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Miktlvoch beu 4. Januar 1928
Mr. 3..
Die Gonueu- und LNondfinstev- «Me 1028
Der Himmel wird uns in diesem Jahre nicht, besondere Schauspiele gewähren, wenn man darunter die in wissenschaftlicher Hinsicht immer interessanten Verfinsterungen der Sonne und des Mondes versteht. Zwar bringt das Jahr 1928 insgesamt fünf Finsternisse, nämlich drei Ver. finsterungen ber. Sonne und zwei des Mondes, aber Deutschland wird von diesen himmlischen Schauspielen nicht sehr viel zu sehen bekommen. Don den drei Sonnenfinsternissen ist eine Teilsonnenfinsternis vom 12. November 1928 in dem größten Teil Europas zu beobachten. Auch Deutschland wird Gelegenheit haben, einen kleinen Teil dieser Teilfinsternis sehen zu können. Von den beiden anderen Sonnenfinsternissen aber, Msbe- sondere aber von der großen totalen Sonnenfinsternis dieses Jahres vom 19. Mai bleibt Deutschland ausgeschlossen, da diese Finsternis nur in Südafrika und Südamerika zu beobachten sein wird. Da es sich bei. dex totalen Sonnenfinsternis am 19. Mai aber um ein großes himmlisches Schauspiel handeln wird, so werden deutsche Gelehrte die weite Reise nach Südafrika nicht scheuen, um die notwendigen Beobachtungen, zu machen. Ein anderer Teil der Gelehrten wird sich voraussichtlich nach der Insel Madagaskar begeben, wo gleichfalls eine günstige Beobachtung der Sonnenfinsternis möglich sein wird. ; Die, dritte Sonnenfinsternis endlich findet nur rund 4 Wochen später statt, nämlich am 17. Juni. Auch sie wird in Deutschland unsichtbar bleiben. Don den Mondfinsternissen ist für die Beobachtung durch deutsche Gelehrte in Deutschland auch nicht viel- zu erwarten. Die erste Mondfinsternis findet am 3. Juni 1928 statt. Es handelt sich dabei um eine Finsternis, die hauptsächlich in Amerika, Asien und Australien zu sehen sein wird. Auch die zweite totale Mondfinsternis vom 27. November 1928 bleibt für Deutschland unerheblich, da die, Beobachtungsmöglichkeiten zu gering sind. Im großen und ganzen ist das astronomische Jahr 1928, toroeü die Finsternisse unseres Tages- und Nacht- Gestirns in Betracht kommen, von untergeordneter
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bvechuns
Gestern morgen zwischen 7 und 8 Uhr. Man hat die Müdigkeit von Silvester noch nicht ganz aus den Gliedern und will doch mit voller Energie die Arbeitsmaschinewieder ankurbeln. Gerade ist die Post einaetroffev — da bums — geht das Licht aus. Alle. Maschinen stehen.
Hanau im Dunkel.
Ein paar Minuten später wiederholt sich ichie. Wieder Dunkelheit, wieder Licht -
> die Ge- mid noch
ein drittes und viertes Mâl aehts aus und wieder an. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo ein nor- knaler Mensch nervös wird. Also das Elektrizitätswerk angerufen und mal tüchtig über die ,NLirt- schaft" goschimpft. Aber zum Schimpfen bin ich erst gar nicht gekommen, sondern ich wurde eingèladen, mir einmal die Ursachen der Störungen anzusehen.
So fuhr ich denn gestern nachmittag mit dem Leiter des stöbt. Elektrizitätswerkes, Herrn Oberingenieur Werner,^ nach den Staustufen vor Dörnigheim. In der großen Halle, in der die 4 Turbinen mit den 2 Dynamos stehen, herrscht Stille wie in einer Kirche, denn die Turbinen sind nicht im Betrieb, da .
. der Eisgang auf dem Main ein Arbeiten unmöglich
macht; well die Eisschollen die Wasserzulestung verstopfen würde. Die Stauwerke sind denn auch hoch- lezogen, so daß das Wasser glatt durchfließen kann. Im Nebenraum der großen Halle, der durch eiserne Türen abgeschlossen ist, sind die Oelschalter für Stadt Hanau ausgestellt Diese sind mit Maximal-Relais versehen, die jede Stromstörung anzeigen und üurch auslösen eines Magnetes eine Signalglocke in Bewegung setzen, die den diensttuenden Beamten benachrichngt.
Neue Verhaftung in der Gewerbebank' Angelegenheit. Im Anschluß an eine gerichtliche Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter ist am Mon- iag nachmittag auch der zweite Direktor der in Konkurs geratenen Gewerbebant, Schnitzer, in Untersuchungshaft genommen worden.
Zur Beachtung. Bei Anträgen auf Ausstellung von Pässen, Legitimationskarten und Wandergewerbescheinen ist bei den zuständigen Polizeirevieren jeweils ein neues Lichtbild in vorgeschriebener Größe (6X9 Cm) vorzulegen.
* Deutsche Volkskunde, als Prüfungsfach. Kul' tusminister Dr. Becker hat die deutsche Volkskunde als Zusatzfach bei der wissenschaftlichen Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen zugelassen.
* Gefunden wurde in den Vormittagsstunden des gestrigen Tages in dem Hausgang «ines Haufes der Schnurstraße ein Paket Zigaretten, aus dem »chon ein Teil fehlte. Wie bisher festgestellt würde, hat ein^Iunge aus Unkenntnis der Sachlage eine Anzahl Schachteln mit Zigaretten an andere Jungen verschenkt. Die Eltern der betreffenden Kinder werden in ihrem eigensten Interesse darauf aufmerksam gemalt, die von l eWerrn wüst Mich-Hmrkfe^Mrnchben Zigaretten, auf bern hiesigen Kriminalkommissariat obzuliefern. Da bis jetzt noch ungeklärt ist, wie und durch' wen das Paket an den Fundort gelangt ist und von wem es herrührt, werden alle Personen, die in der Sage sind, sachdienliche Mitteilungen zu machen, gebeten, sich auf dem hiesigen Kriminal- kommsssarrat, Zimmer 184, zu melden.
* Neue Hon. Larnevalgesellschask 1910. Dem gestrigen Bericht über die Damenfitzung ist noch nachzutragen, daß der Kappenbruder Christian Kressebuch in Anbetracht, daß er bereits seit 35 Jahren Karnevalist und ein bewährter, weit über seinen Heimatgau hinaus bekannter Büttenredner ist, vom Ehrenministerpräsidenten Hch. Reiß zum außerordentlichen Ehrenmitgli-ü» der „Neuen Han. Carnevalgesèllschaft 1910" ernannt wurde.
* Die Jungtiere im Antilopenhaus des Frankfurter Zoo machen in ihrer Entwicklung erstaunliche
Am Mittwoch, 28. Dezember war nun im Stromnetz der Stadt ein Kurzschluß entstanden, der von solcher außergewöhnlichen Stärke war, daß die Signalleitungen für die Relais sofort verbrannten, so daß keine ordnungsmäßige Auslösung erfolgte und der Beschälter explodierte. Der Oel- behälter wurde aüsemandergcpreßt und eine Stichflamme von ungeheurer Kraft ■ schmolz das Porzellan der Beschalter-Isolatoren, das wie Wasser davonlief. Auch die schweren Kupferdrähte des Relais,
Beschatter-Isolatoren, das wie Wasser ) die schweren Kupferdrähte des Relais, von etwa Daumenstärke, waren durchgeschmolzen. Da man wegen der starken Rauchentwicklung an das Feuer selbst nicht sofort heran konnte, mußte eine Tür gewaltsam geöffnet werden und nun konnte der Betriebsmeister mit einer Gasmaske versehen den Raum betreten und
fort heran konnte, mußte
den Brand mit Hilfe von 3 Feuerlöschapparaten löschen.
Die Explosion ist noch gut verlaufen, da die Gase nach oben abziehen konnten. Diese Explosion, als Folge des starken Kurzschlusses im Stromnetz, verzögerte die. regelrechte .Wiederaufnahme, der Be-
braune Jugendkleid abgelegt und zeigt nun die Färbung der Eltern. Die vorläufig gerade nach oben wachsenden Hörnchen werden nunmehr in kürzester Zeit die Wachstumstendenz nach unten und außen annehmen. Aeußerft kräftig und gedrungen hat sich auch der Sprößling des Ellipsen Wasserbockpäares entwickelt. Gute Fortschritte, macht der reiche Kindersegen bei den indischen Httsch- ziegen-Antilopen. Der. junge Kaffer-Büffsl-Buue Gambo dessen Färbung immer mehr von schwarzbraun in tiefschwarz übergeht, zeigt eine enorme Gehörnentwicklung und dürfte sich zu einem Rekordstück auswachsen. Sehr gut gedeiht auch die junge Giraffe Arusha. Bei dem im Dickhäuterhaus befindlichen Nashornbaby Faru beginnt nunmehr deiitlich das Wachstum des hinteren zweiten Hornes.
* Deulschnall. Arbesier-Bund. Am 1. Januar feierte der Deutschnatl. Arbeiter-Bund im „Löwen-
in Aan^n
lieferung. Es mußten erst die defekten Teile ausgebaut und, um den Schaden auszubesfern, Um« schaltungen vorgenommen werden.
Hanau erhielt gestern seinen Strom aus einem Kabel, das nach dem Hafen gelegt ist.
Auch dieses Kabel hat seine Maximal-Relais, die diesmal eine Ueberspannuna schon anmeldeten, als die Höhe noch nicht erreicht war. Hierdurch entstanden die Unterbrechungen, die glücklicher Weise nur von kurzer Dauer waren. Es ist bestimmt zu hoffen, daß künftig Hanau wieder frei von allen Störungen sein wird.
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Welch schwerwiegende Folgen derartige Störungen haben können, geht aus einer Zuichrist eines Arztes hervor, die wir nachstehend veroffenllichen: „Der elektrische Strom versagte heute >m Saufe des Vormittags wiederum einige Male. Wie uns das Elektrizitätswerk mitteilt, sind die Störungen, die auf einen vor einigen Tagen erfolgten Kurzschluß und den damit zusammenhängenden Umschaltungen zürückzüführen waren, jetzt bchobèn.
So steht es mittags im „Hanauer Anzeiger", und lieft sich ganz glatt und beruhigend. Wie' störend, ja geradezu aufpeitschend diese ganz unvorhergesehene Unterbrechung des Stromes, auf einen operierenden Arzt in einem hiesigen Krankenhaus wirkte, davon kann sich der Leser dieser wenigen Zeilen kaum, das Elektrizitätswerk Hanau aber sicher gar keine Vorstellung machen. Sonst dürfte man wohl annehmen, daß die beabsichtigten Umschallun- gen und die damit zusammenhängenden Störungen in der Belieferung mit elektrischen Strom den in Betracht kommenden Krankenhäusern vorher gemeldet worden wären. Aber nein, an solche Höf- lichkett — man kann es auch „Pflicht" nennen —
wagt man an gewisser Stelle gar nicht zu denken. Der Operateur, der im vorliegenden Falle das '' I, wie seine eigenen
Der Operateur, der im vor! künstliche Licht so notwendig, Augen und Hände gebrauchte, mußte vier mal seine sehr diffizile Arbett unterbrechen und schwebte jedes Mal in der Angstvorstellung, daß das unentbehrliche Licht überhaupt nicht wiederkehren würde, daß also die begönnerte und fortgeschrittene Operation unvollendet abgebrochen werden müßte. — Der Arzt Hot aufgrund dieser letzten Erfahrung (er verfügt freilich über viele Dutzende
ähnlich gelagerter, gerade hier in Hanau erlebter Fälle) für die Zukunft folgendes Vorgehen beschlossen: Er wird vor Beginn seiner Tagesarbeit, da diese aber schon öfters um 7 llhr morgens beginnt, am Tore vorher, aber besser noch jeden Tag zwei Mal beim Elektrizitätswerk Hanau die höfliche Anfrage stellen, ob er Aussicht habe, in den kommenden 12 Stunden auf elektrischen Strom rechnen zu dürfen. — Oder kann ihm vielleicht ein liebenswürdiger Leser des Hanauer Anzeigers einen weniger umständlichen Weg aus dieser Kalamität zeigen? — Er wäre sehr dankbar dafür. —
■bett mit UnierfjaUung uitb Verlosung. ooerr begrüßte. die Anwesenden und dankte für den zahlreichen Besuch. Nach der Deklamation von einigen Weihnachtsgedichten durch Kinder hielt Herr Pfr. Kurz die Ansprache über den Kern des Weihnachtsfestes. Der Geistliche behandelte die Weihnachts- geschichte und hob hervor, daß sich auch Arbeiter gefunden hätten, ein richtiges Weihnachtsfest zu begehen, um ihr Licht weiter hinaus leuchten zu lassen zu denen, die noch im Dunkeln sind. Mit einem Weihnachtslied endete die Ansprache. Sodann wies Herr Oberst. Wilhelmi in einer Ansprache daraufhin, daß es sich um die erste Weihnachtsfeier handele, die der Bund veranstaltete. Die Ansprache schloß mit dem Deutschlandlied, bas stehend gesungen wurde. Zur Verschönerung der Feier trugen bei Herr Jske mit dem Posaunenchor und die Gesangs-Abteilung» des Eo. Kasino. Mit einer schönen Verlosung fand die Feier ihr Ende.
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NZÄiLsVb§Et.
Ueber dein nöroucycn Teil des Atlantischen Ozeans wandert eine Reihe von starken Tiefdruck- j gebieten, . deren Ausläufer Deutschland jedoch nur wenig beeinflussen. Infolge des.allgemeinen Luft- druckanstiegs über Westeuropa hat sich her .gestern über Frankreich liegende, ziemlich kräftige ^Teilwir- ? bei wesentlich abgeflacht. Bei seiner langsamen ost- f wärts gerichteten Bewegung wird er unser Gebiet - trfi morgen erreichen und stärkere Bewölkung,, stellenweise auch leichte Schnee- und Regenfälle : bringen. Die Temperaturen werden bei nach Nörd-s westen drehenden Winden nur wenig ansteigen. Vorhersage bis Mittwoch abend: Bewölkt bis bedeckt, vielfach leichte Niederschläge,' nur wenig mil- der, nach losesten drehende leichte Winde, Aussich-i en bis Donnerstan: Bewölkt, zeitweise auch auf-' heiternd, meist trocken, westliche bis nordwestliche zoinbe, Temperaturen nur wenig ansteigend.
KrÄs Gewbattie«.
)( Gelnhausen, 3. Jan. Am hiesigen Friedhof' wurde Sonntag abend gegen *48 Uhr der 59jähr. Arbeiter der hiesigen Gummifabrik, Konrad Hix. aus Haitz, von dem Personenwagen eines Hanauer^ Bauunternehmens überfahren und erheblich ver-. letzt. Der Kraftwagen verbrachte H. in feine Wohnung. Der Zustand des Ueberfahrenen ist zurzeit noch ernst.
âreis Vüdi«ss».
Oeffentliche Submission.
Auf Grund der Reichsverdingungsordnung. werdens folgende Arbeiten und Lieferungen für den inneren Ausbau und die Nebenanlagen der Realschule in Nidda
ausgeschrieben: st
Schreinerarbeiten: Los I bis V: 690 Qmtr. Buchen« parkett, 340 Qmtr. Wandvertäfelung, 44 Innen- und 7 Außentüren.
Schlosserabeiten: Los I und II; 1250 Kg. Gitter und
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Geländer.
Plattenlieferung und Verlegen: 360 Qmtr. Mandant» Fußbodenplatten.
Tapezierer- und Linoleumarbeiten.
Installationsarbeiten für elektr. Licht-, Klingelund Uhrenanlage: Los I bis IV; 72 Brennstellen. Wasserzu- und Ableitung und Abortanlage: Los I und II: 146 lfd. Meter galo. Rohr, 28 Hähne, 88 kfd. Meter Abfallrohre, 13 Spülklosetts, 9 Becken. ; Pflasterarbeiten: 125 lfd. Meter Gössenpflastet Chaussierungsarbeiten: 68 Qmtr. Zufahrt, 650 Qmtr. Hofplanierung. :
Kanalisation und Klärgrubenanlage: 160 lfd. Meter Tonrohkanal: 2 Klärgruben.
Gartenanlage.
Maurerarbeiten der Einfriedigung, Brünnenbecken usw.: 226 Ebm. Bruch- und Schichtsteinmauerwerk, 170 Qmtr. Kunststeinplatten, 300 Qmtr. Basaltin-
platten.
Zeichnungen und Bedingungen sind auf unserem Amt einzusehen, Angebotsvordrucke, soweit der Vorrat reicht, zum Selbstkostenpreis daselbst erhältlich. Für Niddaer Interessenten findet der Unterlagenverkauf usw. außerdem am 4. Januar 1928 im Rathaus zu Nidda, von 15—17 Uhr, statt. Die Angebote sind in verschlossenem Umschlag mit der Aufschrift „RealschuiS Nidda" bis zum Eö.ffnungsterinin. am Samstag den 14. Januar 1928, 11 Uhr, bei der Bürgermeisterei Niddâ einzureichen, woselbst die Eröffnung stattfindgtL, .. ..
■ anWiMeirift 3_JJMiB^ --Mst
Büdingen Mn Lck Dezember 1927/ ' t -chiucha
Hess. Hochbauamt Büdingen: Frey. ..... ,
f Büdingen, 2. Jan. Zur Winterbeihilfs für Klein- und Sozialrentner gewährt der Kreis Büdingen für die Person eine einmalige Ausgabe von 10 "Mark. • ,
A«S feantfmü a. â
Valencia vor Gericht.
: Nicht die stolze Spanierin Valencia mit den raubenden Augen war die Angeklagte, sondern ein Erfrischungsgetränk, genannt "Orangeade-Valencia: Dieses Getränk, das zuerst in Frankreich fabriziert wurde, erweckte auch bald das Interesse deutscher Fabrikanten. Ein Frankfurter Hersteller dieses Ge-
Hevmann Grimm
Zum 100. Geburtstag am 6. Januar.
Von Dr. F. Ernst.
Sellen hat wohl jemand die Würde und Bürde, der Sohn eines berühmten Vaters zu sein, mit soviel Kraft, getragen und sie durch den Wert und die Wirkung der eigenen Persönlichkeit in reine Würde gewandelt, wie Hermann Grimm, der Sohn Will elm Grimms.
Der Name Grimm ist uns Deutschen geheiligt, die schönsten Märchen und Sagen, unser lieber unvergänglicher Besitz, klingen an, die Schöpfung der „Deutschen Mythologie" und des deutschen Wörterbuches, aber auch der tapfere Protest der Göttinger sieben. Jakob und Wilhelm, die Brüder, beides Söhne Hanaus„ die so. eng verbunden waren in Leben und Forschen, daß es schwer hält,'die Arbeit be« Einen von der des Anderen 3» scheiden, hausten bekanntlich in der Zeit des Königs Suftit in Kassel als bescheidene Bibliothekare, und dort wurde auch bem Jüngeren, Wilhelm, am 6. Januar 1828 ein Sohn geboren, von dem der Vater in seiner zurückhaltenden Weise in seinem kurzen Lebensabriß bemerk- „Möge etwas von dem Geiste Geßners auf ihn übergehen!"; damit meinte er den würdigen Humanisten Mathias Geßner, der in der Mitte des achtzehnten Jahrhundert als Professor der Beredsamkeit in Göttingen wirkte und zu den Grimm'schen Ahnen zählte. Nun, als starker Unterton mag der Geist Geßners in der Psyche Hermann Grimms mitgeklungen haben, lauter und schöner aber der des Vaters und Onkels, Jakob und Wilhelms, der beibe1* Schutzpatrone deutscher Sprache und Kultur.
Die Jugend und Junomannszeit Hermann Grimms war ämterlos, feine reiche Persönlichkeit konnte er vertragen, sich in voller Freiheit zu entwickeln. Nachdem er zuerst in Bonn Rcchtswissen haft, dann Philosophie, Geschichte und Kunst studiert hatte, lebte er das Dasein eines freien Gelehrten und Kunstforschers und, darf man hinzusetzen, Dichters. Wenn er sich auch später seit Ende der fünfziger Jahre mit denkbar größtem Erfolge der mehr wissenschaftlichen, kulturgeschichtlichen Schilderung großer wirklicher Persönlichkeiten der Vergangenhell hingegeben hat, so begann er doch mit einem Drama „Armin", dem ein zweites „Demetrius" folgte, versuchte sich dann mit schöner Wir» «t ng als Erzähler, fühlte aber wohl, daß feine
eigentliche Kraft an anderer Stelle liege und schuf seit 1860 seine drei bahnbrechenden Werke dieser Art. Zunächst das epochemachende zweibändige „Leben Michel Angelos", das zufällig in demselben Jahre erschien wie Jakob Burkhardts „Kultur der Renaissance in Italien" und im Grunde dasselbe Thema behandelt, die Größe dieser Wiedergeburt der Antike im Lande Dantes, Petrarkas und Lorenzo Medicis, nur nicht wie Burkhardt, schwimmend im überreichen Wechselstrom unerschöpflicher Detailkenntnis, sondern diese große Bewegung zusammenfassend in der Gestalt ihres größten Helden und aus beffen Seelenwerden das Jahrhundert wie in einem Hohlspiegel beleuchtend. Siebzehn Jahre später erschien sein zweites Kernwerk, wohl vorbereitet und mit der Wärme des eigenen Daseins genährt, sein „Goethe", in zwei Bänden, hervorgegangen aus Vorlesungen, die er als Professor an der Berliner Universität gehalten hatte, wo er seit 1870 habilitiert, im Jahre 1873 ordentlicher Professor wurde. „Im Grunde ist Hermann Grimms „Goethe", so sagt ein feiner Beurteiler, genau rote das „Leben Michel Angelos" ein Lehrbuch der ästhetischen Kultur. Es faßt den Begriff Goethe als Kunstwerk. Alle großen Leistungen Goethes find nur harmonische Glieder dieses Kunstwerks. Aber auch die innere Entwicklung seiner Person, also in gewissem Sinne sein LebeNI gehört dazu, es ist sogar die Seele des erhabenen Kunstwerkes. Dieses Kunstwerk unterwirft Hermann Grimm in einem schlichten Stil einer Analyse. Eine starke Stimmung eigener Größe geht Ddn dem Erklärer aus, man empfindet, daß es sich nicht bloß um den Dichterriesen haridell und neben ihm um den nach- geborenen Interpreten. Ueber beiden ragt das Höhere, Ideale, jenseits aller Persönlichkeit ins klare Blau: die Entwicklung der Menschheit zur Schönheit. In ihr ist auch Goethe nur ein Teil, nur ein Werkzeug. Und es fällt ein Licht von dieser Höhe, das beide, den Redner und den Gewaltigen, von dem geredet wird, für eine geweihte Stunde nebeneinander in seine gleichen Strahlen nimmt. „Viele haben empfunden, daß dieses Buch über Goeche ein stolzeres Buch ist, als irgend ein anderes, das dem Genius von Weimar dient. Aber in dem Stolze liegt zugleich etwas so Reines, daß man das Gefühl hat, es fei so erst der eigentliche Ton der Achtung gefunden, der sich vor Goethe gebührt."
Und wieder vergingen zwölf Jahre, dann erschien Hermann Grimms drilles Steifte ibud) „Homers Ilias". Nach der modernen Spiegelung der Antike in Goethe, nach ihrer Wiedergeburt im Zeitalter Michel Angelos und Raffaels folgte nun eine Betrachtung der eigentlichen Ursonne, die uns zwar nach dem bekannten Bekenntnis des Dichters noch immer leuchtet, deren Strahlen aber nicht mehr wirken können durch den Nebel überreichen philologischen Beiwerks und schulmeisterlicher Verbildung. Grimm wollte die Sonne Homers den Zeitgenossen strahlen lassen, wie sie Goethe strahlte, als er mit seinen Freunden im Angesichte des Schweizer Hochgebirges die Gesänge der Ilias vorlas. „In keinen: seiner Werke ist Grimm so ganz, so unbeirrbar kühn von der ästhetischen Kultur ausgegangen. Bei Homer macht er gleichsam die Probe auf feine Gesamtrechnung. Das Prinzip, bei Michel Angelo, Raffael und Goeche aus der unbestrittenen, einheitlichen Kunstleistung gewonnen, hilft hier, bei Homer, umgekehrt die Einheit des Kunstwerkes,' die bestritten schien, wieder herstellen. Von der Ilias Grimms läßt sich jetzt sagen, daß unserer Generation ein Buch gegeben ist, das zum ersten Male nach langer Zeit wieder den eigentlichen ästhetischen Faden aufnimmt . . . Grimm hat das schwerste versucht, was versucht werden konnte. Er hat sich daran gemacht, die ganze Ilias von der ersten bis zur letzten Zeile uns noch einmal zu erzählen. Ja, sie ist der jungen, unhistorischen Generation jetzt so fremd geworden, diese Ilias, daß das not tut. Das heißt, zu erzählen in der Weise, daß er während der Erzählung wie von selbst die Fäden der Eesamtkomposition auseinander wickelt die Charakteristiken, die in Einzelzügen über die ganze Dichtung zerstreut sind, zu runden Bildern aneinanderfügt. „Die Rettung Homers vor den Schulmeistern" hat einst Wilhelm Boelsche die Tat Hermann Grimms genannt. Und so hat der Vater Wilhelm Grimm Bedeutsames gesagt, als er wünschte, daß in dem Sohne Hermann der Geist Geßners, des feinen Humanisten, lebendig bleiben möge.
Um diese drei Quaderwerke ranken sich die edlen Kleinarbeiten Grimms, die er in den Bänden seiner „Essays" niedergelegt hat und die ihn als einen der paar deutschen Meister dieser schweren Kunstgattung zeigen. Seine. Persönlichkeit steht scheinbar im Abendlichl unserer klassischen und romantischen Zeit, mit welch letzterer er als Gatte Gisela von
ims, der Tochter Bettina Brentanos, auch häus-- lich eng verkünden »vor. Und doch ist es Btvrgen- licht, das aus ihm strahlt, das Morgenlichr der als innere Erfahrung gesicherten Einheit des Geistigen die wieder kennen zu lernen unserem prismatisch zerlegten Jahrzehnt bitter not tut.
M-ttd-Lesellde
Von Joses Winckler.
Nach einer alten Sage hat der Mond das Recht, an den sogenannten vier Hochzeiten, d. h. dèn hohen Zeiten des Jahres, das ist immer Neujahr, Ostern, Pfingsten, Weihnachten, persönlich in den Himmel zu treten. Dann darf er sein bleiches, kaltes Gesicht an der Herrlichkeit Gottes erleuchten wie die Sonne. Dann ist auch für ihn ein goldener Tag und nicht die ewige Nacht. Um dieses Recht beneiden ihn alle Schweifsterne, Wandelsterne und Fixsterne. Schon geraume Wochen vordem, ehe er durch die Wolken emporfährt — das ist die berühmte „Himmelfahrt des Mondes", die man im Moraenlande besonders verehrt — schwankt er leise schauernd in seinen Angeln und rührt jedesmal das Meer in den Tiefen auf, und daher kommen auch die vielfachen Stürme der Springfluten zu diesen Tagen, die den Seefahrer erschrecken und deren Geheimnis man sich so lange dicht erklären konnte.
Warum darf aber der Mond an den vier Hochzeiten ins Paradies?
Als in Bethlehem das Wunder dèr Geburt ge- fchehen, davon allen Propheten der Münd voll gewesen, und die Hl. drei Könige in glitzerndem Pomp und Myrrhen — ach, wer wüßte nicht? — da kniete, als sie wieder fürbaß zogen, in. der Ecke def Stalles immer noch einer jener armen Hirten, die zur Anbetung von den Feldern gekommen waren Der hatte die Lammfellmütze tief ins Gesicht ge- zogen und faltete die braunen, hageren Hände am den Schaft des Hirtenstabes. Als dieser arme Mâ m nun die kostbaren Geschenke und Gefäße funkeln sah, wie die Solomons aus purem Golde, und has süßè Kind im Schlummer nickte, da griff ihn heimliche Versuchung, und er tappte mit flammen Fin- gern gierig näher... jäh strich die scharst. -Sichel des Mondes, groß wie eine Senfe, furchtbar in die- fern Augenblick am Fenster vorbei, daß der Dieb vor Grausen und wahnsinnigem Schreck aus dex Tür davon stob.-- ;
Später auf der bangen Flucht nach AegyplG