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Montag
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de« 26. März
1928
Das neueste.
— Die vorbereitende Abrüstungskommission hat am Samstag ihre fünfte Sitzungsperiode abgeschlossen.
— Rach einer Washingtoner Meldung besteht die Möglichkeit, daß im Verfolg des amerlkanisch- sranzösischeu Rotenwechsels hinsichtlich der Anti- kriegssrage eine persönliche Unterredung zwischen vriand und Kellogg stattfindet.
— wie das „Oeuvre" mitteilt, wird dem nächsten Wnislerral, der am Donnerstag zusammentritt, von Vriand der Text der Antwortnote auf die letzte Rote Kolleggs in der Frage des Antikriegspaktes vorgelegt werden.
— Ministerpräsident Poincar« hat gestern in Bordeaux seine erste Wahlrede gehalten.
— Gestern wurde in Berlin in der alten Ausstellungshalle am Kaiserdamm in Gegenwart von Vstlrelern der Reichs- Staats- und Sommunalbe- Hörden, sowie der Parlamente die Reichswirtschasts- messe eröffnet. Die von mehr als 500 Ausstellern beschickte Veranstaltung stellt die größte bisherige Äaslwirtsmesse dar.
— Der Skandal beim Reichsbahnzentralamt nimmt immer größere Formen an.
Die Lan-eSvatswahien im Gaavseviet
Saarbrücken, 26. März. Die gestrigen Wahlen zum Laadesrat des Saargebiets haben sich ohne Zwischenfälle vollzogen. Die Wahlbeteiligung betrug etwa 63 Prozent. Rach dem vorläufigen Wahlergebnis erhalten die Sozialdemokraten 43 411 gegen 46 627 Stimmen im Jahre 1922, die Kommunisten 46 407 (40 235), die Wirtschaftspaktes 9156 (10 396), die Deukschdemokratische Partei 3900 (0), die Saarländische Volkspartei 26 228 (37 571), die Christlich-Sozialen 9302 (0), die Deutsch-Rationalen 10 496 (0), die Zentrumsparkei 128 886 (108 211) Stimmen. Es erhalten voraussichtlich die Sozialdemokraten 5 (6) Sitze, die Kommunisten 5 (0), die Wirtschaftspakte! 1 (1), die Demokraten 0 (0), die Saarländische Volkspartei 3 (4), die Christlich-Sozialen 1 (0), dei Deutsch-Rationalen 1 (0), das Zentrum 14 (14) Sitze.
verueavs» erste Wahlrede
Paris, 25. März. Der Empfang Poincarës in
-rdeaux, der auf Einladung der linksrepublikam- » Senatoren sich dorthin begeben hatte, vollzog MMhne Beteiliaung der Radikalen, obwohl der
Lanöwirtschaftsminister Oeuille den
Genter SevItMSse
wiedev eine evgebnèslose Tagung - Bevnstovff kündigt Vevnfuns bei der VSlkevbnndsvevsammlung an
Genf, 24. März. Die fünfte Sitzungsperiode der vorbereitenden Abrüftungs-Sonferen; ging heute nachmittag nach einer erneuten erregten Sitzung zu Ende. Das Ergebnis der jetzigen Sitzungsperiode wurde io einer Entschließung zujammengefaßt, die zunächst fefl- stellt, daß die überwiegende Mehrheit der Delegierten die russischen Vorschläge auf sofortige allgemeine Abrüstung als Basis der Abrüftu ngsverhandlungen ablehnt. Der Antrag des Grafen Bernstorff auf Offenlegung des Rüst ungsstandes und die heute vormittag einge- reichten neuen russischen Vorschläge werden den Regierungen zur Prüfung überwiesen. Sie sollen auf der nächsten Tagung erörtert w erden, deren Einberufung dem Präsidenten überlassen und die wahrscheinlich nicht vor Mitte oder Ende August slattfinden wird.
ab Graf Bernstorff
n der Schlußsitzur
Mich die f »rs keinen feier.„,... _.„r,....n -----, — -
Bürgermeister, der sozialistische Abgeordnete Rarquet, heim Besuch Poincarès besonders heroor- |ob. An dem Bankett, das zu Ehren Poincarès gegeben wurde, nahmen etwa 2500 Personen teil, ßoiiicaré erklärte in einer Rede, er betrachte es als eine Pflicht, dem Lande über sein Mandat in gler- her Klarheit Rechenschaft abzulegen wie ein Avge- udmt-m Er bab« 1926 die ihm übertragene Mission
Mrdneter, Er hab« 1926 di« ihm übertragen« Missi nur mit Bedenken angenommen, habe aber soft die Formel der Nationalen Union als einzig möglich empfohlen. Die Nationale Union werde aber Melfach noch falsch astsgelegt. Viele Politiker erblickten darin lediglich ein Mittel, ihren politischen Freunden Vorteile zu verschaffen. Man habe sogar Hm selbst zugerufen: „Was tun Sie denn an der iSeite Ihrer Mitarbeiter? Brechen Sie die künstliche ° Allianz, nehmen Sie Ihre Handlungsfreiheit wieder Zurück! Stellen Sie sich an unsere Spitze, um uns im Wahlkampfe anzuführen!" Dies seien sonderbare Ratschlags. Er könne mit Nachdruck erklären, daß er Mi« auch alle seine Kollegen entschlossen seien, Äas Werk, das sie mit eigenen Händen aufgerichtet hätten, nicht wieder zu zerstören, sondern einig zu bleiben, um es zu befestigen.
ort
I Er habe sich in der Vergangenheit immer geweigert, näher auf die Ursachen der Finonzkris« von 1926 einzu gehen. Er müsse dies nun aber in gewissem Umfange doch tun, da Pseudohistoriker ganz Wische Behauptungen in Umlauf gesetzt hätten. Man Werfe der Kammer von 1919 bis 1924 vor, allein ischuld zu sein, daß sie Verfallstermine ungebührlich aufhäufte. Diese Behauptung sei falsch. Die frühere Wammer war zu großen Wiederaufbauanleihen gezwungen, weil Deutschland die Reparatio- n c n nicht bezahlt hatte. Die gleichen Fehler Mll aber von der Kammer gemacht rorden, die ^1924 gewählt wurde, das heißt also d«r Kartell- wmrner. Im übrigen sei es nicht wahr, daß di« Wammer des Nationalen Blocks für die Jahre 1925 wo 1926 gewissermaßen aus Bosheit besonders fthwere Verfallstermine konstruiert habe. In den Jahren 1922 bis 1924 feien die Verfallstermin« fast denso hoch gewesen. Pmnoarè führt« zum Beweis »Ohlen an. Die finanzielle Lage sei nach dem Kriege ^sschließlich von Kriegszerstörungen und den 'gerungen Deutschlands beherrscht ge- die Reparationen zu bezahlen. Es sei auch daß der schlechte Wille Deutschlands lediglich französischen Politikern in Er-
L ®E wachte darauf aufmerksam, daß Briand Befehl zur Besetzung Düsseldorfs ge- » en habe. Briand habe das geflügelte Wort ge- tnir ' --Wenn Deutschland nicht bezahlt, werden den säumigen Schuldner mit der Hand Sun ^®” Wen." Poincarè stimmte an dieser v EP, rühmliches Lied von der Ruhrbesetzung 1 u Frankreich mit einer Aktivbilanz von ^n°si!» PEden abschloß. General Dawes und der hobrK ^ Sachverständige Auld hätten erklärt, ir?™ c Dawes-Plan gar nicht möglich gewesen na^ „ D^ Ruhrbesetzung. Der Dawes-Plan fei er m>*n ^P im Prinzip ratifiziert worden, wenn enthärt'er^ in der nachfolgenden Legislaturperiode ö angenommen wurde.
bi« »^Earè machte dann einige Anspielungen auf Rmn? .j*^ Experimente Italiens und Spaniens. tnrifY? m habe keinen Grund, vom parlamen- iwen Regime abzuweichen. Er machte «ich eine
bungen des Völkerbundes. Die erwartete zweite Lesung des Entwurfes habe in der vierten Kommissionstagung vom Spätherbst v. I. nicht stattgefunden und auch jetzt entziehe sich die Kommission in scharfem Gegensatz zu ihrem früheren einstimmigen Beschluß der zweiten Lesung, die nun wiederum verschoben werde. Man könne wohl fühlen, daß die Kommission selbst den Zwang in sich fühle, vorwärts zu kommen. Dieser Zwang, so betonte Graf Bernstorff, rühre aber nicht von Deutschland her, sondern die im Versailler Vertrag niedergelegten Verpflichtungen seien es, von denen der von der Kommission empfundene Zwang ausgehe. Nicht Deutschland fei es, das die VRkerbundssatzungen und die Frieoensverträge entworfen habe. Beide seien aber unterzeichnet und feierlichst ratifiziert und müßten deshalb ausgeführt werden. Leider sind alle diese Mahnungen vergeblich geblieben und das Arbeitstempo der Kommission zeigt einen beklagenswerten Mangel an Schwung.
IBie lange die deutsche Regierung diese Unfruchtbarkeit der Kommissionsarbeiten mit ansehen werde, stehe dahin. Die deutsche öffentliche Meinung habe diese Frage bereits wiederholt gestellt. Richks anderes bleibe ihm übrig, als angesichts des Schlusses der fünften, wiederum ergebnislosen Tagung der Vorbereitenden Abrüstungskommission gegen diesen Stand der Dinge Berufung an die Bundesversammlung im Herst d. Js. einzulegen,
jenes Organ des Völkerbundes, das den Auftrag zur Dorbereitmrg der Abrüstung der Kommission erteilt hat und dem diese Kommission verantwortlich bleibe. Selbstverständlich, erklärte Graf Bernstorff, würde ich mich sehr freuen, wenn unsere Kommission in der Lage wäre, der nächsten Bundesversammlung den Entwurf eines Abrüstungs-Abkommens vorzulegen, einen Entwurf, der geeignet wäre, die Zweifel und Befürchtungen zu zerstreuen, die ich hier vor aller Oesfentlichkeit darzulegen gezwungen war. Allerdings ist bei der Wendung, die unsere Arbeiten bisher genommen haben, zu befürchten, daß sich auch diese Hoffnung nicht verwirklicht. Dann wird die Bundesversammlung als Verteidigerin des Ansehens und des Einflußes des Völkerbundes diejenige Stelle sein, — und hierbei folge ich einer Anregung des Herrn Gibson — die veranlassen wird, daß unsere Kommission endlich auf- höre, in immer erneuten Tagungen eine bedauerliche Unfruchtbarkeit zu erweisen. Die Bundes- Versammlung wird auch dafür zuständig sein, einen
Bericht über den tatsächlichen Stand jener zwischen den MaiermuM gciâenden. Befvreâunaen. entgegenzunehmen, auf die man sich hier immer mit erheblichem Nachdvuck beruft, die aber, wie wir uns immer wieder überzeugen mußten, sich in einem außerordentlich bescheidenen und ungenügenden Rahmen abgespielt und keinerlei praktisches Ergebnis gcjcitigi haben.
Nack den Ausführungen des Grafen Bernstorff erwarte der Präsident Loudon die Diskussion über die deutschen Vorschläge für geschlossen. Er verlas eine revidierte Resolution, die, wie dies bereits gestern geschah, die Beratung des russischen Konventionsentwurfes als unnütz verwirft, diese und die deutschen Dorsch läge über die Veröffentlichungspflicht den Regierungen zur Prüfung überläßt und es dem Präsidenten anheimstellt, nach Gutdünken eine neue Sitzung der Kommission zur Vornahme der zweiten Lesung noch vor der Septemberversammlung einzuberüfen.
Gegen diese Begrenzung der Zeit legte der amerikanische Vertreter Gibson Verwahrung ein, mit dem Hinweis, daß eine neue Sitzung erst dann stattfinden sönne, wenn volle Gewähr für ein praktisches Uebereinkommen gegeben sei. Lstwinow verlangte für den neuen russischen Entwurf zur Teilabrüstung sofort eine erste Lesung, wie es seinerzeit auch mit dem französischen und englischen Konoen- tionsentwurf geschehen sei. Die Diskussion brachte keine Antwort auf Litwinows Forderung. Sie drehte sich in Rede und Gegenrede zwischen den Delegierten darum, bis zu welchem Zeitpunkt man sich vertagen solle. Man hob schließlich die in der Resolution gegebene Begrenzung, daß noch vor der nächsten Vollversammlung die zweite Lesung stattfinden soll, dahin auf, daß man aus diesem Defini- tivum eine Empfehlung machte, so daß die zweite Lesung nun eventuell bis nach der Septemberver- sammmng verschoben werden könne. Ebenso strich man aus dem ersten Teil der Entschließung die Bemerkung, daß die russischen Total-Abrüstungs- vorschläge dem Ideal der Menschheit entsprächen. Die Entschließung wurde in dieser veränderten Form sodann von der Kommission gegen die Stimmen der deutschen und russischen Delegationen ange- nommen.
In einem sehr matten Schlußwort wies Präsident Loudon darauf hin, daß der zweite russische Entwurf, der leider zu spät eingegangen sei, den Regierungen zur Prüfung vorgelegt werde, und er hoffe, daß er auf ein möglichst baldiges Datum die Kommission zur Vornahme der zweiten Lesung einberufen könne. Damit war die Tagung zu Ende.
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nspielung auf Elsaß-Lothringen und erklärte, er sei rtschlossen, das elsässische Schulstatut so lange zu
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respektieren, als di« elsässisckie Bevölkerung es wünsche. Dagegen sprach er nicht über das Kirchen- tatut Elsaß-Lochringens. Nach einigen Ausfüh- tungen über eine Steuerreform und landwirtschaftliche Fragen fuhr der Ministerpräsident fort: Damit es möglich sei, daß die finanzielle Restaurierung vollendet werden könne und die Goldparität auch in Frankreich in der nächsten Kammer wieder einge- ührt werden könne, sei es notwendig, daß die Re- sierung in der nächsten Kammer ein« Mehrheit be- itz«, aus die sie zählen könne, eine Mehrheit, di« mit xr Regierung entschlossen sei, den inneren Frieden aufrechtzuerhalten. Poincarö schloß mit einem Ausfall gegen di« Kommunisten. Gurona bade es nicht
notwendig, das Vorbild des Fortschrittes im Orient zu suchen.__
Schweres Grubenunglück in Gelsenkirchen. Zwei Tote, ein Schwerverletzter.
Gelsenkirchen, 25. März. In der Rächt zum Sonntag ereignete sich auf der Zeche Graf Bismarck ein schweres Unglück. Auf der vierten Sohle ging ein Verbindungsstück zu Bruch, wodurch drei dort arbeitende Bergleute verschüttet wurden. Einer von ihnen konnte sofort als Schwerverletzter aus den Gesteinsmassen herausgeholt werden, während die beiden anderen, zwei Brüder Kattay, nach eifrigen Rettungsarbeiten erst gegen Mittag als Leichen zutage gefördert werden konnten. Ueber die Ursache des Uuâlücks ist bisher nichts bekannt.
Wiede« ein deuschev Bundesstaat wenige«
Eigenbrödelei und nationale Uneinigkeit waren von jeher ausgesprochene Fehler des deutschen Volkes, die schon in alter Zeit seinen Gegnern genau bekannt waren und von ihnen nach Möglichkeit ausgenutzt wurden. Manche Niederlage haben die alten Germanen dem weltbeherrschenden Rom beigebracht, aber die römischen Feldherren verstanden es stets meisterhaft, Unfrieden zwischen den einzelnen deutschen Völkern zu säen, so daß der Sieg niemals ausgenutzt werden konnte. Fast dauernd bekämpften sich im Mittelalter die deutschen Stämme; wenn auch jedes Herzogtum dem Kaiser zur Heerfolge verpflichttt war, so konnte doch dieser nur zu ost mit der gesamten Wehrmacht erst dann ins Fest) ziehen, wenn er die Gegner seines Stammes bezwungen oder gegen weitgehende Versprechungen für sich gewonnen hatte. War aber DNttschland in sich einig und hatte es das Kriegsbeil im Inner» begraben, so war es unbesiegbar und wurde I bald Herr über alle noch so starken Feinde.
Da Deutschlands Nachbarn im Osten und im Westen sich schon in frühen Jahrhunderten zu einem Staatsganzen zusammengeschlossen hatten, war es ihnen nur zu häufig ein Leichtes, das in sich zerrissene Deutschland niederzuwerfen und vor allem die deutschen Gaue zum Kriegsschauplatz zu machen. Am meisten zeigten sich die bösen Folgen des Parttkularis- mus nach dem 30jährigen Kriege, wo man nicht weniger als 350 weltliche und geistliche Gebiete zählte, darunter allein 56 freie Städte und 71 kleine Grafschaften und Herrschaften. Jeder : Fürst pochte aber auf seine Rechte und war t eifersüchtig auf seine Selbständigkeit, nicht i selten bekriegten sich die kleinen Staaten unter- t einander, wobei sie allerdings meist sich nach - Bundesgenossen umsehen mußten. Etwas besser 1 wurden die Verhältnisse im Jahre 1803, als der . Reichsdeputationshauptschluß die geistlichen . Fürstentümer und Stifter beseitigte und alle Reichsstädte bis auf 6 mediasierte. Immerhin . setzte sich der im Jahre 1815 gegründete : „Deutsche Bund" außer Oesterreich und ■ Preußen noch aus 34 Staaten zusammen. Der ; Krieg 1866 beseitigte einige Staaten, das am 18. Januar 1871 proklamierte Kaiserreich bestand aus 25 Staaten sowie dem Reichsland ‘ Elsaß Lothringen, das durch den Frankfurter
Frieden an Deutschland fiel.
Der Umsturz im November 1918 brachte wohl das Ende der Herrscherhäuser, nicht aber das der Länder. Nur die thüringischen Staaten schlossen sich zu einem Freistaat zusammen, das bisherige Herzogtum Coburg fiel an Bayern, so daß das Deutsche Reich heute noch aus 18 Staaten, darunter 3 freien Städten, besteht. Die Größe der deutschen Staaten ist sehr verschieden. An der Spitze steht Preußen mit 38,1 Millionen Einwohnern, der kleinste Bundesstaat Schaumburg-Lippe zählt nur 48 000 Einwohner. Alle diese Länder haben aber neben der gemeinsamen Reichsregierung und dem Reichstag noch ihre besondere Regierung sowie ihre Volksvertretung. Da die Zahl der Reichs- und Landesminister.sowie der Mitglieder der Parlamente in Deutschland so groß ist wie in keinem anderen Lande der Welt, so hat natürlich Deutschland auch die bei weitem teuerste Verwaltung. Es ist daher geradezu eine Ironie des Schicksals, daß das durch den Weltkrieg und die Nachkriegszeit so verarmte Reich sich den kostspieligen Verwaltungsapparat leisten muß.
Mehrfach haben die kleinen Staaten, denen die Bezahlung ihrer Beamten oft sehr schwer fällt, den Anschluß an Preußen gesucht, doch sind alle Verhandlungen bisher wieder abgebrochen worden, da die Bevölkerung der Länder selbst Wert darauf legt, ihre Selbständigkeit' zu wahren, selbst auf die Gefahr hin, daß die Ausgaben für den Verwaltungsapparat immer noch größer werden. In Schaumburg-Lippe hat sich das Volk nur zu etwa einem Drittel für den Anschluß an Preußen ausgesprochen, auch Mecklenburg-Strelitz und Lippe-Detmold wollen lieber die teuren Kosten bezahlen, als das Opfer ihrer Selbständigkeit bringen.
Nun hat der Freistaat Waldeck seinen völligen Anschluß an Preußen beschlossen, die Verhandlungen sind vor wenigen Tagen abgeschlossen worden und bedürfen mir noch der Zustimmung des Reichsrates. Allerdings lagen die Verhältnisse in Waldeck anders wie bei allen übrigen deutschen Staaten. Das Fürstentum Waldeck besteht seit dem Beginn des 13.