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Menuett

Skizze von Stephan Georgi.

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Es war um die Zeit, als das große Lachen des Versailler Königshofes, das in ganz Europa wider­hallte, dem Ende nahe war.

Während aber in den engen und dumpfen Gassen von Paris die Hefe der Volksseele zu gären anhub, lag Wien noch immer in lachender Eintracht da und freute sich des hellen Sonnenscheins. Aus kleinen Häuschen schauten, von wildem Wein umrankt, die Fenster sinnend auf die Straße hinaus. Das Grün der Gräser wucherte zwischen den großen, unregel­mäßigen Kopfsteinen der Gassen hervor, und darüber hinweg holperten die Postkutschen, von denen herab der Schwager munter sein Horn er­tönen ließ. Friedlich und licht standen die Häuschen neben den Palästen, um die, be

egrenzt von kunstvoll Rasenflächen herum-

geformten Eisengittern, bunte liefen.

Vor dem Haufe des Barons van Twisten, des früheren Gesandten in Berlin, standen einige raune Karossen und Postkutschen. Lakaien in Livree nahen empfingen die Gäste, die gekommen waren, um den Matz, mit vielen Lorbeeren aus Prag zurückgekehrten : Meister Wolfgang Amadë Mozart wiederzusehen.

Droben, im Musiksaale, versammelten sich die t. Ein mächtiger Kronleuchter hing

23 Angekommenen r - von der Decke ^ Kranke kleine. 1

Decke herab, an der in einem bunten

Kranze kleine, wohlgenährte Engel mit Rosen und anderen Blumen spieltsn. Zierliche Möbel standen umher, deren mattblaue Polster mit dem Weiß der feinFsbogenen Lehnen und Deine harmonierten. Ein Pianoforte ließ erwartend die Tasten leuchten, und

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in den großen, goldverzierten Spiegeln erglänzten die seidenen Kostbarkeiten der Gäste, die hochstreben- den Frisuren der Damen und die Puderperrücken der Herren, verschont durch das Gleißen der Lichter.

In zwanglosen Gruppen wurde geplaudert. Auf lächelnden, freudigen Gesichtern versuchten sich hier und ha kleine Schönheitspflästerchen unter der dün­nen Puderschicht halb zu verstecken. Aber man sah auch nachdenkliche Mienen.

Ernst war das Antlitz des Hausherrn, der heute seltsam genug! gar nicht recht auf sein Lieb- lingsthema, die Werke Haydns und Mozarts, ein­ging: dieselbe Ruhe zeigte der Opernlibrettist Lorenzo da Ponte, der Textdichter der beiden größ­ten damaligen Opern, nämlich desFigaro" und Don Juan".

Einzelne Bruchteile der Unterhaltung wurden laut.

Wirklich?" fragte da Ponte und zog die Augen- oräyen hoch.

Van Twisten nickte.Ich habe sichere Nachricht Jßari^. Verlgilles. liegt im argen; die Königs- MW Frankreichs ist in Gefahr." s ' '-M

Von unten her klang das Rollen der Räder. Er kommt! Er kommt!" tönte es im Saales

Mozart erschien.

Einer gelbroten Kutsche entstieg er, in blauen Kleidern, Seidenstrümpfen und kleinen Schnallen- efesti'- schuhen. War sein Gesicht nicht ehedem lustiger, J â ausgelassener gewesen? Ruhm und Erfolg hatte er in Prag geerntet. Aber in Wien? Wie kühl hatte man seinenDon Juan" hier ausgenommen! Wie sehr hatte er hier mit Neid und Ränken zu kämpfen, die nicht zuletzt auch von seinem Todfeinde, dem Komponisten Salieri, ausgingen. Selbst seine Er­nennung zum Kammerkompositeur Josephs II. be­deuteten ihm keine reine Freude, denn er hatte für die 800 Gulden, die er damit bekam, fast nichts weiter zu, tun, als Tanzmusik zu schreiben.

Zu viel für das, was ich leiste; zu wenig für Las, was ich leisten könnte!"

Aber als er, der so sehr Pracht und Glanz liebte, den hellen, spiegelnden Saal betrat, da lachte er

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Hem. . A?" Swieten eilte ihm entgegen.Willkommen eltal !n Wim» mein lieber Maestro!" Man begrüßte, um­armte und beglückwünschte sich. Nachdem Mozart auch den ihm noch fremden Gästen vorgestellt wor- aui E mar» herrschte fröhlichste und ausgelassenste Abschwung. Neckend bemerkt« da Ponte, daß die kurt '^ !m^..Signora Malerbi heute nicht anwesend wäre, anet I W Ä^m Ernst wehrte Mozart ab:Welch Niö» ?ch schlechter «cherz, da Ponte! Was kümmern mich denn die andern Frauen, wenn ich meine Constanze habe? Mein kleines, goldiges Stanzer!!" â Gaste drängten ihn zum Spiel. Er schlug ein paar Akkorde an, präludierte eine Weile und ging bann zu seiner Lieblingsarie aus demFigaro" über:Dort vergiß----" "

Da war, als ginge durch das andächtige Schwei- ^n^tu heimliches Raunen, ein einziger weihevoller

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Und als der rauschende Beifall einsetzte, als er die leuchtenden, lebenshungrigen Augen der jungen Damen sah, da lachte er vor sich hin und begann kapnzws die neckische ArieWill der Herr Graf «in Tanzlein wagen?"

Damit hatte er das Richtig« für die Jugend ge- ttoffsn.Ja, tanzen!" riefen sie.Bitte bitte, lieber Meister, ein Menuett!"

.Da half nichts; Mozart mußte sitzen bleiben, und die andern Musiker nahmen ihre Instrumente zur Hand. 1

Ein Menuett hüpfte durch den Saal, so leicht unb launig, wie erstes Frühlingslocken. Das jubelte sich m bte Herzen, frohlockte aus glanzsprühenden Augen, prickelle in kleinen Füßen und trippelte so Zierlich uber das spielende Parkett. Und aus den schmeichelnden Takten quoll die lebend gewordene Anmut Siner lachenden, leichtherzige» Zeit.

Es war ein fein abgesttmmtes Quartett. Die Violine sang und lockte unter den feinen Boaen- strichen der fühlenden Hand; lächelno drohten die Tone der Bratsche; in dem Atem bei Flöte jauchpe unb rubelte es und dort, an dem blanken Piano- o der lebensheiße Quell himmlischen

Leichtsinns hervor, als könnten die zarten weißen Hande, die dort über di« " asten hüpften, die ganze Fülle irdischer Sorglosigkeit erfassen und in Musik verwandeln; da spielte ein Meister auf feiner Seele, neigte den Kopf wie aufhorchend zur Seite, lâche t« in sich hinein, spiegelte sich in den Tönen und lebte mit chnen.

_ Wolfgang Ama de Mozart spielte bas graziös- übermütige Menuett aus seinemDon Juan".

Ringsum saßen und standen di« Hörer und lie­ßen die schmeichelnde Musik zu ihren Ohren klingen. Die Jungen unter ihnen ordneten sich zu einem zierlichen Reigen, Sn dem eine so fein gestimmte, lächelnde Harmonie lag, daß es schien, als ginge e n heimliches Flüstern von den bezopften Perrücken zu den bauschigen Reifröcken hinüber.

Das Bild der tändelnden Rokokozeit lag in diesem Tanze, in Mozarts Musik, wie ein duftig-'S Blumengewinde aus Cloris göttlichen Händen.

Als der letzte Akkord verhallt war, und die Paare

4X1» UCL LKQI« <1 HULU UCLLJUUL LVUL, U V U LL.L Paare mit anmutiger Verneigung den Reigen beschlossen, brauste endloser Jubel durch das Haus.Bravo! Es lebe der große Mozart!" riefen die Begeisterten.

Der kleineWoferl" mit dem großen Geist erhob sich, schüttelte fröhlich das Haupt, daß ter Zopf pen­delnd nach beiden Seiten schlug, und loh übermütig

in den Jubel hinein.

Dan Twisten reichte ihm herzlich die Hand. Maestro, es werden hundert und mehr Jahre v:r-

Das ist Jonny Smith! M right!" brummte er behaglich und entzündete die Pfeife völlig beruhigt aufs neue.

Nach einer kurzen Werle stand der Sprithändler an Bord des Morphersonschen Kutters und redete eindringlich auf Billy ein. Der verzog sein ohnehin nicht sehr kluges Gesicht, fluchte und spuckte.

Es war aber auch nicht schon, was Jonny in letzter Stunde noch erfahren hatte. Die Wache, die gestern ihren Tribut erhalten und bereits durch­gebracht hatte, die bestochene Zollwache von Staple- town, war abgelöst worden. Ganz neu«, frencke Gentlemen vom Zoll waren erschien«». Die würden bis zum nächsten Morgen auf ihrem Posten aus­harren, die unbedingte Ehrenhaftigkeit der beiden Bürger Jonny und Billy zwar niemals anzweifeln, nicht deftoweniger aber die Laderäume des biederen Fischkutters auf etwaigen alkoholähnlichen Inhalt sehr^genau prüfen.

öd eine Gemeinheit!Willst Du mir ge-

That's allright! Frei« Fahrt! Allright!" rief er und befahl dem Maschinisten zu wenden.

Das Motorboot verschwand in der Nacht.

Gleich darauf wurde der große Scheinwerfer der Zollkontrolle wieder abgeblendet ....

--So Jungens", brummte Billy Morpher- [on vergnügt,jetzt kommt mal herunter von Euren Pritschen!"

Die beiden pestkranken Gentlemen hüpften be­freit empor und taten einen tiefer .Arg aus der Flasche.

Bauern

!

11

;!

Ich sehe sie schreiten im Morgenlicht Mit ernstem, wettergebräuntem Gesicht Und goldenen Samen werfen.

Ich höre sie abends vorm Scheuertor, Der Mond lugt über die Giebel empor Die singenden Sensen schärfen.

Was zwischen Säen und Dengeln lag?

Ein arbeitsvoller hartmutiger Tag Mit tausend dumpfen Sorgen.

Ein rauhes Mahl, ein Vesperbrot Und stumm ein Kampf mit steter Not, So gestern, so heute, so morgen.

Was würzt ihm das Mahl, was beut ihm der Tag? Die heimliche Sorge vor Schlossenschlag, Vor Blitz und währendem Regen, Der Sturm, der ihm das Dach bedroht, Das harte Leben, der hämische Tod Stehn immer an seinen Wegen.

Drum schreiten sie ernster im Morgenlicht Und wettergebräunter im Angesicht Und streuen von neuem den Samen. Sie wissen was Leben und Arbeit will, Sie schauen nach oben und schaffen still, Ergeben in Gottes Namen.

F. Schrönghamer-Helmdal

os==e=sssSs

gehen, ehe der Welt ein zweiter Mozart beschert wird. Ein solches Können wie das Ihrige adelt!"

Mozart wehrte ab:Das Können allein macht es

nicht das Herz adelt den Menschen!

LttrasatrsKne

Skizze von Werver Krueger-Hamburg.

Am Mittwoch druckste ber DampferMary Spring" vorsichtig durch die Fahrrinne der Gravesendbay und ankerte dann unentschlossen vor dem Norton Point gegenüber Staten-Jsland. Am Vortopp hing melancholisch die gelbe Quarantäne- flagge. Ein kleines Motorboot der Hafenüber- wachungsstelle Ost-Newyork flitzte gleich darauf durch die Upperbay, legte vor dem verdächtigen Dampfer an, und ein Arzt bestieg das Fallreep. Oben empfing ihn der Kapitän. DieMary^Spring" hatt« in Kalkutta R«is geladen. Den brachte sie wohlbehalten an. Daneben aber Zwei frische Fälle asiatischer Beulenpest.

Der Arzt trat vorsichtig zurück. Dann schrieb er, auf dem Ladedeck stehend, zwei Formulare aus, ließ den Kapitän unterschreiben und begab sich in die Motorjoll« zurück.

Der Dampfer warf einstweilen noch den zweiten Anker aus. Die Nacht kam langsam und ver­hüllte mit schwarzen Tüchern die Statue der Frei­heit und die langgestreckten Kaianlagen von Staten- Jsland . . , . 8

-- Billy Morpherson lag mit seinem wind schiefen Kutter vor Sandy-Hook und wartete. Erstens hatte er Zeit. Sehr viel u1 sogar. Er konnte zwei Uhr nachts werden, das störte ihn nicht. Dann aber hisst er es für geraten, nicht zu nahe an Staten-Jsland heran zu kommen. Das soll nicht heißen, daß Billy ein schlechtes Gewissen hatt«! Du lieber Himmel! So unmodern war er eigentlich nie

fälligst sagen, mein lieber Jonny, wie ich jetzt mit dem Sprit nach Brooklyn kommen soll?" knurrte Billy.

Jonny war zu niedergeschmettert, um sachlich zu fein.Rufe doch Lindbergh!" brummte er übel­launig.

Sieber der wetterfeste Billy schlenkerte so viel­sagend mit dem Handgelenk, daß Ehrenmann Jonny vorsichtig einlenkt«:Fahr doch wieder zurück, Billy. Heute ich nichts zu machen!"

Danke!" fauchte Billy wie eine gereizte Katze. Und meine Kohlen, bie ich verpulvert habe? Und wer bezahlt meine beiden Jungen?"

Er wies auf zwei ehrenwerte Gentlemen, die ihre Klappmützen schief auf dem Ohr, an Bord ein kleines Spielchen aufgelegt hatten. A conto Ver­dienst!

Trübselig starrten die beiden Ehrenmänner ins Wasser.Was ist denn das da für ein Kasten?" fragte Billy plötzlich interessiert,sieht ja aus wie Käpp'n Johnsons Mabel Spring?"

^Ist es auch!" brummte Jonny,liegt in Quarantäne am Norton-Point!"

So" Villy hörte interessiert zu.

Morgen Abtransport der beiden Kranken nach dem Homillon-Hospital!"

So so--?" meinte Billy wieder.

Na, was nu?" fragte Jonny darauf gedrückt.

^Ich fahr zurück!" knurrte Villy übellaunig, Good bye!"

Als aber der Großhändler Jonny das Schiff verlassen hatte, jagte Lilly seine beiden Jungen mit einem Donnerwetter von den Karten auf. Es be­gann eine fieberhafte Tätigkeit....

--Nachts gegen zwei Uhr ratterte ein schwer­fälliger Kutter durch die westliche Fahrrinne von Stapletown. Er war längst gesichtet worden, und zehn Minuten später schoß ein pfeilschnelles Motor­boot mit der Zollflagg« der U. S. 2L am Bug auf ihn zu.

Eine luftige Skizze von Karl Sitlinger, Münchs»,

Kennen Sie das schreckliche Gefühl, wenn man plötzlich so fürchterlich notwendig einmal dichten muß? Das ist ein abscheulicher Zustand, denn bis man die Silben nocha^ählt hat, hat man gewöhnlich vergessen, wie das Gedicht weitergehen sollte, und dann sollen einem in der Regel gerade diejenigen Reime ein, die man nicht braucht, kurz, Dichten ist eine Schwerarbeit, und ich kann nur jedem raten: Tun Sie es nicht unter drei Mark die Stunde!

Bei mir ist es etwas anderes: Sobald der Früh­ling kommt, dann muß ich dichten. Der Pegasus in meinem Innern beginnt zu wiehern, ich kann noch so ungereimtes Zeug denken, es reimt sich! Man trifft ja leider als Dichter so selten auf Verständnis, die Leute wollen immer, es soll ein Sinn in den Gedichten fein; so ein Unsinn, denn wenn ein Sinn darin sein soll, dann kann man's auch in Prosa sagen!

Gleich mein allererstes Gedicht hat mir schnöden Undank eingetragen. Es lautete:

Der Eskimo frißt Lebertran, Der Kuno ist ein Pavian.

Ich hatte dieses herrliche Epos mit Kreide an die Schultafel geschrieben, der Kuno, unser Latein­lehrer bezog es* gleich aus sich, und well meine Mit- schiller das Redaktionsgsheimnis nicht wahrten, be­sam ich zwei Stunden Arrest. So behandelt das Volk der Dichter und Denker seine Talente.

Dieses Frühjahr hat es mich ganz besonders, er« wischt! Mein Pegasus muß beim Steinach gewesen sein, vielleicht hat ihm auch der Pariser Verjün­gungsdoktor Affendrüsen eingesetzt, jedenfalls muß ich sagen: Ich sprudle die Verse nur so hervor, ich brauche nur den Mund aufzumachen, schwupp ist es schon ein Gedicht aber es wird nicht an­erkannt.

Gestern früh, wie mir meine Hauswirtin den Kaffee brachte, ging es schon wieder los. Eigentlich wollte ich sie in Prosa begrüßen, aber ganz von selbst wurde es sein Gedicht:

Der Vogel singt, es schwimmt der Hecht, . - Wenn ich dich sey, dann wird mir schlecht! Erhab'nes Weib, wenn ich dich schauge, ^ Dann schließe ich sofort das Auge, Und sage nur als Kritikus:

Dein Kaffee schmeckt nach Rizinus!

Manches Weib würde Gott danken, wenn es in diesem Alter noch so feurig angedichtet würde, und früher, da wurden die Minnesänger noch gebührend belohnt, da kam das nicht vor, daß die besungene Dame ihren Troubadour das Kaffeetablett vor di« Füße warf und schrie:Den zwoaten Vers kannst dir bei mei'm Rechtsanwalt abholen, Bazi, miferab- ligerl" Wir leben nun einmal in einer prosaischen Zeit, die Dichter haben es schwer, aber, daß auch meine Hauswirttn derartig amNiedergang Mün­chens als Kunststadt" mitwirken würde, das hätte

ich denn doch nicht geglaubt!

Jedenfalls nahm ich mir vor, heute wird nicht mchr gedichtet. Jedoch der Mensch denkt, der Früh- ling lenkt. Als ich mir meine Virginias kaufte, floß mir unwillkürlich von den Lippen:

es

gewesen! Aber wenn man führt.

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Der Vorsichtige war stets stärker als her Ver­wegene. Außerdem durfte er sich seinen Ruf nicht verderben. Und die Jungen vom Zoll waren in letzter Zeit höllisch fix geworden.

Damm'd! Billy entzündet« nach kräftigem Ausspucken die zehnte Pfeife grünen Texastabaks und besah sich die Gegend. Drüben am Main-Ehan- nem irrlichterte der große Scheinwerfer. Vor ihm im Fahrwasser war alles ruhig, und auch hinter ihm an Land durste kaum etwas zu erwarten sein. Doch sieh! Jetzt kam von Gedney-Channel ein kleines Motorboot dahergeflitzt. Vorsicht!

Villy klopfte seine Pfeife aus, das einzige Licht an Bord des ehrenvollen Fischkutters, und spähte scharf hinaus. Nein! Mit den Augen war nichts wahrzunehmen. Keine Flagge am Bug, also auch keine Zollflagge! Er atmete beruhigt auf, wurde dabei sofort munter, als ihm ein günstiger Wind bas Motorgsräusch des Bootes zutrug.

Ahoi!" Der Zollkommissar ließ aber kurz vor dem verdächttgen Kutter abstoppen, denn er erblickte jetzt im Lichte der Scheinwerfer deutlich bie gelbe Quarantäneflagge am Bortopp. Eine zweite Flagg« mit einem drohenden Totenkopf bäumte sich darun­ter im Nachtwind.

Der Zollkommiffar war verblüfft. Da beugte sich ein Mann über bie Reeling des gespenstischen Schiffes und rief herunter:Kutter im Auftrag« des Ääph'n Johnson von der Mary Spring. Quarantäne verhängt. Haben zwei Beulenpestkranke an Bord. Steuern auf Hamilton-Hospital. Hier Quarantänescheine"

Der Mann zeigte schmierig« Papiere flüchtig über die Reeling. kommt an Bord und prüft!"

Der Sprecher trat abwartend zurück.

Der Zollkommissar unten im Boot aber erblickte «tzt zwei verhüllte Kranke, auf Pritschen gebettet und mit schwarzen Tüchern bedeckt. Zwei gelbliche Nasenspitzen lugten hervor.

Da packt« ihn das Grauen.

Der Lenz bläst in die Frühlingsstute, Ich brauch Virginias für die Schnute. Gib mir von diesen Dingern Mit deinen Rosenfingern!

Doch darauf tu ich pochen:

Nicht lauter, wo zerbrochen.

Das Gedicht war noch garnicht fertig, es sollten noch zwanzig weitere Strophen kommen, aber die Verkäuferin, diese g'schrappige Person, zog wahr­scheinlich das Kino der Dichtkunst vor, sie ließ mich nicht zu Ende dichten, sondern sagte:An Geistes­kranke wird nicht verkauft!"

Das muß man sich als Unsterblicher sagen lassen! Ist dieses Volk überhaupt wert, daß unsereins in die Leyer fährt? Es gibt keine Gerechttgkeit mehr. Den Dichter Frauenlob haben seinerzeit die Frauen zu Grabe getragen zu mir sagen sie höchstens, ich soll mich begraben lassen!

Keinen I-Punkt dichte ich heute mehr und wenn das ganze Rezept verloren geht, nahm ich mir vor. Und" ich stieg in die Elektrische und sagte zum Schaffner:

Das Veilchen blüht, es piept der Spatz, Fahr'n Sie nach dem Odeonsplatz? Bald steht die Au in frischem Flor, Geb'» S' gradaus bis Siegestor!

Die Enten in dem Wasser tauchen

Im Anhängwagen darf man rauchen!

Auch dieses Gedicht war noch garnicht fertig, das war bloß die Einleitung, aber der Schaffner griff nach der Klingel, ließ den Wagen heckten und sagte erläuternd zum Kontrolleur:Dem Herrn is schlecht warn, ja, ja, die Grippe. Aspirin und warme Wickel, nachher kriagn S' scho wieda an klaren Kopf! Guate Besserung!"

Und dann half er mir beim Aussteigen.

Wer kommt da des Weges? Hurra, die Senil Das is guat, daß i di triff!" lachte sie.I hab fe an Hunger auf Weißwürscht!" Und ich antwortete:

O Lenzeszeit, o Morgenrot!

lieber ein Salami-Brot!

Die Leni sah mich verdutzt an und erklärte ent« chieden:Red foan Schmarrn! Weißwürscht mag , sag i!" Und ich erwiderte, angefeuert durch de» Reimmag i, sag i":

Schon wehen lau die Frühlingswinde, Bald blühn die Birke und die Linde, Der Nußbaum und der Mahagoni, Kauf dir statt Weißwürscht a Leonie.

(Münchener Wurstsorte)