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Das neueste«
— Bei dem Berliner Explosionsunglück wurden bis jetzt 18 Tote festgestellt. Sieben Personen wer- den noch vermißt. ~
— Die sozialdemokratische Sanöbagsfrathon in Hessen hat gestern den Beschluß gefaßt, mit Rücksicht cms die Einsprüche beim Staatsgerichtshof alle Verhandlungen über die Regierungsbildung auszusetzen, bis der Staatsgerichtshof seinen Spruch gefällt hat. .
— Amerikanische Sensationsmeldungen über Washingtoner Reparationspläne werden von Kellogg und Atellon dementiert.
— Wie Havas aus Barcelona berichtet, ist gestern dort in Anwesenheit des Ministers des Inneren, des Arbeitsministers und des deutschen Botschafters sowie zahlreicher Behörden der Verkehr auf der Luftlinie Barcelona—Berlin eröffnet worden.
Dev amevika«r§rhs SMeds- semÈtsvorHMas
Briands Antwort auf die Rote Kelloggs.
London, 5. Jan. Wie der amtliche englische Funkdienst meldet, hat der französische Minister des Aeußern Briand bereits auf die gestern ver- öffenllichte Rote Kelloggs geantwortet und dem Bernehmen nach erklärt, er begrüße es, daß sein Vorschlag auf Aechtung des Krieges die Billigung der Vereinigten Staaten gefunden habe. Wenn der jetzt von Washington vorgeschlagene Vertrag vielseitigen Charakter haben solle, so bedürfe er sorgfältiger Prüfung, damit die Rechgte und Pflichten der dem Völkerbund angehörenden Nationen nicht beeinträchtigt würden. Briand soll auch eingehendere Informationen über die Form erbeten haben, in der der Schiedsvertrag erneuert werden soll und über die Lage, die sich im Falle der Nicht- ^Mßst;is^üng^>iese^ BèrtragM^durch den Sebat der Betaaten ergeoen iâcdL -
6. Dez. Ein französischer Korrespondent ) Telegraph" (Pertinar) meldet aus sei anzunehmen, daß Briand in wrt an Kellogg gesagt hat, daß die Cr- r die Verfehmung des Krieges sich seiner ach nur auf den Angriffskrieg beziehen
.uh: »».^cikanische Stellungnahme zu Kelloggs Antwort an Briand.
Washington, 5. Jan. Kelloggs Antwort an Briand in der Antikriegsfrage wird, den Blätter- meldungcn nach zu urteilen, im Auslande mehr besprochen als hier. Ueberwiegend geht die Ansicht II der Oeffentlichkeit dahin, daß Kelloggs Plan, den I Rootvertrag mit Frankreich zu erneuern und Briands Vorschlag mit der Modifikation anzu- 3 nehmen, daß anstelle der Worte „Aechtung des I Krieges", „Verzicht auf den Krieg" gesetzt, und andere Staaten der Abschluß gleichlautender Ver- träge nahegelgt wird, eine durchaus faire Lösung des Sicherheitsplans darstellt, den Friedenswillen Amerikas dartut, mit den Satzungen des Völker- " bundes nicht kolidiett und dabei noch rein interne Fragen löst und die Monroedoktrin wahrt. Eine Gelegenheit zu erregter Diskussion sei daher nicht gegeben. Man ist im Gegenteil in politischen Krei- £ fen Washingtons etwas erstaunt über die Absicht 8 gewisser ausländischer Blätter, auch in dieser Frage A eine europäische Einheitsfront gegen Amerika auf» " zurichten und weist darauf hin, daß Amerika doch " Frankreichs Wünschen sehr weit entgegengekommen
England und die amerikanischen Schiedsgericht s- vorschlâge.
London, 5. Jan. Das Reutersche Büro erfährt, I die amerikanische Regierung Groß- I brisanten über den Inhalt der an göranfreid) gerichteten amerikani- vschenNote unterrichtet hat. Es wird als K äußerst interessant angesehen, daß die amerikanische 8 Regierung sich einer Bewegung anschlotz, die seit I langem einen Teil der britischen Politik bildet. Es 8 imr?"! hingewiesen, daß die Frage zwischen ' den Vereinigten Staaten und Frankreich zur Er- I orterung steht. Hroßbritomen ist nur unterrichtet, ■ urcb nicht um feine Ansicht ersucht worden. Mn» I scheinend ist es die Absicht der amerikanischen Re- I Bierung, die Reichweite der Rootschiedsverträge zu I ^größern, ganz abgesehen von diesen letzten Vor- schlagen. Was den Einfluß der amerikanischen Vor- schlage auf die Dölkerbundssatzungen betrifft, so I wird die Ansicht ausgedrückt, daß viel von dem I Entwurf des vorgeschlagenen Vertrages? abhängt, daß ledoch die Völkerbundsfatzung sicher einen Krieg unter gewissen Umständen zuläßt. 3we AeMchen Kesievunss» bttdung
Die gestrigen Verhandlungen der Soztaldemo- tratrfdjen Lairdtagsfraktion find insofern ergebnislos verlaufen, als die Frage der Regierungsbildung wiederum vertagt worden ist mit der Begründung, daß man zunächst die Entscheidung des Staatsoe- richtshases über die Gültigkeit der Landtagswahjen _ vom 13. November abwarten müsse. Dieser Be- ichiuß, keinen Beschluß zu fassen, ist insofern nicht I unbedenklich, als ja noch keineswegs feststeht, daß I Entscheidung des Hessischen Staatsgenchtshosts I »lsbald erfolgt. Im Gegenteil haben ja die in den I leßten Tagen erfolgten Einsprüche von verschiedenen Seiten gegen die Gültigkeit der Landtagswahlsn die
Genfaiionsmeldunsen über
neue Reparationsptäne
Herogott, 5. Jan. Wie das „Journal o f Commerce" erfahren haben will, trägt sich die amerikanische Regierung mit der Absicht, eine internationale Konferenz ein» zuberufen, auf der eine vollständige Revision des Dawesplanes und sämtlicher interalliierter Kriegsschulden erörtert werden würde. Der Washingtoner Korrespondent des Blattes erklärt, der Gedanke rühre ursprünglich von Parker Gilbert her und werde jetzt von der amerikanischen Regierung geprüft. Unter den zu erörternden Vorschlägen würde in Betracht kommen die Festsetzung der deutschen Re- parationsverpflichtungen auf eine endgültige Summe, die wesentlich weniger betragen würde als die Daweszahlungen, außerdem der Verkauf eines großen Betrages deutscher Obligationen deren Erlös unmittelbar Frankreich zugute kommen soll, sowie schließlich die Löschung der englischen Ansprüche gegenüber Deutschland, während weitere deutsche Obligationen herausgegeben würden, die zur völligen Bezahlung der interalliierten Kriegsschulden in Amerika an die Vereinigten Staaten übermittelt werden sollen.
Newyork, 5. Jan. Wie „Herald and Tribune" aus Washington im Zusammenhang mit den Meldungen über eine Sniitative der Staatsdepartements in der Reparations- und Kriegsschuldenfrage berichtet, ist man in den Kreisen des Senats der Ansicht, daß der Vorschlag auf Herabsetzung und Fun- bierung der deutschen Reparation-schuld in Verbindung mit der Begleichung der Kriegsschulden der Alliierten bereits vor einiger Zeit von Bernhard Baruch -Newyork, der seinerzeit der wirtschaftliche Berater der ameritanischen Frü denskommissiou in Paris war, der jetzigen Regierung unterbreitet worden sei. Die Anregung Gilberts auf Festsetzung der Gesamtsumme der deut- chen Zahlungen stelle den ersten Schritt zur Aus- ührung dieses Vorschlages dar. Gilberts Vorschlag ei der Ausdruck der Erkenntnis, daß der Zeitpunkt ür die Erörterung des Problems nunmehr gekommen sei. Wie das genannte Blatt weiter berichtet, hat Baruch in seiner Denkschrift an die Regierung betont, daß die interalliierten Schuldenabkommen basiert werden sollten auf dem. was die Interalliierten zahlen müssen, während Deutschland zahlen müsse, was es zahlen könne. Als Motiv des Vorschlages wird angeführt, daß die Möglichkeit vorliege, daß Deutschland nach einigen Jahren überhaupt nicht mehr zahlen werde und daß diese Befürchtung die Alliierten der Festsetzung der Reparationsschuld geneigter machen werde. Da Deutschland die Zahlung von 33 Milliarden Dollar nicht leisten könne, so sollte die Festsetzung auf insgesamt höchstens 14 Milliarden erfolgen, wovon zunächst etwa 2—4 Milliarden durch 5= oder tzprozentige Bonds zu fundieren seien. Die Vorteile eines solchen Planes lägen auf der Hand, namentlich für Frankreich, dessen Kredit sofort steigen werde.
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Die Reise Parker Gilberts nach den Vereinigten Staaten und seine letzten Unterredungen mit Coolidge und Kellogg haben eine Fülle von Kombinationen ausgelöst, die auf ihren wahren Kern
Lage erheblich kompliziert, so daß immerhin die Möglichkeit besteht, daß der Staatsgerichtshof zunächst eingehende Erhebungen anstellen muß. In diesem Falle aber würde durch den negativen Entschluß der Sozialdemokraten die Regierungsbildung in Hessen ad calendas graecas vertagt sein. Ob das aber im Interesse des Landes liegt, dürfte doch mehr wie fraglich fein, ganz abgesehen davon^ daß es schon mehr wie unerfreulich ist, daß nach dieser erneuten Verzögerung Hessen bei der Landeskonferenz am 16. Januar nicht durch seine eigentliche Regierung vertreten sein wird.
Dev SteiGsias und die ÄusKMs- SettsevriüVuus dev Wahlen in Hessen, AamhNBS und Meân- huvg-GLvellh
Berlin, 5. Jan. In Berliner politischen Kreisen beschäftigt man sich mit der Frage, welche Etel- der Reichstag nach seinem Wiederzusammentritt zu der Situation einnehmen wird, die durch die Urteile des Staatsgerichtshofes über die Ungültigkeit der Landtagswahlen in Hessen, Hamburg und Mecklenburg-Strelitz aktuell geworden ist. Staatsrechtliche Sachverständige unter den Mitgliedern der großen Reichstagsfraktion erklären, daß die Urteile, so wenig sympathisch man der Bildung von Splitterparteien gegenüberstehen könne, juristisch jedenfalls vollkommen zutteffen. Die Urteile werden damit begründet, daß eine Verletzung der fundamentalen drei Grundsätze des Wahlrechts vorliegt, das allgemein, gleich und geheim ist und zwar werde der Grundsatz der Gleichheit und der Allgemeinheit durch die Kâutionsgestellung und der der Geheimhaltung durch die Unterschriftsbestimmung verletzt. Bisher sind die Urteile noch nicht alle
von hier natürlich nicht sofort nachzuprüfen sind. Die deutsche Presse ist also im wesentlichen daraus angewiesen, zu referieren. Unter diesem Gesichtswinkel nehmen wir davon Kenntnis, daß wieder von zwei neuen Pointen die Rede ist. Die eine des amerikanischen Bankiers Baruch, der die deutsche Reparationsjchuld kapitalisieren will und den Gedanken verfolgen soll, von einem inter- nahonaen Komitee eine Anleihe aufzulegen in einer G-jamthohe von rund 1s Milliarden, die in Raten auf dem Kapitalmarkt unterzubringen wäre. Sie würde tue deustchc Reparalionssch^.d ablösen, aber auch gleichzeitig dazu dienen, den Ententestaaten die Ablösung ihrer Kriegsschulden an Amerika zu ermöglichen. Etwas anderes soll ein Plan Parker Gilberts aussehen,der ober auch entsprechend seinem letzten Bericht auf die Festlegung einer deutschen Gesamtschuld hinaus- läuft und der auch bereits im Staatsdepartement zur Ausarbeitung eines Programms geführt hat, wonach im Laufe des Sommers eine internationale Konferenz vorgeschlagen wird. Wir beobachten oll diesen Gerüchten gegenüber eine große Portion Skepsis, weil wir nicht daran glaben, daß das Thema vor der amerikanischen Präsidentenwahl ernsthaft angeschnitten wird. Praktisch wird wohl eine ander? Lösung als die einer internationalen Kvojerenz nicht möglich sein, weil der innige Zusammenhang zwischen der deutschen Kriegsent- schäd gung und den Schulden der Ententestaaten lauW aus der WH zu jchafjen jein wird. Daß mir mit unserer Steptis recht haben, geht aus folgenden Meldungen hervor:
Washington, 5. Jan. Die Washingtoner Meldung des „Journal of Commerce", wonach das Staatsdepartement beabsichtige, nach den ftanzösische« Wahlen eine Finanzkonserenz zur Regelung der Schulden- und Reparationsfragen einzuberufen, wurde vom Staatssekretär Kellogg heute als völlig aus der Luft gegriffen bezeichnet. Die amerikanische Regierung denkt nicht daran, vor Ablauf der gegen- roârtigen Präsideutschastsperiode diese Frage anzu- schneiden.
Washington, 5. Jan. Schahsekretär Mellon schloß sich heute dem Dementi des Staatssekretärs Kellogg, betreffend die heutige Pressemeldung an, daß die Vereinigten Staaten eine Weltkonferenz zur baldigen und vollständigen Lösung der Reparations- und Kriegsschuldenfrage einberufen würden. Mellon bezeichnete die Meldung als Unsinn. Einer der Verfasser des Dawesplanes gewährte der „Associated press ein Interview, in dem er u. a. erklärte: Die Festsetzung der deutschen Gesamlschuld ist im Dawesplan ausdrücklich vorgesehen. Kein vernünftiger Mensch glaubt, daß Deutschland die 33 Milliarden Dollars Kriegsschuld je aufbringen kann Dieses Problem bedarf des Studiums zahlreicher internationaler Konferenzen und die Lösung der Genehmigung durch die Parlamente vieler Staaten. Wie Parker Gilbert richtig ausgesührt hat, sind hierfür die alliierten Gläubiger allein zuständig; Amerika hat damit nichts zu tun.
unterschrieben, also noch nicht rechtsgültig. Sobald der genaue Wortlaut vorliegt, werden sich mehrere Fraktionen des Reichstages mit dieser Frage bè- fassen und prüfen, ob etwa durch Jnitativanträge eine reichsgosetzliche Regelung gefunden werden kann, di« Die Bildung weiterer Splitterparteien verhindert und dabei die Bedenken des Staatsge- richtshofes ausschließt. Hierfür ist allerdings eine verfassungsändernde Mehrheit notwendig. Ob sie zusammeuzubringen ist, wird immer noch bezweifelt. Bedenken bestehen auch insofern, als diese Fragen zur allgemeinen Wahlrechtsreform hinüberleiten, während man gleichzeitig in parlamentarischen Kreisen wenig Neigung hat, dieses große Problem noch von diefem Reichstag behandeln zu taffen. Aber gerade wegen dieser Schwierigkeiten wird die Frage der Splitterparteien in den kommenden Parteibesprechungen einer genauen Prüfung unterzogen.
$5»&i?-£Htö0ft ««$ Ne SLattdeS- brvVStt
Die Fürsten Salm-Salm, Salm-Horstmar und der Herzog von Arenberg haben gegen den preußischen Staat Klage arrgestrengt und eine Aufwertung ihrer Renten gefordert. Ihre Ansprüche gehen er» heblich über eine lOOprozentige Aufwertung hinaus. Wi« der „DemiokraÄsche Zeitungsdienst" erfährt, hat sich der preußische Fmanzminister Höpkec-Afchvff veranlaßt gesehen, nunmehr mit sofortiger Wirkung Die Abschlagszahlungen zu sperren, die an die fürstlichen Rentenempfänger seit 1923 gezahlt worden sind.
Ebenso hat der preußische Fmanzminister die Abschlagszahiungen für diejenigen Standesherren gesperrt, deren Renten unter anderem auf Leibeigenschaft und ähnlichen Rechten fußten.
1628
BMrr-M am Scheideweg
Immer wieder hat Marschall Piljudstt da» rauf hingewiesen, daß er seinen Maiputsch 1926 aus rein „moralischen und theilen" Gründen unternommen hat. Sobald er die Macht in den Händen hatte, ging er — allerdings bisher noch ohne nennenswerten Erfolg — der Korruption zu Leibe und versuchte, den parlamentarischen Machenschaften und Schiebungen ein Ende zu machen, unter denen Polen ja von jeher so viel zu leiden hatte. Als bestes Mittel, hier geordnete Verhältnisse zu schaffen, erschien ihm die Abänderung der bisherigen Verfassung dahin, daß die Vollmachten des Staatspräsidenten wesentlich erweitert wurden. So erhielt er das Recht, die gesetzgebenden Kör- perschaften auszulösen, gegen vom Reichstag verabschiedete Gesetze sein Veto einzulegen und während der Parlamentsferien und den Wahlzeiten Verordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen.
Nach langen erbitterten Verhandlungen nahmen Reichstag und Senat die Vorschläge der Regierung endlich an, doch hatte Pilsuüski durch einige nicht mihzuverstehende Drohungen kräftig nachhelfen müssen. Aber die Kämpfe mit der Kammer, in der die Rechte eine allerdings nur kleine Mehrheit hatten, hielten an auch dann, als im Oktober 1926 der Marschall selbst das Ministerprösidium übernahm. Doch Pilsudski kennt keinen Widerspruch Mit der ihm eigenen Rücksichtslosigkeit regierte er einfach ohne Parlament, ließ sich niemals in der Kammer sehen, sondern teilte meist durch seinen Stabschef seine Wünsche mit und verhöhnte sogar offensichtlich die Abgeordneten. Ende Oktober 1927 wurde der Sejm nach Hause geschickt, obwohl er gesetzmäßig erst am 28. November aufgelöst werden konnte.
Nun ist Polen mitten in den Neuwahlen zum Sjem, die von ganz Europa mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden, da sie nicht nur parteipolitisch von großem Interesse sind, sondern voraussichttlch auch bestünmend für die nächste Zukunft Polens wirken werden- Immer deutlicher tritt zutage, daß die einzige Wahlparole nur „Für oder wider Pilsudski!" lautet War dies bisher noch nicht mit dürren Worten ausgesprochen, so kann man es nunmehr aus den Gesetzesvorschlägen der jetzigen Regierung ersehen, über die der neue oejm schon in den ersten Wochen nach seiner Wahl beraten soll. Diese Entwürfe haben eine nicht unerhebliche Machterweiterung des Staats« Präsidenten sowie eine große Herabsetzung des parlamentarischen Einflusses im Auge, so daß man in ihnen unschwer das Werk Pilsudslis sieht. Der Marschall war bekanntlich bald nach seinem Maiputsch 1926 mit 292 gegen 191 Stimmen zum Staatspräsidenten gewählt worden, hatte jedoch sofort abgelehnt, angeblich, well er vor dem damaligen Parlainent und auf die bestehende Verfassung den vorgeichrie- benen Eid nicht ablegen wollte und tonnte. In Wirklichkeit aber war der Marschall, der sich so gern als den polnischen Heros" feiern läßt, darüber verâgert, daß er nicht mehr Stimmen erhallen hatte oder gar einstimmig, wie er erwartet hatte, gewählt war. Sodann genügten seinem brennenden Ehrgeiz auch die Machtvollkommenheiten des Staatspräsidenten keineswegs, er sah vielmehr die Stellung als allzu „repräsentativ" an.
Diesen beiden Wünschen des Marschalls soll nun die neue Verfassung Rechnung tragen. Der Präsident soll nach dem Vorschläge nicht mehr durch das Parlament, sondern durch das gesamte Volk gewählt werden. Man denkt in Polen daran, hierbei entweder dem Vorbild in Amerika, wo die Wahl durch vom ganzen Volke gewählte Wahlmänner erfolgt, oder in Deutschland zu folgen, wo jeder Einzelne seine Stimme abgibt. Schon heute kann man mit Sicherheit annehmen, daß eines dieser Projekte verwirklicht wird. Abgesehen von den Regierungsparteien werden auch die Sozialdemokraten und das „Wyswolenie", der linke Flügel der Bauernschaft eine solche Reform unterstützen.
Größere Schwierigkeiten bereitet die beabsichtigte Reform des Senates- Die Regierungsparteien, soweit sie der Rechten und der Mitte angehören, wollen den Senat in eine Ständevertretung umwandeln, während das „Wys- wolenie" die Sozialdemokraten und auch bt< regierungsfreundliche Bauernpartei „Stroi» nictwo" den Senat als unnötig und den Geschäftsgang verzögernd ganz abschaffen wollen Dagegen lehnen die Oppositionellen und auch