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LsüNrskqg d^n 2. Ievr»M 1928

Ar. 28

Verhandlungen wegen einer Reichsbeihilse wird J demnächst nach Abschluß der Prüfungsarbeiten dos s Sparkommissars endgültige Entscheidung zu er­warten sein.

^iw BkSHKSStKèMOAnfa^ $m

Berlin, 1. Febr. Der H a u s h a l t s a u s s ch u ß des Reich tag es begann Hsure die Beratung des Haushaltes des Reichsverkehrsministeriums.

Es kam dann zu einer sehr aufgeregten Debatte, als Abg. Heilmann (Soz.) über Vorgänge beim Empfang des türkischen Verkehrsminiiters auf dem Tempelhofer Flughafen berichtete. Dort sei die schwarz-rot-goldene Flagge gehißt gewesen. Vom Reichsoerkehrsminister sei die Ersetzung dieser Flagge durch die schwarz-weiß-rote Han­delsflagge angeorbnet worden.

Reichsvcrkehrsminrster Dr. Koch bedauerte, daß der Abg. Heilmann sich zum Sprachrohr einer un- wahren Behauptung gemacht habe. Es fei ihm nicht eingefallen, die Reichsflagge Herunterzuholen.Ich habe angeordnet, daß neben der türkischen Flagge auch die schwarz-rot-goldene Reichsflagge und die Handelsflagge gehißt werden müsse. Ich weiß mo*l," so fuhr der Minister fort,welchen Eid ich geleistet habe und was ich ihm schuldig bin/

Abg. Keilmann erklärt, daß seine Darstellung von der Direktion der Flughafengesellschaft stamme. Er werde noch einnuri der Angelegenheit auf das genaueste nachgehen.

Reichsoerkchrsminisker Dr. Koch erklärt es für eine unverständliche Neuerung, daß gerade von den Vertretern Preußen» und der Stadt Berlin gegen das Zeigen der Handelsflagge neben der Reichs- flagge Widerstand geleistet werde. Der Zwischenfall wurde vorläufig für beendigt erklärt, bis der Abg. Heilmann weitere.Erklärungen abgeben will.

Abg. Erfing (Z.) fordert für die Oberrhein­häfen billigere ttmschlagsiarife.

Die WeiterberatU'Ng wird auf Donnerstag ver­tagt. *

MsmrrmtEen und Sorrawemo- kvaten über den vaterländischen

Vesviff

München, 1. Febr. Im Haushaltsausschuß des bayrischen Landtages beantragten die Kommunisten bei Beratung des Kultusetats die Streichung des ersten Zuschusses zur Förderung der vaterländischen Jugendpflege, wobei der Sprecher es unbegreiflich fand, daß die Sozialdemokratie der Forderung zu­stimme, obwohl sie vom Kaiser seinerzeit als vater- tandslose Gesellen bezeichnet worden seien. Von sozialdemokratischer Seite wurde hierauf erwidert, daß die Sozialdemokratische Partei eine staats- besahende Partei sei und den Begriff des Vater­landes keinesfalls verneine. Der kommunistische Antrag wurde darauf mit allen gegen die kommu- nistischen Stimmen abgelehnt.

Dev .Stibals dev Handwerks- Novelle

Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des vorläufi­gen Reichswirtschaftsrates beschäftigte sich in seiner Sitzung am 27. Januar mit dem vom Reichsminister der Justiz und dem Reichswirtschastminister zur Begutachtung vorgelegten Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung der Gewerbeordnung und des Han-1

- Artikel I und II der Novelle bringen eine Um­gestaltung des Wahlrechts zu den Innungen und Handwerkskammern. Für letztere wird statt der bis» her üblichen indirekten Wahl durch Innungen und gewerbliche Vertretungen das allgemeine» gleiche, direkte und geheime Wahlrecht eingeführt für alle Gewerbetrechenden, die selbständig ein Handwerk betreiben.

Artikel III bestimmt, daß die Handwerkskammer befugt sein soll, Sachverständige zur Erstattung von Gutachten über die Güte der von Handwerkern ge« lieferten und bewirkten Leistungen und über die Angemessenheit der von ihnen Dafür geforderten Preise öffentlich anzustellen und zu beeidigen.

Artikel IV bringt eine Aenderung des bisher üblichen Aufsichtsrechtes über die Handwerks­kammern. Der bisher bei den Handwerkskammern bestellte Staatskommiffar soll in Fortfall kommen und die Aufsichtsführung über die Kammern direkt durch die oberste Landesbehörde erfolgen.

Artikel V gibt lediglich redaktionelle Aende­rungen.

Artikel VI bringt Bestimmungen über den Auf­bau der Innungsverbände.

Artikel VII sieht die Einführung der sogenann­ten Handwerksrolle vor, in die alle diejenigen, die im Bezirk der Handwerkskammer ein selbständiges Handwerk ausüben, einzutragen sind. Er stellt auch ausdrücklich fest, daß die Form der juristischen Per­son für Handwerksbetriebe zulässig Ist.

Artikel VIII führt eine Ergänzung der Straf­bestimmungen ein, die mit der Anlegung der Hand­werksrolle zusammenhängt.

Artikel IX bringt eine Aenderung des Handels­gesetzbuches wodurch ein Handwerker, dessen Betrieb über den Umfang des Kleingewerbes hinausgeht, dem Dollkaufmann gleichgestellt werden soll.

Im allgemeinen wurde vom Ausschuß der Re­gierungsvorlage zugestimmt.

An wesenUichen Aenderungen sind folgende fest« zustellen:

Der Acllkel IX des Gesetzentwurfes wurde vom Wirtfchaftspolttischen Ausschuß abgelehnt mit der Begründung, daß für eine Abänderung des Han­delsgesetzbuches noch keine ausreichende Klärung der vorhandenen Streitfragen erfolgt sei.

Die Heranziehung der juristischen Personen wurde dahin eing -schränkt, daß die einschlägigen Bestimmungen des Entwurfes auf Aktiengesellschaf­ten und Kommanditgesellschaften auf Aktien keine . Anwendung finden sollen. Landwirtschaftliche Ge­nossenschaften, Bau- und Konsumgenossenschaften iollen ebenfalls dem Gesetze nicht unterworfen werden.

Der Wirtschaftspolitische Ausschuß hat ferner einem Antrag seines Arbeitsausschusses zugestimmt, der eine Klarstellung des bisher in der Rechts­sprechung stark umstrittenen Begriffes der gewerb­lichen Nebenbetriebe" bezweckt.

Das deutsche Gigeutum Su Ameetka

Annahme Des Frelgabegesehes im Finanzausschuß des Senats.

W a s h l n g l o n, 1. Febr. Der Finanzausschuß Des Senates Hal heule die Bestimmungen der Vor­lage über das ehemalige feindliche Eigentum, betref­fend die sofortige Rückgabe von 80 Prozent des beut- jcheu Eigentums und die Zahlung von 100 Ml- Boge» Dollar für die deutschen Schiffe, Patente und

GMLKiE GzstZSN ßM Feme aus-Outz

Ens nnevhdvte Gchtmskwoet-äanonade

Berlin, 2. Febr. Der Femeausschuß des Preußi­schen Landtages hielt am Mittwoch wieder eine Sitzung ab, uni Oberstleutnant a. D. Ahlemann, Leutnant a. D. Horst von Trettenborn und die Abgeordneten W u ! l e und Kube über den Fall Grütte-Lehder zu hören.

Zunächst wurde Oberstleutnant a. D. Ahle­mann gehört. Der Zeuge stellte fest, daß der Ausschuß reichlich spät die Pflicht zur Loyalität empfinde und fuhr dann fort: Der Ausschuß hat sich blamiert, und ein Mann, der in Ihrem Staate der höchsten Ehren teilhastig werden müßte, wird von ihm verfolgt. (Abg. Kuttner: Das ist uner- hört!) Zeuge Ahlemann: Ist das der Abgeord­nete Kuttner? Sie selbst (zum Abg. Kuttner) sind seinerzett des Mordes bezichtigt worden und wagen es, einen Mann des Mordes zu beschuldigen, der wie Oberleutnant Schulz für sein Vaterland mit seinem Leben eingetreten ist?

Dors. O p p e n h o f (Z.) Wahren sie den parla­mentarischen Ton!

Ahlemann: Ich habe keine Veranlassung mehr, hier den parlamentarischen Ton zu wahren.

Abg. Kuttner: Ich hatte angenommen, wir haben hier einen anständigen Mann zu vernehmen und nicht einen

unverschämten Lümmel.

Ahlemann (erregt): Sie sind ein unver­schämter Lümmel!

Abg. Riedel (Dem.): Sassen Sie sich auf Ihren Geisteszustand untersuchen, da können Sie mit Grütte-Lehder in dieselbe Zelle kommen.

Bors.: Ich forder Sie setzt auf, den Saal zu verlassen.

Hierauf verläßt Oberstleutnant a. D. Ahlemann den Saal.

Es wird dann der Oberleutnant a. D. von

Trettenborn als Zeuge vernommen, vor dem Grütte-Lehder seinen Moroplan an Severing ent­wickelt haben soll. Auf einen Vorhalt des Vorsitzen' den, sich zu diesen Angaben zu äußern, erklärt der Zeuge: Ich verweise auf meine Aussage vor dem Untersuchungsrichter. Es ist zuviel von einem Men­schen verlangt, der im wirtschaftlichen Leben steht, sich dauernd mit dem Schwein Grütte-Lehder zu beschäftigen. (Bewegung und Zurufe.) Ich habe Anfang an als Idioten be-

Grütte-Lehder von handelt. Ich bin ein

besserer Menschenkenner als die Herren hier im Ausschuß.

IWHHII UstaBQ«

Die et GottSard-Aküee

Dev Bchvitt des Aeineu Entente beim DdiSevbnnd

ns, 1. Webt. Im Saure des heutigen Nach- ralfefretür des Völkerbundes überreichten

haben diebeim Völkerbund akkreditierten Vertreter der Tschechoslowakei, Jugoslawiens und Rumäniens dem Generalsekretär des Völkerbundes Noten in der Waffentransportaffäre von Szent, Gotthard überreicht, die nicht gleichlautend sind, sich aber inhaltlich decken

In der Note der jugoslawischen Regierung wird unter Hinweis auf die Beschlüsse des Völkerbunds- rates vom 11. Dezember 1926 und 27. September 1927 über die Regelung des Investigationsverfah­rens des Völkerbundes zunächst auf eine beiliegende Denkschrift verwiesen, die eine eingehende Darstel­luna des Zwischenfalles von Szent Gotthard vom 1. Januar 1928 enthält. Diese Denkschrift wird je­doch zurzeit noch nicht bekannt gegeben.

In den Noten stellen die Regierungen der Kleinen Entente ben Antrag, die ungarische Waffentrans­portaffäre auf die Tagesordnung der am 5. März beginnenden Tagung des Völ­kerbundsrates zu stellen. Die drei Noten weisen übereinstimmend auf den Investigationsplan des Völkerbundes hin, wie er in den Beschlüssen der Ratstagung vom Dezember 1924 und 1926 festgelegt ist. Ferner heben sie das Kontrollrecht her­vor, das nach der Aufhebung der interalliierten Kontrollkommission in Ungarn nunmehr auf Grund des Art. 143 des Vertrages von Trianon der Völ­kerbundsrat in bezug auf die militärische Entwaff­nung Ungarns auszuüben hat.

Gemäß dem Antrag der Kleinen Entente wird somit der Völkerbundsrat im März über die Er­öffnung des Investigationsverfahrens zu entscheiden haben. Der Beschluß hierüber erfolgt nach den gleichlautenden Bestimmungen aller Friedensver- träge durch einfache Stimmenmehrheit des Dölkerbundsrates. Die Untersuchung selbst wird im Fall eines Beschlusses durch die Jnvestigations» kommission für Ungarn durchgeführt werden. deren Vorsitzender der englische General C l i f e ist. Die Bildung der Jnvestigationskommission erfolgt durch den Dölkerbundsrat auf Grund von Vorschlägen der ständigen Militärkommission beim Völker­bund. In der Jnvestigationskommission sind die Ver­treter der benachbarten Staaten vertreten. Das von der Investigation betroffene Land ist jedoch weder bei der Abstimmung im Dölkerbundsrat vertreten, noch hat es das Recht, an der Investigation selbst in irgendeiner Weise teilzunehmen.

Genf, 1. Febr. In der heute nachmittag vom ständigen Vertreter Südslawiens dem Gene-

Radioanlagen, die während des Krieges beschlag, nahmt wurden, angenommen.

Die amevtkanrrche Pvesse bei v. VvtttwiN

DO

Dâington, 1. Febr. Der deutsche Botschafter n Prittwitz und Gaffron empfing heute die amerikanische Presse. Er betonte in einer kurzen

Ansprache, daß Deutschlands Politik gegenüber den Vereinigten Staaten in die zwei WorteFriede und Freundschaft" zusommengefaßt werden könne. Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern seien glücklicherweise in jeder Hinsicht zufriedenstellend. Er wies ferner darauf hin, daß Deutschland sich in mancher Hinsicht, so insbesondere, hinsichtlich der Industriemethoden die Vereinigten Staa­ten zum Vorbild genommen habe.

Als ihn einer der Besucher über feine Ansichten hinsichtlich der Revarationsfrage, fragte, erwiderte

und Grütte-Lehder hat ja auch seine Beschuldigun­gen zurückgenonunen. Auch auf Vorhalte des Abg. Körner (Völk.) bleibt der Zeuge dabei, daß ihm Grütte-Lehder nicht einen Mordplan enthüllt habe.

Da an den Zeugen, der auch einen überaus er­regten Eiirdruck macht, weitere Fragen nicht ge­stellt werden, erklärt der Vorsitzende seine Ver­nehmung für beendet. Herr von Trettenborn nimmt trotzdem nochmals das Wort und führt aus: Ich möchte noch Verwahrung einlegen, daß ich zwei Jahre beschuldigt, aber bisher nicht vernommen worden bin.

Dorf, (unterbrechend): Ihre Vernehmung ist beendet.

Zeuge: Dann möchte ich nur noch ersuchen, daß in Ihrem Ausschußbeschluß zum Ausdruck ge­bracht wird, daß ich nichts mit Fememördern zu tun gehabt habe. Denn ich komme dabei nicht mit 500 Mark Geldstrafe weg, wie vielleicht

ein unser Immunität stehender Abgeordneter (Große Erregung im Ausschuß und im Zuhörer­raum).

Dors. Jetzt bitte ich Sie aber schleunigst, den Saal zu verlassen.

Zeuge: Ich gehe ja schon! Gott sei Dank!

Es entwickelte sich dann eine lebhafte Geschäfts' ordnungsdebatte, in der Abg. Kuttner (Soz.) beantragt, die Beweisaufnahme zu schließen, da die noch zu vernehmenden Herren Kube und Wulle von demselben Kaliber seien wie die bisher gehör­ten Zeugen. Wenn die Herren durchaus das Be­dürfnis hätten, ihre miserable Kinderstube zu zei­gen, so sollten sie das wo anders tun als vor einem parlamentaristischen Ausschuß.

Abg. Koerner (Völk.) legt gegen den Antrag Verwahrung ein und meint, Herr Wulle würde nicht auf diesen Ton eingehen.

Abg. Eichhoff (D. Vp.) beantragt, die Be­weisaufnahme unter Ausschluß der Oeffentlichkeit fortzuletzcn.

Schließlich fitfbet der Antrag Kuttner (Soz.) mit sechs gegen fünf Stimmen der Deutschnationalen, Völkischen, Deutschen Dolkspartei und des Zen- trums Annahme, momit die Beweisaufnahme ge- schloffen ist.

Der Ausschuß vertagte sich auf unbestimmte Zeit.

heW es u. a.:Die südslawische Regierung er­achtet es im allgemeinen Interesse liegend, daß über diesen Zwischenfall volle Klarheit geschaffen wird, da er geeignet ist, das öffentliche Vertrauen in den tatsächlichen Wert der internationalen Verträge ernstlich zu erschüttern. Sie erachtet es als ihre Pflicht, die Aufmerksamkeit des Dölkerbundsrates auf die Folgen zu lenken, welche daraus entstehen könnten. Deshalb appelliert sie an die Rechte und Pflichten des Rates, unter den gegebenen Umstän­den zu intervenieren, um ernstliche Ereignisse zu verhindern, und sie ersucht ihn, die aus seinen Rech- tenund Pflichten entspringenden Maßnahmen zu ergreifen."

Girre MMMMOZ Oâgs- fanfave

Mttsrolr«; an die rtalrenNGe

Rom, 2. Febr. Agenzia Stefani. Anläßlich des fünften Jahrestages der' Gründung der freiwilligen Miliz empfing heute früh Mussolini die Generale und höheren Offiziere der Miliz zum großen Rap­port und hielt habet eine Rede, in der er u. a. aus­führte: Ein kurzer Rückblick auf die fünf ver­gangenen Jahre genügt, um zu beweisen, daß die Miliz eine große Wehrmacht des faschistischen Staates geworden ist. Nachdem wir unsere Feinde ausgeschaltet und den Antifaschismus erdrückt haben, sind logischerweise die politischen Aufgaben der Miliz ihren rein militärischen gewichen. Sie wurde mit der Küsten- und Luftverteidigung der Nation betraut und erhielt die wichtige Aufgabe der Vorbereitung für Heer und Marine, sodaß sie zuerst das ganze Rekrutenaufgebot aüfnimmt, um es dann der Armee weiterzugeben. Die Kommandos der Legionen sollen sich mit aller Energie der militärischen Ausbildung des italienischen Volkes widmen. Es ist aber nicht alles, denn die Miliz wird nur in Kriegszeiten ver­wendet werden und zwar werden ihre Legionen von den mobilisierten großen Einheiten der Armee ein- gerahmt. Wir fühlen und wir wissen, daß viele in der Welt uns hassen, zuerst als Italiener und dann als Faschisten. Deshalb muß die Miliz bereit sein, Italien und den Faschismus zu verteidigen. Musso­lini verlas dann eine Kundgebung an den König und entließ die anwesenden Offiziere mit flammen­den Worten.

v. PrIttw! tz, daß Parker Gilbert über diese Angelegenheit äußerst interessante Ausführungen gemacht habe. Er empfehle dem Fragesteller, das Memorandum des Reparationsagen, ten zu lesen.

Das erste Zusammentreffen des neuen Botschaf­ters mit den Vertretern der öffentlichen Meinung in Amerika verlief außerordentlich 't -manisch und alle hatten den Eindruck, daß v. P > üß mit Er­folg in die Fußtapfen seines SBor^-mgers von Moltzan im Verkehr mit der Presse treten wird.

AuS «Aev WM.

Mord oder fahrlässige Tötung?

Mainz. 1. Febr. Am Nachmittag des 9. Dezem­ber D. I., kurz vor 3 Uhr, wurde in der Wirtschaft rum Niederwald auf der RbeinltraKe 101 die 2Aäh-

rtge Arbeiterin Margarete Bauhardt im Wirtslokal ihres zukünftigen Schwiegervaters mit einem Schuß im Kopf tot aufaefunden, während ihr Liebhaber, der als Täter in Betracht kommende 23jährige Gießer Willi Vollert flüchtig war. Nach Lage der Sache wurde von der Mordkommission eine mit Ueberlegung ausgeführte Mordtat angenommen. Der Täter stellte sich abends gegen elf Uhr, nachdem er mit feinem Bruder und einem Freund lange bera­ten hatte, freiwillig der Polizei. Er behauptete, daß er mit feiner Braut am Abend einen Spaziergang nach 5>echtsheim zu Verwandten beabsichtigt habe und zum Schutze eine kurz vorher in Frankfurt an Main gekaufte 6,35 Milltmeter-Tafchenrepetierviftole mitnehmen wollte. Beim Laden der Pistole sei ein Schuß losgegangen, der feine Braut, mit der er am darauffolgenden Montag das standesamtliche Auf gebot habe bestellen wollen, in den Kopf getroffen habe. In feiner Verzweiflung sei er fortgelaufen. Obwohl schon bei der Voruntersuchung sestgestellt werden konnte, daß Vollert seine Braut öfters Erschießen bedroht und mißhandelt hatte, konnte eia sicherer Beweis für eine Absicht des Vollert nicht er, bracht werden, so daß die Staatsanwaltschaft die An- klage nur wegen fahrlässiger Tötung erheben konnte, Auch die heutige, nur zweistündige Verhandlung not dem Bezirksschöffengel ht erbrachte . keinen festen Beweis für einen Mord. Der Angeklagte mürbe wegen fahrlässiger Tötung zu 1^ Jahren Gefängnis verurteilt und nahm die Strafe sofort an.

150 000 Mark unterschlagen.

Krefeld, 1. Febr. Der Prokurist Ernst Köhn( hat zum Schaden einer hiesigen bedeutenden Firma der Textilbranche Unterschlagungen in größerem Umfange begangen. Nach den bisherigen Ermitte­lungen beläuft sich die bisherige Summe auf 150 000 Mark. Die geschädigte Firma hat von Ver, wandten des Köhne Sicherheiten erhalten, doch steht noch nicht fest, ob bamit die UrtterschlaguyW gedeckt werden.

Tragische Folgen einer Unsitte.

Nach einer Dlättermeldunn aus Saarbrücken wurde die Familie des Chaufseurs Friedrich Hast mann in Walsheim von einem schweren Ungiücf be­troffen. Die Frau benutzte Petroleum zum Feuer, anmachen. Die Flamme schlug plötzlich aus beffl Ofen zurück und setzte die Kleider der Frau in Brand. Auf die Hilferufe der lichterloh brennenbèn Frau eilte der Mann herbei und versuchte bit Flammen zu ersticken. Leider kam feine Hilfe zu spät. Nach der Einlieferung ins Krankenhaus starb die Frau. Der Mann selbst erlitt bei feinen Rettungsversuch lebensgefährliche Brandwunden.

Letzte LerssramMs.

EnsMche Ettmwen ruv Gtvese mannseve

London. 2. Febr.Daily Mall" schreibt io einem Leitartikel: Wenn auch die französische öffentliche Meinung Dr. Stresemanns erneute For- derung nach sofortiger Räumung des Rheinland« übel nimmt, so gibt es doch keine wirklichen Ein­wendungen gegen die von ihm vorgk mente. Wir glauben nicht, daß die gieruu ' '

achten Argu-' britische T â

und englischen

einer französis

unter den gegenwärtigen RmstSnl zu rechkserligeu. Wenn die Unterzeichner des carnovertrages die Absicht hatten, ihre Verpsli tungea einzuhalten, dann ist die Fortdauer der sehung eine Beleidigung für den gefunden Mensch verstand und das Gerechtigkeitsgefühl, ferner ein Beleidigung des deutschen Volkes und eine dauern!« Gefahr für den Frieden. Es kann kaum bezweifel werden, daß die brlkifche Regierung die britische Truppen bereits morgen mit Freuden znrüziehc! würde. Die französische Regierung hat immer wi­der ihren Wunsch nach wahrem Frieda mit Deutschland verkündet, aber, sie will niemals den sriedllcheo Geist in der deutsche Nation hervorbringen, wenn sie eine starke militä­rische Streitmacht nicht nur an der Grenze, sonders aus deutschem Eigentum ansiedeU und den Eindrui entstehen läßt, daß dies bis zum jüngsten Zage it weilergehen soll. ,

Auch der diplomatische Sorrespondenk bei Daily Telegraph" schreibt, nach britischer Ansiff habe Locarno die im Versailler Vertrag gefordert Garantien gegen einen nicht herausgesorderteu A griff durch Deutschland gegeben. Frankeich ^ auch zurzeit des Abschlusses des LocarnopakA Großbritannien nicht zu verstehen gegeben, daß es die Bestimmungen des Paktes als unzulänglich be­trachte.

Aehnlich äußert sich auch bi eWestminster Gazette.

Leon Blum übev die srhâSattd- väumung

Paris, 2. Febr. Der sozialistische Abgeordvs Leon Blum veröffentlicht heute über die Frage der Rheinlandräumung einen Artikel von auM ordentlicher Bedeutung. Er geht von dem Gcdam>> aus, daß er es stets abgelehnl habe, die RäumuA des Rheinlandes als einen Wechsel gegen bim oder jenen finanziellen Vorteil zu betrachten, w militärische Besetzung sei stets als eine Sicherheit garanlie angesehen worden, aber seit Cocarno die Rheinlandfrage zum Gegenstand der Verha»^ hingen und Verständigung geworden. Was SM mann also verlange, sei, daß man diese Berfta^1 gung suche und daß man ohne Zögern hierum wieder verhandle. Aus die Stellungnahme der zialdemokraten in der bekannten Resolution u/ November 1926, die in Luxemburg angenonE wurde, eingehend, erklärt Blum, diese Resolut»^ sehe nicht das Ziel fest, während unter der Autor W des Völkerbundes die Sonderkontrolle für DeuM land funktionieren soll. Aber es verstehe sich selbst, daß sie nicht über den Zeitpunkt hinausgeye» könne, den der Versailler Vertrag selbst für die W mung festgesetzt habe. Ueber 1935 hin^ also könne Frankräch nur ein rein kontra^ llches und legales Regime ins Auge M auf der Grundlage der (gegenseitig^

auf einer allgemeinen Vereinbarung, die ^ gleiche Rechte und gleiche Pflichten auferW, Veits erklärt, sich aus d.esen Boden stellen zu t^ len. Sollte Briand sich dieser Worte nicht befliß tlgen? Er wisse besser als jeder andere, daß / Räumung der natürliche Abschluß der von Herst eingeleilèten und von ihm selbst befolgten Po>^ sei. Der Gedanke der internationalen konlw^ weist Briand ein Mittel, vielleicht das beste das einzige, die Schwlerigketteu des Augenlüicks ' lösen.

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