Nr. 78
Samstag den 31. März 1928
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Auf dev Suche nach dem Svpvessev
Einer ungeheuren Aufregung hatte sich ge
«en Ende Oktober v. I. des nahe bei Gelnhausen gelegenen Oertchens Poth bemächtigt. Von unbekannter Hand kam am 24. Okt. einem dortigen Metzgermstr. unb Gastwirt einen Brief schreckenerregenden Inhalts ins Haus geflattert, der gebieterisch 250 Mark von dem Adressaten erheischte, widrigenfalls sein Anwesen in Flammen auf» ginge und er selbst eines gewaltsamen Todes ériÜ sterben müßte. Es war eine ganz gruselige Angelegenheit, die getreu amerikanischem Muster a la „Schwarze Hand" angelegt, dem Empfänger nicht geringen Schrecken einflößte und die ganze Ortschaft in Aufruhr brachte. Verheißungsvoll begann das mit „Johann Rache" und „Jakob Tod" unterzeichnete und nich völlig von sonstiger Erpressergewohnheit ab- M weichend in blutrünstiger Versform gehaltene W - Schreiben mit dem vielsagenden Reime „Willst Du nicht unser Bruder sein, so schlagen iebe« wir Dir den Schädel ein". Es folgten liebliche )r et "Dinge wie „in Gluten krachende Balken", „ge- erm» borstene Schädel" usw. Auf einem zweiten chlich Platte war dann die „berüchtigte" Kirchhofs- ^Lm mauer mit der dick angekreuzten Stelle zu « schauen, an der in der folgenden Nacht zwi- estch schen H und 12 Uhr das getreu nach Vorschrift Mi aus zehn 20= und einem 50 Markschein zu be» *: stehen habende Geld in einem Paketchen am !i Bande an den Zaun zu hängen fei. woraufhin re Ä.sich der Hinterleger gleich Lots Weib ohne Ämzusehen zu entfernen habe. Eine Benachrichtigung der Polizei kam selbstredend der "lnterschreibung des eigenen Todesurteils gleich, ein fast entbehrlicher Husatz derartiger Pm ominöser Schreiben. Zur Ermunterung des Be Briefempfängers war noch der sicherlich trö» bei tende Zusatz gemacht, daß er der erste in oer
*9 '5jährigen Branche" der Firma „Rache
ünd Tod" sei, der so billig wegkäme.
I WH Glücklicherweise war der Emnkänger dieses
AaushaUsforgen
Als ich gestern meiner Frau das Wirtschaftsgeld für den Monat April überreichen wollte, und ihr die Summe nannte, mit der sie auskommen müßte, da machte sie eine abwehrende Handbewegung und erklärte: „Mit diesem Betrag komme ich nicht mehr aus, das Wirtschaftsgeld muß erhöht werden,
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ur iebevollen Schreibens so vernünftig, sofort e die Polizei zu benachrichtigen und bald war
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flagranti zu ertappen. Zwischen Licht und Dunkel schlich sich der Gastwirt zur oberen Ecke es Friedhofes und hängte das „Geldpaket" n die gewünschte Stelle, um „angstvoll" wie-
andernfalls trete ich sofort in den Streik!" Das kann ja heiter werden, dachte ich bei mir und gestattete mir auf dieses Ultimatum hin die höfliche Frage, wie hoch denn die Forderung sei: Meine Frau fetzte sich und lud mich ein, ebenfalls Platz zu nehmen. Die Verhandlungen begannen und als ich eine ab«
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Der Stadlverordnetenvorsteher bringt ein ganzes Bündel Anträge zum Etat zur Derteji ung.
. der den schaurigen Ort zu verlassen. Kaum war die pechrabenschwarze Nacht herange- ^lasMbrochen, als sich unser Gastwirt wieder an die gezeichnete Stelle heranmachte und siehe da, Ldas Paket hing noch unversehrt. Schnell war r vMâ Selbstschuß gelegt, flugs der Rückzug an» mu etreten. Gespannt harrte man der kommen- einen )en Dinge. Und als der Morgen graute
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orten hatte. Man stand zunächst vor einem ätfel, keine Spur beutete auf den kühnen rpresfer. Prompt traf dann Tags darauf ein
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Der ezogMe Landjäger war gerade auf dem Grgermeifteramt mit Schriftvergleichen an nd von Einwohnerzählungsbogen und an» eren amtlichen Schriftstücken beschäftigt, als rtseinwohner mit dem aufgerissenen „Geld- akete" auf der Bildfläche erschienen, das der aubere Firmeninhaber „Tod oder Rache" chtlos in den nahen Steinbruch beiseite ge=
Deiter Brief ein. Die geheimnisvolle Firma m-mAußte alles, hatte das Legen der Falle beob-
nun ein fürchterliches Straf-
52 kos‘£ Inzwischen war der Landjägerbeamte aber Ach nicht müßig, nach eifrigem Suchen und Zergleichen hatte er herausgefunden, daß die i i rchrift eines 29jährigen Ortsbürgers eine ver- n Kol» weifelnde Ähnlichkeit mit der des Briefschrei- Innsèvers hatte. Die Sache ging so ihren Gang und 7^n Schriftgutachten eines Sachverständigen n-moni« Vurde nach weiteren Schriftproben eingeholt, Mev. las die Uebereinstimmung beider Schriften ue, kânwandfrei festgestellt haben wollte. Die all °* Staatsanwaltschaft bemächtigte sich der un= i" 23,1 nutzeren Angelegenheit und zitierte in deren erfolgung den vermeintlichen Brieffteller
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ömischWestern vor die Schranken des Gerichts. Aufs ^,w§^Eschiedenste bestritt auch gestern der Verdächtigte, die Briefe geschrieben ja haben, ja sprach sogar erstmalig einen schwerwiegen- en Verdacht gegen einen anderen Ortsbürger s, der ihm vermutlich aus Rache über einen verlorenen Zivilprozeß einen bösen Streich spielen wollte und so seine Schrift nachgeahmt .nd die beiden Erpresserbriefe geschrieben Hatte. Dies hätte er umso leichter bewerkstellign können, als er ihm einmal aus Gefälligkeit einen Brief an einen Schafhalter geschrieen habe, der vermutlich den Adressaten nie
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lehnende Miene machte, da geriet mein Gegenüber in Erregung, und wenn Frauen in Erregung kommen, dann... „Ihr Männer," sagte sie, „kennt die Haushaltssorgen einer Frau überhaupt nicht. Ihr gebt uns Frauen das Wirtschaftsgeld und wir sollen nun zusehen, wie wir damit auskommen. Dabei wollt ihr immer etwas anständiges auf den Tisch haben, unter den ihr eure Beine streckt. Ihr beruft euch auf den Index, wir aber erklären, zum Teufel mit diesem Ding, es stimmt ja doch nicht und richtet nur Verwirrung an..." So ging es noch eine Vier-
telstunde weiter. Im Stillen mußte ich meiner Frau ja recht geben — mit dem Index bin auch ich nicht ganz einverstanden — doch an eine Bewilligung der Forderung konnte ich nicht denken, denn wo nichts ist, da hat selbst der Kaiser u'w. „Also Streik!" Mit dieser Erklärung wurden d>e Verhandlungen abgebrochen. Doch die Folgen bekam ich sehr bald zu spüren— ich mußte mir meinen Nachmittagskaffee selbst kochen, mußte das Abendbrot selbst einkaufen, mußte für den nächsten Tag ^rgen usw. Heute das gleiche Bild. Wie lange biéfer Zustand noch andauern wird, ist nicht abzusepen, da beide Parteien auf ihrem Standpunkt verharren. Vielleicht stellt sich bald ein Schlichter ein, der einen Schiedsspruch — natürlich zu meinen Gunsten — fällt.
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Glücklicherweise bin ich nicht der einzige, der einen solchen Kampf um den Haushaltsetat zu führen hat— es soll noch zahlreiche Leidensgenossen geben. Sogar unser „Ober" gehört mit zu ihnen. Wie alle anderen Oberbürgermeister der deutschen Städte, so hat auch unser Oberbürgermeister, der gewissermaßen der Vater unserer Stadt ist, den Riejen- haushalt der Stadt aufgestellt und Einnahmen und Ausgaben balanciert. Doch auch hier gibt es noch eine zweite Partei, nämlich die Stadtverordneten- i Versammlung, die hier ein Wörtchen mitzureden hat und von diesem Recht insofern ausgiebig Gebrauch macht, als sie den fachgemäß ausgestellten Etat durch zahlreiche Anträge, die auf der einen Seite Herab- setzung der Steuern, also Beschneidung der Einnahmen und auf der anderen Seite Erhöhung der Ausgaben fordern, in bedenkliches Schwanken versetzen. Davon konnte ich mich überzeugen, als ich nach der Streikerklärung meiner Frau di« Stadtverordnete nfitzung besuchte, in der der Stadthaushalt beraten wurde. Seit vielen Jahren besuche ich regelmäßig die, Sitzungen dieses hohen Kollegiums, ohne ihm allerdings anzugehLren, doch ich muß sagen, solche Stöße von Anträgen, wie sie bei der diesjährigen Etatsberatung eingebracht worden sind, hat es noch nie gegeben. „Ganze Bündel" brachte der Vorsteher des Kollegiums zur Verlesung und als diese beendet war, da folgten weitere, so daß ein Stadtverordneter sich zu dem Zwischenruf Hinreißen ließ: „Wer vieles bringt, wird allen Wählern etwas bringen!" Jetzt wußte ich auch den Grund des Vorhandenseins Liefer „Bündel". Ja, die Trommel muß rechtzeitig gärührt werden, wenn auch die Wahl des neuen Kollegiums erst im Herbst zu erwarten ist... Daß unter solchen Umständen der Vater unserer Stadt die Verhandlungen der Stadtverordneten mit sorgenvollen Blicken verfolgt u. Zwischenrufe macht, wie: „Meine Herren, der Geldbeutel der Stadt verträgt dasmicht," ist verständlich. Immerhin ist der „Ober in einer etwas glücklicheren
Lage als wie ich un!d kann verschiedene Forderungen bewilligen. Er hat nämlich die Möglichkeit, zur Balancierung seines Etats ein Hintertürchen zu öffnen und durch dasselbe neue Einnahmequellen hereinfließen zu lassen, und wenn diese Quelle „Anleihe" heißt. (Ich habe zwar auch versucht, in meinem Privathaushalt ein solches Türchen anzu bringen, doch die Quellen wollen nicht fließen.) So wird ihm der fast bis zur Unkenntlichkeit abgeänderte Etat doch noch ausgeglichen überreicht werden können, einschließlich der Anteihebewilligungen in Höhe von mehreren Millionen, und zwar, rote zu hosten steht, als Ostergeschenk. Die Eier sind bereits gelegt, sie befinden sich nur noch in einem Versteck, das man bis Ostern noch ausfindig machen kann, wenn man nur will. Unser „Ober" freut sich bestimmt über diese Ostergabe und das mit Recht — ich würde es auch tun, wenn mir der Osterhase die Ausgleichung meines Etats brächte.
In einer dieser Etatsberatungen — unsere Stadtverordnete tagen feit Wochen in Permanenz — wurde von kommunistischer Seite der Antrag gestellt, Len Ausgabeposten für die staatliche Polizei zu streichen. Ich bin der gleichen Ansicht. Zu was brauchen wir noch Polizei. Die Polizei hat seither den Verkehr geregelt. Heute ist das nicht mehr nötig — alle Verkehrsvorschriften werden vom Publikum streng befolgt, das Publikum regelt den Verkehr selbst. Ein kurzer Aufenthalt an dem Brennpunkt des Hanauer Verkehrs: am Marktplatz, Ecke Krämer- und Hammerftraße genügt, um feststellen zu können daß die Hanauer sich eine lobenswerte Verkehrsdifziplin angeeignet haben. Sie stehen in Massen an der Ecke. Hier ist Treffpunkt der
Jots MN der Verkehrspouzelk
erreicht hatte, sondern eigens zur Durchführung des von langer Hand geplanten Racheaktes zurückbehalten worden wäre. Da auch keine sonstigen Verdachtsmomente gegen den Angeklagten bestanden und Motive für ein derartiges Vorgehen seinerseits nicht ersichtlich waren, erkannte das Gericht trotz des anderslautenden Gutachten des Sachverständigen und
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Das Osiergefcheuk für unseren „Ober."
jungen Mädchen und Jünglinge. Der Bürgersteig reicht nicht aus, man bleibt sogar aus dem Fahr- Üamm stehen und unterhält sich ungeachtet dessen, daß ein Radfahrer ankommt und das „Kränzchen" über den Haufen zu fahren droht. Auch sonst ist diese Selbstdisziplin des Publikums wahvMnehmen. Man geht immer auf der linken Seite des Bürgersteiges, weicht 6nks aus und überholt rechts! Dor allem ober geht man in Reihen nebeneinander: „Urahne Großmutter, Mutter, Kind" oder „Vater, Mutter, Bruder, Schwestern", sodaß Lie in entgegengesetzterRich- tung kommenden Passanten den Bürgersteig verlassen und den Fahrdamm betreten müssen, auf dem grade ein Auto herangesaust kommt. Dieser Tage war ich in der Krämerstraße Zeuge folgenden Erlebnisses: Eine Mutter kommt mit drei Kindern an. Plötzlich entdeckt die Mutter drüben auf der anderen Seite ein interessantes Schaufenster. „Kommt Kinder, das müssen wir uns ansehen," sagt die Mutter, und hinüber gehts, daß gerade noch der Rockzipfel des einen Kindes von der Straßsickahn gestreift wird. Während die Mutter mit ihrem Weitesten vorm Schaufenster steht, spielen die beiden Kleinen „Drahtseilkünstler" auf der Bordsteinkante und be- geben sich dann auf den Fahrdamm. Da, eine Autohupe! „Um Gottes willen unsere Kinder!" ruft die Mutter. 3m letzten Augenblick erreichen sie noch den Bürgersteig. Ist das nicht Verkehrsd-isziplin? Daß die Autoführer und Motorradfahrer die Ver- kehrsbeftimmungen auf das peinlichste beachten, ist selbstverständlich: sie haben das Tempo erhöht, denn für die Sportsleute der' verschiedensten Neigungen gehört es zum guten Ton, Spitzenleistungen fertig» zickringen. Deshalb fort mit Ler verkehrsregelnden Polizei! (Unser Zeichner hat den Verkehrspolizei- posten bereits .abgebaut"). Das Hanauer Publikum übt Selbstdisziplin. (Bittere Ironie). rh.
Zeichnungen von A. Basttan.
[, die so
einigen noch bestehenden Verdachtes auf Freispruch, wie auch der Vertreter der Anklage bereits auf Freispruch plädiert hatte. Man darf nun mit Recht gespannt sein, ob die Affäre noch weitere Kreise ziehen wird, zudem dem Gastwirt in der Folgezeit auch noch einige weitere üble Streiche gespiell wurden, ohne daß man des Täters habhaft wurde.
♦ Die Verkehrsinseln am Vestbahnhof viele Kritik vom Publikum ertrügen mußte:. . beseitigt werden. Um eine möglichst günstige Verkehrsregelung zu erhalten, fordert die Stadt alle Autofahrer auf, morgen nachmittag um 3 Uhr am Kanaltorplatz Aufstellung zu nehmen, um die bestmöglichste Verkehrsregelung auszuprobieren. Außer einer Reihe Sachverständiger wird auch der Magistrat und die Stadtverordneten, die za wegen des Etats foroliefo in Permanenz tagen, an Ort und
und andere Suppen in Wurst form
Ei ist ja so leicht, aus uns eine gute, wohlschmeckende Suppe in kurzer Zeit herzurichten, ^••weil wir alle notwendigen Zutaten für eine gute, nahrhafte Suppe in uns tragen. Wir r müssen nur in kaltem Wasser angerührt und 20 Minuten gekocht werden und schon " sind wir fix und fertig. Wir sind in Teller-Portionen eingeteilt und in Größen zu 4 oder
0 Teller bei jedem Kaufmann erhältlich. Machen Sie noch heute mit uns einen Versuch,.. V. damit Sie sehen,daß wir Ihnen Zeit, Geld und Arbeit sparen. ,
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