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Donnerstag den 26. Januar 1928

Nr. 22

Die Ad!tmrkentette«ame«

Nur dle Ruhe kann es machen.

Nur noch ein paar Wochen, und allenthalben fin­den wieder in Deutschland die Abiturwntenexamen statt, und überall ist deshalb große Sorge bei Schü­lern und Eltern eingezogen. Gilt es doch, durch eine letzte Anstrengung einen wichtigen Lebensabschluß hinter sich zu bringen und sich den Weg zur Uni- versität oder zum freien Berufsleben zu erkämpfen. Das Witurium steht vor der Tür und ist zum herr­schenden Gedanken der jungen Menschen und ihrer Eltern geworden, die nicht ohne Angst und Bangen der Prüfung entgegensehen. Und da ist es an der Zeit, Eltern und Schülern zuzurufen, kalten Blutes an die Prüfung heranzugehen und die kommenden Dinge ruhig und hoffnungsvoll an sich herankom­men zu lassen. Uebertriebenes Lernen und über, stürztes Arbeiten in den letzten Wochen haben mei­stens keinen Zweck, sondern bewirken im Gegenteil, daß durch Ueberanstrengung der Abiturient weniger leistungsfähig wird. Das Wissen von neun langen Schuljahren läßt sich nicht in einigen Wochen nach­holen, und das, was allzu schnell in gedrängter Zeit hinzugelernt wird, bleibt nicht hasten. sondern verwirrt das Gedächtnis. Man gehe daran, ruhig das Wesenttiche des verlangten Stoffes zufammen- fasiend zu überblicken und lasse sich nicht entmutigen durch etwaige Lücken, die sich bei dieser General- probe zeigen werden Niemand ist allwistend und ein gutes DurchschnittZkönnen ist oft viel mehr wert, als Spezialkenntniste. Diel können auch die Eltern dazu beitragen, um diese schwer« Zeit ihren Kindern 3U erleichtern. Sie sollen ihnen, wenn es nottut, Mut zufprechen, sollen nicht mit allzu sorgenvollen ©efichtern umhergehen und sollen es unterlassen, die Abiturienten mit Mitteln der Macht zum Lernen anzuhalten. Sie sollen überzeugt fein, daß ihre Sin» der für dies« letzte Kraftprobe, nach deren glück- lichen. Bestehen ihnen die weite Welt offen steht, aus freien Stücken alles aus sich herausholen, was notwendig ist.

Ueber den Wert des Abiturientenexarnens und über notwendige Aenderungen oder sogar voll­ständige Abschaffung dieser Einrichtung ist besonders in letzter Zeit viel und ernsthaft diskutiert worden. Und man kann feststellen, daß die Mehrzahl der Meinungen auch unserer Schulmänner, dahin geht, nach Moglichk«i die Härten des Examens zu mildern, und das Ergebnis des Examens nicht als letzte unumstößliche Entscheidung gelten zu las­sen. Man geht hier von der Voraussetzung aus, daß oft sehr begabte Schüler, deren Jahresfortgang­noten durchaus befriedigen können, beim Examen aus irgend welchen Gründen versagen. Wie es eben ausgesprochene Examenmenschen gibt die kaltblütig genug gerade für den Moment der Entscheidung doU auf dem Posten sind, so gibt es Menschen, die aus psychologischen Gründen gerade dann, wenn es darauf ankommt, verfügen. Und diese sind nicht immer die scPechtesten, wie zahlreiche Beispiele aus dem Leben beweisen können. Daß ein Examen des­halb viel Leid und Ungerechtigkeiten mit sich bringen kann, liegt auf der Hand. In dieser Hinsicht ist das Abiturientenexamen seit jeher das gefürchtetste, da nie­mals mehr im späteren Leben, auch nicht bei Doktor­oder staatlichen Prüfungen soviel Stoff aus den heterogensten Gebieten von einem Prüfling ver­langt wird.

Diesem Umstande Rechnung tragend, ist man dazu übergegangen, auf verschiedene Weise das endgültige Urteil über den Abiturienten nicht allein dem Ausfall des Examens anheim zu geben. Immer mehr wird der Jahresdurchschnitt der Leistungen zur Beurteilung herangezogen, und ein Schüler, der mit Erfolg in her Oberprima gearbeitet hat, kann fetzt viel ruhiger dem Examen entgegensehen als vor­der. In derselben Linie liegt es, wenn man bestrebt ist bei der Versetzung von der Unter- in die Ober­prima einen strengeren Maßstab anzulegen. Man will eben nur solche Schüler auffteigen lassen, die eine sicher« Gewähr für ihre geistige und sittliche Reise geben. Während früher zahlreiche nichtbe- standene Abrturierrtenexamen an der Tagesordnung waren, betrachtet man jetzt ein negatives Ergebnis als Ausnahme und als die Folge einer nicht sorg- fällig genug vorgenommenen Sichtung bei der Ver­setzung. Eine Erleichterung für die Prüflinge bildet es auch, daß der mündlichen Prüfung größerer Wert beigelegt wird, so daß die Lehrer Gelegen­heit haben, durch ihre genaue Kenntnis des Charak-

stuust »Md

iffenftbafi.

o Stab st beertet. Aus dem Theoterbüro wird «ins geschrieben: Morgen Freitag, abends 7^ Uhr, gelangt die 19. Vorstellung im Freitag-Abonne­mentPaganini", Operette in 3 Akten von Franz Lehar, zur Aufführung. Am Samstag, abends 7% Uhr, geht zum letzten Male Bernard Shaws er- folgreiche KomödieDer Arzt am Scheideweg" in Szene. Am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, wird zum letzten Male und zwar zu ermäßigten Preisen Ein Walzertraum", Operette in 3 Akten von Os­kar Strauß, wiederholt. Abends 7% Uhr ge« langt als Neuheit erstmalig der urkomische FaschingsschwankHurra ein Junge", von Ar­nold und Bach, jur Ausführung. Alle guten Geister der Lust, des Ulks und des Scherzes, des Froh­sinns ^ind der Komik weichen hier losgelasten. Die Verfasser dieses ausgelassenen Schwankes haben eigentlich schon mit ihrerSpanischen Fliege" den Befähigungsnachweis erbracht, die Nachfolgerschaft von Blumenthal und Ködelburg anzutreten. Es ist eine gute deutsche Eigenschaft, daß zur Produk­tion von brauchbaren Schwänken immer zwei Autoren gehören, und so freut man sich, daß die Herren Arnold und Bach, derenWahrer Jakob", hier bereits Triumphe feierte, nun mit ihrem neuesten Werk zu Worte kommen, das an ulkigen Einfällen und urkomischen Situationen dem älte­ren Bruder nicht nachsteht, ja ihn sogar noch weit übertrifft.

o Das 3. Stadt Konzert am 2. Februar in der Johanneskirche bringt neben Brahms 2. Symphonie noch eine Suite für Streichquartett und »Orchester von Rafario Scalero, dem 1873 geborenen Lehrer für Komposition an der Cecilien-Akademie zu Rom sowie das Orgelkonzert Nr. 10 in d=moll mit Orchesterbegleitung von Händel, dem großen Kompo­nisten der Barokzeit, dessen Werke sowohl auf dem Gebiet bet Instrumental- als auch der Volksmusik unvergänglichen Wert haben, die Schönheiten seiner Opern wurden in den letzten Jahren erst wieder neuentdeckt, so daß man schon von einerHändel- Renaissance" spricht.

Gw guter Fang

Dev mtseblkche fvSbeve VolkrerpvüUdent von Berlin als BevilGevnngSkchwlndlev i« Sana« feftgensmmeu

Gestern nachmittag gegen 6 Uhr gelang der hie­sigen Kriminalpolizei ein guter Fang, indem einer ihrer Beamten den von mehreren Behörden wegen Versicherungsbetruges steckbrieflich verfolgten, mehr­fach vorbestraften Maler (Arliss und angeblicher früherer Polizeipräsident von Berlin) Erich Jakob Prinz, geb. 26. Juni 1891 zu Köln-Mülheim bei einem erneuten Detrugsverfuche sestnehmen konnte.

Der Festgenommene führte einen gefälschten AusweisaufdevRameuEmilBrinken, geb. 16. 8. 91 su Münster L Westf^ bei sich und gab sich als Versicherungsvertreter aus. Der Ausweis war wie folgt ausgestellt: Legitimation Nr. 83c. Umstehend Bezeichneter ist Beauf­tragter des Reichsministers für Auf­wertung und des Reichs-Treuhänders für Privatversicherung. Berlin D. 9, 5. Oktober 1927, Leipzigerplah 15/16.-

ters ihres Schülers individuell gefärbte Frauen zu stellen. Vielleicht geht die Entwicklung vielleicht dahin, das gramen ganz abzubauen und nunmehr die in der Jahresleistung gleichmäßig in Erscheinung tretenden Kenntnisse für die Ausstellung eines Reifezeugnisses maßgebend sein zu lassen.

r«m Gewerbebankrttlammett- bvttck

Auf die Erklärung des früheren Aufsichtsrates der in Konkurs geratenen Gewerbsdank wird uns vom Konkursoerwaller, Herr Rechtsanwall Dr. Klemm, hier, folgende Erwiderung zugestellt:

Die in Nr. 18 Ihres geschätzten Blattes seitens der Herren Mitglieder des früheren Aufsichtsrates der Gewerbebank in Hanau gemachten Mitteilungen geben mir keine Veranlassung, meinen in der Glau- bigerversammlung der Gewerbebank vertretenen etanbpuntt zu ändern. Ich halle aber die ange» schnittenen Fragen nicht für geeignet zur Erörte- rung in der Presse und gehe deshalb auf Einzel­heiten nicht ein."

Kers dem GevSchtSsaal. Ein Freispruch.

Ein Dienftmann von hier war am 8. Septem- der o. I. vom Einzelrichter wegen Unterschlagung zu 70 Mark Geldstrafe verurteilt worden, tro^bem er bereits damals lebhaft seine Unschuld beteuerte. Ein inzwischen nach Cuxhaven verzogener Kellner, der seinerzeit in Hanau eine Fischhandlung betrieb und ständig in Geldverlegenheit war hatte wieder einmal wie schon so oft eine ganze Musterkollektion von Schmucksachen, Kleidungs- und Wäschestücke nebst sonstigen Gegenständen des täglichen Bedar­fes bei der hiesigen Leihbank versetzt, bei seinem Wegzug aber die Auslösung der Pfänderver- gessen". Nach geraumer Zeit schien ihm dies ein» gefallen zu sein und er flickte einen größeren Geldbetrag an die Leihbarrkverwaltung, der zur Einlösung" der Psandstücke verwendet werden sollt«. Mit gleicher Post erteilte er dem früher öfters für ihn tätig gewesenen Angeklagten den Auftrag, die eingelosten Pfänder abzuholen und ihm zu senden. Dies tat der Angeklagte auch auf­tragsgemäß, ohne selbstredend die bereits verfalle­nen und demgemäß versteigerten Pfänder herbei- fchaffen zu können. Den Einlösungsbetrag für diese Gegenstände in Höhe von 61 Mark erhielt er aber von der Lerhbank zurück und gerade dieses Geld wollte der Fischhändler a. D. nicht erhalten hohen, obwohl er zugegebenermaßen in den Be­sitz sämtlicher anderen Sachen wie ein goldenes Armband, eine Brillantnadel, eine goldene Damen»

DestevveiGNthev Saschins

Bilder von der Wiener Opernreboute;

Hofball der Republik! Die Bürdenträger des Staates, die Schillingmillionäre und die Gründer der alten Tradition des neuen Oesterreichs waren gekommen. Es war ein schwarzes Meer der Fräcke.

Alle Namen, die vergeblich den Eindruck zu er­wecken suchten, als hätte man sie im alten Oester­reich schon genannt, lleßen sich hier sehen.

Man erweckte das Opernhaus mit Ballmufik und erfüllte die Räume vor der Bühne auch einmal mit Jntritzen. Ueber tausend Menschenrücken zog prickelnde Gänsehaut . . .

Als man den (Schneider-) Hahn des österreichi­schen Bergnügungsapparates aufdrehte, strömte die große Sensation heraus: Die Opernredoute.

Und sie war, wie sie Jein mußte: österreichisch.

Bon der Bühne herab, quer über den zum Tanzparkett umgestalteten Zuschauerraum spannte

tin Sell, das solcherart eine Gaffe bildete, an deren Ufern sich die Meuge dammhoch staute. Es war lange Zeit unklar, wozu die Gasse und das Stauen dienen sollte. Bis mit österreichischer Verspätung Herr Generaldirektor Schneiderhan mit Frau Wohlgemuth und Gefolge feierlich sein wollend einzogen. Das sah so aus, als hätte man nur dieses Einzuges wegen die ganze Redoute oer­anstallet. Aber nein, Eingeweihte wissen es besser: Es geschah zur Hebung des Fremdenverkehrs. Und darum wohl auch war ein fühlbarer Mangel an Sitztzelegenheiten vorhanden. Die Fremden ver­kehrten und die Einheimischen raunzten. Aber sonst mars wunderschön. . . .

Schön und teuer. Aber das muß so fein in Wien. Erstens schon wegen der Fremden und dann auch, damit einen das Hingehen freut. Denn wenns billig wäre könnte ein standesgemäßerAdabei" sich dort nicht kehen lassen. Und so gab es belegte Brötchen, die iyr Gewicht in Gold kosteten, und der Wein wurde nach Tropfenzahl berechnet. Die Fremden äußerten enthusiasmiert ihre Freude über diese an ihnen versuchte Vermögensabgabe und flüchteten in die Bars der Umgebung.

In den Bars fehlte nur das quergespannte Seil und der feierliche Einzug des ,Loses. An den Preisen fehlte nichts. Im Gegenteil. Selbst die

Der Ausweis trug die unleserliche Un­ters dj rift einesBegierungsrates und die einesMinisterialdirektors" namens Erich 3. Prinz (Faksimile des Verhafteten).

Weiter trug der Festgenommene einen ge­fälschten Adler stempelReichskom- mif f ar f üt Aufwertung bei sich. Prinz will den Ausweis von einem gewissen Kolonnenführer Becker in Berlin erhalten haben, für den noch wei­tere mit dem gleichen Ausweis ausgestatete 80 Ver­treter tätig sein sollen. Der Hauxttrick des Betrügers bestand darin, unter der Vorspiegelung die alten Versicherungen würden gegen eine einmalige Zah­lung von 120 Mark aufgewertet neue Versiche­rungen obzuschlietzen, was ihm auch anderwärts be­reits mehrfach gelungen ist.

und dto. Herrenuhr usw. gelangt war. Demgegen­über behauptete der Dienstmann, das Geld in ein Kuvert gesteckt und dieses unten in einen Feldpost- karton gelegt zu haben, der die bezeichneten Wert­sachen enthüllen Halle und seinerseits wieder in einem großen Karton mit Wäsche- und Kleidungs­stücken lag. Auf seine Berufung hin hob die Kleine Strafkammer gestern in Anbetracht der zumindest recht zweifelhaften Lage des Falles das Urteil erster Instanz auf und erkannte auf Freispruch. Einen als Zeuge geladenen der Verhandlung ohne Entschuldigung Ferngsbliebenen Bankier von hier kam die Sache insofern teurer zu stehen, als ihn eine Ordnungsstrafe in Höhe von 10 Mark ereilte.

Das gestört Fest.

wies, wurde er

Im August v. J. veranstaltete derVerein für Hundefreunoe" auf seinem an der Krummen Kinzig gelegenen Dresfurplatze eine Festlichkeit, die nach schönstem Verlaufe infolge eines unangenehmen Auftrittes vorzeitig abgebrochen werden mußte. Nach reichlichem Alkoholgenusse hatte ein junger Mann, dessen Bruder den Tanzboden betrieb, plötzlich Krach mit zwei Festbesuchern angefangen, der in Tätlichkeiten auszuarten drohte. Der Auf­forderung des Vorsitzenden, den Platz zu räumen, leistete der radaulustige Bursche keine Folge und als ihn endlich ein dem Festausschuß angehöriger Polizeib «unter in Zivil nach längerem gütigen Zu­reden in dienstlicher Eigenschaft vom Platze ver­wies, wurde er ausfällig und überhäufte den Be­amten mit den gröblichsten Beleidigungen. Bei dem nun folgenden Hinauswurf packte er den Be­amten am Halse und zerih ihm die Kravatte. Mit Mit insgesamt 80 Mark Geldstrafe wegen Haus­friedensbruch, tätlichen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und öffentlicher Beamtenbeleidigung mußte der streitsüchtige Festbesucher seine Helden­taten am 3. November vor dem hiesigen Amts­gericht büßen, wobei seine Trunkenheit noch erheblich mildernd ins Gewicht fiel. Warum er esgènmch gegen dieses an für sich gewiß nicht all» zustrenge Urteil Berufung einte gie, wurde auch gestern nicht recht klar, denn der inzwischen zurück­genommene Strafantrag wegen Hausfriedens­bruches konnte ihm nach Ergehen des erstinstanz­lichen Urteils nicht mehr nützen. So blieb es denn bei der erkannten Strafe und der Angeklagte hat lediglich noch die Kosten der zweiten Verhandlung zu tragen.

Das verschwundene Duchenscheitholz.

Es ist und bleibt verschwunden, das im Kloster-I urald bei Hintersteinau gelagerte Buchenschsicholz, das der Lehrer von Kesselbach vermutlich als ihm zustehendes Deputat erhallen sollte. Wohin es ge­kommen ist, weiß kein Mensch mit Bestimmtheit

verwöhntesten Fremden erklärten sich von ihrer un­übertroffenen Höhe entzückt. Was wir Wiener ja wollten. Es sollte ja ein Fest der Ueberraschungen und des Entzückens werden. Freilich: Zur echten und rechten Redoutenintrige kam es nicht. Begreif­lich: In Oesterreich wird ganzjährig so viel intri­giert, daß alle froh waren, sich unter dem Konstüm davor retten zu können. Und dann auch: Es wurde zuviel geboten. Man wußte oft nicht, war man bei einer Revue, im Zirkus oder in einem Kabarett. Müde von dem Angehörten war man dann froh, daß einem nicht auch noch ein Ballfest aufgenötigt wurde . . .

Zu sehen aber gab es freilich genug. Wunder­volle Tolletten zum Beispiel, die man mehr ahnen als sehen konnte, so sehr ließen sie die Trägerin allein wirken. Und Perücken dafür, derentwegen allein schon der ganze Fasching in Wien sich sehen lassen konnte. Man fühlte die traditionell feurigen Blicke der wunderschönen Damen und wurde, wie in einem Brausebad, vom internationalen Esprit umrieselt. In der Luft lag zwar weniger das höfische Ambra als vielinehr das politische Coty, und gegenüber dem Einst merkte man den Unter- schied, wenn man die Augen schloß und die Ohren befragte: Die heutige Gesellschaft ist viel, viel lauter denn die alte. Vielleicht auch vorlauter. Und leb­hafter, regsamer und ja, wirklich körperlich ertüchtigt".

Das war auch notwendig. Denn die, in Paren­these bemerkt, sehr hübsche Damenspende mußte er­kämpft werden. Nach stundenlanger Belagerung des zur Ausgabe derselben bestimmten Schalters öffnete sich dieser, und fern aller Redoutenfreude begann ein Beamter zu amtshandeln. Mit einer Mine, als ob er Steuerbeamter, mit einer Wichtig- leit, als ob er Staatsbankkassierer, und mit einer Bedächtigkeit, als ob er Postbeamter wäre, so amtierte der Mann bei der Ausgabe der Damen­spende. Die Damen quiekten, ächzten und bohrten sich gegenseitig die Ellbogen in die moderne Linie. Manchmal sah es so bedrohlich aus, daß nur der Blick in das runzlige, gütige und vertrocknete Gesicht der amtierenden Amtsperson, das mit meilenweit entfernter Rhe dem losen der Brandung entgegen« sah, die ins Wanken gekommene Fassung wieder- geben sonnte. So, Äug' in Aug' mit der öster­

anzugsben, Tatsache ist nur, daß die Fuhrleute den Staiwplatz der 2 RaummeterSchulholz" bei ihrem Erscheinen leer fanden und das fragliche Nummerscheit in der Nähe hinter einem Stoß Buchenknüppel versteckt vorgefunden wurde. Den Dieb glaubte man in Gestatt eines 36jährigen Schmiebemeisters und Landwirtes aus Hinter­steinau gefunden zu haben, der unmittelbar vorher in der Nähe Holz abgefahren und dabei die 2 Rm. mitgenommen haben sollte. Erstere Tatsache bestritt er auch keineswegs, dagegen wollte er be­greiflicherweise von der letzteren wenig wissen, als es ju einer Gerichtsverhandlung in Schlüchtern fam. Einige, trenn auch keineswegs mit absoluter Bestimmtheit abgegebenen nachteiligen Zeugen­aussagen liehen das Gericht in erster Instanz zu seiner Verurteilung von 2 Wochen Gefängnis ge­langen, wohingegen gestern die hiesige Straf­kammer auf Freispruch erkannte, da eine zur Ver­urteilung erforderliche ausreichende Klärung der Schuldsrage nach Lage der Dinge überhaupt nicht mehr zu erwarten fern sollte. In der Tat scheint dies auch der Fall zu sein, denn man muß es dem Gericht lassen, es hat sich gestern übergenug Mühe um die Aufklärung des wetterschütternden Falles gegeben, der angeblich dörflichen Intrigen seine Entdeckung zu verdanken hat.

Verlängerung des Vertriebes der Hinde«- burgmarken. Entsprechend den Wünschen weiterer Kreise hat sich das Reichspoftministerium ent­schlossen, die Hindenburg-Wertzeichen und Post­karten noch bis Ende März durch die PostanstaUen nach den bisherigen Bestimmungen vertreiben zu lassen. Mft den Wertzeichen können Postsentdun- dungen noch bis Ende Mai freigemacht werden.

* Die Gebühr für eine Postkarte im Ortsver­kehr beträgt 5 Pfg. Wir weisen, wiederholt darauf hin daß in dieser Beziehung in dem von uns im Juli v. Js. veröffentlichten Postgebührentarif ein Fehler ist Dortselbst ist die Gebühr für Postkarten mit 3 Pfg.. angegeben. Es wird sich empfehlen, wenn unsere Leser in ihrem Gebührenausschnitt die diesbezügliche Aenderung vornehmen

» Karneval in Nizza. Der Weins'sche Gesang­verein hielt unter diesem Atotto seinen diesjährigen Maskenball ab, und mit Recht sann man sagen, daß alles das, was in Bezug auf die hervorragende Leitung und Stimmung für diesen Abend ange» kündigt war, sich zu aller Zufriedenheit erfüllt hat. Es war ein luftiges Treiben in den wirklich stim­mungsvoll dekorierten Räumen des Hotel Adler. Die Veranstaltung erfreute sich eines recht guten Befuches. Der Weins'sche Gesangverein wird auf Diesseitigen Wunsch, insbesondere derer, die diesen Abend versäumt haben, das Fest wiederholen und zwar am Fastnochtsdienstag im Hotel Adler unter dem MottoBall-Pareè. Näheres wird noch be» banntgegeben.

* RedoukeSport 1860. Karten zu der am Samstag, 28. Januar im Saale derTurnhalle", Iahnstraße, stattfindenden Redoute find außer den bereits bekannt gegebenen Vorverkauifsstellen auch bei Herrn Heinrich Schenk, Krämerstr. 3, Wllh. Reitz, Nordstr. 55, Hch. Noß, Sandeldamm 1 und bei dem Wasserhäuschen I. Handel beim Stadt- theater zu haben.

* Gefunden wurde in einem ©arten der Grimm­straße ein Fahrrad-Rahmenbau Nr. 246 303, der vermutlich aus einem Diebstahl herrührt.

* Sidjergeffellt wurde ein Fahrrad Marke Weil Nr. 27 272, schwarzer Rahmenbau, do. Felgen, besch' digte Griffe, ohne Glocke, Torpedo-Freilauf. Lesch'' Fahrrad Marke Pfadfinder Nr. jBlOWjl Rahmenbau, gelbe Felgen mit schwarzen strichen, schwarze Gummigriffe, graue Bereifung. .

reichischen Obrigkeit, schlug der graue Mantel bra­ver Unterianengebulb jede Redoutenüberhebung nie­der. Und als die Redoute zu Ende war, hatte fast jede Dame die ihr gebührende Damenspende. Sie und es waren sehr schön ...

Wer das ganze Werk war nur sozusagen die Generalprobe zum Opernball, der den Wienern ver­sprochen wurde, wenn sie recht brav find und brav bleiben. Und darum legte man auch wenig Wert darauf, wenn man Anregungen irgendwelcher Ari gab. Was lag denn schon daran, daß manches nicht recht stimmte? Es war ja nur eine Generalprobe. Wie immer in Oesterreich alles eine Generalprobe für eine einmal gut Aufführung kommende Pre­miere fern wird. Fragt sich nur, ob bis dahin diese wiedererweckte Opernrcdvute, für die man heuer vergeblich den Geist ihres Schöpfers, Jauner, zu zitieren versucht hatte, nicht schon wieder ein ad acta gelegtes Aktenfaszikel geworden ist. Und das wäre schade. Schade auch darum, weil man dann wieder so gar kein richtiges Maß zum Vergleiche van Ernst und Jetzt haben würde Und das ist schließlich doch notwendig, schon um dasWurzen" in den g^ rechten Grenzen zu hatten . . .

humoristisches

Passende Reklame. Dem Beispiel der Nachbarn folgend, hängt ein J'--'u

...i Pferdemetzger auch ein Schi^ heraus'mit der Aufschrift:Weiße Woche." Be­fragt über diese unpassende Inschrift, antwortet er. Ich hab' einen Schimmel ^schlacht t."

Die Zukunft.Wie heißt die Gegenwart von trinten?"Ich trinke."Und die Zukunft?

Ich bin betrunken!"

Aha.Warst du bei dem Arzt, den empfohlen habe und ' habe?"Jal" er sagte? Er verlangte Zahlung!"

Warum schließt denn die Sängerin immer Augen bei ihren schwierigen Stellen?"Sie sann es nicht sehen, wenn die Menschen leihen."

Natürlich. .Länschen, warum ziehen im die Störche nach dem Süden? Weißt du das?" Mutti, weil die Leute da auch Kinder haben wollem

tnd sagtest du, daß ich dich gesch'^ -Und was sagte er?" - Mas igte sofort eine BorschUy