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Mottau (Stobt und Land

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Monat RM. 1.-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitags, Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg., im Reklameteil von 68 mm Breite 25 R.pfg. / Offertengebühr 50 R-Pfg.

M. 222

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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrift u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet./Geschäftsstelle: Hammerstr. S / Fernspr. 3956, 3957,3958

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Das fetteste

Graf Zeppelin" ist heule morgen zu seiner zweiten Fahrt aufgestiegen. Er flog zunächst in die Schweiz und machte dann die Süddeulschlandfahrt.

In Genf geht die Sabotage in der Abrüstungs­frage weiter. Ein Antrag Graf Bernstorffs, einen Termin für die vorbereitende Abrüstungskonferenz festzulegen, wurde abgelehnt.

Außenminister Briand ist gestern abend, aus

Genf kommend, in Paris eingetroffen.

; In der Berliner Skadkbank wurden Unter­schlagungen in Höhe von 135 000 Mark festgestellt.

Mudsubuvs au die Metib

Breslau, 19. Sept. Begeisterte Hochrufe empfin­gen den Reichspräsidenten, als er pünktlich um 8 Uhr Früh das Landeshaus, in dem er Wohnung ge­nommen hatte, verließ. Usberall in den Straßen wurde der Reichspräsident durch stürmische Zurufe und TücheNschwenken begrüßt. Am Portal der Uni­versität empfingen ihn Rektor und Senat. Der der­zeitige Rektor der Unievrsität, Geheimrat Professor Wollenberg, feierte den Reichspräsidenten als Ehrendoktor der Breslauer Friedrilh-Wilhelm- Unrversität. Sichtlich bewegt und tief gerührt dankte der Reichspräsident für den herzlichen Empfang. Dann wandte er sich an die Jugend mit folgenden Worten:

Jugend, ich baue auf such! Bleibt treu, dann wird unser Vaterland wieder zu Ehren kommen!"

Der Reichspräsident wurde dann durch den Senat 311 feinem Wagen geleitet. Die Fahrt ging zunächst .MM Domviertel zu. Ein deionderes Gepräge erzielt %ic Begrüßung durch das Geläut sämtlicher Kirchen- glrcken, während in den Lüften Flugzeuge kreisten. Die Uferstraße entlang ging die Fahrt zur Tech­nischen Hochschule. Dem Zuge hatten sich inzwischen die Chargierten der Universität angsschlossen. Auf die Begrüßungsworte des Rektors in der Aula ant­wortete Hindenburg, indem er sich an die aka­demische Jugend wandte und sie erneut ausforderte, dem Vaterlands die Treue zu halten. Nur so können wir wieder hochkommen, und das müssen wir, schloß er feine wieder von brausendem Beifall aufgenom­menen Worte. Die Fahrt ging weiter über Scheit- nig zum Messchos. Im Messshof und in der Jahr. Hunderthalle wurden durch Schulkinder Gesänge und Volkstänze dargeboten. In der Jahrhunderthalle ergriff der Reichspräsident das Wort zu folgender Ansprache:

Meine lieben Kinder! Ihr habt mir durch die schönen Lieder, mit denen ihr mich hier begrüßt habt, eine große Freude bereitet, für die ich euch allen herzlich danke. Tragt die Worte, die ihr in diesen Liedern fanget, nicht nur auf den Lippen, sondern bewahrt sie auch immer in eurem Herzen und pflegt die Liebe zu unserer Heimat und zu unserem großen deutschen Vaterlands. Und wenn ihr einst als erwachsene Menschen ins Leben tretet, so helft die Einigkeit in unserem Volke zu erhalten und unserem lieben Vaterlands eine neue, bessere Zukunft zu bereiten. Habt nochmals vielen Dank, und möge es euch allen im Leben immer recht gut gehen."

Bon hier ging die Fahrt im Auto nach dem Rathauise. Oberbürgermeister Dr. Wagner geleitete den Reichspräsidenten in den altehrwürdigen Rem­ter des Rathauses, wo sich der Festakt abspielte, der von Gesangsvorträgen umrahmt wurde.

Auf eine Ansprache des Oberbürgermeisters Dr. Wagner im Remter des Rathauses entgegnete der Reichspräsident mit Worten des Dankes für die herzliche Begrüßung und gab der Freude Ausdruck, in Breslau zu weilen, dem er als Ehrenbürger sich zugehörig fühle. Dann führte der Reichspräsident

u. a. aus:

Das unglückliche Kriegsende, die im Versailler Vertrag uns auserlegte Abtretung des Grenzlandes im Osten und die durch den Genfer Spruch erfolgte willkürliche Abtretung des wichtigen oberschlesischen Industriegebietes haben Breslau eines großen Tei­les seines Hinterlandes beraubt und ihm die Grund­lage seiner «wirtschaftlichen Bedeutung stark ge­schmälert. Darüber hinaus haben die staatlichen Neubildungen im Osten, die Verschiebung der ver- kchrsgeographischen Lage Schlesiens und die Schwie. rigkeiten der Ausgleichung gegenseitiger wirtschaft­licher Interessen zwischen Deutschland und seinen östlichen Nachbarn dem wirtschaftlichen Neuausbau schwere Hindernisse entgegengestellt. Ich habe aber mit Befriedigung aus Ihren Worten, Herr Ober­bürgermeister, entnommen, daß die Stadtverwal- tung mit besten Kräften und zäher Ausdauer daran arbeitet, die Schäden der Nachkriegszeit zu heilen und der Betätigung'der wirtschaftlichen Kräfte neue c^ge zu fuchen. Ich bin überzeugt, daß die Stadt, uie so oft in der preußischen Geschichte eine Rolle gespielt' hat, ihre Aufgabe als Mittlerin auf allen Gebieten des Handels und der Kultur zwischen Deutschland und seinen östlichen Nachbarn, zwischen

Westen und dem Osten Europas, zu dienen, noch mcht erschöpft hat."

preußischen Geschichte eine Rolle Aufgabe als Mittlerin auf allen

Äldkase an die Advüftuus

Ovaf Nevttftovff fosbeet dis AbsMungsSonfsvenz küe 1626 AbwinSe« des GnsEnderrs - Ossinse AsrMchte«

Genf, 19. Sept 3m Dritten Ausschuß der Völkerbundversammlung (Abrüstung) wurde heute weiter über die Fortführung der Arbeiten des Vorbereitungsausschusses und die Möglichkeit, eine Konferenz einzuberufen, verhandelt. Graf Bernstorff legte im Namen der deutschen Abordnung einen Enkschlieszungsentwurf vor, der als Gegenstück zu dem gestern von Paul Boncour eingebrachten Text anzu sehen ist. Die Debatte zeigte, daß mit Aus­nahme zweier skandinavischer Staaten kein anderes in der Abrüstungskommission ver­tretenes Land die Neigung bekundet, sich zu binden und auf ein Datum der endgültigen Abrüstungskonferenz fesizulegen.

Die Entschließung des Grafen Bernstorff lautet:

Die Völkerbnndversammlung erklärt, daß die gegenwärtigen Sicherheitsverhältnisse, wie sie durch den Völkerbundpakt, durch die Rüskungs- verminderungen aus den Friedensverträgen, ferner durch die Locarno-Verträge und den Pakt von Paris, dessen Inkrafttreten bald er­hofft werden kann, gegeben sind, schon jetzt erlau­ben, eine erste Etappe zu erreichen, in der eine erste Abrüstungskonvention ausgestellt wird, die die Beschränkung und Herabsetzung der Rüstungen zum Ziele hat und geeignet wäre, das gegenwärtige Mißverhältnis der Rüstungen fühlbar zu vermindern. Die Bundesversammlung ist der Meinung, daß die Arbeiten des Vorbereitenden Abrüstungsausschusses sowie auch die des Aus­schusses für Schiedsgerichtsbarkeit und Sicherheit so fortgesetzt werden müssen, daß sie bei sväteren Etappen die progressive Herabsetzung der Rüstun­gen erleichtern.

In diesen Zusammenhängen erinnert die Bun- desversammlung daran, daß die Regierungen, die über die bestehenden Sicherheiksgarankien hinaus und neben jenen, die durch die erste allgemeine

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Ausschusses für Schiedsgerichtsbarkeit und Sicher­heit über neue Mittel verfügen, die sie zur Durch­führung bringen können.

In Erwägung, daß alle technischen Fragen, die die Beschränkung und Herabsetzung der Rüstungen betreffen, vom vorbereitenden Abrüstungsausschuß gründlich geprüft wurden, und daß eine Verständi­gung bis heute wegen Meinungsverschiedenheiten von vorwiegend politischem Charakter nicht erreicht werden konnte, fordert die Bundesversammlung den Rat auf, einen dringenden Appell an die Regierungen zu richten, damit jene, zwi­schen denen solche Meinungsverschiedenheiten noch bestehen, unverzüglich in den Geist größter Ver­söhnlichkeit und internationaler Solidarität gemein­same Lösungen suchen, die eine möglichst vollstän­dige Verständigung zu erleichtern geeignet wären, und ist der Meinung, daß die Konferenz für Be­schränkung und Herabsetzung der Rüstungen, die trotzdem noch offenbleibenden Fragen entscheiden soll, und bittet den Rat, das Datum dieser Konfe­renz. die im Betlauf des Jahres 1929 zu- fammenlreten soll, festzusehen, wobei dem Präsi- deuten des Vorbereitenden Abrüstungsausschusses die Entscheidung über die rechtzeitige Einberufung dieses Ausschusses zur Aufstellung des Programms dieser Konferenz überlassen bleibt.

In einer wenig freundlichen Form und deut­lich von oben herab bemängelte Lord C u s h e n- d u n, daß nunmehr der Ausschuß zwei Entschlie­ßungen vorliegen habe, eine von Paul-Boncour und eine von Graf Bernstorff. Er empfahl, zu­nächst über die Entschließung Paul-Bon- c o u r s zu beraten und zu versuchen, darüber zu einer Uebereinstimmung zu kommen. Nachher könne man dann noch sehen, was mit der Entschlie­ßung Bernstorffs anzufangan sei. Gegen diese Un­freundlichkeiten wandten die Vertreter Sch w e - de ns und Norwegens ein, daß es doch Auf­gabe des Ausschusses sei, die verschiedenen Meinun­gen kennenzulernen und miteinander zu versöhnen, und daß sich ein nützliches Ergebnis leichter zu­stande bringen lasse, wenn man von vornherein bei der Auseinandersetzung in formulierter Form die verschiedenen Gesichtspunkte zur Verfügung habe. Sowohl der Norweger als guch der Schwede bekannten, daß sie in vielen Punkten mit der Ent­

schließung Bernstorffs übereinstimmten. Benesch dagegen wünschte, unterstützt vom Vorsitzenden, daß man zunächst die Entschließung Paul-Boncours be-

ung Paul-Boncours be­

handle.

e man sich darauf, die beiden

Schließlich einigt« Texte in der übliche

ien Weise einem Redaktionsaus-

schuh zu übermitteln, in dem versucht werden soll, eine gemeinsame Form zu finden.

RüMehV eZiVsssmanns am 1 Kovembev

Berlin, 19. Sept. Wie verlautet, beabsichtigt der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann, vorbehaltlich des Spruchs seiner Aerzte, Ende Ok­tober seinen Urlaub zu beendigen und am 1. No­vember seine Amtsgeschäfte wieder zu übernehmen.

NÄLkSVNs ÄniVaK ZN âu§

Der Antrag der bayerischen Regierung, die Mi­nisterpräsidenten der Länder zu einer gemeinsamen

Bemerkenswert war im Lauf der Aussprache, daß der Japaner offenbar aus einem Gefühl der Verärgerung gegen Lord Cufhenduns gestriges eigenmächtiges Auftreten in her Frage Rüstungs­beschränkung zur See den gestrigen Vorschlag des Vorsitzenden des Abrüstungsauslchusses, die fünf Seemächte möchten zu einer Vertreter- besprechung in Paris zusqmmenkammen, glücklich fand und versicherte, daß er sich von einer solchen Aussprache die Begleichung mancher Schwierigkeiten verspreche.

Der Pole Sokal, dem offenbar daran liegt, den Ruf Polens als des reaktionärsten und klein­lichsten Gegners jedes Versuchs, einer Abrüstungs­konferenz auch nur um einen Schritt nâherzukom- men, immer wieder zu bekräftigen, bemän­gelte, daß weder in der Entschließung Paul-Bon- cours noch in der des Grafen Bernstorffs der Zu­sammenhang zwischen Sicherheit und Abrüstung hinreichend gekennzeichnet sei. Es sei unmöglich, auch nur den ersten Schritt zurückzulegen, über­haupt eine Konferenz einzuberufen, solange nicht die Vertragsentwürfe, die der Sicherheitsausschuß mxsgeaxb eitet sciem Mt andern Worten: Solange Polen nicht all die «i- cherheits- und Nichiangriffsverträge, die es wüncht, im besonderen nicht einechtes" Ostlocarno, hat, wird man in Warschau einem Gssamtabkom- men über die Begrenzung der Rüstungen, selbst wenn es sich nur darauf beschränkt, die gegenwär­tigen Rüstungsverhältnisse als Höchstgrenze zu be­zeichnen, nicht 'beitreten.

Der Verlauf der heutigen Auseinandersetzung zeigt noch deutlicher und noch kläglicher als die Er­örterungen der letzten Tage, wohin die Abrüstungs- bemühungen im Rahmen des Völkerbundes mitt­lerweile gekommen sind: das Aeußerfte, was erreicht werden könnte, wäre ein Gefamtüberein- kommsn, in dem die Rüstungsver h ä l t - nisse, wie sie gegenwärtig sind, gut - geheißen und als Höchstgrenze bestimmt wür­den; selbst einem solchen Abkommen, das nicht ein­mal den Namen eines Abrüstungsabkommens füh­ren könnte, würde eine Reihe von Staaten nicht beitreten. Die Schwierigkeiten, die bestehen, sind im Rahmen des Völkerbundes nicht mehr zu begleichen. Der Dritte Aus­schuß der Völkerbundsversammlung und, feiner Aufforderung folgend, der Völkerbund selber, wird in diesem Jahr in aller Form die Staaten auffor­dern, nun nicht mehr innerhalb des Völkerbundes nach Verständigung zu suchen, sondern außerhalb des Völkerbundes. Deutlicher läßt sich die Ohnmacht des Völkerbundes, das Fehlen jeglichen autorita­tiven Einflusses der Genfer Einrichtung als Orga­nisation auf die Mächte, die im Besitz der schweren Rüstungen sind, öffentlich nicht kennzeichnen. D i e Konferenz wird im besten Fall für das Jahr 1930 einberufen werden. Wenn in der deutschen Entschließung das Jahr 1929 und über­haupt ein fester Zeitpunkt gefordert ist, so ist das

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eine bloße Geste, von der man sich selbstverständlich auch in der deutschen Abordnung nicht versprechen kann, daß der Ausschuß sie sich zu eigen und draußen sonderlich Eindruck machen würde.

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Washington, 20. Sept. Zu den Genfer Meldungen, daß beabsichtigt sei, in Paris eine ge- heiine Vorkonferenz zur Besprechung der Ab­rüstungsfrage abzuhalten, wurde im Staatsdepar­tement erklärt, eine Stellungnahme der amerikani­schen Regierung fei nicht möglich, da diese keine Ein- ladung zu der geplanten Konferenz erhalten habe. Schon jetzt aber könne erklärt werden, daß die Re­gierung der Vereinigten Staaten grundsätzlich gegen geheime diplomatische Konferenzen zwischen irgend­welchen Mächten sei.

Besprechung der Genfer Verhandlungen nach Ber­lin einzuladen, ist gestern nachmittag in der Reichskanzlei eingegangen. Ein Termin für diese Konferenz steht aber zurzeit noch nicht fest, und man hält es für wahrscheinlich, daß auch diese Zu­sammenkunft ebenso wie die Sitzung des Auswär­tigen Ausschusses des Reichstages, wohl erst in der nächsten Woche nach der Rückkehr der deutschen Delegation aus Genf abgehalten wird.

Moskau vvoieftkevt in Wavschau

Ein höchst eigenartiger Konflikt ist jetzt zwischen Rußland und Polen entbrannt, also zwischen den Ländern, denen es sicherlich nie an Konfliktstoffen fehlte. Diesmal handelt es sich um ein groß, breit und tief angelegtes Bestreben Polens, einen der wichtigsten Be­standteile der Sowjetunion sich anzueignen, nämlich die Ukraine. Die ukrainische Räte­republik, ein überaus reiches Land mit einer Bevölkerung, die zahlreicher ist als die Bevöl­kerung Polens, bildet seit langem die Ziel­scheibe der polnischen Aggressivität. Man müßte um Jahrhunderte zurückgreifen, wenn man die Wurzeln des polnischen Dranges nach der Ukraine und nach dem Schwarzen Meer auffinden wollte. Diesmal war es der Wojewode (Generalgouverneur) von Wolhy­nien, Jufeffki, der sich zum Sprachrohr seiner größenwahnsinnigen Heimat machte. In einer Rede, die er bereits am 2. September in einem volitischen Gremium hielt, die- aber erst zehn Tage später in der Provinzpresse veröffent­licht wurde, erklärre dieser hohe Beamte der polnischen Republik, ganz unumwunden, daß Polen nicht eher ruhen wolle, als bis es die Lostrennung der. Ukraine von der Sowjet­union erreicht habe. Diese Erklärungen des Wo- jewoden von Wolhynien wurden von den An­wesenden mit Begeisterung ausgenommen» Die Provinzpresse, die als erste das Vorrecht hatte, diese Rede abzudrucken, hat die Ge­legenheit benutzt, um durch die Aufmachung der Rede und durch ihre Kommentare noch mehr Qei: ms Heuer zu gieHen- W Edlich die Warschauer Zeitungen sich der Sache an­nahmen, ging der Sturm' los. Die Oppo­sitionspresse bezeichnete das Auftreten des wackeren Wojewoden als einen unerhörten Skandal und als eine provokatorische Bedro­hung der Beziehungen ^u Sowjetrußland. Sie forderte die sofortige Entlassung Jusefskis. Nun konnte man gespannt sein, was die Regierung dazu sagen würde. Die Regierung zögerte nicht lange mit der Antwort. Das Pilsudskische OrganGlos Prawdy" (Stimme der Wahr­heit") hat sich schützend vor den kriegerischen Wojewoden gestellt. In einem langen Aufsatz wird die Forderung Jusefskis durch ausführ­liche historische Darlegungen gestützt. Mit auf­fallender Offenheit erklärt das einflußreiche Organ Pilsudskis, der wolhynische Wojewode blicke der Wahrheit direkt ins Gesicht und ver­suche aufgrund von bestehenden Tatsachen die unabwendbare Zukunft vorauszuschauen, in­dem er an diese Zukunft mit Forderungen der polnischen Staatsvernunftherangehe. DerSinn dieser etwas geschwollenen Worte ist nicht schwer zu entziffern. Moskau hat keine Mühe gehabt, dies zu tun. Das nunmehr offiziell be­glaubigte Auftreten des Wojewoden von Wolhynien wurde in Rußland dahingehend gedeutet, daß auf dem Territorium Polens Kräfte in Tätigkeit find,-dis auf die Lostren- nung eines gewichtigen Teiles der Sowjet­union hinarbeiten. Das Moskauer Außen- kommiffariat beauftragte daher den sowjet- russischen Geschäftsträger in Warschau, gegen die Rede Jusefskis und gegen die Haltung der polnischen Regierung zu protestieren und die russische öffentliche Meinung fordert den Rücktritt des Wojewoden. Der Konflikt ist da.

Die Erfahrungen des Jahres 1920 scheinen dem polnischen Militär keine Ruhe zu geben. Damals suchte Polen die Ukraine zu erobern, und zwar mit Hilfe des s. Zt. in Paris er­mordeten ukrainischen Hetman Petffura. Kiew, die Mutter aller russischen Städte, die erste Hauptstadt des russischen Reiches und die historische Hauptstadt der Ukraine, hat damals die polnische Armee vor ihren Mauern ge­sehen. Neuerdings, erst vor wenigen Mo­naten, hat ein polnischer Diplomat tn den Spalten derselbenGlos Prawdy von der Notwendigkeit gesprochen, zu derweisen Politik" des Jahres 1920 zurückzukehren, die die polnische Armee dicht an Kiew heran­brachte. Selbstverständlich war damals eben­sowenig wie heute die Rede von einer Annexion der russischen Ukraine. Man sprach und spricht nur von der Schaffung eines selb­ständigen Staates, natürlich unter der Obhut Polens. Man soll dabei nicht vergessen, daß

I Die he«tcâ§ Slumum umtobt i 12 Seite«