Sette 2
Dienstag den 17. April 1928
Nr. 90
ral Nobile und Amundsen erhoben. Messungen wurden überhaupt nicht vorgenommen, so daß ebenso wie bei Byrds Nordpolexpedition allein die Tatsache der Erreichung des Polargebietes blieb. General Nobile hat also mit seinem „Jtalia"-Flug alle Chancen, wissenschaftliches Neuland zu betreten und das Wissen um das Polargebiet entscheidend zu bereichern. Da der Flug großzügig vorbereitet wurde und alle technischen Hilfmittel zur Verfügung stehen, so ist zu hoffen, daß die Nordpolarexpedition des Jahres 1928 endlich wissenschaftlich einwandfreie Ergebnisse zeitigen wird.
Das Urteil im National sozZalisten-Pvozeß
Berlin, 16. April. Im Nationolsozialisten-Pro- zeß, bei dem es sich um einen Ueberfall eines nationalsozialistischen Trupps auf kommunistische Rote Frontkämpfer im Bahnhof von Lichterfelde handelt, wurde heute nach vierwöchiger Verhand- lungsdauer das Urteil gesprochen. Der Hauptangeklagte Schäfer wurde wegen schweren Landfriedensbruches in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Elf Monaft der Untersuchungshaft werden ihm auf dieft Strafe angerechnet. Von den übrigen sechs Angeklagten erhielten vier Gefängnisstrafen von neun Monaftn bis* zu zwei Monaten. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen.
Bei der Urteilsbegründung kam es zu einem aufregenden Zwischenfall. Als der Vorsitzende auf die Persönlichkeit des Houptangeklogten Schäfer einging und diesem vorwarf, daß er bie schwerste Schuld bei den Lichterfelder Vorgängen habe, zog der Nationalsozialist plötzlich ein Messer hervor und versuchte sich die Pulsader am Halft zu durchschneiden. Ein Schöffe sprang vom Richterttsch auf und versuchte Schäfer das Messer zu entreißen. Nach heftigem Kampf gelang es mehreren Schupo-Beamten, Schäfer auf den Boden niederzudrücken und ihn zu bändigen. Er scheint erhebliche Verletzungen erlitten zu haben.
Begrün des Rssettfeldev Fememovd-Nvozefses
Steffin, 16. April. Vor dem hiesigen Schwurgericht begann heuft vormittag der Prozeß gegen Leutnant a. D. Edmund Heines und sieben weitere Angeklagte wegen angeblicher Ermordung des ehemaligen Roßbach-Angehörigen Willi Schmidt. Dem Angeklagten Leutnant a. D. und jetzigen Studenten der Rechte, Edmund Heines aus München, dem früheren Feldwebel und jetzigen Kraftwagenführer Ottow aus Peitz bei Cottbus und dem Arbeiter Ewald Fräbel aus Bremen wird zur Last gelegt, den früheren Angehörigen der Organisation „Roßbach" Willi Schmidt im Jahre 1920 vorsätzlich getötet zu haben, während die Angeklagten Arbeiter Max Krüger, Ädministtator Ernst Bergfeldt aus Rosenftlde, Eisenbahnschlosser Max Bendemer, Kutscher Kurt Bär sowie Arbeiter Johannes Vogt der Beihilfe beschuldigt werden.
Nach Verlesung der Anklageschrift und Fest- ffeflimq her Ve-fonafien der
die Vernehmung des Angeklagten Max Krüger eingetreten. Nach Beendigung des Feldzuges gehörte Krüger zunächst der „Sturmabteilung Roßbach" an und trat im Jahre 1920 zu der Arbeitsgemeinschaft „Roßbach" nach Stecklin über, wo er Vertrauensmann der Organisation in Stecklin war. Hier wurde ihm im Laufe der Zeit der ermordete Willi Schmidt zugeteilt. Ueber bie ihm zur Last gelegte Straftat äußerte sich Krüger dahin, daß Schmidt, der anfangs sehr arbeitsfreudig gewesen sei, sich später geweigert habe, zu arbeiten. Als Vertrauensmann habe er, Krüger, dies dem Kreisleiter in Altwerder, dem Leutnant Walter Schulz, pflichtgemäß gemeldet. In dem Dorft Stecklin fei aber das Gerücht umgegangen, daß der Ermordete die von der „Roßbach" versteckten Waffen habe ver- raten wollen. Darauf sei er, Krüger, von zwei Herren, den Heines als Kriminalbeamten bezeichnete. aufgesucht worden. Während aber der Angeklagte Krüger vor dem Untersuchungsrichter im Februar d. J. ausgesagt hatte, in diesem Kriminalbeamten den Angeklagten Ottow erkannt zu haben, glaubt er jetzt, sich des zweiten Herrn nicht mehr entsinnen zu können. Auf Auffordening des Leutnants Heines habe er diesem das Quartier des Schmidt gezeigt, fei aber zunächst nicht mit ihm in das Haus gegangen. Späterhin fei er in das Zimmer getreten und habe wahrgenommen, daß Schmidt am Kopf stark blutete; er will aber nicht wissen, wie vchmidt zu der Verwundung gekommen sei. Leut- . nant Heines und der angebliche Kriminalbeamte seien daraufhin mit Schmidt in einem Fuhrwerk fortgefahren.
Der zweite Angeklagte Bandemer gab an, auf der Fahrt mit dem bereits verwundeten Schmidt nach dem Wald nur eine passive Rolle gespielt zu haben. Er habe im Wagen gestanden, während sich die anderen in den Wald begaben. Ob sie dort gegraben hätten, könne er nicht genau sagen. Der Angeklagte Vogt belastete den Angeklagten Bergfeldt. Er gab u. a. an, daß Bergfeldt ihn am fraglichen Abend auf sein Zimmer gerufen und ihn beauftragt habe, Spaten vom Speicher zu holen. Mit diesen Spaten sei man dann in den Wald gefahren und habe begonnen, eine Grube auszuwerfen. Auf Befehl von Leutnant Heines fei die Arbeit aber dann wieder eingestellt worden. Der Angeklagte B e r g f e l d t bestritt es, Voigt wissentlich Die Schlüße! zu dem Speicher gegeben zu haben, von dem er die Spaten geholt hat. Der Angeklagte mußte allerdings zugeben, daß er sich bemüht hatte, bie Aufdeckung des Verbrechens zu verhindern. Von der Vernehmung des nächsten Angeklagten ließ der Hauptangeklagte Heines durch feinen Verteidiger mitteilen, daß er ein Geständnis oblegen wolle. Der Angeklagte Fräbel teilt dann über den Verlauf der Tat mit, er sei nachts in seinem Quartier geweift worden und dann mit Heines, Ottow und Bär in den Wald gegangen. Dort habe Heines zwei Schüße auf Schmidt abgegeben, der darauf htnge- ltüvzt sei. Die Verhandlung dauert an.
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Kowno, 16. April. Die litauische Telegraphenagentur berichtet: Am 15. ds. Mts. überschritt der polnische Staatsangehörige Karameitschikas bei Seinkiat bie Demarkationslinie und beschoß aus
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General Nobile hat mit dem Luftschiff „Italia" seinen geplanten Nordpolflug angetreten. Das erste Ziel ist die große Halle des Flughafens Seddin bei Stolp in Pommern. Die „Italia ähnelt der „Norae", auf der Nobile mit Amundsen im Jahre 1926 seinen bekannten Nordpol- fluq unternahm. Das Luftschiff „Italia" ist 18 500 Kubikmeter groß 106 Meter lang und 24 30 Meter hoch. Drei Maybachs von 240 PS bilden bie motorische Kraft. Die Besatzung beträgt 19 Mann. Unsere Aufnahme veranschaulicht die „Italia" im Flughafen von Mailand startbereit. (Das Bild wurde uns von der Reichspressestelle Italiens zur Veröffentlichung zur
Verfügung gestellt.)
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Beschädigung ernsterer Natur. — Die Beschaf-
senheit des Luftschiffs. — Die Polarexpedition erst
Anfang Mai möglich.
Berlin, 17. April. Wie die BS.-Korrespondenz aus Stolp drahtet, ergab eine genaue Prüfung der Italia durch die italienischen Ingenieure, daß die Beschädigungen der linken Dämpfungsflosse doch ernstlicherer Natur sind, als es im ersten Augenblick den Anschein hatte.
Man kann sich, wenn man die zerbrochenen Spanten und Spieren und die zerfetzte Leinwand steht, erst ein Bild machen, mit welch ungeheurer Gewalt der Sturm das Luftschiff gepackt haben muß. Die Dämpfungsflosse, eine mehrere Quadratmeter große Fläche, die dazu dient, die Geichge- wichtslage des Schiffs zu erhöhen, ist vollkommen zerstört. Holz- und Metallteile hängen an dem Ballonkörper, und die Leinwand ist fast vollkommen verschwunden. Aber auch sonst sieht man, wie der Sturm das Luftschiff mitgenommen hat. Nobile ist längere Zeit durch einen starken Hagelsturm geflogen und die Propeller der drei Motoren sind an ihren Rändern wie ausgesägt. Man wird die Luftschrauben also ergänzen müssen.
Die Italia, die jetzt in der Seddiner Halle liegt, macht einen für deutsche Begrifft überaus leichten und zierlichen, im Vergleich mit dem Zeppelin- Gründen der Gewichtsersparnis hat man den Längsträger, der sich unter den beiden Gasquellen die Ballonkörpers hinzieht, so schwach dimensioniert, als es eben noch möglich war. Auch alle Verstrebungen stnd ungemein leicht gehalten, so daß das Schiff, w,nn ein oder zwei Personen durch den
Mittelpunkt pendelt. Die bei anderen
gehen, nicht unerheblich schwankt und Motorgondeln sind nicht, wie man es Konstruktionen gewöhnt ist, an Stahl-
Briefwechsel Litwinow - Loudon Gt« Nachspiel zuv Genfer Äbvüftungskonfevenr
Geuf, 16. April. Das Völkerbundssekretariat gibt soeben einen Briefwechsel bekannt, der im Anschluß an die letzte Tagung des Vorbereitungsaus- fchuffts für die Abrüstungskonferenz zwischen dem ersten Sowjetbevollmächtigten Litwinow und dem Präsidenten des Ausschusses Loudon, erfolgte. Der Brief Litwinows, der am 2. März in Genf sofort nach Schluß der Tagung des Ausschuss fes geschrieben wurde, nimmt Stellung gegen g e- wisse Wendungen des Präsidenten, die, wie es in dem Briefe heißt, dem Herkommen und der in solchen Fällen angebrachten Unparteilichkeit widersprächen. In dem Briefe heißt es u. a.: „Ich glaube, es ist für jedermann ersichtlich, daß non der Sowjetdelegatton während der 4. und 5. Tagung des Vorbereitungsausschusses nichts getan oder gesagt worden ist, was die Anspielungen eines unparteiischen Präsidenten rechtfertigen könnte, mit denen angedeutet werde, die Sowsetdelegation wollte einer Tagung des Ausschusses zu anderen Zwecken, als zu einer aufbauenden Arbeit, beiwohnen. Ich habe Ihnen, Herr Präsident, durch diesen Brief mitteilen wollen, wie schwer die Sowjetdele- aation, die von mir bezeichnete Stelle in ihrer Schlußrede empfunden hat". Litwinow äußert schließlich den Wunsch, daß fein Brief dem Pro -
einem Revolver den dortigen litauischen Grenz, posten. Diese erwiderten mit einigen Schüssen und verletzten Karameitschikas tödlich. Karameitschikas lief über die Demarkationslinie zurück und brach tot auf polnischer Seite zusammen.
Aus aller wett.
Vevbü«a»ksvoae BvSnde in de« veeeinkste« Staaten
Alton« (Pennsylvanien), 16. April. Bei einem
Brande, der heule früh das Dohnhaus eines Steinbrucharbeiter einäscherte, kamen dessen Frau, sechs Sinder und sechs hochzettsgSfte ums Leben. Unter den Toten befindet sich eine Tochter des Steinbruch-
streben aufgehängt, sondern schweben frei an sechs Drahtseilen, die an einem Querträger verankert sind. Vom Mittelgang des Luftschiffs führt zu den Motorgondeln ein 30 Zentimeter breiter Steg, der nur auf der einen Seite durch ein Metallrohr als Geländer gesichert ist, während auf der anderen Seite ein schwaches Drahtseil dem Monteur, der vom Ballon aus sich während der Fahrt auf seinen Posten begeben muß, als Halt bient. Ebenso ist der Einstieg vom Mittelgang in die am Heck angebrachten Motorgondeln ein wenig gewagt, und bei böigem Wetter hat der Mechaniker, der dort Dienst tut, seine ganze Gewandtheit aufzubieten, um glücklich in oder aus dem Maschinenraum zu gelangen. Die Führergondel ist lediglich mit Leinwand bekleidet, besitzt nur an der Spitze Fenster aus Glas, während sonst alle andern Fenster aus Zellon bestehen. In der ganzen Kabine befindet sich nicht eine einzige Sitzgelegenheit, so daß die Steuerleute und die Mannschaften, die an den Apparaten nicht beschäftigt sind, sich in den Mittelgang in die Hängematten begeben müssen, um dort zu ruhen. Infolge der leichten Verkleidung ist es in der Kabine natürlich außerordentlich kalt. Im Mittelgang sind 26 Brennstoffbehälter untergebracht, von denen jeder 250 Kilo faßt. Die gesamten Brennstoffkessel' sind durch Rohrleitungen untereinander verbunden und führen den Motoren die nötigen Mengen Benzin und Oel zu. Vorn in der Führergondel hängt unmittelbar über dem Platz des Steuermanns ein Bild der schwarzen Madonna, das man vor der Abfahrt mit Rosen und Nelken geschmückt hatte.
""In den nächsten Tagen, wenn die Nüsbesserun- gen an dem Luftschiff beendet sind, wird man mit der Nachsüllung des Gases beginnen, wozu jetzt bereits die Vorbereitungen getroffen werden. Immerhin dürfte es noch 8—10 Tage dauern, bis die Italia wieder vollkommen fahrbereit fein wird. General Nobile will dann erst einige größere Probefahrten antreten so daß der Aufbruch zu der Polarexpedition nicht vor dem 8. oder 10. Mai erfolgen dürste.
t o k o l l der 5. Tagung des Ausschusses b e lg s - fügt werde.
In der Antwort, vom 2 April aus Paris basiert, spricht Loudon seine Ileberraschung über den Brief Litwinows aus, da er in seiner Schlußrede nichts gefunden habe, was gegen die Unparteilichkeit eines Präsidenten verstoße. Wenn er die russische Delegation aufgefordert habe, die bereits ge- leistete Arbeit nicht zu zerstören, so war es deshalb, weil eben der russische Abkommensentwurf die Vernichtung der bereits vollzogenen Arbeiten an- strebte. Weiter heißt es in dem Briefe Loudons: »Zur Durchführung unserer Aufgabe unter Innehaltung der bisher von dem Ausschuß beobachteten Richtlinien habe ich Sie gebeten, sich uns im Geiste aufbauender Arbeit anzuschließen. Ich kann folglich nur bestätigen, was ich gesagt habe und sehe keinen Grund dafür, daß Sie an der bezeichneten Stelle meiner Rede Anstoß genommen haben, umsoweniger, als ich klar dargelegt habe, daß die Zusam- menarbeit mit Ihrer Delegation und Ihre Kritiken für unsere Aussprache sehr nützlich gewesen sind und sein werden." Loudon erklärte schließlich, daß er nichts gegen die Aufnahme seines Briefes und des Briefes Litwinows in das Protokoll der letzten Ausschußtagung einzuwenden habe.
arbeite« und deren Mann, die am Samstag ihre Hochzeit gefeiert hatten.
Atlantic City, 16. April. Das hiesige, an der Strandpromenade gelegene Hotel 3requoi» wurde durch Feuer teilweise zerstört. Nach den bisherigen Feststellungen fiel dem Feuer ein Menschenleben zum Opfer. Neun Personen wurden verletzt, mehrere werden noch vermißt.
Bluttat eines Gefangenen.
Linz, 16. April. Der Justizwachkontrolleur der Männerstrafanstalt Garsten, Wolfgang Fineder, wurde gestern vormittag, als er die Zellen der Häftlinge revidierte, beim Verlassen der Zelle des, wegen Unverträglichkeit in Einzelhaft sitzenden f Sträflings, Franz Luttenberger, der das Tischler-
Handwerk ausübte, von diesem unvermutet überfallen und mit einem zweischneidigen Schnitzmesser hinterrücks ins Genick gestochen. Der Sträfling brachte dem Kontrolleur 17 schwere Verletzungen im Gesicht, am Halse, Nacken, Brust und Armen bei. Fineder tat noch einige Schritte und brach dann leblos zusammen. Das Motiv zur Tat sollen an. gebliche Schikanen des Kontrolleurs sein. Bem«, kenswert ist, daß die Sträflinge der Anstalt bit Auslieferung des Mörders verlangten, um ihn felbsi richten zu können. Der Mörder ist bereits 21 mal wegen verschiedener Eigentumsdelikte schwer vor straft.
Ein Toter und vier Schwerverletzte bei einer Autofahrt.
Benrath, 17. April. Fünf junge Leute aus Höh schein vereinbarten in der Nacht zum Montag in einem Lokal mit einem Chauffeur eine Autosahn Nachdem noch in verschiedenen Lokalen Einkehr ge. halten worden war, wurde die Weiterfahrt über Benrath angetreten. Der Führer des mit wahn- sinniger Geschwindigkeit rasenden Wagens übersah wahrscheinl. die scharfe Kurve an der Kölner Landstraße und Rodenbacherallee und bremste im Augenblick mit solcher Gewalt, daß das Hinterrad und das Steuer brachen und der Wagen sich dreimal überschlug. Vier der Insassen wurden dabei a.u« dem Wagen herausgeschleudert und blieben schwerverletzt liegen. Der Führer war infolge eines SG delbruches sofort tot. Die Schwerverletzten wurde: sofort ins Krankenhaus geschafft.
Die Opelsche Luflrakete.
Die Opelwerke setzen in Verbindung mit den Ingenieur Sander die Versuche mit der Rakete nach dem System Valier fort. Die Versuche werden streng geheim' gehalten. Ingenieur Sander stellte eine kleine Luftrakete her, die bei ihrem Probeflug eine Lufthöhe von 10 Klm. erreicht hat. Augenblicklich baut er an einer stärkeren Rakete, die eine und eine Lufthöhe von über 150 Klm. erreichen soll
El« vevsitetteS Attentat auf âatsev Vilhelm während des
WeltkeiegeA
Budapest, 12. April. Unbekannte, sensationelle Enthüllungen über ein vereiteltes Attentat auf Kaiser Wilhelm II. veröffentlicht der Korvettenkapitän d. R. Viktor Görgey in der militärische« Zeitschrift „Kriegsgeschichtliche Mitteilungen". Daraus geht hervor, daß der deutsche Kaiser wie durch ein Wunder dem sicheren Tod entgangen ist und sein Leben dem Umstand zu verdanken hat, M der Dampfer, auf dem er fuhr, eine Panne erlitt und er das Schiff verlassen hatte, das seine Föhn unterbrach. Kaiser Wilhelm bestieg am 21. September des Jahres 1917_ mit seinem Gefolge in Giurgin den Dampfer „Sophie" der Ungarische« Fluß- und Seeschiffahrtg-ösellschaft, der einige Minuten nch 8 Uhr früh donauabwärts fuhr. In bei Nähe von Oltemitza brach das Steuer -des Dampfer! ' aus unbekannter Ursache, so daß das Schiff MP mehr weiter konnte. Mackensen, der sich ebenfalls auf dem Dampfer befand, suchte den Kaiser zu überreden, dieser möge die Fahrt auf einem Donau- monitor fortsetzen. Da jedoch der Kommanbau -der „Sophie" erklärte, daß das Schiff in tur^ Isst seine Fahrt fortsetzen kön—* erklärte Karst Wllhelm, er"Nichk" t
ten Donaumonitor zu besteigen, der der „SopW das Geleite geben sollte und die Talfahrt auch fort setzte. Mit einiger Verspätung traf der Dampfer Cernavoda ein, wo sich König Ferdinand von Bulgarien zum Empfang seines Bundesgenossen einge- funden hatte. Die b-ei-den Monarchen fuhren bann nach Konstanza, um dort voneinander Abschied P nehmen. König Ferdinand kehrte nach Sofia zurück, während der deutsche Kaiser nach Giurgiu fuhr. ,
Was geschah nun inzwischen auf -der Donau zischen Braila und Piua-Petri? Am 22. September hatte der Dampfer „Karl IV." mit 580 Passagiere« an Bord bie Fahrt nach Braila angetreten und am selben Tage hatte dieser Dampfer eine Vegegnung mit dem Monitor „Inn". Da sich die Reparatur- arbeiten jedoch in die Länge zogen, entschloß sich her Kaiser dennoch, das Schiff zu verlassen und er -setzte die Fahrt mit einem Schi-enenauto fort. Dr erhielt Görgey die Verständigung, daß die Donau von Piua-Petri bis Braila auf höhere Weisung gesperrt worden und daß es untersagt sei, bis auf weitere Verfügung sie zu befahren. Nähere ErkuN' bigungen ergaben, daß ein Schleppschiff auf ein« Mine gestoßen und versenkt worden sei, ein Schicksal, das auch der Monitor „Inn" teilte, auf dsv Korvettenkapitän Ritter v. Förster und ein Marconi-Telegraphist Dienst getan hatten; beide erlitten den Heldentod. Die übrigen Offiziere und dir Mannschaft vermochten sich im letzten Augenblick retten. Görgey telegraphierte die Hiobspost sofort an die Zentraltransportl-eitung nach Wien und erb® weitere Instruktionen. Diese trafen auch alsbald ei« und schon nach wenigen Stunden langte ein Minensucher ein, dem es innerhalb kurzer Zeit gelang, -der Stelle, die Kaiser Wilhelm auf dem Dampf« „Sophie" passieren sollte, nicht weniger als stch Minen zu entdecken, die wahrscheinlich von rumaw-
schen Freischärlern gelegt worden waren.
Die Explosion auf dem „Inn" war von geraw zu verheeerender Wirkung. Der Monitor MUM vollständig zerstört und außerdem hatten zahlreiche Marinesoldaten den Heldentod gefunden. Die 9*’ schilderten Vorfälle durften damals felbftoerftänW nicht veröffentlicht werden und die Zeitungen teilten nur so viel mit, daß Korvettenkapitän
v. Förster, Generalstabschef der Österreich^’ ungarischen Donauflottille, am 22. September de» Heldentod erlitten hatte. Bemerkenswert ist, M am Vortage Kaiser Wilhelm in Gegenwart
Königs Ferdinand von Bulgarien und des Genera» ftldmarschalls Mackensen dem Korvettenkapitän Eiserne Kreuz 1 Klasse persönlich überreicht
Die eingeleitete Untersuchung ergab, daß Rumänen die Donau zwischen Piua-Petri uw Braila längere Zeit beobachtet haben und Kenmm von der Donaufahrt des deutschen Kaisers beseM haben mochten. Dies ging auch daraus hervor, da» die Minen an die richtige Stelle- gelegt rvo^ waren, die der Dampfer „Sophie" unbedingt paM hätte, wenn bie Panne am Steuer des Dampst^ die Verspätung nicht verursacht und wenn SW® Wilhelm das Schiff nicht »erlassen und mit ein^ Schienenauto feine Fahrt nach Konstanza fortgesa» haben würde. Hätte der Dampfer keine Panne l i habt, so wäre der Kaiser dem Attentat unbeiM
[ zum Opfer gefallen.