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Vanau Stadt und Land

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M. 54

Samstag

ve« 3. MK«r

1928

Das KsAMe.

Im Haushaltsausschuß gab Reichswehr- Minister Gröner eine Erklärung über den Phöbus­fall ab. Der Ausschuß erklärte sich mit der Zurück­stellung des Falles einverstanden.

Im Reichsentschädigungsamt versuchte ein früherer deutsch-ostcrfrikanischer Farmer ein Atten­tat aus den stellvertretenden Präsidenten des Amtes, nachdem er versucht hatte, die Zahlung von 112 000 Mark zu erpressen.

Die Verhandlungen vor dem Schlichtungs­ausschuß Groß-Berlin zur Beilegung des Konfliktes in der Berliner Metallindustrie find gescheitert.

Chinesische Soldaten schlossen 300 buddhistische Mönche in ihre Klöster ein und steckten das Gebäude in Brand. Alle Mönchen kamen ums Leben.

MiSglö-Aes Attentat

im Reichsentschädigungsamt

Berlin, 2. März. Heute nachmittag wurde im Gebäude des Reichsentschädigungs- amks in der Rheinstratze 4546 in Friedenau ein Attentat auf den stellvertretenden Prä­sidenten des Reichsenkfchämdigungsamtes, Geheimen Justizrat Hugo Bach, verübt. Der frühere oftafrikanifche Farmer Heinrich Langkoop, betrat mit einer Höllenmaschine das Gebäude und verlangte im Zimmer des Geheimrats Bach unter der Drohung, sofort das Gebäude in die Luft fliegen zu lassen, die Ausstellung eines Schecks über 112000 Mark. Als Geheimrat Bach die Verhandlungen hin zog, feuerte der Täter fünf Schüsse auf den Beamten, die glücklicherweise fehlgingen. Ls kam zu einem erbitterten Kampf, in dessen Verlauf Langkoop überwältigt werden konnte. Die Höllenmaschine, deren Hebel er schon abgedrückt hatte, deren Zündschnur aber versagte, enthielt 15 Pfund Sprengpulver. Diese Ladung hätte genügt den ganzen Gebäudekomplex des Reichsentschädigungsamtes in die Luft zu sprengen.

Nev vböbttSsaU ruviiS-

Mers GvAâvuns âSNövs

Berlin, 2. März. Im Haushaltsausschuß des Reichstags gab heute bei der Beratung des Marine- etats Reichswehrminister Dr. Groener feine mit Spannung erwartete Erklärung zur Phöbus-Ange­legenheit ab. Er führte aus:Der Haushältsaus- schuh, hat gestern in der Phöbus-Angelegènheit den Beschluß gefaßt, die Reichsregierung zu Ersuchen, den Bericht über das bisherige Ergebnis der Unter­suchung des Staatsministers Sämisch dem Ausschuß vorzulegen. Die Reichsregierung hat sich . gestern nachmittag mit her Angelegenheit befaßt. Die Be­richterstattung des Staatsministers Sämisch ist vom Reichskanzler, der ihn zu seinem persönlichen Kom­missar bestimmt hatte, eingefo^ert worden und ist auch ihm gegenüber erfolat. Bei der politischen Bedeutung der Angelegenheit legt der Reichskanz­ler besonderen Wert darauf, daß ihre parlamen­tarische Erledigung auch weiterhin in engstem Ein­vernehmen mit ihm persönlich erfolgt.

Wir Rücksicht auf den derzeitigen Gesundheits­zustand des Reichskanzlers bittet die Reichsregie­rung, wegen der erforderlichen Fühlungnahme mit dem Reichskanzler die Beratung der Angelegenheit im Ausschuß für einige Tage zurückzustellen und inzwischen in der Beratung des Warineelats forf- zufayren.

Gegenüber verschiedentlichen Angriffen gegen meine persönliche Stellungnahme zur sthobus-Ange- legcnhcik sehe ich mich zu folgender Erklärung ver­anlaßt:

Zu dem Attentat erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Der Täter, l

der jetzige Kaufmann zt in Lauenburg bei

Heinrich Langkoop, der jetzt in

Hannover wohnt, erschien heute morgen gegen 10

1. Ich mißbillige die Transaktionen des Kapitäns Lohmann auf das schärfste und muß der Kritik des Abg. Heinig in vielen Punkten durchaus recht geben.

2. Ich bin entschlossen, mit allen derartigen ille­galen Unternehmungen gründlich aufzuräumen.

3; Ich werde Vorsorge treffen, daß derartige Vorkommnisse sich nicht wiederholen können.

Was den Vorwurf anbetrifft, ich ließe mich ein- wickeln und hinters Licht führen, so wird die Zu- cunft das Unberechtigte dieser Vorwürfe erweisen. Allerdings verspreche ich mir nichts von starken Worten, sondern pflege zu handeln. Kritisieren Sie pâter diese Handlungen. Vis dahin darf ich aber wohl eine gewisse Zurückhaltung in vorschneller Kri­tik erwarten".

Zur Geschäftsordnung ersucht Abg. Müller- Franken (Soz.), die Angelegenheit entsprechend der

Uhr im Zimmer des Vizepräsidenten des Reichs­entschädigungsamtes, Dr. Bach. Er hatte einen Augenblick abgcpaßt, in dem das Vorzimmer leer war, um ohne Anmeldung unbemerkt einzutreten. Er forderte ohne weiteres die sofortige Auszah­lung einer Entschädigung in Höhe von 120 000 Mark, widrigenfalls er einen Koffer mit Spreng­pulver zur Explosion bringen werde. Damit stellte er einen Aluminium-Tropenkoffer auf den Schreib­tisch, aus dem zwei Zündschnüre heraushingen, die der Attentäter um die Finger der linken Hand ge­wickelt hatte. Vizepräsident. Dr. Dach versuchte, auf gütlichem Wege zu unterhandeln, da er hoffte, daß inzwischen einer der. Beamten das Zimmer betreten werde. Da aber zufällig niemand erschien, saßen sich der Präsident und Langkopp länger als drei Stunden gegenüber. Dr, Bach mußte sich schließlich dazu verstehen, Langkopp eine Zahlungs­anweisung über 12 000 Mark und einen Scheck über 90 000 Mark auszuschreiben. Langkopp rief darauf, ohne den gefährlichen Koffer aus der Hand zu lassen, einen Bekannten durch den Fernsprecher herbei, der ebenfalls unbemerkt eintrat und den Scheck in Empfang nahm. Er bemühte sich dann eine Stunde lang den Scheck von einer Bank ho­noriert zu bekommen, hatte aber keinen Erfolg, da der Scheck nicht ordnungsmäßig ausgeschrieben war. Als jetzt Präsident Dr. Bach erklärte, er wolle bei der Sasse des Amtes Geld holen und das Zimemr zu verlassen versuchte, gab Langkopp fünf Schüsse aus einem Revolver ab. Keiner der Schüsse hatte getroffen, da Langkopp anscheinend absichtlich nach der Decke gezielt hatte. Gleichzeitig hatte er den Koffer fallen lassen und es gab einen kurzen Knall. Die feucht gewordene Sprengladung war nicht zur Explosion gekommen. Auf die Schüsse hin liefen Beamte aus den anderen Zim­mern herbei, die Langkopp überwältigten und dem Ueberfallkommando Übergaben. Langkopp war 22 Lahre lang in Deutsch-Ostafrika, hatte zuletzt unter Lettow-Vorbeck gekämpft und bei dem Ver­lust der Kolonie sein ganzes Vermögen verloren.

Bei der Vernehmung auf der Polizei gab Ge­heimrat Bach an, Langkopp habe fortdauernd zu ihm gesagt:

neuen Sachlage, die durch die Erklärung des Ministers geschaffen worden ist, einige Tage zurück-

Wßèllen: ' '

Mit Befriedigung habe feine Fraktion Kenntnis von der Erklärung genommen, daß der Minister mit allen derartigen illegalen Unterneh-

mungen gründlich aufräumen wolle.

Abg. Stöcker (Komm.) nennt diese Erklärun- eine Verschleppung.

Abg. Dr. Haas (Dem.) widerspricht dem Vor­redner. Dem Wunsche eines Reichskanzlers, persön­lich mit den Parteien zu verhandeln, müsse ent­sprochen werden.

®£r Konflikt in der Phöbus-Angelegenheit, der am Donnerstag bedrohlich genug aussah, ist also gcj.ern, wenigstens vorläufig, zu einer befriedigen- öen Regelung gebracht worden. Die Klärung der Angelegenheit wird bestimmt erfolgen. In diesem oujammenhang muß nochmals darauf hingewiesen werden, daß in einem Teil der Presse schr stark die Heizung heroortritt, die Phöbus-Angelegenheit und sie damit zusammenhängenden Fälle der gegenwär-

Regierung auf das Konto zu fetzen. Bei vieler Pressekampagne handelt es sich selbstverständ- uy um eine Wahlagitation. Dabei ist allgemein be- rannt, daß diese Affäre der gegenwärtigen Re- ^ng 'n keiner Weise zur Last fällt Das gegen- wartige Kabinett hat lediglich die Aufgaben, diese Angelegenheit zu liquidieren. Selbstverständlich

leber vernünftige Politiker das Bestreben .daran mitzuarbeiten, daß eine Wiederholung

âfallsn, wie sie die Phöbus-Angelegenheit ' ^"vt gebracht hat, unmöglich gemacht wird.

Mufiefe «. Landtviviisbatt

Der Rrichsverband der Deutschen Industrie hat '^'ner setzten Präsidialsitzung die Nottage der ^an-wirtichast «mer Lmaeheadeu L«tprechm>K4

Wir beide verlassen das Zimmer nicht lebendig!" Als Bach einmal die Hand sinken ließ, habe Lang­kopp gerufen:Ich habe in meiner Hand die Zündschnur!" Als der Bekannte Langkopps dann mit dem nicht eingelösten Scheck zurückkam, hat Geheimrat Bach in seiner Not Langkopp ein Flug­blatt in die Hand gedrückt, daß Langkopp sich auch ansah, aber trotzdem gelang die Flucht des Ge­heimrats nicht, und er hat es nur einem Zufall zu verdanken, daß die Schüsse Langkopps fehlgingen. Langkopp. schoß hinter ihm her» bis ein anderer Beamter in den Weg trat, den Langkopp eben­falls erschießen wollte. Erst dann gelang es Ge- heimrat Bach, den Schützen von hinten zu um­fassen und zu Boden zu werfen.

am Beben liegend hat Langkopp geschossen. Wahrend der Schüsse hat Langkopp die Zünd­schnur abgezogen.

Der Sprengstoffattentäter Langkopp wurde noch am Abend eingehend von der Kriminalpolizei vernommen.' Er gibt zu, die Absicht gehabt zu haben, nach endgültiger Ablehnung des Entschâdi- gungsantrages ein Sprengstoffattentat zu verüben. Zu diesem ^weck habe er sich 15 Pfund Dynamti

besorgt. Ueber die Herkunft des Sprengstoffes ver­weigert Langkopp jede Auskunft. Fest steht jedoch, daß er bei seiner Ankunft in Berlin bereits im Besitz der Blechkiste mit dem Pulver gewesen ist.

Die Polizei hat sich daher noch gestern abend mit der Kriminalpolizei in Lauenstein in Han­nover, von wo Langkopp nach Berlin gekommen war, in Verbindung gesetzt und eine Durchsuchung der Wohnung Langkopps angeordnet.

Ueber die Persönlichkeit des Täters wird aus Lauenstein folgendes gemeldet: Langkopp ist mit seiner Frau und mit seiner jetzt 14jährigen Tochter im Sommer 1919, als er von den englischen Ve- härden mit zahllosen Leidensgenossen von Haus und Hof vertrieben worden war, in seine alte Heimat zurückgekehrt und wohnte zur Miete in einem Häuschen. Im Jahre 1920, nachdem Lang­kopp seine Entschädigungsansprüche in Berlin an­gemeldet und erstmalig eine kleine Absch'ags- zahlung erhalten hatte, schaffte er sich ein Pferd und Wagen an und betrieb in dem Ort und in der Umgegend ein Fuhrunternehmen, das jedoch nicht florierte, sodaß Langkopp schon nach einem Jahr das Geschäft wieder aufgab. Von da an lebte er hauptsächlich aus den Geldern, die er vom Reichs­entschädigungsamt als Vorschußzahlungen erhielt. Er war im ganzen Ort als ein geistig vollkommen klarer Mann bekannt, der sehr ruhig auftrat, der auch nur selten in den Gastwirtschaften zu finden war und im übrigen sich allgemeiner Achtung er­freute. Er war ein eifriger Jäger und fröhnte dieser Leidenschaft mehr als ihm gut gewesen ist. Vor einiger Zeit wurde ihm nämlich zu ungewöhn- lich ungünstigem Preise ein Bauerngut mit Jagd­berechtigung angeboten, daß 90 000 Mark kosten sollte. Langkopp hat geglaubt, durch einen Gewalt- streich sich die Mittel für die Gründung einer neuen Existenz schaffen zu können, die ihm auch die Möglichkeit gab, seiner Jagdpassion huldigen zu können. Am Mittwoch erklärte der Täter seiner Frau, er müsse nach Berlin, um dort eine end­gültige Verrechnung mit dem Reichsentschädigungs- amt vorzunehmen. Er hat jedoch nach der Schilde­rung seiner Angehörigen mit keinem Wort ange- deutet, daß er eine Gewalttat vorhabe. Die Ange­hörigen waren bei der Nachricht, daß L. verhaftet worden sei, vollkommen fassungslos.

Die SSUenmafchrne

Berlin, 2. März. Die Höllenmaschine, die bei dem bereits gemeldeten Arsschlage im Roichsent- schädigungsamt zur Verwendung gelangte, bestand nach Meldung einer Berliner Korrespondenz aus einem kleinen Handkoffer aus Blech, der außen einen Fiberbelag besitzt. Auf dem Boden des Kof­fers hatte Langkopp mit Schrauben und Draht einen Armeerevolver, Modell 08, befestigt und an dem Abzug des Revolvers einen Draht angebracht, der in einer dünnen Schnur endete, die aus dem Koffer heraushing. Die Mündung des Revolvers war auf die Ladung gerichtet, die aus 15 Paketen Schwarzpulver zu je ein Pfund bestand. Den Re- volver hat Langkopp durch Ziehen an der Schnur auch zur Detonation gebracht, jedoch hat sich die Hauptladung nicht entzündet, da sie etwas feucht geworden war. Langkopp wird schon ant Samstag dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Die Unter- suchung gegen ihn wird voraussichtlich wegen ver­suchten Mordes, Vergehens gegen das Sprengstoff- gesetz und Erpressung geführt werden.

unterzogen, als deren Ergebnis er, lt.Börfenzei- tung". die vom Landwirtschaftsrat in seiner Ent- schließung vom 23. Februar d. Js. und von der Reichsregierung in ihrem Notprogramm aufgestell- ten Vorschläge ausdrücklich billigt. Er hält sie für eine geeignete Grundlage und eine notwendige erste Arbeit, um mit einer wirksamen Hilfe für die Land- wirtschaft zu beginnen. Bei alledem müßten aber die Notwendigkeiten der deutschen Gesamtwirtschaft mehr denn je berücksichtigt werden. Deshalb sei die Verfolgung einseitiger wirtschaftspolitischer Ziele, wie z. B. eine grundlegende Aenderung tmferer Handelspolitik, die gleichbedeutend wäre mit einer Zurücksetzung deutscher Exportinteressen, unbedingt abzulehnen.

Sozialdemokratische Lutevvallatio«»

MV EvwevbSlofeufüvsovse

Die sozialdemokratische Fraktion im Reichstag hat eine Interpellation eingebracht, in der unter Hinweis auf die Gefahr, daß Hunderttausende von Arbeitslosen nach dem 31. März durch Ablauf der Anordnung über Einführung der Krssenunterstiitzung jegliches Anrecht auf Krisenunterstützung verlieren, gefordert wird, daß die Krisenunterstützung ohne zeitliche Abgrenzung sowohl den ausgesteuerten Arbeitslosen wie auch denen, die die Anwartschaft auf Arbeitslosenunterstützung nicht erfüllt haben, in der Höhe der Arbeitslosenunterstützung gewährt.

Die ÄSsâ.

Ende der vorigen Woche gab es zahl­reiche Pessimisten, die da glaubten, daß die Abgabe der Regierungserklärung beim Wieder- zusammentritt des Reichstages, also am Mon­tag, nicht möglich sein würde, da die Formu­lierung des Notprogramms große Schwierig­keiten machte. Diesen Pessimisten zum Trotz ist die Regierungserklärung pünktlich ab­gegeben worden, so daß der Reichstag nach Kenntnisnahme von dieser Erklärung in der Kleinarbeit der Etatsberatungen fortfahren konnte. Freilich eine Sensation brachte die Regierungserklärung nicht. Dies war auch garnicht gut möglich, denn das Kabinett befand sich in der unbequemen Lage, daß alles, was es sachlich zu sagen hate, bereits längst bekannt war. Es waren also keine Ueberraschungen, die die Regierungserklärung und das Not­programm brachten und die Kritik an den Einzelheiten dieser Notgeburt trat wohlvor- bereitet aus den Plan. Lediglich eine Beiner- kung des Vizekanzlers Hergt, daß das Kabinett keine geschäftsführende, sondern eine ordnungs­mäßige Regierung sei, die der Reichsoersassung entsprechend die volle politische Verantwortung für ihre Tätigkeit trage, führte zu einer unvor­hergesehenen Diskussion, die darin gipfelte, daß der Regierung dieses Recht von den verschie­densten Seiten streitig gemacht wurde und zwar nicht nur von der früheren Opposition, sondern auch aus den eigenen Reihen heraus. Beson­ders der Zentrumsabgeordnete v. Guèrard lehnte diese Auffassung des Kabinetts ab und stellte fest, daß die Zentrumsfraktion zwar an­erkennen müsse, daß die Regierung formal noch bestände, daß sie aber der Sache nach wohl nur deshalb noch existiere, weil man sich ganz be­stimmte Aufgaben vorgenommen habe, an denen auch die Parteien aus dem Lager der Opposition teilhaben. Darüber hinaus aber habe das Kabinett keine Daseinsberechtigung mehr. Zwar sprach es v. Guèrard nicht aus, aber zwischen den Sätzen konnte man heraus­lesen, daß er lieber heute als morgen mit der ganzen Geschichte Schluß machen möchte, auch unter Aufopferung des Notprogramms. Und da auch die Sozialdemokraten und Demokraten die Erklärung abgeben ließen, daß sie nach wie vor im Kampfe gegen die Regierung stünden und der letzteren das Leben nicht allzu bequem machen würden, so muß man schon sagen, daß die gegenwärtige Situation höchst ungünstig ist. Angesichts der Tatsache, daß die Augen der Parteien bereits stark auf den Wahlkampf ge­richtet sind, wird es recht schwer sein, die Vor­lagen des Notprogramms, die die Regierung durch ein Mantelgesetz so miteinander verknüpfen will, daß das Scheitern eines Gesetzes die Nicht­erledigung der anderen nach sich ziehen muß, unter Dach und Fach zu bringen. Ein gering­fügiger Zwischenfall kann das Notprogramm erschüttern. Was dann geschehen soll, weiß niemand, selbst das Kabinett ist sich hier noch nicht einig. Die Regierung hat sich zwar daraus festgelegt, daß die parlamentarische Erledigung des Notprogramms die Auflösung und Neu­wahlen in der zweiten Maihälfte ermöglichen solle, aber nicht darauf, daß beim Scheitern des Notprogramms ebenfalls aufgelöst werden soll. Ein Teil der Kabinettsmitglieder steht auf dem Standpunkt, daß im Falle des Scheiterns des Notprogramms ein erneuter Versuch zur Durchführung gemacht werden soll, während ein anderer Teil, vor allem das Zentrum, so« fort die Neuwahlen ausgeschrieben sehen möchte. Wir wollen nicht hoffen, daß eine Klärung dieser Frage notwendig wird, er­warten vielmehr sachliche Arbeit und um mit Westarp zu sprechen,rasche und erschöpfende Durchführung des Programms", damit das deutsche Volk im schönen Monat Mai zur Wahlurne schreiten kann.

Eine recht erfreuliche Nachricht ist aus Amerika zu uns herübergekommen, nämlich die, daß endlich die Auszahlung des beschlag­nahmten deutschen Besitzes, wenn auch vor- äufig nur 80 Prozent desselben, erfolgen soll. Das amerikanische Rückgabegesetz ist vom Senat

und dem Repräsentantenhaus angenommen worden und das Gesetz soll in den nächsten Tagen durch Coolidge verkündet werden. Es tat zwar einen langen Kampf gekostet, bis die Rückgabe des deutschen Eigentmus beschlossen worden ist. Trotzdem verdient anerkannt zu werden, daß die Vereinigten Staaten im Gegensatz zu den anderen Staaten, mit denen wir Krieg geführt haben, nunmehr doch gründ-

*i|öèM Merkanrrt haben, daß das Privabeiam-