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Jrdtag den 20. Januar 1928
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sthweren Konflikt mit den Ländern kam. Die Sitzung wurde alsdann auf l^ Stunden unterbrochen, während dessen das Reichskabinett zusammentrat, um einen Ausweg zu suchen. Wir haben Grund zu der Annahme, daß in dieser Kabi- nettssitzung sogar die Möglichkeit der Zurückziehung der volksparteilichen Minister angekündigt morgen -st für den Fall, daß die Angelegenheit tatsächlich dem Verfassungsausschuß des Reichsrates und damit den Ländern allein überlassen würde. Darauf kam die Lösung zustande, die zu der Einsetzung des 18er Ausschusses führte, von dem man nunmehr eine erfolgreiche Weiterentwicklung der zur Debatte stehenden Probleme erwartet.
AbMmmtttts im ANdunsS- aussthutz
Die Paragraphen 14—17 angenommen.
Berlin, 19. Jan. Der Bildungsausschuß des Reichstages nahm heute die Abstimmungen vor. § 14 des Schulgesetzes wird angenommen, und zwar mit 16 Stimmen der Regierungsparteien gegen die Stimmen der Demokraten, Sozialdemokraten und Kommunisten. § 15 wird mit dem gleichen Stimmverhältnis wie § 14 angenommen.
Dor der Abstimmung über § 16 und 16a gibt Abg. Runkel (D. Dp.) folgende Erklärung für die Antragsparteien ab: Da bei nochmaliger Ueber« Prüfung des § 16a sich ergeben hat, daß der Zweck, den wir bamit erreichen wollten, bereits durch die vorgehenden Paragraphen, insbesondere durch § 16 erreicht wird, ziehen mir § 16a zurück.
Zu § 16 legte Abg. Runkel (D. Dp.) namens feiner Fraktion noch einmal seine Stellung dar:
1. Ein Geistlicher, der lediglich Ortsgeistlicher ist, sann mit der Einsichtnahme nicht betraut werden.
2. Mit der Einsichtnahme kann auch der Nachdargeistliche nicht betraut werden, wenn er nicht zu- glcich den „oberen Stellen" angehört.
3. Unsere Absicht war, in Uebereinstimmung mit ien Beschlüssen des evangelischen Oberkirchensenats Raum zu lassen, in der Regel auf kirchlichem Boren stehende Schulaufsichtsbeamte mit der Einsichtnahme zu betrauen und nur in Sonderfällen obere kirchliche Stellen.
4. Sollte die vorliegende Fassung diese Absicht nicht eindeutig zum Ausdruck bringen, dann müßte zwischen erster und zweiter Lesung eine neue Formulierung gesucht werden.
5. Unter diesem Vorbehalt stimmen wir der jetzigen Fassung des § 16, der zunächst eine provisorische Lösung darstellt, zu.
Bei der Abstimmung über den Antrag der Sozialdemokraten, daß die zuständige Schulaufsichtsbehörde von der Einsichtnahme so rechtzeitig vorher zu benachrichtigen sei, daß sie die Möglichkeit hat, daran teilzunehmen, erklärt Abg. Runkel (D. Dp.), er halte das für eine Selbstverständlichkeit, und seine Partei stimme diesem Antrag des- halb nicht zu. Sollte sich jedoch später die Notwendigkeit einer solchen Ergänzung ergeben, so würde ;r und feine Parteifreunde für die vorgeschlagene Aenderung eintreten.
§ 16 wird darauf in der Kompromißfassung mit großer Mehrheit angenommen. § 16 erhält dadurch folgenden Wortlaut:
„Den 'Religionsgesellschasten ist — unbeschadet des staatlichen Aufstchtsrechtes — Gelegenheit zu geben, sich davon zu überzeugen, ob der Religionsunterricht in Uebereinstimmung mit ihren Grundsätzen erteilt wird. Die zuständigen oberen Stellen der Religionsgesellschaften haben zu dem Zwecke das Recht der Einsichtnahme in den Religionsunterricht. Dieses Recht kann nicht an den Ortsgeistlichen als solchen übertragen werden. Die Rc- Ügonsgesellschaften und ihre Vertreter haben gegenüber den Lehrern, die Religionsunterricht erteilen, 'eine Befugnisse der Dienstaufsicht."
(Diesem letzten Satz des § 16 gaben bei der Einzelabstimmung auch die Lemokraten ihre Zustimmung.)
§ 17 wird mit 16 Stimmen angenommen. Er erhält folgende Raffung:
„§ 17. Rechtsmittel. Die Ablehnung von Anträgen die Erziehungsberechtigte auf Gründ von § 14 Absi 2 oder § 15 gestellt haben, ist nach näherer Bestimmung des Landesrecht? in einem verwaltungsrechtlichen Verfahren anfechtbar. § 11 Abf. 2 findet Anwendung." — Nächste Sitzung Dienstag.
VawerSS AttMtttz an VvenSen
Wie der Demokratische Zeitungsdienst mitteilt, wird sich das preußische Etaatsministerum am Frei- ag mit dem Vertrag beschäftigen, durch den die An- gliederung Waldecks an Preußen erfolgen soll. Mit der Annahme dieses Vertrages würde die vorgesehene Volksabstimmung über den Anschluß Waldecks an Preußen überflüssig werden.
Ansebttthe Sntevviews mit KSnVenvuvg und Gvoenev
Berlin, 19. Jan. Ein rheinisches Blatt veröffentlicht aus einer amerikanischen illustrierten Zeitschrift angebliche Interviews mit Herrn v. Hindenburg und Herrn Groener aus den Tagen der Revolution. Wie den Blättern mitgeteilt wird, erklären beide, daß solche Unterredungen niemals stattgefunden haben.
tvkedevausuadme des Seme- vvozesseS wttms?
Bersin, 19. Jan. Im Femeprozeß Wilms ist das Urteil des Reichsgerichtes, durch das die Revision der zum Tode verurteilten Oberleutnants Schulz und Fuhrmann und Feldwebel Klapproth und Um« Hofer verworfen ist, jetzt zugestellt worden. Es umfaßt einige zwanzig Seiten. Gleichzeitig ist von der Verteidigung ein Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens bei der zuständigen Strafkammer in Berlin eingegangen.
Gtvesemaun fmMt ruv Rhein- randvSumung
_ Berlin, 19. Jan. Während es im Reichstag zunächst hieß, Dr. Stresemann werde mit Rücksicht auf seine Erholungsbedürftigkeit um Hinausschiebung der Besprechung des Auswärtigen Etats ersuchen, hat der Reichsaußenminister jetzt den Wunsch ge« äußert, noch vor Antritt seines Urlaubes vor dem Plenum des Reichstages über einige wichtige Fragen der Außenpolitik zu sprechen. Da die Ausschuß- Beratungen seines Etats in einigen Tagen beendet sein dürften, wird voraussichtlich am nächsten Don- nerstag Dr. Stresemann di« angekündigte Rede halten.
Wie die „Vossische Zeitung" miizuteilen weiß, ist gnzunehmen, daß der Reichsaußenminister di«
â-enev AeichswehrmiEer
Betlin, 19. Jan. Der Herr Reichspräsident hat auf Vorschlag des Herrn Reichskanzlers den Reichswehrminister Dr. Geßler auf seinen Antrag vom Amte des Reichswehrminister» entbunden und den Reichswehrminister a. D. Generalleutnant a. D. Groener zum Reichswehrminister ernannt.
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Die Bevlinev Dresse zu GvoenevS Evnettnuns
BerNn, 20. Jcm. Zu der Ernennung des Generalleutnant a. D. Groener zum Reichswehrminister schreibt die „K r e u z - Z e i t u n g": Wir haben aus unseren Bedenken, die gegen eine Der- wettdung General Groeners in der Stellung des Reichswehrministers sprechen, kein Hehl gemacht. Wir halten sie heute aufrecht. Nach Lage der Dinge können wir uns nur mit dem Wunsche bescheiden, daß der neue Reichswehrminister das in ihn von
Reichswehrminister Dr. Gröner.
dem Generatfeknnarschall und Reichspräsidenten
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fetzte Vertrauen rechtfertigt und unsere Reichswehr gegen den unentwegten Ansturm ihrer inneren Feinde zu schützen vermag.
Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" erklärt: Hindenburg hat mit der gleichen Zurückhaltung, aber durchgreifenden Entschiedenheit, mit der er schon mehrfach langwierige Krisen zu beenden verstand, auch diesmal die Führung in seiner Hand behalten und noch Anhörung der parlamentarischen Vertreter auf Vorschlag des Kanzlers seine Entscheidung getroffen. Was der neue Reichswehrminister zwar auf menschliche Sympathien
bei allen Parteien, aber zunächst auf gewisse poli
tische Widerstände stieß, kann eher als ein günsti- Bertil
ges Psrzeich«, für feine zimtsratfgFen
werden, deren Kennzeichen es fein wird, die Reichswehr auch weiterhin außerhalb der Parteieinflüsse und der Politisierungsbestrebungen zu halten.
In der „Ge r m a n i a" heißt es: Der Reichspräsident hat also jenen Mann für das schwere Amt des Reichswehrministers ausgewählt, der in sorgenvollen Tagen sein Berater gewesen ist Groener ist als ein Mann von aufrichtiger Gesinnung bekannt. Seine württembergische Herkunft t^ü chn den demokratischen Geist mitgegeben, den er niemals verleugnet hat, denn aus seiner die Republik be- jahenden Einstellung hat Groener niemals ein Hehl gemacht. Die Verwurzelung der Reichswehr mit dem Volke und ihr wirklich echter demokratischer Aufbau, nicht im parteipolitischen, sondern im weitesten Sinne, ist die Ausgabe, die noch der Lösung harrt. Der Reichspräsident ist anscheinend von dem Gedanken ausgegangen, die Reichswehr soweit wie möglich dem politischen Einfluß zu entziehen, und deshalb wohl nicht zuletzt ist die Wahl aus Groener gefallen. Die „Börsenzeitung" schreibt: Wir haben begründete Hoffnung, daß Groener das hohe Vertrauen, das Reichspräsident v. Hindenburg in ihn fetzt, nicht täuschen wird.
Das „D. T." sagt: Wir denken nicht daran, dem neuen Reichswehrminister mit Vorschußlor- beeren zu kränzen oder ihm selbst, nach der Ausdrucksweise eines deutschnationalen Blattes, als Vorschuß auf eine künftige Linksregierung zu be- trachten. Er wird zeigen müssen, ob er sich auch der
Rheinlandräumung zum Hauptthema machen und bei der Gelegenheit der These entgegentreten wird, die Paul-Doncour, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der französischen Kammer, in einer öffentlichen Kundgebung vertreten hat und die darauf hinausläuft, daß die vollständige Räumung nur erfolgen könne, wenn Deutschland einwillige, daß eine besondere Kommission im Rheinland die Einhaltung der Bestimmung des Versailler Vertrages über die militärfreie Zone überwache. Dr. Stresemann dürfte geltend machen, daß diese Forderung dem Vertrag von Locarno widerspricht, der Frankreich alle wünschenswerte Sicherheit bietet.
Maslnot ssvdevt vevrünsevte Beretzutts
Räumung ohne deutsche Konzessionen unmöglich.
Paris, 19. 3an. Der ehemalige Kriegsminister im Kabinett Poincarè, Maqinot, hielt heute nachmittag vor einer erlesenen Zuhörerschaft von Deputierten, Senatoren und Diplomaten eine sensationelle Rede, in der er das außenpolitische Programm der republikanischen Liga entwarf. Maginot bestritt nicht die Bedeutung des Völkerbundes, trat aber für die Steigerung der französischen Rüstungen ein. um die „Cüae der Sicherheit, die fehlenden Garantien des Friedensvertrages" auszufüllen. Vor einer Politik, die zur Verminderung der Rüstungen führen müßte, warnte er und betonte, daß diese deutschen Zuanooer, nämlich die Betreibung der Abrüstungspolitik nutz- und fruchtlos bleiben würden.
Den Frieden und das gute Einvernehmen mit Deutschland wünscht ZHaginot. Aber er hält es für eine Ueberspannthezt, daß von den Deutschen die Räumung des Rheinlandes ohne Gegenkonzessionen verlangt wird. Maginot beruft sich auf den ver- saUer Vertrag, der e» Frankreich, dessen Sicher
Gruppe gegenüber durchsetzen kann, die seinem Vorgänger die tatsächliche Macht aus der Hand gewunden hat. Groener übernimmt eine schwierige Erbschaft. Man wird die Taten des Mannes, dessen persönliche Lauterkeit mtb dessen Befähigung von keiner Seite angezweifett wird, ohne Vorurteil, aber auch ohne voreiligen Applaus abwarten müssen.
Die „Vossische Zeitung" schreibt u. a. zu der Ernennung Groeners, er kann, da er als alter erfahrener Soldat die militärischen Bedürfnisse zu beurteilen verstehen sollte, ohne das Gespenst einer „Zerschlagung der Wehrmacht" heraufzubeschwören, die langersehnte Resorm der Reichswehr durch, führen, wenn er sie will und für notwendig hält. Er muß seine Reform damit beginnen, daß er seine Offiziere an den neuen Staat heranbringt, daß er sie lehrt, die Republik zu achten.
Auch der „Vorwärts" beschäftigt sich heute in einem Leitartikel mit der Persönlichkeit Groeners und den seiner harrenden Aufgaben. Er besitzt zur Lösung dieser Aufgaben, so schreibt das sozialdemokratische Blatt, Tradition und .Fähigkeit, es muß sich zeigen, ob auch den politischen Willen. Die eine dieser Aufgaben ist die Bereinigung des Reichs- wehretat, die andere Aufgabe ist die große Reichswehrreform.
Die Dateien und das Aei^itoebmittMttm
Berlin, 19. Jan. In Kreisen des Reichstages bildete heute nachmittag und heute abend die Er- Nennung des Generals Groener den Hauptgegenstand der Erörterung. Dabei kam bei den Vertretern der Parteien des rechten Flügels der Regie- rungstoaliton eine gewisse Enttäu- 1 Kung zum Ausdruck. Es ging sogar das Gerücht, daß die Deutsche, die Deutschnationale und vielleicht auch die Bayerische Volkspartei beabsichti- gen, eine gemeinsame Erklärung herauszugeben. Liese Absicht hat sich jedoch nicht bestätigt. Die Deutschnationale Dolk-partei hat ihre Stellungnahme aber in einer besonderen Erklärung präzisiert. Ebenso hat die Fraktion der Deutschen Dolkspartei dem Reichskanzler durch ihren Vorstand das Be- fremden der Deutschen Dolkspartei zum Ausdruck bringen lassen. Die Besetzung des Reichswehr- ministeriums wurde heute nachmittag in den Frak- tionssitzungen besprochen. Dabei hat, ebenso tme es in der deutschnationalen Erklärung fü " ~ " Volkspartei! zum Ausdruck kommt, dre D
ur die DnaU.
Volkspartei! zum Ausdruck kommt, dre Deutsche Volks- Partei sich mit der vom Reichspräsidenten getroffenen Entscheidung abgefunSen, zumal der Reichspräsident selbst erklärt hat, daß er die von der Deutschen Volkspartei vorgebrachten fachlichen Einwendungen als nicht stichhaltig bezeichnen könne. Ueber die Stellungnahme des Zentrums verlautet, daß diese Partei die Kandidatur Groeners von vornherein gebilligt hat.
Dev KerGSvvSKdent an Dv. Gedlev
des Schreiben gerichtet:
„Mein sehr geehrter Herr Reichswehrministl Mit lebhaftem Bedauern habe ich von Ihrem @i
schlusse, aus dem Amte des Reichswehrministers zu scheiden, Kenntnis genommen. So ungern ich mich auch gerade von Ihrer bewährten Mitarbeit trenne- so habe ich im Hinblick auf Ihre erschütterte Ge- sundheit mich doch entschließen müssen, Ihrem Ab- schiedsgesuch stattzugeben und lasse Ihnen anbei die Entlassungsurkunde zugehen.
Dor nahezu 8 Jahren, in einer Zeit innerer Wirrnis und äußerer Bedrängnis haben Sie das schwierige Amt des Reichswehrministers übernommen und es seither in hingebender und selbst- loser Arbeit geführt, nur von dem einen Ziele ge- leitet, die uns verbliebene Wehrmacht zu einem über dem Streit der Parteien stehenden pflichttreuen und tüchtigen Instrument des Reiches aus- zvgestalten. Hierfür Ihnen im Namen des Reiches tief empfundenen herzlichen Dank zu sagen, ist mir in dieser Stunde ausrichtiges Bedürfnis. Mit der Geschichte des Wiederaufbaues der deutschen Reichswehr und der deutschen Reichsmarine wird Ihr Name eng verbunden fein!
Indem ich Ihnen meine aufrichtigen Wünsche für eine baldige Wiedergesundung und zugleich die Hoffnung ausspreche, daß eine spätere Zeit Sie wieder im Dienste des Reiches finden möge, bin ich mit freundlichsten Grüßen Ihr stets ergebener und dankbarer
gez.: v. Hindenburg/
heit noch nicht vollkommen sei, gestatten würde, eine gewisse Zeit im Rheinland weiter zu verbleiben. Der frühere Kriegsminister gab durch die Blume zu verstehen, daß die republikanische Liga, der In der Deputiertenkammer etwa 60 Abgeordnete angehören, für eine verlängerte Besetzung Wahlyro- paganda machen werde. Ihr Argument lautet: wir dürfen das linke Rheinnfer nicht preisgeben, weil es dann Frankreich an einer guten Grenze fehlt.
Der „Temps" findet Maginots Erklärungen durchaus berechtigt und konstatiert den rednerischen Erfolg des Deputierten, der sich selber oft auf seine guten Beziehungen zu PoinrarL beruft
Ehambevrain übev die poNiische Lage
Birmingham, 19. Jan. Staatssekretär des Aeußeren Austin Ehamberlain führte in einer Rede aus, nach dem Abschluß des Vertrages von Locarno hätten sich Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien zu gemeinsamer Arbeit für den Frieden der Welt zusammengefunden. Nach einem Rückblick über „drei Jahre schwerer Sorge und Verantwortung" erklärte Chamberlain, Europa sei heute friedlicher als zu der Zeit, da die Regierung ihr Amt übernahm. Auch die Lage im fernen Osten sei zufriedenstellender. Die Vorgänge in China hätten Grund zur Sorge gegeben, doch habe sich die Lage etwas gebessert. Eine ernste Phase der chinesischen Revolution, in der sich russischer Einfluß in China geltend gemacht habe, sei abgeschlossen.
StbüMns Midbiet! beim wett- gevthtshof
Berlin, 19. Jan. Der Kieler Dolkerrechtslehrer und demokrattsche Reichstagsabgeordnete, Professor
2Lalth«r Schücking, ist vom Auswärtigen Am für den Rechtsstreit zwischen dem Deutschen Reich und Polen über die Einschulung der Schulkinder ui die deutschen MirGerheUsschulen zum Richter bei« Weltgerichtshof im Haag ernannt worden.
Ächt Austritt -tteudells
Berlin, 19. Jan. Zu der Meldung eines Berliner Morgenblattes über den angeblich bevorstehen, den Rücktritt des Reichsinnenministers v. Keudell können wir mitteilen, daß es sich dabei um Gerüchte handelt, die gestern nachmittag im Reichstag umgingen. Es wurde behauptet, daß die Absicht, Herrn v. Keudell durch Herrn v. Lindeiner zu er- setzen, ihren Grund darin habe, daß di« Deutsch, nationale Dolkspartei dem Zentrum im Zusammen- Hang mit den bevorstehenden schwierigen Schul- gesetzberatungen und den internen Erörterungen innerhalb der Zentrumspartei die Situation zu er- leichtern versuche, um so baldige Neuwahlen zu ver. hindern. Don führender deutschnationaler Seite wur. -den uns diese Gerüchte bereits gestern nachmittag als vollkommen grundlos bezeichnet. Aus neuerliche Erkuitdigung wird uns heute vormittag von der Leitung der Deutschnationalen Volkspartei bestätigt, daß eine Wsicht Herrn v. Keudell aus dem Kabinett zurückzuziehen, überhaupt nicht erwogen worden sei.
Ke«e ELnschvSnSung im englischen ^veurevbau
London, 18. Jan. Nach Derössentsichungen in den heutigen Morgenblättern hat die englische Regierung beschlossen, eine wettere Verminderung in ihrem Kreuzekbauprogramm eintreten zu lassen. Im November wurde bereits vom Marineministerium bekanntgeeben, daß zwei Kreuzer von dem Sauprogramm dieses Jahres gestrichen werden würden. Nunmehr soll das Kabinett auch den 10 00y-Tonnen°Kreuzer, der im nächsten Finanzjahr in Bau gegeben werden sollte, nicht bauen und ine Frage prüfen lassen, ob es möglich ist, auch einen der beiden kleinen Kreuzer, ine ursprünglich im Marinebauprogramm 1928/29 vorgesehen waren, aus dem Programm zu streichen.
Das im Januar 1925 verabschiedete Marine- bauprogramm steht auch den Bau von ei nm 10 000« Tonnen-Kreuzer und von je zwei 8000-Tonnen- Kreuzern in den Jahren 1927—1928—1929 vor. Vor einiger Zeit wurde jedoch bereits von der Regierung bekanntgegeben, daß angesichts der bei der Genfer Flottenabrüstungskonserenz zutage getretenen Loge zurzeit seine 10 000-Tonnen-Kreuzer mehr in Bau gegeben werden sollen. Das Ergebnis dieser Baueinschränkung ist, daß nur drei 8000-Ton» nen-Kreuzer, einer im gegenwärtigen Finanzjahr und wahrscheinlich zwei im Finanzjahr 1928/1929 gebaut werden, anstatt, wie im Mar,insbaupw> gramm ursprünglich vorgesehen war, vier 8000« Tonnen-Kreuzer und zwei 10 000-To nnen-Kr euzer. Di« finanziellen Lasten sind hierdurch von 10 Mill. Pfund Sterling aus 4^ Millionen Pfund Sterling vermindert worden.
SttchthauSftvasen im Loudsttev SptonaseNvoretz
London, 19. Jan. Der Spionageprozeß gegen den Engländer Mac. C a r t n e y und den Deutschen Georg Hansen ist gestern abend zu Ende gekommen. Die Geschworenen fanden beide Singe ttag- # fen schuldig'und bet Richter verurteilte beibe WE 10 Jahren Zuchthaus, was in England guter Führung 7^ Jahre bedeutet. Es hat sich iroi Laufe der Verhandlung, soweit solche nicht bei schlossenen Türen statlfanü, ergeben, daß Hansen, ’ der erst 24 Jahre alt ist, Redakteur beim Ruhr-Echa war und in Deutschland bereits wegen politischer Verbrechen vorbestraft worden ist. Der General- staatsanwalt erklärte in seiner Schlußrede, man hätte ein gefährliches Spionagsnetz aufgedeckt, aber leider feien einige der Schuldigen entkommen.
Die „Times" halten den Spionageprozeß für wichtig genug, um ihm den ersten Leitaufsatz zu widmen. Wenn man ihn liest, könnte man meinen, daß die Spionage eins russische Spezialität sei, von der eine britische Regierung nichts wisse.
Der „Daily Telegraph" sieht in diesem Spionage- prozeß eine weitere Rechtfertigung des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen zu Rußland.
Der „Daily Herald" führt aus, in diesen abscheulichen Spionageschäften habe keine Regierung reine Hände. Es sei nur ein Symptom der Furcht, das die gegenseitigen Bezichungen der Regierungen und Stationen charakterisiere.
Aus ante Wett.
Die Leichenberaubung im Krematorium Wilmersdorf.
Berlin, 19. Jan. Die beiden Heizer des Krem» toriums Wilmersdorf, die unter dem V«rdacht, eine Leiche beraubt zu haben, verhaftet wurden, sind heute aus Antrag ihres Verteidigers aus der Hasi entlassen worden. Die Staatsanwaltschaft scheint sich, bem 8-Uhr-Abendblatt zufolge, davon überzeugt zu haben, daß die Verdachtsmomente nicht ausreichen, um eine Haft zu rechtfertigen.
Tödlicher Ausgang eines Sporkringkampfes.
Stettin, 19. Jan. Bei einem Ringkampf zwifche« zwei Mitgliedern des hiesigen Atheltenklubs „Voß kam der Ringer Bernhard Wesendorf so unglück' lich zu Boden, daß er einen Bruch der Wirbelsäule erlitt. Im Kreiskrankenhaus ist er nach eintägigem Krankenlager an dieser schweren Verletzung gestorben.
Schneemassen im Allgäu.
Allgäu, 20. Jan. Gewaltige Schneenlassen sind im Allgäu-Gebiet niedergegangen. Es wird eine Schneehöhe von 20 Ztm. gemeldet.
Line Muller mit ihren Kindern ins Wasser gegangen.
Pilsen, 19. Jan. Eine Frau Mehring in Klein' Sembowitz sprang heute nachmittag mit ihren beiden Kindern im Aller von 3 und 6 Jahren in den Ortsteich. Landleute sahen die Leiche im Wassel liegen und verständigten den Ehemann, der m» Hilfe der anderen Personen die Leichen bars Ueber die Motive der Tat ist nichts bekannt.
Waffenfund in Innsbruck. ,
Innsbruck, 18. Jan. Die „Innsbrucker Zeitung meldet, daß in der Devotionalienhandlung u«’ Rosenkranz-fabrik des der Tiroler Volkspartei ang* hörenden Abgeordneten und Vizebürgermeister oo« Innsbruck auf Grund einer Anzei-ge beim Stad»' poligeiamt eine Haussuchung vorgenommen wu«^ bei welcher angeblich ein Dutzend Kisten mit fen für die Tiroler Heimatwehr aufgefunben lvuk> den. Die Vorgefundenen Waffen wurden auf ordnung der Landesregierung beschlagnahmt.