General-Anzeiger für
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Montas
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den 11. S««i
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Eisenbahnunglück bei Nürnberg
Dev Sachtsibnellrus d «7 KMmhen-SvaEuvt entgleist - 22 Lote - Zahlreiche verwundete
Eine furchbare Eisenbahnkatastrophe hat sich (n den frühen Morgenstunden des gestrigen Sonntags bei Nürnberg ereignet. Wie wir bereits gestern durch Aushang meldeten, kam morgens gegen 2 Uhr der Nachtschnellzug München Frankfurt a. M., der um 9.45 Uhr abends in München abgeht und um 1.54 Uhr in Nürnberg eintrifft (der Zug fährt auch über Hanau und ist fahrplanmäßig 6.18 Uhr morgens hier), bei der Ausfahrt atts dem Bahnhof Siegeldorf bei Nürnberg aus noch nicht festgestellter Ursache zur Entgleisung. Ein Teil der Wagen wurde vollkommen zertrümmert, 22 Passagiere wurden getötet und 18 zum Teil schwer verletzt. Unter den Toten befinden sich sieben Eisenbahnbedienstete, unter den Schwerverletzten fünf. Die hohe Zahl der in Mitleidenschaft gezogenen Eisenbahnbeamten erklärt sich daraus, daß diese an einem Stellwerklehrkursus in München teilgenommen hatten und sich auf der Heimreise befanden.
»te MasastVOPhe
' Zu der Eisenbahnkatastrophe erfahren wir fol-
âende
: Der Unglückszug bestand aus
etwa zehn Wagen, zwei Schla, Postwagen, die sich am Schlüsse den. Auch bei der Ausfahrt aus der Station Sie- gelsdorf schien alles noch in Ordnung zu sein. Die Signale der Station Siegelsdorf waren richtig gestellt und auch keine unvorhergesehenen Hindernisse zeigten sich bei der Ausfahrt. Die Signale waren auf freie Durchfahrt-gestellt. Die Strecke vor dem Bahnhof Siegelsdorf liegt in einer sogenannten Rechtskurve, das heißt einer Krümmung von rechts nach links. Der Zug soll mit voller Streckengeschwindigkeit von 80 Kilometer die Strecke passieren und laut Dienstanweisung seine Geschwindigkeit nicht unter dieses Maß herabsetzen. Bei der Durchfahrt hat der Stationsvorsteher nichts Auffälliges an der Lokomotive bemerkt. Das Stellwerk II an der Ausfahrtseite gegen Hagenbüschach liegt rund 300 Meter südwestlich des Bahnhofgebäu- des. Dieses Stellwerk wurde ordnungsmäßig bedient
Als der Zug eben am Stellwerksgebäude vor- beigefahren war, vernahm der Stellwerkswärter Tinen lauten Krach. Er bemerkte in einer großen Dunstwolke
die Lokomotive, die nach rechts entgleist war und sich lief in das Erdreich einer Böschung eingegraben hatte.
Der Tender ist offenbar bei diesem Kopfsturz über die ganze Lokomotive herabgeflogen. Er liegt in umgekehrter Fahrtrichtung am Fuße des Dammes oberhalb der Lokomotive. Das spricht für
die Annahme, daß die Lokomotive zunächst entgleiste, wobei der nachfolgende Zug mit aus dem Gleise gerissen wurde
und infolge der großen lebendigen Kraft, die tn= folge der Geschwindigkeit ihm innewohnte, die folgenden Wagen ineinandergeschoben wurden. Die mittleren Wagen kamen hierbei am Ichlimmsten weg. Der Packwagen hinter der Loko- wotive und die letzten drei Wagen des Zuges, Post- und Schlafwagen, blieben fast unversehrt. Durch das Vorwärtsschleudern der schweren Wagen wurde die gesamte Gleisanlage und der Unterbau völlig aufgewühlt und zerrissen.
Von sieben entgleisten Wagen sind drei ineln- andergeschoben und liegen nach der Seite.
®°n dem entgleisten Zuge wurden dabei die Tele- graphenmasten in Mitleidenschaft gezogen, auf die geschleudert und teilweise zerstört, so daß also °uch der Telephonverkehr auf dieser Stecke eine Störung erlitten hat.
Die Auswirkung dieses Unglücks war schrecklich. er Lokomotivführer war auf der Stelle tot, mähend der Heizer und ein Reservelokomotivführer fast unverletzt blieben. Das Lokomotivpersonal stammt °us Würzburg. Wie durch ein Wunder blieb der Zugführer, der sich im ersten Wagen des Zuges auf. M unverletzt. Nach dem Zusammenstoß spielten ? traurige Szenen im Zuge ab. Die unverletzt Ge- Irenen, eilten aus dem Zuge, schrien und jam- . bis auf einige wenige Personen, die die eistesgegenwart besaßen und den unter den Trüm- befindlichen Hilfe verschafften. Ein Eisenbahn- ^»er, der kurz nach dem Unglück zu Hilfe kam,
Nürnberg, 10. Juni. 3» der Nacht von Samstag auf Sonntag entgleiste aus bisher unbekannter Ursache dec fahrplanmäßig um 2.08 Uhr Nürnberg verlassende D-Zug 47 München—Frankfurt bei der Station Siegels darf, 18 Kilometer von Nürnberg entfernt. Die Lokomotive überschlug sich vollkommen und stürzte die Böschung hinab. Sieben von den zehn D-Zugwagen sprangen aus dem Gleise, wobei zwei Wagen ineinandergeschoben wurden. Die Zahl der Toten beträgt bis jetzt zweiundzwanzig. Dreizehn Personen konnten nur als Leichen geborgen werden, und weitere neun Personen sind im Laufe des Sonntags ihren schweren Verletzungen erlegen. Die Zahl der Verletzten dürfte ebenfalls 20 erreichen.
erzählte, das er aus einem Wagen, der umgewor- fcn war, nur drei Kinder völlig gesund herausretten konnte, während die übrigen Insassen alle tot und ziemlich verstümmelt waren. So konnte sich aus dem
ersten Wagen des Zuges, in welchem ein Arzt dessen Freund Platz genommen hatten, nur Freund retten, während der Arzt noch beim springen gegen die Türe geschleudert wurde,
und der
Ab- wo
ihm der Kopf eingedrückt wurde. In der rechten Hand hielt er noch die Zigarre. Ein 60jähriger Mann, der sich eingeklemmt im Zuge befand, mußte zusehen, wie der zur Hilfe herbeigerufene Arzt einem Toten das Bein absägte. Unter dem Wagen hinter der Lokomotive soll sich nach Aussage des Hilfspersonals noch ein Eisenbahnbctriebsassistent
Um 12 Uhr mittags zählte man 15 Tote. Diese Zahl hat sich aber im Laufe des Nachmittags um noch weitere 7, die im Krankenhaus zu Fürth verstorben sind, vermehrt.
Durch das Sanitätspersonal wurden die Verletzten teils nach Nürnberg, teils nach Fürth in die Krankenhäuser gebracht. Von den in das städtische Krankenhaus Fürth eingelieferten 19 Verletzten, die teils schwer und teils leichte Verletzungen, zum großen Teil Brandverletzungen aufwiesen, sind am Sonntag vormittag die oben erwähnten 7 verstorben. Von den 9 in das städtische Krankenhaus Nürnberg eingelieferten Verletzten konnten bereits im Laufe des Sonntagvormittag 3 Verletzte das Krankenhaus verlassen.
Kurz nach dem Unglücksfall trafen an der Unfallstelle zur ersten Hilfeleistung der Streifdienst der Reichsbahndirektion Nürnberg im Auto und die Sanitätskolonnen aus Burgfarnbach, Fürth, Nürnberg, die Arbeiter-Sanitätskolonne Fürth, die Feuerwehren der umliegenden Ortschaften, Gendarmerie, Landespolizei und Reichswehr ein. Außerdem ließen der Hauptbahnhof Nürnberg, der Rangièrbahnhof Nürnberg und der Bahnhof Würzburg Hilfszüge an die Unfallstelle abgehen, die mit den modernsten Hebeapparaten und sonstigen Hilfswerkzeugen ausgerüstet sind.
Sofort nach Verständigng von dem Eisenbahnunglück unterbrach der Reichsbahnpräsident Dr. Käppel-Nürnberg seinen Urlaub und begab sich nach Siegelsdorf an die Unglücksstätte, wo er die Oberleitung der Aufräumungsarbeiten übernahm. Mit ihm trafen noch die zuständigen Dezernenten für den Betriebs- und Maschinendienst ein. Im Verlaufe des Vormittags erschinen an der Unfallstelle Ministerialdirektor Dr. Dasch von der Gruppenverwaltung Bayern, während mit dem Nachmittags- D-Zug Reichsbahndirektor Kilp von der Hauptverwaltung der Reichsbahngesellfchaft un$ Oberregierungsrat Fritschen eintrafen. Die Aufräumungsarbeiten leitete Regierungsrat Senninger vom Maschinenamt I Nürnberg, während die Ueberwachüng des gesamten Betriebsdienstes der Vorstand des Ve- triebsamtes Fürth, Dr. Trabert, übernommen hatte.
Die Strecke Nürnberg—Würzburg war von 3 Uhr morgens für den Verkehr gesperrt. Die Züge werden bis zur Wiederherstellung der Gleise über Ansbach geleitet. Zwischen Neustadt und Siegelsdorf mußte der Zugverkehr vorübergehend unterbrochen werden. Bis wann die Aufräumungsarbeiten beendet sein werden, läßt sich mit Bestimmtheit nicht voraussagen.
An bet Walt Wette
Nürnberg, 10. Juni. In der ersten Morgenstunde des heutigen Sonntag machte sich ein großer Teil der Nürnberger Bevölkerung auf, um der Eröffnung des großen Station» beizuwohnen. Da verbreitete sich die Kunde von einem schweren Eisenbahnunglück bei der etwa 25 Kilometer entfernten Bahnstation Siegelsdorf. Bei seiner Eröffnungsrede im Stadion gedachte Oberbürgermeister Dr. Luppe während der großen Festrede bereit» dreier Trübuna
des Freudentages, den heute Nürnberg durch die Einweihung eines großen Volkssport- und Spielstadions erleben sollte. In den ersten Nachmittagsstunden zog dann aus den beiden Städten Nürnberg und Fürth ein endloser Zug von Autos, Motorrädern und Fahrrädern und selbst Fußgängern zu der Unglücksstätte. Sie ist schwer zugänglich zwischen den Ortschaften Siegelsdors, Klagenhof und Rehelselmbach gelegen. Die Stelle der Böschung, an der die Entgleisung erfolgt ist, ist nur drei Meter hoch. 150 Meter von ihr entfernt befindet sich die Brücke über den kleinen Fluß Zenn und dort hat die Böschung eine höhe von etwa acht Metern. Kurz vor %3 Uhr hat es, wie man jetzt annimmi, etwa 200 Meter von der Station Siegelsdorf entfernt, während der Zug mit 80 Kilometer Geschwindigkeit fuhr.
bei sie
igeführt wurde, daß die Lokomotive, nachdem eine Weiche überschritten hatte, aus dem Gleise sprang.
iu stehen kam. Der
Die Lokomotive ist jedoch nicht, wie erst gemeldet wurde, die Böschung herabgestürzt, sondern sie hat sich tief in das Erdreich der Böschung eingegraben. Dabei hat sich die Maschine nach hinten förmlich überstülpt und zugleich gedreht, so daß ihre Stirnseite in umgekehrter Richtung zu stehen kam. Der ganze Vorgang erscheint rätselhaft nach der Lage des verunglückten Zuges, der feit der Katastrophe noch um die sechste Abendstunde des Sonntags an Ort und Stelle hängt.
Das besonders Tragische an diesem Unglück ist, daß der nun aus der verkehrt zum Zuge stehenden Lokomotive ausströmende Dampf in die Personenwagen, von denen nur zwei sehr erheblich beschädigt und teilweise ineinandergeschoben wurden, einströmle und den meisten der unglücklichen Fahrgäste einen schrecklichen Tod brachte oder ihnen fürchterliche Brandwunden beibrachte.
Das Unglück ereilte die Personenwagen dritter Klasse, während der vor ihnen, also nach der Lokomotive befindliche Packwagen ziemlich unversehrt blieb und die Wagen zweiter und erster Klasse, die sich im zweiten Teil des Zuges befanden, nur wenig
Zuges befanden, nur wenig
Die Unglücksslätle bietet ein erschütterndes Bild. Denn außer den zerstörten Wagen liegen losgelöste Schienen, zerspütterte Wagenleile und Schwellen, aber auch Strümpfe und Kleidungsstücke von Fahr- gäffen herum. Ein Eifenbahnbediensteter zeigte uns, gleichsam als Beweis der schrecklichen Wirkung der Verbrühung, zwei vollständig rot verbrühte Finger, die noch vor wenigen Stunden einem weiblichen Passagier gehört hatten. Die Verbrühungen sollen bei den meisten der Schwerverletzten furchtbar sein.
Aus den Einzelheiten, die Leute erzählen, die sich an den Rettungsarbeiten beteiligt haben, fei noch folgendes hervorgehoben: Ein Referendar, der sich retten wollte, wurde, als er seinen Wagen verlassen hatte, von dem abspringenden Teil eines anderen Wagens getötet. Line Dame, die zwischen Getöteten eingezwängt war, konnte erst nach mehrstündiger Arbeit, während der sie wiederholt narkotisiert werden mußte, befreit werden. Sie hatte nur leichte Brühwunden erlitten.
Die Passagiere erster Klasse konnten sich das plötzliche Stehenbleiben des Zuges gar nicht erklären, verließen die Wagen, fragten, was los fei, und sahen erst dann, weich schrecklichem Unheil sie entronnen waren. Sie beteiligten sich dann an den Rettungsarbeiten. Die unversehrt gebliebenen Rei- senden konnten zwei Stunden nach dem Unglück un. ter Umleitung über Ansbach weilerbefördert werden. Der eingleisige Betrieb an der Unfallstelle wurde genau zwölf Stunden nach dem Unglück wieder ausgenommen.
Die Lifte der Loten
ist noch nicht vollständig. Bis jetzt konnten sestge- stellt werden: 1. Referendar Dr. Konrad Keßler, Würzburg: 2. Reisender Kaiser, Wohnort un- bekannt: 3. Ingenieur Lugen Provarecy aus Ungarn; 4. Oberlokomotivführer Imhof, Würzburg; 5. Stellwerkmeister Oberhäuser, Aschaffenburg: 6. Slellwerkmeister Dirr Gemünden; 7. Oberwerkmeister Peter Baier, Würzburg: 8. Stellwerkmeisler 3effef, Würzburg: 9. Bergprattikant Helmut Gebhardts. Pirna 6. Leipzig: 10. Eisenbahner Kaspar
Klug, Köln: 11. Lokomolivsührersehesrau Liese Donner, Altenhundem in Westfalen: 12. u. IX Leonhard Lul und Frau Toni, Oberhausen im Rheinland; 14. Rangierauffeher Wolfert, Obernau; 15. Eisenbahnschlossersfrau Büchner, Würzburg; 16. Erika v. Lafsert, Leukersdorf, Rheinland; 17. Bruno Knolteck, Bocheum; 18. Lokomotivführer Robert Donner, Altenhundem. Die Namen von vier Toten konnten noch nicht feslgestellt werden; unter ihnen befindet sich ein Fräulein von etwa 25 Jahren, eine Frau von etwa 30 Jahren und eine Frau von etwa 60 Jahren.
41m die Lavifevbdhmts
Die Reichsbahn will mit der Reichsregierung weifet verhandeln.
Berlin, 9. Juni. Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft beschäftigte sich heute in einer außerordentlichen Sitzung mit der von der Reichsregierung zu dem Tarifantrag der Reichsbahn gegebenen Antwort. In einem darüber ausgegebe» nen Kommunique heißt es:
Der Verwaltungsrat kann in dieser Antwort keine, die Sache erledigende Enffchoidung erblicken. So begrüßenswert es ist, daß die Reichsregierung der Reichsbahn bei der Beschaffung von Kapital behilflich fein und eine Vereinbarung über die Tilgung der Kredite treffen will, deren Lasten sich über den 1. Januar 1965 hinaus erstrecken, so be» Tilgungsfrage ist bei der Bemessung der geforderten Tariferhöhung bereits vorausgegangen. Ebenso ist dabei vorausgesetzt, daß die Reichsbahn int Jahre 1928 noch M0 Millionen neues Kapital auf. nehmen kann. Bei dem Antrag auf Tariferhöhung handelt es sich aber nicht um die Mittelbeschaffung für Kapitalien, sondern um den Ausgleich der Betriebsrechnung, der nur durch Betriebseinnahmen erfolgen kann.
Zu der Ansicht der Reichsregierung, daß für 1928 mit höheren Einnahmen gerechnet werden könne, wird ausgeführt, daß sich die bisherigen Er- gebnisie dieses Jahres mit den Schätzungen der Reichsbahn, die dem Tarifantrag zugrunde liegen, decken. Dagegen feiert seit Fertigstellung der Tarif, denkschrift die Betriebsausgaben durch Erhöhungen der Eisen- und Kohlenpreise weiter angewachsen« Da die Antwort der Reichsregierung im allgemei- nen die Neigung erkennen läßt, die schwierigen Fragen in Vereinbarung mit der Reichsbahn zu lösen, so hat der Verwaltungsrat unter Offenhal. tung seines Rechtes, das Reichsbahngericht anzurufen, beschlossen, zunächst mit allem Nachdruck die Verhandlungen mit der Reichsregierung auf Erledi- gung des Tariferhöhungsantrages weiter zu betret- 'ben.
Das Slvbettsvvosvamm des pveuS. Landlass
Berlin, 9. Juni. Der A e l t e st e n r a t des Preußischen Landtags beschäftigte sich heute mit den Tumultszenen anläßlich der gestrigen Eröffnungssitzung. Es wurde festgestellt, daß der Kommunist Golke der Abgeordnete gewesen ist, der aus den Abgeordneten Ponfick eingeschlagen hat. Er soll auf acht Sitzungstage ausgefchlos. s e n werden. Das würde bedeuten, daß er vor- aussichtlich bis zum Herbst seine Ansprüche auf Diäten und die Freifahrtkarte verliert. Im allgemeinen wurde zum Ausdruck gebracht, daß der LandMasorälident bei aröblicken Verletzungen der
Geschäftsordnung
gemeinen wurde zum Ausorua georaaji, vag Landtagspräsident bei gröblichen Verletzungen Ordnung von allen Mitteln der Geschäftsord: Gebrauch machen solle.
Im übrigen bestimmte der Aeltestenrat, daß cs hinsichtlich der Ausschüsse bei der bisherigen Regelung verbleiben solle, bis die neue Geschäfts, orbrrunoi anderweitige Bestimmungen bringe. Die entscheidenden Abstimmungen über tt Mißtrauensanträge werden voromspchtuch am Mittwoch vorgenommen werden. Es würd; auch angeregt, sie unter Umständen noch weite; hinauszuschieben, um sie unter Verkürzung der vor. geschlagenen Frist von vier Wochen mit der endgol- tigen Wahl des Präsidiums zu verbinden. D,e alb gemeine Aussprache zur Regierungserklärung wirr das Haus voraussichtlich bis Mittwoch, vielleicht sogar bis Donnerstag in Anspruch nehmen.
Me Anklage gegen Vela ân«
Wien, 10. Juni. Die Staatsanwaltschaft hat gege, Bela Khun und Genossen die Anklage erhoben un! zwar gegen Bela Khun wegen Vergehens der G» heiinbündelei, der Verbindung mit auswärtigen geheimen Gesellschaften, der Falschmeldung und ds verbotenen Rückkehr. Georg Mayhoser wird wege, Ueberlassung seiner Räume zu Zusammenkünften der geheimen Gesellschaft und die Sekretärin Sefo âuns, Ilona Breuer, wegen Mitschuld an der Ge- Heimbündelei angeklagt.