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Dienstag den 3. Januar 1928

Kr. 2

* preußische Klassenlolterie. Nochmals sei da. rauf hingewiesen, daß heute der letzte (Erneuerungs­tag für die 4 -Klasse ist

* Das Fest der silbernen Hockyeit begeht mor­gen das Ehepaar Wilhelm Poth und Frau Anna geb. Obitz, in Kesselstadt, Friedhofsweg 8.

LsNdSvsès KartSN.

Dörnigheim, 2. San. (Weihnachtskaste). Die neugegründet« WeihnachtskasteZum weißen Roß" läßt mitteilen, daß am Samstag, 7. Januar, abends von 810 Uhr, die ersten Einzahlungen erhoben werden.

weitevdevichs.

Bei Island liegt ein starkes Tiefdruckgebiet, das im Laufe des vergangenen Tages nordostwärts ge­wandert ist. Ueber Englarü) liegt ein kräftiges Teiltief, das die Witterung unserer Gegend sehr bald beeinflussen wird. ansteigenden Tempe» raturen ist mit dem Auftreten von Regerrfällen zu rechnen, die bei dem gefrorenen Erdboden leicht Glatteis Hervorrufen können.

Vorhersage bis Dienstag abend: Zunehmende Bewölkung und Negenfälls, Temperaturen anstei- gend, mäßige warme südliche Winde.

Aussichten bis Mittwoch abend: Vorwiegend be­wölkt, einzelne Nidersststäge, Temperaturen meist über dem Gefrierpunkt, auffrischende südliche bis westliche Winde.

â«W Gelnhausen.

T.-Nr. 2677. Gelnhausen, den 1. Januar 1928.

Aus dienstlichem Anlaß bin ich verhindert, meinen Sprechtag am Donnerstag, den 5. Januar 1928, abzu­halten, er wird vielmehr verlegt auf Mittwoch, de» L Januar 1928.

Ferner habe ich Anlaß, darauf hrnzuweifen, daß meine regelmäßigen Sprechtage jeden Montag und Donnerstag von 912 Uhr vorm. im hiesigen Land­ratsamt stattfinden. In eiligen Angelegenheiten bin ich auch in meiner Wohnung, Heinrich Mahlastr. 12, zu sprechen, aber nur nach telephonischer Rück­sprache (Nr. 90).

Der Kreisarzt.

)( Neuenhahlau, 2. Dan. Von den Feiertags- Veranstaltungen der hiesigen Vereine hatte das Konzert der Freiwilligen Feuerwehr-Kapelle das Interests der Einwohner besonders geweckt. Vor voll besetztem Saal brachten diese jungen Musiker am 2. Weihnachtsfeiertag gut ge­wählte Kompositionen zu Gehör Die Ausführung der Musikstücke zeugte von beharrlichem Fleiß im Ueben, von guter Auffassung und feinfühliger An­passung an den Dirigenten. Führung und Kapelle dürfen sich ihres Erfolges freuen. Am 1. Weih- nacktsfeiertag veranstaltete der Gesangverein Sän­gerlust in geschlossenem Kreis einen wohlgelunge- nen Familienabend. Nächsten Sonntag findet auf dem Sportplatz der Viktoria das Entscheidungsspiel um die Meisterschaft der Klasse A des Mittelmain­gaues zwischen den beiden Wtèilungsmeistern Kewa ! und Neuenhahlau I statt. Die Wichtigkeit des Treffens wird ihm eine ernste Note au fb rüden.

Aus Seauksmit a. HL

Kleine Frankfurter Rundschau.

: Zu den Unfällen in der Neujahrsnacht ist noch Nachzutragen, daß^ein Mädchen in der Throner- straßs durch einen Schuß in den Kopf verletzt wurde, so daß es im Krankenhaus ausgenommen werden mutzte. Ein Schüler zog sich dadurch schwere Brandwunden an beiden Beinen und am Rücken zu, daß ein Feuerwerkskörper in den Kleidern explodiert«. Auch er mußte dem Krankenhaus zu- 8 «führt werden. Redakteur Oskar Quint konnte eute auf eine 25jährige Tätigkeit in der Redaktion der FrankfurterVolksstimme" zurückblicken, t- In einem Hausflur in der Graubengasfe entriß ein Un­bekannter einem Rentenempfänger die Brieftasche mit 30 Mk. Inhalt.

Aus Katz «Kd Ser«.

LvagS-ren dev Lreukahvsnarht

glelch- Brant-

Baum aus

Kölbingen bei Westerburg, 2. Jan. In der Neu- jahrsnacht ereignete sich hier ein tragischer tödlicher Unfall Zwei Freunde, der 21jährige Steinbruch­arbester Ignaz Kaiser von hier und der gleich­altrige HaÄelsschüler Heinrich _

cheid waren mit mehreren anderen jungen Bar- chen auf dem Wege nach dem benachbarten Brant- cheid, um dort Neujahr zu feiern. Kaiser schoß viermal mit einem Revolver in die Luft, der fünfte Schuß ging jedoch in der Nähe des Dorfes fehl und traf dem neben Kaiser gehenden Baum in. die Lunge st daß tweser sofort tot zusammenbrach. Der ungut ckllche Schütze wurde durch Landjäger fest, genommen, am anderen Tage jedoch vom Amts­gericht Wallmerod wieder freigelassen, da kein Fluchtverdacht vorliegt.

Großostheim, 2. Dan. Eine entsetzliche Tragödie her ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel, ereignete sich hier in der Silvesternacht. Morgens gegen 3.30 Unr verließen die beiden Gemeinde- bürger Heinrich Derlenbach und Jakob Kapraun eine Gastwirtschaft, in der sie kurze Zeit vorher beim Silvestertrunk in eine erregte Unterhaltung geraten waren. Wahrscheinlich als Folge dieser Unterhaltung entspann sich auf dem Heimweg ein heftiger Wortwechsel, in dessen Verlauf der etwa 47 Jahre alte ehemalige Zimmermann Jakob Kap. raun auf den 26jährigen Schneider Heinrich Ver- lenbach sechs Revolverschüsse abgab. Fünf von diesen Schüssen erreichten ihr Ziel; Berlenbach wurde in den Kopf, Hals, in die Lunge und andere Stellen getroffen. Die Kugeln drangen in abstei. gender Linie in den Körper des Opfers ein. Äer- lenbach brach sofort tot zusammen. Der Fall ist umso tragischer, als der Erschossene erst seit unge- führ sechs Wochen verheiratet ist. Er soll sich mit dem Täter seit längerer Zeit in heftiger Feindschaft befunden haben.

Weinolsheim, 2. Jan. Als in der Neusahrsnacht der Kirchendiener Karl Bettschenka in Weinolsheim in der Kirche das neue Jahr eingeläutet hatte und sich auf dem Rückweg in seine Wohnung befand, wurde er plötzlich ohne jede Veranlassung meuch­lings von hinten angefallen und durch einen Mes­serstich in den Rücken schwer verletzt. Das Messer drang in die Lunge ein; der Verletzte mußte sofort in das Krankenhaus in Mainz übergeführt werden. Der Täter, ein Dienstknecht in Weinolsheim, der mit dem Verletzten verfeindet ist, wurde noch in der Nacht verhaftet und dem Amtsgericht zugeführt.

Braunschweig, 2. Januar. We oer AUpememe Anzeiger aus sahnen tlee meldet, ist in der Silvester­nacht bei einer Familienfeier Direktor Auerbach von der Rheiii-Mctallaktieiigeicllichaft tödlich verunglückt, ls er wegen des Versagens eines Kanonenschlages nach iah, entlud sich dieser. Direktor Auerbach wurde die Schäceldecke weggcrissen, wdaß er auf der Stelle tot war.

Dasbach (Untertaunuskreis), 2. Dan. Weil ihm der Vater ernste Vorhaltungen gemacht hatte, er­schoß sich hier ein 19jähriger Besitzerssohn. Adan fand iyn morgens mit einem Herzjchmß tot unterm Christbaum liegend vor.

Mainz, 2. Jan. In der vergangenen Nacht, kurz noch 12 Uhr, wurde der Scharner eines Straßen­bahnwagens, Pater von acht Kindern, in einer Kurve von der Plattform geschleudert. Der Unglück­liche, der erst einen Tag nach überstandener Krank­heit wieder im Dienst war, erlitt hierbei den Tod.

Wetzlar, 2. Jan. Dn der Silvesternacht gerieten in Waldgirmes bei Wetzlar einige junge Burschen in Streit. Dabei erhielt einer von ihnen einen Mes­

serstich in die Seite, der eine Lungenverletzung zur Folge hatte. Der Gestochene brach zusammen; sein Befinden ist ernst. In Naunheim bei Wetz- tat erhielt der Gastwirt Lendenfeld, der als völlig Unbeteiligter in einen Streit verwickelt wurde, einen Messerstich in den Kopf, jo daß er in das Kran­kenhaus nach Wetzlar eingeliefert werden mußte. In Atzbach (Kreis Wetzlar) führte die Schießerei in der Silvesternacht zu verschiedenen Verletzungen. Ein junger Bursche verlor einen Finger, ein anderer trug schwere Brandwunden im Gesicht davon.

Limburg, 2. Dan. Die Polizei hatte hier in der letzten Zeit bei den nach Limburg liefernden Milch­händlern und Landwirten Proben entnommen, die

dem Nahrungsmittelunteriuchungsamt Frankfurt am Main eingesandt wurden. Die Untersuchung ^Mafser-

ergab, daß die verschiedenen Proben einen

zujatz von 5, 30 40 und sogar 60 Prozent aufwiefen. Gegen fünf Landwirte aus Limburg und Umgegend ist ein Strafverfahren eingeleitet worden.

Weilburg, 2. Jan. Hier erschoß sich ein 56 Jahre alter Installateur mit einem Jnfanteriegewehr. Er sollte sich vor Gericht wegen eines Vergehens gegen 8 176 stellen; dieser Aufforderung leistete er jedoch seine Folge. Da der Installateur schon seit zwei Tagen von der Nachbarschaft nicht gesehen worden war, stellte die Polizei Nachforschungen an. Das Haus war verschlossen und mußte gewaltsam geöff­net werden. Bei dem Eindringen der Polizei krachte ein Schuß und man fand den Installateur tot vor.

Lauterbach, 2. Jan. In dem Vogelsbergdorfe Eichenrod, in dem der Weidegang des Rindviehs fehl gepflegt wird, wurde allen Schulkindern bei der Weihnachtsfeier der Schule je eine Kuhglocke ae- fchenkt. Der Austrieb der Tiere zur Weide erfolgt duxch die Schulkinder. Für die Beschaffung dieses nicht gerade alltäglichen Weihnachtsgeschenkes war im Dorfe eine Sammlung veranstaltet worden. Die Kinder sollen durch diese Gabe sehr erfreut gewesen sein.

Gedern, 2. Jan. In der Nacht zum Samstag wurden in dem benachbarten Ste nberg aus dein Stalls des Bürgermeisters zwei wertvolle Pferde gestohlen, ohne daß die Hausbewohner zunächst etwas von dem Vorgang bemerkt hatten. Als ein Nachbar, der die Fortführung der Pferde zu der ungewohnten Stunde gehört hatte, etwas später den Eigentümer deswegen befragte, kam der Diebstahl heraus. Die alsbald ausgenommen« Verfolgung hatte das Ergebnis, daß die Pferde in Ortenbevg wieder angetroffen wurden; die Diebe aber, welche die Verfolger bemerkt hatten, waren flüchtig ge­gangen. Ein gleicher Diebstahl, der einige Tage zu­vor in Merkenfritz vorgekommen war, gibt zu der Vermutung Anlaß, daß es sich in beiden Fällen um dieselben Pferdediebe handelt.

Riederliedersbach (Odenw.), 2. Jam Beim Neu- jahrsschießen blieb einem 18jährigen Fabrikarbeiter eine Patrone im Revolver stecken. Als sein Freund die Waffe prüfen wollte, entlud sich der Schuß und traf den Fabrikarbeiter ins Herz, so daß der Tod auf der Stelle eintrat.

Darmstadt, 2. Jan. Gestern abend geriet in der Wohnung des Ministerialrats Dörr durch Unvor­sichtigkeit der Christbaum in Brand, der schnell in Hellen Flammen stand. Das Feuer teilte sich ver- schlödenen brennbaren Sachen und Gegenständen mit, so daß die Feuerwehr alarmiert wurde, die schnell in Tätigkeit trat und das Feuer löschte. Ministerialrat Dörr, der bis zum Eintreffen der Feuerwehr den Versuch unternahm, die Flammen zu löschen, verbrannte sich an den Händen und im Gesicht schwer, so daß er von der Rettungswache nach dem Krankenhaus gebracht werden mußte.

Schweinfurt, 2. Jan. In dem Laden einer hiesi­gen Firma explodierten die zum Verkauf bereitgelsg- ten Feuerwerkskörper unter lautem Getöse und star­ker Rauchentwicklung. Das Ladenpersonal rettet« sich in den oberen Stock, von wo aus es durch die I Fenster mittels Leitern ins Freie gelangte. Ein« 19jährige Verkäuferin, welcher der Ausgang durch den Explostonsherd versperrt war, erlitt eine Rauch­vergiftung, jedoch leichterer Art. Der in dem stark verqualmten Laden entstandene Brand wurde von

der Feuerwehr gelöscht.

Wieder ein fingierter Ranbnberfall.

Berlin, 2. Jan. Der gestern gemeldete angebliche Raububerfal auf den Kaufmann Leo Schubert war nach den polizeilichen FestneUungen fingiert. Schubert gab dies auch nach län erem Ber ör schließlich zu. Statt des einen arbeitslo en hingen Mannes, den er zu sich eingeluden hatte, um ihm etwas zu schenken, waren zw i gekommen, d nen er getragene Kleiduygs- licke uns ante« Sachen schenkte, iodag er wodl mehr weggab, als er vor seinen Eltern veiantworten konnte, um einen Naubüocrfall vorzutäusch n, hatte er sich lesseln und inebeln lassen. Bei diesem Vorgang war

eine Base von ihrem ^taiidpiaiz herunter gjalcn un» hatte ibn am Kopf getroffen und leicht verletzt.

GpeeMaâ

(Unter Gerant.....-tung des Einsenders.)

Die Straßen.Reiulgung hat, nach polizeilicher Verordnung, in der Stadt Hanau wöchentlich zweimal zu erfolgen. Der Zweck : ist klar erkennbar. Leider ist bie. Unsitte eingerissen, daß frühmorgens aus den Läden und Haustüren der Kehrricht, über den Bürgersteig, in die Stra­ßenrinne abgelagert wird. Die Autos und Straßen- ; 'bahn wirbeln den Schmutz auf. Die Nachbarn und Passanten sind die Belästigten. Auf diesen Umstand sollte die Polizei ihr Augenmerk richten.

Die Straßenreinigung, soweit sie Roßäpfel pp. betrifft, wird in anerkennenswerter Weise von freiwilligen Helfern" besorgt. Wie steht es aber mit den Papierabfällen? Früher waren mancher, orts Drahtpapierkörbe angebracht bzw. ausgestellt. ; Der Zahn der Zeit und der Rost haben diese prak­tische Einrichtung verschwinden lassen, aber der Ersatz läßt auf sich warten. Die Wiederanbringung bzw. Erneuerung würde die Sauberkeit der Straßen heben. In anderen Städten wird das Wegwerfen von Papier und Eigarrettenschachteln polizeilich geahndet.

Die Reichsposi, die Brief- und Paketbeförderung, Telegraphie, Telephonie und Radio als Staatsmonopale be­herrscht, ist technisch, neben der Eisenbahn, als Hauptverkehrsmittel anzusprechen. Praktisch sieht es anders aus. Ausgerechnet am' Silvester werden nach hergebrachter Gewohnheit die Schalter von 121316 Uhr geschlossen. Warum nimmt man an solchen Tagen nicht Rücksicht auf das Publikum und den erhöhten Verkehr? Für den Markenver­kauf sollte ein Schalter durchgehend geöffnet sein. Die Verstärkung Schalter 9 öffnete sogar erst 14.40 Uhr.

Die Einzahlung der Fernsprechgebühren kann anscheinmd nicht nach dem Ermessen des Zahlungs­pflichtigen erfolgen. Wer 12.35 Uhr am Schalter S der als Telegramm- uni) Ferngesprächsannahme ununterbrochen geöffnet ist zahlen will, kann erleben, wenn auch gerade nichts zu tun ist, daß ihm bedeutet wird:Wird jetzt nicht angenommen, erst um 15 Uhr, hinten auf dem Umschlag steht'sl" Richtig! Da ist zu lesen:möglichst in den Zeiten von 811 vorm. u. 35 nachm." Aber es muß doch wohl aus Höflichkeitsgründen geschehen sein, daß ausgerechnet das Wortmöglichst" unter­strichen ist! Entgegenkommen gegenüber dem Pub- likum und Diensthandhabung sind doch zweierlei Sachen.

Die Warkeu-Aulomaten sollen den Schalterdienst entlasten und die Mög­lichkeit geben, auch außerhalb der Dienststunden den Markenbedarf zu decken. 15 Pfg.-Marken werden durch die Automaten nicht verabsolgt. 8 Pfg.-Marken ebenfalls nicht. Entweder müssen 20 oder 10 Pfg. geopfert werden. Wer wie soll man sich mit Postkarten helfen? 5 Pfg.-Karten finit nur für den Ortsverkehr. Die derzeitigen Auto- maten verfehlen größtenteils ihren Zweck.

7 P'â Skratzenbenennuug.

Früher gab es einmal einen Bebraer Bahnhof, auch eine Straße gleichen Namens. Der Bebraer Bahnhof war schon lange kaltgestellt, im Volks­mund sprach man nur noch vomalten Bebraer Bahnhof", aber, wohl aus Pietät, behielt die Straße den Namen bei. Lange Jahre nach Jnbv triebnohme des neuen Ostbahnhofs taufte man Straße um. Jetzt ist aber der Ostbahnhof rang­höher und Hauptbahnhof geworden. Kein Fremder wird mehr nach dem Ostbahnhof fragen, aber un» gläubisch muß er werden, wenn man ihn durch die Ostbahnhofstraße" nach demHauptbbahnhof" di­rigiert. N.

Bei Korpu enz oder Veranlagung zum Feiianiag raten wir in Der Apotheke 30 Gramm Totuba-Kerne zu laufen die unichädltche. dabei wirk­same, den Fettansatz reduzierende Stoffe enthalten.

Die GchveEenskamwev

Eine Erinnerung an den Dichter Peter Hille.

Von Felix Leydenius-München.

o Als ich mit meinem Freunde Axel und feiner vierten rechtsmäßigen Gattin die kleine italienische Kneipe an der Potsdamer Brücke betrat, saß Peter Hille schon am Stammtisch. Im matten flackernden Licht der Christbaumkerzen erinnerte sein schmaler Aposteikopf an die rührende Schön­heit frühgotischer Bildwerke. Auch Donald Wede­kind, Franks begabter Bruder, hatte sich an diesem Weihnachtsabend eingefunden und peinigte mit zy­nischen Bemerkungen die Kinderseele des. mett» fremden Poeten. Dann kamen nach und nach die ruderen, Desperadonaturen, zähe, mit sich selbst inb dem Dasein ringende Gesellen; Märtyrer ihrer lleberzeugung, die mutig Hunger und Entbehrun- gen ertrugen.

Kurze Zeit darauf starb Peter Hille. Donald Wedekind erschoß sich auf einer Dank im Wiener Prater. Auch die meisten anderen deckt heute der grüne Rosen. Etwas wie Todesahnen mag wohl an jenem Abend auf uns gelastet haben; es sümpfte die laute Fröhlichkeit der Zechenden. Oder erweckten Tannenduft und Kerzenschimmer bei den Heimatlosen die Erinnerung an die Tage einer be­hüteten Kindheit? Zum Teufel, wir waren doch sonst nicht sentimental!

Vergeblich bemühte sich Berty, der Maler, die gedrückte Stimmung zu beleben. Unermüdlich sang er marokkanische Weisen und trommelte die Be­gleitung auf der Guitarre. Dann zeigte er sich als Tanzparodist und schließlich wollte er faule Witze erzählen. Da warfen wir ihn hinaus.

Früher als - sonst brach man auf. Axel bot seinem Freunde P«ter Hille, der wieder einmal ohne Bleibe" war, die Gastfreundschaft an und erntete dafür einen wütenden Blick seiner besseren Hälfte. Frau Mizzi, die Tochter eines ehrsamen Subalternbeamten aus Schievelbein, konnte sich nun einmal nicht an die lockeren Sitten der Ber­liner Bohème gewöhnen; sie war der Ansicht, daß chr Heim kein Asyl für obdachlose Künstler sei, und hatte ihrem Axel derartige Einladungen ausdrück­lich untersagt. Von seinen freundschaftlichen Ge­fühlen und reichlichem Alkoholgenuß übermannt, kümmerte sich aber dieser wenig um die Wünsche

seiner Gebieterin, sonder faßte liebevoll den Dich­ter unter den Arm und zog ihn mit sich fort. Ich folgte mit der grollenden Mizzi.

In der eisigen Schneeluft flohen jedoch die Geister des Weins vor Axels dämmerndem Selbst- bewußtsein. Nicht mit Unrecht fürchtete er eine temperamentvolle Auseinandersetzung mit seiner gereizten Gastin und sann daher auf einen Aus- weg. In seiner Wohnung angelangt, wies er dem Freunde, dem er gern das eigne Bett zur Ver­fügung gestellt hätte, einen kleinen Verschlag neben seinem Atelier an. Im engeren Familienkreise pflegte man diese Stätte alsSchreckenskammer" zu bezeichnen. Die beschädigten Stellen des Daches sorgten immerhin für Licht und Lüftung des fensterlosen Raumes; neben Blendrahmen, Keh­richteimern und anderem Gerümpel enthielt er eine alte wacklige Feldbettstelle, die dem Dichter als Lager dienen sollte.

Dichter werden in dieser Welt nun einmal nicht auf Rosen gebettet, und der müde Wanderer, ge­wohnt, auf einer Bank im Wartesaal oder gar im Freien zu nächtigen, war wohl froh, in dieser kalten Wlnternacht überhaupt ein Dach über dem Kopfe zu haben. Es ist auch gut möglich, daß dem Traumpeter", der ja aus einem ganz anderen Planeten lebte als wir Skeptiker, diese trostlose Bude als ein köstliches Prunkgemach erschien, denn er war gerührt über die Güte des Freundes und erschöpfte sich immer wieder in Danksagungen. In seiner tiefen Ergriffenheit konnte der Dichter gar keinen Schlaf finden, und in dieser denkwürdigen Christnacht entstand beim flackernden Schein einer Wachskerze ein langes Gedicht, in dem Peter Hills die Gastfreundschaft als die hehrste Tugend des Menschen preist.

Kichert da irgend ein loser Schalk?

Frau Mizzi hat jedenfalls am anderen Morgen ein sehr mißtrauisches Gesicht gemacht, als Peter am Frühstückstisch seine tönenden Serse vorlas, und noch heute wiegt sie bedenklich ihren Kopf, wenn die Zeitungsschreiber behaupten, mit Peter Hill« sei der letzte deutsche Romantiker zu Grabe getragen worden . . .

Sladklhealer. Aus dem Theatetbüro wird uns geschrieben. Als 16. Vorstellung im Diens­tag-Abonnement wird heute abend 7% Uhr Ein Wulzertraum". Dnerette in 3 Akten von

Oscar Strauß wiederholt. Die Handlung dieser Operette weist spannende Ätomente, stimmungsvolle Szenen, komische Zutaten und gut pointierte Situationen auf. Die Musik besitzt zündende Schlagkraft und zeigt den alten Operettenmeister auf der Höhe einer treff­sicheren, musikalischen Linienführung. Morgen Mittwoch, abends 7% Uhr gelangt als 16. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement zum letzten Male Bernard Shaws erfolgreichste KomödieDer Arzt am Scheideweg' zur Auf- fsthrung. Am Donnerstag, abends 7^ Uhr findet eine letzte Wiederholung der komischen OperDas Glöckchen des Eremiten" von Aimë Maillart statt. Die Eintrittspreise für diese Vorstellung sind auf die Schausprelpreise er­mäßigt, als Silvain gastiert der Operntenor Heinz Steinbrecher von Frankfurt a. M.

o Skädk. Konzerte. Donnerstag, 6. Jan. findet wiederum eines der beliebten Stadt. Konzerte, die vom Frankfurter Symphonie- Orchester unter Leitung von Musikdirektor W. Naue ausgeführt werden, 19% Uhr in der Johanneskirche statt. Als Solist wurde Louis Schuyer, den Haag (Cello) gewonnen. Die1 Programmfolge zeigt neben Bruckner's ge­waltiger 5. Symphonie in B-dur, deren Auf­führung für Hanau sicher ein Ereignis werden wird, noch Bach's unvergängliche D-dur Suite und Haydn's D-dur Cellokonzert an. Ein­trittskarten im Preise von RM 1. bis 3.50 sind erhältlich bei Alberti's Hofbuchhandlung, Langstr. 47, im Musikhaus Klenk, Rosenstraße 4 und im Pianohaus Ed. Schaaf, Marktplatz 15 (Tel. 2144)

o Operation Asia Nielsens. Die Filmschauspiele­rin Asta Nielsen mußte sich nach der Fertigstellung ihres letzten Films einer Blinddarmoperation unter­ziehen, die jedoch gut verlaufen ist.

Dev Stiem von Vila ftKvzi ein

Allerdings erst in 1000 Jahren, wie feffgefteUf wird.

Mit der Stabilisierung der Lira scheint den Ita­lienern noch ein anderes Stabilwerden längstens fällig: des schiefen Turms von Pisa. Seit Jahr­hunderten haben die Pisaer Angst, der Koloß möch­te plötzlich über ihnen Zusammenstürzen, die be­

rühmtesten Architekten untersuchten ihn, immer ohne eMscheidendes Resutat. Jetzt macht Mussolini auch hier Ernst. Eine Staatskommission nahm sich des ungewissen Bauwerks an und kam zu diesen überraschenden Schlüssen: Der Turm wurde schief ë)on als er noch mitten im Bau war, der Pisaer oben trug die gewaltigen Steinmassen einfach nicht und senkte sich. Dieser Neigung begegneten die Architekten auf halber Höhe durch ingeniöse Verschiebung des Gleichgewichts der oberen Par­tien. Diese Verschiebung ist derart wirksam ge­blieben, daß der Koloß ruhig sogar noch mehr sinken darf. Gegenwärtig beträgt die Verschiebung zwischen oberster Plattform und Basis 4,319 Meter. Ein Meter bequeme Senkung ist noch erlaubt. Da der Turm pro Jahr sich um einen Millimeter nach vorn neigt, so dürfen bie Pisaer noch tausend Jahre lang ruhig sein. Indessen empfiehlt die Kommission umfassende geologische und geometrische Vorarbei­ten zur endgültigen Stabilisierung.

Fußballspiel im Schnee.

Wie der Ball nach einer Stunde Spiel aussiehi. (L'Auto")

Kurz vor zwölf.Schau nicht immer so zu der Kleinen dort hinüber, die ist ja viel zu jung für dich." »Ich warte ja auch noch bis zum nächsten Jahr.

Genug bestraft.Ein Mtrose in England hat drei Frauen auf einmal geheiratet. Was ist die höchste Strafe daraus?"Die drei Frauen."