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samsiog den 14. 3ult 1928

-Seile L

Lokales.

Hanau, 14. Juli.

Das LVettev dev nächsten Woche

Hochsommerhitze.

Nachdein in der vergangenen Woche die Wit- ierung zunächst, wie erwartet, zwar sommerlich, nßer unbeständig gewesen war, hat sie sich seit der Wochenmitte erheblich sto.......

Wochenmitte erheblich stabilisiert, und bei hohem . Luftdruck ist, wie zuvor schon im Süden, auch im nördlichen Mitteleuropa trockenes, heiteres und hhr warmes Hochdruckwetter zur Ausildung ge- tangt.

Entscheidend für diese günstige Wendung war, oaß die Atlantischen Zyklonen neuerdings eine nördlichere Bahn eingeschlagen haben und von Is­land aus nicht mehr nach Skandinavien, sondern in nordöstlicher Richtung nach Spitzbergen abwan­dern.. Demgemäß hat sich auch im Verhalten des Azorenmaximums eine Aenderung vollzogen; es zeigt die Tendenz zur Ausbreitung nach Nordosten, wodurch Mitteleuropa in den Bereich hohen Luft­drucks gekommen ist. Unter feinem Einfluß began­nen nach einem in Norddeutschland kühlen Sonntag . jßt Montag die Temperaturen allenthalben zu stei­gen, teils infolge der Sonneneinstrahlung, teils durch Zufuhr von südwestlicher Warmluft. In Süd­deutschland und der Schweiz wurden schon Montag und Dienstag 25 Grad Wärme erreicht oder etwas Übertritten; Jett Mittwoch sind auch in den übri­gen Landesteilen 25 Grad Celsius erreicht worden, und Donnerstag stieg das Quecksilber innerhalb weiterer Gebiete Mitteleuropas bis zu 30 Grad Lärme. Dabei überschritt im Herzen Mitteleuropas der Luftdruck 770 Millimeter Höhe; ein über Is­land verlagertes Tief blieb stationär, denn es hat nicht den Anschein, als ob eine nennenswerte Nachbildung der Jslandszklone den Bestand des kontinentalen Maximums wesentlich beeinträchti­gen würden. Da auch die weiter westlich dem Js- . landstief olgenden Wirbel ihren Weg in hohen .Breiten zu nehmen scheinen, so spricht die Wahr- ,Aeinlichkeit endlich einmal für etwas längere ..Foftdau,erhes hochsommerlich warmen, trockenen u. j Wren Hochdruckwetters und für die Ausbildung größererHitze ohne diese sofort wieder beendigende .Gewitterstörungen.

S. HananeL DsvÄands-Audev- Kegatt«

.18 Vereine, 78 Boote und 378 Ruderer sind das Ergebnis, der Ausschreibungen zur 5. Hanauer Ver- bandsruderregatta, die morgen Sonntag, 15. Juli, auf dem Main stattfindet. Namhafte Vereine wie: Frankfurter. Ruderverein, Frankfurter R.-G. Ger­mania, Frankfurter Ruderklub v. 1884, Frankfurter

Sachsenhausen, Frankfurter R.-G. Oberrad, Rudergesellschaft. Heidelberg, Heidelberger Ruder- Heilbronner R.-G Schwaben, Ruderklub Bamberg. Ruderklub Nassovia Höchst, Offenbacher R.-E. Undine, Ruderverein Hellas-Offenbach, R.-Kl. Griesheim, Ruderverein Fechenheim, N.-Kl. Möve- ! Zroßguheim, Offenbacher Ruderverein haben zu 'M MZssney Rennen gemeldet. Ferner nehmen Hanauer Rudervereine an den Rennen teil.

Ausbildung und der-Qualität einzelner MnnsHaften zu urteilen, sind scharfe und spannende ' Mmpfe zu erwarten.

* Durch die Schranken gefahren ist gestern flaijmittag gegen 6.30 Uhr am Friedberger Ueber- gang der Lieferwagen einer hiesigen Firma. Der fimftrnagen befand sich bereits auf dem Bahn- törper, als der diensttuende Schrankenwärter beim Unmittelbaren Herannahen eines aus der Richtung "Hauptbahnhof kommenden Zuges die Schranken herunterließ, wodurch das Verdeck des Liefer­wagens von der ersten Schranke herabgerissen wurde. Der Kraftwagenführer hatte angesichts lerannahenden Zuges noch soviel Geistesgegenwart, nach der Kirschenallee zu liegende Schranke zu »urchfahren und so ein schweres Unglück zu ver- ^nteir. Ein gerichtliches Nachspiel dürfte für den 'WkkdigèN nicht ausbleiben.

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Sil st ftRoman von J. Schneider-Zoerstt. -NW^VeeU-lseUulr d. Verlag Oskar Meister. Werdau i. Sa '^x Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

:Wenn ich dir etwa helfen sollte, AlHim!-- ^ M^.'è.mir noch das gleiche Vertrauen schenken I Normtest Me früher--wenn--wenn du et- ma das letzte schreckliche Ende in meine Hände legen âst- - - -"

deftättittgens Körper sank nach vorne. Dann hob O langsam wieder zu gerader Haltung.Ja, ja deine Hände!" Ein erschütterndes MHMsyrach aus seinen Augen.

?£.?.!.2d) habe zu diesem Zwecke bereits meinen mitgebracht. Aber erst mußt du mir ^usklärung bis zum Letzten geben. Nur dann, ich weiß, daß es kein anderes mehr für dich lserde ich meine Hand gegen dich heben."

Ein verzweifeltes Atemholen.Es gibt kein Öderes mehr!"

,Z.'Joachim!" Feßmann riß ihn an den Armen M-Mich täuschest du nicht mit Schweigen und ^den Worten. Ich will das Ganze, und ich habe mMecht darauf. Treue um Treue! Wenn ich dich 'koerknalle, bedeutet das für mich nicht weniger b drei oder vier Jahre Zuchthaus, wenn nicht Mr! Po,, meiner Existenz und dem Unglück, das 9 über die Meinen bringe, gar nicht zu reden. annst du das wollen?"

Hettingens Körper sank wieder in sich zusam- ^-Auf was soll ich dir Antwort geben?" hgft« sollst mir sagen, wie sich alles abgespielt .»Warum fragst du wie die anderen," kam es ge-

Ich weiß es ja nicht!"

Das heißt, du bist es nicht gewesen?" Nein!"

--Hast keinerlei Ahnung, wie alles zuging?" Nein!"

x Oßmanns Erregung war derart groß, daß er n Disch mit den Knien hochstemmte. So weit war oho! Wenn Hettingen sagte, er war es nicht b, .!®n, so galt das einem Eide, an dem es nichts è Etteln gab.

Hast du das dem Staatsanwalt gesagt, Achim?"

Girr intereMantev SMOmümsA- tworetz

Die SalstbmünrevKvms Kaufes - Dev sehermuisvoUe LNünr kontvoUavvavai - Die «MSko^ SU G. mit Salsthgeldbedavr

Hinter verschlossenen Türen spielte sich gestern vor dem hiesigen Schöffengericht ein interessanter Falschmünzerprozeß ab, in dessen Mittelpunkt aber­mals der 88jähr. Kaufmann Heinrich Laufer aus Langenselbold stand, der

bereits am 2. Dezember v. I. wegen Münz- vergehens zu 5 Monaten 2 Wochen Gefängnis

verurteilt worden war. Der Angeklagte hatte da­mals in den Monaten MaiAugust v. I. in der Umgebung von Hanau und Frankfurt in zahlreichen Fällen falsche Zweimarkstücke in den Verkehr ge­bracht und seinen 15jährigen Sohn zur Verbreitung der Falschstucke angestiftet. Erschwerend kam in der ..... ' daß er sich die eigens beschafft haben

seinerzeitigen Strafsache hinzu, Falschstücke als solche vorher ei. , , sollte. Neben feinem Sohne war damals zunächst auch seine Ehefrau in die Angelegenheit verwickelt, die aber späterhin außer Strafverfolgung gesetzt wurde. Der Angeklagte, der vor ca. zwei Jahren aus Höchst nach Langenselbold gekommen war und in einem Nebengebäude des dortigen Schlosses eine Schnellhefterfabrikation und einen Vertrieb chemisch- technischer Erzeugnisse betrieb, gab seinerzeck an, das Falschgeld nach seinen Angaben insgesamt 80 Mark in einer Frankfurter Wirtschaft völlig ahnungslos aus purer Gefälligkeit einer unbekann­ten Frauensperson gegen Papiergeld umgetauscht zu haben. Zunächst sei ihm auch nicht der entfern­teste Gedanke gekommen, daß es sich um Falschgeld handeln könne. Erst nachträglich habe er dies zu seinem Schrecken festgestellt und alsdann habe er, um keinen Verlust zu erleiden.

das Falschgeld durch seinen minderjährigen Sohn an den Mann bringen lassen.

Bereits damals hegte man das allerstärkste Miß­trauen gegen diese romanhafte Erzählung Laufers und vermutete in dem Angeklagten den Hersteller des Falschgeldes oder doch zum mindesten den plan­mäßigen Vertreiber. Diesen letzteren Standpunkt vertrat auch der Vertreter der Anklagebehörde, der auf 2 Jahre 6 Monate Zuchthaus und 5 Jahre Ehr­verlust zu erkennen bat. Demgegenüber gelangte das Gericht trotz stärksten diesbezüglichen Verdach­tes nur zu der oben erwähnten Verurteilung des Angeklagten wegen Münzverbrechens.

Der bereits damals gehegte dringende Verdacht sollte sich wenig später als richtig erweisen. Zu­nächst war es ein Bruder des damaligen und gestrigen Angeklagten, der schwer vorbestrafte 44jährige Schlosser Philipp Laufer aus Höchst, der in Frankfurt gemeinsam mit einem Kumpanen

im März d. I. bei der Verbreitung von falschen 5-Markstücken betroffen und inzwischen zu zwei

Jahren Zuchthaus verurteilt

worden war, während der geständige Gehilfe, ein gleichfalls mit Zuchthaus vorbestrafter _ gewisser >B.a u e r infolge seines umfassenden Geständnisses und seiner nur geringen Tätigkeit in der Sache mit 1 Jahr Gefängnis davonkam.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel drang dann am Ostersamstag die Kunde aus Fulda herüber, daß in der dortigen Bahnhofswirtschaft der 30jäh- rige Dreher und nachmalige Provisionsreisende Hans Rippert aus Nied wegen Verausgabung von falschen 2-Markstücken festgenommen wurde und als Lieferanten und Hersteller des Falschgeldes

Heinrich Laufer angab.

Bereits am Nachmittag des 1. Osterfeiertages wurde alsdann H. Laufer in feiner Wohnung in Langenselbold f e ft genommen. Das gleiche Schicksal ereilte zwei Tage später die Ehe­frau Valentine Laufer und dessen Bruder Nikolaus Laufer in Höchst, der die Bekannt­schaft Ripperts mit Heinrich Laufer vermittelt hatte. Nach umfangreichen Erhebungen wurden sämtliche vier in Haft genommenen Personen unter Anklage gestellt, da

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Ein Nicken.Er hat mich ausgelacht! Sie haben ja lückenlose Beweise meiner Täterschaft."

Du bist selber schuld," brauste Feßmann unbe­herrscht auf.Warum schweigst du immerzu und versuchst nichts zu widerlegen. Jankes sagt, deine Wortkargheit bringe ihn zur Verzweiflung."

Was soll ich denn reden? Niemand läßt das, was ich sage, gelten. Kein Mensch glaubt mir. Ich habe mir die Schramme da" er fuhr resigniert über die Narbe in seinem Gesichtan einem Stein geschlagen. Sie sagen mirs auf den Kopf zu, daß sie vom Kampfe mit meinem Opfer herrührt. Die Blutlache, die sie in der Baracke fanden, und die Flecken in meinen Kleidern---"

Die rühren natürlich auch von dieser Schramme her," unterbrach ihn Feßmann.

Nein!"

Nicht?---"

Nein!"

Woher dann?"

Ich kann es dir nicht sagen, Hans!" Hettingens Kopf glitt tief auf die Brust hinab, um das Ge- .âcht dem Auge des Freundes zu verbergen.

Fehmann beobachtete ihn scharf und überlegte dann. Hier galt es anzusetzen. Das war der tote Punkt! Ueber den hieß es wegzukommen dann lag die Wahrheit klar zutage.

Ec verschwendete alles, was ihm zu Gebote stand: Liebe Zorn- Vorwürfe Bitten Drohungen und selbst Grobheiten.

Hettingens Schweigen überdauerte alles und jedes.Ich kann es bir' nicht sagen, Hans", war die ewige gleiche Antwort, die er gab.

Verärgert verabschiedete sich der Doktor bis zum Nachmittag. Vielleicht, daß es ihm doch noch gelang, so lange èr hier war, Joachim umzustimmen, daß er ihm sein Vertrauen schenkte.

Es war alles vergeblich!" gestand er dem Kommerzienrat, dessen Gast er beim Mittagtische war.Wenn ich nur wüßte, welche Frau hier im Spiele ist. Es gibt nur eine einzige, die allenfalls in Betracht käme. Ich werde ihn nachmittag fragen. Sagt er auch nicht ja oder nein. Ich brauche ihm nur in die Augen zu sehen. Dann weiß ich schon, ob meine Vermutung richtig ist".

Ja, tun Sie das!" stimmte Diebow erregt zu.

Es war wie ein Hoffnungsstrahl, der in tief­schwarze, trostlose Nacht fiel.

ein umfassendes Geständnis Ripperls Licht in das Dunkel der Angelegenheit gebracht

halte.

Nach dem Ergebnis der Voruntersuchung lautete die Anklage gegen die einzelnen Beteiligten wie

n k l a g e gegen die einzelnen Beteiligten wie folgt: Die Eheleute Laufer werden beschul­digt, in Langenselbold im Jahre 1928 fortgesetzt falsche 2-Markstücke angefertigt und in den Verkehr gebracht zu haben. Nikolaus Laufer und

ir

R i v p e r t werden beschuldigt, die Falschstücke in Fulda, Höchst usw. vertrieben zu haben. Die Ehe­leute Laufer und Nikolaus Laufer werden beschul­digt, Rippert zum Vertriebe des Falschgeldes an= gestiftet und bestimmt zu haben.

In der gestrigen achtstündigen Beweisaufnahme nach deren Beendigung die Verhandlung auf heute vormittag vertagt wurde, erklärte zunächst Rip­pert, daß er insgesamt 190200 Falschstücke von Heinrich Laufer erhalten und diese in Mainz, Limburg, Eschhofen (Kreis Limburg) und Fulda vertrieben habe. Die Bekanntschaft mit Heinrich Laufer habe dessen wohlunterrichteter Bruder Nikolaus vermittelt. Als Hersteller des Falschgeldes käme der zunächst unter dem NamenBergmann" auftretende Heinrich Laufer eigenen Andeu­tungen gemäß in Frage. Auch mit Philipp Laufer fei er bekannt geworden, der sich unter dem Na­menWerkmann" eingeführt habe. Frau Lau­fer fei gleichfalls^ unterrichtet gewesen und habe sogar in ' "

einem Falle das Flfchgeld mitgebracht.

einer sensalionellen Erklärung war- auch diesmal der Hauptbeschuldigte Heinrich Laufer auf.

Mil leke

Schon seit Jahren beschäftigte er sich mit Erfin­dungen, als deren neueste er einen Münzkontroller, zur Feststellung von Falschgeld bezeichnete. Von dieser Erfindung habe er sofort auch den Leiter der Reichsmünze in Kenntnis gefetzt, der ihn an den Finanzminister verwiesen habe. Diese Erfin­dung wollte er gemeinsam mit Rippert, der gleich­falls schon erheblich vorbestraft ist, finanzieren und eine

Offene HandelsgesellschaftMiiko" gründen. Die Sache sollte groß aufgezogen und zirka hundert Vertreter mit der praktischen Vorfüh­rung des Apparates, der auf 3.60 Mk. zu stehen käme, betraut werden. Für die Vorführung der Apparate hatte er aber unbedingt eine große An­zahl von Falschstücken benötigt, die er sich zunächst durch daè Polizeipräsidium Frankfurt und später durch Zeitungsinserate verschaffen wollte.

Als rekkender Ausweg erschien zur rechten Zeit sein Brüder Philipp,

der solcheKleinigkeiten" im Nu aus dem Aermel schüttelte und sogar mit für seine Zwecke nicht brauchbaren" falschen 5 Markstücken aufwartete. Ohne jeglichen bösen Hintergedanken habe er das Falschgeld nur aus geschäftlichen Interessen dem Rippert gegeben, der ihm schließlich auch noch die letzten "Stücke aus der Nase zog. Daß Rippert das Falschgeld als solches an den Mann brachte (und ihm auch angemessen bezahlte (!), konnte er in sei­ner Harmlosigkeit nicht wissen, sonst hätte er es ihm nie ausgehändigt. Auf dieser Basis bewegten sich die Aussagen desvöllig unschuldigen" Haupt­angeklagten Heinrich Laufer.

Die beiden restlichen Angeklagten, Ehefrau und Bruder Nikolaus Laufer sind ihrer Ueberzeugung nach natürlich auch völlig unschuldig und ahnungslos in die ganze Affäre hineingezogen worden. So zog sich die Verhandlung stundenlang hin, bis die Vernehmung der beiden und inzwi­schen rechtskräftig verurteilten Frankfurter Falsch­münzer als Zeugen neues Leben in die Bude brachte. Ihre Aussagen waren mit Widersprüchen nur so gespickt,

die geheimnisvolle Unbekannte, ein nicht minder geheimnisvolles Ehepaar (ursprüngliche

Richthofen war mit dem Abendschnellzuge in Villach angekommen, hatte sich sofort einen Wagen gemietet und fuhr nach dem Landhause seiner Tante, das etwas außerhalb der Stadt lag.

Die Karawanken lagen von glutroten Bändern umzittert. Eine kühle Luft kam von den Häuptern der Tauern herüber. Etwas verärgert, schlug er den Mantelkragen hoch und kuschelte sich fröstelnd zusammen.

Die Mizzl war zuweilen von einer Rücksichts­losigkeit ohnegleichen. Seit drei. Wochen zwei einzige Karten mit einem knappen Gruß darauf. Er hatte wahrhaftig etwas mehr um sie verdient. Aber so war es nun. Sie hatte nur mehr für Joachim Sinn und Gedächtnis. Wie sie das Schreckliche aufnehmen würde? Denn sagen mußte er es ihr, ehe sie es von irgendeinem anderen er­fuhr, wenn sie es nicht ohnedies schon wußte.

Das Auto hielt vor einer grünüberwucherteii Gartentürs, hinter der ein kleiner Zwerghund kläffte. Vom Hause her gebot eine Stimme Ruhe, was zur Folge hatte, daß das Geheul nur noch ohrenbetäubender wurde.

Sei stad, Foxerl!" mahnte Richthofen. Schmeckst denn heut das Herrle not?"

Ein Winseln hob an und ein Hin- und Her­rennen, bis eine alte Dame eilig den Weg hcrab- gelaufen kam und das Tor öffnete.

Leopold!"

Ein Kuß auf den Mund und zwei auf Augen und Wangen, dann zog sie ihn zu sich herein. Daß du mir die Freude machst, mein guter Junge. Haft die Mizzl mitgebracht?"

Richthofen öffnete Mund und Augen und ver­hielt den Schritt.Die Mizzl?--Ist denn die nicht bei dir, Tante?"

Aber solch komische Frage, Leopold! Wie sollte Maria bei mir sein? Hat sie denn gesagt, daß sie zu mir fährt?"

Er nickte.Wie s' vor drei Wochen von z' Haus fort is, hat s' mir angebn, sie möcht für einige Zeit zu dir, wann's mir recht ist. Was hätt ich da­gegen habn folln?--und jetzt hat's mich an- glogn!"

Es wird ihr wohl nichts zugestoßen sein? er­regte sich die, alte Dame.

Woher denn! Ich hab zwei Karten von ihr kriegt, aber auf den Stempel hab ich gar nicht

Beschreibung L la Eheleute Lauser), dieOffen­

bacher Kathrine" und derBerliner Fritz" tauchten Zwischendurch auf. Philipp Lauser, der ja bereits in dieser Sache abgeurteilt ist und nichts mehr zu befürchten hat, erklärte schließlich mit dem Brustton der Ueberzeugung, seinem Bru­der Heinrich das Geld geliefert zu haben, verwei­gerte aber über dessen Herkunft die Aussage. Viel­leicht sei er der Hersteller, so ließ er andeutend durchblicken. Vielleicht?

Gegen 9 Uhr wurde schließlich nach Beendigung der Beweisaufnahme die Verhandlung auf heute vormittag vertagt.

Die SSvafantväss im SatM- münrevvvoretz Laufes

Rach inständigem Plaidoyer stellte Oberstaats­anwalt Dr. Haedekamp als Vertreter dec An­klage heute vormittag gegen 1411 Uhr folgende Strafanträge: Heinrich Laufer aus Langen­selbold ist wegen Herstellung und Verbreitung von Falschgeld sowie Anstiftung zur Verbreitung zu einer Gesamkzuchkhausstrafe von 6 Jahre n zu verurteilen. Die bürgerlichen Ehrenrechte sind ihm aus die Dauer von 5 Jahren abzuerkennen. Ferner soll auf Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaus- öcht erkannt werden. Die Ehefrau Valentine Laufer aus Langenselbold ist wegen der gleichen Verbrechen unter Annahme mildernder Umstände zu einer Gesamtstrafe von 2 Jahren Gefängnis zu verurteilen. Rikolaus Laufer ist wegen Verbreitung und Anstiftung zur Verbreitung von beschafftem Falschgeld zu insgesamt 2 Jahren Ge- sängnis und Hans Rippert wegen Verbreitung zu drei Monaten Gefängnis, gleichfalls unter An nähme mildernder Umstände zu verurteilen. Du Einziehung des Falschgeldes wird entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen angeordnel.

* Eine interessante Himmelserscheinung? Wir erhalten eine Zuschrift von einer Beobachtung einer Himmelserscheinung. Leider hat der Einsender sei­nen Namen nicht angegeben, so daß Einzelheiten nicht nachgeprüft werden können. Wir lassen die Zuschrift folgen und bitten alle Personen, die Be­obachtungen angestellt haben, sie uns mitzuteilen. Die Zuschrift lautet:Gestern (Freitag) abend 10.22 Uhr konnte man eine interegante Er­scheinung am Himmel sehen. Aus der Rich­tung des Großen Bären kommend, war ein leuchtender Körper zu beobachten, der in großer Höhe als Sternschnuppe betrachtet werden konnte. Jedoch verschwand der sich in ziemlich^ stei­lem Fall zur Erde bewegende leuchtende Körper nicht wie eine gewöhnliche Sternschnuppe nach einigen Sekunden, sondern behielt die Richtung von West nach Nord-Ost ein, entwickelte in der Atmosphäre der Erde ein rötliches Licht und kam dem Anschein nach zwischen Handu und dem Bruch­köbeler Wald zur Erde. Man konnte den leuchten­den Körper noch zwischen den nahestehenden Aesten hoher Bäume bis dicht zur Erde beobachten. Es wäre interessant, "wenn auch andere Beobachter sich darüber äußern würden. Der Fall zur Erde ging nicht in sehr großer Geschwindigkeit vor sich und hatte wie schon oben beschrieben eine schiefe zur Erde strebende Laufbahn. Der fallende Körper war ohne Schweifbildung und fiel geräuschlos".

* Restaurant Wolfgang. Heute abend von 8 Uhr ab findet großes Gartentonzert, morgen^nychmstM und abend Tanz statt. (Siehe Inserat.)

* Die Hihwelle ist aus Amerika jetzt glücklich zu uns herübergekommen und bescheert uns wahrhaft tropische Temperaturen. Waren es am Donnerstag in Hanau und Umgebung 35 Grad, so kletterte ge­stern das Thermometer auf 38 Grad. Die Hitzewelle ist durch ein Hochdruckgebiet verursacht, das ganz West-, Mittel-, und Südeuropa bedeckt. Die höchsten Temperaturen wurden bisher selten erreicht. Inner­halb von vielen Jahren wurden nur am 10. August 1925 eine Wärme von 35 Grad im Schatten, wie vorgestern und gestern gemessen. Mit einer Tempe- raturänderung ist vorläufig nicht zu rechnen, so daß also die Hitze auch bis heute noch mindestens in der gleichen Höhe anhalten wird.

* Hochschulpersonalien. Der auch in Hanau sehr bekannte Frankfurter Ohrenheilkundige, Professor Dr. Otto Voß, erhielt eine Ruf als Ordinarius an die Universität München.

gschaut, bloß verärgert bin ich gwesu, daß s' nur ihrn Namen hinkritzelt hat. An alles hätt ich denkt, aber an das nicht, daß s' net bei dir ist. Kann ich ein Telegramm aufgebn, wo in der Nähe?"

Gleich unten an der Kreuzung ist das Post­amt."

Ich lauf noch nunter. Sorg dich nicht, Tante. Mit dem nächsten Schnellzug fahr ich wieder zurück Zwei Stunden können wir noch zusammen sein.'

Kopfschüttelnd sah ihm die alte Dame nach, mit er eilig die Straße entlangfchritt.

Nachts wenige Minuten vor zwölft e lies bei Jankes ein Expreßtelegramm folgenden Inhalte ein:

Dr. Feßmann, z. Z. Bellinzona-Haus Jankes. Frage Joachim ob Maria bei ihni gewesen ist

Richthofen.

Expreßrückantwort bezahlt."

Diebow brachte es Feßmann ans Bett, da er sich infolge der letzten schlaflosen Nacht bereits zurückgezogen hatte. In den Ellenbogen aufgestützt, las der Doktor die Depesche.Wenn ich das wüßte, verehrter Herr Diebow. Ich habe natürlich keine Ahnung! Am Nachmittag habe ich bei meinem Freunde mehr den Arzt als sonst etwas gespielt, so schlecht war er beisammen. Ein Fragen schien mir unter diesen Umständen gar nicht ratsam."

Darf ich fragen, wer diese Maria ist?" forschte Diebow.

Natürlich dürfen Sie! Die Dame, um die es sich hier handelt, war feine frühere Braut!"

Dann kann ich ja Auskunft geben, Herr Dok­tor! Eine entzückende Blondine, groß, schlank, mH einem rührend kinderreinen Augenpaar."

Stimmt!" sagte Feßmann sarkastisch.

Also die Dame war einige Wochen hier und hat im Bellevue gewohnt. An jenem Unglücks­abend habe ich Joachim gefragt, warum er immer so tief den Hut vor ihr ziehe, da hat er mir em- gestanden, daß er mit ihr verlobt war, das Ganze aber auf ihren eignen Wunsch zurückgegangen ist.

Feßmann nickte.Wenn die Dame weggcsahren ist, wissen Sie nicht zu sagen, Herr Diebow?

Nein! Vielleicht kann man es im Belluve er­fahren. Soll ich hintelephonieren? Der Nacku- portier kann sicher Auskunft geben.'*

Wenn Sie so gut sein wollten!

(Fortsetzung folatO