabei war und ist vor allen Dingen das Interesse, das die Großmächte an der Wahl dieses oder jenes nichtsständigen Ratsmitgkiedes haben. Und so hat sich in Genf allmählich der Brauch eingebürgert, Abmachungen hinter den Kulissen zu treffen und der Vollversammlung aufzuzwingen, die praktisch zum Durchbrechen des Systems der nichtständigen Ratsmitglieder führten.
Man ist nämlich baju übergegangen, die sogenannte Wiederwählbarkeitsklausel einzusüh- ren, die praktisch dazu führt, daß manche nichtsständigen Ratsmitglieder ihre Plätze ständig beibehalten. So ist es auch diesmal mit Spanien geschehen. Spanien hat für sich das Recht und die Ehre beansprucht, die führende iberische Nation zu sein: sämtliche spanisch sprechenden Länder, vor allem die Staaten Südamerikas, sollen in Spanien ihren Repräsentanten sehen. Run, gerade Deutschland hat keinen Grund, Spanien gegenüber feindliche Gefühle zu empfinden. Aber es ist doch auffallend, mit welcher Leichtigkeit gleichzeitig mit der Annahme Spaniens in den Rat» eine anderes Land ausgestoßen wurde, das sicherlict die größte Bevölkerung des Erdballs aufweist Ehina. Der einzige Grund für die ständige Vernachlässigung Chinas im Völkerbund liegt in den machtpolitischen Verhältnissen, die heute in Genf entscheidend sind. Und gerade in bei
Die heutige Kummer umfaHt 12 «etten