Montas
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nzeiger
MaAMs Stadt und Land
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de« 2. April
1928
Dös USttEO.
— Die Katholiken Berlins veranstalteten gestern eine Kundgebung gegen die Vorkommnisse im Krankenhaus Neukölln, wo den Geistlichen die Seelsorge verboten worden war.
% — Die Berliner Krimiualpovzei fahndet nach »erschiedenea kommnnistischen Reichstagsabgeord- iyeten, die wegen Hochverrats angeklagt sind. Es wird vermutet, daß sich die Abgeordneten bereits ins Ausland begeben habe«.
£ — pointaré erklärte in einer Wahlversammlung
in Larcasonne sein Einverständnis mit einer Mobilisierung der Dawes-Obligationen.
I — Die französische Note an die amerikanische
Legierung in der Frage des Antikriegspakles ist jetzt veröffentlicht worden. Sie scheint nicht geeignet, die Verhandlungen wesentlich zu fördern.
— In Kleinasien hat sich ein schweres Erdbeben teignet. Zahlreiche Häuser sind eingestürzt. Bis jetzt werden 40 Tote gemeldet.
I^Mmmttt über MsmavÄ
■ Berlin, 1. April. Die Arbeitsgemeinschaft Ostpreußischer Regimen-tsver-sine in Berlin veranstaltete im Großen Festsaal des Kriegervereinshauses, der mit den Farben -des Reiches und Preußens und der allen Reichsflagge geschmückt war, eine Bismarck- Äeburtstagsfeier zum Besten ostpreußischer Not- hilse. Die Festrede hatte Reichsaußenmlnister Dr. Stresemann übernommen, der eingangs die politische Situation bei Bismarcks Geburt schilderte W in Vergleich setzte zu Deutschlands Großmacht- Dr. Stresemann unter-
Mu t e zu sage n'h ä b e, w a s w! r v o n ! h m fâ!s> Menschen, als Staatsmann und Diplomat lernen können. Man werde von Mmarck nicht verlangen können, daß er im Jahre ■8 mit denselben Mitteln Politik treibe, wie er
■ 1880 getan hat. Für ihn war die Politik die Äre vom Möglichen, die ihn die verschiedenen Par- Den als das benutzen ließ, was sie sein sollen: als Aktoren, die dem Vaterlands dienen. Er hat nicht Moch gefragt, welche Couleur sie trugen, wenn er Mr die Ueberzeugung hatte, daß sie mit ihm zusam- Mn für Deutschland wirken wollten. Es gibt viele, die glauben, es fei leicht, Außenpolitik zu führen. Ksmarck, der auf dem Gebiete deutscher Außen- Mük die größten Erfolge erzielt hat, hat es des Keren zum Ausdruck gebracht, daß die Politik an sich keine Logik und exakte Wissenschaft, sondern die Fähigkeit sei, „in jedem wechselnden Moment der Mnation das am wenigsten Schädliche oder das Weckmäßigste zu wählen". Als Mensch war Bis- Nlarck voller Widersprüche, sein Leben war Kampf, Die eben große Menschen, die es in der Welt ge- Men hat, immer Kämpfer gewesen sind. Er hat Witten unter den Verleumdungen seiner Gegner W hat sich gesorgt um den Fortbestand des Reichs. Pismarck war der Mann der Realpoli- pt, der sich oft den Vorwurf gefallen M.sen mußte, daß er seine Taktik Seändert hätte und inkonsequent sei. Er hat selbst einmal darauf geantwortet: Das käme M vor, als wenn man Moltke vorwerfen wollte: ârum haben Sie nicht in der Schlacht von Sedan Dasselbe Manöver ausgeführt wie in der Schlacht von Mars-la-Tour. Aus dieser Einstellung erwuchs Äsmarcks Dündnispolitik in ihrer ganzen Genialität Vielseitigkeit und Schöpferkraft. Wie das Leben Mes großen Mannes nur dem Wohl des Staates so wollen auch wir an Bismarcks Geburtstag Mnütig, fest und unerschrocken zusammenstehen, «ns das Leben dieses Mannes zum Leitstern Mchen, jeder an der Stelle, an der er zu wirken M Ich habe heute morgen gelesen, daß die Stadt Mrggrabowa ihren Namen in Treuburg geändert Lassen Sie uns hoffen, daß das ganze Deutfch- und insbesondere Ostpreußen, das einst in Kampfe um die Wiedererrichtung Preußens M erstrr Stelle stand, Treuburg werde. So dienen M dem Andenken Bismarcks am besten und arbei- m seinem Geiste.
M^^vker Beifall lohnte die Ausführungen des ^Außenministers, die spontan das Deutschland- M.âvslüsten. Reichsinnenminister v. Keudell i Stresemann den tiefgefühlten Dank der W s tiefer aus und hob insbesondere hervor, W „ , Reichsaußenminister trotz der Ueberlaftung n»i-^?^»enpolitiichen Geschäften es sich nicht habe bk'^-n oäW °as Fest mit seiner Anwesenheit zu Dr. v. Keudell erinnerte in seinen weite- tu>> ^'“brungen an die große historische Bedeu- aiirhHf ^e£3 unb ließ seine Worte in ein Hoch M alte Provinz ausklingen.
Briand drückt in der Antwortnote die Hoffnung aus, daß aus der bisher ausgetauschten Korrespondenz sich eine praktische Fonnel für einen Antikriegspakt ergeben werde. Es habe der ftanzöstschen Regierung schon von jeher daran gelegen, zu einem praktischen Ergebnis zu gelangen. Aus diesem Grunde Ya'^e sie von Anfang an °änen zweiseitigen und nicht einen vielseitigen Vertrag vorgeschlagen, ein vielseitiger Vertrag in der Praxis auf große Schwierigkeiten stoßen könnte.
Briand erinnert dann von neuem daran, daß der Kongreß von Havanna in einer Entschließung auct) nur den Angriffskrieg unter den amerikani- chen Staaten verurteilt habe. In einer zweiten Resolution, die Kellogg angeführt habe, sei allerdings nur von Krieg im allgemeinen die Rede ge- wejen. Diese Entschließung sei aber mehr eine Präambel im Hinblick auf den Abschluß des panamerikanischen Schledsgerichtsvertrages gewesen. Die französische Regierung sei aber jetzt gleichwohl bereit, sich sofort Unterhandlungen mit Deutschland, England, Italien und Japan anzuschließen, allerdings unter der Bedingung, daß die neu zu übernehmenden Verpflichtungen sich mit den in der Vergangenheit von FrarÄreich übernommenen Verpflichtungen vereinbaren Ueßen.
Briand erklärt dann weiter, die französische Regierung müsse drei weitere Vorbehalte an den Abschluß eines mehrseitigen Garantievertrages knüpfen, nämlich 1. Der Vertrag müsse universal werden, d. h. er müsse von allen Mächten der Erde unterzeichnet werden; 2. Es müsse bestimmt werden, vaß, wenn eine der Signatarmächte ihre Verpflichtungen nicht einhiette, die anderen Mächte von ihren diesem Staate gegenüber übernommenen Verpflichtungen entbunden würden; 3. Es müsie als feststehend gelten, daß der Verzicht auf den Angriffskrieg nicht das Recht zur Selbstverteidiaung gegenüber einem Angreifer einfchließen könnte.'
Wenn die amerikanische Regierung zu diesen drei fundamentalen Punkten mit der französischen Regierung einig gehe und wenn ebenfalls von vornherein feststeh«, daß der neue Vertrag nichts an den Verpflichtungen der Mächte gegenüber dem Völker- bund, den Locarnoverträgen u. dèn von dèn einzelnen Mächten abgeschlossenen Garantie- und Neu- tralitätsverträgen ändern sönne,' bann fei die fran- o ^rn^r""*?” ««ruyanm öuijoerger uno ^uo- zösische Regierung gern bereit, sich der amerikani- ' ÄÄ beide wohnhaft in Berlin, verhaftet,; schsp Regierung anzuschließen, um die bisher zwi- KreiS“10104 w"den, wertlose Wertpapiere und scheft Paris und Washington ausgelaufene Korre- ^□ ,7® Käse Wechsel in den Handel gebracht spondenz der Prüfung der deutschen, englischen, ita- ibarh  â" .'bnen wurde ein Franzose namens lienischen und japanischen Regierung zu unterbrei- ielli^n Üblich Direktor einer Pariser Handels- ten, und um diesen Regierungen gleichzeitig den i oerc^n.» Mit den beiden gearbeitet haben Abschluß eines vielseitigen Antikriegspakte» vorzu.
I schlagen.
I Verhaftung zweier Deutschen in Paris.
Sltsche ^èl. Die Pariser Polizei hat zwei L GoTnm^^fs .^brahanin Sulzberger und Lud-
Erdbeben in Meinâfien
Snnevhalb von 12 Stunden mehr als 20 Erdstöße
Sonstaukinopel, 1. April. Das kleinasiatische Küstengebiet ist am Samstag von einem katastrophalen Erdbeben heimgesucht worden. Die Zahl der Opfer ist noch nicht genau bekannt. Es ist das schwerste Erdbeben in der Türkei seit der Katastrophe von 1894. die hauptsächlich Stambul traf. Diesmal wurde Smyrna am schwersten betroffen.
Ueber das Erdbeben liegen folgende Meldungen vor:
Angora, 31. März. Letzte Nacht hat ein starkes Erdbeben Smyrna und Umgebung heimge- sucht; es wurden neun Stöße wahrgnommen; der erste um 2.20 Uhr dauerte eine Minute, der folgende um 3 Uhr dauerte fünf Sekunden und ein anderer um 6.52 Uhr zehn Sekunden. Dazwischen hatte man Stöße von der Dauer von einer Sekunde zu verzeichnen. Bis jetzt wurden 16 Tote und 50 Verletzte gemeldet, davon 10 schwer. 20 Gebäude und der Uhrturm sind eingestürzt. Zahlreiche Gebäude und Fabrikschornsteine wurden beschädigt. Im Bezirk Torbali sind 200 Häuser einge- stürzt. Hier sind 10 Verletzte zu verzeichnen. Hilfsmittel für 200 obdachlose Familien wurden nach Torbali gesandt. Eine unter dem Vorsitz des Gouverneurs stehende Kommission leitet die Hilfsaktion. Die Erdstöße wurden bis Uschak verspürt.
Angora, 31. März. Das heftige Erdbeben, das in der vergangenen Nacht Smyrna und Umgebung heimgesucht hatte, wurde gleichzeitig in Mughla, Denizli, Aidin, Manisla, Balikesra und Konstantinopel wahrgenommen. Sein Herd befand sich in Torbali bei Smyrna. Don 10 Uhr ab hörten die Erdstöße im allgemeinen auf. Nur in Torbali dauerten sie, wenn auch stark abgeschwächt, bis zum
Vviands Antwort an Meltoss
P a r i s, 1. April. Die französische Note, die Briand gestern in Washington überreichen ließ, ist heute veröffentlicht worden. Sie ist außerordentlich umfangreich, aber man wird nicht behaupten können, daß sie einen weiteren Schritt zu dem Ariedenspakt bedeutet, den die Bereinigten Staaten wünschen und den Kellogg vorschlug. Die französischen Vorbehalte, an denen eine Einigung bisher scheiterte, tauchen in der Note, wenn auch in etwas verklaufulierterer Form alle wieder auf.
Abend an. Der Kai im Haft» von Smyrna ist geborsten. Ein benachbartes Dorf wurde halb zerstört. In Smyrna wurden 16 Personen getötet und 50 verletzt, davon 10 schwer.
Konstantinopel, 1. April. Aus Smyrna wird berichtet, daß innerhalb von 12 Stunden mehr als 20 Erdstöße verspürt wurden. Die ganze Gegend, durch die die Aidin-Lifenbahn führt, ist schwer heimgesucht worden. Nach den letzten Schätzungen wurden 40 Personen getötet, während 60 Personen schwer und viele leicht verletzt wurde». In Smyrna sind etwa 40 Gebäude eingestürzt und mehr als 400 beschädigt worden. In Torbali und Tepekouy ist kaum ein Haus stehen geblieben.
Angora, 2. April. Nach den letzten Meldungen wurden durch das Erdbeben von Smyrna 2 9 Wohnhäuser und Lagerhäuser vollständig zerstört, während 193 Wohnhäuser, 89 Lagerhäuser, 6 Maschinenhäuser, 2 Lichtspielhäuser Beschädigungen aufweisen. 3n dem am schwersten heimgesuchleu Bezirk von Torball sind 15 Dörfer unbewohnbar geworden. Gestern und heute wurden in Smyrna und Torbali neue Erdstöße verspürt, durch die jedoch kein neuer Schaden angrichtet wurde. Nach neuesten Meldungen sind in Torbali 150 Häuser vollständig zerstört.
Diese Mächte hätten somit im Rahmen der be^ stehenden Verträge feierlich zu erklären, daß sie den Krieg als Instrument der internationalen Politik verurteUen, d. h. als Aktionsmittel ihrer persönlichen, spontanen und unabhängigen Politik. Sie hätten sich zu verpflichten, sich gegenseitig nicht an-- zugreisen oder ihr Gebiet zu besetzen, und durch keine anderen als friedliche Mittel die Beilegung von KDttflitten irgendwelcher Art zu versuchen.
Es müsse aber feststehen, daß der Vertrag nur gültig sein könne, wenn sich ihm alle'Staaten angeschlossen haben werden, d. h. wenn der Vertrag universell anerkannt sein werde, wenn die Mächte ähn übereinstimmend als in Kraft stehend erklären würden, auch wenn einige Staaten sich davon fernhalten sollten. Im Falle ein Staat seine Verpflichtungen nicht erfüllen würde, wären die anderen, von der diesem Staat gegenüber übernommenen Verpflichtungen zu entbinden.
In- dieser Form und in diesem Geiste sei die französische Regierung bereit, mit der aryerikani- schen Regierung ins aufrichtiger und von jeder Zweideutigkeit freien Art zusammenzuarbeiten.
Mo Äu-nahme der Wâtrd- M in Amrv-ka
Washington, 1 April. Die amtlichen streife enthalten sich jeden Kommentars zur Briand-Note. Die Blätter geben der Hoffnung Ausdruck, daß sich eine Formel eines Anlikriegsvertraaes finden lassen werde, die nicht nur Frankreich, sondern alle Regierungen befriedige. Die Blätter bemerkten jedoch, daß die Vereinigten Staaten lvohl nicht in der Lage sein würden, alle von Frankreich vorgeschlagenen Bedingungen anzunehmen. Einige Schwierigkeiten dürften beispielsweise im Zusammenhang mit Briands Vorbehalt hinsichtlich aerechlsertigler Verteidi- gungsfriege entstehen. 3m Laufe der Erörterung dieses Begriffes bemerkte Staatssekretär Kellogg, dèr .Tribune" zufolge, er erinnere sich nicht, daß jemals festegestelll worden wäre, wer der Angreifer im Weltkriege war.
Paris, 1. April, Wie die «Chikago Tribüne" aus Wafhmgton meld«, ist man in Washington allgemein der Ansicht, daß der Plan zurAechtung des Krieges durch die letzte französische Note ....... .....„.. ___________
™ “ ter i e II »ich t v o r w är ts geb r acht ^ Zusammensetzung &üs Reichstages ab. worden ist. In offiziellen Steifen halt waa , pttg können daher unter feinen Ilm» Briands Qualifikation für zu unbestimmt und '«Nglg. rönnen oayer unier i besonders möchte man wissen, was Frankreich unter ftanten l amtt fedjnen. bnB f e m er dem legitimer Verteidigung versteht. "~ ""«" ^
Die vavlameulSlole Seit
Der dritte Reichstag der deutschen Repu« blik ist am Samstag, nachdem seine vierjährige Wahlperiode abgelaufen war, verfassungsmäßig durch den Reichspräsidenten aufgelöst worden. In den letzten Monaten war häufig von einer früheren Auflösung die Rede, doch hatte der Reichspräsident aus außen- wie innenpolitischen Gründen dahin gewirkt, daß zuerst die erforderlichen Arbeiten, besonders der Etat erledigt und dmntt das solcher festgesetzte „Notprogrmmn" zu Ende geführt würde. In zahlreichen Sitzungen haben die Abgeordneten dieses Ziel erreicht, roerm es dabei auch sehr oft hart auf fjort ging und es zu manchen, häufig recht wenig schönen Auftritten gekommen ist. Reichspräsident von Hindenburg hat dem Reichstage bei dem Auseinandergehen für die so geleistete Arbeit seinen warmen Dank ausgesprochen. Mit der Auflösung des Reichstages hören auch alle seine Kommissionen, selbst der ständige Ausschuß zu bestehen auf, die nach Bedarf während der Ferien, d. h. in den Zetten zwischen den einzelnen Sitzungsperioden, weiter zu tagen pflegten. Das Wallochaus in Berlin liegt somit völlig verödet da, nur der Reichstagspräsident selbst und seine Vertreter führen chre Geschäfte fort, natürlich bleibt auch das aus Beamten bestehende Büro in Tätigkeit.
Die Neuwahlen sind auf den 20. Mai festgesetzt: genau 7 Wochen entbehrt somit Deutschland seiner ersten gesetzgeberischen Kör- perschaft und seiner Volksvertretung und damit seiner eigentlichen Regierung. Freilich müssen die Geschäfte in den einzelnen Resiorts
hat aber auf, eine so kurze Zeit tatsächlich nichts zu bedeuten. Denn jeder Gesetzentwurf muß doch erst gründlich durchdacht und beraten werden. Es ist eigentlich kaum denkbar daß ein grundlegender Vorschlag von heute auf morgen Gesetz werden muß. Sieht die Verfassung doch selbst für alle Gesetze drei Lesungen durch den Reichstag vor, zudem pflegt in den meisten Fällen eine gründliche Beratung in den Ausschüßen durch besondere Sachverständige vorauszugehen.
Die besonders wichttgen Gesetze, die bett letzten Reichstag in seiner letzten Sitzungsperiode beschäftigten, sind daher auch zurück- gestellt worden, der neue Reichstag wird sich mit ihnen beschäftigen, voraussichtlich wird dann aber mancher Entwurf ein anderes Gesicht haben wie unter der letzten Reichsrsgie- rung. Es ist allerdings zu bedauern, daß auf diese Weise-manche Gesetze, deren baldige Erledigung dringend zu wünschen gewesen wäre, nun immer wieder hinausgeschoben werden, denn ihre Vorarbetten wie z. B. für die Straf» rechtsreform, nehmen mehrere Wochen ernster Vorarbeit in Anspruch.
Die Reichsregierung wird in derselben Weise wie bisher weitergeführt, denn der Reichskanzler und die jetzigen Reichsminister bleiben bis zur Wiedereröffnung des neuen Reichstages in ihren Stellungen. Da sie nach Artikel 54 der Reichsverfassung zu ihrer Amts- führung des Vertrauens des Reichstages bedürfen? kann es sich naturgemäß nur um die Erledigung der laufenden Geschäfte handeln. Diese ist allerdings dadurch gewährleistet, daß der Reichstag noch in den letzten Tagen den Etat genehmigt und damit den Reichsministern die von ihnen selbst beantragten Gelder für das Wirtschaftsjahr 1927/28 bewilligt hat. Die einzelnen Resiorts können daher mit der Durchführung der beabsichtigten Aenderungen und Neuerungen beginnen. Wäre der Haus- Haltsvorschlag nicht Gesetz geworden, so wären den Ministern, wenigstens bis zu einem gewesen Grade die Hände gebunden. Sie haben wohl auch ohne vorherige Genehmigung der gesetzgebenden Körperschaften einen Kredit, denn in jedem Jahre muß ein mehr oder weniger hoher Nachtragsetat für unvorhergesehene Ausgaben eingereicht werden, aber es ist doch denkbar, daß dem Minister für btt Deckung' nicht genehmigter Ausgaben Schwierigkeiten entstehen, zum mindesten schwere Kämpfe zu erwarten sind.
Die Reichsminister sind naturgemäß von
neuen Reichstage im Amte bleiben, wenn die« ser eine andere Zusammensetzung hat wie der jetzt aufgelöste. Schon aus diesem Grunde wev den sie grundlegende Aenderungen in ibrev