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Mittwoch den 14 März 1928

Nr. 63

forgungsroejen, wodurch bett Kriegsbeschädigten in der Regel Gebührenfreiheit eingeräumt werden soll.

Die Wohnungsnot und ihre Bekämpfung.

Es folgte die Entgegennahme des Berichts des Wohnungsausschufles zu der Denkschrift der Woh. nungsnot und ihre Bekämpfung. Wie schlimm die Dinge zehn Jahre nach Abschluß des großen Krieges in dieser Hinsicht in Deutschland stehen, er­gibt sich aus den Feststellungen der allgemeinen Wohnungszählung, die auf Grund des Gesetzes vom 2. März o. 3. für das gesamte Reichsgebiet durch­geführt worden ist. Nach den erst vorläufigen Er- gebniffen dieser Erhebungen ergibt M ganz un­zweifelhaft, daß als Hauptherd der Wohnungsnot die großstädtischen Wohngebiete anzusprechen sind und daß mit der wachsenden Größe der Gemeinden auch die Zahl der wohnungslosen Haushaltungen unverhältnismäßig stark angestiegen sind. Auf je 100 Wohnungen entfallen im Durchschnitt Haushal­tungen oder FamUien ohne eigene Wohnung: in Zemoinden mit 500020 000 Einwohnern 6,3, in olchen bis zu 50 000 Einwohnern 7,8, bis zu 100 000 Einwohnern 9,1; in Gemeinden von 100 000 und mehr Einwohnern sind 10,3 Haushal­tungen ohne eigene Wohnung. Wenn man bedenkt, daß" die Großstädte mit annähernd insgesamt 17 Millionen Einwohnern insgesamt mehr als ein Viertel der gesamten Reichsbevölkerung ausmachen, so ergibt sich aus dieser nackten Statistik, daß in den Großstädten etwa eineinhalb der etwa gleichstarken lein- und mittelstädtischen Bevölkerung. Die CEn- quete zeigt, daß rund 480 000 großstädtisch« Haus- Haltungen bzw. Familien heute in fremden Woh­nungen ausgenommen sind. Während vor dem Krieg in den Großstädten nur rund 2 Prozent aller Wohnungen mit zwei oder mehr Haushaltun­gen belegt wurden, sind gegenwärtig rund 10 v. H. )es gesamten Wohnungsbestandes doppelt und nehrfach in Anspruch genommen. Das Bedenklichste st habet, daß gerade in den Großstädten di« Bou-' Stigkeit nach dem Striege geringer ist als in den mittleren und in den Kleinstädten und daß die Zu- sammenpferchung vor allem sich auf die mittleren und kleinen Wohnungen erstreckt. Auch die Unter­suchung der Wohnungsverhältnisse der Haushaltun- gen ohne eigene Wohnung zeigt, daß das Zusam­mendrängen dieser wohnungslosen Haushaltungen und Familien fast ausschließlich tn den Mittel- und Keinwohnungen erfolgt. Rund 56 v. H. von den 480 000 wohnungslosen großstädtischen Haushal- hingen sind in Mittelwohnungen, 30 v. H. in Klein­wohnungen zusammengepreßt und der Rest von noch nicht 15 v. H. ist teilweise zu drei und vier Haushaltungen in Großwohnungen untergebracht. Der Hauptnotstand konzentriert sich also, wie man sieht, auf die Kleinwohnungen. Für das Wohnungs- bejchaffungprogramm ergeben sich aus der Statistik icdsnfalls wertvolle Gesichtspunkte.

Der Ausschuß fordert ein Wohnungsbau­programm dis Ende 19-35 und eine

jährliche Herstellung von 200 000 Wohnungen.

Der 1927 gebliebene Fehlbetrag soll durch Aus­ländsanleihen bis zu 650 Millionen Mark gedeckt werden. Die Beschlüsse des Wohnungsausschuffes wurden nach kurzer Debatte mit großer Mehrheit angenommen. Das Haus nahm dann noch die letz­ten" Freitag zurückgestellten Abstimmungen zum Etat des Reichsverkehrsministrriums vor. Ein kommunistscher Antrag auf Streichung des Minister­gehaltes wurde abgslehnt, der Etat selbst sowie vsr- chiedene Entschließungen angeommen. In den Ent- chließunaen wird u. a. größere Berücksichtigung der ortsansässigen Handwerker bei Auftragvergebung, eine Kontrolle der Reichsbeteitigung an Kraftver­kehrsgesellschaften usw. gefordert. Der Antrag der Deutschen Volkspartei der Demokraten auf Be­willigung von zwei Millionen Mark zur Vollen­dung des neuen Zeppelin-Luftschiffes wurde gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt.

Ein Vorschlag bes Präsidenten, die Beratungen abzubrechen, wurde hierauf abgelehnt und beschlos. sen, bereits mit der Beratung des Reichswehretats zu beginnen. Da jedoch das Reichswehrministerium infolge der ursprünglichen Dispositionen im Hause nicht vertreten war, blieb es schließlich doch bei der vom Präsidenten vorgeschlagenen Vertagung.

Nächste Sitzung Mittwoch mittag 2 Uhr. Auf der Tagesordnung steht die Beratung des Reichs­wehretats.

Die vevbaftungeu in Rußland

Bersin, 14. März. Die sowjetrufstschen Verhaf­tungen haben diesmal erfreulicherweise eine Ein- heitssront in der Berliner Presse hergestelü. Mit der einzigen Ausnahme derRoten Fahne", die das Sieb der Sowjetanten zu singen hat, wird diese neue bolschewistische Barbarei von links nach rechts einmütig verurteilt. Nachdrücklich mahnt dieGer­mania" die Soweftregierung, die Grenzen einzu­halten, die jeder Regierung gesteckt sind. Man würde von russischer Seite nicht bestreiten können, daß Deutschland bisher, noch zuletzt bei der Ver- Haftung der deutschen Studenten, eine weitgehende Zurückhaltung geübt hätte und zwar mit Rücksicht auf diefreundschaftlichen Beziehungen" zur Sow- jetregierung. Die Samietregierung darf jedoch diese Gefühle nicht einer zu harten Belastungsprobe aus- etzen. Die deutschen Ingenieure sind Opfer einer innenpolitischen Auseinandersetzung. Jedes Fori- schreiten der Sowjetregierung auf diesem Wege würde die Ansichten auf eine Mitwirkung des Aus­landes an einem wirtschaftlichen Wiederaufbau illu- sorisch machen.

wie dasB. T ' härt, wird bet auswärtige Ausschuß des Reichstages in absehbarer Zeit einen Beritt des Reichsauhenministers über Genf und über andere aktuelle Probleme der auswärtigen Bofiflf entgegeuehmen, wahrscheinlich schon am Anfang nächster Woche. Bei dieser Gelegenheit dürfte, so schreibt bas Blatt, sofern die Verhaftung der sechs deutschen Ingenieure im Donezrevier vor. her seine vollständige Klärung erfährt, von einer Reihe von Parteien sehr nachdrücklich darauf hin» gewiesen werden, daß durch eine sprunghafte Politik Rußlands unsere wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zum Sowjetstaat erhebvch in Mit­leidenschaft gezogen werben.

Moskau, 13. März. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion meldet: Die Gerichtsbehörden be­stätigen, daß unter den wegen eines konterrevolutto- aären Um trieb es im Donezbecken Verhaftete« sich 6 teutsche Ingenieuere befinden. Wie Rykow bereits in feinem Referat im Moskauer Sowjet erklärte, »erben die verhafteten ausländischen Fachleute dem Gericht übergeben. Bis zum AbMuß der Unter- juchuâg teilen die Gerichtsbehörden nichts näheres â

Der Haushaltsausschuß des Reichstages begann am Dienstag vormittag die Besprechung des Be» richte» über die Phöbus-Angelegenheit und die Lohmannschsn Uuterncbnu.ngen Ne chswehrmnnsler Gröner und Admiral Zenker nahmen an den Ver­handlungen teil. Der Vorsitzende teilte mit, daß im Rahmen der parlamentarischen Kontingentierung für die Besprechung nur drei Stunden vorgesehen seien. Werde der Ausschuß in dieser Zeit nicht fertig, so müßte heute eine Nachtsitzung stattsinden. Als erster nahm Abg. Heinig (Soz.) das Wort. Er erklärte, es werde festzustellen fein, was in dem Bericht ganze und halbe Wahrheit sei und ob mit dieser Apparatur wirklich keine politischen Gedan­ken verbunden gewesen seien. Ehe nicht volle Klar­heit geschaffen sei, werde seine Partei die Nachtrags- sorderungen von sieben Millionen nicht genehmigen.

Der demokratische Abg. Dr. Haas verlangte gleichfalls volle Klarheit und betonte gleichzeitig, daß die Sache Nicht parteipolitisch behandelt und Lohmann nicht einfach als Sündenbock hingestellt werden könne

Der kommunistische Abg. Schneller verlas eine Reihe von Stellen aus dem angeblichen Origi­nalbericht des Präsidenten Saemisch, wonach die ganze Angelegenheit nicht unter den Gesichtspunkt der subjektiven Verantwortung Lohmanns, sondern der generellen Verantwortlichkeit eines Systems betrachtet werden müsse. Es handele sich um Dinge ähnlich der Schwarzen Reichswehr.

Reichswchrminifter Gröner erwiderte sofort, daß der kommunistische Redner einer Täuschung zum Opfer gefallen sei und daß in dem Original, bericht und dem Material nicht» von dem stehe, was der kommunistische Vertreter gesagt habe. Wahr, scheinlich stamme dieser Bericht aus einer Fälscher­werkstatt.

Der Zentr.-Aog. Erding erklärte, die Schuld an der parteipolitischen Behandlung der Angelegen­heft trage zum großen Teil das Reichswehrministe­rium mit seinen vielen Dementis. Man sollte auch nicht Lohmann als Alleinschuldigen hinstellen. Sämt­liche aue-gegebenen Summen seien Etatsverletzungen schwerster Art. Das Ansehen der Marine im Lande fei schwer geschädigt.

Für die Deutsche Boltspartei stimmt Abg. Brüninghaus der Verurteilung der Vorgänge zu. Offenheit sei notwendig, damit sich aus den Vorkommnissen kein Borurteil gegen die Marine entwickele. Im weiteren Verlauf der Aussprache hielten die Kommunisten ihre Angaben aus dem angeblichen Originalbericht aufrecht.

Abg. Müller-Franken (Soz.) forderte die sofortige Auflösung der Seetransport-Abteilung und erklärt, die Einzelbeiten könnten am besten in einem Unterausschuß voll geklärt werden. Auch Abg. Leicht von der Bayerischen Boltspartei erklärt sich durch den vorgelegten Bericht nicht voll be- friedigt.'

Für die Deutschnationalen sprach Abg. Trevi- r a n u e, der sich mit der Nachprüfung in einem Unterausschuß einverstanden erklärte, und beson- ders Klarheit über den Entwicklungsgang der ein- feinen Unternehmungen und über die finanziellen Zuwendungen forderte, die den Beteiligten zugeflos. en sind.

Reichswehrminister Gröner.

Am Schluß der Aussprache nahm Reichswehrmini, ter Gröner das Wort. Der Minister erklärte, daß er sich heute in der Lage befinde, die ganze unangenehme Angelegenheit aufzuräumen. Das könn- natürlich nicht in einem Zuge geschehen, son­dern bedürfe einer sehr eingehenden, lange dauern- den Arbeit, Untersuchung und rücksichtsloser Auf. deckung aller Dinge. Für den dem Ausschuß vor- aelegten Bericht übernehme er die volle Verantwortung. Der Bericht habe selbst­verständlich nicht auf alle Dinge eingehen können. Er sei aber gern bereit, in einem Unterausschuß über Einzelheiten und Fragen, die zweckmäßig

Die Liquidation bee t-bSdns- Seiwätte

Vie PavLeien verlause« weitere AuMSvuns Einsetzung eines Unterausschusses

nicht in einem größeren Kreis behandell würden, Auskunft zu geben. Er stehe nicht an, zuzugeben, daß die Schuld nicht allein an Kapitän Lobmann liege; es sei aber nicht seine Aufgabe. Schuld zu sprechen und zu Gerichtzu sitzen. Im übrigen Handelle es sich um Dinge, die weit zurücklägen und deren geistiger und moralischer Ursprung in überwundenen Zeiten zu suchen sei; es feien die letzten Ausstrahlungen von Verwirrungen des Geistes. Er bebaute, daß Kapitän Lohmann nicht eine Kontrolle seiner Arbeit gesordert habe. Der Minister betonte weiter, daß er die volle Garantie übernehme, daß derartige Fond» nicht mehr ent­stehen und derartige Verstöße gegen die Haushaltsordnung und den gesunden Menschen­verstand nicht wieder vorkommen. CEim System für diese Dinge gäbe es nicht, er räume jedes System und Reste eines Systems, die irgend­wo noch sitzen sollten, restlos auf. Was hier ver­bockt worden sei, dürfe aber nicht der Marin« als als Ganzem, und nicht der gesamten Wehrinacht zur Last gelegt werden. Wehrmacht und Marineleitung hätten den dringenden Wunsch, aus allen solchen untragbaren Dingen herauszukommen. Der Minister bat deshalb den Ausschuß, aus der Geschichte keine Folgerungen für die Beurteilung der Marine zu ziehen. Zum Schluß äußerte der Minister den Wunsch, daß die Liquidation der ganzen Angelegen. Hell beim Finanzministerium stattfinden muffe.

Regierungsrat Dr. Eckort, der zur Untersu­chung der Trayag-Angelegenheit nach Lübeck ent» sandt worden war, berichtete dann über die Ver­nehmung der drei Angestellten der Trayag, die unlautere Manipulationen behauptet hatten. Die Untersuchung sei ergebnislos verlaufen, da die drei Herren sich geweigert hätten, Angaben zu machen, wenn sie nicht die Garantie erhielten, daß sie sofort wieder in den Betrieb eingestellt würden. Auch eine Untersuchung durch die Revisions- und Treuhand- Gesellschaft sei ohne Ergebnis verlaufen.

M« 4lntsvauSsth«ü eingesetzt

Der Haushaltsausschuß beschloß dann gegen die Stimmen der Kommunisten die Einsetzung eines Unterausschußes, der die Einzekheiten bir An­gelegenheit durchprüfen soll. Auf der Tagesordnung der Mittwochsttzung stehen Gegenstände des Not­programms.

Dev VbSbusâsitbutz

Der zur weiteren Klärung der Phöbus-Affäre eingesetzte lögliederige Unterausschuß besteht aus je drei Deutschnationalen und Sozialdemokraten, aus je zwei Abgeordneten des Zentrums, der Deutschen Boltspartei und der Kommunisten, und aus je einem Abgeordneten der Demokraten, der Bayerischen Volkspartei und der Wirtschaftspartei. Die Demokraten haben den Abgeordneten v. Richt­hofen als Mitglied des Unterausschusses bestimmt, die Sozialdemokraten die Abg. Müller-Franken, Heinig und Dr. Hilferding, das Zentrum v. Guerard und Ersing.

Der Unterausschuß wird ltBoff. Ztg." heute schon mit seinen Arbeiten beginnen und soll noch in dieser Woche fertig werden, damit er Anfang nächster Woche dem Hauptausschuß über die (Er­gebnisse seiner Tätigtest berichten kann und damit sich noch in der nächsten Woche das Plenum des Reichstages mit dem Phöbus-Skandal beschäftigen in der Lage ist. -

Davits« Lobmann verabschiedet

Berlin, 13. März. Im Marineverordnungsblatt ist folgende Personalveränderung enthalten: Mit dem 31. März 1928 aus dem Marinedienst ausge- schieden: der Kupitän zur See Lohmann «Walter), kommandiert zur Verfügung bes Thess der Ma- rineleitung.

Moskau, 13. März. (Telegraphenagentur der Sowjetunion). Aus verschiedenen Städten der Sowjetunion laufen Meldungen ein. daß in Versammlungen von Ingenieuren, Technikern und sonstigen Fachleuten anläßlich des Komplotts im Donezbecken Entrüstungsresolutionen verfaßt wur­den. Ein Aufruf des Zentralkomitees des Bergarbeiterverbandes an alle Bergarbeiter der Sowjetunion teilt mit, daß die Untersuchung darüber eingeleitet ist, unter welchen Umständen die systematische, dauernde konterrevolutionäre Tä­tigkeit in den «Schachtunternehmungen möglich war. Er hebt u. a. die Möglichkeit hervor, daß infolge einer übertriebenen Vertrauensseligkeit die Leitung der Werke die Warnungen der Arbeiter und Tech­niker hinsichtlich des verdächtigen Charakters der Tätigkeit einzelner Spezialisten unberücksichtigt ließen. Der Aufruf ermahnt, ein kameradschaftliches Verhältnis zu den ehrlichen Spezialisten aufrechtzu- erhallen, betont jedoch die Notwendigkeit der Kon­trolle und Ueberwachung der Tätigkeit der Fach­leute.

Matz«abme« sese« die Land- bttndkundgevnnge«?

Wie dasB. T." erfährt, hub m die letzten Kundgebungen des Landbundes, bei welchen die Führer ihre Anhänger nicht mehr in der Hand hat. ten, zu Erwägungen innerhalb der preußischen Regierung geführt, mit welchen Mitteln die Pro- paganda des Landbundes auf ein Maß zurück- gefuhrt werden kann, das die Aufrechterhaltung der inneren Ruhe und Drbnung verbürgt.

Die Regremmsskvife in MeMeubnvs-StveVtz

Dr. v. Relbnih alleiniger Slaasminlfler.

ReusireLH, 13. März. Im Mecklenburg-Strelitzer Landtag wurde heute durch Abstimmung feftgeJteHt, daß, da die Ernennung eines zweiten Ministers mrzeit unmöglich erscheint, ein Minister allein die Regierung zu führen habe. Für diesen Antrag stimmten die Demokraten, die Fraktion der .Mitte (Deutsche Boltspartei, Auffwertunas. und

Bauernpartei), aus der der völkische Abgeordnete vorher ausgetreten war, die Sozialdemokraten und die Kommunisten mit zusammen 21 Stimmen. Gegen den Antrag stimmten die Deutschnationalen und der völkische Abgeordnete mit zusammen 10 Stimmen. Die 4 Handwerker enthielten sich der Stimme. Auf Grund des Ergebnisses dieser Abstim­mung ernannte Präsident Both den bisherigen Ge- schäftsminister Dr. Frhr. v. Reinbnitz zum ordent­lichen Staatsmlnister.

Aus alles Wett.

Sine»» Aman UllabS in London

London, 13. März. Heute nachmittag sind der König und die Königin von Afghanistan mit ihrem Gefolge in London eingetroffen. Zum Empfang hatten sich der Sönin und die Königin von Eng­land, der Herzog und die Herzogin von York, Pre­mierminister Baldwin und die übrigen Minister eingesunden. Beide Herrscherpaare begaben sich un­ter militärischer Eskorte nach dem Buckingham-Pa- last. Auf dem Wege zum Palast hatten Truppen Aufstellung genommen. Eine große Menschen- menge bereitete den Herrscherpaaren Kundgebungen-

Mev lavmüsche GGMe gekentevt

85 Mann ertrunken.

Paris, 13. März. Rach einer Meldung der Agentur Inda Pacific aus Tokio sind von den an der Lhiba-Küsle während eines Sturmes gekenterten vier japanischen Schiffen 45 Mann von der Be- sahuna bes einen gerettet worden, während es un- möglich war, den 85 Mann bet drei anderen Schiffe Rettung zu bringen.

Von fvanrSftstbe« Soldaten Überfälle«

Nach Blöttermeldungen aus Ludwigshafen wurde vorgestern abend ein 17 Jahre alles Dienst, i tnäbcbeti auf dem Heimweae. als es in her Nähe

der französischen Kasernen war, von zwei fran. zösischen Soldaten angefallen. Die Soldaten vor- suchten das Mädchen' zu vergewaltigen. Als sie infolge der heftigen Gegenwehr bes Mädchens er­kannten daß sie ihr Ziel nicht erreichen würden, mißhandelten sie das Mädchen. Wegen dieses Vor­falles begab sicy gestern der Oberbürgermeister in Begleitung des Polizeipräsidenten zum französischen Platzkommando und erhob Protest mit der Bitt, um strengste Untersuchung und Bestrafung bet Täter. Die beiden Täter sind von der Besatzung;, behörde verhaftet worden.

Aufklüvnns des Bevllnev Svauenmovdes

Die Mörderin eine 24jährige Kontoristin.

Berlin, 13. März. Die Kriminalpolizei Hoi den Mord an der Botenfrau Schüler im Hauß Charlottenstraße 79 bereits auftiären können. uni zwar hat sich herausgestellt, daß der Mord von bet 24jährigen Kontoristin Erna Antoni verübt war. den ist, die bei derselben Firma augestellt ist wir Frau Schüler. Bereits in den gestrigen Abend stunden lenkten bestimmte Umstände den Verdachi aus die Kontoristin, die inzwischen verhaftet rourbt Sie gab nur widerwillig Auskunft und suchte ihn Hände zu verbergen, weil sie an beiden hânde«, Schnittwunden hatte. Roch heute vormittag letig. nete sie hartnäckig, mutzte aber schlietzlich nach schwerem inneren Ringen ein Geständnis ablegen. Sie erklärte, sie habe die Aufwartefrau Schüler im Affest umgebracht. Diese Halle Kenntnis von einem Liebesverhältnis, das sie trotz ihrer Verlobung mit einem verheirateten Manne unterhielt und droht« ihr wiederholt, sie werde diese Beziehungen auf, decken. Freiwillige Zuwendungen hätten nur dazu geführt, daß Frau Schüler als Schweigegeld wel- tere Zuwendungen verlangte. Gestern abend nach Geschâfksschluh fei die Frau wieder mit einet Forderung unter Drohungen an sie heran- getreten. In ihrer Aufregung habe sie ein Mess« ergriffen und blindlings auf Frau Schüler rings stochen. Rachdem sie sich das Blut oberflächlich mit einem Rosenblatt abgewischt hatte, sei sie mit einer Taxe nach Hause gefahren und habe sich dort gründlich gereinigt. Die Antoni ist die Tochter eines pensionierten Postbeamten und galt bishei als ein ruhiges, ordentliches Mädchen.

StbttMrekk in Nev»«

Berlin, 13. März. Den Bestrebungen des Ber­liner Bezirksamtes Prenzlauer Berg, innerhaü; seines Verwaltungsbezirkes die weltliche Schul« i durchzudrücken, und als erstes die Doppelschule n 1 der Sonnenburgerftraße in eine weltliche umzuwan> i dein, ist jetzt die Elternschaft entgegengetreten. Sri« gestern morgen hat die Elternschaft die Kinder von; Besuch der Schule zurückgeyallen, so daß di« meisten Schüler und Schülerinnen dem Untern# fernbleiben.

Sevnfltts iftfttoitân ÄintüdifM

London, 13. März. Der englische Flieg« Kapitän Hinchcliffes ist heute von Cronwell (Lm- colnshier) mit unbekanntem Ziel gestartet. Cr lx- 1 absichtigt, den Weltrekord im Weitste« zu breche».

London, 13. März. Der Leuchtturmwärter von Mizzenhead in der Grafschaft Bort (Irland) meldet, daß um 1.30 Uhr ein Flugzeug den 'LeuchtfM« passiert hat. Es dürfte sich dabei um bas FlugZtu» Hinchcliffs Handeln, der, wie bereits gemeldet. Zi einem Transozeanflug gestartet ist. Hinchliff» flieg! einen Sfinfon-Riefeneinbetfer. der den Ramen .CEn- deavour" trägt. Er hat einen Begleiter mit an Bord.

Rewyork, 13. März. Rach einem hier aufge­fangenem Funkspruck sahen Dampfer ein Groß­flugzeug über den Atlantischen Ozean in westlicher Richtung fliegen. Es wirb angenommen, baß es fi# um das Flugzeug HluchcÜffs handelt.

Ehetragödie in Berlin-Laukn^h.

Berlin, 13. März. Gestern abend wurden t* einem Hause in Bertin-Lankwitz ein 29 Jahre alte Geschäftsreisender und seine 28jährige Frau tot in ihren Betten aufgesunden. Das Ehepaar wohnt« seit mehreren Jahren in dem Hause in zwei ärm­lichen Dachkammern und lebte fei* langer Zeit in ständigem Unfrieden. Der Gashahn des Automaten war geöffnet, doch war in den Räumen Gas nicht mehr vorhanden. Die Leute sind am 26 Februar zum letzten Mal gesehen worden und haben wahr- jchetnlich an diesem Tage auch bereits ihren Tod gefunden. Es wird vermutel, daß der Ehemann 'eint Ehefrau erwürgt und dann den Gashahn geöffnet hat, um auch sich selbst das Leben zu nehmen.

»Raufboldliste" für bas Havelland.

Berlin, 13. März. Zahlreiche Schlägereien in Wirtschaften der Havelortschaften, die vor dem Pots­damer Gericht in letzter Zeit zur Aburteilung ge­langten. haben zu folgender Verordnung des Land- rates des Kreises Westhavelland geführt:Ber' Sen ,die offenkundig zu Gewalttäigkeiten und z» fug und Radau neigen, sind in einer bei der Ortspolizei ihres Aufenthaltes zu führenden Liste (Raufboldliste) einautragen. Die Eintragung erfolgt auf bestimmte Zeit und ist dem Betreffenden sofort mitzuteilen Den in der Raufboldliste eingetragenen Personen ist der Aufenthalt in Räumen, in denen öffentliche Veranstaltungen stattfinden, während bei Dauer der Veranstaltung auch in allen zum Aus­schank geistiger Getränke bestimmten Räumen ver­boten.

Letzte Telegramme.

Eine bemevkenSwevie Stimme übev Genf

Pari», 14. März. Reber die abgelaufene Ta­gung bes Bölterbunbsrates fällt der ehemalig« Mi­nisterialdirektor de» Außenministeriums Seh' doux, imPelit Parisieu" eine scharfe und nega­tive Kritik. Er schreibt: Man könne unmöglich be« ungünstigen Eindruck hinwegleugnen, den die lehik Ratstagung hinterlassen habe. Man habe sich daraus beschränkt, festzustellen, daß die aufgeworfene« Fragen eine unbefriedigende Lösung gefunden<- lea und nach vielen Reden «nd Protesten wieder einmal alle» auf die nächste Ratstagung verschoben Das sei bedauerlich, well in Frankreich und Deutsch­land Reuwahlen beoorftänben und man wenigster" in Frankreich ein verlraaen in den Bölferburi setze, zu dessen Stärkung die letzten Zwischenfoll< gewiß nicht bei trauen dürsten«