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Mittwoch den L Februar 1928

AuS Msv Wett.

ÄaGwrsl zum Limbouvs-Vvoretz

Köln, 31. Jan. DieKöln. Ztg." meldet: Un­mittelbar nachdem Peter Limbourg seine für ihn verhängnisvollen Aussagen gemacht hatte, beobachtete der überwachende Kr»minalkommissar der politischen

Ableilung, wie Dr. Joseph Limbourg seinem Bruder in aller Heimlichkeit zwei dicke Pakete Bank- äoten zusteckte. Es waren am ganzen 20000 : a r f Diese außerordentlich verdächtige Taffadie veranlaßte den sofort unterrichteten Leiter der poli­tischen Polizei, entsprechende Maßnahmen zu tref­fen, und die Ausgangstüren des Saales so zu be­setzen, daß Peter Limbourg nicht mehr aus dem Saal hinauskonnte. Der PoNzeikommisfar veran­laßte nun die Zurück ' T."

Limbourg, der es wütend in seine Aktentasche steckte. Maßgebend für die Einlieferung des Peter Lim­bourg in das Gefängnis war ledlgsich feine offenbare Fluchtabsicht. Verdunkelungsgefahr bestand nicht, da za der Tatbestand vor aller Oeffentlichkeit klargelegl war. Die Inhaftnahme rechtfertigt sich auch umso­mehr, als Peker Limbourg unverheiratet ist: viel Vermögen hat und große Besitzungen in Luxem­burg fein eigen nennt. Vorgestern hat nun Dr. Jo­seph Limbourg 100 000 Mark als Sicherheitsleistung für die vorläufige Freilassung seines Bruders ange­boren. Die maßgebenden Behörden haben es aber

Leute, die durch das Versprechen einer Verzinsung von monattich 3 Prozent Gelder hergegeben haben.

Die Breslauer Filiale hatte bereits vor einiger Zeit die Aufmerksamkeit der Kriminalpolizei wegen Unterschlagungen des damaligen Filialleiters auf sich gelenkt. Dieser machte außerordentlich be­lastende Angaben über die Geschäftsgebaruna in Berlin. Die Breslauer Filiale wurde noch nicht ge­schlossen, jedoch wurden auf Ersuchen der Berliner Kriminalpolizei sämtliche Bücher und Korrespon­denzen beschlagnahmt.

^atr'urg, 31. Jan. Im Hufamenhang mit der Angelegenheit des Allgemeinen Lombard- unb Lagerhauses Bergmann in Berlin geht uns vom Polizeipräsidenten in Altona folgende Erklärung

abgelehnk, Peter Limbourg freizulassen, weil gar kein Zweifel besteht, daß er ungeachtet einer hinter­legten Sicherheit sofort ins Ausland flüchten würde, wo man feiner nicht mehr habhaft werden kann, weil er jenseits der deutschen Grenze im Westen unter der Behauptung, es liege nur ein politis-ches verbrechen vor, bestimmt nicht ausgesiefert werden würde.

Sie LombavdhausaffSve

Berlin, 31. Jan. Der Berliner Millionenskandal des allgemeinen Lombard- und Lagerhauses zieht au^ nach Breslau und Provinz Schlesien seine Streife. Wie dieBreslauer Neuesten Nachrichten" melden, sind 300 000 Mark durch 6ie schlesische Filiale bei dem Berliner Haupthaus investiert wor­den. Unter den Gläubigern befinden sich viele kleine

zu: Es ist richtig, daß ich vor meiner kommiffari- äniönS 'eben Beauftragung als Polizeipräsident im Jahre 1926 beim SombaX und Lagerhaus ein Guthaben von 3UÜ uüu Mark hatte. Dom Tage meines Amts­antrittes an habe ich jedoch dieses Guthaben an eine nahe Verwandte abgetreten. Ich habe in etwa 10 Fällen Auskunft erteilt, die sich streng an den Tatsachen und an die tatsächlichen Erfahrungen hielt. Ich habe nie zu Vertrauen geraten und nie die Firnw in meinen Auskünften empfohlen. Im Herbst 1927 habe ich mich beim Lombard- und Lagerhaus brieflich beschwert, daß ich von einem Hamburger Vertreter wiederholt als Auskunfts­person genannt worden bin. Darauf hat mir die Firma geschrieben, daß hier ein unerhörter Miß­brauch meines Namens geschehen sei und daß der Hamburger Vertreter Weisung erhalten habe, nie wieder meinen Namen zu nennen. Den Hamburger Vertreter kenne ich nicht, und mit Bergmann, dem Inhaber des Lombard- und Lagerhauses, habe ich nie gesellschaftlich verkehrt.

Staalsauwalkfchafisrak Jacoby vom Amt suspendiert.

Berlin. 31. Jan. Wie der Amtl. Preuß. Preffe- dienst mât. ist dem Staatsan^oalifchaftsrat Dr. Walter Jacoby gestern von der Staatsanwaltschaft des Landgerichts I die Ausübung der Amtsverrich­tung vorläufig untersagt worden, da er im Verdacht steche, in die Lombardchaus-Angelegenheit Bergmann verwickelt zu sein. Heute hat das Justizministerium die förmliche Suspendierung vom Amte verfügt.

16 Mte Zuchthaus füv Schverk beantvast

Leipzig, 31. Jan. Im Spionage- und Hochver- ratsprozeß gegen Schreck und Genoffen beantragt« der Rcichsanwalt gegen Schreck 10 Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrenrechtsverlust, gegen Koch zwei Jahre Zuchthaus und fünf Jahre Ehrenrechlsverlust und gegen Schulz sechs Monate Gefängnis wegen fahrlässigen Falscheides. Das Strafmaß begründete der Reichsanwalt mit der außerordentlichen Gefähr­lichkeit der Fälschungen Schrecks, die bei der Auf­nahme Deutschlands in den Völkerbund eine außer­ordentliche Rolle gespielt hätten. Bei Koch wurde versuchter Landesverrat angenommen, da er zwei Denkschriften, die er für echt hielt, Schreck entwendet und dem französischen Nachrichtendienst in Mainz ausgeliefert hatte. Schulz hatte wider besseres Wissen beeidet, daß er den Aufenthaltsort seines Freundes Koch, der polizeilich gesucht wurde, nicht kenne.

Luv Oefvr«vilerMernk«bv

Berlin, 31. Jan. Zu einem Artikel über das zoll­freie Kontingent der Gefrierfleischeinfuhr, der sich gegen das Reichsernährungsministerium richlele, wird mitgeteilt: Der Enqueteausschuß hat die Frage des Mißbrauches der Vergünstigungen einer ein­gehende Kontrolle unterzogen, wobei sich eine Reihe von Mißständen herausgestellt hat. Infolgedessen wurde gegen eine Reihe von Firmen, die sich unge­rechtfertigte Vorteile verschafft hatten, der Ausschluß von den Vergünstigungen ausgesprochen. In Jahre 1925 wurde das Kontingent festgesetzt entsprechend der bisherigen Einfuhr, d. h. auf 102 000 Ton» en; der Ernährungsminister erhöhte 1926 das Kon­tingent durch Verordnung auf 120 000. Aufgrund der letzten Viehzählung wurde festgestellt, daß die Diehpreife durch die große Einfuhr zu niedrig gehal­ten würden, und der Minister zog daher feine Ver­ordnung zurück, so daß jetzt wieder das Kontingent 102 000 Tonnen beträgt.

Kewvovks svStzie GvbiEa^t 1GS LttMronen Dollars

Die größte Erbschaft, die die New porter Steuerbehörden bisher zu verzeichnen hatten, bildet der Nachlaß von Frau Anna Harkneß, der Witwe

Nr. 27

des verstorbenen Stephan Harkneß in New Bork. Der Gesamtbetrag der Erbschaft erreicht die Riesen, summe von 107 Millionen Dollars, von denen dem Steuerfiskus als Erbschaftssteuer 18 Millionen Dollars zufließen. Zur Zeit des vor mehreren Jahren erfolgten Todes des Galten der jetzt ver. storbenen Frau Harkneß wurde der Wert des Be­sitzes auf 50 Millionen Dollars geschätzt. Die enorme Steigerung der Vermögenswerte ist auf das An. wachsen des Wertes der Vesitztitel, aus denen sich das Vermögen zusammensetzt, und zu denen eint halbe Million Aktien derStandard Oil dompant)* gehören, zurückzuführen. Der Sohn der verstör, denen Witwe, der zum Testamentsvollstrecker be­stellt wurde, erbt für seinen Teil die runde Summe von 90 Millionen Dollars. Der verstorbene Harkneß war der Sozius des alten Rockefeller bei der Gründung derStandard Oil Company". Zu ihren Lebzeiten hatte Frau Harkneß fehr große Beträge für erzieherische und philantropische Zwecke ge­stiftet So gab sie erst im letzten Jahr eine Million Dollars für den New Porter Zoologischen Garten und 800 000 Dollars für die Errichtung einer Volks, bibliothek. Bei der Gelegenheit sei daraus ver­wiesen, daß das Gerücht von dem Tode des alten Rockefeller, das dieser Tage an der New Borke: Börse umging, von dem Sekretär des Petroleum, königs mit dèm überzeugenden Hinweis dementiert wurde, daß sich der Totgesagte an dem Tage seines angeblichen Ablebens guter Dinge an dem gewohn­ten Golfspiel beteiligt habe.

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