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Kr. 80

Dienstag den 3. April 1926

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Das Rechnungsjahr 1928 hat am 1. April

-rR i begonnen. Einen Tag später, also gestern, ^ß Y ii- /d4.,*S4-Mrtyrtyhr»A4-<vrt ttrtffthöm in hör

haben die Stadtverordneten, nachdem in der : 2® ; Trigen Woche bereits zwei Sitzungen voraus- ' gegangen waren, in einer Dauersitzung von

5 Uhr nachmittags bis %11 Uhr abends den ' I fffat fertiggestellt bezw. verabschiedet. Der ^tat ist balanziert mit 11433 756 Mk. (Die Magistratsvorlage sah eine Balanzierung mit 11535 266 Mk. vor.)

Die gestrige Sitzung begann zunächst mit einer Richtigstellung einer von Herrn Stadtv. Rehbein in der letzten Sitzung bezüglich der Wanderarbeitsstätte aufgestellten Behauptung. Dann folgte die Besprechung der Abteilung T (Technische Angelegenheiten) der sich die Be­ratung der Hauptabteilung (Finanz- und bteuerverwaltung) anschloß. Mit der Beratung dieser Abteilung war die Generaldebatte über den Etat verbunden und die Fraktion der ver­schiedenen Parteien schickten ihre Redner in den Kampf, um an der Verwaltung und an dem Etat als solchen zu tadeln. Die bürgerlichen Fraktionen begnügten sich mit einem Redner, während die Linksparteien fünf Redner auf­treten ließen, die vor allem die Art der Um­gestaltung der vom Magistrat eingebrachten Etatsvorlage durch die bürgerlichen Fraktionen geißeln zu müssen glaubten und das so zustande gekommene Etatswerk als arbeiterfeindlich bezeichneten. Aus diesen Ausführungen waren $ & Wahlreden stark vernehmbar, auch die hohe P Politik, die bekanntlich auf dem Rathaus nicht 2 gemacht wird, spielte in mancher Rede eine Picht unwesentliche Rolle. Dabei waren bei die­ser Aussprache keine zehn Mann im Zubörer- kraum anwesend. ^11 Uhr war endlich Schluß - der Reden, und nun konnte zur Abstimmung

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. über die zur Finanz- und Steuerverwaltung gestellten Anträge und dann über den Gesamt- ^i etat der ordentlichen Verwaltung ge- schritten werden. Der Etat wurde in der füllt vom Finanzausschuß beschlossenen und vom 1 M Plenum in seiner Mehrheit bestätigten Fassung es-®Wn die gesamte Linke angenommen. Dann begann die Beratung des außerordentlichen "M, Etats, die in einer Viertelstunde erledigt war.

Auch dieser Etat wurde mit der gleichen Mehr- I ^Angenommen.

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' sehr schwachen Füßen. Ob die bewilligten Ittel ausreichen werden, wird die Zukunft

Wren. Jedenfalls steht heute schon fest, daß die Eiadtverwaltnng zur äuß-rsten Sparsamkeit

^l erzwungen ist, denn die Einbringung eines :<t)5i>! Uachtraasetats wird sich unter Berücksichtigung x bieg Umstandes, daß im Herbst Stadtve'-ord- Geist netenwahlen stattfinden sollen, nicht so einfach grÄftaften.

Siyuimsherkchl.

Dor Eintritt in die Tagesordnung machte der WVorsteher, Herr Landgerichtspräsident Grimm, eine Richtigstellung. In der letzten Sitzung habe Herr Rehbèin bei Behandlung der Wannerarbeits- Mtte die Behauptung aufgestellt, daß einige Wan- I derburfchen, die sich geweigert hätten, für eine Mf Wassersuppe einen Tag zu arbeiten, fünf oder sechs Wage im Gerichtsgefängnis festgehalten worden

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EHarner A

Roman

von Wolfgang Marken

chederrechtslchutz d. Verlag Oskar Meister in Werdau.

Üortjetzung.

(Nachdruck verboten.)

seien, ohne daß sich jemand um sie gekümmert habe. Er, der Vorsteher, habe dem Redner sofort erwidert, daß letzteres unmöglich sei. Heute sei er nun in der Lage, auf Grund der Akten folgendes festzustellen: Der betreffende Vorfall hat sich am 21. März abgespielt. An diesem Tage sind die betreffenden Wanderburschen in das Gefängnis ein­geliefert und am gleichen Tage n och dem zuständigen Richter vorgeführt worden, der sofort einen Haftbefehl erlassen hat. Am 26. März ist dann ein richterlicher Strafbefehl über 6 Tage er­lassen worden. Diese Strafe galt durch die Unter­suchungshaft als verbüßt. Weiter hat Herr Rehbein in seiner Beschwerde durchgingen lassen, daß es möglich fein könnte, daß der Eintrag in den tlus- nahmeschein in die Wanderarbeitsstätte, der die Ve^ pflichtung zur Arbeitsleistung enthalte, erst nach Leistung der Unterschrift durch die Wanderburschen, von feiten der Verwaltung der Wanderarbeitsstatte gemacht worden wäre. Diese Behauptung ist eben­falls unzutreffend. Aus den offenliegenden Bestim­mungen der Wanderarbeitsstätte und aus der Wau- derarbeitsordnung geht diese Arbeitsleistung klipp

und klar hervor. , t _ ..

Herr Stadtv. Rehbein stellte fest, daß die sieben Wanderburschen sich schriftlich an ihn ge­wandt und sich beschwert hätten, daß sie schon fünf Tage im Gerichtsgefängnis festgehalten wurden, ohne daß sich ein Mensch um sie kümmere. Er habe sich daraufhin mit dem Amtsgericht in Ver­bindung gesetzt und auf seine Veranlassung hin seien die Wanderburschen entlassen worden. Wenn er nicht in der entschiedensten Weise erngegnsfen hätte, dann würde man die Leute noch länger, wie in verschiedenen anderen Fällen, behalten haben. Redner stellte dann nochmals fest, daß der Vorsicher der Wanderarbsitsstätte in der rigorosesten Weise wegen jeder Geringfügigkeit die Wanderburschen dem Richter zuführè und sie bestrafen lasse.

Herr Vorsteher Grimm bemerkte, daß Herr Rehbein die Sache heute so hinstelle, als ob die Leute zu unrecht bestraft morden seien, während er in der letzten Sitzung das Hauvtqew-cht darauf gelegt habe, daß die L-ntè 56 Tage zu Unrecht gesessen hätten.

Nach Erledigung dieser Angelegenheit wurde in der __ .

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fort gefahren und zwar wurde zuerst der Titel

Technische Singefeaenheifen besprochen. Herr Stadtv. Sohn referierte brachte einen Antrag ein, nach dem die Stadt in ihren Bemühungen zur Errichtung eines Kjnzig- steges in der Burau nicht Nachlassen sollte. Dieser

und

Antrag fand Zustimmung.

Abgelehnt wurde dagegen folgender Antrag des StaLtv. S ohn: Die Kosten für die MM-Muhn sind rag von 45 000 RM auf die Hausbesitzer umzulegen. Die Mehrkosten sind auf die Stadtkasse zu übernehmen.

Von Herrn Stadtv. Fest war nachfolgender An­trag eingebracht worden: Die Stadtverordneten- Versammlung empfiehlt dem Maasstrat, die be­richtigte Friedensmiete infolge der Neuregelung der Müllabfuhr im Hausbaltsvlan der Stadt Hanau von 1928, die eine Erhöhung der Müllabfuhr- Gebühren vorsieht, um ^ Prozent zu erhöhen.

Gegen diesen Antrag svrach Herr Stadtv. Dr. Wagner, da früher die Hausbesitzer auch für die Kosten der Müllabfuhr aufgekommen seien. Herr Stadtv. Fest entgegnete, daß die Mieter früher die Müllgefäße stellen und den Müll auf die Straße hätten bringen müssen. Frau Stadtv. K l o h a be­tonte, daß die Handwerkerfraktion nicht für den Antrag stimme. Der Antrag wurde schließlich ab­gelehnt. Angenommen wurde dagegen ein Antrag der Sozialdemokratischen Fraktion mit folgendem Wortlaut: Die Stadtverordneten-Versammlung be-

sases

schließt, daß die Wohnungen, die noch nicht mit elektrischem Licht versehen sind, mit elektrischem Licht ausgestattet werden.

Dann folgte die Beratung über einen Antrag der kommunistischen Fraktion 3. Internat.: Die Mieten in den städt. Wohnungen in der Freigerichtstraße, Buchbergstraße und Lützowstraße sind entsprechend ihrer Größe und Beschaffenheit zu hoch. Auch sind Mieten von 50. RM monatlich und mehr für die Arbeiter untragbar. Aus allen diesen Gründen werden die Mieten in den bez. Wohnungen um mindestens % gesenkt. Bei dieser Gelegenheit fragte Herr Stadtv. Rehbein, ob die Mieten aus den städtischen Wohnungen zum Neubau beitragen. Herr Stadtbaurat Ehrich verneint dies. Herr Stadtv. Dr. Hei p sprach sich gegen den Antrag aus, war aber bereit, einer Nachprüfung der An­gelegenheit durch die Wohnungskommission zuzu­stimmen. Herr Oberbürgermeister Dr. Blaum stellte eine solche Nachprüfung in Aussicht. Der Antrag wurde daraufhin abgelehnt und einem Eventualantrag zugestimmt, der eine baldige Nach­prüfung der Angelegenheit vorsieht.

Bei dem Titel *

Allgemeine Verkehrszwecke

wünschte Herr Stadtv. Anger die Umtaufung des Auheimer Weges in Bahnhofsstraße, Herr Ober­bürgermeister Dr. Blaum wollte die notwendige Umbenennung einer Reihe Straßen auf einmal durchführen. Vorarbeiten seien schon in Angriff genommen. ...

Nachdem der Antrag der komm. Fraktion 3. Internat.: Im Rechnungsjahr 1928 sind in be­stimmten Stadtteilen, insbesondere am Novdbahnhof und an der Rosenau Bedürfnisanstalten, besonders auch für Frauen, zu errichten, angenommen war, wurde einem Antrag der bürgerlichen Frakttonen zugestimmt, der die 25 000 RM für die Bedürfnis­anstalten vom ordentlichen, Etat absetzen will und in den außerordentlichen einsetzt. Es wurde dann dem Gesamtabschnitt Technische Angelegenheiten gugeftimmt.

Nunmehr kam man zur wichtigsten Abteilung des Etats, der Abteilung F: Finanzielle Angelegen­heiten und damit zur

Generaldebalke über den Haushaltsplan.

Als Referent sprach Herr Stadtv. Dr. N u ß b a u m. Redner ging anfangs auf die Vermögensver­hältnisse der Stadt ein. Das Reinver­mögen betrage 15 592 437 RM. Diese Summe enthalte aber eine große Reihe von Posten, die in Wirklichkeit kein Kapital bilden, sondern der Stadt recht hohe Ausgaben bringen, wie das Stadttheater, die Badeanstalten u. a. Man wird von den 15 Millionen etwa 4 Millionen absetzen können. Was nun hie Schulden, anbelangt, ja sind die Schulden erheblich geringer als vor dem Kriege, aber dabei ist zu berücksichtigen, daß die Zinsen und Amortisationskosten bopneft so hoch sind wie vor dem Kriege, deshalb müssen wir uns bei der Aufnahme von neuen Schulden eine gewisse Zurückhaltung auferlegen.

Was den Etat anbelangt, so sind nach dem Voranschlag des Magistrats 4,2 Millionen durch direkte und indirekte Steuern aufzubringen, davon gehen etwa 636 000 RM ab für durchlaufende Posten, so daß 3,6 Millionen Mark aufzubringen sind. Die Etatberatungen waren diesmal recht um­fangreich, obwohl die Stadtverordnetenversamm­lung bereits vor einigen Wochen totgesagt war, be­sonders haben die Sozialdemokraten zahlreiche An­träge gestellt und dabei mit der Gutmütigkeit der Rechten gerechnet, daß die bürgerliche Mehrheit sie ablehne, denn die finanzielle Auswirkung dieser Anträge wäre unübersehbar gewesen. Was hätten wohl die Sozialdemokraten getan, wenn wir auf

KBC

-Lady Ramsay las in der Zeitung die letzten Mel- ut ^ngen über Karner. Man schrieb, daß er außer in- iMbensgefahr sei und sich auf dem Weg der Bes- ^ung befinde.

Tief atmete sie auf und ließ sich von den Strah­len der Augustsonne wärmen.

- heute empfand sie zum ersten Male in ihrem naiAeden, wie wohl doch ein bißchen Sonne tat Und ( g ihrer Seele erwachte neue Sehnsucht nach Frie- >en und Glück.

I Nur ein wenig Glück!

I ^ie dachte zurück an ihre Brautzeit. Als sie mit

«°rtln von Walthaus durch Wiesen und Felder Wälder wanderte, hatte er ihr von seinen nenschheitserlöfenden Ideen erzählt.

hatte sich damals seiner klugen, guten Worte Doch später, in der Ehe, als sie merkte, daß artin sich mühte, auch praktisch nach seinen An- ^iivgen zu leben, begann sie zu hassen, was

alle!

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will'

^»uu e ?^b* Zur ärmsten Kreatur, die ihren ersten Sm f« befE hatte, ging ihr völlig ab. Sie

11,7 Beliebt sein, sie verlangte, daß nichts neben in seinem Herzen Raum habe.

- ^ n 'hre Herzen glitten auseinander. Lange I ^S? 5 er,Um sie, denn er liebte sein Weib. Und elv U^ /mpfand sie, welch unendliche Qualen der ;,n I uJ gelitten hatte, gelitten durch sie, die ihn quälte MGog ""spottete, die seine Ideale in den Schmutz

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^® empfand sie ihre große Schuld.

warst du denn?" sprach eine Stimme in

Me an- »Ein Mensch, so klein und ohne Won H"^ bu hast dich damals vermessen, den lLP 3" verspotten, hast ihm Tage der Qual ge- jh" in den Tod getrieben." Heute L J?' daß es für Martin keinen anderen Weg lins.6 n Dirnen, als den Weg in die Ewigkeit, dachte an ihren zweiten Gatten, den

Grafen Ramsay. Heute wußte sie, daß sie ihn nie geliebt hatte. Er hatte die schöne Frau begehrt, und sie sagte ja. Warum? Aus Laune . . .? Aus . . . ja, was war eigentlich der Grund gewesen?

Sie wußte es heute nicht mehr. Es ging ihr wie so viele Frauen, daß sie eine Handlung aus einem unbestimmten Gefühl heraus begehen, eigent- ; sich ohne zwingenden Grund. .

Sie dachte an Karneri

Sie wußte, daß sie nie von dem Gedanken los­kommen würde, daß . . . Karner der Tote war. Und sie wollte nicht los kommen davon, sie häm­merte sich den Gedanken ein, daß ihr erster Gatte lebe, daß ihr Vergebung durch ihn werde.

Gemma!"

Sie fuhr herum. Ihr Gatte stand in der Tür und trat langsam näher. Ich habe eben eine Nach­richt erhalten, die dich freuen wird. Man hat meiner Bitte um Enthebung vom Berliner Botschafter- posten entsprochen. Lord Burns wird mein Nach­folger sein. Bald reisen wir. Ich hoffe, du wirst froh sein, Berlin verlassen zu können."

Sie war bei seinen Worten erschrocken. Jetzt von hier fort! Kerzengrade richtete sie sich im Sessel auf.

Ich will nicht fort von hier! Warum hast du mir nie etwas davon gesagt, daß du diesen Posten aufgeben willst?"

Ein unfreundlicher Zug erschien auf seinem Ge­sicht, das müde und zerfahren aussah.

Warum willst du nicht von Berlin fort, Gemma?" Er bemühte sich ruhig zu sprechen.Du hast doch hier in letzter Zeit Schlimmes durch­gemacht."

Ich will nicht!" sagte sie eigensinnig voll Angst.

Es tut mir leid, Gemma. Aber du wirst dich diesmal meinem Wunsche fügen müssen. Wirklich, Gemma . . . müssen."

Mit einer kurz-n Verbeugung wandle er sich ab und verließ das Zimmer.

Die Frau weinte tut. Es w .r das erstemal seit dem Tod ihres ersten Gatte«, daß sie wieder Trä­nen fand.

Und sie taten so wohl, sie spülten so manches weg, was sich um das Herz gelegt hatte, machten es wieder frei und ließen Menschen in ihr neu erstehen.

Ich bin nicht schlecht!^ dachte sie unter Tränen.

Die alliierten Staaten waren damit einverstan- den, daß Deutschland für sie die Verhandlungen mit

Karner führte, und sie baten in einer neuen Note darum.

Die deutsche Regierung bat darauf Herrn Karner zu einer Besprechung nach Berlin.

Hallenbach teilte mit, daß Herr Karner krank­heitshalber nicht in der Lage sei, Verhandlungen zu führen. Er sei dazu bevollmächtigt. Da aber die Last des Karnerwerks auf seinen Schultern zur Zeit allein liege, sei es nicht möglich, daß er jetzt nach Berlin käme. Er stehe daher im Karnerwerk jeder­zeit zur Verfügung.

Also fuhren die Minister vonWillgreuve und Ascher zusammen mit dem Ministerialdirekto'» Adolf und dem Abgeordneten Spartet nach dem Karner­werk.

Sie verhandelten mit Hallenbach und stießen auf eine überlegene Persönlichkeit.

Er lehnte ab und gab nicht nach.

Nicht einen Zoll wich er von Karners Willen ab. Er verteidigte chn, begründete ihn und wider, legte in der äußerst scharf geführten Ausein­andersetzung ihre Anschauungen und Befürchtungen.

Nach drei Stunden brach man die Verhandlun­gen ergebnislos ab. Minister Ascher sagte brüsk: Die Regierung wird f.e dann zwingen. Wir kön­nen nicht dulden, d.b Herrn Karners unaueiühr- bire- Gedanke, daß ihr Starrsinn unsere Volks­wirtschaft zertrümmert und unser Volk durch Sie

unermeßlichen Schaden erleidet.

die Anträge eingegangen wären? Wir haben es auf eine solche Probe nicht ankommen lassen, weil wir die Etatberatungen als eine ernsthafte Sache be- trachten und uns deshalb nicht auf Anträge einlafsen können, die vielleicht nicht im­mer ganz ernsthaft gemeint waren. Der Redner kam nun auf den finanziellen Aus­gleich zu sprechen, der im Finanzausschuß gefun­den wurde, über den wir bereits berichtet haben.

Die Gewerbe- und Grundvermögenssteuer soll nicht erhöht werden, wie anfangs vorgesehen. Da­bei hat man sich in einer gewissen Zwangslage be­funden, da der Regierungspräsident erklärt hatte, daß er die Erhöhung jeder Realsteuer^ ablehnen würde, wenn die Diersteuer abgelehnt würde. Der hat man aber nicht zugestimmt.

Nebey diesen formellen Grund trat aber auch noch ein sehr erheblicher sachlicher Grund. Die Wirtschaftslage wirkt sich besonders heftig bei den kleineren und mittleren Betrieben aus. Dazu kommt, daß in diesem Jahr zum ersten Mal die Daweslasten ganz zu zahlen sind. Herr Ober­bürgermeister hat zwar gesagt, daß sich das ge­schäftliche Leben gebessert habe, das ist richttg, aber der schmerzhafte Ausscheidungsprozeß von nicht mehr lebensfähigen Betrieben hat in Hanau noch nicht das Ende erreicht und dazu kommt, daß fett)ft größere Betriebe heute unter Kapitalnot leiden. Die Stadtverwaltung kann und darf also die Steuerschraube nicht stärker anziehen als not­wendig ist. Die Stadtverwaltung hat nun gesagt, wir können keinen Pfennig entbehren, blickt man aber zurück auf vergangene Jahre, so muß man fehen, daß mehr Steuern bewilligt sind, als sich notwendig erwiesen haben. In den letzten Jahren konnten 800 000 RM gespart und zurückgelegt wer­den. Das sind die 362 000 RM Reserven, deren Notwendigkeit anerkannt werden soll, weiter die Be- triebsfonds von den städtischen Werken und dann derberühmte Lotteriegewinn", der zum Stadt­hallenbau verwendet worden ist. Das sind ins­gesamt 800 000 RM, die aus laufenden Mitteln auf gespart worden sind. Ich möchte betonen, daß ich solche Aufsparunaen für absolut notwendig halte. Aber es muß festgestellt werden, daß es möglich gewesen ist, diese Eingriffe zu machen. Im laufenden Jahre sind eine ganze Reihe unvor­hergesehener Ausgaben notwendig gewesen und doch ist kein nennenswertes Defizit entstanden. Also auch im Vorjahr war mehr eingesetzt als man brauchte, denn die Mehrausgaben an Gehalts- erhöhungen und ähnlichem konnte man doch nicht voraussehen. Wenn so hohe Beträge bewilligt worden sind, so kann man es den Stadtverordneten nicht verdenken, wenn sie vorsichttg werden, denn man kann Steuern nicht auf Vorrat bewilligen.

sagt:Der Etat muß so ausgestellt werden, daß er hart an der Grenze der Defizits vorbeigeht Dicker Satz gilt auch für die Stadtverwaltung. Aus diesem Grmrde halte ich es für notwendig, daß die Anträge angenommen werden. Mit diesen Steuer- beträgen muß dse Verwaltung auskommen, eine weitere Erhöhung der Steuern und Abgaben muß vermieden werden. Der Grundsatz muß sich auch bei uns einbürgern, daß Steuern auf Vorrat nicht bewilligt werden. Die größte Sparsamkeft mutz ein- setzen. Man soll deshalb in diesem Jahre den Der- such machen, mit dem auszukomen, was durch Be- schlösse des Finanzausschusses bewilligt worden ist.

Bürgermeister Dr. Müller erwiderte, wenn man von vornherein mit einem Defizit rechne, dann wäre das keine Sparsamkeit, sondern eine Kata­strophenpolitik, denn wir würden dann das große Defizit mit in das neue Jahr hinübernehmen müssen und gleich vor neue Lasten gestellt werden. Da

Hallendach blieb ruhig und sagte langsam:Ihre Worte wundern mich nicht, Herr Minister. Ich habe

Sie immer für den Diener der anderen Nationen gehalten. Sie haben den Vertrag von Versailles

vergessen."

Als am nächste« Tage das Scheitern der Ver­handlungen bekannt wurde, nahm die Presse, die eigentlich immer zu Karner gestanden hatte, mit einem Male in leidenschaftlichen Artikeln gegen Karners Standpunkt Stellung und bekämpfte ihn.

In London aber hatte Donell eine Auseinavde»- fetzunq mit Kellog und reifte mit neuen Aufträgen nach Deutschland.

Acht Tage darauf überreichte die deutsche Re­gierung dem englischen Botschafter eine Note, die das Scheitern der Verhandlungen offiziell zugab und bedauerte.

Die Welt zitterte vor Spannung.

Was stand bevor? ' ,

Schon eine Woche danach traf in Berlin das Ultimatum der alliierten Mächte ein, das verlangte, Deutschland solle binnen acht Tagen die Zusicherung geben, daß Karners Erfindung auch in den anderen Staaten eingeführt würde.

Im anderen Falle würde der angedrohte Wirt­schaftsboykott eintreten müssen. Karners Erfindung sei von so eminenter Bedeutung für die Wellwirt­schaft wie noch keine Sache je zuvor, und sie brächte die Weltwirtschaft in die größte Gefahr, wenn sie nicht gleichmäßig allen Völkern diene.

Die Note wurde, obwohl man unter der Beein­flussung von Presse und Versammlungen gegen Karners Gedanken war, mit Empörung aus­genommen.

Wo bleibt der Völkerbund?" so schrie man.

Der Völkerbund? Die Einsichtigen lachten höh­nisch.Was soll uns diese Interessengemeinschaft der Alliierten helfen können?"

Als die Arbeiter im Karnerwerk erfuhren, daß Karner auf dem Wege der Besserung war, herrschte ehrliche Freude unter ihnen. _ .

Der ernste Mann, der für alles Verständnis hatte, der mit seinen mustergültigen Arbeitsbedin- gungen dem Arbeiter praktisch half, war wirklich von allen geliebt und geschätzt.

Als dann die Nachricht von dem Ultimatum der Alliierten im Karnerwerk bekannt wurde, wallte Empörung unter ihnen auf.

Hallendach begab sich, als er von dem Ultimatum erfuhr, unverzüglich zu Karner.

Der Hausmeister Seifert wollte ihn nicht zu ihm lassen, aber Hallendach schob den getreuen Wächter zur Seite und trat ein.

Karner saß im Lehnstuhl wie immer und schlief.

Ganz sacht trat Hallendach heran und betrachtete das Antlitz des Schlafenden. Man sah es Karner an, daß er gesundete. Das Gesicht hatte sich wieder ge- rundet.

Ein sehnsüchtiger Zug verschönte bas ernste Antlitz.

Karner erwachte. Hallenbach zuckte unter den tiefernsten Augen zusammen.

Karner reichte ihm die Hand und sagte:Ich habe geschlafen. Es hot mir gutgetan. Ich fühle mich sehr wohl. Aber . . . Sie haben keine gute Nach­richt?"

Nein! Das befürchtete Ultimatum der Alliierten ist in Berlin eingetrossen."