HanaueMzeiger
Stadt msd Laad
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Kr. 106
«Samstag
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de« S. Mak
1928
— Der Ausschutz für Verfassung». und Vermal- tungsresorm stellte gestern eine Reihe zunächst zu behandeluder Probleme fest.
— Der Frankfurter Stratzeubahnerstreik ist be° endet. Der Stratzenbahnoerkehr wird heute nachmittag wieder aufgenommen.
— 3n Mainz kam es bei einer Wahlversammlung zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten zu blutigen Zusammenstöße«.
— 3n Warschau wurde auf den Leiter der sowjetrussischen Handelsdelegation, Lizarew, von einem russtschen Emigranten ein Revolveranschlag verübt.
— Aus Tsinanfu werden weitere ernste Kämpfe zwischen 3opanern und nationalistischen Truppen gemeldet.
SnsSaud rmd dev MMss^- Vovsthlas
London, 4. Mai. Zu den Meldungen, wonach die englische Regierung den Gedanken begünstigt, eine, Juristenkonferenz einzuberufen, die die mit einem Kriegsächtungspakt nach amerikanischem Vorschläge verknüpften Fragen zu prüfen hätte, erfährt Reuter, daß Stian im Laufe des auf dem gewöhnlichen diplomatischen Wege gepflogenen Gedankenaustausches die Gelegenheit wahrgenommen babe, füJj über die Auffassungen der verschiedenen Dtère^rten Mächte Gewißheit zu verschaffen. Es irden dabei verschiedene Arten der Behandlung H Vorschlag gebracht, darunter auch der oben' er«
Siglen gehört, die Ansicht der Dominions pinzu- 1)olen, noch nicht zu endgültiger Klarheit darüber gelangt, welcher der vorgeschlagenen Wege am ehesten verspricht zu dem erfolgreichen Abschluß zu führen, den Großbritannien gemeinsam mit den anderen interessierten Mächten so aufrichtig herbri- wünscht. Wie verlautet, hat Staatssekretär des Aeußeren, Chamberlain, versprochen, sowie die Möglichkeit dazu gegeben ist, eine Erklärung zu der Frage abzugeben.
Die Landung dev Italia*
Wie bereits gestern gemeldet, ist die „Italia" gestern morgen 9.10 Uhr wohlbehalten auf Vadsö gelandet. Die Ankunft erfolgte etwa 3 Stunden später, als man erwartet hatte.
Bei der Landung der „Italia" leistete Major Ballins sowie 12 italienische und 48 norwegische Offiziere und Soldaten Hilfe. Sie gaben während des Kreuzens des Luftschiffes über der Insel vom Boden aus Signale, um den besten Landungsplatz anzugeben. Die „Italia" hatte wenig Schwierigkeiten, da zur Zeit der Landung nur mäßiger Ostwind herrschte. Die Hilfsmannschaften und die Einwohner der Insel brachten General Nobile begeisterte Ovationen, als er das Luftschiff verließ. Das sonst so monotone Vadsö prangte heute im Schmucke norwegischer und italienischer Flaggen.
Wie aus Kingsbay weiter gemeldet wird, hat sich das gute Wetter plötzlich verschlechtert. In der Nacht kam ein starkes Schneetreiben aus Norden auf, das die Luftschiffhalle stark beschädigte. Die Segeltuchwände der Halle sind zerfetzt und der Weg, Ver mit vieler Mühe vom Mseresstrand bis zur Halle hergestellt wurde, ist völlig verweht. Die Mannschaft der „Citta da Milano" arbeitet fieberhaft an der Ausbesserung der Schäden. Das Wetter ist für den Weiterflug der „Italia" von Vadsö außerordentlich ungünstig, denn südlich der Bäreninsel herrscht Regen und Wind, nördlich derselben aber so daß die Gefahr einer Vereisung des Luft- 'chiffes während des Fluges nicht ausgeschlossen ist. Die hiesige Wetterwarte rät zu einer längeren Der- ichiehung des Weiterfluges.
«b« Stetige tNahIlMIE in Mra
ungefähr 70 Wann zählen! kamen Schußwaffen, Schlag! schein. Ein Russe, fünf Jlafi,
, Mainz, 4. Mai. Mitglieder der Naftonal- loztalistifchen Arbeiterpartei aus Frankfurt, Darm- fwbf und Wiesbaden, die mit Autos hier einge- troffen waren, versuchten heute abend in der Aula höheren Mädchenschule eine Wahlversammlung abzuhalten. Gleich bei Beginn der Versammlung kam es zwischen einigen Kommunisten und Nationalsozialisten zu Tämchkeilen. 3m nächsten Augen- Jhcf) setzte eine blutige Schlägerei ein mit Revol- WB, Stühlen, Schlagringen, Knüppeln und kllesfern. Die anwesenden Kriminalbeamten, von denen einer einen erheblichen Messerstich in den Kops erhielt, mußten die Polizei alarmieren. Erft als ungefähr 80 Polizisten erschienen waren, konnte unter Anwendung von Gummiknüppeln der Schlacht ein Ende bereitet werden. Bei der Visitation der ungefähr 70 Mann zählenden Nationalsozialisten [ringe usw. zum Vor- ....... ionalsoziaUfiea und der
VerßaUttttSs- «nd VerwaStmLsMeßorm
Dev A«Sfch«S stellt ein Pvogvamm dev zunächst zu behandelnden Probleme aus
BerUn, 4. Mai. Heute trat im Pfeilersaal des Reichskauzlerhauses der im Zarmar " ' ...... - fafsungs- uud verwaltuagsreform
von der Länderkonferenz beschlossene Ausschuß für versa zu seiner ersten Sitzung zusammen. De» Vorsitz führte ins Holungsurlaub befindlichen Reichskanzlers Dr. Marx sein S Hergt. An der Sitzung nahmen neun Ländervertreter teil.
Abschließend stellte der Ausschuß als zunächst M behandelnde Probleme folgende fest:
1. Die Frage des Verhältnisses von Reich zu Ländern, iusbesonder? der Aufgaben- und Zustäu- digkeilsverleilung,
2. die Frage der kleineren und der leistungsschwachen Länder und der territorialen Flurbereinigung.
3. die sich unbeschadet von Ziffer 1 und 2 ergebenden allgemeinen Fragen der Verwaltungsreform.
Zu Ziffer 1 und 2 betraute der Ausschuß den Reichsminister des Innern, den Reichsminister der Finanzen, Ministerialdirektor Dr. Brecht (Preußen), Ministerpräsident Dr. Held (Bayern), Ministerialdirektor Dr. Poetzsch-Heffter (Sachsen) und den Reichsminister a. D. Hamm mit der Aufgabe, mit möglichster Beschleunigung, spätestens bis Ende Juni 1928 durch Sammlung von Material und auf andere geeignet erscheinende Weise diskussionsreife Unterlagen für die nächste Sitzung des Ausschusses sammenzustellen. Zu Ziffer 3 beauftragte der
er Dr. 'Stützel (Bachern), Staatsminister Dr. Apelt (Sachsen), Staatspräsident Bazille (Württemberg) und Staatspräsident Adelung (Hessen), in Verbindung-mit dem Reichsspârkommissar, Staatsminister a. D. Samisch, mit der entsprechenden Aufgabe. Für beide-Aufgaben werden die Reichsregierung und die Länderregierungen die Mitarbeit ihrer zuständigen Behörden zur Verfügung stellen.
Mit Worten des Dankes an die Mitglieder des
SEsms Otttevverttton in Ehina
treue StvaSeukSmvfe in Tftuan-u
London, 4. Mai. Aus Tsinanfu werden ernste Kämpfe zwischen Japaner» und nationalistischen Truppen gemeldet. Angeblich wurde eine größere Anzahl von Japanern und Chinesen getötet. Aus Tokio wird die Entsendung weiterer Truppenverfiärkungea berichtet.
Der Grund für die Zusammenstöße zwischen japanischen und südchinesischen Truppen in Tsinanfu ist darin zu suchen, daß die 3 a- paner eine Entwaffnung in der von Japan besetzten Zone Ts»nanfus forderten, was jedoch von den chinesischen Führer« abgelehnt wurde. 3n Tokio wird die Lage sehr ernst beurteNt. Es wurden 2500 Mann Militär marschbereit gemacht. Neun Kriegsschiffe haben Befehl zur Ausreise nach China erhalten. Außerdem entsendet Japan eine gemischte Brigade von 2000 Mann von Bairen nach Tsingtau. Flugzeugverbände gehen von Korea aus und Eisenbahnertruppen von Japan aus nach Tsingtau ab. Letztere führen Panzerzüge mit sich. Die japanischen Kriegsfckiifse haben Befehl erhalten, die chinesischen Häfen a'm Jangtsekiang anzulaufen, um die japanischen Staatsangehörigen zu schützen. Vier weitere Torpedobootszerstörer gehen nach Tsingtau. Soweit sich aus den widersprechenden Nachrichten über die Gefechte am Freitag erkennen läßt, wurden
durch bas japanische Maschinengewehrfeuer in Tsinanfu über hundert Chinesen getötet und eine große Anzahl verwundet.
Es scheint, daß die ersten Berichte über getötete europäische und javanische Zivilisten weit übertrieben waren. Tatsächlich ist bisher in London noch keinerlei Bestätigung dieser Meldungen eingetrosten: es wird im Gegenteil gemeldet, daß es den Zivilisten gelungen sei, die Stadt Dinanfu rechtzeitig zu räumen. 3m Verlaufe der Känwfe von Freilag morgen wurden auch japanische Soldaten getötet. Wie aus Peking gemeldet wird, Hal die dortige sapanstche Legallon einen Funkspruch aus Tsinanfu erhalten.
Kriminalbeamte mußten ins Städtische Krankenhaus geschafft werden, eine größere Anzahl Verletzter, darunter zwei Mainzer Stabtoerorbnete, erhielten Nokverbände. Das Innere der Aula ist schwer beschädigt, und die Stühle bilden einen Trümmer, hausen, vo» sich aasawmelade Publikum, bas auf
rung des auf Sr- Reichsjufttzminifter
Uhr di« Sitzung.
Berlin, 4. Mai. Wie in politischen streifen verlautet, hatte die Reichsregierung den Ausschuß für Verfassungs» und Verwaltungsreform jetzt noch einberufen, um die Arbeiten nicht bis in den Herbst hinein zu verzögern, sondern bie Zwischenzeit bis zur Bildung einer neuen Regierung für die sachlichen Arbeiten des Ausschusses ausnützen zu können. Von Interesse ist aus den heutigen Verhandlungen noch, daß der Reichskanzler darauf verzichtet hat, in politischen Fragen durch seine Stimme den Ausschlag zu geben. Außerdem wurde vereinbart, daß auch der Stellvertreter des Reichskanzlers ständig an den Sitzungen teUnehmsn kann, ebenso die Stellvertreter anderer Minister, um es ihnen zu ermöglichen, daß sie ständig über die Fortschritte der Untersuchung im Bilde sind. Es wird übrigens betont, daß es sich um ein Gremium von Persönlichkeiten handelt, so daß also die Stellungnahme eines Ministers in diesem Ausschuß keineswegs für fein Ressort bindend ist. Auf der anderen Seite bedeutet aber die Entsendung von Ministern in die heute gebildeten Untergremien keineswegs, daß nach der Neubildung der^ägleruW nach den Wahlen dieselben Herren weiter in dieser Funktion bleiben. Vielmehr werden dann ihre Nachfolger aas der neuen Regierung die Aufgabe übernehmen. Wenn in dem amtlichen Bericht über die heutig Sitzung gesagt wird, daß die Länder die Mitarbeit ihrer Behörden zur Verfügung stellen werden, so hat das den Sinn, daß auf diese Weise auch die kleineren Länder bei den weiteren Arbeiten beteiligt werden sollen, so daß alle wichtigen und wertvollen Kräfte ausgenutzt werden.
wonach die Japaner bei den Kämpfen mit den süd- chinesischen Truppen drei Offiziere und 31 Mann verloren haben. Ueber Hundert Chinesen seien gefallen. Die Kämpfe hätten erst heute früh 6 Uhr ihr Ende genommen, nachdem General Tschiang Kai- fchek fei ne Truppen zurückgezogen habe.
GefSHMche Lase dev Oavauev m L«»a«r«
Paris, 4. Mai. Havas berichtet aus Peking: Die japanische Gesandtschaft teilt mit, daß aus Grund eines Abkommens die Chinesen die japanische Kon- zefsionszons von Tsinanfu um 7 Uhr morgens hätten räumen sollen. Sie hätten aber ihre Truppen zu- ammengezogen und um 11 Uhr versucht, die ver- chiedenen Zugänge zu der Konzessionszone gewalt- am zu erzwingen. Der Kampf sei wieder entbrannt und habe noch um 2 Uhr nachmittags angedauert. Die durch einen Nachtmarsch ermüdeten japanischen Truppen, die zahlenmäßig unterlegen leien, kämpften mit Erbitterung. Man glaube, daß die militärische Sendestation zerstört und die Telegraphenleitungen unterbrochen seien. Infolge Zerstörung der über den Gelben Fluß führenden Brücke hätten die aus Tientsin eintreffenben japanischen Verstärkungen ihren Kameraden nicht zur Hilfe kommen können.
GinspvttÄi dev tBiitefif tbeti Kesrev«ns
Peking, 5. Mai. Die hiesige Regierung über- sandte der japanischen Bostchast eine Note, in der wegen der Zwifchenfâüe von Tsinanfu Einspruch erhoben wird.
Me Nationalsozialisten einbringen wollte, konnte nur durch ein weiteres Polizeiaufgebot in die benachbarten Straßen abgedrängt werden.
M< «leibe.
D« polnischen find die französischen Wahlen gefolgt und wie die ersteren zu einem Erfolg des polnischen Regierungschefs Pilsudski geführt, so haben die letzteren einen Sieg des französischen Ministerpräsidenten Poincarè ge- zeitigt. Es ist außerordentlich schwierig, ja fast unmöglich, die Programme und die politischen Ziele der einzelnen im Namen nach sich ähnelnden französischen Parteien und Gruppen zu ergründen und näher fsstzustellen. Entige Tage nach der Wahl herrschte selbst w Frankreich noch Unklarheft darüber, inwieweit die französischen Wahlen ein Erfolg Poincarès gebucht hatten. Fast stündlich wurden immer werte Statistiken heraus- gegeben, mit denen man den Erfolg Poin- carès verkleinern wollte. Doch all diese Statistiken und Auslegungen vermochten an der einen Tatsache nichts zu ändern, daß diejenigen Parteien eine Stärkung erfahren hatte«, deren Wahlparole die Unterstützung der Per- fort, bzw. der Politik Poincarès war. Das französische Volk hat für die Republik und gegen den Kommunismus gestimmt — der Gewinn der regierungsfreundlichen Parteien ist auf Kosten der Kommunisten und der sogenannten Potncarè feindlichen Daladier- Gruppe der Radikalsozialisten gegangen —, die französischen Wähler haben sich für ein« stetige Politik und die Sicherung der französischen Finanzen — Ziele, die sich in dem Namen Poincarè verkörperten — entschieden. Ja, der Ausfall der Wahl bestätigt die bisherige Regierungspolitik so klar und deutlich, daß selbst von einer nach Neuwahlen sonst üblichen Demission des Kabinetts Abstand genommen werden soll. Das alte Kabinett wird sich vielmehr in ferner bisherigen Zusammensetzung der neuen Kammer vorstellen und erwartet, daß ihm die Kmmner das Vertrauen aussprechen wird.
Mit diesem Ausfall der französischen Kammerwahlen, bzw. dem Verbleiben der seitherigen Regierung wird eine Illusion zerstört, der man sich in deutschen Linkskreisen hingegebeu hatte. Diese Kreise hatten vor den Wahlen den kommenden „Linksruck" in Frankreich verkündet und gehofft, diesen Wahlausfall in der Wohlpropaganda für die deutschen Wahlen verwerten zu können. Man hatte bereits die These aufgestellt, Deutschland müsse deshalb links wählen, well nur mit einer deutschen Linksmehrheit und einer angebliches französischen Linksmehrhett das deutschfranzösische Verhältnis endgültig zu konsolidieren sei. Werm im deutschen Reichstag ebenfalls eine große Linksmehrheft vorhanden sei, dann würde es etwas einfaches fein mit Frankreich eine VerftSndigung über alle Streitfragen einschließlich der Rheinlandbesitzung zu erzielen. Diese These ist nun hinfällig geworden, dennoch hat man es niiht abgegeben den Ausgang der französischen Wahlen als Parole für die^ deutschen Wahlen auazunützen. Heute sagt man, Deutschland müsse mm erst recht links wählen, um der Weir zu zeigen, daß es verständigungs- bere^ler sei als Frankreich. Nun, was wir mit unserer Verständigungsbereitschaft bisher erzielt haben — auch die sogenannte Bürgerblockregierung hat zahlreiche Proben der Verständigungsbereitschaft gegeben und ist damit auf bet Gegenseite auf großen Widerstand gestoßen —, dürfte zur Genüge bekannt sein. Mit dem Ruhm eines verständigungsbereiteren Deutschland allein ist nichts anzufangen. Wir hätten es bei einem Sieg des französischen Linkstartells ganz gewiß nicht leicht gehabt die außenpolitischen Streitfragen einer Lösung nahe zu bringen — erinnert sei nur an die Sicherungsforderungen Paul-Boncours —und unsere Lage würde nicht erleichtert, wenn die deutsche Linke bei den kommenden Reichstagswahlen einen Sieg davon tragen würde. Nachdem die Mehrheit des sranzösischen Volkes sich für Poincarè — den Retter des Franken — ausgesprochen hat, wird dieser gestützt auf eine gewaltige Mehrheit künftig auch eine Außenpolitik treiben, die mehr den Stempel Poincarès als den Briands tragen wird. Der Ausfall der deutschen Wahlen wird auf ihn ohne Einfluß sein. Wir werden daraus gefaßt sein müssen, bei unseren Bestrebungen
Die Herr rss Kummrs «mkatzi 20 Sette«.