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1928
Das KsWSßèe.
— Die „Bremen"-Flieger sind heule morgen In Bremerhaven eingetroffen.
■ — In Trepassey ist das amerikanische Flugzeug c„Ariendship" zu den, fett längerer Zeil geplanten Transozeanflug. dessen Ziel Irland sein dürfte, saufgeskiegen.
— Die auf der Luche nach Nobile befindlichen Alleger sind gestern durch Nebel und Schneefälle gehindert worden. Lrkundungsslüge vorzunehmen.
— Der Deutsche Ostbund wie der Bund der Rheinländer veranstallelen gestern Kundgebungen für die Verbundenheit von Ost und West.
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I Moskau, 17. Juni. „Jswestija" schreibt: Die Deutsche Sozialdemokratie, die unablässig die Nothwendigkeit einer sachlichen Orientierung gepredigt khat, hat an der Schwelle ihrer Regierungstätigkent [bie beste Gelegenheit, sich zu überzeugen, daß weder kLocarno noch der Beitritt zum Völkerbund auch nur seins der Problems, vor die Deutschland durch die Tatsache des Versailler Friedens gestellt wurde, gelöst hat. Davon zeugt auch die jüngste Erklärung Zaleskis in Paris. Nicht nur Paris, sondern auch Warschau erlauben sich, für die Erstfüllung von -Versprechungen, die die deutsche Diplomatie in Lo- ikarno unbedingt betrachtete, Bedingungen zu stellen. Die Voraussagen der Sowjetpresse, Deutschland werde im Völkerbund einer äußerlich korrekten, doch innerlich feindlichen Front der Siegermächte gegen- üverstehen, seien vollauf in Erfüllung gegangen.
tenden Abrustungskomm . tun sowjetrussisch-deütschen Beziehungen hätten b Rapallo und der Handels- und Garantievertrag gebildet. Diese Beziehungen hätten sich trotz verschiedener Schwierigkeiten und zeitweiliger Störungen weiter entwickelt. Die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion seien nicht allein der Ausdruck objektiver Tendenzen der Nachkriegsverhältnisse gewesen, indem sie den richtig anerkannten Interessen beider Länder entsprochen hätten, sondern hätten auch einen ernsthaften Friedensfaktor in der gegenwärtigen internationalen Konstellation gebildet. Die Aufgabe während der neuen Phase müsse die weitere Festigung und Vertiefung dieser Beziehungen sein. •
Die „Jswestija" fährt fort: 3m Einklang mit der Ansicht sowohl der Regierungskreise als auch der Oeffentlichkeit der Sowjetunion glauben wir, daß die drei Verträge, die Deutschland und die Sowjetunion verknüpfen, notwendig, doch unzureichend für die neue Phase ' Hungen sind.
der deulsch-sowjeliskischen Bezieh Die neue Phase muß sowohl mit malen als auch materiellen Elementen auf ver-
if neuen for-
schiedenen Gebieten erfüllt sein.
Dhne sie gegenwärtig zu konkretisieren, könne man doch die Grundlinien festlegen, nach denen sich die weitere Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern vollziehen solle.
Zum Schluß schreibt das Blatt: Die Sozialdemokraten, die jetzt verantwortliche Regierungspartei werden, geben sich für Anhänger des Friedens und des Ausbaues internationaler Wirtschaftsbeziehun- Sen aus. Wir haben keine Veranlassung, uns darüber irgendwelchen Illusionen hinzugeben. Es versieht sich jedoch von selbst, daß unsere Regierung ledem Schritt entgegenkommen würde, der zur Förderung der Festigung des Friedens und der Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion beitragen könnte. Die nächste Zukunft wird zeigen, wie das neue deutsche Kabinett mit einem Sozialdemkraten an der Spitze zu diesem Problem Stellung nehmen wird.
Diese Ausführungen sind sehr schön, doch sie wssen sich mit dem gegenwärtig stattfindenden Donezprozeß nicht in Einklang bringen. Deutschland selbstverständlich jederzeit bereit, und dafür hat ^ recht oft Beweise geliefert, die Beziehungen zu ^owjetrußland zu festigen, doch Skandale, wie der Donezprozeß können zu dieser Festigung nicht beiwagen.
Dm LVahlvoybSVMrmsett itt öm VevÄttSsie« Staaten
Ncwyork, 17. Juni. Aus verschiedenen Anzei- Aen läßt sich schließen, daß der Widerstand der «armer gegen Hoover nachzulassen beginnt. Mc. der Urheber des nach ihm benannten Far- md^llkfe-Gesetzentwurfs, gegen den Coolidge sein eingelegt hatte, gab nach einer Konferenz mit 200n« bekannt, daß er die Forderung nach einer Ausgleichs gebühr fallen lasse. Er forderte die Far- ^auf, diesem Farmerhilfe-Kompromiß zuzu- bie World hört, erklärte sich der amerrka- W Botschafter in London, Haughton, bereit, sich den demokratischen Senator Copeland als -■■nutbat aufstellen zu lassen. Haughton beabsich- kalls er gewählt werden würde, in den Außen- des Senats einzutreten.
Die VeAinee Wevaiungen
Berlin, 17. Ium. Die an der Neubildung der Regierung beteiligten Parteiführer find am Samstag vormittag, wie vorgesehen zu der interfraktionellen Besprechung zufammengetrelen, außer Sozialdemokraten, Zentrum, Bayrische Volkspartei und Demokraten auch die Führer der Deutschen Volkspartei. Die Besprechungen hatten den Zweck, die fachliche Grundlage für die Zusammenarbeit in der Großen Koalition sicherzustellen.
Der „Soz. Pressedienst" berichtet über den Stand Ler Verhandlungen über die Regierungsbildung am Wochenende:
„Am Samstag vormittag traten die Beauftragten der Sozialdemokratie, des Zentrums, der Deutschen Volkspartei, der Demokraten und der Bayerischen Volkspariei unter dem Vorsitz des Abgeordneten Hermann Müller-Franken zur Fortsetz: Besprechungen über die materiellen G
;ung der rund-
lagen des Regierungsprogramms zusammen. Die Wirtschaftspartei war zu diesen Verhandlungen nicht hinzugezogen. Die Aussprache begann mit der Erörterung politischer Fragen.
In der Außenpolitik ist eine Uebereinstimmung der Parteien vorhanden. Das gleiche gilt von dem Problem der Wahlreform, das alle Parteien dringlich ansehen.
Völlige Uebereinstimmung wurde bei dem Festhalten an die Grundsätzen der Verhältniswahl erreicht. Dagegen will man die Nachteile der Listenwahl beseitigen und ein engeres Vertrauensverhältnis zwischen Wählern und Gewählten Herstellen. Ob das eine Verkleinerung der Wahlkreise bedingt, ist strittig.
Eine längere Aussprache verursachte die Schulfrage.
Zentrum und Bayerische Volkspartei wünschen,
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Erklärn Na waren die Meinungen geteilt,
so daß sich die Vorstände der Fraktionen in den nächsten Tagen mit der Schulfrage noch beschäftigen werden.
Die Aussprache über die Einführung eines Verfassungstages am 11. Au g u st führte ebenfalls zu keinem abschließenden Ergebnis. Während Sozialdemokraten und Demokraten dem vom Reichstag beschlossenen Gesetzentwurf vollkommn zustimmten, erklärten die Zentrumsvertreter nur ihre grundsätzliche Zustimmung.
Me ^Wxemen^-Mesev in BremerHaven
Bremerhaven, 18. 3unL Die Bremen-Flieger sind heute Montag morgen 4 Ahr in Bremerhaven eingelroffen.
Bremerhaven, 18. Juni. Die Straßen und Häuser weisen reichen Flaggenschmuck auf und unaufhörlich pilgert seit den frühen Morgenstunden die Menschenmenge zum Kaiserhafen, wo gegen 11 Ahr der „Columbus" mit den Bremensliegern eintreffen sollte. Der Dampfer, traf jedoch bereits um 4 Ahr ein.
Ueber die Ankunft der Bremenflieger in Cherbourg, die am Samstag abend 11 Uhr erfolgte, liegt folgende Meldung vor:
Cherbourg, 17. Juni. Zur Begrüßung der „Bremen-Flieger", die mit dem „Columbus" gestern abend von Plymouth kommend hier eintrafen, be= gaben sich Vertreter der deutschen Botschaft und des Norddeutschen Lloyd auf das Schiff. An die Begrüßung in der Kapitänskajüte, bei der Frau Köhl und Frau Fitzmaurice Blumen überreicht wurden, schloß sich ein längeres Gespräch der Besucher mit Köhl, Fitzmarvice und v. Hünefeld. Dabei rühmte v. HünefeD -besonders den großartigen Empfang,
GZ« «etter Lransozeanftug
St. Johns (Neufundland), 17. Juni. Das Flugzeug „Friendship)" ist heute morgen 9.50 Uhr Ortszeit (15.50 MEZ.) zur Ueberque rung des Atlantischen Ozeans aufgestiegen. An Bord befinden sich außer Miß Earhart der Pilot Stultz und der Navigator Ellsworth, dec seinerzeit den Forscher Amundsen auf seinem Flug über den Nordpol begleitet hat.
Es herrschte denkbar bestes Flugwetter mit fri« schem Westwind und das leuchtend rot und orange gefärbte Flugzeug entschwand mit etwa 150 Klm. Stundengeschwindigkeit rasch den Blicken. Nach den Wetterberichten herrscht über dem Ozean klare Sicht und günstige Windrichtung, so daß alle Vorbedingungen für ein Gelingen des Fluges gegebnen sind. Der Kurs, den die „Friendship" einschlagen wird, ist vorläufig noch in geheimnisvolles Dunkel gehüllt; obgleich man allgemein annimmt, daß die Ozeanslieger entweder direkt Southampton ansteuern oder eine Zwischenlandung in Irland vornehmen wollen, scheint es Tatsache, daß nach den letzten Meldungen das Flugzeug einen südöstlichen Kurs verfolgt, was darauf hindeutet, daß die Flieger sich entschlossen haben, die Azoren als Zwischenlandeplatz zu wählen.
Wie man jetzt erfährt, vollzog sich der Start.des Flygzeugs im Hafen von Trepassey nur unter großen Schwierigkeiten. Nach sechs vergeblichen Start-
Auch die Vertreter der Deutschen Volkspartei äußerten gewisse Bedenken. Die Notwerchigkeitüer Einführung einer Höch st grenze für Pen. sinnen wurde dagegen anerkannt. Die Frage soll im Zusammenhang mit der Vorlegung eines Ministerpensionsgesetzes geregelt werden, und zwar bei einer gleichzeitigen Regelung in den Ländern und Gemeinden. Auch hier wurde kein abschließendes Ergebnis erzielt.
Das gleiche gilt von dem Erlaß einer Am- nestie und der Abschaffung der Todesstrafe. Die Erörterungen über diese Fragen werden fortgesetzt. Die sozialpolitischen, die wirtschaftspolitischen und finanzpolitischen Fragen, für die am Samstag nur Formulierungen der Sozialdemokratie vorlagen, sollen am Montag vorryitkrg
erörtert werden."
Am Montag findet eine neue Sitzung des Interfraktionellen Ausschusses statt. Für Dienstag unib Mittwoch haben die Fraktionen neue Sitzungen anberaumt, offenbar in der Hoffnung, daß bis dahin über die Einzelheiten des künftigen Regierungsprv- gramms endgültig entschieden werden könne. Die Preußenfrage ist bei den Derhandlunegn am Samstag nicht erörtert worden. Man darf aber erwarten, daß sie in der nächsten Woche eine Klärung erfahren wird. Wahrscheinlich werden Dienstag oder Mittwoch bie Vertreter der preußischen Re- gierungsparteien von sich aus im Landtag ^am-
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mentreten und mit Öu„ „„„ ^. - - .
Landtagsfraktion beffimtmen Unterhändlern in Verhandlungen eintreten. Sicher ist auf jeden Fall, daß die außerhalb Bertins weilenden Zentrumsführer, der Minister Hirtsiefer und Dr. Heß,-nach Berlin zurückgerufen worden sind. Beide Parlamentarier können aber nicht vor Dienstag oder Mittwoch erscheinen, weil Anfang der nächsten Woche der Zentrumsparteiausschuß im Rheinlaich tagt, dessen Tagung angesichts des Wahlcmsfalles für die beiden Zentrumsführer von großer Wichtig-
seit ist.
der ihnen in Amerika zuteil geworden sei. Er sprach mit besonders herzlichen Worten von denen, die ihnen bei ihrer Landung in Greenly Island und zur Fortsetzung ihrer Fahrt behilflich waren. Die Frage nach der Möglichkeit eines ständigen regelmäßigen Transozean - Flug - dien st es wurde von den Fliegern übereinstimmend unbedingt bejaht. Die Flieger gedachten dann u. a. auch in ehrenden Worten ihrer ruhmreichen,
aber unglücklichen Vorgänger Nungesser und Coli, deren Andenken in Amerika und in ihren Herzen immer lebendig bleiben werde.
Während der Ueberfohrt sind die Flieger auf dem „Columbus", wie sie wiederholt bemerkten, Gegenstand lebhafter Sympathiebezeugungen der Passagiere gewesen, Me von ihnen immer wieder Autogramme und Photographien erbaten. Die Flieger rühmten auch die herzliche Begrüßung, die ihnen in Plymouth zuteil geworden sei.
versuchen wurde schließlich der Benzinvorrat um 1000 Liter verringert, und auch dann gelang es erst nach einem Anlauf von 3 Klm. Hochzmommen. Das Flugzeug nahm zuerst einen ost-nord-östlichen Kurs, wobei ihm ein Rückenwind zustatten kam, änderte jedoch später seine Flugrichtung nach Südosten und wurde zuletzt bei Kap Ballard, etwa 19 Klm. nordöstlich von Kap Race gesichtet. Bei ihrem Start waren die Flieger außerordentlich zuversichtlich und gaben ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß ihr Unter- nebmen angesichts der günstigen Wetterlage gelingen werde. Allerdings hatte der Pilot Stultz noch gestern erklärt, daß er nicht viel Vertrauen zu den Pontons der „Friendship" besitze und daß das Flugzeug sich keine fünf Minuten werde über Wasser halten können, falls es gezwungen würde, auf hoher See nisderzugehen. Der Sender des Flugzeuges bleibt während der ganzen Fahrt dauernd mit den Küstenstationen und Dampfern in Ütestunbuna. Das Rufzeichen ist WOT.
Die «Evresskââ Deuticklmt-s
Die Regierungsbildung steht vor dem Abschluß. Das 17. Kabinett wird sich nach dem Umsturz dem Reichstag vorstellen. Seit der Aufhebung der alten Verfassung ist der verhältnismäßig rasche Wechsel der einzelnen Regierungen eingetreten. Dies ist in den Bestimmungen der Verfassung begründet, nach der eine Regierung zurücktreten muß, wenn sie nicht mehr das Verträuen des Reichstages hat. Auch der häufige Wechsel der Reichskanzler ist darauf zurückzuführen. Trotzdem ist eine viel weitgehendere Beständigkeit in der Auswahl der firhrenden Persönlichkeit gegeben als es auf den ersten Anblick den Anschein hat. Sehen wir uns die verflossenen 16 Kabinette an, so finden wir drei Kabinette Stresemann, vier Kabinette Marx, zwei Kabinette Luther, zwei Kabinette Wirth, und auch Müller, der Führer der neuen Koalition, hat schon einmal eine Regierungsbildung übernommen. Außerdem waren Scheidemann, Bauer, Fehrenbach und Cuno Führer von Regierungen. Innerhalb von zehn Jahren finden sich also nur neun Namen, und wenn man von den bewegten Zeiten der Nachrevolutions" und Inflationszeit absieht, kann man eine gewisse Beständigkeit der einzelnen Regierungen feststellen. Bezeichnend ist, daß die längste Regierungszeit das eben aufgelöste Kabinett Marx erreichte, das 1« Jahre am Ruder war.
Don den Parteien, die am meisten an der .Regierung waren, ist epr allem das oemrum zu nennen, das all: bisherigen Reichsre- gierungen unterstützte. Dabei hatten Vertreter des Zentrums das Reichskanzleramt sieben Mal inne, und diese Partei stellte öfter auch die Minister für die Finanzen, den Arbeits- minister Brauns, der feit dem Kabinett Fehrenbach vom 21. Juni 1921, also acht Jahre, diesen verantwortungsvollen Posten inne hat, mehrere Male den Minister für Ernährung, den JustiMinister, den Postminister und hâu- ifg auch Minsster der inzwischen eingegange- nen Ministerien, wie den Minister für den Wiederaufbau usw. Ebenso häufig fast waren Demokraten vertreten, die mit Ausnahme der le^en Regierung 15 Mal die Reichsregierung unterstützt haben.
Das kürzeste Kabinett war das 3. Kabinett Stresemann, das im November 1923 gebildet, und als bürgerliches Minderheitskabinett bezeichnet wurde. Es stützte sich auf die deutsche Volkspartei, das Zentrum und die Demokraten. Innenminister war der bisherige Oberbürgermeister Dr. Jarres. Aber bald darauf erhielt es vom Reichstüh ein Mißtrauensvotum und die Regierungsbildung übernahm der Zentrumsabgeordnete Dr. Marx. Stresemann hatte überhaupt mit feinen Kabinetten kein großes Glück. Nachdem er nach Cuno, dem parteilosen Kanzler, die Regierungsbildung übernommen hatte, bildete er ein Kabinett, das sich auf die große Koalition stützte. Doch schon im Oktober 1923, nach noch nicht zweimonatiger Dauer, trat der sozial- demokratische Finanzminister Hilferding aus und wurde durch den späteren Reichskanzler Dr. Luther, bis dahin Oberbürgermeister in Essen, ersetzt. Dem zweiten Kabinett Stresemann gehörte auch Graf Kanitz, der zeitweilig der deutsch-nationalen Volkspartei angehört hatte und später parteilos wurde, an. Das zweite Kabinett Stresemann dauerte nur einen Monat, das dritte' drei Wochen, so daß die Reichskanzlerschaft Stresemanns im ganzen nur 3>5 Monate gedauert hat. Allerdings muß man bedenken, daß er in den größten Jnflationswirren die Regierungsbildung übernommen hatte und seine Nachfolger sich auf die Erfolge der Marx'fchen Regierung stützen konnten. Dafür hat Stresemann umso größere Erfolge als Reichsaußenminister ge- habt, ein Portfeuille, das er auch während seiner Kanzlerschaft nicht abgab und das er seit dem 13. August 1923 inne hat, also fett nunmehr fünf Jahren. Gerade die Beständigkeit in der Besetzung des Außenminister- Postens ist sehr zu begrüßen, weil dadurch auch die Beibehaltung einer ruhigen und gleichmäßigen Außenpolitik gewährleistet wird.
Die heuige Arrmmev umfaßt 8 GMen.