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Samstag

de« 21, SM

1928

_ Iu Wien fand gestern die Ehrung Franz Schuberts auf dem Sângevbundesfest statt.

ReichsinnenmilUster Severing und Reichs- tagspräfideut Löbe sind gestern abend auf dem dechchea Säugerfest in Wien etngetroffen,

In Aegypten ist infolge des Staatsstreiches

König Fuads die Lage sehr gespannt. Die Was- disten erkennen das Versamlungsverbol nicht an.

Vie Garnison und Polizei sind alarmbereit.

Die Nanking-Regierung Hal den Vertrag mit Japan vom Jahre 1896 gelöst. Japan hat darauf­hin den chinesisch-japanischen Handelsvertrag mit sofortiger Wirkung gekündigt.

Die im Zusammenhang mit dem Münchener Lisenbahnunglück verhafteten Eisenbahner sind frei- gelassen worden, da keine Verdunkelungsgefahr mehr vorliegt.

Der italienische Gesandte in Norwegen er- llârte die Expedition des Generals Nobile sei ledig- ßch ein privates Unternehmen gewesen.

An der Leiche Loewensteins wurden schwere Bergungen sestgestellt, so daß die Frage ob iklbstmord oder Verbrechen vorliegt noch immer

W geklärt ist.

Ke«s tVendung Gvi-«asekalè 4 in dem Fall des verhafteten Regierungsbau «chers Ludwig, gegen den der Verdacht der Lust- Ipimage zugunsten Sowjetrußlands besteht, ist, wie üeVoss. Ztg." hört, eine neue Wendung einge- ®!en. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß der Mes, der Ludwig 14 Tage nach seiner Berliner Übersiedlung in die Sowjetbotschaft rief, gefälscht Kirben ist.

Ludwig, der, wie berichtet, in den Jahren 1924 und 1925 für die Junkerswerke in Moskau tätig ®ar, hatte sich dann nach Stuttgart gewandt, wo fr an der Technischen Hochschule sein Examen be- tab Er hatte schon damals die Absicht, später "°ch Rußland zurückzukehren und war mit einem Nfen namens Alexandrowski in Verbindung ge­hlen, der für die Sowjetbotschaft in Berlin tätig °or. Die Beziehungen schliefen jedoch ein und Lud- ®ig war sehr erstaunt, als er wenige Tage, nach- er bei der Deutschen Versuchsanstalt für Luft- i^rt tätig war, von Alexandrowski einen Brief an lnine Berliner Adresse erhielt, in dem er aufge- *°rbert wurde, in der russischen Botschaft vorzu- Ipredjen, da möglicherweise eine Anstellung in Ruß- loiib für ihn in Frage käme. ~

Ludwig folgte der Aufforderung zwei Tage nach Empfang des Briefes und verlangte Alexandrowski M sprechen Der Portier der russischen Botschaft ^deutete ihm aber, daß Alexandrowski verreist sei, diesen Brief gar nicht geschrieben haben könne. Man ließ ihn einige Zeit warten, führte ihn dann 'n ein Zimmer, wo ein Herr, den Ludwig nicht kannte, in freundlichem Ton ihm den inzwischen Michsalls verhafteten Scheibe vorstellte, der ihn an- e nach Rußland begleiten sollte. Scheibe hat

Ludwig veranlaßt, Mitteilungen der Deut­en Versuchsanstalt für Luftfahrt ihm zu über-- nutteln.

Ludwig wird am Montag noch einmal aus- Mlich verhört werden. Für Donnerstag hat der Arteidiger Ludwigs Haftprüfungstermin bean- M in dem gegen die weitere Haft Ludwigs ent- Injteben werden soll. Ludwig bestreitet nach wie Asi sich in irgend einer Weise strafbar gemacht zu laben.

Give-ematttts ÄavSSbadev Aufenthalt

Berlin, 20. Juli. Die Kombination desBer­ber Tagsblattes", daß Dr. Stresemann während rnes Karlsbader Kuraufenthaltes politische Be­stechungen mit dem Präsidenten der Tschechoslo- akei, Masaryk, Benesch und Titulescu haben bestätigt sich nicht. Der Außenminister be- wenn sein Gefundheitszusand auch schon er» eullcherwcise eine weitgehende Besserung er» I yen hat, dennoch nach wie vor der sorglichsten Ppege. Dem würden die Anstrengungen und Auf- . ^"gen, die solche Aussprachen mit sich zu brin- " " Pflegen, keineswegs dienlich sein.

^J-8 wird sich wohl indes nicht umgehen lassen, v Außenminister mit diesem oder jenem Pali- hnsr,tHen fen Sommerurlaub ebenfalls nach Karls» ° führt, zusammentrifft. So dürfte eine Be- uÄnu?8 mit Dr. Benesch ziemlich sicher sein. Die ,?9altungen sollen einen politisch durchaus un» kindlichen Charakter tragen. Man kann ja wohl fv^ °bne weiteres annehmen, daß die fremden ft A°waten auf den geschwächten Gesundheitszu- "o ihres deutschen Kollegen Rücksicht nehmen

Die Llniee§uG««g des MâmGeKse M«sßSEs Svetlassuus dev beschttldigts« Beamten

München, 20. IM. Gestern vormittag hat eine Gerichtskommission auf dem Münchener Haupt- bahnhof einen Lokaltermin abgehalten zwecks Besichtigung der Betriebshütte I bei der Hacker­brücke und der Blockstelle bei der Donnersberger Brücke, sowie zur Aufnahme verschiedener Licht­bilder. Am Abend hat ein weiterer Lokaltermin

statkge funden, um die Beobachtunasmöglichkeit auf den Stammzug zu prüfen, der bekanntlich auf den Vorläufer aufgefahren ist. Von der Reichsbahndirek- von würde dafür eine gleiche Zuggarnilur wie die

- - >g gestellt. Mit die-

des Slammzuges zur Bet

Commission die Be-

fern Zuge wurde von der Geri , obachtungsmöKicksteit auf der Maschine geprüft und ein Bremsversuch im Anschluß daran vorgenommen. Bei dem Termin waren die drei angeschuldigten Stellwerksbeamlen sowie der Lokomotivführer und Heizer des Stammzuges, gegen die die Vorunter­suchung gleichfalls eröffnet worden ist, zugegen.

Aufgrund der Vernehmung der verhafteten An- gefchuldigten und im Zusammenhang mit dem Lokal­termin konnte die Aufhebung des Haft­befehls und die Freilassung der drei verhafteten Angeschuldigten noch gestern erfolgen, da eine Verdunkelungsgesahr nicht mehr besteht. Die Voruntersuchung gegen die drei Stellwerksbeamlen, gegen den Lokomotivführer und Heizer des Stammzuges, sowie auch die allge-

Wien, 20. Juli. Die erste Hauptaufführung des Sängerbundfestes in der großen Praterhalle bot heute ein ebenso imposantes Bild wie die gestrige Begrüßungsfeier. Nur daß diesmal nicht bei künst­licher Beleuchtung, sondern in hellstem Sonnen­schein gesungen wurde. 40 000 Sänger drängten sich auf dem Podium in der Halle. Es halten sich wohl 60 000 Zuhörer eingefunden, viel mehr, als ur­sprünglich erlaubt werden sollte. DieFestfanfaren" von Richard Strauß leiteten die Schubertehrung ein als welche die beiden ersten Hauptausführungen ge­dacht sind. Diese Festfanfaren sind keine Jmprovl- sationswidmung, ein fröhlicher Trompetengruß mit echt Strauß'scher Tonalität.

Dann sangen die 40 ODO unter Keldorfers meisterlichem Dirigentenstab die Schuberthymne, seine letzte Komposition für Männerchöre, den herr­lichen Doppelchor mit Bläserbegleitung, der die größten Anforderungen an den Männersefang stellt, da er Feierliches und Getragenes mit Leidenschaft, das Weichste mit höchstem Forte verbindet. Auf dem weiten Festplatze überall hin wurde durch aus­gezeichnete Lautsprecher weiteren 100 000 Zu­hörern der Sang vernehmbar gemacht.

Der Präsident des Deutschen Sängerbundes, Friedrich List, hielt die Festrede

und sagte, daß die Nachricht, das 10. Sängerbundes­fest werde zu Ehren Franz Schuberts und in Wien stattfinden, in solchem Maße die deutschen Sänger aus aller Welt herbeigelockt habe, wie das noch nie in früheren Zeiten der Fall gewesen sei. Diese bei­den Namen, Schubert und Wien, hätten wie ein Zauber gewirkt. Schubert habe im Liede ausge­drückt, was jeder Deutsche denke und fühle. Es müsse die Pflicht aller deutschen Sänger sein,

Schuberts Lied und Geist zum Gemeingut aller

Deutschen in aller Welt zu machen.

Hundert Jahre seien verflossen, seit dem ewig spru­delnden Quell seiner Schöpferkraft ein viel zu früher Tod das Ziel gesetzt hätte. Aber so frisch und rein wie zur Zeit ihrer Entstehung empfänden wir heute noch die Schöpferkraft Schuberts, die deutsche Seele, das deutsche Gemüt im Lied aus­strömen zu lassen. Das Lied als einigendes Band um alle Deutschen zu schlingen, wo immer sie in der Welt zerstreut seien, das ei die Aufgabe, die sich der Deutsche Sängerbund gesetzt habe. In der Un­sterblichkeit Franz Schuberts erblicken wir auch die Unsterblichkeit unseres Ideals. Die Deutschen wür­den sich selbst verlieren, das deutsche Wesen würde aufhören zu sein, wenn Franz Schubert keinen Widerhall mehr im deutschen Herzen fände. Franz Schubert und das deutsche Lied seien eins. In Franz Schubert werde der größte Meister des deutschen Liedes verehrt. Möge allezeit der Name Franz Schubert dem Deutschen Sängerbund voranleuch­ten, dann werde seine Arbeit eine gesegnete sein.

Als der Beifall und ein dreimaliges Heil ver­klungen war, wurde Franz Schuberts Männerchor Der Lindenbaum", bearbeitet von Friedrich Silcher zum Vortrag gebracht. Dann aber entfesselte Viktor Keldorfers

Deutschland mein Vaterland" einen wahren Orkan patriotischen Jubels.

Nach vielen ausgezeichneten Vorträgen des ost­märkischen Sängerbundes und dann des schwäbi­schen Sängerbundes, der auch viel Beifall mit seinem Dirigenten Nagel erntete, fang die Masse das Deutschlandlied. Abends hat dasselbe Festpro- jjruiitm sich abermals entrollt.

meine Untersuchung zum Zweck vollständiger Auf­klärung der Schuldfrage nimmt ihren Fortgang.

SSv volle MSvuvs

Einberufung des Reichseisenbahnrats gefordert.

Leipzig, 20. Juli. Die Handelskammer Leipzig hat an das Reichsverkehrsministerium eine Eingabe gerichtet, die sich mit dem Münchener Eisenbahn­unglück und seinen Folgen befaßt. In dieser Ein­gabe heißt es, daß die seitens der Reichsba'hngesell-

lestiedvgenÄ seien, insbesondere müsse anch

schaft über die Ursache der Unglücksfälle, die sich in letzter Zeit ereignet haben, abgegebenen Erklärun- gen unbefriedigend seien, insbesondere müsse auch dafür Sorge getragen werden, daß durch klare Feststellungen und Erkenntnis der Ursachen und durch die Abstellung der vorhan­denen Mängel weitere Unglücksfälle nach Möglichkeit

verhindert würden. Die Handelskammer Leipzig stellt deshalb beim Reichsverkchrsminifterium den Antrag, daß der Reichseisenbahnrat un­verzüglich zusammen berufen wird, um einmal in Kreisen der Bevölkerung Beruhigung zu schaffen, um weiter der Deutschen Reichsbahn Gelegenheit zu geben, zu den Ersenbahnunglücks- fällen Stellung zu nehmen und um Mittel und Wege zu beraten, daß derartigen Unglücksfällen in Zukunft nach Möglichkeit vorgebsugt werden kann.

in

ZubeS u«d VevbvÄdeLUns r« wie«

Wien, 20. Juli. Die Scharen der Blaukappen, die allen Richtungen Wien durchziehen und b^on*

ders die Nacht hindurch in Grinzing beim Heurigen Wiener Stimmung auf sich wirken ließen, haben die Wiener Nacht zum Tag gemacht. Ueberall werden sie von den Wienern herzlich empfangen. Die Sänger, die in Privatzimmern untergebracht sind, werden von den Mitgliedern der Familie geführt, um die Sehenswürdigkeiten kennen zu lernen, und für die, die in gemeinsamen Quartieren wohnen, ist eben­falls für Führung gesorgt. Ueberall herrscht eitel Jubel und Verbrüderung. Alle Wiener Zeitungen nennen die Anschlußkundgebung, zu der die Schubertfeier der deutschen Sängerfahrt heranwuchs, ein Ereignis. Als die 80 000 oder gar 100 000 Menschen, die sich in der Halle zusammen­drängten, nach der Rede des astmärkischen Sänger­bundes, Schulrat I a k s ch, mit einem Sturm der Zustimmung die Aufforderung beantworteten, drau­ßen zu verkünden, daß das unterdrückte Deutsch- Oesterreich sein Selbstbestimmungsrecht auf den Zu­sammenschluß mit dem Deutschen Reich fordert, und als alle sich spontan erhoben, um das Deutschland­lied zu singen, gab es wohl niemand in dieser Masse Menschen, der n i ch t i n n e r l i ch t i e f e E r schüt­te r u n g verspürt hätte. Auch die flammende An- schluherklärung des Bürgermeisters von Wien, Karl Seitz, zündete, wie ebenso die des Vor­sitzenden des österreichisch-deutschen Volksbundes, Dr. Neubacher, der mit besonderer Schärfe die Fortsetzung des Kampfes aller Deutsch-Oesterrercher für den Anschluß verkündete. Daß der deutsche Ge­sandte, Graf Lerchenfeld, Wien den geisti- gen Mittelpunkt des ganzen großen deutschen Volkes nannte und die Unter­stellung vieler Gegner des Deutschen Reiches zurück­wies, die immer wieder behaupten wollen, Oester­reich sei ein Staat für sich und nicht vollkommen deutsch, und daß er erklärte, von Natur und Ge­schichte sei Oesterreich ein Teil des deutschen Reiches, wird als bemerkenswerte Kundgebung des deutschen Diplomaten bezeichnet.

Seveeins und Loebe iw LVien

Wien, 20. Juli. Der zum Sängerburrüesfest in Wien weilende Reichsinnenminister Severing empfing heute den Vorsitzenden des Deutsch­österreichischen Volksbundes, Generaldirektor D r. Neubacher, mit einer Abordnung des Vorstan­des. Der Minister erkundigte sich über den Stand der Bewegung und die Arbeit der Anschlußorgani- fation in Oesterreich und gab seine Befriedigung über das Angleichungswerk in rechtlicher und ver­waltungstechnischer Beziehung zu erkennen.

Reichstagsprtisidsnt Löbe traf heute abend aus Innsbruck kommend in Wien zunr Sängerbundes- Mt ein. Er wird bis zum Abschluß des Festes in Wien bleiben und begibt sich am Dienstag nach Graz, um dort die Gründung der Orts­gruppe Graz des deutsch-österreichi­schen Volksbundes vorzunehmen. In Bereitung des Reichstagspräsidenten trafen auch die' Reichstagsabgeoodnetsn Hofmann-Ludwigshafen (Zentr.), Staatsminister a. D. Ronneburg (Dem.), v. Gilsa (D. Botksp.) und der württembergische ßc«dtagsabseordp«tr Dr, HAsther (DaL) ein.

VMatttV vsu EttgSimds Gnade«

Aegypten ohne Parlament.

Zum zweiten Male in der kurzen Geschichte desunabhängigen" Aegypten haben sich die Dinge so zugespitzt, daß eine Auflösung des Parlaments erfolgen mußte. Auf drei Jahre will König Fuad die Regierungsgeschäste ge­meinsam mit den liberalen Mitgliedern des Kabinetts führen. Erst dann nach drei Jahren will man zu Neuwahlen schreiten und das Parlament wieder einschalten. Es ist dieselbe Situation wie im Jahre 1924, als nach der Ermordung des Sirdars der britischen Truppen, des Generalmajors Les Stack, Eng­land ein scharfes Ultimatum stellte, das die nationalistische Regierung nicht annahm und nicht annehmen konnte. Zaghlul Pascha, der gefeierte Führer der Nationalbewegung und damaliger Ministerpräsident, trat von seinem Posten zurück, Ministerium und Parlament wurden aufgelöst. Erst im November 1926 wurde eine neue Volksvertretung gewählt. Man kann nicht sagen, daß der Gewaltakt des Jahres 1924 sehr zur Beruhigung und zur Klärung des Konfliktes mit England beige­tragen hat. Im Gegenteil: die Freiheitsbewe­gung nahm von Tag zu Tag an Umfang und Schärfe zu und auch die Europareise und der Londoner Besuch König Fuads, konnten keine Entspannung bringen. Im Mai des Jahres 1927 erschienen Kriegsschiffe in ägyptischen Gewässern, um den Aegyptern ad ocules zu demonstrieren, daß EnglandsLangmut" auch

einmal sein Ende haben kann. Im März 1928 trat die ägyptische Regierung Sarwat Paschas unversöhnlicher Gegner Englands bekannt ist Er wies auf die Londoner Vorschläge zurück und brachte das Versammlungsgesetz ein, ge­gen das England Protest erhob.

Aegyptens Lage war nun äußerst bedroh­lich. England, das über die Ablehnung des anglo-ägyptischen Bündnisvertrages aufs äußerste erbittert war, erhob Protest gegen die Annahme des Versammlungsgesetzes im ägyptischen Unterhause. Für jeden Unvorein­genommenen waren die Zusammenhänge zwi­schen Ablehnung des Bündnisvertrages durch Aegypten und der darauf erfolgenden Ableh­nung des Versammlungsgesetzes durch Eng­land offensichtlich. Das englische Veto sollte als Repressalie dienen, als Erniedrigung des ägyptischen Parlaments und der ägyptischen Regierung, als ein Zeichen dafür, wer der Herr im Lande ist und was dieser Herr in der Zukunft noch alles unternehmen kann. Dieses Veto Londons war das letzte Kampfsrgnal. Nun befand sich die Regierung Nahas Pascha in einer Zwickmühlle. Alle Anzeichen deuteten darauf hin, daß es England mit dem Einspruch Sen das Versammlungsgesetz bitter erst war daß es zu allem entschlossen ist. Nahas Pascha blieb nichts anderes übrig, als das Versammlungsgesetz bis zum Herbste zu ver­tagen. Inzwischen gingen hinter den Kulissen harte Kämpfe vor sich, zwischen London und Kairo wurden fieberhafte Verhandlungen ge­pflogen. Selbst im nationalistischen Lager hoffte man auf ein Eingreifen König Fuads. Da kam, allen unerwartet, der plötzliche Sturz des Ministerpräsidenten Nahas Pascha unter unschönen Begleiterscheinungen. Eine Eini­gung der liberalen Männer in der Regierung unter Führung von Mohamed Mahmul Pascha mit der nationalistischen Mehrheit des Parlaments gelang nicht. So hat König rvuao zum letzten Auswege, zur Auflösung des Par­laments gegriffen. Die Erregung in A-egyptcn ist groß. Selbst die schärfste Zensur kann nicht darüber hinkvegtäuschen, daß die nationalisti­schen Wogen alles mit sich zu reißen drohen. Das engl'sche' Militär wird in den nächsten " icherlei Arbeit zu leisten haben.

Der ungleiche Kampf in Aegypten nimmt feinen Fortgang. Der national-freiheitlichen Bewegung kann die Ausschaltung des Parla­ments auf Englands Drängen nur recht fein. Druck erzeugt Gegendruck. Die Geschichte der englisch-ägyptischen Beziehungen ist instruktiv. Denn sie spiegelt einerseits den, Drang des britischen Weltreiches nach Befestigung seiner Seewege nach Osten und feine Sehnsucht^ nach den reichen Rohstoffquellen der Welt wieder, anderseits den in ständigem Steigen begriffe­nen Befreiungswillen der Kolonial- und Halb­kolonialvölker Asiens und Afrikas. Seit 1904 ält England das Protektorat über Aegypten.

Wochen man

Die benièse ««MMSv um-atzi 16 Sekte«