Seife 10
Mittwoch den 2. Mai 1928
Nr. 103
Sft eine Kahvi nssb dem Monde mSslied?
Don Ingenieur Hermann Röder-Dresden.
Der kürzlich auf der Opelrennbahn wohl zmn ersten Male angestellte und günstig ausgefallene Versuch, mittels des Rückstoßes verbrannter Pulver- gafe einen Rennwagen vorwärts zu treiben, läßt die oben gestellte Frage wieder in greifbarere Nähe rücken, wenn auch infolge der außerhalb der Erdatmosphäre entstehenden Schwierigkeiten eine Weltraumfahrt noch für lange Zeit ein ungelöstes Problem bleiben wird. Abwaschen von diesen konstruktiven Schwierig! eiten soll uns hier allein interessieren, ob überhaupt auf Grund der technischen und physikalischen Prinzipien und Lehren die Möglichkeit einer Bewegung im leeren Weltenraum besteht, wo ein Vorwärtsbewegen mittels Reibung wie auf der Erdkugel z. B. zwischen Stiefelsohle und Fußboden, zwischen Rad und Eisenbahnschiene zwischen Schiffsschraube und Wasser, zwischen Propeller und Lust nicht ohne weiteres gegeben ist, also auch ein Fliegen nach den üblichen Methoden versagt, weil der Träger des Flugzeugs, die Luft, fehlt.
Hier ist es allein das mechanische Prinzip des Rückstoßes, wie wir es von der Rakete her kennen, di« durch den Rückstoß der ausströmenden Feuer- werksgcsse hoch in die Luft getrieben wird, das uns heute schon wenigstens theoretisch eine Welt- raumschiffahrt möglich erscheinen läßt. Um verständlich zu sein, stütze ich mich auf den Vorgang beim Abfeuern eines Geschützes. Während das Projektil mit großer Geschwindigkeit aus der Geschützmündung geschleudert wird, üben die Pulvergase ^eichzertig eine Kraftwirkung auf das Geschütz aus, die sich in dem sazenonnten Rückstoß oder Rohrrücklauf äußert. Da nun die Masse des Projektils viel geringer ist als die des Geschützes, io wird es eine im Verhältnis viel größere Geschwindigkeit erhalten als das Geschütz, welch letzteres durch die Reibung und Verankerung am Erdboden sehr schnell abgebrernst wird. Die Kraftwirkung des explodierenden Pulvers auf Geschütz und Projektil ist gleich groß. Da nun nach physikalischen Gesetzen die Kraft gleich dem Produkt aus Masse mal Beschleunigung ist, so kann man die Masse beispielsweise des Profsktils sehr klein wählen, wenn man nur
die Anfangsbesch!eumgung sehr groß machl. Bei dem Rakerenweltraumschiff entspricht nun dieses dem Geschütz, während die Gasmoleküle der Pulver- bzw. Explosionsgase gleichsam den Hinausge- feuerten Projektilen entspreckren, die durch geeignete Düsen mit ungeheurer Geschwindigkeit aus dem Raketenschiff durch die kontinuierlichen Explosionen hinausgoschlsudert werden, so daß also auch bei der verhältnismäßig geringen Masse der Gasmoleküle eine erhebliche Kraftwirkung entspringt, die als Reaktionsdruck dem Raumschiff die erforderliche Geschwindigkeit von 10 Sekunden-Kilvmeter zu geben vermag, um aus dem Anziehung-bereich der Erde heraus zu kommen. Wie beim Geschütz bei dieser Betrachtung die Luft ohne Bedeutung ist, spielt sie also auch beim Raumschiff keine Rolle. Und wenn wir oben auf der Erde eine Reibung,- also einen Widerstand für das Fortbewegen bzw. den Abstoß als erforderlich vorausfetzen, so wird dieser Widerstand beim Raumschiffe eben von den in den Raum hinausgestoßenen Gasmolekülen gebildet. Wissenschaftlich genaue Berechnungen Prof. Oberths und Max Valiers (siehe deren Werke!) haben bereits in der Theorie einwandfrei bewiesen, daß eine Raumschiffahrt nach dem Raketenprinzip möglich ist, wenn auch die konstruktive Ausführung solcher Raumschiffe, in denen zufolge der Explosionen Temperaturen von mehreren tausend Grad herrschen, heute noch ein ungelöstes Problem ist. Haben mir jetzt erkannt, daß eine Bewegung im Weltenraum aus dem Raumschiff eigenen Mitteln theoretisch wohl möglich ist, so ist damit auch die Steuerfähigkeit und die Möglichkeit des Abbremsens gegeben, indem Z. B. im gegebenen Augenblick entsprechende Explosionen aus seitlichen Düsen aus- geleitet werden. ,
Auch die Erdrotation, die Bahngeschwindigkeit der Erde bzw. des ganzen Sonnensystems geben keinen Hinderungsgrund. Diese Größen sind bekannt unt> können mit der ebenfalls bekannten Geschwindigkeit des Raumschiffs zu der gewünschten Resultierenden zusammengesetzt werden, oder es ist aus der gewünschten resultierenden Geschwindigkeit nach Richtung und Größe diejenige des Raumschiffes zu berechnen und Düsen und Explosionsladung sowie die Richtung des Raumschiffes sind danach einzustellen. Theoretisch ist also sehr wohl eine Fahrt nach dem Monde möglich._____________
Gsort-LUuhrttbte«.
Tennis.
Süddeutsche Meden-Spiele.
In Baden-Baden nahmen am Samstag die süddeutschen Meden-Spiele ihren Anfang. Die bayerisch« Mannschaft war nicht erschienen, da sie sich wegen Erkrankungen und Urlaubsschwierig- teiten mehrere Spitzenspieler am Freitag abend streichen lassen mußte. Hessen kam somit ohne Spiel in die nächste Runde, in der erwartungsgemäß Baden der Gegner war. Die badische Medenmannschaft siegte über Württemberg mit 9:0 Punkten, 18:3 Sätzen und 122:59 Spielen. Zu bemerken ist, daß der Davispokalspieler Dr. Buß (Mannheim) nur im Doppel antrat.
Am Sonntag wurden die süddeutsche Meden- spiele mit der Begegnung zwischen Baden und Hessen fortgesetzt. Die badische Mannschaft trat in einer wesentlich stärkeren Besetzung wie am Samstag an. Sie siegte gegen Hessen mit 8:1 Punkten, was als ganz großer Erfolg anzusprechen ist. Die Ueberraschung des Tages bildete der glatte Sieg von Dr. Buß (Mannheim) über den deutschen Altmeister Otto Froitzheim (Wiesbaden). — Einzelspiele: Dr. Buß (Baden) gegen Otto Froitzheim (Hessen) 6:1; Klopfer (Baden) gegen Gosewich (Hessen) 7:5, 1:6, 7:5; Oppenheimer (SBaben) gegen Breuer (Hessen) 7:9, 6:4, 6:4; Dr. Fuchs (Baden) gegen Floda (Hessen) 6:0, 6:0; Erwen (Hessen) gegen Weihe (Baden) 7:9, 6:4, 6:4; Salmony (Baden) gegen Bermann (Hessen) 6:1, 6:2. — Doppelspiele: Dr. Buß- Oppenheimer (Baden) gegen Otto Froitzheim-Gose- Fuchs (Baden) gegen Breuer-Bermann (Hessen) 6:2, 8:6; Waldeck-Salmony (Baden) gegen Erwen- Dr. Scholz (Hessen) 6:2, 6:2.
Handball.
Um die westdeutsche D. T.-Handballmeisterschast.
In Koblenz vermochte der M i t t e l r h c inkreis bei den Vorspielen um die westdeutsche D. T.-Harrdballmeffterschaft einen Doppelerfolg zu erzielen. Die DaMen der Eintracht Frankfurt errangen nämlich einen schönen 3:0-Sieg über die Damen der Turngemeinde Witten, wäh
rend bei den Turnern T.-V. M a l s t a t nach hart- nötigstem Kampfe nach Verlängerung Iahn Lüdenscheid mit 7:5 abzuschütteln vermachte, nachdem der Kmpf bei Ende der regulären Spielzeit 5:5 und bei Halbzeit 4:4 gestanden hatte. Der Fußballkampf dar Meister wurde beim Stande 2:1 für Ober ft ein — Gegner war Castrop — wegen Unwetters abgebrochen.
Boxen.
Sharkey schlägt Delaney in der 1. Runde k. o.
Im Madison Square Garden zu Newyork fand das mit großer Spannung erwartete Zusammen- treffen der beiden Anwärter auf den Weltmeister- titel Sharkey und Delaney statt. Der Kampf, der über 15 Runden angesetzt war, endete mit einem sensationellen Niederschlage Delaneys bereits in der ersten Runde.
Fieseler deutscher Kunskfliegermeister.
Bei dem Wettkampf im Kunstfliegen um den Silberpokal des Bayerischen Luftvereins auf de» Flugplatz Oberwiesenfeid bet München blieb Fieja- ler mit 353 Punkten vor Udet (338 Punkte) Sieg«. Fieseler errang den Vorsprung durch seine präzis«« Manöver beim Kürprogramm.
RunSsunk-Programme.
Frankfurt (428,6 Meter) und Cassel (272,7 Meter).
Mittwoch den 2. Mai.
1.30—2.30: Uebertragung vom Residenz-Kaffee Kassel: Mittagsständchen der Kapelle Dobesch-Dobes. 3.30—4: Die Stunde der Jugend, Vortrag. „Hoher Besuch im Kloster St. Gallen". — 4.30—5.15: Konzert des Rundfunkorchesters: Meyerbeer (gest. 2. Mai 1864. — 5.45—6.05: Die Bücherstunde. — 6.15—6.30: Vereinsnachrichten und andere Mitteilungen. — 6.30—7: „Die Religion bei Platon und Aristoteles", Vortrag. — 7—7.30: Beamtensortbil- dungskursus: „Handelspolitik der Gegenwart in Theorie und Praxis", Borttag. — 7.30—8: Französischer Sprachunterricht. — 8—8.15: Senckenberg- Viertelstunde. „Tierleben des tropischen Urwaldes", Vorttag. — 8.15: Don Karlsruhe: Konzert. — Anschließend Vortragsabend Dr. Peter Bach.________
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