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Ke. 188
Samstag de«
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11. Sl«s«K
1628
— Das Reichskabiaett beschloß gestern den Bau des Panzerschiffes A in Angriff zu nehmen.
s — Auf dem Kongreß der Sozialistischen 3nfet- ggQonale gab Reichstagspräsident Löbe eine Er- riämng über die Rheinlandräumung ab.
s — Die 8. kgl. irischen Husaren, das einzige bri- Ssche Kavallerie-Regiment, das zur Besatzungs- cmce am Rhein gehört, werden an den tommen- den Manövern der französischen Besatzungsarmee im besetzten Gebiet teilnehmen.
—' Bei der olympischen Ruderregatta konnten zie Berliner Hellas-Mitglieder Müller-Moefchter den Zweier ohne Steuermann mit einer prächtigen (iiihing gegen England gewinnen.
üeue Vesatzuttgszwischett- falle
Französische Willkür in der Pfalz.
- Speyer, 10. Aug. Anläßlich der Einquartierung ^izösischer Truppen in Otterberg kam es am 4 Lugusi zu einem Zwischenfall. Ein requirieren» ^ französischer Hauptmann versetzte im Verlaufe ext Wortwechsels einem Hauseigentümer zwei heostschläge, jo daß dieser niedersturzte. In ähn- Esu Weise mißhandelte der französische Haupt- >M den dienstlich anwesenden Polizeiwachtmeister.
- Speyer, 10. Aug. Am 3. und 4. d. M. hatten Musische Truppen, die angeblich in Worms gar« friert sind, in Großkarlsbach Quartier bezogen.
gaben sie aus Maschinengewehren, die auf «hMrranks aufgestellt waren, in der Räbe der '-"W und in den Ortsstraßen blinde Schüsse ab. W^Mölkerung zc ^Wtzinn ünb Aw. k Mnj, 10. Aug. In den letzten Tagen ist in I fc) ein Ueberfüll durch einen Besatzungsange- vorgefallen. Nachts gegen 1 Uhr wurde ein f «.'Ani von einem in Zivil gekleideten Soldaten
21. Infanterieregiments tätlich angefaßt und «itebt. Der betrunkene Franzose kam aber an den ' fechten. Der Ueberfallene überwältigte den An- ; geifer, der ihm Verletzungen am Kopf beibrachte, -2s hielt ihn fest, bis er der französischen Gendar- «iris übergeben werden konnte.
v-rueavè unverändert
. Paris, 10. Aug. Ministerpräsident Poincore F bei einer Preisverteilung vor den Schülern des Mes feines Sommeraufenthaltes Sampigny eine Sprache gehalten, in der er auch auf den Anti- ^Wpakt einging. „Heute", so erklärte er, „verur. ^i! die ganze Welt den Krieg und man muß sich darüber freuen. Aber ebenso, wi^ von Zeit zu Zeit ^er noch Diebe in Privatwohnungen einbrechen, dorr Geld oder Juwelen zu stehlen, könnten zu gewissen Stunden versucht sein, auf Ge- ^nfjeiten zurückzukommen, die sich mit der Ber« des Krieges schlecht vertragen und den ^-liebenden Nationen gefährliche Ueberraschun- N bereiten würden. Verurteilen wir also _ ben unb tun mir alles, was von uns abhängt, er niemals wiederkehre. Gehen wir sogar M weiter, versuchen mir, unsere Leiden zu und zu verzeihen, was uns angetan mor« „5n 'it Aber damit Frankreich vollkommen vor "»verschuldeten Abenteuern geschützt bleibt, muß „ Mittel in der Hand halten, um sich gegebe- Walls gegen diejenigen zu wehren, die in einer Me der Verirrung feine Ruhe 1- stören ver- "Hen sollten."
Sotfcbafiee Rumbold beim RetthspvSftdeniett
B.Win, 10. Aug. Reichspräsident v. Hindenburg Umg heute den königlich Großbritannischen «otschoster Sir Horace R u m b o l d zur Entgegen- A-, seines Beglaubigungsschreibens. In seiner °"?f»che an den Reichspräsidenten roürbigte der Klafter die Bedeutung und den Einfluß des ischen Reiches und betonte, daß die allgemeine pannung durch die Verträge von Locarno zu- CT?? mit Deutschlands Teilnahme am Werke »....Völkerbundes die beste Gewähr bieten für die fJe. Mitarbeit dieses Landes an einer Politik iUm Tiberi# und der Verständigung. Er versicherte Schluß, daß er sein Amt mit dem Gefühl auf- Sympathie für dieses Land ântrete und herzlichsten Wünschen für seine, gedeihliche ÄW Der Reichspräsident würdigte 'n Ao, ^vwiderung die Persönlichkeit des "^uen nix! Essers und gedachte mit Sympathie und war- bèorn^?^rkvnnung des Vorgängers im Amte. E Dorn.h V5, ^6 auch der neue Botschafter es al
*e Aufgabe betrachte, die zwischen Be^en unb britischen Reiche bestehenden guten UeL™?'” zu pflegen und auszubauen. Der gk„^?r°sident empfing ferner den Gesandten - •
Dr. Ernesto Bestellt, sowie den Ge- «èoenn ^niti Luc Dominique zur Ent 8 ""ahme ihrer Bealaubiaunasltbreiben.
eschluß, eine
Beschlüsse des rteichskabinetts
IuMmmuttg rum Vegi«« des Baues des Panzerschiffes a - Die Grenze dev AnseffeVtenvevffcheeuns auf 8âCC Mark Hevaufgesettt
Berlin, 10. Aug. Das Reichskabinett beschloß in seiner heutigen, unter dem Vorsitz des Reichskanzlers abgehaltenen Sitzung, den Bau des Panzerschiffes in An - giff zu nehmen. Zu diesem Beschluß ist die Reichsregierung gelangt, nachdem fest- gestellt wurde, daß die durch den Bau des Panzerschiffs entstehenden Mehrausgaben in den folgenden Jahren durch entsprechende Ersparnisse bei sonstigen Ersatzbauten wieder eingebracht werden.
Das Reichskabinett erhöhte ferner die Verficherungspflichtgrenze in der Angestelltenversicherung von 6000 Mark auf 8400 Mark und beschloß u. a. dem Reichstag die Ratifizierungsgesetze über drei internationale Uebe reinkommen betreffend die Seeschiffahrt vorzulegen.
Zunächst hatte das Kabinett die Aufgabe, den vielumstrittenen Bau des Panzerschiffs einer eingehenden Beratung zu unterziehen und einen Bericht des Reichsfinanzministers darüber entgegenzunehmen, ob die Finanzlage des Reichs die Aufnahme des Baus gestatten werde. In der heutigen Sitzung konnte festgestellt werden, daß die Lage der Reichsfinanzen erlaubt, demnächst mit dem Bau des geplanten Panzerschiffs zu beginnen, um so mehr, als festgestellt werden konnte, daß die durch den Bau des Panzerschiffs ensstehenden Mehrausgaben in den folgenden Jahren durch entsprechende Ersparnisse bei sonstigen Erfatzbauten wieder eingebracht werden können. Daraufhin beschloß das Kabinett, wie festgestellt zu werden verdient, einmütig, den Bau des Schiffes in Antz ri ff zu nehmen. Festgestellt werden muß, daß es sich nunmehr nicht mehr um das erste
ger serjuaj geoacyt ist. Für den jetzt' beschlossenen Neubau konnte von zuständiger Seite u. a. geltend gemacht werden, daß der Zustand unserer Panzerschiffe von Jahr zu Jahr unbefriedigender werden müsse, und daß die dadurch notwendigen Ausbeffe- rungskosten erhebliche Summen verschlingen würden, ohne daß die Gewähr geboten ist, ein wirklich modernes Schiff zu besitzen. Wie unbefriedigend der Zustand unserer Panzerschiffe zurzeit ist, geht daraus hervor, daß wahrscheinlich noch in diesem Jahr zum Beispiel auf dem Flottenflaggschiff alle Kessel herausgenommen und durch neue ersetzt werden müssen. Hinzu kommt, daß die uns durch den Friedensvertrag gelassenen Schiffe, ein ungewöhn- lich hohes Dienstalter, u. a. sogar 22 Jahre, aufzuweisen haben, ein Alter, das in keiner andern Flotte der Welt überhaupt anzutreffen ist. Die für
Die uneniSehrSichen
Feiedensv-eausietzungen
Eine GrklSvttng Löbes auf dem SorraUsieukousvetzi
Brüssel, 10. Aug. Die Vollsitzung des Kongresses der Sozialistischen Internationale wurde heute vormittag vom Reichskagspräsi denken Loebe geleitet. Dieser gab eine mit großem Beifall aufgenommene Erklärung über die Rheinlandräumung ab, die als Antwort auf die gestrige Erklärung des französischen Delegierten Paul Faure angesehen werden kaun.
Loebe führte aus, es fei der Wunsch der deul- schen Sozialdemokraten, dem deutsch-französischen Problem eine ehrliche und endgültige Lösung zu geben.
Die Rheinlandräumung stelle von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet einen größeren Gewinn für den Frieden dar, als irgend ein materieller Vorteil.
Die Räumung werde die Geister entwaffnen und den deutschen Nationalisten die wirksamste Masse für die Hetze gegen Frankreich nehmen und dadurch die Annäherung zwischen den beiden Völkern tatsächlich vorbereiten. Der Friede könne nicht durch Rüstungen, sondern nur durch die Abrüstung gesichert werden. Notwendig sei aber gleichzeitig, daß eine Rüstungskontrolle eingesetzt werde, und zwar in allen Ländern.
In der Nachmittagssitzung wurde dem Kongreß die Entschließung über die Abrüstung unterbreitet. Sie ist sehr ausführlich. Sie erklärt, daß die Abrüstung sofort beginnen müsse, und nicht erst nach Erlangung der Sicherheit, wie es die kapitalisti- schen Regierungen forderten. Der Völkerbund wird eingeladen, die skandinavischen Abrüstungsvorschläge gutzuheißen und das Mögliche zu tun, daß auch Amerika und Sowjetrußland sich ihnen an- schließen. Jede internationale Meinungsverschiedenheit müsse obligatorisch dem Schiedsspruch unterbreitet werden. Solange dies nicht geschehen sei, dürfe keine Mobilmachung ongeordnet werden. Auf widerspenstige Nationen müsse ein Druck ausgeübt werden, der bis zur Gewalt gehen könne.
den Neubau vom Reichstag bereits bewilligte erste Rate beträgt 9,3 Millionen Mark. Nachdem das Reichskabinett jetzt feine Zustimmung zu dem Neubau erteilt hat, können in der nächsten Zeit die Bauaufträge vergeben werden. Man kann damit rechnen, daß der Bau etwa am 1. Oktober ds. Js. begonnen wird.
Das Reichskabinett erteilte ferner einer Verordnung des Reichsarbeitsministers feine Zustimmung, worin der Reichsarbeitsminister den Paragraph 3 des Gesetzes über die A n g e st e l l t e n v e r s i ch e- r u n g dahin ändert, daß die bisherige Pflichtgrenze der Versicherung von 6000 Mark auf 8400 Mark erhöht wird. Die Verordnung wird sofort in Kraft treten. Angesichts der weitreichend. Folgen, die diese Verordnung für viele Angestellte nach sich ziehen wird, ist damit zu rechnen, daß die Verordnung, die dem Reichstag noch zur Genehmigung vorzulegen ist, dort stark umkämpft
s internationaler A b-
kommen aus früherer Zeit zu ratifizieren. Es handelt sich dabei um ein Abkommen 'aus dem Jahre 1920, das in Genua abgeschloffen worden war und Bestimmungen über das Mindestalter für die Zulaffung von Kinderarbeit auf See enthält, ferner um ein Abkommen vom Jahre 1921, das in Genf zustandegekommen war, worin ein Mindestalter über die Zulassung als Kohlentrimmer auf See festgesetzt wird, und schließlich um ein Genfer Abkommen aus dem Jahre 1926, das Bestimmungen über die pflichtmäßige ärztliche Untersuchung in der Seeschiffahrt enthält. Für Deutsch- land haben diese Abkommen zurzeit keine praktische Bedeutung mehr, da ihre Bestimmungen längst in die deutsche Seeschiffahrt Aufnahme gefunden haben.
Die Abrüstung und die Abrüstungskontrolle dürften aber nicht einseitig sein, sondern müßten sich auf alle Staaten erstrecken. Die Abrüstungskonvention müsse ein Maximum für die Rüstungsausgaben und für die Waffenvorräte in jedem Lande festsetzen. Der Giftgas- und der Mikrobenkrieg müßten verboten werden. Die schwere Artillerie, die Zahl der Tanks und der Luftfahrzeuge müß- ten eingeschränkt werden, ferner müßten die Kriegsschiffe aller Kategorien, die Waffen- Produktion sowie der Waffenhandel international kontrolliert werden.
Im Verlauf der Debatt« sagte Hugh Dalton (England), sein Land habe noch nicht das Versprechen erfüllt, abzurüsten. Der nächste Wahlkampf werde im Zeichen der Abrüstungsfrage stehen.
R e n a u d e l (Frankreich) teilte mit, daß die französische Delegation der Entschließung zur Ab- rüstungsfrage vordehalten zustimme. Man müsse auf eine allgemeine Annahme des Abkovunens in Genf bringen.
Sennet Brotmag (England) sagte: Die Arbeiter müssen sich weigern, dem Mobilmachungsbefehl zu gehorchen,, wenn die Regierungen es ab« lehnen, sich für die Schiedsgerichtsbarkeit zu ent« scheiden.
Crispien (Deutschland) erklärte: Die deutsche Delegation stimmt der Entschließung zu. Meine Partei ist bereit, für die Verwirklichung der Schlußfolgerungen der Entschließung zu kämpfen.
Die Entschließung zur Abrüstungsfrage wurde darauf durch Zuruf angenommen.
Gedanken zum Sevfassungstage
Zum neunten Male jährt sich heute der Tag, an dem die Weimarer Verfassung, die Grundlage unseres neuen staatlichen Daseins, verkündet und in Kraft gesetzt wurde. In Deutschlands schwerster Zeit, in äußerer Machtlosigkeit und innenpolitischer Not, in einer Zeit, als alle Fundamente der Ordnung erschüttert waren, als der Auseinanderfall des Reiches drohte, als Arbeiter- und Soldatenräte die Träger der politischen Macht waren, ist das Weimarer Verfassungswerk zustande gekommen, das zwar alle Schönheitsfehler des Kompromisses trug, das gewiß keine der vielen Parteien restlos befriedigte, das aber trotzdem bedeutungsvoll war und bleibt als erster Schritt auf dem Wege der Wiederherstellung der Ordnung zum Wiederaufbau. Trotz aller Mängel, die dem Weimarer Verfassungswerk anhaften, verdient es Anerkennung; es hat die Gefahr der Räterepublik und des Bolschewismus beseitigt und die aus dem Weltkrieg gerettete nationale Einheit des Deutschen Reiches verankert.
Weite Kreise des deutschen Volkes tragen nicht die Ueberzeugung in sich, daß die Verfassung, wie sie in Weimar geschaffen wurde, die rechte sei, daß sie der geschichtlichen Entwicklung und der deutschen Sinnesart entspreche. Erst kürzlich haben die Verhandlungen im Reichstage gezeigt, welch große Meinungsverschiedenheiten über dieses Verfassungswerk bestehen, und daß man nicht geneigt ist, den Verfassungstag mit überschäumender Fesies- oeaeheu. da er
ag der deutschen eschichte, an den Juni, an dem das Versailler Friedensdiktat unterzeichnet wurde, erinnere. Auch wir sind bei voller Achtung des Verfassungstages nicht der Ansicht, daß die Zeit gekommen wäre, diesen Tag zum Nationalfeiertag zu erheben, einmal weil die Weimarer Verfassung noch ein Notbau ist, an dem in Zukunft noch viel gearbeitet werden muß, an dem noch viele Reformen vorzunehmen sind, und zum andern, weil die rechte innere Teilnahme der gesamten Nation, die einem Nationalfest innewohnen müßte, nicht gegeben ist. Wenn gesagt wird, daß der Weimarer Verfassung im Laufe der letzten Jahre immer mehr Achtung entgegengebracht worden sei, auch aus Kreisen, die sie früher bekämpft hatten, so ist zu erwidern, daß diese Achtung noch lange nickt Liebe zu bedeuten braucht. Der Verfassungstag kann unter den heutigen Verhältnissen niemals ein wirklicher Nationalfeiertag werden, er würde die Kluft in unserem Volke nur noch verbreitern. Jemand zu etwas zwingen, wenn fern Herz nicht dabei ist, wäre falsch. Hinzu kommt noch, daß der 11. August niemals gefeiert wer- den könnte, wenn man des 18. Januar, des Tages derReichsgründungdurchBismarck, nich'. gedächte; denn die Republik ist, obgleich sie sich grundverschieden von der Monarchie empfindet, Erbin des Werkes Bismarcks.
Und dennoch find wir der Meinung, daß es falsch ist, wenn so große Teile des deutschen
Volkes, die doch mit zu den Besten zu zählen sind, heute noch — daß man in der ersten Zeit Kampfstellung einnahm, war begreiflich, ja richtig — die Verfassung, die Grundlage unseres neuen staatlichen Daseins, in allen Teilen rundweg ablehnt. Verfassungen sind nicht
rundweg ablehnt. Verfassung unantastbar, sie sind das Wand
lelbore, das Volk
ist das Dauernde, vom Standpunkte der Ein- zelerfahrungen aus sozusagen das Ewige. Verfassungen können nach dieser oder jener Richtung hin erweitert, vertieft und ergänzt werden. Auch bei der Weimarer Verfassung muß dies geschehen. Diese Reform kann und wird aber nicht eintreten, wenn weite Kreise dauernd murrend abseits stehen, die Verfassung als etwas Unmögliches ablehnen. Weder das schwermütig-träumerische Nachsinnen über vergangene Herrlichkeit, noch das polternde Drängen, um das Rad der Geschichte zurückzu- drehen, ist in der Lage, die neue Verfassung abzuändern, die Reichseinheit auszubauen, dem Wahlrecht und dem Parlamentsbetrieb neue Formen zu geben, sondern nur die Mitarbeit, der Einsatz aller schöpferischen Kräfte. Der Leipziger Geschichtslehrer Emil Brandenberg, der im Kriege ein anerkannter Führer
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