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Montag den 26. März 1928

Nr. 73

Jahrhunderts unD wurde im Jahre 1349 reichsunmittelbar. Sein Fürstenhaus hat dem österreichischen Heere manch tüchtigen General geliefert, dessen Name in der deutschen Ge- ichichte einen guten Klang hat. Das Fürsten­tum selbst aber ist nie wesentlich vergrößert worden und bestand bis zuletzt aus dem Für­stentum Waldeck-Wildungen sowie der Graf­schaft Pyrmont, die in einem reizenden Seiten­tals der Weser unweit Hameln liegt und durch ihre Heilquellen schon seit Jahrhunderten be­kannt ist. Auch Wildungen erfreute sich schon im 18. Jahrhundert als Heilbad eines guten Rufes.

Das Fürstentum Waldeck war im Jahre 1815 dem deutschen Bunde beigetreten und schloß sich im Juni 1866 an Preußen an, mit dem es schon seit dem Jahre 1862 durch eine

Goldsteins AieriAt

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Militärkonvention verbunden war. Im Herbst 1866 trat Waldeck dem Norddeutschen Bunde bei, doch lehnte damals der Landtag die Bun­desverfassung einstimmig ab, da das Land die Kosten der neuen Verhältnisse nicht zu tragen vermochte. Daraufhin schloß der Fürst im Juli 1867 mit Preußen einen Vertrag, das vom 1. Januar 1868 ab die Verwaltung über­nahm. Der Fürst behielt sich nur einzelne Rechte vor. Der Vertrag mit Preußen war auf 60 Jahre geschlossen und konnte von da ab alljährlich gekündigt werden. Der Freistaat Preußen hat von diesem Rechte am 1. Januar 1928 Gebrauch gemacht, so daß am 1. Januar 1929 der Freistaat Waldeck wieder in den Be­sitz seiner vollen Souveränität gekommen wäre. Daran liegt den Städten und Gemein­den aber nichts, denn es fällt ihnen auch heute noch schwer, die Verwaltungskosten und Be­amtenbesoldungen aufzubringen.

Der ganze Freistaat Waldeck hat einen Flächeninhalt von etwa 20 Ouadratmeilen und zählt 59 000 Einwohner. Das Land zerfällt in die drei Kreise der Twiste, des Eisenberges und Der Eder mit den Städten Arolsen, das mit seinen 2500 Einwonern die kleine deutsche Hauptstadt war, Corbach und Wildungen. Der vierte Kreis des Landes, Pyrmont, ist durch einen Staatsvertrag zwischen Preußen und Waldeck, den nach langen Verhandlungen auch der Reichsrat genehmigt hat, bereits im Jahre 1922 an Preußen gefallen. Von dieser Ver­änderung ist Damals nur wenig in die Oeffent- kschkeit gedrungen.

Für den Freistaat Waldeck war es somit hauptsächlich eine Geldfrage, besonders aber für seine Städte und seine mehr als 100 Ge­meinden. Es bedurfte, um die Frage des Anschluffes an Preußen zu entscheiden, in Waldeck keiner Volksabstimmung; denn seit mehr als 60 Jahren war man die preußischen Beamten gewöhnt unD ist recht güt mit ihnen ausgekommen. Mit dem Herrscherhause sind eine ganze Anzähl von Einrichtungen vsr- schwunden, die den Einheimischen vielleicht den Uebertritt in das preußische Untertanenver- hältnis erschwert hätten. Diese Hindernis- gründe^ sind nunmehr weggefallen; die peku­niäre Seite des Vertrages ist gerade für Wal­deck sehr günstig, schwerlich wird man in Cor­bach und Arolsen Den völligen Anschluß an Preußen bereuen. Die Verhandlungen waren jedoch nicht ganz einfach und haben trotz des beiderseitigen Entgegenkommens mehrere Monate in Anspruch genommen, ein Beweis, wieviele strittigen Punkte bei derartigen An­schlüssen zu behandeln und zu begleichen sind. Hoffen wir, daß auch die anderen kleinen Staaten dem Beispiele Waldecks folgen mögen!

Berlin, 24. März. Wie den Blättern mitgeteilt wird, ist die von anderer Seite verbreitete Nachricht unzutreffend, daß Oberingenieur Goldstein einen schriftlichen Bericht erstattet habe, der heute ver­öffentlicht werden soll. Aus den mündlichen Mittei­lungen, die Herr Goldstein dem Auswärtigen Amt gemacht hat, ergibt sich folgendes Bild:

In der Nacht zum 6. März ist Gold- st ein verhaftet worden. Nach eingehender Haussuchung wurde er in die nächste Kreisstadt, Stalin, überführt. Hier wurde er 24 Stunden im Gefängnis gehalten, dann nach Charkow und von dort nach Rostow am Don gebracht. Im Rostower Gefängnis hat er die ganze Zeit bis zu seiner Frei­lassung am 17. März zugebracht. Aus feiner Bericht­erstattung geht hervor, daß die Gefängniszeit außer­ordentlich schwer für ihn war, weil die Gefängnis­verhältnisse für ihn derart waren, daß Herr Gold­stein die Leiden dieser Zeiten noch nicht überwunden hat. Er wurde mit einer großen Anzahl anderer Gefangener in kleinen Zellen gehalten. So war seine Zelle vier Meter lang und 1.70 Meter breit. Darin waren gleichzeitig noch sechs andere Ge­fangene untergebracht. Unter dem Ungeziefer wie unter der Mochten Behandlung litt Goldstein glei­chermaßen. Ueber den Grund seiner Verhaftung wurde Goldstein dauernd in voller Unklarheit ge­lassen.

Er st am 14. März fand das erste Ver­hör st a t t. Dabei stellte sich heraus, daß ein Mon- tagebericht, den einer seiner Monteure ihm nach- gtzschickt hatte, der G. P. U. in die Hände gefallen und von dieser in entstellender Form übersetzt wor­den war, daß sich tatsächllch alles mögliche daraus konstruieren ließ. Der Vergleich mit dem Original hat dann aber offenbar auch die G. P. U. von der Haltlosigkeit der Anklage überzeugen müssen, und so wurde Goldstein am 17. März ebenso wie Wag­ner freigelassen. Bis dahin ist es Herrn Goldstein aber auch nicht möglich gewesen, sich mit der deut­schen Vertretung in Verbindung zu setzen. Die Russen haben die Vertragsvorschriften allerdings insofern formal einqehalten, als sie der deutschen Botschaft am Abeno vor der Verhaftung eine Ankündigung zugehen ließen, die freilich keine ge­nauen Angaben enthielt.

prache wurde auf Vorschlag des Vorstandes fol­gende Kandidatenliste genehmigt: Staatspräsident a. D. Professor Hellpach-Heidelberg, Stadtverordneter Großkaufmann Christ-Mainz und Frau Stadtver­ordnete Klara Grein-Offenbach. Zu Beginn der Sitzung hatte man der verstorbenen Frau Wg. Balser gedacht, deren Hinterbliebenen eine Beileids­adresse übersandt wurde.

Rerchsausestetttettiastttts der Deutttbsn Solksvavter

Der Zulrilk zu den Gefangenen ist bisher noch nicht erlaubt worden.

Nach den Vertragsbestimmungen haben die Russen das Recht, den Besuch hinauszuschieben. Auch die Bestellung eines deutschen Anwalts ist noch nicht genehmigt worden. Immerhin besteht die Möglich­keit, daß die Erlaubnis hierzu noch nach Abschluß der Untersuchung gegeben wird.

Ueber bas Schicksal der übrigen Verhafteten ist auch heute noch nichts bekannt.

Sie befinden sich ebenfalls in Rostow am Don. Es ist versprochen worden, die Untersuchung in kür­zester Zeit zu Ende zu führen und der deutschen Botschaft dann zu berichten. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß darüber aber noch 10 bis 14 Tage vergehen werden. Auch Herr Gold­stein kann über den genauen Grund der Verhaf­tungen heute noch keine Aussagen machen. Die ursprüngliche Annahme, daß die Verhaftungen auf die Reibereien zurückzuführen wären, die sich bet der Ablieferung von Maschinen zwischen deutschen und russischen Ingenieuren ergeben hatten, wird sich wohl nicht aufrecht erhalten lassen, well auch

—""^ " "-zenieure mitverhaftet worden sind.

die russischen 3ngi Interessant ist üb:

eigens, daß der Verfasser des be­schlagnahmten Montageberichtes überhaupt nicht verhaftet worden ist. Herr Goldstein berichtet dann weiter noch, daß die Behandlung nach Aufklärung der falschen Uebersetzung sehr viel besser, ja außer- ordentlich freundlich geworen ist und daß er dann auch sofort in eine bessere Zelle übergeführt wurde.

Die Satt dev OeutMen Rofisw

Berlin, 25. März. Der „Lokalanzeiger" meldet aus Rostow am Don, daß die verhafteten Deutschen noch in Rostow sind. Dem Vertreter des Blattes wurde mitgeteilt, daß die Deuffchen nicht in dem eigentlichen Gefängnis, sondern in einem besonderen Gebäude untergebracht seien, und zwar jeder Ver­haftete in einem einzelnen Zimmer. Ihr Gesund­heitszustand sei gut. Das Essen werde aus dem ,<hotel geliefert. Die Häftlinge hätten bie Erlaubnis, sich Lektüre zu verschaffen und sich im Freien zu er­gehen. Gegen Mexer und Otto soll „schwerbelasten- des Material" vorliegen, so daß ihre Freilassung nicht in Frage käme.

Gesetze vollzogenen Wahlen. Der hessische Staats- gerichtshof, der sich aum Urteil über das Wahl­gesetz nicht zuständig fühlte, hat aber dann die hes­sischen Wahlen für gültig erklärt, Hessen hat sich da­mit einfach über das Urteil des höchsten Gerichts­hofes des Reiches hinweggesetzt. Hier muß die Reichsgewall sich gegen kleine Länder durchsetzen.

Wg. Seiffert (Volksrechtspartei) begrüßt die Haltung des Ministers zu den Fragen der Deffaf- ungsreform. Die Volksrechtspartei stehe in schärf- ter Kampffront gegen die Deutschnationalen, aber ie beglückwünsche die Deuffchnationolen ehrlich zu liefern Minister.

Abg.^S Ollmann (Soz.) wirft dem Zentrums-

Berlin, 25. März. Auf dem heut« im Preußischen Landtag ab gehaltenen 5. Re ich so n gestellte nta g der Deutschen Belt spartet hielt Minister Dr. Strese­mann eine Ansprache, in der èr die Notwendigkeit der Erhaltung der individuellen Wirtschaft in J „.,■.- . , - „ _ .

Deutschland betonte, die die Persönlichkeit dieser über dem Recht des einzelnen Zur Ordenssrage mehr in den Vordergrund stelle. Es müsse in dieser Beziehung alles getan werden, um das zu erhalten, was noch zu erhalten sei. Der Minister schloß mit der Bemerkung, daß die Politik der Deutschen Volkspartei von Verantwortung auf allen Gebieten

Berlin, 24. März. Der Schiedsspruch für bas Buchdruckgewerbe ist vom Reichsarbeitsminister mit folgender Erklärung für verbindlich erklärt morben:

Die in dem Schiedsspruch vorgesehene Regelung sieht eine Erhöhung der tariflichen Wochenlöhne in j der Ortsklasse A von 52.50 RM auf 56 RM uni in den übrigen Ortsklassen eine entspreck;enü« Loh^ erhöhuna vor. Aus der gesamten Lohntage, wie fit tatsächlich im Buchdruckgewerbe besteht, kann nich gefolgert werden, daß dieser Vorschlag die soziale, und wirtschaftlichen Verhältnisse ungenügend H rücksichtige. Dies gilt umsomehr, als es sich auf Arbeitgeberseite um einen Verband handelt, der sst auf das ganze Reich erstreckt und der neben großen und leistungsfähigen Betrieben auch eine große Anzahl von mittleren und kleinen, in ihr« Finanzkraft beschränkten Betrieben umfaßt- Bei ein. heitlicher Beurteilung des gesamten Gewerbes muf daher berücksichtigt werden, daß schon die in Schiedsspruch vorgeschlagene Lohnerhöhung für viele dieser mittleren und kleinen Betriebe eine Be­lastung ist, welche die Grenze ihrer Leistungs- - fähigkeit bedeutet. In den Nachverhandlu,ngen i« e Reichsarbeitsministerium war eine Annäherung bei l Parteien nicht zu erzielen. Die Gegensätzlichkest bei Meinungen läßt eine Verständigung als ausge­schlossen erscheinen. Es ist zu erwarten, daß ei, tarifloser Zustand im Buchdruckgewerbe zu Schwie­rigketten führen wird, deren Auswirkungen sowohl für das Duchdruckgewerbe selbst wie für die All- gem«inheit, insbesondere in der jetzigen Zeit, uner­träglich wären. Die Verbindlichkeitserklärung b« Schiedsspruchs war daher erforderlich.

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pari», 25 März. Wie der Chicago Tribune aus Washington gemeldet wird, bestehr die Möglichkeit daß in Verfolg des amerikanisch-französische, Notenwechsels hinsichtlich der Antikriegspaktfrag« eine persönliche Unterredung zwischen Außenminist« Briand und Staatssekretär Kellogg stattfindsn weck. Allerdings warte man zunächst noch die Antwort Briands auf die letzte Not« Kelloggs ab. In der gieb

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chen Meldung wird behauptet, daß europäG (Q. Mächte in Washington gewisse Schritte im HinbliM ^(

aus die Abänderung des Dawesplanes unterm, men hätten. Von gut unterrichteter Seite weck jedoch «Märt, daß am Dawesplan keine Aenderung vorgenommen werden würde, solange Präsiden! Coolidge noch im Amte sei.

Aus allst Welt.

Beschlagnahme eines Maschinengewehres bei ein Polizeimajor.

redner vor, daß er in der Schulsrage die Ettern- schlagnahmt, rechte über die Staatsrechtë gesteilt Habel Für bte I Mr 3™'

Sozialdemokratie stehe das Recht der Gemeinschaft

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Berlin, 24. März. Nach einer Mitteilung des zu Polizeipräsidiums wurde gestern nachmittag bei R einem Polizeimajor der Berliner Schutzpolizei ein z Maschinengewehr mit Zubehör gefunden und bé’ hat sofprtlW

Eins Rede des Rekchs- ttnammrnßftevs

Gleiwitz, 25. März. Reichsfinanzminister Dr. Köhler hiell hier heute auf einer Mittelstands- kundgebung der obsrschlssischen Zentrumspartei eine Rede, in der er eingehend auf die Probleme der Landwirtschaft und des gewerb­lichen Mittelstandes zu sprechen kam. Di« deutsche Landwirtschaft könne die auf ihr lastende Verschuldung auf die Dauer nicht tragen. Die Pro­duktion müsse gesteigert und damit der Inlands- markt gestärkt werden. Er befürchte, daß weit« Teile der Landwirtschaft zu parteipolitischen Zwecken ausgenutzt würden. Ebenso wichtig wie bie Land­wirtschaft sei der gewerbliche Mittelstand. Es dürf­ten sich aber nun nicht Berufsorganisationen zu Parteien auswachsen, sondern jeder solle sich in seiner Berufsorganisation organisieren, dann aber aus der Organisation heraus Einfluß auf die poli­tische Partei zu gewinnen suchen. Auch im kommen­den Reichstag würden bie großen politischen Par­teien und nicht bie kleinen Wirtschaftsgruppen maß­gebend sein. Auch die Phoebus-Angelegen- h e i t, so bemerkte der Minister weiter, sei von der jetzigen Regierung übernommen worden. Es sei un­geheuerlich, daß ein Volk, das vor wenigen Jahren zerschmettert am Boden lag, 13 Milliarden Reichs- niark für bie öffentliche Hand aufzubringen habe, was für bie Dauer unmöglich sei. Um die Ausgaben zu senken, sei eine ganz radikale Form der Verwaltung notwendig. In seinen Schlußausfüh- rungen gab der Reichsfinanzminister der Hoffnung Ausdruck, daß es bereits in den nächsten Monaten möglich sein werde, auch bie Gemeinden wieder am ausländischen Kapitalmarkt zu beteiligen.

Die ReithstassLandtdaLen dev DemokvEGe« Partei ht Hessen

Frankfurt a. M„ 25. März. Ein außerordent­licher Landesparteitag der Deutschen Demokratischen Partei in Hessen trat am Sonntag im Volksb ildungs- heim in Frankfurt a. M. zur Vorbereitung der be­vorstehenden Wahlen zusammen. Abg. Schreiber berichtete über die Beratungen des Landesvorston- bes wegen der Kandidatenaufstellung und teilte mit, daß Minister Korell eine neue Kandidatur nicht -mehr übernehmen wolle. Nach eingehender Ans­

getragen sei.

Ausdehmms des Reichs- bahnskandals

Berlin, 24. März. Die Staatsanwaltschaft I hat im Laufe des heutigen Vormittags in der Be­stechungsaffäre bei der Reichsbahn mehrere Beamte und Zeugen vernommen. Der Verdacht, daß Be­stechungen auch bei anderen Beamten als Reichs­bahnoberrat Schultze vorgekommen sind, hat sich durch den Gang der Untersuchungen jetzt voll be­stätigt. Es sind von mehreren Firmen (nicht nur aus Köln) an die Beamten des Zentraleisenbahn­amtes Schmiergelder als angebliche Lizenzgebühren für Verbesserungsvorschläge gezahlt und auch wert­volle Geschenke gemacht worden. Die Kriminal­polizei hat bei den beschuldigten Beamten Durch­suchungen in den Wohnungen vorgenommen und zahlreiches Belastungsmaterial beschlagnahmt. Ober­reichsbahnrat Schultze ist geständig und gibt die ihm nachgewiesenen Fälle zu. Inzwischen konnte aber feftg efteilt werden, daß er auch noch bei anderen Firmen „Lizenzgebühren" für „Erfindungen" er­hallen hat.

Die Reichstassdebatte übev Wendells Etat

Berlin, 24. März. Die zweite Beratung des Haus­haltes des Reichsinnenministeriums wird fortgesetzt.

Abg. Petzold (W. Vgg.) erklärt, seine Freunde, die weder zu den Regierungsparteien noch zur Opposition gehörten, könnten zu den Leistungen des Ministers ganz objektiv Stellung nehmen. Zu diesen Leistungen gehöre das Gesetz zum Schutze der Jugend, das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechts­krankhellen. Nach dem Scheitern der Keudellschen Schulvorlage werde auch bei der Neubildung der Regierung ein Reichsschulgesetz eine ausschlaggebende Rolle spielen. Di« Wirtschaftliche Vereinigung stehe auf dem Standpunkte der Gleichberechtigung der christlichen Volksschule mit der weltlichen Schule und der Wahrung des Elternrechts ohne Ueberspan- nung.

Abß. Frau Lang-Brumann (B. Dpt.) schließt sich dem Protest des Zentrumsredners gegen die Behandlung der Katholiken in Mexiko an. Die Amtstätigkeit des Innenministers fei nicht so erfolg­los gewesen, wie es von der Opposition hingestellt wird. Bedauerlich wär« es, wenn das Gesetz zum Schutze der Jugend bei Lustbarkeiten nicht mehr von diesem Reichstag verabschiedet werden könnte. Die Rednerin drückt die Hoffnung aus, daß die christliche Schule doch noch durch ein Schulgesetz gesichert wird.

Abo. Kube (N.S.) erklärt, die preußische poli­tische Polizei sei ein Hort der schlimmsten politischen Korruption. Die Nationalsozialisten würden das Mißtrauensvotum gegen den Minister ab lehnen.

Abg. Dr. B r e d t (W. Vgg.) erklärt, der Staats- gerichtshof habe zwar die Wahlgesetze, die kleine Parteien aus dem Wahlkampf ausschalten wollten, für unaültia erklärt, nicht aber die aus Grund dieser

uoep oem cneair oes einzelnen. <jur vroensfrage stellte der Redner fest, daß das Gutachten, das dem Reichspräsidenten Ebert die Annahme der „Sonne von Peru" empfahl, nicht von ihm ausgearbellet worden sei und nicht in seine Amtszeit falle. Im übrigen werde auch von den amerikanischen Staats­männern jede Auszeichnung zurückgewiesen. Weil wir den allen Kastenstaat ablehnen, so schließt der

Redner, haben wir in Schwarzrotgold ein neues , ' " fgerichtet. Unter dieser Volksfahne wollen wir Deutschland zu einem Volksstaate machen.

Abg. Spuler (Dntl.) meint, die Beseitigung der aus der Vielstaatigkeit Deutschlands entsprin­genden Uebelstände werde sich durch gegenseitige Vereinbarung besser erreichen lassen als durch Zwangsgesetzgebung und Unitarismus.

Abg. Frau Dr. Stegmann (Soz.) begründet eine Entschließung, in der die Regierung ersucht wird, das Jmpfgèsetz neu auf seine wissenschaft­lichen Grundlagen zu prüfen, namenllich im Hin­blick auf die Einführung der Gewissensklausel, evtl, auf die Anerkennung einer Entschädigungspfsicht des Reiches für Schädigungen, die bei der Zwangs­impfung entstanden sind.

Abg. Frau Weber (Ztr.) fordert stärkere Be­kämpfung bes Kurpfuschertums, vor allem der Auswüchse der Hypnose und Psychoanalyse.

Wg. C r i s p i e n (Soz.) übt Kritik an den Dar­bietungen des Rundfunks. Von den Bürokraten

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werde die kleinlichste Zensur geübt.

Abg. Frau Dr. Lüders (Dem.) verlangt un­bedingte Gleichstellung der Frauen mit den Män­nern in der Verwaltung.

Abg. Frau Arendsee (Komm.) fordert höhere Mittel zur Bekämpfung der Tuberkulose und der

Abg. Dr. Spahn-Köln (Dn.) erklärt, seine Fraktion habe von Anträgen zur Regelung der Studentenschaftsfrage von Reichswegen abgesehen, da solche Anträge vor Torschluß keinen Zweck hätten. Wer der grundsätzliche Einspruch gegen die Studentenschaftspolitik müsse erhoben werden.

Wg. Dr. Henß (Dem.) betont, es höre sich ganz gut an, wenn der Reichsinnenminister von der Notwendigkeit einer „psychologischen" Behandlung der süddeutschen Staaten gesprochen habe. Aber politische. Psychologie sei noch nicht Verzicht auf einen Führerwillen. Es komme darauf an, wie man führe. Die wesentliche Schwierigkeit in der Schul­frage sei die, daß heute auf evangelischer und auf katholischer Seite die Begriffe Gewissensfreiheit und Elternrecht als ein Wortpaar gebraucht würden, die in ihrer Sinngebung völlig verschieden seien und sein müßten.

Abg. Graf Reventlow (Nationalsoz.) gibt eine Erklärung ab, die sich gegen das Judentum richtet und di« fordert, daß die Juden in Deutschland unter frembes Recht gestellt werden sollen. Alle seit 1914 zugewanderten Juden feien auszu weisen.

Abg. Petzold (W. Vgg.) fordert schärfere Ver­folgung der Rauschgifthändler.

Abg. Dr. Löwenstein (Soz.) bespricht die Kämpfe um das Reichsschulgesetz. Diese Vorlage sei wirklich keine Großtat gewesen.

Darauf werden di« Beratungen abgebrochen. Es folgt die erst« Lesung des Gesetzentwurf«» über bie Errichtung der Deutschen Rentenbanktreditanstalt. Die Vorlag« wird ohn« Aussprache dem Ausschuß

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und beim preußischen Innenim

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Ein deutscher Dampfer in Brand geraten.

suspendierung beantragt, die heute vormittag be reits ausgesprochen worden ist. Der Polizeipräsi­dent hat ferner ein Strafverfahren gegen den Mc^ jor wegen Verstoßes gegen das Republiks setz eingeleitet.

Zu der Meldung über den Fund ein Maschinengewehres berichtet die „Voss. Ztg." noa|, daß es sich um den stellt). Kommandeur der Polizei inspektion Tiergarten, den Polizeimajor La Baum« in Berlin-Zehlendorf handelt. Die Kriminalpolizei versucht jetzt, festzustellen, zu welchem Zweck SOtajot La Baume das Maschinengewehr in seiner Wch nung verborgen gehalten hatte. Insbesondere bf darf es der Nachprüfung, ob Major La Baun« Beziehungen zu rechtsgerichteten Verbänden unten hatten hat. Im übrigen scheint festzustehen, das bet Offizier erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit in Besitze des Maschinengewehrs war.

Stagen, 25. März. Der Dampfer „"Örtlinbu _ (1100 T) aus Stettin, mit Holz von Danzig [1 Rouen unterwegs, ist heute nacht bei Skagen i« Brand geraten. Die Besatzung von 16 Mann gin in die beiden Rettungsboote des Schiffes und wur heute früh von dem Skagener Kutter „Brödrene in den Skagener Hafen gebracht. Der brennend Dampfer wurde später von dem schwedische« Dampfer „Kalmarsunde" ins Schlepptau genom men. Hohe Flammen schlagen ununterbrochen am dem Vorderdeck. Der Svitzer Rettungsdampls „Garm" begleitete die beiden Schiffe, deren M anscheinend Gotenburg ist.

Oberbürgermeister Dr. Luppe sreigefprochen.

Nürnberg, 24. März. Die Strafkammer spr" heute Oberbürgermeister Dr. Luppe von der A» klage der Beleidigung des Landtagsabgeordnets Julius Streicher frei. Dr. Luppe hatte in ein« am 28. Oktober 1926 in Dessau abgehaltene! öffentlichen Dolksversamlung der Demokratisch, Partei in Bezug auf Streicher geäußert, „der vk kische Verleumder sitze nun für einige Mono hinter Schloß und Riegel". Dr. Lupe wurde! erster Instanz zu einer Geldstrafe von 1000 Mo

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verurteilt. Gegen dieses Urteil hatte OberbürgkM, meister Dr. Luppe Berufung eingelegt.

Rätselhafter Tod einer Familie. M

Düsseldorf, 25. März. In einem Haus« im Sta^ teil Bilk wurde gestern morgen die Familie ein«' Anstreichers, bestehend aus Mann, Frau und Soh« tot aufgefunden. Ein freiwilliges Ausscheiden dem Leben kommt nach den bisherigen Feststello« gen nicht in Frage. Die Gashähne waren M schlossen, eine Gaslampe in der Küche brannte r der Auffindung noch. Die Familie lebte in » ordneten Verhältnissen und wollte heute die firmation ihres 14jährigen Sohnes begehen. N Klärung der Todesursache wurden die Leichen schlognahmt. Die Ermittlungen sind zurzeit m nicht abgeschlossen. Wie gerüchtweise verlauf sollen verdorbene Lebensmittel zu einem M ' gistungstod geführt haben.

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Ein chinesisches Dorf von Banditen zerstört.

Pari», 26. März. Havas meldet aus SuM hai, da» Dorf Hsiaoschihjiang in Sübfingfu, IM Meilen von Schanghai entfernt, wurde von

überwiesen. Das Haus vertagt sich auf Montag ............. — ^..^. ^...,^..„ ,„U1W „„.. -.—„

12 Uhr. Tabaksteuer, Reichsministerium des täten zerstört. 35 Einwohner wurden erscholl^ m Innern, Nachtrags- und Ergänzungsetat. lunb eine große Zahl verwundet.

und eine große Zahl verwundet.

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