Einzelbild herunterladen
 

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Bezugspreis: Für dm halben Monat NM.I-, für den ganzen Monat RM. 2.- ohne Trägerlohn / Einzelnummer 10, Freitag ich Samstag 12 R-Pfg. / Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 R-Pfg^ im Netlameteil von 68 mm Breite 23 R-Pfg. / Offertengebühr 50 R-Pfg.

«V. 58

I Reichsverkehrsminister Dr. Koch teilte gestern fm Reichstag mit, daß eine Notwendigkeit zu einer Tariferhöhung bei der Reichsbahn zur Zeit nicht vorliege.

lU Im Berliner Metallarbeiterkonflikt ist gestern I ein Schiedsspruch gefällt worden.

. M i König Aman Ullah hat sich gestern beim Reichspräsidenten verabschiedet und hat sich nach , Essen begeben.

ft» _ Das Sicherheitskomitee hat sich bis spätestens

' Juni vertagt.

8 Im Völkerbundsrat wurde auf Chamber-

Plin Iains Vorschlag die Einsetzung eines Dreierkomitees mit militärischen Fachleuten zur Unterstützung der St. Gotthardter Waffenfrage beschlossen.

;maS lbend i

et

?auJ

Som MßEEafös- mm SLVZshVseLÄi

Keine Tavr-svhSbnns dev Reichsbahn

; Berlin, 7. März. Im Reichstag stand heute noch K die Beratung des Haushalts des Reichswirtschafts» ; Ministeriums auf der Tagesordnung, da die zweite

Nednerreihe immer nicht nicht erschöpft war. Zu Worte kamen heute die Vertreter der kleineren Fraktionen, deren Ausführungen über die schon während der ersten Rednerreihe gemachten einge« ' ijenben Besprechungen verschiedener wirtschaftlicher

Themata nichts Wesentliches mehr brachten. Nach >; Beendigung der Aussprache nahm das Haus eine

Reihe von Abstimmungen zum Wirtschaftsetat vor. U. a. wurde eine Ausschußentschließung angenom­men, wonach den Richtern beim Reichswirtschafts- gericht und bei den Kartellgerichten die richterliche Unabhängigkeit gewährt wird, ferner eine Aus­schußentschließung, wonach Reichsmittel für die i Lwsstellungen und Messen nur unter einheitlicher

«Leitung eines Reichstommisstars verwendet werden Lürfen, ferner ein Antrag um größere Berücksichti­gung des Handwerks und Gewerbes bei Vergebung öffentlicher Aufträge sowie eine Entschließung, die sich gegen die Eisenpreise richtet. Der Etat selbst wurde ohne Abstriche bewilligt. Der 5 Antrag auf Streichung des Ministergehaltes

N»««evstas

de« 8. MK«z

mrdLarw

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Trüe ist Hanau. ' Lei unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder aus Rückzahlung deS Bezugspreises. / Fürplatzvorschrist u. Erscheinungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.,Geschäftsstelle: Hammerstr.S / Fernspr. 3956, 3937,3958

Dev âmp- in dev MetaU- induftvie

Ekn GchtehSfvvnch - Heute Ablauf dev EvSlSvuussfvkft - Ab­lehnung duvch die Avbeitnebmev?

Berlin, 8. März. 3m Konflikt der Berliner Metallindustrie hat gestern abend die Schkichkungs- kammer einen Schiedsspruch gefällt, der n. a. besagt, daß die Stundenlöhne und Akkordverdienste der Werkzeugmacher einer Nachprüfung zu unterziehen sind. Die Erklärungsfrist für die Parteien läuft heule nachmittag 4 Uhr ab.Vorwärts" undRo ke Fahne" äußern heule morgen, daß für die Arbeik-

nehmer der Schiedsspruch unannehmbar sei.

Dev Gebkedsivvuch

Berlin, 7. März. Nach zwölfstündiger Verhand­lung wurde heute abend gegen 10 Uhr von der zur Beilegung des Metallkoiülikts eingesetzten Schlich­tungskammer mit Mehrheitsbeschluß folgender Schiedsspruch gefällt:

Zwischen dem Verband Berliner Metallindu­strieller und dem Deutschen Metallarbeiterverband wird folgendes Abkommen geschlossen: Die Stunden- löhne und Akkordoerdienste der Werkzeugmacher sind einer Nachprüfung zu unterziehen. Die Nach­prüfung hat sich nicht nur auf einzelne Akkorde zu erstrecken, vielmehr ist die Angemessenheit der Löhne und Akkorde ganz allgemein zu prüfen. Auch Er­höhungen der Verdienste ganzer Gruppen im Werk­zeugbau sind gegebenenfalls vorzunehmen. Sollte eine Einigung im Betriebe nicht zustandekommen, wird unter Mitwirkung der Verbände eine end­gültige Entscheidung getroffen, wobei erforderlichen­falls die Akkordberechnungsgrundlagen (Geldfakto­ren) für die einzelnen Werkzeugmachergruppen fest« zulegen sind."

Der Schiedsspruch sieht weiter die Bestimmungen des DeroLeichsoorschlages vor, den der Vorsitzende

und der im wesentlichen das Mitbestimmungsrecht der Arbeitnehmer bei strittigen Akkorden durch Ein­setzung einer paritätischen Kommission sichert. Die Erklärungsfrist für die Parteien läufst morgen Nach­mittag 4 Uhr ab.

Die Vertrauenskommisfion des Verbales Ber­liner Metallindustrieller ebenso wie die Instanzen des Deutschen Metallarbeiterverbandes werden mor­gen vormittag zu dem Schiedsspruch Stellung neh­men. Von diesen Beschlüssen wird es abhängen, ob der Konflikt in der Metallindustrie beigelegt wird, oder ob die Verbindlichkeitserklärung des Schlich­ters erfolgen muß.

Ablehnung?

Berlin, 8. März. DemVorwärts" zufolge halten es die Vertreter des Metallarbeiter-Verbandes für ganz unmöglich, daß der gestern für die Werkzeug- wacher gefällte Schiedsspruch angenommen werden kann. DisRote Fahne" will sogar wissen daß auf der heute nachmittag 2 Uhr stattfindenden Funk­tionär-Konferenz der Deutsche Metallarbeiter- verband die Ablehnung des Schiedsspruches empfeh-

Schalles würde Die S-K-Ns -BsUssOuMD

M Es folgte die Beratung des Etats des ___ Reichsverkchrsminifteriums, die Reichsver - ) Q 1 e ü r s m i n i ft e r D r. Koch mit einer längeren 1 Rede einleitete. Der Minister betonte die Notwen­digkeit, daß im Interesse der Gesamtwirtschasts- lage bie beiden großen Träger des deutschen Der-, - kehrs, nämlich Reichsbahn und Binnenschiffahrt, sich gesund erhalten müßten. Am Gesamtgüterverkehr .... , sei die Binnenschiffahrt gegenwärtig mit einem ---- I Fünftel beteiligt. Die Reichswasserstraßenbauten Af eien im Jahre 1927 planmäßig gefördert worden, leider weise aber der neue Etat keine neuen Bauten auf. Auch bei den Summen für die im Gang be« findlichen Bauten habe die finanzielle Frage Zurück­haltung aufcrlcgt, so daß Verzögerungen, ü. h. na­mentlich beim Mittellandkanal, um vier Jahre in Kauf genommen werden müßten.

' Auf das Gebiet der Seeschiffahrt übergehend, wies der Minister auf den kräftigen Wiederaufstieg unserer Handelsflotte hin, die wieder ungefähr 3,5 Millionen Bruttoregistertonnen umfasse gegenüber

AuSavbettuns eknev DenZsthöifL, die am Montas dem Reichstag rngehe« w!vd

Berlin, 7. März. Reichskanzler Dr. Marx hat heute mittag um 12 Uhr die Vertreter der Regierungsparteien und nachmittags 5 Uhr Vertreter dec Sozialdemokraten, um 6 Uhr Die der Demokraten und der Wirtschaftspartei empfangen. Der Reichskanzler hat bei dieser Gelegenheit den Vertretern der Parteien Mitteilung über feine Stellungnahme zur Ver­öffentlichung des Phöbus-Berichtes gemacht. Dem Vernehmen nach wird vom Reichsspar- kommissar eine Denkschrift ausgearbeiket werden, in der zur Darstellung gelangen soll, was volkswirtschaftlich und staatsrechtlich in der Phöbus-Angelegenheit von Bedeutung ist. Diese Denkschrift soll am Montag dem Haushaltsausschuß des Reichstages zur Kenntnis gebracht werden.

«Seyi iltche» ;

1928

800 000 Bruttoregistertonnen bei Friedensschluß. Was den Kraftroagenverkehr betreffe, so habe sich dieser auch günstig entwickelt; nachdem die Reichsbahn auf die Einrichtung eigenerKraftwagenbestände verzichtet habe, würde der Kraftlinienbetrieb bedeutend aus«

Berlin, 7. März. Reichskanzler Dr. Marx emp­fing heute mittag kurz nach 12 Uhr die Vertreter der früheren Regierungsparteien, um sie über den gegenwärtigen Stand der Phöbus-Angelegenheit aufgrund des Sämisch-Verichtes zu informieren. Es ist in der vom Reichswehrminister Gröner im Haushaltsausschuß abgegebenen Erklärung bereits

gedehnt werden können. Leider habe der Ausschuß von den 2 Millionen, die die Regierung zur Unter­stützung der Kraftwagenverkehrsgesellschaften tm Etat angefordert habe, wieder gestrichen.

Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen wies Minister Koch auf die bemerkenswerten Fortschritte der deutschen Luftfahrt hin. Leider habe aber die zunehmende Größe der Flugzeuge und die Stärke der Motoren uns keineswegs der Lösung der Wirt- chaftlichkeitssrage näher gebracht. Eine gewisse Ein- chräwkung des Retzes werde kaum zu vermeiden ein. Der innerdeutsche Kurzstreckenverkehr werde zich besonders in ein System eines planmäßigen Fliegens umbilden müssen. Leider sei auch die Luft-

im besetzten Gebiet noch immer unfreier als der deutsche Luftverkehr in Frankreich und lgien.

; . Der Minister ging dann auf die F l n a n z l a g e waren der Reichsbahn ein und nannte dabei die im Atzten Jahresbericht der Reichsbahn allgemein be« tannten größeren Zahlen. Er betonte, daß die Reichsbahn im Zeichen einer günsti- gen Konjunktur stehe, und ihre eigene ^hatzung von 4,3 Milliarden im letzten Jahre stark überholt habe. Trotzdem dürfe die Finanzlage der Reichsbahn für das neue Jahr nur mit Vorsicht be» bc urteilt werden. 300 Millionen Mehrausgaben stün» rdv d°u bereits fest, davon 70 Millionen für die gestei- M Serien Reparationslasten.

_ Der Minister teilte mit, daß sich das Reichs- I* Kabinett kürzlich mit der Frage einer Tarif- erhöbung der Reichsbahn beschäftigt habe. Das Reichskabinell fei nach reiflicher Prüfung der Aergalknisse zu dem Ergebnis gekommen, daß Mne Notwendigkeit zu einer Tariferhöhung zur Zeit nicht ovrtteae.

gesagt worden, daß der Reichskanzler Marx persön- lich den Reichssparkommissar Sämifch zu einem Be- rufjt über die Phöbus-Angelegenheit aufgefordert hat. Dieser Bericht ist lautGermania" dem Kanz­ler in seiner Gesamtheit bisher noch nicht zugegan- 9EN- Dem gegenwärtigen Stande der Untersuchung entsprechend die noch zu keinem abschließenden Gr«

Heftchrt hat, liegen bisher nur einzelne Brudjftude vor. Wenn die Untersuchung abge- schlossen, ist und der ganze Bericht dem Reichskanz­ler üorhegt, was noch in dieser Woche erwartet ^^^oen. kann. sollen die finanziellen Zusammhänge ^er Phobus-Asfare aufgrund des Berichtes der Oeffentlichkeit bekannt gegeben werden.

Nachmittags empfing Dr. Marx die Vertreter der Sozialdemokraten, Demokraten und der Wirt- schastspartei.

. "Eber die gestrige Besprechung des Reichskanz- ^rs Dr Marx mit den Parteiführern über die Phobus-Angelegenhett missen einige Blätter noch Einzelheiten mitzuteilen. So schreibt dieDossische Zeitung : Der dem Parlament zu unterbreitende Bericht soll den feierlichen Versprechungen des Reichskanzlers alles enthalten, was der Reichstag wissen muß Es werden dabei auch Einzelheiten im Bericht enthalten sein, die bisher nicht bekannt ge- worden sind. Der Bericht wird vor allen Dingen

alles Tatsächliche umfassen, und alle budget- rechtlichen Fragen behandeln. Der Reichskanzler gab zu, daß arge Verfehlungen vorgekommen sind, daß aber alle Vorkehrungen getroffen feien, um eine Wiederholung solcher Vorfälle unmöglich zu machen. Die sogenanntenschwarzen Fonds" sind restlos ausgeräumt. Es ist kein Pfennig mehr da, der ohne Wissen des Reichstages ausgegeben wer­den kann. Mit dem vom Reichskanzler beabsichtig­ten Vorgehen haben sich die Parteiführer, also auch die Demokraten und die Sozialdemokraten, im wesentlichen einverstanden erklärt. Sowohl die De­mokraten, als auch die Sozialdemokraten erklärten, daß sie ihre endgültige Stellungnahme erst treffen wollen, wenn der Bericht vorliegt, und von ihnen geprüft worden ist. Was die Frage der Verhinde­rung einer Wiederholung solcher Vorkommnisse an­betrifft, so ist man, wie es imLokalanzeiger" heißt, zu dem Ergebnis gekommen, daß ein neuer Ausschuß des Kabinetts gebildet werden soll, der als Kontrollinstanz nicht nur über das Reichswehr- ministerium, sondern über alle Reßorts der Reichs» regierung wachen soll. Eine derartige ministerielle Kontrollinstanz könne durch einfachen Kabinettsbe- schlutz eingesetzt werden.

Nach den Parteiführerbesprechungen fand noch eine Ministerbesprechung statt, in der im wesent­lichen das Ergebnis der Unterredungen mit den Parlamentariern zur Kenntnis genommen wurde.

Wie wir schließlich erfahren, wird die Debatte über den Phöbus-Bericht im Hauptausschuß am Dienstag stattfinden, und zwar wird vermutlich der Reichskanzler selbst, wenn es sein Gesundheits­zustand erlaubt, den Bericht erläutern.

Zum Schluß betonte der Minister die Notwendigkeit der AufrechtechMtung d. Berufsbeamtentums bei der Reichsbahn. Er sprach d.e Hoffnung aus, daß es sich d°ch. .---möglichen lassen werde, die Beförderung-. Verhältnisse bei der Reichsbahn ausreichender zu ae- ^lten. Er erachte es für feine Pflicht, an dieser stelle dem Personal der Reichsbahn den Dank der Reichsregierung für feine treue Pflichterfüllung aus­zusprechen.

In der Aussprache rät u. a. Abg. Klönne

(Dntl.), bei erster Gelegenheit zu versuchen, die Reichsbahn wieder unter^Derwaltung der Regierung zu bringen. Es müsse verhindert werden, daß Tarif» erhöhungen notwendig werden.

Auch Abg. Dr. Mittelmann (D.»Bpt.) er­klärt es für dringend wünschenswert, daß die Reichs­bahn möglichst bald wieder unter die Verwaltung des Reiches komme.

«Um 18.45 wird die Wetterberatung auf Donnerstag vertagt.

Lwn Sand

Arabien, die Wiege des Islam und der gro­ßen muselmanischen Kultur, entbrennt in den Flammen eines Krieges. Abdurrahman als Feisal al Saud (abgekürzt Ibn Saud genannt), Sultan von Nedschd und Hedschas hat die Grenzen der englischen Besitzungen in Trans- , jordanien und Mesopotamien (Irak) überschrit­ten, um die dortigen arabischen Stämme, die angeblich dem Islam abtrünnig geworden sind, in den Schoß der Lehre Mohammeds zurückzu­zwingen. Ibn Saud, der Strenggläubige, Leiter der puritanischen Bewegung im Islam und Führer Der hyperfanatischen und halbwilden Nomaden, Wahabiten, hat denHasawat", denHeiligen Krieg", in Arabien proklamiert. Er will eine großeSäuberungsaktion" durch­führen und das grüne Banner des Propheten mit neuer Glorie bedecken. Seine Kriegsprokla­mation, die eine ungeheure Aufregung in der ganzen muselmanischen Welt und in London hervorrief, läßt an ein philosophisch-religiöses Araktat denken. Aber hinter den weisen und frommen Worten dieses Manifestes stecken staatspolitische Ideen von genialem Weitblick und titanischer Schwungkraft. Es wäre falsch, den blutigen Ereignissen, die jetzt auf dem hei­ligen Boden Arabiens vor sich gehen, nur lokale Bedeutung zuzusprechen. Es handelt sich hier , nicht nur um den KleinkriH zwischen den un­einigen Söhnen der Wüste, sondern um einen wohlbedachten und mit der äußersten organi­satorischen Sorgfalt vorbereiteten neuen Schritt auf dem Wege zur Verwirklichung eines welt­historischen Planes: der Neuschaffung oder, ge­nauer genommen, der Wiederherstellung eines einheitlichen arabischen Weltreiches, eines freien Zentrums der islamitischen Welt.

Der Mann, der diese großartige Aufgabe zu seinem Lebensziel gemacht hat, ist in Europa kaum bekannt. Indessen ist Ibn Saud ein gro­ßer Herrscher und ein großer Staatsmann. 3m Jahre 1901, kaum zwanzigjährig, hat er, der Nachfolger der vertriebenen und machtlosen Dynastie von Nedschd, nachts in Begleitung von 15 Getreuen, seine Heimatstadt Riahd, die Resi­denz seiner Väter, erobert und damit den Grundstein zu seiner heutigen Macht gelegt. Seine Erbfeinde sind die Haschimiten, dieAb­trünnigen", Vertreter einer Herrscherfamilie, die auszurotten eine der Hauptaufgaben Ibn Sauds ist. Mit bewunderungswürdiger Hart­näckigkeit hat der junge Herrscher im zähen Kampfe sich ein arabisches Gebiet nach dem anderen unterworfen. In kaum mehr als zehn Jahren gelangte er in den Besitz von ganz Zentralasien. 1914 drang er zum ersten Male bis zum Meere vor, als er El Hasa am Persi­schen Golf eroberte. England wird nun auf ihn aufmerksam: Im Jahre 1915 kommt der erste Vertrag Ibn Sauds mit London zustande. Schon bei diesem ersten Vertrag mußte Eng­land mit Ibn Saud als einem gefährlichen Gegner rechnen. Der schlaue Araber hatte sich zwar bereit erklärt, finanzielle Unterstützungen Englands anzunehmen, behielt sich aber sonst seine absolute Handlungsfreiheit dem britischen Reiche gegenüber vor. Im Jahre 1921 dringt er nach Nordarabien vor und vernichtet einen seiner gefährlichsten Gegner, Ibn Raschid. Im Jahre 1925 holt er endlich zum entscheidenden Schlage aus, vertreibt seinen Hauptfeind, den König Hussein, aus Hedschas und wird Herr über die heiligen Stätten Mekka und Medina. Er stützt sich dabei auf die Horden der Waha­biten. Im Jahre 1926 schließt er einen Vertrag mit Asir (das schwer zugängliche Land"), dessen Emir el Jdrisi sich unter die Schutzherr­schaft von Nedschd stellt. Im gleichen Jahre endlich erobert er Nedschran (Najra), ein Für­stentum, das die Zugänge zu Jemen (das glückliche Arabien"), den südlichsten und blü­hendsten Teil der arabischen Halbinsel, be­herrscht. Im Sommer 1927 schließt er einen neuen Vertrag mit England, der seine Unab­hängigkeit bestätigt und ihm das Ansehen eines den anderen Großmächten gleichberechtigten Staates verleiht. So ist Ibn Saud zu einem großen Herrscher über ein Gebiet, das fast größer ist als ganz Westeuropa, emporgestie­gen. Das Ziel seiner Bestrebungen liegt aber noch weiter.

Im Süden ist das Reich Ibn Sauds, wie gesagt, von Jemen begrenzt, das unter italie­nischem Einfluß steht. Im Norden von eng­lischen Mandatargebieten, Transjordanien und Irak. An der Spitze dieser beiden Länder stehen zwei Söhne des von Ibn Saud besiegten König Hussein von Hedschas. Ibn Saud will nun