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Dienstag den 31. Januar 1928
Mr,
* Einkommensteuer und Lebensversicherung. Vom 1. Januar 1928 ab beträgt der abzugsfähige Prümienvetrag für Lebensversicherungen usw. 600 Mark (statt bisher 400 Mark) und für jedes weitere Familienmitglied 200 Mark (statt bisher 100 Mk.)-
* kommt das Kleinpaket? Wie man hört, beabsichtigt die Deutsche Reichspost, auf die verschiedenen Anregungen aus Handelskammerkreisen hin, die Wiedereinführung des Kleinpaketes. Es ist geplant, ein Kleinpaket einzuführen, dessen Gewicht 2 Kilogramm nicht überschreiten darf und für das auf alle Entfernungen eine Gebühr von 40 Pfg- erhoben werden soll. Das 1-Kilogramm-Päckchcn soll zwar beibehalten, der Preis dafür jedoch von 40 auf 60 Pfg. erhöht werden. Außerdem soll das Höchstgwicht für alle Briefpostsendunoen auf 500 Gramm festgesetzt werden. Die Industrie- und Handelskammer Berlin, der der Vorschlag der Post vorgelegt wurde, bezeichnet eine Heraufsetzung der Gewichtsgrenze für das Kleinpaket auf 3 Kilogramm — mindestens jedoch 2,5 Kilogramm — für dringend erforderlich. Auch die Abmessungen für das Kleinpaket (40:25:15) sind nach Ansicht der Handelskammer zu sehr beengt. Weiter wird betont, daß die geplante Gebührenerhöhung für das Päckchen eine außerordentliche Belastung besonders für den Buchhandel bedeutet. Auch gegen die Beschränkung des Gewichtes der Brieffendun- gen — also auch Drucksachen — auf 500 Gramm beständen Bedenken. Mit den Vorschlägen der Reichspost befaßte sich auch der Postausschuß des Industrie- und Handelstages, der zu ähnlichen Beschlüßen wie die Handelskammer Berlin kam.
* Verletzung des Briefgeheimnisses. Vielfache Anzeigen wegen Verletzung des Briefgeheimn'ises haben ihre Begründung darin, daß der Täter sich über die Rechtslage nicht klar war und rechtmäßig zu handeln glaubt. Als Verletzung des Briefgeheimnisses wird bestraft, wer einen verschlossenen Brief oder eine andere verschlossene Urkunde, die nicht zu feiner Kenntnisnahme bestimmt ist, ' vorsätzlich und unbefugterweise öffnet. Entgegen in Publikums- kreisen vielfach verbreiteter Ansicht kommt es nicht darauf an, ob der den Brief Oeffnende von dem Inhalt des Schreibens Kenntnis nimmt, also den Brief liest. Zu seiner Strafbarkeit genügt es, das er nur den Verschluß des Briefes verletzt. Ein solcher Verschluß muß allerdings vorhanden sein, dazu gehört Verklebung, Versiegelung u. ä. Nicht dagegen verschlossen sind Briefe, Zeitungen u. ä., die in losen Briefumschlag oder lose umgelegten Streifbändern verschickt werden. Wer von ihnen Kenntnis nimmt, verlegt das Briefgeheimnis nicht. Briefe oder Akten, die mit Bindfaden zugeschnürt sind, gelten nicht als verschlossen, wenn nur jeder Dritte diesen Bindfaden unbemerkt ablösen und in gleicher Weise wieder um das Paket herumlegen kann. Entgegen der früher vertretenen Ansicht darf der Ehemann nicht die an seine Ehefrau und die Ehefrau nicht die an ihren Mann gerichteten Briefe öffnen, wohl aber haben ein solches Eröff- nungsrecht Eltern, Pflegeeltern oder Vormünder. ‘ Dienstvorgesetzten wird man ein Eröffnungsrscht kraft ihrer Dienstpflicht zusprechen müssen, wenn aus dem Umschlag oder sonstigen Merkmalen eines an die persönliche Adresse eines chrer Untergebenen gerichteten Briefes hervorgeht, daß es sich um eine dienstliche Angelegenheit handelt. Unbefugt öffnet jeder einen Brirll , der nichi als Empfänger auf demiâen'Michnttt roorben ” aber Wen nie nicht aus besonderem Recht oder besonderer Pflicht abgelestet werden kann.
* 3000 Mark Belohnung, Mord. Der wegen Mordes und anderer schwerer Verbrechen gesuchte Arbeiter Johann Hein, geb. 9. August 02 zu Düsseldorf-Gerresheim, hat am 30. Januar bei einem Festnahmeversuch in Plauen einen Kriminalkommissar erschoßen und einen Gendarmeriehauptmann schwer verletzt. (Siehe auch Meldung unter „Aus aller Welt"). Auf die Ergreifung ist eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt. Auf die an den Bahnhöfen, im Landgerichts- und Polizeigebäude ausgehängten Plakat« mit Lichtbild und Beschreibung des Täters wird ganz besonders hingewiesen.
* Wer ist geschädigt? Bei einem auswärts festgenommenen Einbrecher wurde ein Block Quittungen gefunden, welcher den Firmenstempet „Peter Walk, Inh. Jean Busch Hanau a. M." trägt. Der Käufer ist nicht bekannt. Es wird vermutet daß der Block gestohlen ist, ohne daß Anzeige gemacht wurde. Geschädigte wollen sich auf Zimmer 193 der Kriminalpolizei, Infanterie-Kaserne melden.
* Obst erlöse im Jahre 1927. Den Gemeindekasien des Regierungsbezirkes Kassel floßen durch den Verkauf des im Jahre 1927 geernteten Obstes insgesamt 498 479.70 Mark zu (gegen 430 539.78 Mark im Jahre 1926), Es entfallen auf den Kreis Hanau- Land 14 366.14 Mk. (6696.05 Mk. im Jahre 1926), Gelnhausen 16 643.10 Mark (7153.26 Mk.), Schlüch- tern 8039.95 Mark (5062,80 Mark). Den höchsten Betrag hat der Kreis Hofgeismar mit 53 250.05 Mk. Es folgen dann die Kreise Eschwege mit 47 072.55 Mark, Frißlar mit 45 045 Mark, Kassel-Land mit 39 477.82 Mark. Die geringsten Obstcrlöse haben die Kreise Gersfeld mit 1036.90 Mark, Fulda mit 2268 25 Mark und Hünfeld mit 3739.95 Mark.
* Kath. Wanner-Verein Kesselstadt. Ein imposantes Fest konnte am Sonntag, der kath. Männerverein Kesselstadt begehen, der an diesem Tage in das 10 Jahr seines Bestehens eintrat und damit das Fest seiner Fahnenweihe verband. Zum Festgottesdienst fanden sich die Brudervcreinc von Hayau, Großauheim, Großkrotzenburg und Steinheim ein. Es war ein glänzendes Bild, als die 14 Vereine mit ihren Fahnen in das festlich geschmückte Gotteshaus einzogen, als letzter der Verein von Kesselstadt, begleitet von seinem Paten-Verein, dem kath. Männer-Verein von Hanau. Der Kirchenchor brachte während des Gottesdienstes die „Deutsche Messe" von Schubert zu Gehör. Nach dem erhebend verlaufenen gottesdienstlichen Feier stellte sich auf der Kastanien-Allee der Festzug auf, zu dem sich die Vereine von Kesselstadt eingefündcn hatten, und begünstigt von herrlichem Sonnenschein ging der Zug mit 25 Fahnen durch die Straßen zum Gasthaus „Zum Schwanen". Hier vollzog sich in würdigem Rahmen die akademische Feier. Herr Pastor Cirè würdigte in seiner Festrede die Bedeutung des Tages und wies auf den Leitspruch hin, der sich auf der neuen Fahne befindet: „Arbeit mit Gebet verbinden, läßt uns Gottes Segen finden." Von allen »eiten wurden dem Festverein Glückwünsche und Angebinde überbracht. Herr Dechant Braun begrüßte in begeisterten Worten die Versammlung. Am Abend fand im dichtgefüllten Vereinslokal eine stimmungsvolle Familienfeier statt, dessen Programm mit Musik, Gesang und Theaterstücken eine reiche Abwechslung bot. Besonders erfreulich war die Tatsache, daß sich in schöner Harmonie die Kesselstädter Vereine an der Feier beteiligten.
* Silberne Hochzeit. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern morgen die Eheleute Georg Löschengruber und Frau geb. Loch, Fallbachstraße 81.
Landkreis Kanan.
Fechenheim, 21. Jan. Eröffnung des Friedhofgebäudes. Das am Hauptportals des hiesigen Friedhofs errichtete große Friodhofs- gebäude wurde am Sonntag in Anwesenheit der Ge- meindekärperjchaften sowie zahlreicher Glieder der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden und ihrer Geistlichen seiner Zweckbestimmung übergeben. Nachdem Bürgermeister Miersch vor allem dem Erbauer der Friedhofskapelle, Baumeister Alix, den Dank der Gemeinde ausgesprochen hatte schloß er mit dem Wunsche, daß in Zukunft die Halle die stätte sein möge, an der sich Bruderliebe und FreunLespfl-icht ohne Rücksicht auf die ungleiche Weltanschauung zum letzten Liebesdienst an hren Entschlafenen zujammenfinden. Als Vertreter der Kirchengemeinden sprachen alsdann Herr Pfarrer Stöppel evangelische WdHerbPMrerAbM für die katholische. Die Eröffnungsfeier wurde durch Präludien auf dem Harmonium von den Organisten der beiden Kirchen, sowie durch Gesänge eines Schülerchores umrahmt. Anschließend fand eine gemeinsame Besichtigung der Friedhofskapelle statt.
Windecken, 30. Jan. Goldene Hochzeit. Am 1. Februar feiert der Buchbindermeister Herr Franz Reul dahier mit seiner Ehefrau Susanna geb. Hoch aus Bruchköbel, die goldene Hochzeit.
Windecken, 30. Jan. Die Schiedsmänner-Dereini- gung des Stadt- und Landkreises Hanau hielt am Sonntag, 29. Januar, hier in der Gastwirtschaft Merz ihre zweite Versammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Verwaltungsinspektor Scherzberg aus Hanau, eröffnete um 3 Uhr, nachmittags die Versammlung und begrüßte die zahlreich Erschienenen, • insbesondere die neu eingetretenen Mitglieder und bedauerte, daß immer noch einige Kollegen abseits stehen. Das Protokoll der letzten Sitzung wurde vorgelesen u. genehmigt. Nach Erledigung einiger ge- schäftl. Angelenheiten (Werbetätikeit, Jahresbeitr.),
hielt Herr Kollege Scherzberg seinen freundlichst zugesagten Vortrag über „Amt und Aufgaben des Schiedmanns". Die Ausführungen waren für alle Mitglieder sehr interessant und belehrend und gaben ein durchaus klares u. leicht verständliches Bild von wichtigen Einzekeiten daraus, dem weitverzweigten Gebiete des Schiedsmonnswesens. An Hand von trefflichen Beispielen, wie sie täglich in der Praxis Vorkommen, gab der Vortragende noch manchen Fingerzeig 311 einer wirklich korrekten Amtsführung. Reicher Beifall lohnte zum Schluß den Redner für seinen lehrreichen Vortrag und dankte der zweite Vorsitzende, Herr Bürgermeister Schlegel zu Windecken besonders hierfür im Namen der Vereinigung. Es schloß sich hieran eine sehr lebhafte Aussprache über einige Fragen, die sich aus dem Gehörten ergaben. Sie wurden von Herrn Scherzberg in treffender Weise beantwortet. Die Versammlung beschloß sodann die April-Versammlung in Langen- sèlbold abzuhalten und einen geeigneten Redner für einen den Schiedsmann interessierenden Vortrag zu gewinnen. Um 6 Uhr wurde die anregende Versammlung geschlossen und man ging zum gemütlichen Teu über; hierfür hatte Herr Bürgermeister Schlegel gesorgt. Bei Sologesängen von Kollegen und Gästen und kleinen Vorträgen aus dem Kreise der Mitglieder flog die Zeit schnell dahin. Zum Schluß liehen es sich die Herren W. Sichel und Benzing nicht nehmen mit sinnigen Ansprachen allen Mitwirkenden besonders den Herren Scherzberg und Schlegel zu ehren und ihnen pflichtschuldigst zu danken.
Ostheim, 31. Jkn. DasFestdersilbernen Hochzeit feiern morgen die Eheleute Landwirt Heinrich Wilhelm Schustert und Henriette geb. Altvater..
Wachenbuchen. 31. Jan. Wie bereits kurz gemeldet, findet hier, unter dem Protektorat des Ehrenmitgliedes, Graf Gustav zu Isenburg und Büdingen auf Schloß Meerholz in der Tagen des 21., 22. und 23. Juli d. Js. ein großer nationaler Gefangswettstreit verbunden mit der Fahnenweihe des Ruthschen Doppelquartettes statt. Die Vorbereitungen zu der Veranstaltung, die zu einer bedeutungsvollen für die Sangeswelt des Mainkreises werden wird, sind im vollem Gange. Der Dclegier- tentaq zu dem Wettstreite findet am Sonntag, den 12. Februar, 1 Uhr mittags im Gasthof „$ur Krone" in Wachenbuchen statt
LVeitevveviM.
Am Südrande des im Nordwesten liegenden Tiefdruckgebietes ziehen zwar fortgesetzt Ausläufer ostwärts,'die aber auf unsere Witterung ohne stärkeren Einfluß bleiben. Zeitweise wird zwar die Bewölkung zunehmen, doch sind Niederschläge nicht wahrscheinlich. Vorhersage bis Dienstag abend: Zeitweise bewölkt, trocken, leichter Nachtfrost, mittags mild, schwache Luftbewegung.
Wittcrungsaussichten bis Mittwoch: Wenig Aenderung.
âeès Gelubauieu.
)( Niedergründau, 29. Jan. Am vergangenen Samstag haben sich die Raiffeisenleute von Niedergründau mit ihren Angehörigen ein Stelldichein im Landmannßchen Saale gegeben, um den bsesinfirtgen
Groß war die Zahl der Erschienenen, nahezu jede Genossenschaftler-Familie vertreten, so daß der Raum kaum genügte. Man hatte sich einmal mit Gewalt losgerissen aus dem Alltag mit seinen Sorgen, Steuern, Geldnöten, um im Kreise der Mitmenschen, die zusammengehören und zusammenstehen müssen, einige frohe, sorgenfreie Stunden zu verleben und ein wenig neuen Lebensmut zu schöpfen. Und — vorweg sei es gesagt — keiner der Teilnehmer wurde enttäuscht. „Ein selten schöner Abend!" — das war das einstimmige Urteil. — Eine aus Mitgliedern zusommengestellte Haus- kapelle eröffnete die Veranstaltung mit einem flott gespielten Marsche, worauf nach dem von einem jungen Mädchen schön gesprochenen Prologe der Vereinsrechner namens des Vorstandes die so überaus zahlreich Erschienenen herzlichst begrüßte. Ein ' trefflicher Batz-Solovortrag des Herrn Karl Bode,! „Vater, Mutter . . ." v. Lortzing, wurde begeistert ausgenommen. Eingeleitet durch die Deklamation des Gersdorff'schen Gedichtes „Ewig liebe Heimat", vorgetragen von einem jungen Mädchen, hielt
sodann Heri Pfarrer Schilling eine fesselnde An- prache über „Heimat, Heimatliebe und Heimat- pflege," die in dem gemeinsam gesungenen Heimat- iedc „Wenn ich den' Wandrer Hage'lâen Niederschlag fand. Der zweite Teil der Vortragsfolge war mehr humoristisch-unterhaltender Art. Die Herren Jean Leuchtenberger und Heinrich Lucas trugen einige ansprechende Couplets vor, und Herr Karl Bode erfreute nochmals mit seines „Baßes Grundgewalt" durch den Vortrag zweier Rheinlieder. Den Clou des Abends bildete jedoch zweifellos die Aufführung des bekannten Raiffeisen-Lustspieles „Der Herr Revisor". Das Stück, welches neben der Grundtendenz, echten Raisfeifengeist lebendig zu machen, manche lebenswahre Episode aus dem Raiffetsenwesen auf dem Lande festhält und an Situationskomik reich ist, fand eine ganz vorzügliche Wiedergabe. Der Beifall am Schlüsse war wohlverdient und wollte kein Ende nehmen. — Zwischen den einzelnen Vortragsnuinmern erfreute die Hauskapelle durch diverse Musiknorträge. Bei einer Tombola konnte mancher einen schönen (Setpinn einheimsen, und — ein Tänzchen beschloß die so harmonisch verlaufene Veranstaltung. „Die Zeit war nur allzu rasch verflogen!" — das war beim Nachßausegehen die allgemeine Feststellung.
)( Meèrholz, 30. Jan. Der hiesige Kleintierzuchtverein hielt am Samstag seinen Jahrestag ab, aus dessen Verhandlungen ein erfreulicher Stand der Zuchtbewegung, besonders hinsichtlich der Rasse- geflügelzucht, hervorging. Die von dem Verein er-- richtete Futterstelle zur Lieferung billigen und guten Futters hat sich als sehr wertvoll und beliebt erwiesen. Der Vorstand wurde wie folgt für das neue Johr festgestellt: 1. Vors. Fr. Scharf L, 2. Vors. Jean Breideichach, Schriftführer Chr. Grießmann und Gem.-Rechner Herbert, Kassierer W. Wink, Vertrauensleute Gg. Wink und Dir. Roth. — Der einheimische Gesangverein „Frobsinn", Leiter Chor- meister Schirmer-Hailer, wählt. in seiner soeben stattgefundenen Jahresversammlung seinen Vorstand wie folgt: 1. Vors. Hch. Boas, 2. Vors. Georg Boß, Schriftführer Georg Lerch jr., Kassenführer Gg. Schmidt; Dirigent Chormeister Schirmer. Im kommenden Jahre wird der Verein sein 25jähriges Bestehen, verbunden mit Fahnenweihe, feiern können. Die Fortentwicklung 1927 war eine recht gute.
)( Lieblos. 31. Jan. Der Kleintierzuchtverband für den Kreis Gelnhausen hielt hier am Sonntag seine Jahresversammlung ab. Vertreten waren alle Vereine mit Ausnahme des Somborner Ziegenzüchtervereins. Der 1. 'Vors. Weingärtner-Hailer gab einen Ueberblick über das Zuchtiahr 1927 und konnte feststellen, daß trotz gewisser Schwierigkeiten im Verbandsleben des letzten Jahres eine beträchtliche Vorwärtsentwicklung der Zuchtbewegung zu verzeichnen ist. Als Beitrag für 1928 wurde 1 RM festgesetzt. Herr Lehrer Klein-Neucnhaßlau hielt einen wertvollen Vortrag über die Geschichte unseres Haushuhns. Neu ausgenommen in den Verband konnte der Ziegenzuchtverein Hailer werden. Die Verbandsschau für 1928 konnte noch nicht vergeben werden. . ■
âttW Vüdlnsen.
Bekanntmachung. •/
Der Fuhrverliehr auf der Straße oberhalb deM Ort nach dem Fürstlichen Wald ist wegen Umbau
Straße vom 30. Januar " "
Rinderbâgèn; M. Im Hess. Bürgermeisterei!
t Büdingen, 31. Jan. Der Bezirkslehrerve^ön Büdingen veranstaltet am Samstag, 4. Februar, im
„Hotel Stern" zu Büdingen eine Versamâungi Auch der Bezirkslehrerverein Düdelsheim nimmt an dieser Veranstaltung teil. Ferner haben ihre Teilnahme in Aussicht gestellt die Vereine Wenings und Ortenberg, so daß an diesem. Tage ein großer Teil der Lehrerschaft des Kreis^Büdinge» zusam-
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Hurra — ei« Junge!
Schwank in 3 Akten von Franz Arnold und Ernst Bach.
Eine tolle Sache dieser dreiaktige Schwank „Hurra — ein Junge!" von Arnold und Bach, mit dessen Aufführung am Sonntag ein großer Erfolg erzielt wurde. Oder ist es etwa nich toll, wenn ein junges Ehepaar am ersten Hochzeitstage ganz plötzlich nicht etwa 00m Storch gebracht, einen Sohn bekommt, der eine Reihe Jahre älter ist, als beide Ehegatten, wenn dieser Sohn schließlich nicht nur Pappi und Mammi sagen, sondern beide mit Recht auch Schwager bzw. Schwester nennen darf? Ein Stück voll komischer Verwirrungen, die sich bis zum dritten Akt immer mehr steigern, und erst am Schluß entwirrt werden. Eine Lachsalve löst die andere ab. Man muß lachen, wenn dieser alte Junge so plötzlich als Tingeltangelkomiker in das vornehme Haus kommt, seinem „Pappi" um den Hals fallen will, wenn er die Rolle einer Pseudoschriftstellerin spielt und in dieser Rolle die verwickelte Lage mmer verwickelter gestaltet, wenn er als Baby im Kindermatrosenanzug und rotem Luftballon auf die Bühne gelaufen kommt. . . Mehr über den Inhalt zu sagen, wäre verfehlt und würde den späteren Besuchern den Spatz verderben. Nur das eine sei gesagt: Wer hingeht kann lachen und wird sich gewiß einen Abend ausgezeichnet amüsieren, ohne daß feinen Gehirnganglien auch nur die geringste Emotion zugemutet wird.
Die Aufführung dieser tollen Sache unter der Spielleitung von Paul Wallnau war sehr gut. Letzterem fällt auch das Hauptverdienst zu, denn er gab den „Jungen" — eine Bombenrolle — mit einer Komik, die das Zwerchfell des Publikums erschüttert. Lilly Se d i n g sekundierte ihn dabei, sie spielte das Dienstmädchen mit unübertrefflicher Schnippischkeit. Martin Weiß gab den Profeßor Weber, der „seinen" Sohn, dem er einst aus ehrlichen Namen gegeben und seitdein nichts wieder von ihm gehört hat, nun plötzlich zu Gesicht bekommt 'und stattete diese Figur mit zahlreichen interessanten Einzelhesten aus. Heimgard Müller spielte
die junge Frau Professor, die in einer überglücklichen Ehe zu leben glaubt und nun plötzlich bei der ersten Wiederkehr ihres Hochzeitstages hinter die angeblichen Schliche kommt, sehr überzeugend. Hermann Bauermeister wirkte als Doktor Wehling durch seine synipathische Spielweise; er spielte mit viel Laune und Gewandheit. Ebenso Beata Jnaya als Helga Lüders. Fritz Neumann charakterisierte den Geheimrat Nathusius, den einstigen Schwerenöter und heutigen Moralprediger vortrefflich; fein Steckenpferd „Vergiß deine Rede nicht" ritt er sehr belustigend. Alide Ballin war eine würdevolle Geheimratsgattin.
Ein gelungener, lustiger Abend. Niemand wird es bereuen, ihn sich angesehen zu haben. Der Beifall war reich und herzlich. rh.
o Sladtlheaker. Aus dem Theaterbüro wird uns geschrieben: Als 20. Vorstellung im Dienstag- Abonnement gelangt heute abend 7% Uhr „Paganini", Operette in 3 Akten von Franz Lehar, zur Aufführung. Wie ein Blütenzweiq unerschöpflicher Jugend mutet die Partitur dieses Werkes an. Wir treffen hier Lehar wieder auf der Grenze, bei der die Operette aufhört und die Oper anfängt, und die nur er ohne Gefahr beschreiten kann. Es ist unmöglich, hier die einzelnen, reizenden, melodiösen Einfälle Lehars herauszuheben. Sie werden ja bald Gemeingut aller geworden sein; denn eine schöne Melodie behält niemand für sich, man gibt sie gerne dem Nächsten. — Morgen Mittwoch, abends 8 Uhr, wird zum letzten Male „Hedda Gabler", Schauspiel in 4 Akten von Henrik Ibsen, wi«derholt.
0 Theater-Intendant Maisch gehl nach Erfurt. Aus Koblenz wird gemeldet: Der Intendant des hiesigen Stadttheater, Herbert Maisch, ist zum Intendanten des Stadttheaters in Erfurt mit Dreijähriger Frist gewählt worden. Jnreriöant Maisch hat die Wahl angenommen und wird seine neue Stelle in Erfurt am. 1. August antreten.
Das GMtk d^s TanraivIs
Ein Roman, der wie eine Umkehrung des Jannings-Films: „Der Weg allen Fleisches" an» mutet, erregt tn Philadelphia Aufsehen. Ein Tanzgirl, das in Philadelphia unter dem Namen „Die
schöne Lo" bekant ist, lernte im Boarding-house, in dem sie seit mehreren Monaten wohnt, einen älteren Kaufmann, namens James Alderhat kennen, der in dem Boarding-house großes Ansehen genoß, weil man wußte, daß er trog seiner einfachen und schlichten Lebensweise „mehrere Millionen Dollar schwer" sei, ein Umstand, der ja nicht nur in Amerika Achtung und Ansehen verleiht. Der Kaufmann hatte ein abenteuerliches Leben hinter sich, denn er war vor 15 Jahren Angestellter einer Bank in Boston und hatte sich verleiten lassen, eine große Summe zu veruntreuen. Um seiner Familie die Schande zu ersparen, hatte er einen Selbstmord vorgetäuscht und lebte nun in Philadelphia unter dem neuen Namen Alderhat — fein ursprünglicher Name war Talker — und wurde im Lause der Jahre durch glückliche Geschäfte, befonbers während des Krieges, ein schwerreicher Mann. Er hatte ein Ledergeschäft begründet und erhielt, da er im Kriege große Vorräte besaß, umfangreiche Kriegslieferungen. Trotz seines Reichtums gab er aber. sein einfaches Leben nicht auf, und niemand konnte dem schlecht angezogenen Mann ansehen, welches Vermögen er besaß. Er hatte für die junge Tänzerin, die ein sehr zurückgezogenes Leben führte und nur ihrem Berufe lebte, eine große Sympathie gefaßt, zumal er auch eine Tochter besessen hatte, die jetzt ungefähr im selben Alter stehen mußte, wie die Tänzerin. Er hatte sich, als er reich geworden war, urousgesetzt nach dem Verblech seiner Familie erkundigt. Es war ihm aber nicht gelungen, ihren Aufenthalt zu erforschen, da die Frau mit den Kindern kurz nach seinem angeblichen Selbstmord Boston verlassen hatte und ihm niemand sagen konnte, wo sich seine Familie niedergelassen hatte. Da in Amerika polizeiliche Meldungen nicht üblich sind, so ist es in einem derartigen Falle sehr schwer, Menschen wiederzufinden, zumal dann, wenn sie in der ungeheueren Menschenflut der Großstädte untergetaucht sind. Vor einigen Tagen erzählte der Kaufmann der Tänzerin im Gespräch, daß er der unglücklichste Mensch der Welt sei. Als die Tänzerin aber unter Hinweis auf seinen Reichtum ungläubig lächelte, erklärte er chr, daß er sich tatsächlich so ' verhalte, da er nicht wisse, für wen er arbeite, denn, sein einziges Kind sei für ihn verschollen. Da sie j I aber so aussehe, wie vielleicht auch seine Tochter 1
hätte aussehen können, so würde er sie gern als Kind annehmen. Im Gespräch berichtete nun die Tänzerin, daß ihr Vater seit 15 Jahren tot sei und daß sie noch heut ihre Ehre darein setze, ^Schulden zu bezahlen, die er hinterlassen hatte. Sie zeigte ihm ein Medaillon, in dem sich das Bild ihres Vaters befand, und der Millionär erkannte zu feinem freudigen Schrecken, daß er sein eigenes Bild fei, wie er vor 15 Jahren ausgesehen hatte. Er hatte sein Aussehen absichtlich stark verändert, um die Spur von seinem Dasein zu verwischen. Außerdem hatten die Jahre und die Sorgen dazu beigetragen, sein Bild völlig zu verändern. Er fragte nun, ob ihre Mutter noch lebe und jetzt endlich gelang es ihm. die Adresse der Frau in New Jork zu erfahren, worauf er dem jungen Mädchen erklärte, daß er auf einige Tage verreisen musst- Drei Tage später kam er mit der Mutter des jungen Mädchens zurück, die ihm nun verziehen hatte, uno die jetzt die schwere Aufgabe hatte, ihrem Kinde mitzuteilen, daß der freundliche reiche Herr ihr Vater sei. Nunmehr hatte das junge Mädchen nicht mehr nötig, ihren Tänzerinnenberuf auszu- üben, denn jetzt wurde eine Villa gekauft, in der das junge Mädsten die Hauptperson war. Das Geld, das sie zur Bezahlung »der Schulen ihres Vaters aufgemenbet hatte, erhielt sie jetzt in einem Scheck mit sehr starken Zinsen und Zinseszinsen wieder zurück.
Frauenleben und Frauenstrebeu.
Der verband der evangelischen Wohlsahrl»' Pflegerinnen Deutschlands Hai seine Geschäftsstelle nach Berlin W. 35., Steglitzerstr. 10, IV. verlegt.
Reifensteiner Arbeit. Der Reifensteiner Verband für wirffchaftliche Frauenschulen auf dem Lande, der über ganz Deutschland Maidcnschulen unterhält, hat einen „Maidensilm" herausgebracht, der das Leben in den ländlichen Haushaltsschulen zeigt. Die vielseitige Ausbildung im Kochen. Haus, M und Feld, die die jungen Mädchen erhalten und die sie zur Führung eines ländlichen Haushalte» fähig machen soll und die Muße und Erholung Spiel und Tanz werden in außerordentlich guu* Aufnahmen angeführt.