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ÄuHettv^Esve Umschatt
RüBwtttsgesuch des rieichswehr- ministers
Dv. OeAev msMZSVè Mu RüMvittsseimh mtt GeittttdhsrisvütkWhiest - Achi Lahve Ztähsmittrsiev - ZWO keèns Entichsßdrrng über die LZaGioZse
Berlin. 13. 3an. Reichswehrminister Dr. Geßler hat heute mittag dem Reichspräsidenten von Hindenburg sein Abschiedsgesuch eingereicht. Wie wir erfahren, ist der Reichswehr- minisier zum endgültigen Rücktritt von seinem Amt entschlösse«. Das Gesuch dürste -om Reichspräsidenten angesichts der Gründe, die Dr. Geßler an- sührt, wohl genehmigt werden. Dr. Gehler verweist nämlich auf die schweren Schicksalsschläge, die er persönlich in der letzten Zeit erlitten hat. Dr. Geßler hatte ja während der letzten Jahre wiederholt seine Absicht angekündigt, sich ins Privatleben zurückzuziehen, zuletzt und am entschiedensten nach dem Tode seines zweiten Sohnes. Andererseits sind von mehreren Seiten Bemühungen im Gange, Geßler zu halten. Wer Dr. Geßler Rachfolger werden soll, ist noch nicht bekannt.
Berlin, 13. Jan. wie WTB von gut unterrichteter parlamentarischer Seite erfährt, muß es nunmehr als sicher gelten, daß Reichswehrminister Dr. Geßler die Leitung seines Ministeriums tatsächlich niederlegi. In polil schen Kreisen nahm man heute mittag noch an, daß die Bemühungen nament- Nch des Reichspräsidenten doch noch dazu führen wurden, daß Dr. Geßler bis zur Reuwahl des Reichstages im Amt bliebe. Die Besprechungen, die diesem Ziele dienen sollten, haben aber bereits jMfgefanöen und nur zu dem Ergebnis gesührt, ^diich anzusehsn irf.^Ob^ die Riederlegung der Leitung des Reichswehrministeriums zunächst in der Form einer Beurlaubung Dr. Geßlers erfolgt, steht noch dahin. Wahrscheinlicher ist aber die bal- oige formelle genehmigring der Rücktrittsbltte.
Reichswehrminister Dr. Geßler hat im Laufe der letzten Jahre wiederholt sein Abschiedsgesuch ein- gereicht, er hat sich aber immer wieder bestimmen lassen, auf seinen Rücktritt zu verzichten, weil er tatsächlich teils politisch, teils persönlich unentbehrlich war. Diesmal scheint es aber wirklich ernst zu werden. Dr. Geßler hat als Minister von allen seinen Kollegen die längste Amtszeit hinter sich. Er wurde im Jahre 1919 im Alter von 45 Jahren, nachdem er sechs Jahre lang als Oberbürgermeister an der Spitze der Kommunalverwaltung von Nürnberg gestanden hatte, zum Wiederaufbauminister berufen. Bei der Neubildung des Kabinetts im März 1920 übernahm er dann das Amt des Reichswehrministers, das er seitdem ununterbrochen verwaltet hat. Die Länge der Amtszeit ist allein schon ein Beweis dafür, daß Dr. Geßler sich auf seinem Posten gut bewährt hat. Man muß in der Tat sagen, daß Dr. Geßler zu den wenigen Ministern Zählte, die gewissermaßen als unentbehrliche Fach- Minister von einem Kabinett in das andere über- getreten sind. Während seiner Amtszeit ist die deutsche Wehrmacht in der Gestalt der Reichswehr neu organisiert worden. Die Große dieser Aufgabe wird man vielleicht erst in einer späteren Zeit ganz
vielleicht erst in einer späteren Zeit ganz önnen. Bei ihrer Lösung und Bewälti-
iche für Angelegenheiten der rscheinungen Flucht. Mochten -chfeln — der Reichswehrmini- Geßler hat bei der Wahrung
ermessen können. Bei ihrer Lösung und Bewälti- B war die Stetigkeit der Entwicklung die wich-
Boraussetzung. Und hier liegt vor allen Din- Zen das große Verdienst Geßlers. Er war als der politisch Verantwortliche für Angelegenheiten der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht. Mochten auch die Kabinette wechseln — der Reichswehrmini- ster blieb. Und Dr. Geßler hat bei der Wahrung dieser seiner Stellung sicher nicht nur im Reichstag
Opposition gegenüber, sondern zuweilen auch Innerhalb des Kabinetts (Einflüssen Widerstand ge- Met, die unbedingt schädlich auf die Reichswehr hatten wirken müssen. Der Geßler hat feine Auf- We als Reichswehrminister auch nach einer zweiten ^eüe hin erfüllt. Die Organisation der Reichswehr nutzte nicht nur aufgebaut, sie mußte auch zu einem Mverlässigen Werkzeug in der Hand der neuen èchsgewalt gemacht werden. Dies konnte nur ge- ^ben, wenn auf Geist und Gesinnung der Reichs- wehr und ihrer Offiziere die nötige Rücksicht genom- wen werden, wie Dr. Geßler es getan hat. Er hat es auf diese Weise verstanden, sich in seinem Verhältnis zur Reichswehr auch als politischer Minister durchzusetzen. Dr. Geßler hinterläßt bei i"Nkm Rücktritt vom Amte eine innerlich gefestigte, > aatstreue Reichswehr.
Vevha«dr«ttsen übev GetzlevS Mathfslge
s,. Berlin, 13. Jan. Im Laufe des Bovmittags sind reits Besprechungen über die Nachfolge Dr. Geß- «s eingeleitet worden. In diesem Zusammenhänge Ennert man in parlamentarischen Kreisen an die »Tu lnbarung, die bei der letzten Kabinettsbildung mn , den Regierungsparteien getroffen wurde, wptiadj die Deutsche Valkspartei das Reichswehr- 'Misterium bekommen solle, sobald der bereits da- v? akute Rücktritt Dr. Geßlers Wirklichkeit wer-
würd«. Unter diesen Umständen hat dor Reich»-
Präsident heute vormittag den Führer der Reichs- tagsfraktron der Deutschen Volkspartei,
Reichsminister a. D. Dr. Scholz, den Posten des Reichswehrminister» angeboten. Dr. Scholz hat jedoch abgelehnt, da die parlamentarische Lage gerade tn den nächsten Monaten sein Verbleiben in der Leitung der Frottlon eisoädert. In parlamentarischen Kreisen hält man es nunmehr, für wahrscheinlich, daß die Frage der Nachfolge Dr. Geßlers so gelöst wird, daß bis zu den Neuwahlen eine kommissarische Beauftragung erfolgt, etwa in der gorm, daß einer der anderen Reichsminister die Leitung des Mmisteriums mit übernimmt
Berlin, 14. Jan. Fast sämtliche Blätter beschäftigen sich eingehend mit der Frage, wie die Nachfolgeschaft für Geßler geregelt werden soll Für den Fall einer kommissarischen Wahrnehmung der Geschäfte des Reichswehriirinisterrums durch den Inhaber eines anderen Ressorts wird nicht nur Reichskanzler Dr. Marx, sondern auch Reichswirt- schaftÄMinister Dr. Curtius genannt. Der D. A. Z. zufolge sollen jedoch in einigen Kreisen der Koalition Befürchtungen gehegt werden, daß eine solche Art der Lösung als „Abwickluogszustand" des jetzigen Kabinetts auf-gefaßt, also als Bereitschaft zu baldiger Vornahme der Wahlen und etwaiger späterer ' Kabinettsumbildung, aufgefaßt wenden. Ler MiLspräsMytâsi.eâ .h88er nach - ÄX nannten Blatt zu . einer proollorischen Regelung erst entschließen, wenn die Versuche, einen neuen Mann für das Wehr-ministerium zu finden, gescheitert sein sollten. Was diesen neuen Mann anbe- trifft, so wird in den Blättern
eine ganze Reihe von Ramen genannt, deren Träger vornehmlich der deutschen Volkspartei amgehören. Wenn man der „Germania" Glauben schenken darf, so scheint es jedoch noch nicht festzustehen, daß unbedingt ein Mitglied dieser Partei Reichswehrminister werden wird. Das Zentrmns- blatt sagt: Ob der Volkspartei die Bemühung um dieses Amt gelingt, ist durchaus noch fraglich. Darüber hatten auch noch amtiere zu befinden. Es gibt nicht unbedeutende Kreise, die eine parteipolitisch n-ich! gebundene Kandidatur empfehlen. In diejom Zusammenhang hört man den Namen von General Gröner, der ernsthaft favorisiert werden soll Die „Deutsche Zeitung" verzeichnet das Auftauchen des Gedankens, General Heye als Stellvertreter des Wehrminisisrs einzusetzen. Genevai Heye soll übrigens, wie man ihn hier und da, dem Blatt zufolge, nachsagt, nicht abgeneigt sein, nicht nur Stellvertreter, sondern Reichswehrminister zu werden. Schließlich sei noch ein von dem „Lokal-anzeiger" verzeichnetes Gerücht erwähnt, daß in der Umgebung des Kanzlers der Gedanke erörtert worden sei, den früheren Reichsinnenminister Dr. Külz in das Reichspräsidenten nicht überstürzt, aber mit Ruck- dung wird, wie es in den Blättern hoißt, durch den Reichspräsidenten nicht überstürzt, ab« vmit 'Rücksicht auf die Etatsarbocken bald gefällt werden.
Die Bevlinev Dresse
Berlin, 13. Jan. Zu dem von Dr. Geßler dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler zum Ausdruck gebrachten Wunsch, von seinem Amte als Reichswehrminister zu scheiden, nimmt bisher nur ein Teil der Berliner Blätter Stellung. In der „D. A. Z." heißt es: Mit aufrichtiger Bewegung sieht das deutsche Volk einen Mann, der acht schwere Jahre hindurch den mühsamen Wieder- aufftieg des Reiches mit nimmermüder Treue gefördert, der ihm Gesundheit und beste Lebenskraft geopfert hat, aus den Reihen der aktiven politischen Führer scheiden. Das beste, was ein Mann und Politiker von seinem Wirken erhoffen kann, ist geschehen: Sein Werk ist gesichert! In der „Tägl. Rundschau" wird ausgesührt: Irgendwelche politische Gründe dürsten für die gegenwärtigen Rück- triltsabsichten nicht vorhanden sein. Dr. Geßler Ge^ sundheitszustand hat unter den letzten Schicksals- schlügen besonders seit dem Tode feiner Mutte, sehr gelitten. Wie es scheint, kommt dem Rücktrittsgesuch diesmal eine ernstere Bedeutung zu, so daß man mit einem Wechsel auf dem Posten des Reichswehr- minister» wird rechnen müssen. Im Gegensatz zur „Täglichen Rundschau" ist das „B T." der Ansicht, daß nicht nur persönliche und gesundheitliche Rücksichten für den Rücklnttswunsch des Reichswehrministers ausschlaggebend sind, sondern daß auch die ganze politische Situation maßgebend mitspreche. Es sei eine sehr lebhafte Reichswehrdebatte im Parlament zu erwarten, der sich Geßler offenbar nicht mehr gewachsen fühle. Der „Deutsche betont: Die Reichswehr hat sich zu einer starken und sicheren Stütze des Staates entwickelt. Daran hat Geßler zweifellos starke Verdienste. Der „D o r - wart s" schreibt: Der Reichswehrminister Dr. Geßler ist, das müsse» auA t*i— m—:" £m nach
sagen, nie ein „Sieber" gewesen. Er hat schon in früheren Jahren oft seinem Wunsche nach einer weniger verantworlungsbeladenen Tätigkeit in einer Weise Ausdruck gegeben, daß an seiner Aufrichtigkeit nicht zu zweifeln war. Später traten schwere Schicksalschläge in der Familie und eigene Krank« heit dazu, um jeden Munich zu verstärken Es mag ein, daß Gehler jetzt — nach ßiquibermg der Phöbus-Angelegenheit — bm Zeitpunkt gekommen sieht, feine lange gehegte Absicht des Rücktritts- zu verwirklichen. Sein Abschiedsgesuch kommt der Regierung aber in diesem Augenblick ebenso unwillkommen wie in früheren. Denn für die Erbschaft, die Herr Geßler hinterläßt, ist nicht so leicht ein Erbe zu finden. Ein jetzt zu ernennender Reichs- wehrminister wäre doch nur ein Platzhalter für den Mann, der nach den nächsten Wahlen kommen wird.
Ole LLndevronfesem
Das Reichskabinett beschäftigt« sich auch in seiner gestrigen Sitzung mit den Vo-rberertungen zu der in den nächsten Tagen beginnerrden Besprechung mit den Ministerpräsidenten der Länder. Die Beratung wurde abgeschlosien. Es wurde ein Einverständnis übet di« zu behandelnden Punkte erzielt, di« für die Verhandlungen als Grundlage
I8ÜLN. .Vorgesehen ist, am Schluß der Sitzung mit einer gemeinsamen Kundgebung der Reichsregierung und der Minist er- Präsidenten der Länder hervorzutreten.
Star Kvase brr Kheirtland- vSmrturrg
London. 13. Jan. Die Wochenzeitschrift .Ration" schreibt: Es ist entmutigend, daß die „Ba- lonté“, eines der französischen Blätter, die am meisten für eine Verständigung mit Deukjchland sind, auf eine Gegenleistung für die Räumung der Rheinlande besteht. Die von dem Blatte gewünschte Ge- genleistung würde in einer dauernden internationalen Kontrolle der entmilitarisierten Zone bestehen. Vielleicht würde Deutschland dem zustimmen, wenn Frankreich eine entmilitarisierte Zone aus seiner Seite der Grenze unter der gleichen Kontrolle einräumen würde. Aber der Gedanke der Gegen- seitigkil in solchen Fällen schein, für die französische Mentalität unfaßbar zu sein. Bei dem Fehlen einet solchen Gegenseitigkeit würde Deutschland einer internationalen Kontrolle zweifellos nicht zustimmen, und es sollte überhaupt nicht dazu aufgefordert werde«.
Die «ntevMGuns des GarbUeßevttnss Gwknders
Paris, 13. Jqn. Wie das „Echo de Paris" berichtet, sind gestern in Paris zwei weitere Haussuchungen in der Sachlieferungsafsâre erfolgt Es handelt sich um einen gewißen Daul und ben Vorsitzenden der Getreidesydikatskammer Benedict. Rach dem „Matin" sind wegen Betrügereien bei Hopsenlieferungen im Elsaß eine ganze Reihe von Haussuchungen vorgenommen worden Es soll sich um 8 000 Doppelzentner Hopfen handeln, dessen Qualität außerordentlich gering gewesen sei und der höchstens einen Kauswert von 25 Mark pro Doppelzentner gehabt Hal, während der Hopsen mit einem preise bis zu 600 Mark bei einer promjion von 540 Franken pro Doppelzentner fakturiert wurde.
Wiedev eitt Anschlag in Skovlie
Lin mazedonischer Racheakt gegen den juristische«
Beirat bes' Kreise».
Belgrad, 13 Jan. MazeLwEn wurde heute abermals Zeuge eines neuen blutigen Attentats, das diesmal von einer Frau begangen wurde. Als der juristische Beirat des Skopljer Kreises, Prolitz'ch, nm 12 Uhr 30 Min. fein Büro m Skoplje vettieß, gab eine Frau auf ihn mehrere Revolverschlisse ab. Pre- Uffi) fiel- schwer verletzt zu Boden. Die Attentäterin wollte Selbstmatt) begehen, wurde aber von Vorübergehenden daran gehindert, von Gendarmen fest- ginommen und in bas Gefängnis übergefuhrt. Es handelt sich um eine 25jäibrlge Mazedon«rm mit Namen Tiara Buljew, geborene Tetowo, di« verheiratet ist mit einem bulgarischen Handwerker. Sie soll sich vor kurzem in Bulgarien ausgefallen haben und jetzt nach Skoplje zurückgekehrt sein, wo sie Verwandte besitzt. Nach allgemeiner AnnoiMt handelt es sich um einen mazedonischen Raä-eakt gegen Prelitsch, der die Untersuchung gegen dse vor kurzem zu Zuchthausstrafen verurteilten mazedv- mfchen âudenten geführt hatte Das Attentat rief einen tiefen Eindruck in Skolplje hervor. In Belgrad erwartet man politische Folgen. Prclèlljchs Zu- Itaiob ist ernst
Don Pros. Dr. Otto Hoetzjch, M. d. R.
Das französische Parlament ist zu seiner letzten Tagung zusammengetreten. 06 steht wohl so gut wie fest, daß die Neuwahlen in der letzten Äprilwoche sein werden. Ebenso sieht man deutlich genug, worum der Wahlkampf geht und gehen wird. Das wird verhältnismäßig wenig die Außenpolitik sein. Sie ist in dieser Woche stark bew:gt durch die Antwort des amerikanischen Staatssekretärs Kellogg vom 28. Dezember, (veröffentlicht am 4. Januar) auf eine weit zurückliegende Anregung Briands Man erinnert sich, daß dieser schon im April letzten Jahres versuchte, mit Amerika in ein besonderes Vertragsverhältnis zu kommen, indem er Amerika einen zweiseitigen französisch-amerikanischen Vertrag vorschlug, der den Krieg verurterlte und natürlich vom französischen Standpunkt aus die Absicht verfolgen sollte, Amerika an die Seite Frankreichs zu bringen. Briand nahm an, daß Verschiedenheiten förmlich abzu- an, diese Anregung, den Krieg als Mittel zur Ausfechtung von Meinungsoerschiedenhelten förmlich abzuschwören, besonders angestellt sei auf die amerikanische Meinung für die sogenannte „out-lawry of war^.
Daß sich Briand in dieser Erwartung täuschte, daß man in Amerika sehr wohl die Fußangeln des französischen Vorschlags erkannte, konnte ihm schon der Umstand zeigen, daß Kellogg monatelang auf die Bnand- sche Anregung nicht geantwortet hat. Erst die Notwendigkeit, in irgendeiner Form die Verlängerung des im Februar 1928 ablaufenden französi ch • amerikanischen Schiedsvertrages von 19118 zu verhandeln, veranlaßte Kellogg zu dem Schritt, der nun in Paris und London sehr lebhaft erörtert wird. Darin lehnt Amerika höflich aber ohne Einschränkung Bnands eigentlichen Vorschlag ab. Kellogg tut dies, indem er darüber hinausgeht, und anstelle eines „bilateralen" Vertrages zwischen ülr^râ^ci) und Amerika einen „multilateralen , das heißt allseitigen Vertrag setzt. Die betreffende sehr wichtige Stelle heißt, daß „die Negierung der Vereinigten Staaten bereit sei, mit Frankreich zu verhandeln in der Absicht auf Abschluß eines Beitrages unter den Hauptmächten der Welt, der zur Unterschrift aller Nationen offen stehen soll, der den Krieg verdammt, und auf ihn als Instrument der nationalen Politik zu Gunsten friedlicher Austragung internationaler Streitigkeiten verzichtet.
Damit ist mit großem Geschick die Führung der Angelegenheit Frankreichs entwunden und damit zunächst ganz nach amerikanischer Absicht der französische reale Vorschlag in einen Stoß in die Luft verwandel:. Denn wenn es gewiß auch nicht ohne Bedeutung ist, daß die Vereinigten Staaten ihrerseits auf die allgemeine Kriegsverurteilung des Völkerbundes aus dem letzten Septeniber eingehen, so ist damit nicht vielmehr gesagt als eben im September. Und wenn nun versucht werden soll, einen solchen genauer formulierten Vertrag zustande zu bringen, so ist damit eine unabsehbare Arbeit eröffnet und sind «roße Schwierigkeiten bezeichnet. Das war auch der schwächste Punkt in dem Briandschen Vorschlag die Frage aus Washington: wie sich eine solche Kriegsverurteilung verhalte zu den Bol- kerbundsverpflichtungen, die ja gegebenenfalls einen Krieg notwendig machen. Und weiterhin wie Frankreich sich denke, hier, in der Verabredung mit Amerika, auf den Krieg zu verzichten und andererseits doch wenigstens die Möglichkeit, mit einer anderen Macht in einen Krieg verwickelt zu werden, nicht aus- schließen zu können. Man sieht, daß damit schwierige Fragen aufgerührt werden, denen Kellog in sehr geschickter und diplomatischer gar nicht verletzender Form ausweicht.
Es dreht sich zwischen Frankreich und Amerika jetzt um zwei Verträge. Ueber diesen neuen, der den Krieg überhaupt aus der Welt chaffen will, soll verhandelt werden. Daneben soll der alte Vertrag von 1908 (der sogenannte Rootsche Schiedsgerichtsvertrag vom 27. Februar 1928) erneuert, was alle 5 Jahre geschehen muß, und zugleich sozusagen auch modernisiert werden. Er enthält eine Einleitung, die allgemeine Erklärung gegen krie- gerische Austragung von Konflikten und ergänzt die Schiedsgerichtsfragen in etwas moderner Form. Im Grund aber ist es der alte Root-Vertrag, der seinerseits sehr ena mit