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Samstag den 3. Wrj 192»

Nr. 54

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München, 2. März. Der Verfaßungsausschuß des Landtages lehnte einen völkischen Antrag, der von der Regierung verlangte, dem Heiligen Stuhle das Ersuchen zu unterbreiten, für Bayern die geltenden Bestimmungen über Mischehen zwischen Kacholiken und Evangelischen zu mildern, mit großer Mehrheit ab. Der Kultusminister hatte es als aussichtsloses Beginnen bezeichnet, solche Ausnahmebehandlung Bayerns bei der Kurie erwirken zu wollen.

Gvfie Spurrs des Gambuvsev BüSsesMafi

Hamburg, 2. März. Die erste Sitzung der am 19. Februar neugewählten Bürgerschaft fand heute statt. Zum Präsidenten wurde Leuteritt (S. P. D.) mit 123 Stimmen gewählt. Zum ersten Vizepräsi- deuten Gundelach (K. P D.) mit 78 Stimmen, zum zweiten Vizepräsidenten Johannes Hirsch (D. V. P.) mit 99 Stimmen. In der Bürgerausschußwahl erhielten die Sozialdemokraten acht Sitze, die übrigen Fraktionen je drei Sitze.

Ms TLmgeVvsVhasrMrmgskr

Madrid, 3. März. Primo de Rivero teilt heute mir, daß die spanisch-französischen Verhandlungen über Tanger abgeschlossen seien. Briand werde mit

über Langer ab geschlossen hem spanischen Botschafter

, , in Paris morgen eins Zusammenkunft haben, danach werde der Presse der Worttaut des Abkommens mitgeteilt werden. Pr-ma de Rivera fugt hinzu, das Abkommen scheine ihm günstig Was die allgemeine Seite des Abkommens

onoelange, so sei es zweckmäßig, jetzt darauf einzu- gshen, Frankreich habe Beweise von großer Gerech­tigkeit und Weuficht gegeben, indem es» Spanten volles Entgegenkommen gezeigt habe.

Gedanken aus d. SurrgdertLsche« Manifest

Mitgeteilt von Dr. Weide.

Was die Jungdeutschen als Anregung für die Kkünftige Gestaltung des Staates in dem Manifest gen wollen, wird von ihnen nicht als unumstöß­liches Dogma, sondern als wohlerwogener und prak­tisch erprobter Vorschlag betrachtet, den sie zur Grundlage einer Aussprache mit allen Teilen des Volkes nehmen möchten. Zunächst ist wichtig die Feststellung, daß sie einen grundsätzlichen Unter­schied machen zwischen der Tätigkeit als Berufs­mensch und als Staatsbürger. Als Staatsbürger haben wir alle ein gleichmäßiges Interests daran, in einem gesicherten und arbeitsfähigen Staate zu leben, während wir als Berufsmenschen mancherlei Unterschiede und Spannungen haben. Diese Span­nungen sind zum Teil nicht aus der Well zu schaffen, weil sie auf natürlichen Grundsätzen beruhen. So werden z. B. die Unternehmer stets Wert darauf legen, möglichst billigst zu produzieren, während die Angestellten und Sirbeiter ihren Verdienst als Grundlage chrer Lebensführung möglichst günstig gestalten wollen. Es ist keine staatspolitische, sondern eine berufsständige Aufgabe solche Fragen zu lösen. Der Staat darf in diese Gegensätze nicht hinern- S'zogen werden, weil er nicht das Streitobjekt zwi- en einzelnen Interest engruppsn, sondern der Staat des ganzen Volkes fein soll. Es gilt deshalb, den Staat unabhängig von Interessengruppen auf der Grundlage des Gesamt-Volkes zu organisieren, während die berufsständigen Fragen der Lösung durch einen besonderen berufsständischen Führerauf­bau vorbehalten bleiben müssen. Bei der Gestaltung Les Staates haben alle wirtschaftlichen unb berufs­ständischen Gesichtspunkte grundsätzlich auszuschei- Len. Wir müssen in dieser Hinsicht als Staats­bürger denken und nicht als Berufsmenschen.

Kus ft WM.

«Ku GâenMÄ zum iKsatt^-NvszeH

Vor dem Schwurgericht I in Berlin begann unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Marsch­ner eine Verhandlung, die in manchen Punkten ein Seitenstück zum Krantz-Prozeß bildet. Auch hier steht im Mittelpunkt des Prozeßes eine 16jährige Schülerin.

Angeklagt war der stellungs- und wohnungs­lose Maler Fritz Peipe, ein junger Mann von etwa 27 Jahren, bisher nur mit einer kleinen Geldstrafe vorbestraft. Er steht jedoch

unter der Anklage des versuchten qualifizierten Totschlages, der Notzucht, der Nötigung und

des fortgesetzten Hausfriedensbruches, schließlich auch noch des erschwerten unbefugten Waffenbesitzes.

Mitangeklagt war seine Freundin, das 25jäh- rige Hausmädchen Berta O., die beschuldigt wurde, Peipe bei dem Hausfriedensbruch begünstigt und ih min einigen Tellen der Anklage Beihilfe ge­leistet zu haben. Sie Halle nämlich ihren Liebhaber in die Wohnung der Herrschaft heimlich ausgenom­men. Das Eehepaar, bei dem das Mädchen be­schäftigt war, befand sich tagsüber im Geschäft. Das Hausmädchen hauste mit dem Liebhaber und der 16jährigen Tochter des Hauses allein in der Wohnung.

Das ging etwa 3^ Monate so. Da benutzte dann im September Peipe die Gelegenheit, als das Haus­mädchen eines Abends im Kino war, dazu.

ein Attentat auf die 18jährige Tochter des Hauses zu verüben. Er benutzte bähet seine Kenntnis von gewißen Vorkommnissen die das junge Mädchen betrafen. Nachdem er ine elektrische Leitung ausgeschaltet hatte, erschien er in dem

Schlafzimmer des Mädchens, spielte aus sein Wissen an und tat als ob er eine Pistole gebrauchen werde. Dadurch schüchterte er das Mädchen ein und er­reichte seinen Zweck. Am nächsten Tage ließ er seinem Opfer durch das Hausmädchen einen Droh­brief auf den Tisch legen. Er verlangte unter An­drohung der Todesstrafe für den nächsten Abend eine freiwillige Zusammenkunft. Nun offenbarte sich die 16jährige Schülerin unter Tränen ihren Eltern. Bei der Durchsuchung der Wohnung entdeckte man Len unerwünschten Gast in der Mädchenkammer unter dem Bett. Mit einem Pistolenschuß beantwortete er die Aufforderung, hervorzukommen. Man benach­richtigte das Ueberfallkommando und nun ent­wickelte sich ein Feuergefecht, nachdem die Türfül­lung eingeschlagen worden war. Es wurde auch zu- fälttgerweis« dabei niemand verletzt. Schließlich warf dann Peipe den Revolver weg und ergab sich. Das ist der Sachverhalt.

Nach längerer Beratung entschied sich das Schwurgericht für den völligen Ausschluß der Oef- fentlichkeit für die ganze Dauer der Verhandlung, da die Singe, die die öffentliche Sittlichkeit zu ge. führden geeignet seien, immer wieder zur Sprache kommen müßten. Die Verteidigung würde auch be- schränkt werden, wenn sie in den Plädoyers nicht

auf alle Einzelheiten eingehen könnte.

Der Saal wurde hierauf geräumt, und wurde nur einer Vertreterin des Jugendamtes Anwesenheit gestattet.

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Das Seuevgefeebt itt des Müdâenkammev

Berlin, 2. März. Das Schwurgericht verurteilte heute den 27 Jahre alten Maler Fritz P e i p e wegen verursachten qualifizierten Tot- s ch a g e s, qualifizierten Hausfriedenbruchs, Nö­tigung und Notzucht zu drei Jahren sechs Monaten Zuchthaus und fünf Jahren Ehr­verlust. Der Angeklagte unterhielt Beziehungen zu einem Hausmädchen, die ihn in der Wohnung ihrer Dienstherrschaft in der Mädchenkammer etwa drei­einhalb Monate hindurch Tag und Nacht verborgen hielt. Die Inhaber der Wohnung waren meistens abwesend, da sie ein Geschäft in der Stadt haben. Peipe benutzte eines Tages die vorübergehende Ab­wesenheit seiner Geliebten, um die 16jährgie Tochter der Dienstherrschaft zu überfallen und sie zu ver­gewaltigen, wobei er durch Drohungen sie veran­laßte, zunächst über das Geschehene zu schweigen. Als dann Pcipe drohte, seinen Ueberfall zu wieder­holen, benachrichtigte das junge Mädchen seine Eltern, die das Ueberfallkommando alarmierten. Es en.ispan sich dann in der Mädchenkammer ein hef­tiges Feuergefecht.

Bei der heutigen Verhandlung wurde unter Hin­weis auf den Krantz-Prozeß mit Rücksicht auf das 16jährige Mädchen die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Bei der Vernehmung des Kindes und seiner Mutter spielten sich, wie eine Korrespondenz meldet, er­schütternde Szenen ab. Den Geschworenen gehörte eine Frau an, die sich während der Vernehmung des bedauernswerten Kindes und feiner Mutter eben­falls mehrfach den Tränen nicht erwehren konnte.

Das Hausmädchen wurde wegen Hausfriedens­bruchs zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.

TevvosaSLe MnsMGev GoèdaLsu

haNkau, 2. März. Zahlreiche entlassene Sol­daten rotteten sich mit Mitgliedern des kommu­nistischen Verbandes und mit Bauern zusammen und drangen in die Stadt Lejkang ein, die sie plün­derten und fast gänzlich zerstörten. Sie mißhandel­ten die Einwohner in barbarischer Weise und fof- lerten sie, bevor sie sie töteten. Sie schlossen z. V. 300 buddhistische Mönche in ihr Kloster ein und steckten das Gebäude in Brand. Alle Mönche

kamen ums Leben. Die Kommunisten ziehen von der Provinz Kunan nach Kuangsi zurück, sollen die Stadt kweiling besetzt haben.

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rmr Lewrisev SvLMahvsmeffs

Nach den bisher vorliegenden Anmeldungen wird die Leipziger Frühjahrsmesse, die am 4. März be­ginnt, von über 10 000 Ausstellern besucht und täg­lich gehen noch zahlreiche Anfragen nach Ständen ein. Bisher sind rund 190 000 qm Ausstellungs- fläche vermietet. Die Zahl der Aussteller hat gegen die vorjährige Frühjahrsmesse um rund 10 Prozent, die vermietete Fläche um rund 12 Prozent, zuge­nommen.

Dorfbrand in Tirol.

Innsbruck, 2. März. Die Ortschaft Hasic- reilh am Fcrnpatz wurde von einem großen Brande Heimgesuchl, dem 20 Häuser zum Opfer fielen. Durch Föhnwind und Wassermangel wurden die Löscharbeilen sehr erschwert. Die Feuerwehren aus den benachbarten Gemeinden, sowie ein Lösch- zug aus Innsbruck, wurden zur Hilfeleistung herangezogen. Das Feuer brach im Hause des Bürgermeisters aus noch unbekannter Ursache aus

Innsbruck, 2. März. Das Großfeuer in Haßercich konnte gegen 7 Uhr abends lokalisiert werden. Dem Brande fiel der ganze Slrahenzug gegen den Ferupaß hin, insgesamt, wie bereits ge­meldet, zwanzig Gebäude, darunter 13 Wohnhäu­ser, zum Opfer. 18 Familien, zusammen mit 60 Personen, meist Bergleute und Bauern, wurden obdachlos. 3« folge des durch den heftigen W«nd sich rasch ausbreitenden Brandes konnte fast ulchls gerettet werden.

Grotzfeuer.

Weiden (Oberpfalz), 2. März. Vergangene Nacht brach in einem an der Naab gelegenen Stabel Feuer aus das, durch den starken Wind begünstigt, sich auf fünf weitere Stäpel ausdehnte. Sämtliche Getreide- Vorräte und Arbeitsgeräte sind mitverbrannt. Das Lager eines Kohlenhändlers wurde von den Flam­men ergriffen und ebenfalls eingeäschert. Die Cnt- stehungsursache ist noch nicht bekannt.

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MAGGI5 Fleischbruhwurfe

sind mit bestem Neischextrakt und kinen Gemüseauszügen hergestellt .

Man, achte beim Einkauf auf den Namen MAGGI und die gelb-rote Packung.

Eia Raubmord bei Zeitz.

Bornih, 2. März. Die hier wohnende 58jährige Frau Fisci)er wurde in Abwesenheit ihres Gatten gestern nachmittag von mehreren Männern in chrer Wohnung überfallen, an Händen und Füßen ge» fesselt und erdrosselt. Anscheinend haben die Täter die Wohnung durch das Fenster verlaßen. Von Ge- Wißensbissen gepackt, stellte sich einer der Der- brecher, der mit Zuchthaus vorbestrafte Röder aus Aylsdorf in Meuselwitz selbst der Polizei und gab ihr Kunde von der Tat. Als zweiter Täter wurde ein gewisser Strogny aus Zeitz festgenommen.

Ein Kraftwagen in voller Fahrt explodiert.

_ Auf der Chaussee zwischen Müncheberg und Strausberg bei Berlin ereignete sich gestern abend ein schwerer Unglücksfall. Der Führer eines Last­autos der Reichspost beobachtete, wie ein vor chm fahrendes schweres Personenauto in voller Fahrt explodierte. Der Fahrer, der allein in dem Wagen fass, wurde herausgeschleudert und von dem Führer des Postautos in das Müncheberger Krankenhaus gebracht. Er hatte das Bewußtsein verloren. Das Auto ist durch die Explosion vollständig zerstört wor­den. Der Bewußtlose trug in einer Art von Kurier­tasche englische und russische Briefschaften bei sich. Seine Personalien konnten noch nicht geklärt werden.

Der Flieger Könnecke.

Berlin. 2. März. Der Flieger Könnecke hat, wie mitgeteill wird, mit seinem Begleiter die Heimreise nach Deutschland zu Schiff angetreten. Sein Flug­zeug ist unter englischer Bewachung in Kalkutta zurückgeblieben.

Frau Shephard Morgan Dr. phil.

Berlin, 2. März. Am 1. März hat Frau Barbara Morgan, die Gemahlin des Hauptmitarbeiters des Reparaiionsagenten, Herrn Shephard Morgan, in Berlin vor der philosophischen Fakultät der Friedrch-Wllhelm-Unioersttät die Würde des Dr. phil. e'worben. Frau Morgan ist die erde Amerikanerin, die an der Berliner Universitär zum Dr. phil. promoviert hat.

Brandstiftung mit politischem Hintergrund.

Berlin, 29. Febr. Die Feuerwehr wurde in der vergangenen Nacht nach einem Hause der Berliner Straße in Wilmersdorf gerufen, wo in einem Schanklokal im Erdgeschoß des Hauses Feuer aus­gebrochen war. Man stellte fest, daß es sich um eine Brandstiftung handelte, und verständigte sofort die Kriminalinspektion Wilmersdorf. Diese ver­haftete aus der Zuschauermenge heraus zwei jugendliche Arbeiter. Es wird von der Polizei an» genommen, daß die beiden Arbeiter, die einer radi­kalen politischen Organisation angehören, das Haus in Brand gefteeft haben, um an dessen Besitzer, der dem Gastwirt, dem Parteigenossen der Brandstifter, gekündigt hatte, einen Racheakt zu verüben.

Todessturz von der fahrenden Lokomotive.

Der Lokomotivführer Ludwig Baumeister stürzte beim Einfahren einer elektrischen Lokomotive in den Münchener Hauptbahnhof von der Maschine ab. Ob er von einem plötzlichen Unwohlsein betroffen oder durch eine Erschütterung hinausgeschleudert wurde, steht nach nicht fest. Die Lokomotive fuhr mit 30 Kilometer Geschwindigkeit führerlos in die Halle durchriß die rückwärtige Mauer, überquerte ohne Gleis die Drehbühne, riß eine wettere Mauer ein und kam in einem Raum zum Stehen, in dem zwei Schlößer anwesend waren, die schwer verletzt wür­den. Der verunglückte Lokomotivführer ist nach dem Unfall gestorben.

Südafrikas größtes Diamantenfeld.

Aus Kapstadt wird gemeldet, daß bei einer Debatte über Verwallungskosten im Minenwefen im Parlament von einer höchst sensationellen Diamantfeld-Entdeckung berichtet wurde. Es handett sich um Alluvialfunde in der Gegend der Alexander­bai an der Mündung des Oranjeflusses. Sach­verständige sprechen davon als von der bedeutungs­vollsten Entdeckung in der Geschichte des süd­afrikanischen Minenwesens.

Es handle sich bei dem neu entdeckten Feld, auf das die Regierung eine hohe Anzahl von Ansprüchen besitzt, um Diamanten im Werte von mehreren Millionen, diebunt, Handarbeit auf­gelesen" werden können, während der Wert der etwas unter der Erdoberfläche lagernden Steine nicht abgeschätzt werden könne. Im Parlament wurde der Antrag gestellt, die Ausbeute aus diesem Feld zu beschränken, um die Diamanten nur allmählich auf den Markt zu bringen und einen Preissturz zu vermeiden.

Ei« Shhttel zwisGe« ^urova ' und ÄfviSa

Seit fast einem Jahrhundert tauchen immer wie-

der neue Pläne auf, die sich mit der Frage eines Tunnels zwischen Frankreich und England' beschäf­tigen. Bei der hohen Entwicklung der Technik würde die Ania:

kaum au1

reines Tunnels unter dem Aermelkaral baulich: Schwierigkeiten stoßen, auch die Lösung der finanziellen Frage müßte nach den Rentabilitätsberechnungen der Fachleute leicht fein,

allein in England zeigt man sich keineswegs für den Anschluß" an den Kontinent begeistert. Politische und strategische Erwägungen lassen den französich- engliichen Unterseetunnel den Briten nicht wün­schenswert erscheinen, da er die schützende Jnjelpel- lung Englands gefährden könnte. Während nun Las Kanaltunnelprojekt wieder einmal ad acta gelegt worden ist, setzt in Süd-europa, in Spanien eine

worden ist, setzt in Südeuropa, lebhafte Agitation für die Erbau

., , auung eines Tunnels

ein, der zwichen Gibraltar und Tenta eine Derbin > bring von Europa und Afrika unter dem Meere hc-- fteüen würde. Spanien, dessen finanzieller Wohl­stand sich dank brr Neutralität im Weltkrieg gewal­tig gehoben hat und in Marokko endlich zu emer gesicherten Stellung gekommen ist, findet in Frankreich einen kräftigen Beistand für das kühne Projekt. Enoiland steht ihm weniger sympathisch gegenüber, denn auch hier treten politische und mili­

tärische Fragen in den Vordergrund. Gibraltar in englischem Besitze empfinden viele patriotische Spa» nier als Dorn im Fleische, denn die britische Festung bedeutet auch heute noch, wenn auch nicht so gewal- tig wie in früherer Zeit, eine Sperre der westlichen Einfahrt in das Mittelländische Meer. Die Bedeu­tung des englischen Gibraltar würde aber noch mehr schwinden, wenn der europäisch-afrikanische Tunnel die Verbindung unter dem von England geschützten

beherrschten Meere sichern würde.

In Madrid und Barcelona, aber auch in Paris wird das neue Projekt energisch betrieben. Bis in jede Einzelheit ausgearbeitete Pläne von Jngeni- 1 euren liegen bereits vor, ein französisch-spanisches Finanzkonsortium will die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen. Noch werden Einzelheiten des Projetts geheimgehalten, doch verlautet, daß unge­fähr 400 Millionen Peseta an Kapital notwendig sein dürften und die Bauzeit annähernd fünf Jahre in Anspruch nehmen soll. Der Tunnel, der eine Länge von etwa 5 0 Kilo­metern und eine Maximaltiefe von zirka 400 Metern erreichen dürfte, soll auch der Eisenbahnverbindung dienen, so daß Züge direkt von Calais bis Tanger verkehren könnten. In den politi. ; schen Kreisen der Nachbarländer sieht man eine Der- : aeifung der Freundchsaft zwischen Frankreich und Spanien voraus und glaubt auch durch den Bau des Tunnels Marokko fester an die beiden europä­

ischen Schutzstaaten zu knüpfen.

Pessimisten zweifeln an die Realisierung des Planes wegen der englischen Opposition. Wie in Nordeuropa das Schlagwort von dersplendide isolement^ den Aermelkanal vrehindert, wird wiel- leicht die Gibraltarfrage in Südeuropa störend wir­ken, denn England sieht in der Beherrschung der Säulen des Herkules" auch Säulen feiner Be­herrschung des Mittelmeeres und wird nicht kämpf, los seinen egoistischen Standpunkt aufgeben.

Die Diskussion über den geplanten Tunnel zwi­schen Europa und Afrika hat übrigens eine inte­ressante Erinnerung geweckt.. Vor ungefähr fünfzig Jahren tauchte in Südspanien das sagenhaft klin­gende Gerücht auf, es bestehe eine unterirdische Ver­bindung zwischen der spanischen und der nordafri­kanischen Küste. Man schritt nun zu einem ganz eigenartigen Versuch. Einige von den zahllosen Affen, die die Felsen von Gibraltar bevölkern, wurden eingefangen. Man legte den Vierhändern Armbänder aus Messing an und schenkte ihnen wieder die Frei- heit, Kürze Zeit nachher wurden an der marok- konischen Küste einige dieser armbandgeschmückten Affen gesichtet und gefangen. Da es ausgeschloßen erscheint, daß die Tiere das Meer durchschwommen ' haben, muß tatsächlich die Existenz eines Landweges unter dem Meere angenommen werden. Weitere Versuche, diesen geheimnisvollen Weg zwischen den beiden Kontinenten zu finden, blieben ergebnislos. In der jüngsten Zeit wurden diese Nachforschungen , wieder ausgenommen, scheinen aber auch jetzt er»

folglos zu bleiben.

Die nächsten Monate dürften die Entscheidung der Frage in Gibraltar-Centa-Tunnels bringen, , dessen Bau einen großen Triumpf der modernen , Technik bedeutet und gleichzeitig eine kulturelle Er- | rungenschaft ersten Ranges. Europa hätte dann * | ; Nordafrika nicht mit Waffengewalt, sondern durch | technisches Genie erobert.

^SLMSV des Äusran-eS.

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