HanaueMzeiger
Giadi und Land
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M. 55
Montas
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de« s. März
1628
f — Im Laufe des gestrigen Sonntags sind die Meisten Delegationen, die an der Hercke vormittag 11 Uhr beginnenden 49. Tagung des Dölkerbundsrats teilnehmen werden, in Genf eingetroffen. Strefe- mann und Chamberlain sind vormittags ange* kommen, während Briand erst nachmittags eintraf. Besprechungen zwischen den drei Außenministern !haben gestern noch nicht stattgefunden.
k — Mussolini hat am Samstag seine Antwortrede än Dr. Seipel gehalten. Die Antwort enthält eine Reihe Drohungen.
' — Der frühere Vizepräsident der Reichsbank, Exz. v. Glassenapp ist am Herzschlag gestorben.
I — Das ägyptische Kabinett hat demisioniert.
Die WivjswaftsvotztzK vov dem Srettbsia«
Deichswixlschaflsminister Dr. Curtius über die Passivität der deutschen Handelsbilanz unb Ausländsanleihen.
IBerlin, 3. März. Auf der Tagesordnung der fertigen Reichstagssitzung steht die Zwecke Dera- «ung des Haushaltes des/ Reichswirtschafts- Mnifteriums. Zur Begründung des Etats nimmt sogleich der Minister Vas Wort.
W, Reichswirkschaftsminisier Dr. Curtius
Dev SsSevveßchUch-ZiaSZenische MoEM
Mussolinis Antwort an BuudesVaurlev Seipel
Rom, 3. März. In der heutigen Kammersitzung hielt der Premierminister seine Antwortrede an Bundeskanzler Seipel. Mussolini erklärte, wenn Seipel, der so manche hervorragenden Eigenschaften habe, nicht selbst das Wort ergriffen hatte, hätte er die Sache schwimmen lassen, aber heute antwortete er zum letzten Male, denn wenn solch ein Vorfall sich noch einmal wiederholen sollte, würde er die Taten sprechen lassen, und das möge genügen. Nach dieser Einleitung begann der Ministerpräsident mit der Polemik, die lediglich die Gedanken wiedergab, welche die italienische Presse in der vergangenen Woche ausgeführt hatte.
erklärt, daß er sich auf die Erörterung einiger Ritueller Fragen beschränken wolle. Der Minister legt die Grundzüge seiner Konjunkturpolitik dar, die 11926 der Ankurbelung der Wirtschaft, 1927 der Verhütung einer Ueberfteigerung der Konjunktur ge- Dient habe. Er sei bestrebt, die Vergebung ossent- mcher Aufträge zu leiten, daß deren Umfang jeweils fern umgekehrten Verhältnis zum Umfang der privaten Aufträge stehe. Er habe sich weiter ânüht, Preisbewegung und Auftrieb der Selbstkosten in Grenzen zu halten.
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Rom, 3. März. Unbehindert durch die Destat- tungsseierlichkeiten für den Feldmarschall Diaz wurde heute vor vollbesetztem Hause die Kammer- sitzung eröffnet, in der Mussolini, stürmisch begrüßt, seine Antwortrede an Seipel hielt.
Mussolini führte aus, er habe mit der Antwort zugewarlet, um mit einem genügenden Zuwarten dem Zwischenfall die dramatische Schärfe zu nehmen. „Hannibal ist nicht vor den Toren Roms und erst, recht nicht Monsignore Seipel." Er hätte in die Diskussion nicht eingegriffen, wenn nicht .der Chef der österreichischen Regierung sich an der Debatte beteiligt hätte. Es sei das letzte Mal, daß er zu dieser Frage sich äußern werde. „Das nächste Mal werde ich die Taten sprechen lassen!" (Anhaltender starker Beifall.) „Ich schreibe hier ein Kapitel Geschichte, nicht für die Italiener, die sie kennen, sondern- für die Welt, die sie nicht kennt. Die österreichische Kundgebung ist keineswegs durch die von
Italien seit 1918 gegenüber Oesterreich verfolg Politik gerechtfertigt und auch nicht gerechtfertigt
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folgung der fremdsprachigen Bevölkerung der Provinz Bozen stattfindet. Mussolini hebt dann die wirtschaftlichen Leistungen Italiens für die Provinz Bozen hervor und betont, man werde bestätigen, daß die neue Generation der Provinz Bozen Italienisch verstehen und sprechen werde.
In wenigen Jahren werden die letzten Elemente des Deutschtums stolz darauf sein, Bürger des großen italienischen Staatsverbandes zu sein..
Wenn der Völkerbund in das Labyrinth der
sogenannten Minderheit einbringen würde, käme er nicht mehr heraus. Andererseits würden die ang«- klagten Nationen in der Minderheitenfr« Angeklagten werden. Es sei an der 3ei , daß jede Kundgebung jenseits des Brenners unnütz und nachteilig fei, und es fei an der Zeit zu erklä-
rage selbst zu
ist zu sagen,
Das deutsche Preisniveau sei für gesamteuropäisches Verhältnis zu hoch.
Immerhin biete die gegenwärtige Preisbewegung keinen Anlaß zu besonderer Besorgnis. Großhan- idels- und Lebenshaltungsindex seien wieder gefallen. Die gleichmäßige Entwicklung der Wirtschaft sei besonders im Herbst aus Anlaß des Gilbert- Memorandums gefährdet gewesen. Heute könne man wieder eine ruhigere Auffassung der Lage feststellen. Eine grundlegende Reform des Kartellwesens könne «rft nach der Beendigung der Arbeiten des Enqueteausschusses eingeleitet werden.
8 c Der Minister kommt dann auf seine Verordnung ««gen die Elfenpreiserhöhungen zu sprechen. Er habe im Praktischen und Formalen Zugeständnisse «gemacht, um grundsätzliche Erfordernisse seiner Wirtschaftspolitik durchzusetzen. Wichtig sei vor Allem, daß die eisenschaffende Industrie sich ver- Jiflidjtet habe, von Maßnahmen, die die gemein* ome Eisenwirtschaftspolitik beeinflussen, dem Minister rechtzeitig Mitteilung zu machen. Darauf habe er feine Verordnung wieder aufgehoben. Der Minister fordert dann die Gewährleistung besserer Gemeinschaftsarbeit aller öffentlichen Stellen. Er hoffe, daß die zähe Arbeit aller Beteiligten zu einer Verständigung über die gemeinsame Elektropolitik führen werde. Zur Klärung des Problems der-Gas- ' fernverjorgung werde er demnächst alle interessierten Gruppen zusammenberufen. Der Minister sucht Besorgnisse zu zerstreuen, die aus Anlaß des Not- programms für die Landwirtschaft aus mittelftän- bischen Kreisen geäußert würden. In die zur Durchführung des Programms in Aussicht genommenen J i Beiräte würgen auch Vertreter des gewerblichen Mittelstandes gewählt werden.
Zum Schluß bespricht der Minister die Handelspolitik. Di« Steigerung der Passivität unserer Han- delshilanz auf 3,9 Milliarden sei gewiß beforgnis« erregend; andererseits müsse man sich aber auch einmal vor Augen halten, daß die deutsche Außenhan- . delsbilanz der Vorkriegszeit ebenfalls passiv gewesen ’ fei Angesichts der ungeheueren Schwierigkeiten, die - den Wiederanschluß an den Weltmarkt in der Nachkriegszeit mit sich brachte, fei das Ergebnis des Aus- fuhrgefchästes im allgemeinen als erfreulicher For- K schritt zu bezeichnen. Jedenfalls müsse in der Förderung der Ausfuhr durch Exportkreditversicherung, FfGarantieleistungen, Exportkredite, Bekämpfung des ' Beiräte würden auch Vertreter des gewerblichen ' .tragsfystems fortgeschritten werden.
Der Minister erklärte schließlich, er habe sich stets miss stärkste für Hilfsmaßnahmen zugunsten der Landwirtschaft eingesetzt. Er werde alles unterstützen, was zu deren Rationalisierung und Lrtraas-
durch die faschistische Regierungspolitik in der Provinz Mâ dce el>â ^ÄÄJ« W übrigen 91 italienqchen Provinzen. Mussolini wies an Hand von Beispielen nach, daß sich Italien mehrfach für Oesterreich eingesetzt hat, z. V. bei der Volksabstimmung in Klagenfurt und im Durgenlande. Die faschistische Regierung hat noch vor 14 Tagen den Dank Seipels verdient für ihre Oester- reich günstige Haltung in der Frage der Militär- kontrolle und der Wiederaufbauanleihe. Eine internationale Frage für die kleine Minderheit im Oberetfchtal bestehe nicht. Diese Minderheit fet im Vergleich zur italienischen Bevölkerung von 42 Millionen bedeutungslos, ebenso wie gegenüber den Millionen Deutschen, die anderen Staaten zugeteilt wurden. Wenn die Frage bestehen würde, so würde sie in irgend einem Friedensvertrag festgelegt sein. Keine Spur davon. Es sei möglich, daß Versprechungen früherer Regierungen bestehen.
Vennn die faschistische Regierung auch die Der- träge genau einhalten will, so ist doch in keiner Weise an mehr oder minder mündliche Zusicherungen gebunden, die Vertreter vorsaschisti- scher Regierungen gemacht haben.
Es ist richtig, wie Herr Seipel ausführe, daß die Frage nicht diplomatischer Natur ist, daß es sich also nur um eine Frage der Gefühlspolitik handelt, indem man von Tyrannei und faschistischer Diktatur spricht. Wir sind nicht die Schüler Oesterreichs, das während eines Jahrhunderts halb Europa mit Metzgern gefoltert, die Gefängnisse mit Märtyrern angefüllt und Galgen aufgerichtet hat. Es sind nur zwei Fremdsprachliche verbannt worden nicht als Deutsche, sondern als Gegenrevolutionäre. In der Provinz Bozen erscheinen 15 deutschsprachige Zeitungen.
ren, daß verleumderische Reden und Verhetzungen nur das Ergebnis haben werden, den Kreislauf des faschistischen Lebens zu beschleunigen.
„Was an uns liegt, so wollen wir Freunde der Deutschen sein, deren Verdienste um die menschliche Kultur wir anerkennen, aber nur unter der Bedingung, daß die Sicherheit (!) unserer 42 Millionen Italiener nicht im mindesten in Frage gestellt wird. Mit aller Offenheit geben wir heute den Tirolern, den Oesterreichern und aller Welt zu
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stehen, daß Italien am Brenner mit seinen Leden und Toten Dache hält."
Die Rede Mussolinis, die dreiviertel Stunden
währte, fand andauernden stürmischen Beifall.
Die LUenev Weise zurr AuiwovL MuffsttuM
Wien, 4. März. Zur Rede Mussolinis weist die „Reichspost" darauf. hin, daß Mussolini fast ganz über das Wesen der Beschuldigungen im Nationalrat bezüglich der kulturellen Unterdrückung der Deutschen hinweggegangen ist. Seine Ausführungen seien bis auf wenige Stellen im Tone maßvoll. Umso klarer zeige sich aber der Gegensatz der Auffassung in nationalen Angelegenheiten. Die „Reichspost" will die Worte der Achtung vor dem Deutschtum, die Versicherung, daß sich Italien mit dem Deutschen Volke gut stehen wolle, durchaus ernst nehmen. Ein unübersteigbares Hindernis fei nur die Verschiedenheit der Begriffe und Ideale auf beiden Seiten.
Die „Neue Freie Presse" legt dar, daß Mussolini Oesterreich Unrecht getan habe und die Worte des Bundeskanzlers von den moralischen Kräften vom Weltgewissen, das stärker sei als das in Kraft gesetzte Recht. Diesen Kernpunkt der De» batte im Nationalrat, nicht berücksichtigt 'habe. Die-
Kernpunkt der De» icksichtigt'habe. Dieses moralische Recht könne man Oesterreich nicht nehmen. Die „Neue Freie Presse" schließt mit einem
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Politik milmachen, die ihr Heil in der Drosselung der Einfuhr, Protektionismus und Autarkie sieht. Vie Rückwirkungen solcher Politik auf das Gesaml- ; Volk einschließlich der Landwirtschaft wären verhängnisvoll. Aufrechterhaltung und Vertiefung des Anschlußes an die Weltwirtschaft sei die Schicksalsfrage für Deutschland und Europa. (Beifall.)
Abg. Heinig (Soz.) k.dauert, daß der Minister Min seinem Kampfe gegen bie Anlechepcu.ckk ?r. K Schachts schließlich nachgegeben habe. Die Anleihe-
S^cyacyls Schließlich nachgege!
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bei der Ausgab- der Vorzugsaktien der Reichsbehn l»ufe darauf qmm-, den Banken möglichst grob? Gewinne Zu verlchajstn, In der Handetspolftik prüfte
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Sollte die antifaschistische Kampagne jenseits des Brenners fortgesetzt werden, so ist das Schicksal der deutschen Publikalionsorgane
clgesehl werden, so ist das ätschen Publikationsorgane besiegelt
und sie werden unterdrückt werden. Die 664 fremdsprachigen Beamten der Provinz Bozen und die 376 der Stadt Bozen werden demnächst vor die Entscheidung gestellt werden, sich in andere Provinzen versetzen zu lassen oder den Abschied zu nehmen. Ich bestätige mit ruhigem Gewissen, daß keine Ver-
Appell zum Frieden.
Das „Neue Wiener Tageblatt" erklärt, Mussolini wolle nicht Oel ins Feuer gießen, ebenso wenig wie Oesterreich. Die Rede wäre aber eindrucksvoller gewesen, wenn die Drohungen weggeblieben wären.
Die „Arbeiterzeitung" polemisiert lebhaft gegen die Erklärungen Mussolinis und schreibt: Die Deutschen in Südtirol haben einen Bundesgenossen, der stärker ist als die kleine österreichische Republik, nämlich die unsterbliche Seele der italienischen Demokratie und der Haß der Arbeiter aller Länder gegen den Faschismus.
sich endlich bie Einsicht durchsetzen, daß wichtiger a's der Export der Absatz auf dem inneren Markt- für die Produktion ist. Die Kartellkontrolle muß ichärier werden. Der Bampyr-Staubfauger der AEG. kostet 135 Atark, während bie Selbstkosten etwa 35 Mark betragen. Es muß eine Neuverteilung des Arbeits- ertrages stattfinden im Interesse der deutschen Wirt-
Abg. Dr. Lejeune-Jung (Dnl.) betont, England trage trotz des grundsätzlichen Bekenntnisses zum Freihandel durch die Einführung von Schutzzöllen die.größt« Beunruhigung in den internationalen Warenaustausch. Diese Handelspolitik richte ich vornehmlich gegen Deutschland. Unter diesen Imftänben erscheine der Wert unseres Meistbegün- tigungsvertrages mit England immer problematischer. Auch der Handelsvertrag mit Rußland hat sich als höchst unzulänglich erwiesen. Die Opfer, di« wir unserer Landwirtschaft im Handelsvertrag mit Italien zugemutet haben, sind vergeblich gewesen. Den italienischen Schikanen müsse mit entsprechenden Maßnahmen begegnet werden. Der Redner
fordert eine elastischere Ausgestaltung der Zollpolitik unb warnt vor Ratifizierung der Genfer Vereinbarung über das Verbot der Einfuhrverbot«.
Abg. Dr. Dessauer (Ztr.) bezeichnet eine ein-
Abg. Dr. D e s s a u e r (.
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einheitliches Wirtschaft! . „ , , , ,,
Ministerium für Wirtschaft und Technik könnte mit seiner dauernden Initiative die Berufsstände Deutschlands zur inneren Einheit in kooperativer Wirtschaftsführung erziehen. Das deutsche Wirtschaftsproblem liege dann, daß Zw«idrittel der deutschen Bevölkerung einen ungenügenden Lebensstandard haben. Jeder Ernährer einer Familie muß
jährlich 200 Mk. als Reparationslasten abgeben. Ein Schaden der deutschen Wirschaft ist di« Pro- gvammlosigkeit der deutschen Produktion. Hier sollte man in der Art reformieren, wie es Hoover in Amerika getan hat.
Die Weiterberatung wird auf Montag vertagst
Die offene Wunde dev Besatzung
Die fast 10 Jahre, die seit dem Eintreffen der Ententetruppen am Rhein vergangen sind, bilden für die gequälte Bevölkerung eine ununterbrochene Kette von Leiden unb Enttäuschungen. Zuerst hatte man damit gerechnet, daß die ungebetenen Gäste beim Abschluß des Friedens wieder abziehen würden, doch der Juni 1919 machte alle Hoffnungen zunichte: die Besatzung sollte erst in Zeiträumen von 5, 10 und 15 Jahren das linke Rheinufer räumen, so daß erst im Jahre 1935 die Stunde der Befreiung schlagen sollte, vorausgesetzt, daß Deutschland alle Bedingungen des Friedensvertrages erfüllt hätte.
Der Januar 1925 brachte eine neue schwere Enttäuschung. Obwohl Deutschland in einer Weise abgerüstet hatte, wie es in der Weltgeschichte einzig dasteht, dachten die Ententestaaten gar nicht an Räumung der nördlichen Zone; erst ein Jahr später verkündeten die Glocken des Kölner Domes den Abzug der Engländer! Bei den Verhandlungen in Locarno hatten der französische und englische Außenminister ausdrücklich eine fühlbare Truppenverminderung zugesagt. Wenn auch eine bestimmte Zahl der Truppen, die in die Heimat zurückkehren sollten, nicht genannt war, so hoffte man im Rheinland doch, daß die Besatzung künftig nur die Stärke der deutschen Friedensgarni». fönen im Jahre 1914 haben würde. Doch dauerte es fast zwei Jahre, bis dieses Versprechen eingelöst wurde, seine Ausführung im Oktober 1925 brachte eine weitere bittere Enttäuschung. Die Franzosen zogen im ganzen etwa 8000 Mann zurück, aber nicht etwa geschloßene Truppenteile; es wurden vielmehr Abkommandierte und Kranke nicht mehr ersetzt, auch wurden die höheren Stäbe etwas eingeschränkt. Die Engländer und Belgier beförderten je ein Bataillon und eine Batterie in die Heimat zurück.
Von der Truppenverminderung war somit fast garnichts zu spüren, besonders nicht bei den beschlagnahmten Wohnungen, denn bis zum 31. Dezember 1927 wurden nur 378 Wohnungen und 153 einzelne Zimmer freigegeben; die,französischen Truppen, die das Rheinland verließen, hatten meist in Kasernen und in Schulen gelegen, die aber nach wie vor beschlagnahmt blieben. Der rheinische Wohnungsmangel ist daher nach wie vor so furchtbar, daß allein das mittelgroße Mainz über 8600 Wohnungssuchende zählt, von denen 3700 bisher eine Wohnung nicht zugewiesen werden konnte. Die Rheinpfalz hat von der Herabsetzung der französischen Truppen überhaupt nichts gemerkt, denn es stehen in ihr zur Zeit 600 Mann
mehr wie am 1. Oktober 1927.
Der neue hessische Ministerpräsident Adelung, der 9 Jahre Oberbürgermeister von Mainz war und daher die Verhältnisse eigener Anschauung kennt, hat in seiner Antrittsrede ein anschauliches Bild über die Not des besetzten Gebietes gegeben. Er hat eingehend die Verhältnisse in Rheinhessen geschildert; die vorliegenden Statistiken zeigen aber zur Genüge, daß die Rheinpfalz und der süd» liche Teil der preußischen Rheinprovinz noch mehr unter den Franzosen zu leiden haben. Gerade hier in den fruchtbaren Gegenden des Hardtgebirges und des Mosellandes halten die Franzosen mit besonderer Vorliebe ihre Manöver ab und nehmen nicht die geringste Rücksicht auf die Arbeiten der Bevölkerung und auf die Ernte Die Einwohner sind darüber umsomehr
aus.
empört, als die deutsche Militärverwaltung früher in diesen Gebieten nur höchst selten Truppenübungen veranstaltete, da die Flurschäden allzugroße waren. Die französischen Behörden denken darüber anders. Sie haben in der Nähe von Kaiserslautern auf besonders fruchtbarem Boden einen großen Uebungsplatz eingerichtet, nicht weit d- von ist ebenfalls auf besonders wertvollen Aeckern ein Flugplatz angelegt worden, obwohl die Entfernungen nach den Flughäfen Straßburg und Ludwigshafen nur ganz unbedeutend sind.
Außerdem werden fast alle Ortschaften jährlich mehrere Male stark mit Einquartierung belegt. Der Kreis Pirmasens mußte im von- gen Jahre an 219 Manövertagen über 54 000 Offiziere und Soldaten sowie 12 000 Pferde aufnehmen; einige an der Marschstraße gelegenen Ortschaften haben nicht weniger als 13 mal Vie Last der Einquartierung tragen müssen. Die Empörung der Einwohner ist vollkommen berechtigt, vor allem, da alle Vorstellung. bet