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202. MMwme nzriger Wanau Mast und Land

Orf^eint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für den halben Mona« NM. 1.-, für den ganzen Monat NM. 2.- ohne Trägerlohn , Einzelnummer 10, Freitag ts, SamStag 12 N-Pfg. / Anzeigenpreise- Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 25 mm Sreife 8 N-Psg.. Im NeNameteil von 65 mm greift 25 N-Pfg. z Offertengebühr 50 N-Pfg.

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Gamstag

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. ' Sei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder aufNückzahlung des Bezugspreises. / Fürplahvorschrist u.Erscheinungstag» der Anzeige wird keine Gewähr geleistet, x Geschäftsstelle: Hammirstr.S / Fernspr. 3956,3937,3858

Den Id. März

1928

3M KeneKe.

Der Reichstag hat am Freitag eine kurze Pause in seinen Beratungen eintreten lassen. Er hat den Etat des Verkehrsministeriums zu Ende beraten und sich dann auf Dienstag nächster Woche vertagt.

Der preußische Ministerpräsident polemisierte gestern im Landtag in großer Ausführlichkeit und Schärfe gegen den Bau eines Panzerkreuzers.

Der ungarisch-rumänische Optantenstreit mußte wegen der unnachgiebigen Haltung Rumä­niens bis zum Juni vertagt werden.

Der schweizerische Nationalrat hat die Ab­schaffung der Todesstrafe beschlossen.

ÄdfthSttH dev Debatte übev den DsBkehVsetai

Berlin, 9. März. Früher bot sich, wenn der s Eisenbahnetat zur Debatte stand, für die Reichstags- aügeordneten eine prächtige Gelegenheit, ihr Licht t vor der engeren Heimat erstrahlen zu lassen. Man konnte mit festem Mut für eine D-Zugsstation oder K eine neue Bahnstrecke kämpfen. Derlei örtliche * Wünsche sind abgeschafft, seitdem der Derkehrs- ! minister nicht mehr der Herr über den Schienen« sträng ist. Zwar wurden auch heute allerlei For­derungen geltend gemacht. Aber es liegt in der Natur der Sache, daß sie mehr allgemeiner Natur i waren. Man gab Herrn Reichsverkehrsminister Koch, der ja kaum mehr lange seines Amtes malten wird, Anregungen und Fingerzeige, die der Beach- ' tung seines Nachfolgers empfohlen bleiben. Auf die - politische Bedeutung der Gestaltung der Frachttarife Mür das durch den Korridor vom Reich getrennte I Ostpreußen lenkte ein volksparteilicher Redner die Aufmerksamkeit. Die Demokraten wehrten sich gegen

den Plan der Reichsbahn, durch eine neue Ein­stufung der Klassen im Personenverkehr eine mas-

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fcHung her Mitropa Ausdruck. Die Soziukdemo 'raten rühmten sich, als einzige derKanalpsychose'

; der letzten Zeit nicht unterlegen zu sein. Auch die Weidig« Streitfrage über den Mittellandkanal wurde wieder aufgegriffen und nach allen Seiten ge- Uwendet.

: Der Minister selbst gab zum Schluß ein Sammel- 3»ort auf die im Laufe der Debatte an ihn gerich- Meten Fragen. Bemerkenswert mar seine Feststellung, Maß die für den Zeppelin noch erforderlichen 1,1 ^Millionen Mark sichergestellt seien. Erfreulich, daß das Derkehrsministerium mit dem gesamten Reise- Vublikum die Kündigung des Vertrags mit der Siesta durch die Reichsbahn verurteilt. Betrübend daß es - keine Möglichkeit besitzt, eins Aenderung dieses Be­schlusses herbeizuführen. Zur Uebernahe von Bahn­hof swirtschasten durch die Mitropa habe das Ministerium von der Reichsb-ahngesellschaft das Zu- Westândnis erreicht, daß die Bahnhofswirtschaft Altona in dieser Beziehung eine Ausnahme bleibe sin) die Vergebung anderer Bahnhofswirtschaften in der früheren Weise geschehen soll.

â. Die Abstimmungen werden auf die nächste Sitzung vertagt, die am Dienstag, den 13. März, 1 !!hr, stattfindet.

r Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung stehen außerdem der Nachtragsetat für 1927, das Ueberleitungsgesetz zur Strafrechtsreform, verschie- Vene kleinere Vorlagen und der Reichswehretat.

Dev MeSallavbeitevkonfUtt vov dem Gchttrhiev

Berlin, 9. März. Die Verhandlungen über die Frage der Verbindlichkeitserklärung des Schieds­spruchs für die Berliner Werkzeugmacher nahmen heute vormittag um 12 Uhr u ter Vorsitz des Schlichters für Groß-Berlin und Brandenburg, Eeichsminifter a. D. Wissel, ihren Anfang. Von den Vertretern des Deutschen Metallarbeiterverbandes wurde gefordert, daß der Schiedsspruch unter keinen umständen für verbindlich erklärt werde. Seitens des Verbandes Berliner Metallindustrieller wurde Rmgegenüber betont, daß der Schiedsspruch den Forderungen der Werkzeugmacher ganz erheblich naherkomme.

Die Verhandlungen wurden heute nachmittag kurz nach 16 Uhr beendet. Der Schlichter wird, wie von unterrichteter Seite erfahren, morgen früh Uhr seine Entscheidung verkünden.

Die wevkrettsmachev beschließen Ausdshrmns des «Sivews

- Berlin, 9. März. Wie eine Korrespondenz er* , Mrs, hat die Ortsleitung des Deutschen Metall­arbeiterverbandes sich heute abend mit den «er* panMungen vor dem Schlichter beschäftigt und be* ohne Rücksicht auf das Ergebnis seiner Entscheidung den Streik der Werkzeugmacher aus* zudehnen. Don dieser Verbreiterung der Streikbasis Wurden der A. E. G.-Konzern, die Nationale Auto- ' Wailgesellschaft und die Firma Sudkatis mit zu- i sAriPen 47 000 Arbeitern betroffen werden. Die i-^t^sMacher sollen morgen vormittag aus die- Betrieben herausgezogen werden.

. i.Derlin, 9. März. Die Belegschaft der Waggon- ^Mbnk Orenstein u. Koppel in Spandau hat heute I a «schlössen, ab morgen in den Streik zu treten.

Gin schwerer Lag in Gens GvvegLe Älussvvarde übev den SptanèenLonftM - Die WNNWewnns vemnst

Genf, 9. März. In der heutigen Sitzung des Völkerbundsrates machte Außenminister Chamberlain folgenden Vorschlag zur weiteren Behandlung der rumänisch - ungarisches Optantenfrage. Der Völkerbundsrat ernennt zwei Persönlichkeiten, die aus Ländern stam­men, die während des Krieges neutral waren. Diese beiden Persönlichkeiten werden einem durch den Artikel 239 des Vertrages von Trianon gebilligten, gemischten rumänisch-ungari­schen Schiedsgericht hinzugefügt. Die rumänische Regierung erklärt sich bereit, ihren ab­berufenen Richter wieder in den Gerichtshof zurückzudelegieren. Dieses so gebildete Gre­mium soll erneut die Klagen der ungarischen Optanten auf Entschädigung für die Verluste prüfen, die sie bei der Durchführung dec rumänischen Agrarreform durch ihre Enteignung erlitten haben. Der Vertreter Ungarns, Apponyi, stimmte dieser Empfehlung zu; der Ver­treter Rumäniens, Titulescu, war dagegen. Infolge dieser unklaren Sachlage wurde be­schlossen, daß die Vertreter Ungarns und Rumäniens sich mit ihren Regierungen ins Be­nehmen sehen sollen, um bis zur nächsten Ratstagung einen endgültigen Entscheid mitzu­keilen.

Genf, 9. März. Nachdem Chamberlain den ge­meldeten Vorschlag gemacht und an die politische Vernunft Ungarns und Rumäniens appeliert hatte, ergriff

VvSand

das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er sich grundsätzlich mit dem Vorschlag Chamber­lains einverstanden erklärte. Er forderte den ungari­schen und rumänischen Delegierten auf, im Interesse der Gerechtigkeit, des Völkerbundes und des Welt­friedens, sich, wenn der Rat dem Vorschlag Cham­berlains einmütig zugestimmt habe, nunmehr zu einer Lösung dieser so ernsten Frage bereit zu er­klären. Briand ging bei dieser Gelegenheit weit über den Einzelfall hinaus. Er kennzeichnete die Rolle des Völkerbundsrats als die der Versöhnung und rmittlung, und er warme die Parteien vor einer Tren Haltung, die schließlich das Ansehen des 8ölkerbundsrats beeinträchtigen könnte. Scialoja sprach sich mit wenigen Worten für die Idee Cham­berlains aus.

Sodann ergriff

Oe* Gtvesemann

das Wort. Gleich zu Beginn feiner Ausführungen unterstützte er die Anregung des englischen Außen­ministers und erinnerte daran, daß er bereits im September vorigen Jahres einen ähnlichen Weg empfohlen hatte. Der deutsche Delegierte warf je­doch die Frage auf, ob man nicht endlich zu einer grundsätzlichen Annahme der Schiedsgerichtsbarkeit gelangen könne.

"S?5 Schiedsgericht ist der Hauptgedanke des Völkerbundes. Es sichert dieser Institution eine oberste Instanz und würde schließlich die Kriegs­gefahr ausschalten. Schon Friedrich der Große ver- langte eine solche Sicherung. Das Hohnlächeln der Welt wurde den Völkerbund treffen, wenn wir nicht imstande wären, dem Schiedsgerichtsgedanken Annahme zu verhelfen. Nur dann käme es zur Ausschaltung aller Kriegsallianzen, zur Abrüstung und friedlichen Entwicklung in Europa."

Nach Stresemann sprachen sich Villegas- leski - Polen gleichfalls für den aus. Nachdem sich die restlichen mS S^ der Anregung angeschlossen hatten, Ä daß nachmittags 4 Uhr die De-

batte ihre Fortsetzung nehmen solle. In der Zwi- ^Enzeit sollten die Vertreter der rumänischen und ungarischen Regierung überlegen, ob sie sich mit dem Antrag einverstanden erklären können.

-fc a$^1ttr®5^un9 des Rates erfuhr die Debatte über Chamberlains Lösungsvorschlag dnC^nat2r®c Zuspitzung, rote sie in einer öffenk- hdjen Aussprache noch nicht vorgekommen ist. ^LmTfttÂlll,äi Vertreter Ungarns nahm zu der vom Rat einstimmig angenommenen Anrequna Chamberlains in klarer Weise Stelluna Er rrnörf# fer^ u? ÄÄS: Ä-ÄZ LL«m »w» OfFenUnV6^ Stellungnahme glich einer Glieder ^^^ f WU $« Ratsmit-

Ä £Vä4sm M Jen d« MG,âL iÄS&Ä «ergeben des rumänischen Außenministers ^

v ^^tsmit-

^^^onschaftliche Aus- ^L^uldiSungen schwerster

Titulesw stellte die Sache so hin als oft h», », gleich einem Shylock sein Pfund aus dem Fleisch Rumäniens herausschneiden wolle und rief seine? ^âgen ? Warnung zu:Nehmen Sie sich in acht, daß kein Tropfen Blul dabei fW?

Nach der Meinung Titulescus ist das rumSnHA« Agrargesetz unantastbar vom Standpunkt des ,Ä?- nationalen, Völkerrechts aus. Ein Schiedsaei ickt

-è?" ^^^ souveräne Frage nicht einmengen und muhte von vornherein anerkennen, daß die

I Die ^$&?«

Eine Woche Genf liegt hinter uns. Wer das Programm der diesjährigen Ratssitzung mit feinen 32 Punkten genau durchstudiert : hatte, wußte ja von vornherein, daß keine Frage zur Sprache kommen würde, die uns direkt anginge. Zumindest vor den Kulissen nicht. Es scheint aber, daß die Privatunter­haltungen auch bisher nur in beschränktem Maße stattgesundsn haben. Die Affäre der Waffenverschiebungen von Szent Gotthard wird nicht so weittragende Folgen haben, wie es zuerst den Anschein hatte. Gewiß gab es manche kritischen Augenblicke, manche Span­nungen besonders zwischen Ungarn und der Kleinen Entente, die das Schlimmste zu be­fürchten allen Anlaß gaben, doch es ist ge­lungen, die Affäre einer vorläufigen Kompro­mißlösung zuzuführen und im Dreier-Komitee zu begraben. Das war ein Pyrrhus-Sieg, der bei manchen Genfer Gästen einen üblen Nach­geschmack hinterließ. So ist es mehr als be­greiflich, daß die Nachricht von der bevor­stehenden Rückkehr Spaniens und Brasiliens einen Lichtstrahl in die verdüsterte Genfer Versammlung brachte, einen Strahl, der um so leuchtender erschien, je mehr Dunkel in der be­trübten Seele des Völkerbundes herrschte. Die Beweggründe, die vor zwei Jahren Brasilien und Spanien veranlaßt haben, auf die Ehre, der Genfer Gesellschaft der Nationen anzu­gehören, zu verzichten, dürfte noch in aller Ge­dächtnis sein. Denn sie standen in unmittel­barem Zusammenhang mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Spanien und Brasilien protestierten seinerzeit gegen die Auf­nahme Deutschlands in den Völkerbund, nicht etwa aus Gehässigkeit Deutschland gegenüber, sondern sie hielten die Zeit für gekommen, ihre -Ansprüche auf einen ständigen Ratssitz geltend zu machen. Da dem nicht stattgegeben wurde, erklärten sie ihren Austritt aus dem Völker­bund, und nun konnte die einstimmige Wahl Deutschlands die Aufnahme eines neuen Völkerbundsmitgliedes. muß bekanntlich ein­stimmig beschlossen werden zum Ratsmit­glied erfolgen. Seitdem sind fast zwei Jahre verflossen ein in der Geschichte der Nach­kriegszeit recht großer Zeitabschnitt. Es hat sich inzwischen allerlei ereignet. In Amerika hat eine panamerikanische Konferenz ftattge- funden, auf der die Macht der Vereinigten Staaten in einer bisher noch nie gekannten Offenheit zutage trat und manche Länder Latein-Amerikas, darunter auch Brasilien, nicht unempfindlich verstimmte. In Europa, beson­ders am Mittelmeer, hat sich eine neue Kon­stellation herausgebildet, an der Spanien einen regen Anteil nahm. Frankreich hat den Spa­niern geholfen, Abd el Krim zu besiegen und den Frieden in Marokko herzustellen. Anderer­seits hat die Tangerfrage, die für Spanien stets ein schmerzlicher Punkt war, gerade in den letzten Wochen eine Neuregelung erfahren. Primo de Rivera hat im vergangenen Jahr manche Zusammenkunft mit den Außenmini­stern der Großmächte gehabt, so vor allen Din­gen mit Chamberlain. Alles in allem: die Oppo­sition Spaniens scheint gebrochen zu sein. Madrid ist bereit, seinen Austritt aus dem Völkerbund rückgängig zu machen. Die ver­lorenen Söhne werden sich in Genf wieder ein­finden. Ein Erfolg für den Völkerbund? Man­gels anderer Erfolge, die einen mehr positiven Charakter tragen, wird die Streichung solcher zwei Minusposten in der Bilanz des Völker­bundes schon einen Anlaß zur Befriedigung geben. Jeder freut sich je nach den Ansprüchen, die er an die Freuden des Lebens stellen kann. Je bescheidener man ist, desto leichter fällt es, vergnügt zu sein.

Was unsere häuslichen Zustände anlangt, so kann man nicht behaupten, daß wir Anlaß haben, vergnügt zu sein. DerFall Phoebus" zieht immer weitere Kreise, und es scheint, daß man um die Veröffentlichung der Denkschrift des Sparkommissars nicht herumkommen wird. Während sich die Verhandlungen über diese Affäre mindestens zunächst noch in dem Emp- angszimmer der Reichskanzlei abfpielen, ist las Schauspiel, das der deutsche Reichstag in dieser Woche der Oeffentlichkeit geboten hat, auch gerade fein sehr erfreuliches zu nennen. Reden, nichts wie Reden! 20 Redner sagen 20 mal dasselbe. Auf diese Art sind gerade zwei Etats erledigt worden, und nun hat man sich bis ginn Dienstag vertagt, um dem Haushalts­ausschuß für seine Arbeiten etwas Luft zu schaffen. Der Reichstag hat noch zwei Wochen

rumänische Agrarreform als innerpolitische Ange­legenheit zu betrachten sei, die keine Interpretation gestatte.

Titulescu nahm Chamberlains Vorschläge zwar an, verlangte aber, daß dem zu bildenden Schieds­gericht bestimmte bindende Richllinien vorgeschrie­ben würden, die sich in den Ratsbeschlüssen vom September vorigen Jahres befinden und nachher durch Ungarn abgelehnt wurden. Die Annahme des Vorschlags Chamberlains durch Titulescus ist also nichts anderes als eine maskierte Ablehnung des Schiedsgedankens. Es würde einen unerhörten Ein­griff in die Unabhängigkeit der schiedsrichterlichen Autorität bedeuten, wenn Direktiven aufgestellt würden, die von vornherein eine Bindung des Tri­bunals darstellen.

Lhamberlajn verwarf mit größter Entschieden­heit die Forderung Titulescus

und sprach in dringenden Worten auf den rumäni­schen Außenminister ein, sich es noch zweimal zu überlegen, bevor er seine Ablehnung aussvreche. Er riet ihm dazu, Instruktionen bei seiner Regierung einzuholen. Dann ergriff Briand das^ Wort. Freundschaftlich aber mit kräftiger Betonung der Notwendigkeit, den einmütig angenommenen An­trag Chamberlains zu akzeptieren, drang er in Ti­tulescu. Er stellte dem rumänischen Außenminister in Aussicht, bei der endgültigen Ausarbeitung der Verständigungsformel die Septemberbeschlüsse des Rates zu berücksichtigen. Dr. S t r e s m a n n schloß sich im großen und ganzen den Ausführungen Briands an.

Titulescu besitzt nach Beendigung der freund­schaftlichen Worte Briands und der Ausführun­gen Stresemanns die Geschmacklosigkeit, einen Widerspruch zwischen den abgegebenen Erklärun­gen Chamberlains, Briands und Stresemanns zu konstatieren.

Dadurch erregt er neuerdings die Unzufriedenheit seiner Ratskollegen. Der Vorsitzende Urrutia bean­tragt hierauf, die Sitzung als g e h e i m zu erklären, um meine V«rstänüigungsformel auszuarbeiten. Die geheime Sitzung dauerte von 6 bis kurz vor 8 Uhr abends.

Oie Seviasntts des Spianten- sisekteS

Genf, 9. März. Ohne die Oeffentlichkeit wie­derherzustellen, hat der Völkerbundsrat heule abend in einer fast zweistündigen, kurz vor S Uhr been­digten vertraulichen Sitzung seine Beratungen über den ungarisch-rumänischen Optantenkonflikt für die gegenwärtige Tagung abgeschlossen. In der ver­traulichen Sitzung wurden zunächst verschiedene Vorschläge für die endgültige Fassung der jetzt vor­liegenden Stellungnahme des Rates teils von Titu­lescu, teils von Graf Apponyi, der selbst einen Gegenvorschlag gemacht hatte, abgelehnt. Schließ­lich einigte man sich darauf, dieheute vormillagvomBerichterstatterLham- berlain vorgeschlagene und dann vom Rat einstimmig genehmigte Emp­fehlung mit einer Präampel zu ver­sehen, in der ausgeführt wird, daß der Rat im September vorigen Iahres als den besten Weg zur Lösung des ßonffittes eine gütliche Verständigung zwischen den beiden Parteien einzuleiten versuchte und zu diesem Zwecke drei Grundsätze vorgeschlagen und empfohlen hatte. Leider sei es zu diesen freund­schaftlichen Vereinbarungen nicht gekommen. In­dem der Rat seinen Bericht vom September vori­gen Iahres und die darin enthaltenen Empfeh­lungen auch weiterhin für nützlich erachtete und an seinem Standpunkte, wie er in dem genannten Sihungsprolokoll niedergelegt fei, festhalte, nehme der Rat daher die heute vormittag vom Bericht­erstatter vorgelegte Entschließung einstimmig an. Mit diesem angenommenen Beschluß des Rates, für den weder Titulescu noch Graf Apponyi gestimmt haben, werden die Vertreter der beiden Parteien gleichzeitig gebeten, diese Stellung des Rakes ihren Regierungen mitzukeilen, damit die Frage in der nächsten Ratstagung von neuem vor dem Rate behandelt werden kann.