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Samstag den Z. Mär; 1928

Seite 3

Lokales.

Hanau, 3. März.

Movon töte leben können

Warum wir leben, darüber hat man schon viel Tiefsinniges und Bitteres geschrieben, ohne eine Klärung Lieser Frage herbeigeführt zu haben.

Wovon wir leben, das ist schon eher eine Frage, die man diskutieren kann, ohne sich gleich zu ver- rennen. Außerdem ist sie bei weitestem die akuteste Frage. Das leuchtet wohl schr leicht ein.

Jedenfalls ich bin immer dankbar, wenn man mir da irgendwie weiterhilft. Wenn man mir da sozusagen mal wieder einen kleinen Tip gibt.

Neulich war ich beim Friseur. Und da hatte tch das Glück, außer drei Schnitten im Gesicht beim Rasieren und einem unmöglichen Haarschnitt am Scheitel, eine Bemerkung mit aufzuschnappen, die sich mit diesem Problem befaßte.

Es hat nämlich nicht viel Zweck, bei Philosophen und gelehrten Leuten über derartige Fragen sich Bescheid zu holen. Was wissen die vom täglich Nö­tigen... Wenn es dir aber einmal gelingt, einen Mann der Praxis zu solchen Fragen Stellung neh- men zu lassen, dann versäume ja kem Wort, das er spricht. Hier kannst du eitel Honig der prakti­schen Vernunft saugen.

Man verzeche die Abschweifung. Jetzt soll bas Wort ganz allein sprechen. So viel sei nur gesagt: es handelte sich um eine Auseinandersetzung mit einem Kundon, dem die Preise zu hoch waren. Da fiel denn auch das erlösende Wort:

Wir können auch nicht leben von Arbeiten, wir können auch nur leben vom Verdienen."

Welches Wort! Man beachte genau, wie fein hier unterschieden wird zwischen Realem und Fik­tivem! "Wie richtig der Angelpunkt der Angelegen­heit gefunden ist! Wie leuchtet das ein, daß nicht die Arbeit das unser Leben Erhaltende ist, iondern der Verdienst! Von Arbeit kann man eben nicht leben, hier liegt das ganze Geheimnis! Lerne verdienen! heißt das Mittel, um leben zu können . .

Das Wsètsv des nächsten Mschs.

Fortbestand des Hochdruckwetters.

Seit fast sechs Monaten, dem Septemberbeginn, ist die Witterung in Mitteleuropa nicht mehr so beständig gewesen wie gegenwärtig. Dabei hat die Dauer der augenblicklichen Hochdruckperiode die da­malige bereits Übertrossen, und es liegen auch augenblicklich noch keine Anzeichen dafür vor, daß die herrschende Witterung sich bald ändert.

Der klimatische Unterschied zwischen Ost unb West zeigt sich dabei in schärfster Ausprägung Wäh­rend der Osten und Nordosten Deutschlands nachts wiederholt strenge Fröste hatte (bis zu 8 Grad Kälte in Königsberg, 9 Grad Kälte in Breslau, aber auch 6 Grad Celsius in Stettin und Han­nover) herrscht am Rhein in den Tagesstunden be­reits Frühlingswetter. Aachen, Karlsruhe, auch Nordhorn brachten es schon bis auf 14 Grad Wärme, wenngleich auch dort die Nächte überall noch kalt sind und fast ausnahmslos Fröste haben. Im Gegensatz dazu steigen aber im Osten auch tags­über die Temperaturen nur wenig über den Ge­frierpunkt: der vorige Dienstag war sogar im Nord­osten ein Eistag, da das Quecksilber selbst mittags den Gesriepunkt nicht ganz erreichte. Recht kalte Nächte bis zu 7 Grad Kälte hat auch noch München 'wie die ganze Bayerische Hochebene, wo sich die bei dem heiteren Himmel besonders starke nächtliche Ausstrahlung noch intensiver auswirkt als in der norddeutschen Tiefebene. Hier waren besonders zu Beginn der vorigen Woche die Temperaturen schon ziemlich, hoch gestiegen, am Sonntag in Berlin bis auf 12 Montag in Magdeburg auf 13 Grad Wärme. Stärkerer Abfluß von Kaltluft aus dem Kern des Hochdruckgebiets nach Westen hat dann aber die Temperaturen wieder beträchtlich herab­gedrückt.

Dieses Hoch wäre bereits zerfallen, wenn es sich nicht immer wieder dadurch über Skandinavien neu aufbauen würde, daß hinter den längs der Eismeerküste abwandernden Zyklonen Polarluft einbricht. Dadurch ist auch der über Polen und Nordrußland verlagerte kontinentale Kern mit reich­

K« Harner

Roman

Don Wolfgang Marken

Urhtderrechlsichutz d. Verlag Oskar Meister in Werdau.

2b Fumegung.

(Nachdruck verboten.)

Lord Bellock hatte kopfschüttelnd zugehört und betrachtete Ramsay aufmerksam. Er hörte aus dessen letzten Worten mehr heraus, als der Bot­schafter sagen wollte.

Eigenartig, sehr eigenartig, Ramsay. Ich nehme an, daß Sie sich gewissermaßen scheuen, Ihre Frau mit Karner in Berührung zu bringen?"

Ja!"

Das ist allerdings ungünstig für uns."

Der Botschafter sagte nichts zu diesen Worten und lenkte dann das Gespräch auf ein anderes Thema.

Mr. Baithln sagte mir, daß die Nachrichten aus Indien und China recht betrüblich sind. Es würde mich interessieren, aus Ihrem Munde Näheres zu hören."

Der Staatssekretär wehrte ab.Es ist das alte Lied, Ramsay. Der alte Widerstand! China beun» ruhigt mich weniger. Dort arbeitet unser Geld sicher. Indien? ... Es gab eigentlich schwierigere Situa- : tionen. Nur der Umstand, daß ungeheure Summen aus dem indischen Volke gezogen werden und außer Landes wandern wir wissen noch nicht wohin beunruhigt etwas. Wir haben festgestellt, daß i unter den Eingeborenen eine geheime Steuer be­steht, die prompt gezahlt wird. Alle Versuche, herauszubekommen, wer dahintersteckt, waren bisher ergebnislos. Anscheinend handelt es sich um einen Aufstandsfonds. Indien selbst ist zur Zeit absolut ruhig, man scheint mit England restlos zufrieden 31 fein, nur die eingeborenen Fürsten geben sich in letzter Zeit merkwürdig zurückhaltend. Jedenfalls halten wir die Augen offen. Ich habe vierhundert eingeborene Agenten über das ganze Land zerstreut und verspreche mir bav.n Erfolg."

Nach einer halben stunde verabschiedete sich der "oischafter von Englands glühendstem Patrioten.

Die Unterredung hatte eine merkwürdige Unruhe Ramsay zurückgelassen.

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lich 780 mm Höhe wieder gestärkt worden, während die atlantischen Wirbel auf dem Festland nur wenig Boden gewinnen. Denn die Kaltluftmasse des Hoch­druckgebiets setzt ihrem Vordringen immer noch Widerstand entgegen, und es kommt hinzu, daß diese Wirbel sich durch Einströmen kälterer nord- atlantischer Luft auf ihrer Westseite allmählich auf­füllen. Auch das zurzeit südöstlich von Grönland verlagerte Wirbelzentrum wird dem festländischen Hoch nichts anhaben, sondern längs seinem Nord­rand nach dem Eismeer abschwenken.

Infolgedessen deuten alle Anzeichen darauf hin, daß das ruhige, trockene, vielfach wolkenlose Hoch­druckwetter auch den größten Teil der kommenden Woche noch überdauern wird. Dabei werden sich die Nachtfröste in wechselnder Stärke täglich wieder­holen, die Tage aber besonders im Westen und Süden langsam etwas wärmer werden. Wenn nicht alles trügt, wird diese Hochdruckwetterperiode, die ja im Weestn sich ohnehin schon frühlingshaft auswirkt, mit ihrem Abschluß zugleich den Winter beenden, worauf eine neue Periode der Veränder­lichkeit mit Regen und Schauern im Lause des Monats allmählich in den Frühling überleiten dürfte.

3ne 3elebnns des NazrmâEsS

Wie der Amtl. Preuß. Pressedienst mitteilt, hat wie in den vergangenen Jahren, so auch jetzt wie­der, das preußische Staatsministerium den Beschluß gefaßt, einen Teil der laufenden und der außer­ordentlichen Baumirtel für das Rechnungsjahr 1928 zur sofortigen Verfügung zu stellen. Diese Maß­nahme gestattet schon vor der Verabschiedung des Haushaltsgesetzes, staatliche Bauaufträge zu geben und damit das auch heute noch nicht wieder voll be­schäftigte Baugewerbe anzuregen.

Die gesamten Staatshochbauten erfordern für das Rechnungsjahr 1928 nach dem Ordinarium rund 29 Millionen Mark für Bauunterhaltung und nach dem, Extraordinarium rund 49 Millionen Mk. für Neubauten, zusammen 78 Millionen Mark. Hin­zu treten noch 10 Millionen Mark für Behebung der noch aus der Kriegszeit stammenden Baufchâ- den, so daß insgesamt rund 88 Millionen Reichs­mark Ausgaben in Ansatz gebracht worden sind.

* Daten für 4. und 5. März. Sonnenaufgang 6.37 (6.35), Sonnenuntergang 17.46 (17.47), Mond­aufgang 15.15 (16.39), Monduntergong 6.23 (6.48) Uhr. 4. März: 1152: Erwählung Friedrichs Bar­barossas zum Kaiser; 1829: der Jngenieuer Carl Heinr. v. Siemens in Menzendorf geb. (gest. 1916); 1849: Verkündigung der österreichischen Verfassung; 1879: Der Romanschriftsteller Bernhard Kellermann in Fürth geb., 1916: Landung des deutschen Hilfs­kreuzersMöve" nach mehrmonatiger Kreuzerfahrt in einem deutschen Hafen; 1919: Eröffnung der deutsch-österreichischen Nationalversammlung in Wien 1924: die Türkei schafft das Kalifat ab. der Kalif Abdul Medschid wird verbannt. 5. März: 1512: der Kartograph Gerhard Mercator in Rupelmonde geb. (gest. 1594); 1534: der italienische Maler An- EflWMHMigawrogaraa5«?sffiMBgBCK»m^

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Hanauer Anzeiger durch seine hohe leserzahl und sein weit über den Stadt- und Landkreis Hanau hinausgehendes Verbreitungsgebiet

Das alte Jahr ging zu Ende.

Karner hatte am Silvestertage den alten Cramer zu sich bitten lassen und lauschte im Musikzimmer dem meisterhaften Spiel auf der großen Orgel, die er Halle bauen lassen.

Hallenbach saß an diesem Abend mit Anne Wallhaus in dem großen Wohnzimmer. Karner hatte sie beide zu einer kleinen Feier eingeladen.

Die Brüder Michailoff waren nach dem Kau­kasus zu ihren Eltern gefahren.

Frau Heyse, die Karners bescheidenen Haushalt führte, trat eben ein und brachte eine delikate Platte.

Herr Karner läßt Sie bitten, zuzufassen. Er wird sich nicht so rasch von seiner geliebten Musik losreißen können," sagte sie liebenswürdig.

Ich muß gestehen, daß ich einen herzhaften Appetit habe. Sie auch Fräulein Walthaus?"

Anne lachte. Ihr Lachen war glücklich und fröh­lich, wie es Menschen haben, die iimerlich voll tiefer Befriedigung sind.

»Nicht ganz so arg, Herr Hallendach. Aber ich werde mir Mühe geben, nicht hinter Ihnen zurück­zustehen."

Ausgezeichnet. Ich nehme den Willen für die Tat."

Dann faßten sie zu. Hallenbach entwickelte wirk­lich einen so ausgezeichneten Appetit, daß Anne staunte. Der blonde Hüne bemerkte es und fragte: Ich bin wohl recht verfressen?"

«Wie kommen Sie darauf, Herr General­direktor?"

O weh! Generaldirektor! Mir schmerzt immer die Zunge, wenn ich an diesen Titel denke Finden Sie nicht, daß es ein fürchterliches Wort ist? Mir klingt es geradezu protzenhâft."

Welchen Titel würden Sie sich am liebsten auf Ihre Visitenkarte drucken lassen?"

Abgesehen davon, daß ich Visitenkarten über­haupt nicht kenne, würde ich höchstens darauf drucken lassen: Mitarbeiter Karners. Das ist mein Stolz, Fräulein Walthaus."

Sie nickte.Wer könnte das besser verstehen als ich! Ich werde ihm ein ganzes Leben Dankbarkeit schulden. Jetzt weiß ich erst, was Leben heißt, daß Leben gleich ist mit Schaffen und . . . Helfen."

Ja! Schaffen!" sagte er begeistert.Glauben Sie mir, Karner ist ein Wunder, ein Mensch, wie er alle Jahrhunderte nur einmal geboren wird.

tonio Allegri da Corrsgio in Corregio gest. (geb. 1494); 1926: Der Dichter Otto Ernst (eigentlich Otto Ernst Schmidt) in Großflottbeck bei Hamburg gest, (geb. 1862).

* Ermäßigung der Fernsprechgebühren im Ver­kehr mit Amerika. Am 4. März tritt im Fernsprech­verkehr Deutschland-Amerika eine Gebührener­mäßigung ein. Ein Dreiminutengespräch zwischen Deutschland und der ersten Zone von Amerika kostet alsdann nur noch 207 statt 330 Mark, jede weitere Minute 69 Mark. Der Zuschlag für jede weitere amerikanische Zone in Höhe von 12 Mark ändert sich nicht. Die Voranmeldegebühr die bei dem Nicht- Zustandekommen eines Gespräches von Person zu Person erhoben wird, ermäßigt sich von 50 auf 28 RM. Gleichzeitig wird die um 13.30 Uhr beginnende Verkehrszeit von 24 Uhr auf 2 Uhr mitteleuro- päischer Zeit verlängert.

* Die Wahl der Vorstände der Landwritschafks- kammern. Die Demokraten haben im Preußischen Landtag einen Gesetzesantrag eingebracht, wonach die Vorstände der Landwirtschaftskammern drei Monate nach Verkündung des Gesetzes und zwar nach dem Derhältniswahlrecht neu gewählt werden sollen.

* körperkull in Zahlen. Die deutsche Reinlichkeit ist nicht nur sprichwörtlich, auch die Statistik gibt uns einen ungefähren Begriff von der Sehnsucht nach der Seife. Es gibt nämlich in Deutschland rund 1500 Seifenfabriken, wozu noch 250 Fabriken hinzu­kommen, die Toiletteseife Herstellen. Schminke- und Puderfabriken gibt es in Deutschland über 50. Fer­ner zählt Deutschland rund 5000 Damenfriseure und 3000 Friseusen, die bemüht sind die Eva des zwan­zigsten Jahrhunderts zu verschönen.

* Eine Stadkverordnetensihung findet am kom­menden Donnerstag statt. Die Tagesordnung ent­hält 10 Punkte, u. a.Aufstellung eines General- planes für den Rathausumbau",Vertrag betr. Errichtung eines Neubaues für die Zeichenakademie", Vorläufige Unterbringung der von der Straßen- bahn A.-G. zu beschaffenden 4 Autoomnibusse". Zu dem letzten Punkt ist zu bemerken, daß die Auto­busse von der Rosenau nach Wilhelmsbad unb vom Nordbahnhof nach dem Lamboywald verkehren werden. Für später ist in Aussicht genommen, den Wagen vom Lamboywald durch die' Hainstraße, Nußallee, Westbahnhof, Philippsruher Allee, Burg­allee, nach der Falkenstraße durchzuführen. Der andere Wagen würde dann folgende Linie fahren: Wilhelmsbad, Rosenau, Frankfurterlandstraße, Vor­stadt, Nußallee, Westbahnhof, Französische Allee.

* Die Steuern sind fällig! Wir verweisen noch­mals auf die Bekanntmachung der Stadkasse in der heutigen Nummer. Die Mahnfrist für die städtischen Steuern läuft am Montag ab. Am Dienstag setzt die Zwangsbeitreibung ein, wodurch besondere Kosten verursacht werden.

* Sein 25jähriges Geschäfkssubiläum begeht heute Herr Laborant Bernhard S ch i e r l e bei der Firma W. C. Heraeus.

Wenn mich einmal Müdigkeit ankommen will, dann trete ich zum Fenster und sehe auf das Karnerwerk. Und dann habe ich neue Kräfte. Was er geleistet, hat, ist ungeheuer." -

Ja!" sagte Anne und fügte bann nachdenklich hinzu:Und kein Mensch weiß, wer dieser große Mann ist, woher er kam und was er will!"

Was er will? Das doch wohl, Fräulein Walt­haus. Helfen soll sein Werk, und es hilft gewaltig. Die Lebensbedingungen des Volkes will er ver­bessern."

Anne schüttelte den Kopf.Ich glaube doch . . . daß Herr Karner der Welt noch nicht gesagt hat, was er will; daß er eines Tages mit der Oeffent- lichkeit, die alle seine Handlungen bis jetzt kennzeich­nete, der Well ein großes Wort, eine große Tat hinwirft. Etwas ungeahnt Großes!"

Hallendach sah sie forschend an. Begeisterung war in ihren schönen Augen, die ihm von Tag zu Tag besser gefielen.

Sie war schön, die Anne Walthaus, nicht eine ebenmäßige Puppenschönheit, nein, alles an ihr war Wille und Kraft. Voll Staunen hatte Hallendach bemerkt, wie der Grundzug des Karnerschen Wesens, der auch auf ihn damals langsam aber sicher über­ging, die überlegene, oorwärtsdringende Kraft, die beherrschte Ruhe, langsam Anne Walthaus erfüllte.

Karners Geist siegte.

Und sie beugten sich ihm willig.

Vielleicht fühlen Sie das Richtige, Fräulein Wallhaus. Was auch kommen mag, wir stehen an seiner Seite."

Ja! Immer und ewig!"

Das Gespräch brach ab, denn Frau Heyse brachte den dampfenden Punsch. Sie schenkte beiden ein und verließ geräuschlos das Zimmer.

Als Hallendach gekostet hatte, brannte er sich eine Zigarre an und sagte zu Anne:Eigentlich wollte ich Sie schon lange einmal etwas fragen. Es ist reine Neugier, aber vielleicht geben Sie mir doch Antwort."

Gern, Herr Hallendach!"

Wie sind Sie zu Herrn Karner gekommen?"

Anne blickte nachdenklich vor sich hin, dann nestelte sie das Medaillon von ihrem Halse und öffnete es.

Sehen Sie sich das Bild an, Herr Hallendach!"

Er betrachtete das Bild und war überrascht. Dann sah er Anne verwundert an.Das ist Herr

Einen neuen Wagen für die Autobusverbin­dung Hanau WachenbuchenMittelbuchen hat die Firma Wolff u. Protzmann eingestelll. Der Wagen ist wieder aufs bequemste eingerichtet und mit Lederpolsterung versehen, er vermag 80 Personen zu fassen. Die Karosserie wurde nach Angaben der Firma von der Wagenfabrik von Castell in Mainz hergestellt. Man hat alle Erfahrungen, die bisher gesammelt wurden, verwertet. Der Wagen hat in der Fabrik den NamenType Hanau" erhalten. Die Stadt Höchst hat 5 gleiche Wagen bestellt. Das Fahrgestell wurüe von der Firma Züjsig geliefert. Der Motor hat 6 Zylinder und 75 PS. Der Wagen, der gestern seine Probefahrt machte, sieht mit einem einfachen grauen Anstrich sehr vorteilhaft aus.

* Ein Nachnahmebrief verloren gegangen. Ein Paketzusteller des hiesigen Postamts hat am 1. März im Laufe des Vormittags auf dem Wege Güterbahnhofstraße bis zur Seifenfabrik Gioth einen Nachnahmebrief über 49.40 RM verloren. Da der Zusteller u. U. ersatzpflichtig ist, wird der ehrliche Finder gebeten den Fundgegenstand auf dem Postamt ab^ugeben oder einem Postbeamten am Hauptbahnhof auszuhändigen. Belohnung wird zugesichert.

* Deutsche Volkspartei. Am Montag fand im Riesen eine gut besuchte Mitgliederversammlung der deutschen Volkspartei statt, welche einer Aussprache über die städtische Kommunalpolitik des verflossenen Jahres diente. Den Bericht, welcher die Grundlage für die Aussprache bilden sollte, erstattete der Ge- schäftssührer Oberstleutnant Apel und beschränkte sich im wesentlichen darauf, nur ein stofflich geord­netes Tatsachenmaterial zu bringen, welches der Kritik weiten Spielraum ließ. Einleitend schilderte er die den Stadtverordneten und dem Magistrat nach der Städteordnung und besonderen Landes­bestimmungen zustehenden Rechte und Pflichten, so- wie die derzeitige Zusammensetzung der Stadtver­ordnetenversammlung, ihr Zustandekommen und den Charakter der 3 Hauptrichttingen (bürgerl. Arbeits- geminschaft, Handwerker und Linksparteien). So­dann ging er zu den Etatsfragen, den städtischen Werken und den städt. Steuern, sowie ihren Aus­wirkungen über. Ein besonderes Kapitel bildete die städtische Wohnungs- und Baupolitik, die Fragen der Stadthalle und Akademie. Zum Schluffe erör­terte Redner die Bedeutung der Kinzigregulierung, der Ringstraßen als Verkehrsentlastung der Innen­stadt und endlich der kommenden Warenhäuser, welche letztere zu ernsten Bedenken Anlaß geben. Es schloß sich an den Vortrag, dem Zweck der Ver- sammlung' entsprechend, eine sehr lange und lebhafte Aussprache, welche sich allerdings zum größten Teil mit der städtischen Wohnungs- und Baupolitik be­schäftigte. In ihr kam allgemein eine sehr starke Mißbilligung derselben zum Ausdruck, denn man sah in ihr eine stille Sozialisierung, welche außerordent­lich bedenkliche Folgen haben könne.

* Paunerweihe desMänner-Quartett 1925.

Am Samstag, 10. März, veranstaltet genannter Verein imSängerheim Eintracht" seine Tisch­bannerweihe, verbunden mit Abend­unterhaltung. Die Patenschaft hat das hier bestens bekannte, ebenfalls unter Leitung des Herrn Fr. Walzer - Bischofsheim stehendeWalzersche Doppelquaetett Hochstadt" übernommen. Ein sorg­fältig zusammengestelltes Programm bürgt für einen gemütlichen Abend unter Sängern. Karten sind im Vereinslokal zu denDrei Hasen" und bei den Mit gliedern zu haben.

KIBB. Der Vorverkauf zum Künstlerfest hat rege eingesetzt, so daß es sich empfiehlt, schon jetzt sich mit Eintrittskarten zu versehen, da, um Ueber« füllung zu vermeiden, nur eine beschränkte Anzahl Karten zur Ausgabe gelangt. Besondere Sorgfalt wird auf die Ausstattung des Merkur-Saales ge­legt werden, der ein vollständig neues Gewand er­hält. Es ist vorgesehen, hier ein originelles Nacht­kabarett zu veranstalten, dessen Pausen mit Tanz ausgefüllt werden sollen. Die Musik wird durch eine Iazz-Salonkapelle ousgeführt. Auch eine Bar ist im Merkurs aal zu finden.

Preußische Klaffenlollerie. Am 21. Ziehungs­tag wurden unter anderen folgende Nummern ge­zogen (ohne Gewähr): 7 269, 36 168, 70 918, 70 948, 79 603, 106 790, 143 018, 143 020, 188 221, 268 654, 363 721.

«, mu iiniw

Karner, trotz des Bartes. Da kann ich mich nicht irren."

Und doch irren Sie! Das ist mein Bruder Martin, der nun zwei Jahre tot ist. Ich habe ihn unendlich lieb gehabt, und . . als ich Herrn Kar- ners Bild in einer Zeitschrift sah, bin ich fast wahn­sinnig geworden. Es war meines Bruders Bild und ... es war doch Karner. Ich hielt es nicht aus und bin zu Karner gereift, um ihn zu sehen und damit Frieden zu finden."

Hallendach hatte ihr mit höchstem Intereffe zu­gehört.

Und Sie fanden Frieden? Sie überzeugten sich von dem Irrtum?"

Ja, ich fand Frieden und danke Herrn Karner, der mir einen Platz, eine Arbeit gab, die mich zwingt, alle Kräfte zu entfallen, was mich glücklich macht."

Ich versteh« Ihr Entsetzen, Fräulein Walthaus. Die Aehnlichkeit ist so ungeheuer stark . . . wie bei Maximilian Michailoff. Es ist gut, daß Sie jetzt be­ruhigt sind. Oder glauben Sie, daß hier ein Ge­heimnis walten könne?"

Sie sann nach und schüttelte den Kops.Nein, ich glaube es nicht. Er ist Karner und kein anderer. Wir haben meinen Bruder begraben. Es ist un­möglich. Und doch . . . dreimal hatte ich die Ehre, Herrn Karners Gast zu sein... und jedesmal war es ein Wort, ein Ton, der mich erschrecken machte. Mein Bruder sprach anders. Leise, verträumt, seine Stimme klang wie abgebrochen. Karners Stimme ist dunkel, wèich, wie der Klang einer Glocke. Er kann es nicht sein. Doch wenn er mich ansieht, dann sind es die Augen Meines Bruders, in die ich schaue."

Seltsam! Seltsam! Wir sind dem Menschen Karner so nahe, sein Ich liegt so klar vor uns . . ^. und doch wird er uns ewig unergründlich bleiben."

*

Karner saß währenddessen in seiner .Musik- zimmer und lauschte den Klängen der herrlichen Orgel, Cramer war ein Meister in seiner Kunst. Die gewaltigen Werke eines Bach ließ er erstehen.

Mit geschlossenen Augen, das Haupt in bis Hände vergraben, saß Karner still und lauschte.

Was ging in ihm vor?

Der letzte Ton verklang.

Cramer wandte den Kopf dem Lauschenden zu. Stolz und Glück erfüllte ihn, als er sah, wie Karner in der Musik aufging.