Nr. 1
Montag den 2. Januar 1928
Sette 3
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euer
Kâles.
Hanau, 2. Januar.
Wie das neue Sabv besaun
Jedesmal, wenn der erste Glockenschlag des ii-ucn Jahres über die Stadt brummt, bricht alles in unbändigen Jubel aus. Man begrüßt das Kommende wie ein Wunder. Mit Kanonenschüssen, Kcu-'rwerk, Hochrufen, Umarmen — so wird das -roße Fest begonnen. Warum das eigentlich alles? Erwarten wir so viel vom neuen ^-— — denn wir wissen ja alle, daß es uns genau so viel Soraen und Mühe bringen wird, wie fein Vor- siänqer, auch darüber, daß einem zum Bewußtsein komint daß man wieder ein Jahr älter geworden -st fou ja im allgemeinen keine uneingeschränkte sircude herrschen. Und doch in der Silvesternacht herffcht reine Freude. Es ist das Vergessen, das sich außerhalb der Zeit stellen, das noch nicht kv
Jahr eingespannte Leben, das uns diese Nacht vom neuen zum allen Jahr so bedeutungsvoll macht. Und so ist man ausgelassen und toll wie sonst an keinem Tag des Jahres.,
Man war es auch diesmal wieder. Schon am Nachmittag knatterte hier und da Feuerwerk in den Straßcn, das zu stütz losgegangen war, und am Abend begannen dann die Feiern. Zum größten Tè-l wurde in den Cafes und Wirtschaften gefeiert. Dort sah man überall frohe Menschen beim traditionellen Glas Neujahrspunlch. Musik erklang und wo es anging, wurde getanzt. Mancher Witt hatte auch für Ueberrafchungen gesorgt, |c daß die Neujahrsglocken läuteten, ehe man über- . Lupt daran dachte, daß es schon ta spät ’ei. Ao er schon beim ersten Glockenschlag begann dasLeden in der Stadt. Aus allen Häusern kamen plötzlich Menschen, die Häuserfronten leuchteten rot und grün auf, Raketen zischten in die sternklare Nacht, dm um 'Nü einem Fauchen zu zerplatzen und bunte Kugeln herabzuregnen. Für den notigen Lärm b ™ I sorgten Kononenschläge, Frösche und Schwärmer. Mur?, es war eine ausgelassene Nacht.
I So mancher Familienvater hatte je ne eigene kNeujuhrsseier arrangiert, da gab es erst iâ I einen Neujahrskarpfen, dann wurde das Schicksal
1 beiraat, das aus dem gegossenen Blei sich undtun follte'unb was dergleichen Scherze mehr sind.
. . I Auch im Theater gab es eine Nenjahrsstier. Ein lehr luftiges Kabarettprogramm war ausgestellt fund die Hanauer Künstler bemühten sich, die immer Eh" Nimas .fatalen Stunden vor Mitternacht so ange« - d nehm wie möglich zu vertreiben. Das volle Haus dipt sachte viel über die ausgelassenen Vorträge und „1 btin 'ne ourch viel Beifall.
s n« i So feierte jeder sein Fest nach seinem Geschmack. FrÄ Nm Sonntag früh waren Hanaus Straßen ausge- cfchj Btorben. Man schlief. Nur ein schwarzer 51 iur Hl dmch die Stadt gesprungen fein. Ist Wahrheit ober Halluzination? Wer fanns wissen. Erst das schöne Wetter am Nachmittag lockte die Menschen hinaus und die Frische verscheuchte bald die ersten Sorgen des neuen Jahres. Viel erwarten wir alle
i eigentlich alles? Jahr? Kaum —
weniger, in jedem Warenhause bekommt, deren mißtoniges Ticken einem die Nachtimhe verscheucht, und deren Weckstgnale ein heiseres Gebell sind. Es gibt zwar freilich Menschen, deren Nerven robust genug sind, um das Zusammensein mit solchen un» lymphatischen Gesellen zu ertragen. Sie schlummern süß und unbekümmert, wenn er noch so viel Lärm verursacht. Ja, sie stellen ihn auf einen Porzellanteller und diesen Porzellanteller auf die Marmorplatte des Nachttisches, und wenn er dann weckt und einen wahren Höllenspektakel entfesselt, so drehen sie sich freudig lächelnd auf die andere Seite, als sei das eine süß harmonisch Morgen- musik! — Wir beiden sind zarter besaitet, mein Wecker und ich. Er klingelt zwar anhaltend und nachdrücklich, aber immerhin mezzoforte und nicht unmelodisch, und ich bin längst wach, noch ehe er sein Gesetzlein auch nur halb beenbet hat. Ein Griff und er verschwindet unter dem Kopfkissen — dort schimpf er halberstickt weiter und verstummt endlich resigniert. Insofern bin ich ja Siegerin geblieben, aber mit der Morgenruhe ist es leider auch vorbei, denn ich gehöre zu den Menschen, die nicht wieder einschlafen können, wenn sie einmal aufgewacht sind. — Und so hat er doch seinen Willen bekommen!
Es ginge ja alles noch, wenn er mich zu einer Zeit weckte, zu der ich ohnehin ausgeschlafen habe! Auf eine Viertelstunde mehr oder weniger sollte es mir ja nicht ankommen. — Aber warum müssen "j man aufstehs, wenn
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■•ebsge kleinem Vette steht und allmorgendlich mit seiner
groß, dünnen aber durchdringenden Stimme meine ir uni iißesten Träume zerreißt! Ich möchte wissen, st U oelcher von geradezu teuflischer Grausamkeit be» . iselte Uhrmacher den ersten Wecker erfunden hat? lnd ich hatte Luft, ihm noch nachträglich etwas lafür anzutun! Wer keinen Wecker hat, oder wer, bas noch besser ist, sich nicht wecken zu lassen idraucht, weil ihm nicht die Pflicht, jeden Morgen zu bestimmter Stunde aus den Federn holt, der kann sich das garnicht vorstellen, welchen Kampf man täglich mit diesem unerbittlichen Warner aus» lusechten hat. Und wenn eine gütige Fee käme. Die mir drei Wünsche freistellte, so würde mein erster dieser drei Wünsche fein, meinen Wecker für bnm er in den nächsten Fluß versenken zu dürfen . . Dabei ist mein Wecker noch gar nicht einmal häßlich. Er gehört nicht zu den Fixkötern unter (den Weckern, die man für drei Mark oder noch
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Roman von 3. Schnerder-Foersil. llrheberrechtsschutz durch Verlag Osk. Meister. Werdau.
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7- Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
.. „Er wirft ihn ab, Vater!" schrie sie entsetzt. Im todtsten Augenblick hatte der Wagen die Anhöhe seicht. An ihnen vorbei raste das Pferd heimwärts, ohne Reiter im Sattel.
„Fahren Sie, was Sie können!" rief der Kommerzienrat dem Führer zu.
Der Wagen schoß in langen Sprüngen vorwärts. „Dort!" schrie Petersen. Auch der Chauffeur Mattc bereits gesehen, daß ein Körper auf dem Wteindamm nahe dem Flusse lag. Mit einem mäch- Mgen Ruck hielt der Wagen. In langen Sprüngen : eilte Petersen nach der Stelle. „Holen Sie Dr. Klarsten," rief Lona dem Chauffeur zu und lief Dann ihrem Vater nach.
Il Den Kopf nach abwärts lag Helbing in dem ■epteingeröU. Aus einer klaffenden Wunde, nahe den Schläfen, schoß das Blut und träntte den Bo- °ka ringsum. Mit einem Iammerlaut sank Lona neben ihm nieder. Petersen hob Helbings Haupt ,.,^«WÜ^-^gte es in ihren Schoß. Sein Blut rann auf L W^hr Kleid, ihre Hände und rötete die Steine neben» »indKj Der Kommerzienrat war an den Fluß hinab- '^Uh Zungen und brachte sein mit Wasser getränktes ichentuch, um das Blut zu stillen, aber es rann HH™ rieselte unheimlich weiter. Helbings Augen ^Aaren geschloffen, das Gesicht schneebleich bis in die Regungslos lagen die Arme zur Seite. Myo M^achts zeigte, ob noch Leben in seinem Körper war.
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Dein Taschentuch," bat Petersen und eilte dann hinab an den
Wecker immer verlangen, daß es draußen noch stockfinstere unfreundlich ist? Das ist eine Extra-Bosheit von ihm! Sucht man diese zu umgehen, indem man den Wecker auf die letztmögliche Minute stellt, dann rächt er sich dadurch, daß er, statt wie sonst eine Viertelstunde zu früh, diesmal 5 Minuten zu spät weckt. Die Folge davon ist eine atemlose Hetz- jagd; natürlich reißt wie immer bei solchen Gelegenheiten, das Schuhband, selbverständlich muß man an der Straßenecke umkehren, weil man etwas vergessen hatte, und mit positiver Sicherheit sicht man „seine" Bahn gerade noch um die Ecke verschwinden! Alles dies hat das boshafte kleine Ungeheuer verschuldet, und wenn er am anderen Morgen seine Stimme erhebt und sich dabei förmlich schüttelt vor Wut und Eifer, dann hat er ein geradezu menschliches, boshaftes Gesicht. „Rrrrrr!" sagt er. „Siehst Du wohl, mein Kind? Ich werde Dich Pünktlichkeit lehren! Bei mir gibt es kein
Nacht und kalt und
Mogeln!"
Der einzige Morgen in der Woche, an dem ich den Wecker mit einem wahren Genuß höre, ist der Sonntag! Und zwar aus zweierlei Gründen: Erstens, ich stehe »nicht auf, ich denke garnicht daran, es fällt mir ja nicht im Traume ein, mag der Wecker sich schwarz und scheckig klingeln, und das ist wirklich ein wundervolles Gefühl! Oder aber mein Feind, der in diesem Falle mein Freund ist, weckt mich vielleicht sogar noch eine Stunde früher als gewöhnlich, weil ich etwas Angenehmes vorhabe. Eine Wanderung, einen Ausflug, eine Skipartie . . . Und dann ist mir seine Stimme einmal wirklich eine hochwillkommene Mahnung!---
Die Aetlattfiatten ««d die Gievb- SiMeti in der Msvlnr AeUen-
Katta« kn den Oabven 1921 und 1925
In der Zeit von 1921 bis 1928 (für 1926 und 1927 liegen noch keine Zahlen vor) haben sich die in den preußischen Heilanstalten vorhandenen Betten um rund 10 000 vermehrt. Die Zahl der in den Heilanstalten verpflegten Personen ist um rund 140 000 gestiegen. Gleichzeitig ist die Sterblichkeit nicht unbedeutend zurückgegangen. Wenn sich nun auch ein Zusammenhang der Vermehrung der Betten und der Verpflegten mit dem Rückgang der Sterblichkeit statistisch nicht einwandfrei nachweisen läßt, so scheint ein gewisser Einfluß doch zu bestehen. Die nachstehenden Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1925, während die entsprechenden Zahlen für 1921 in Klammern bei« gefügt wurden. In ganz Preußen gab es 2210 Heilanstalten (2218). Darin befanden sich 214127 Betten (204 473). Es wurden an Kranken verpflegt: 1884 417 (1745 682). Auf je 1000 Einwohner kamen an Betten: 56,27 (54,04) und an verpflegten Kranken: 495,18 (461,36). Von je 1000
Boden will ich schlafen, hungern und frieren will ich, nur laß ihn leben! —"
„Lona!" bat Petersen verzweifelt.
„O, Vater, was ist all' meine Reue! Mit meinen Händen würde ich ihn aus der Erde scharren, wenn er verschüttet wäre. Auf den Knien wollte ich ihm dienen, wenn er lebte!"
Dann kam der Wagen, der Karsten brachte. In großen Sätzen mit keuchendem Atem kam der Doktor den Hang herab. Er kniete, ohne auf seine Umgebung zu achten, nieder und riß Helbings Rock auf. Er horchte mit allen Sinnen gespannt.
Einwohnern starben 11,85 (13,63). Die verhältnismäßig meisten Betten hatte der Regierungsbezirk Münster mit 89,66 (Köln mit 93,34), die wenigsten die Grenzmark Posen-Westpreußen mit 21,06 (19,54, die meisten Verpflegten Regierungsbezirk Köln mit 734,33 (ebenfalls: 717,19), die wenigsten die Grenzmark Posen-Westpreußen mit 193,27, (Hohenzollern mit 147,18) auf je 10 000 Einwohner. Die geringste Sterblichkeit wies auf Regierungsbezirk Stade mit 10,06 (ebenfalls mit 11,17), die größte Regierungsbezirk Stralsund mit 15,00, (Olcrschlesien mit 19,41) von je 1000 Einwohnern.
Der Regierungsbezirk Kassel hatte 47 (47) Heilanstalten mit zusammen 4433 (4454) Betten. Darin wurden 40 422 (38 745) Kranke verpflegt. Auf je 10 000 Einwohner kamen 40,63 (41,84) Betten und 370,52 (363,93) verpflegte Kranke. Von je 1000 Einwohnern starben 10,99 (12,38).
Der Regierungsbezirk Wiesbaden hatte 93 (97) Heilanstalten mit zusammen 8699 (8236) Betten. Darin wurden 79 326 (70 392) Kranke verpflegt. Auf je 10 000 Einwohner kamen 67,03 (64,29) Betten und 611,22 (549,27) verpflegte Kranke. Von je 1000 Einwohnern starben 11,31 (12,38).
* Daten für Dienstag, 3. Januar. Sonnenaufgang 8,5, Sonnenuntergang 16,4; Mondaufgang 13,11, Monduntergang 3,23. 106 v. Ch. Marcus Tullius Cicero in Arpium geb. (gest. 43 v. CH.). 1803: die Sängerin Henrielle Sonntag in Koblenz asb. (gest. 1854). 1829: der Philologe Konrad Duden auf Gut Boffigt bei München geb. (gest. 1911). 1912: der Geschichtsforscher und Dichter Felix Dahn in Breslau gest.
* Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungskosten im Dezember 1927. Die Reichsindexzifser für die Lebenshaltungskostens Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und „sonstiger Bedarfs beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Dezember auf 151,3 gegen 150,6 im Vormonat. Sie ist demnach um 0,5 v. H. gestiegen. Bei den Ernährungsausgaben werden Steigerungen der Preise für Eier, Gemüse und Kartoffeln durch Nachgeben der Preise für Fleisch nur zum Teil aus. geglichen. Die Bekleidungsausgaben haben ihre Auswärtsbewegung fortgesetzt. Die Indexziffern für die einzelnen Gruppen betragen: (1913 bis 1914 gleich 100) für Ernährung 152,8, für Wohnung 125,4, für Heizung und Beleuchtung 146,4, für Bekleidung 155,7, für den „sonstigen Bedarf" einschließlich Verkehr 185,8.
* „Durchdruck'-Telegramme. Vom 1. Januar 1928 an wird — zunächst versuchsweise — unter den nachstehenden Bedingungen zugelaffen, daß der Absender eines Telegramms bei Aufgabe durch Fernschrecher gegen eine besondere Gebühr von seinem Telegramm einen Durchdruck verlangen kann: 1. Das Verlangen nach einem Durchdruck kann sowohl auf Zeit als auch im Einzelfall gestellt werden; in solchem ist es unmittelbar vor Beginn der Telegrommaufgabe auszusprechen, also schon auf die Meldung des Amts: „Hier Tele- gramm-Aufnahmestelle" mit dem Worte: „Durchdruck". 2. Der verlangte Durchdruck wird dem Trie- gra-mmabsender unter Briefumschlag als Postsache in der Regel im Wege des nächsten benutzbaren planmäßigen Brieszustellgangs übersandt. Wünscht de» Absender die 2 auf andere bei Post»
sendungen zulässige Weise, so muß dies beim Ver- langen des Durchdrucks besonders angegeben werden, z. B. „Durchdruck telegraphenlagernd" „Durchdruck Bote", „Durchdruck Schließfach 2,33 usw. 3. Als Sondergebühr wird für jeden ein- zelnen Durchdruck ohne Rücksicht auf die Längs des Telegramms eine Gebühr von 20 Rpf. erhoben, womit auch die Zustellung durch die Post abge- gölten ist. Wird die Zustellung durch besonderen Boten verlangt, so sind im Ortszustellbezirk weitere 30 Rpf. int ganzen also 50 Rpf. zu zahlen; hat die Zustellung nach dem Landzustellbezirk zu erfolgen, so ist außer der Gebühr von 20 Rpf. der entstehende Eilbotenlohn, mindestens die TP.-Gebühr, zu entrichten. 4. Wird ein Durchdruck erst ver- langt, wenn die Aufname des Telegramms bereits begonnen hat, oder nachträglich, so handelt es sich um eine Telrgrammabschrift im Sinne des § 23 der Telegraphenordnung, für die die Sonder-
gebühr mindestens 1.20 RM beträgt. Die Bestimmung im § 24 der Telegraphenordnung, wonach die DRP. für Versehen bei der Aufnahme durch Fernsprecher nicht haftet, bleibt unberührt; Berichtigungen kann der Absender nach wie vor nur durch eine gebührenpflichtige Dienstnotiz (St- Telegramm) verlangen.
* Der Gottesdienst für Taubstumme wird am Sonntag, 8. Januar, nachm. 3 Uhr, im evangel. Vereinshause von Herrn Pfarrer Scheig abgehalten. Anschließend findet die Weihnachtsbescherung für mittel- und arbeitslose Taubstumme und deren Kinder statt. Edle und warmherzige Menschenfreunde werden freundlich gebeten, durch Abgabe von Lebensmittel, getragenen Kleidungsstück und Geldspenden zu helfen, um auch den Aermsten der Armen das Freudenlicht der Weihnachtskerzen erstrahlen zu lassen. Dec Hausvater des evangel. Vereinshauses, Herr Müller, und die Herren Johannes Glänzer, Langstr. 15 und Theodor Rehnelt, Krämerstraße 2 nehmen die Gaben bis 6. Januar in Empfang.
Hk. Handbuch für die Beschaffungsskellen der Reichsbahn-, Privat- und Kleinbahnen. Die Geschäftsstelle Hanau der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.-Hanau macht darauf aufmerksam, daß die Reichsbuhndirektion — Eisenbahn-' werk, Berlin SW 61, Belle- Alliancestr. 92, ein Handbuch für die Bescha-ffungsstellen der Reichs-, Privat- und Kleinbahnen im Laufe des Januar 1928 herausgeben wird. Das Handbuch entgalt die Zusammenstellung der gesamten Bedarfsgegenstände der Reichsbahn in sachlicher Ordnung unter gleichzeitiger Namhaftmachung von Lieferfirmen u. unter Angabe der die Beschaffungen bewirkenden Stellen.
* Vorsicht beim verbrennen der Deihnachls- bâume. Der Duft, den die Zweige des Christbaums ausströmen, stammt non flüchtigen, wohlriechenden Oelen, die in Form kleiner, allerfeinstverteilter Tröpfchen in den Nadeln verteilt sind. Werden die Nadeln stark erhitzt, so sprengen die Tröpfchen die Zellwand und verorenren unter Heller Flamme und dem bekannten Knistern. Sind die Zweige recht trocken geworden, so kann beim Verbrennen im Ofen eine Explosion entstehen. In diesem Falle verbindet sich der aus dem Tannenholz entweichende Kohlenstoff mit dem Sauerstoff im Ofeninnern zu einem explosiven Gemenge. Man verbrenne daher immer nur kleine Mengen der trockenen Zweige auf einmal und schiebe immer erst dann neues Zweigwerk nach, wenn das alte bereits abgebrannt ist. Ein zu starker Zug im Ofen ver- mchrt durch den vermehrten Zustrom von Sauerstoff die Gefahr einer Bildung von Explosionsgasen.
* Zu einer folgenschweren Schlägerei kam es am Samstag nachmittag gegen 4 Uhr in der Stein- Heimerstraße zwischen fahrendem Volk. In Verlauf der tätlichen Auseinandersetzungen brachte ein am Alten Rückinger Weg ansässiger Händler seinem WDersacher mit einem Rasiermesser mehrere tiefe Schnitte im Gesicht, am Hrnterkopt u. an beiden Händen bei. Der Verletzte wurde von der Arbeiter-Samariterkolonne ins St. Dmeznkrankenhaus verbracht. Die Verletzungen sollen ernster Natur sein. Der Täter wurde in einem am Alten Rückinger Weg aufgestellten Wohnwagen festgenommen und wegen bestehendem Fluchtverdacht in das Gerichtsgefängnis eingeliefert.
* Großer Rothenbucher Maskenball. Die int Jahre 1906 ms Leben gerufene Abteilung des Vereins der Hochwejjartfreunde . Rothenbuch e. V. ist einem Beschluß seines Hauptvereines zufolge ab 1. Januar 1928 in den Speffartbund übergetreten und führt infolgedeffen ab vorgenanntem Datum die Bezeichnung: „Speffartbund e. V., Ortsgruppe Hanau" mit dem Zusatz „fjodjfpeHartfreunbe Rothenbuch. Genannter Verein eröffnet den Reigen der diesjährigen Maskenbälle bereits am kommenden Samstag, 7. Januar mit einem Großen Rathenbucher Maskenball in der Centralholle. Siehe auch heutiges Inserat.
* Silberne Hochzeit. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern morgen Dienstag, 2. Januar Herr Otto Fritsche und Frau Marie geb. Jüngling, Hirschstraße 10.
* Kindergarten im Evgl. Vereinshaus Wiederbeginn Mittwoch, 4. Januar.
* Die Bilder in unserem Samstagartitel „Dis
Neujahrsglocken läuten Bastian gezeichnet.
waren von
gewußt und schwieg, weil er mich darum bat. Wenn ich zur rechten Zeit gesprochen hätte, wäre das alles ungeschehen geblieben."
Ueber Lonas Mund stahl sich kein Laut. Ihr Gesicht war so weiß wie das Helbings, in welches sie unverwandt blickte. Keine Muskel ihres Körpers regte sich. •
Dann kamen die Träger, die Karsten in der Eile bestellt hatte. Simmen war dabei und Ferdl. Simmen entblößte das Haupt und weinte haltlos, wie ein Kind, in seine Hände. Der Ferdl aber mußte feinem Unmut Lust machen.
„So viel Spitzbub'n lauf'« umanand'" sagte et zornig, „und koan passiert was! Bloß die Guat'n müss'n alleweil d'ran glauben, daß ja not zuviel
wenn du zu wirrer Schmitt fahren wolltest, Lona wir dürfen keine Zeit verlieren!"
Sie nickte. Während der Kommerzienrat in die Villa eilte, schoß das Auto von neuem dahin, sâen Weg nach dem Pfarrhof nehmend.
In seinem großen, kühlen Studierzimmer mit den mächtigen Bücherregalen an den Wänden und dem großen, runden Eichentisch in der Mitte, stand Pfarrer Schmitt mit Kooperator Ellermann. »schmitt schlug eben ein ledergebundenes Buch auf und drückte Ellermann mit der einen freien Hand in einen bequemen Lehrstuhl.
„Tu' dich setzen. Ludwigl, und ich diktiere dir nachher, strengt's dich nicht so an und ich mein Hall immer, es wär' besser, wenn ich Amt und Predigt halten würde, und du tust die Frühmess' lesen.
Der Kooperator sah ihn bittend an.
„Es ist ein Kreuz! Ich kann halt nicht nein sagen, wenn du mich so anschaust, Ludwigl. Probierst es halt in Gottes Namen! Wie willst denn die Predigt einleiten?"
„Mit Christi Worten: „... denn ihr wisset weder den Tag noch die Stunde!" erwiderte Ellermann. Ein trockenes Hüsteln kam aus seinem Munde und seine Stimme hatte einen ungewohnten heiseren Klang. Besorgt sah ihn Schmitt an.
Im gleichen Augenblick hielt vor dem Hause Petersens Kraftwagen. Lona sprang heraus und eilte ins Innere. Sie hörte im Studierzimmer sprechen und trat hastig ein. Hatte sie geklopft? Sie wußte es nicht. Schmitt sah erschrocken auf, das Wort erstarb ihm auf den Lippen, als er in Lonas bleiches, verstörtes Gesicht sah. Ellermann entfernte sich schweigend. „Was mochte es da gegeben haben? War der Kommerzienrat plötzlich erkrankt? Hatte sich in der Fabrik ein Unglücksfall erreignet?"
„Lona, was ist denn passiert?" frug Schmitt bestürzt, als sie nicht Anstalt machte, zu sprechen. „Komm, tu dich setzen," sagte er liebevoll.
Sie schüttelte den Kopf. „Herr Pfarrer, der He - Direktor ist tödlich verunglückt! — Sie möchten kommen!" entrang es sich mühsam ihren Lippen.
„O, du tiefer Gott! Du lieber Gott! Lona, ist denn das möglich? Ich tag leich kommen, gelt gleich!" Und als sie noch immer starr und regungslos stehen blieb, sagte er mit herzlicher Teilnahme: „Gelt, tust dich recht grämen um den Herrn Helbing, du ann's Kind'l?"
(Kyrtsetzung folgt).
„Das Herz schlägt noch!" sagte er erschüttert. Von Lonas Lippen kam ein leiser Ruf! Petersen wischte sich mit dem Handrücken über die Augen und schluchzte unterdrückt aus.
„Lassen Sie mich Hans mehr in ihren Schoß legen, gnädiges Fräulein. Ganz vorsichtig, Herr Kommerzienrat," bat er, als Petersen ihm dabei behilflich war. „Wenn er nur erst den Transport überstanden hätte." Mit weichen, behutsamen Händen legte er Helbings Kopf etwas zur Seite und machte einen Notverband.
„Ist die Wunde lebensgefährlich?" frug der Kommerzienrat angstvoll.
„Ja! Es scheint, daß er auch noch schwere innere Verletzungen dauongetragen hat," sagte Karsten mit merklich schwankender Stimme. „Vorläufig habe ich gar keine Hoffnung auf Rettung. Es kann noch einige Stunden dauern! Vielleicht kommt das Ende heute Nacht!" Er fuhr schwer atmend über die Stirne, auf der dichter Schweiß stand.
Lona starrte ihn entgeistert an und hob wie ab- wehrend die Hände.
„Verhalten Sie sich ganz ruhig, Fräulein Peter- sen", mahnte Starften. „Auch die kleinste Bewegung kann von Unheil sein. Lene sagte mir, daß Hans mich sprechen wollte, aber ich war unglücklicher, weise nicht zu Hause. Hat es irgendwie etwas gegeben, Herr Kommerzienrat?" fragte er und sah Petersen scharf ins Auge.
Petersen nickte und erzählte kurz. „Ich bin ihm nachgefahren, um ihm den Schimpf, den ich ihm angetan habe, abzubitten," sprach er anfügend, „und habe dadurch das Unglück verschuldet."
Erst jetzt sah Karsten, daß der Kommerzienrat in Frack und Weste war.
„Wir bereuen immer erst, wenn es zu spät ist!" sagte der Doktor. „Ich auch! Ich habe von der Sache
Peter-
brave Leut' gibt aus der Welt."
Behutsam nahmen sie Helbings Körper auf. Schritt für Schritt, um auf dem steinigen Boden jede Erschütterung zu vermeiden, stiegen sie den Hang hinauf. Erleichtert atmete Karsten auf, als sie die Straße erreicht hatten und Helbing auf oem federnden Krankenwagen lag. Der Chauffeur wartete unweit davon mit dem Wagen. Karsten erklärte, er werde mit den Trägern gehen, falls seine Anwesenheit unterwegs nötig sein sollte. Als Petersen schweigend in sein Auto stieg, bat der Doktor: „Bitte telephonieren sie sofort um eine Schwester, Herr Kommerzienrat!" Dann näher an ihn herantretend. „Wenn Sie Pfarrer Schmitt ver- ständigen wollten, wäre ich Ihnen sehr dankbar!"
Lona hatte die Worte aufgefangen. Aufschluchzend legte sie den Kopf gegen den Wagenschlag. Petersen hob sie hinein. Fast lautlos glitt dieser in den Sommertag hinein. Von den Feldern herüber klang das Lachen der Erntearbeiter und schnitt Lona ins Herz. Sie saß auf dem Rücksitz und .irrte unverwandt nach der Grup"e auf der Landstraße die immer kleiner wurde und dann bei einer Biegung ganz verschwand. Ihr war, als läge tiefdunkle Nacht über der Erde, als würde es niemals mehr Licht und Sonne für sie geben, jie hörte man, was Petersen sprach und sah nur immer zwei geschloffene Augen in einem blassen, blutüberströmten gesichte und zwischen hinein klangen Karstens Worte, „wir bereuen immer erst wenn es zu spät ist". Dann hielt der Wagen, Petersen sprang heraus und sagte hastig: „Ich will um eine Schwester telephonieren und Behrens verständigen, daß er sein Zimmer bereit hätt.
M»?. Lonas Spitzentüchlein wieder bi während Lona das ihres B
. Helbings Munk» nro6f»
während Lona das ihres Vaters gegen
Ebings Wunde preßte.
Zurückgckommen, preßte der Kommerzienrat sein an die Stelle, wo Helbings Herz lag.
"Tot' — Tot!" stöhnte er wimmernd auf.
. , er!" schrie Lona entsetzt und beugte sich zu ei^ MA Enngs Gesicht herab. „Lieber! — Liebster! —
Ar mich doch! — O Gott, so grausam sannst du T i fu/daz^ ."Echt strafen wollen. Nimm mein Leben ZusM
SN w I D:
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>ühnen wM ich! — Auf nacktem
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