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23. Amttae
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1928
Das itettefte.
— 3m Reichstag kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen, bei denen sich die ersten Anzeichen eines kommenden Wahlkampfes zeigten.
— Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius gab in einer Rede im Landesverband Baden der Deutschen Volkspartei der Hvffnung Ausdruck, daß die Reichs- tagsneuwahlen schon im Mai stattfinden möchten.
— Das Präsidium des Evangelischen Bundes veröffentlicht eine Erklärung gegen die päpstliche Enzyklika.
— Wie es heißt, soll die litauische Antwort auf die polnische Note auch in den nächsten Tagen noch nicht veröffentlicht werden. Gerüchtweise verlautet, daß in der kommenden Woche das polnische Außenministerium eine neue Note nach Kowno richten werde, die konkrete Vorschläge über Zeit und Ort der geplanten polnisch-litauischen Verhandlungen enthalten werde.
Vorkspsvieilkche Reden rnv ResGsversvm
„Die Volkspartei wird bei den kommenden Neuwahlen wieder allein marschieren".
, i. . Mannheim, 22. Jan. Im Rahmen einer Veranstaltung des Landesverbandes Baden der Deutschen ifoUspartei sprach Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius heute über die gegenwärtige politische Lage. Er wies zunächst auf die erfreuliche Einmütigkeit der Ländervertreter gelegentlich der Länderkonserenz über die Notwendigkeit einer Reform im Verhältnis zwischen Reich und Ländern hin. Man dürfe nicht annehmen, daß es sich hier um Probleme Mwtschen Reich und süddeutschen Staaten handle, sondern einzig und allein utp das Problem Reich
■Wb in dèr Bayerischen Nölkspirri« der bayerische RPartikularismus ’ wurzle, welche beiden Richtungen Mfozusagen um die beiden Pole Unitarismus und f Föderalismus kreisen.
' Der Redner verwies dann auf das Reichsschul- gesetz und die Kämpfe, die in diesen Fragen Zwischen Reichsregierung und preußischer Regierung stajtgefunden haben. Er sei der Ueberzeugung, daß weitere Konflikte nur durch eine völlige Verschmelzung der preußischen Regierung mit der Reichsregierung vermieden werden sönnen. Kompromisse in der Form, daß z. B. der Reichskanzler zugleich preußischer Staatspräsident sei, könne er nicht gutheißen. Die Form des Bismarckschen Reiches könne ebenfalls nicht mehr in Frage kommen, da es ja schließlich nichts anderes gewesen sei, als eine preußische Hegemonie. Günstiger liege die Sache bei den süddeutschen Staaten, wo man eine eventuelle Vereinigung zwischen Baden und Württemberg auf preußischer Seite ins Auge gefaßt habe. Preußen würde in einem solchen Falle dem neuen Gebilde Hohenzollern als Morgengabe schenken. Man dürfe sich überhaupt auf die Schlagworte von Eigenstaatlichkeit und Souveränität nicht mehr fest- lcgen.
Im weiteren Verlauf feiner Ausführungen kam Reichsminister Dr. Curtius auf die Dezentralisation bei der Reichspost zu sprechen. Das Schwergewicht der Verwaltung werde damit in die Oberpostdirektion gelegt. In gleichen Bahnen bewege sich aucf) das Reicysfinanzmintsterium. I" her Sozialpolitik wünschte der Redner eine gründliche Reform oller einschlägigen Ressorts.
Zum Schluß behandelte Dr. Curtius verschiedene Fragen der Parteipolitik, die in der Parole gips eilen, daß die Deutsche Volkspartei bei den kommenden Neuwahlen wieder allein marschieren, und keinerlei Anschluß suchen werde. Sie vertraue dabei onf die bisher geleistete Arbeit ihrer _ volkspartei- "chen Minister und ganz besonders auf die außenpolitische Arbeit Dr Stresemanns. Der Redner gab sodann der Hoffnung Ausdruck, daß die Neuwahlen 'W im Mai 1928* ftattfinben möchten.
Auf der gestrigen Reichsgründungsfeier der Bergner Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Voikspartei hlÄt wie uns ein Drahtbericht aus Berlin meldet, nsichsminister a. D. Dr. Scholz, der Vorsitzende der oolksparteilichen Reichstagsfraktion, die Festrede, in der er das Werk Bismarcks würdigte und ihn als den größten Realpolitiker aller Zeiten bezeichnete, liebergehend zu den innerpolitischen Fragen Der Gegenwart erklärte der Redner, daß die Bestrobun- nach einer einheitlicheren Gestaltung des Rei- 0)os kaum jemals an ber bundesstaatlichen Eigenart Reiches Vorbeigehen könnten. Die Verwirklichung des Einheitsstaates sei nicht möglich ohne o>ne gewisse Dezentralisation. Man könne auch ber Meinung sein, daß eine Revision Des Reichssteuer- loystems notwendig sei.
Melasse an die wehvmaM
. Berlin, 21. Jan. Der scheidende Reichswehr- Set hat an die Wehrmacht folgenden Erlaß
, »An die Wehrmacht! Der Herr Reichspräsident M Mil auf meinen Antrag den Abschied bewilligt- Amt lche'de mit dem heutigen Tage aus dem ~ Fast acht Jahre habe ich die Ehre gehabt, an der Spitze, des Reichswehrministeriums zu stehen, und 65 waren schwere Jahre, denn in ihnen war die
Die framSMEe Aniwoetneie an MeAsKS
Dkv fvanKSKssOs Resisvung m seneidt kede« Sovschlag anrunehmerr
Paris, 22. 3an. Die Noke, die der französische Botschafter in Washington am 21. Januar Staatssekretär Kellogg in der Frage des Abschlusses eines Anikriegspaktes als Antwort auf die letzte amerikanische Note überreicht hat, stellt zu Begmn mit Befriedigung fest, daß die Ansichten de- -eiden Re-
glerungen hinsichtlich der besten Methode zur Durchführung eines Planes, über dessen wesentliche
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Grundlagen sie einig zu sein scheinen sich genähert hätten. Die sranzostsche Legierung habe es nicht abgelehnt, daß aan ib-rn ursprünglichen Plan er
weitere. Aber r-c yabc sich auch richt cerhcimlichk daß das vorgeschlagene neue Vorgehen viel mühsamer sein werde und verschiedene Schwierigkeiten herberführen könnte. Die neue französische Regierung sei geneigt, sich jeder Methode anzuschließen, die als die praktischste erscheine; jedoch müsse sie besonders darauf aufmerksam machen, daß die große Mehrheit der Mächte, und darunter die meisten Großmächte, schon durch das Völkerbundestatut gebunden seien, sowie ferner durch Abkommen wie das von Cocarno, oder durch internationale Konventionen, die die Neutralität garantieren. Das feien Bindungen, die ihnen Verpflichtungen aufer- lcgfen, denen sie nicht zuwiderhandeln könnten. Die Note schließt mit dem Hinweis darauf, daß Frankreich immer und unter allen Umständen aufrichtig und ohne Hintergedanken bereit sei, sich jeder Er-
gliche Entwafsnu
nach dem Versailler Vertrag j ^ In der me^ J^J^ffi^ , die
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schaffen. Deutschlands Heer und Flotte sind wieder verwendungsfähig und im In- und Auslande geachtet. Dieses Ziel wäre nicht erreicht worden, hätte ich nicht in der hingebenden Arbeit aller Angehörigen der Wehrmacht so treue und unermüdliche Unterstützung gefunden. Dafür in diesen Stunden Dank zu sagen, ist mir Pflicht. Die besten Kräfte zogen wir alle aus der großen militärischen Ueberlieferung, die zu pflegen ich mich berufen fühlte besonders aus der Ueberzeugung heraus, daß es Auf. gäbe des Soldaten ist, über alle Parteien hinweg, niemanden zu leide und niemand zu lieb, nur dem Vaterlande zu dienen. Stolz bin ich darauf, solange Jahre Reichswehrminister gewesen zu sein, aber am stolzesten darauf, daß ich in diesen Jahren ein festes Band des Vertrauens mit Offizieren und Soldaten, Beamten und Angestellten knüpfte
das, so hosfe ick, unzerreißbar ist.
Heer und Marine rufe ich zum Abschied zu: Deutschland über alles!
Der Reichswehrminister, gez. Dr. Geßler"
Ein Erlaß des Reichswehrministers Groener an die Wehrmacht lautet:
„Durch das Vertrauen des Herrn Reichspräsi- denken an die Spitze des Reichswehrministeriums berufen, habe ich heute die Amtsgeschäfte übernommen. In der festen Ueberzeugung, daß unsere gemeinsamen Arbeiten von rückhaltslosem gegenseitigen Vertrauen getragen sein werden, rufe ich allen alten und jungen Kameraden ein herzliches Glückauf! zu.
Berlin, 20. Januar 1928.
Der Reichswehrminister: gez. Groener."
Dev alte Nevs«vberievvevbs«d ruv Lohn- und AebertSrett- bewesnns
Bochum, 22. Jan. In einer hier abgehaltenen Konferenz von etwa 700 Delegierten des alten Bergapbeiterverbandes aus dem ganzen Ruhrbezirk wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der unter Hinweis auf die zu niedrige Entlohnung und die erhöhten Anforderungen an die Kräfte der Bergarbeiter durch die Mechanisierung und das Antreibersystem eine bedeutende Erhöhung der Löhne und eine Verkürzung der Arbeitszeit gefordert sowie die Organisationsleitung beauftragt wird, zum 30. April die Kündigung des Lohntavifs und des Mehrarbeitscrbkommens auszufprcchen. Zu bemerken ist, daß die Kündigung des Mehrarbeits- abkommens, für das eine zweimonatige Kündigungsfrist besteht, spätestens am 1. März, die des Lohntarifs, der mit einmonatiger Kündigungsfrist läuft, spätestens am 1. April erfolgen muß.
Die Besprechung wurde eingeleitet durch ein ausführliches Referat des Führers des alten Bergarbeiterverbandes, des Reichstagsabgeordneten Hefemann, über die Lage der Bergarbeiter, in dem er u. a. darauf hinwies, daß der Reallohn für die
er u. a. daraus hi »wies, bau________ Gesamtbelegschaft nur 97 Prozent, für Die Hauer sogar nur 93 Prozent des Friedenslohnes beträgt und daß in der Entlohnung die Bergarbeiter an fünfzehnter Stelle von insgesamt vierundzivanzig Berufen stehen. Der Redner erklärte dann weiter,
bei der Einstellung der Arbeitgeber fei mit freiwilligen Zugeständnissen nicht zu rechnen. Die Arbeiterschaft müsse sich deshalb mit dem Gedanken des Streiks vom 1. Mai ab vertraut machen.
klärung anzuschließe», die darauf abziele, der Krieg als ein Verbrechen zu bezeichnen uno internationale Sanktionen vorsehe, die ihn verhindern oder "'e- seitige» können. Diese Einstellung der französischen Regierung habe sich nicht geändert. Die Regierung von Washington könne also des aufrichtigen Wunsches versichert sein, daß man ihre Bemühungen in dem Maße unterstütze, wie es mit den internationalen Verpflichtungen der französischen Regierung im Einklang stehe.
Smmev noch Me!ttttttSs- vsv§tv<ede«hetie«
Paris, 23. Ian. Aus Washington wird berichtet, daß man versucht sei anzunehmen, daß ein weiterer Meinungsaustausch über die Frage des Antikriegs' Paktes gegenstandslos geworden sei, denn die Meinungsverschiedenheiten zwischen Washington und Paris bestünden weiter. Es bestehe eigentlich nur noch die Hoffnung, diplomatische Verhandlungen zwischen den die Großmächte vertretenden Diplomaten könnten zu einer Verständigung über eine gleichzeitige Erklärung führen, durch die iede Macht» soweit es sie betreffe, auf jeden Krieg verzichte. Eine derartige Erklärung sei zwar nicht so bindend miet beim formellen Vertrag, sie werde jedoch eine starke, moralische und abschreckende Wirkung haben.
zählüftg narb festen SaWn lowle^sie Kmtdiäüng nicht nur des Lohntarifs, [Dittmern auch des Ueber« arbeitsab kommens gefordert. In feinem Schlußwort wies Husemann auf den Ernst der kommenden Zeit hin und verlangte ein geschlossenes Vorgehen.
GSGMchev Nv^isfi sese« das GEutgesetz.
Dresden, 22. Jan. Unter ^dem Vorsitz von Staatsnuncker a. D., Vrof. Dr. Schiert, faub vier am buitiqen Sonntag ene sehr stark bestickte Protest- oer ammlung gegen de Be ch üsse des Bil^ung^aus- chusses deS Reichstages statt, in denen eine Gefährdung des Bestandes der sächsischen Volksschule nnd W sächsis ' en Volksschuloeletzes gesthen wird. Der Vorötz nde führte aus, daß der P-otest itr voller Uebereinstimmung mit der 'äck'nchen Regierung erhoben werde. Hierauf behandelte M Nister des Innern Dr. " pelt den Protest von der ftaa -rechtlichen Süte und b tonte, daß der Entwurf kein lieberaler Fortschritt sei. Namhafte Gegensätze bestünden zwiicke» dem Entwurf und der We marer Verfassung. Die Schiile unterstünde lediglich dem Staate, dem Gesamtwillen des Volkes, und Nicht der Kirche und der Elteru- chaft. Der Fünfter ging dann au.ii noch auf die Kosten ein, die die Durch ühenng des Entwurfes den Gemeinden bi innen Werse. Stadtrat Dr. Böhm - Cöemmtz, Hochfchulprof sior K>one,-Dresden und Unwersitiispro' ffor Dr. Götz-L-ipzia sprachen 'ich n ähnlichem Sinne gegen den Entwurf aus. Nach ein m Schlußwort bi g Vorsitzenden wurde ohne Debatte ein» stimmn eine Entschließung angenommen, die die von den St buern vorgebrechten Bedenken und Forderungen zum Ausdruck brachte.
Ein Sirtevvlew Dv. Mivibs
Paris, 22. Jan. Der ..Platin" veröffentlich ein Interview, das der frühere Reichskanzler Dr. Wuth dem außenpol'iiichenRedakteur dieses Blattes i emähn hat. Dr. Wirth sprach zunächst von der Bedeutung der bevorstehenden Weltwahlen und er- Uärte dann, er stehe Bewegungen wie der pan- europäischen syrnpachiich ge eniiber. Es wäre jedoch unvorsichtig, wenn man allzu schnell vor wollte. Das Cyaralteristitum der gegenwärtigen Epoche sei, daß man nicht übermäßig zu zentralisieren versuchen dürfe. Niemals sei die Atmo phäre in Deutich and für eine friedliche Annäherung mit Frankreich so günstig gewesen we jetzt. Die Intellektuellen, die Industriellen und die Kaufleute feien weit vorangeichritten. Sie würden und müßt.n auch die politischen Krei>e für ihre Unter» »ühuni gewinnen. Er — Wirth — wün die, daß man tranzösischerseitS den Deutschen sich nicht immer mit her P cMbaube auf dem Kopf vorstelle. Er hab- nach ben Besprechungen, die er in Paris mit leitenden Persönlichkeiten gihabt habe, den Emdiuck, daß der Ltanepniiit in dieser Hinsicht sich ändere. Nach feine, Ansicht müsse durch diese A' nâ erw g zw schen Frankreich und Deutschland ein gesunder Wiederaufbau Gui ovas beginnen, sonst fei nicktS möglich. Die Hauptsache sei, daß man nur heben Seiten und be» ioiiderS unter der Jugend von dem Getan en dnick- orung'N se , daß der Kneg ein nicht mehr ieft iemäßeS, verabscheuungswüroiges Mittel sei und daß nur »ureb frublidie Methoeen die Bölter zu einer Verständigung gelangen sonnten.
Die PavLiev Beivvechungen Navkev Gttbevts
Der Generalagent Parker Gilbert hat auf feinem Rückweg nach Berlin in Paris eine Reihe von Besprechungen gehabt, u. a. mit dem französischen Außenminister Briand und mit den Mitgliedern der Reparationskommission. Wenn darüber auch keine amtlichen Veröffentlichungen erschienen sind, so weiß man doch, daß es sich dabei um die Frage gehandelt hat, die von Parker Gilbert bei seinem letzten Jahresbericht aufgeworfen worden sind. Um die Notwendigkeit, die Schulverpflichtungen Deutschlands endgültig festzusetzen, ehe an eine wirkliche Lösung des Entschädigungsproblems gedacht werden kann. Bei der Erörterung dieser Angelegenheit kommt nicht nur die sachliche Seite, sondern auch die Kompetenzfrage in Betracht. Der Generalagent behauptet, daß
den Ge- ebatte zu
es zu seinen Pflichten gehöre, auch danken der Endlösung mit in die 2i
ziehen. Die Reparationskommission scheint darüber etwas anderer Ansicht zu sein. Man hat den Streitfall aber nicht entschieden, sondern man wird es den einzelnen Regierungen überlassen, sich dazu zu äußern, wenn es im weiteren Verlauf der Dinge notwendig werden sollte. Im übrigen glaubt man, daß auch die Frage der Endlösung nicht in Angriff genommen werden kann, ehe in Frankreich wie in Deutschland die Neuwahlen zum Parlament einen klaren Ueberblick über die künftigen parlamentarischen Machtverhältnisse gestatten.
Was die Sache selbst angsht, so hat der Generalagent nach allem, was man hört, darauf hingewiesen, daß dis Möglichkeit des . XiwjeaU deuWen
in ausländische Währung bisher noch keineswegs die Probe bestanden hat. Deutschland hat bisher feine Jahresraten nicht durch den Ueberfchuß feiner Produktion gedeckt, wie es in dem Dawesplan vorgesehen ist. Vielmehr sind die Zahlungen so gut wie ausschließlich mit Hilfe von ausländischen, in der Hauptsache amerikanischen Anleihen erfolgt. Es ist bekannt, daß diese wachsende Verschuldung Deutschlands dem Generalagenten Veranlassung gegeben hat, sich mehr in die deutsche Finanzpolitik einzumischen, als man es in Deutschland selbst als berechtigt empfunden hat. Die deutsche Regierung hat dies dem Generalagenten auch zu erkennen gegeben. Infolgedessen scheint Parker Gilbert entschlossen zu sein, den weiteren Verlauf der Dinge abzuwarten und es darauf ankommen zu lassen, daß zwischen der deutschen Anleihepolitik und den Notwendigkeiten des Transfers einmal eine greifbare Unstimmigkeit entsteht, die es ihm erlaubt, die Auseinandersetzung in diesem Punkt fortzusetzen. Man kann nach allerlei Andeutungen annehmen, daß Parker Gilbert während seines Aufenthaltes in Paris diesen Weg als den geeigneten bezeichnet hat.
Im übrigen hat sich aus den Unterredungen ergeben, daß auch Parker Gilbert für die Interessen des amerikanischen Kreditgebers volles Interests hot. Das amerikanische Kapital sucht deshalb mit Vorliebe auf dem deutschen Markte Aufnahme, weil bei erstklassiger Sicherheit ein hoher Zinsertrag in Aussicht steht. Man weiß, daß Deutschland ausländisches Kapital nötig hat, um seinen industriellen Apparat wieder vollständig auf die Höhe zu bringen. Zur deutschen Finanzgebarung hat man Zutrauen. Man glaubt nirgends an die Möglichkeit irgendwelcher inneren Unnihen in Deutschland. Man hält die Währung für gesichert und sieht, daß die Arbeitsenergie des deutschen Volkes wieder ihren alten Grad erreicht hat. Es zweifelt also niemand daran, dyß Deutschland tatsächlich für ausländische Anleihen einen soliden und gesunden Markt abgibt. Aber Parker Gilbert verschließt sich doch nicht der Ansicht, daß die stark passive Handelsbilanz der deutschen Wirtschaft, die eine Folge der vielen Anleihen ist, genau das Gegenteil der Entwicklung darstellt, die man bei der Einführung des Dawesplanes ins Auge gefaßt hat.
Parker Gilbert hat in feinen Pariser Besprechungen auf Grund der bisherigen Entwicklung zweifellos auf die Wahrscheinlichkeit hingewiesen, daß der Dawesplan in absehbarer Zeit revidiert werden muß. Der deutsche Produktionsüberschuß ist von den Sachverstän- )igen, die den Dawesplan ausgearbeitet haben, kr die wesentliche Voraussetzung des Erfolges gehalten worden.. Man sieht aber gegenwärtig nicht, wie die deutsche Wirtschaft zu einem Ueberfchuß gelangen soll. Die Gläubigerländer: